Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1101 (21.2.1922)
- Date
- 1922-02-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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WIENER MORGENZEITUKTC? 21. Februar 1922? Nr. 1101 ieterschutz und Pie Optionsfrage. k>r? UynKAxK« Lanässkomits« fflr Oesterreich Kalte füf Sonntag vormittags eine Versammlung in cien Saal des Hotel kontinental «jnbentfen, um zu dem neuesten Versuch c|«r antisemitischen Parteien Oester« reich? Stellung zu nahmen, He ffrymdschßtztz auf das Gehlst der Wohnungsgegetzgebung?u übertragen. In der Versammlung kam die Entschlossenheit der zionistischen Organisation zum Ausdruck, dieses neuerliche Attentat gegen die Juden auf keinen Fall zuzulassen, Ebenso konnten die beiden Redner Abgeordneter § t r i q k e r und Gemeinderat Dr. P 1 sl s h k e s erklären, daß in der Frage der Optionen die Zuversicht berechtigt sei, daß die Frage nunmehr jn Bälde in gerechter Weise gelöst werden wird. Als erster Redner besprach Abgeordneter Stricker das Mieterschutzgesetz, dessen Einführung während des Krieges notwendig geworden war. Heute habe es sich erwiesen, daß die Mietzinse oft lächerlich niedrig sind und es habe sich gezeigt, daß es nicht angebt, auf einem einzigen Gebiet die allgemeine Preiserhöhung zu drosseln. Die Sozialdemokraten haben die Lösung der frage aus demagogischen Gründen hinausgesehoben, aber man kann diß Menschheit nicht befreien, indem man sich eine Klasse ausborgt. In den von ihnen verwaltetenBetrieben sind die Sozialdemokraten auf die Notwendigkeit der Preis* Erhöhungen verfallen, was am besten die Tramway beweise; Während also eine gewisse Erhöhung der Mietzinse als billig anzuerkennen ist, haben die Christlichsozialen versucht, den Mieterschutz ganz fallen zu lassen, was an* gesichts des fehlenden Wohnungsmarktes eine Unmöglich* keit ist. In diesem Streite der beiden Parteien, in welchem die Sozialdemokraten nicht zurückkonnten, weil sie sich deq Arbeitern gegenüber festgelegt haben, sind die Großdeutschem auf dem Plan erschienen, um beide Teile zu befriedigen. Die Methode ist einfach und durchsichtig: man will sich an den Juden schadlos halten. Man sagt u s I ä n d e r“, das sind aber nicht bloß die nach dem Juli 1914 Eingewanderten, sondern die jüdischen Opfer Wabers, Diese Versuch? sind, nebenbenbei bemerkt, eine große Dummheit, denn die Folge wäre, daß kein Wiener je eine Wohnung bekäme, sondern nur zahlungsfähige Ausländer. Wir Zionisten werden einem solchen Versuch mit der größten Energie entgegentreten, wir werden solche Dinge nicht zulassen und werden in diesem Kampf recht behalten, ebenso wie wir reqhtbehaiten werden im Kampf gegen das Unrecht bei den Optionen. Wir haben dieser Frage vom ersten Augenblick an unser volles Augenmerk zugewendet und haben die begründeteAussjchb daß den Opfern der antisemitischen Wabe r*Wirtschaft Gelegenheit gegeben sein wird, sich ihr Recht neuerlich zu suchen. Wenn die Juden zusammenstehen und sich hinter uns stellen werden, dann wird es uns gelingen, solche Attentate gegen unser Recht abzuwehren. Redner bespricht zum Schlüsse die Haltung der Sozialdemokraten, welche im 2. Bezirk zahlreiche jüdische Stimmen erhalten haben, aber für die jüdischen Interessen keinen Finger rühren wollen und das Treiben der „Judenpresse*, vor allem der „Neuen Freien Presse“, welche sich als Stütze der Großdeiftschen und Wabers geberde. (Lebhafter Beifall.) Gemeinderat Dr. Plaschkes bespricht zunächst die Verschrobenheiten der antfsemiti1schen Politik in Oesterreich, welche durch die Namen Sever, Waber und J e r z a b e k gekennzeichnet seien. Man hatte geglaubt, daß wir die Blamage der Severschen Ausweisungen ver* gessen werden, da hat er es für gut befunden, den Kampf gegen den Rabbiner und Stadtschulrat aufzunehmen, weil er sich gegen die christlichen Geistlichen nicht auflehnen wollte. Das Programm des Jerzabek sei viel eindeutiger, es heißt, Kampf gegen die Juden auf der Ringstraße, Was Waber anlangt, so hielt man ihn schqn für erledigt und He Großdeut?eh#ß für abgetan, ti hat, er im S t.a a t s a n w a 11 Frank eine neue Ai erstehung gefeiert Das Bestehen einer Wohnungsnot : Tatsache, aber dies sei überall der Fall u keine österreichische Spezialität. Eine österrelchisc Spezialität Ist nur die Dummheit, wie man l Frage hier beikommen will. Die Verordnung Über d Mieterschutz hat sich bewährt, weil aber die Wohnbr Steuer den Hausherren nicht gefallen hat und der Miet Schutzentwurf nicht den Sozialdemokraten, sucht man der Ausländerformel einen Ausweg. Wir werdi nicht dulden, daß offene oder v e steckte Judengesetze gemacht werden 'u werden trachten, Oesterreich diese neue Schmach zu i Sparen. Ditz Frage der Mietzinserhöhung kann diskuti werden, aber eine Lockerung des Mieterschutzes darf für niemand erfolgen und wir werden h keinerlei Schliche zulassen, Man meint die Ausländer t trifft die Inländer. Man gehtgegen diejud los und trifft den Staat. Wer zahlen wird, w durch keine solche Verfügung getroffen werden, es s wieder nur die Armen, die hier büßen sollen wie Severs Ausweisungen. Die jüdischen Sozialdemokra schweigen, wenn die Juden bedroht werden, aber es w Sache der Wähler sein, Rechenschaft zu v langen. Redner bespricht die Haltung der „Arbeit Zeitung“ in dieser Frage und das Treiben der sogenann Judenpresse und erklärt: „Wir Zionisten sie! allein auf dem Standpunkte, daß es keil Unterschied zwischen Juden geben dark. Wir werden ' Kampf führen und als volksbewußte Juden sagen wir Regierung, daß es nicht angeht, versteckte Ausnah! Verfügungen gegen Juden zu treffen. Der Fremdenhaß i der brutale Antisemitismus müssen verschwinden. Qe§1 reichs Regierung muß wissen, daß sie ln allem auf Ausland angewiesen Ist, und daß die Juden de? Auslan großen Einfluß haben, wie sie immer bereit waren, mit größten Wirkung für dfe Not Oesterreichs einzutreten. Und vor allem, daß man die Friede vertrüge nicht brechen darf, in denen der Sei der Minoritäten und der Fremden ausgesprochen wird.! haben auch in der Frage der Waberych Optionserledigung nichtgeruht und haben Kyl Augenblick anfgehört, dagegen zu protestieren, da brut Rassenantisemitismus seinen Eingang finde in die Qes< und die Verwaltung. Wir haben diesen Standpunkt Zeit von Wabers Ministerschaft und nachher verfocl und wir red nen mit Bestimmtheit darauf, daß es in n zu ferner Zeit möglich sein wird, He Frage Optionen einer Revision zu uflt ziehen und einer gerechten Erledigung zuzuführen, jüdischen Mandatare der ziöhlstischen Partei werden . stets unserer Pflicht bewußt sein ugd werden unsere gr Kraft Einsetzen, daß sich nicht unter dem Titel des Mist Schutzes eine neueFremdengesetzgebu in Oesterreich etabliere. Wir werden einen solchen * such zu verhindern wissen und wenn es nicht am geht, auch den Schutz des Auslandes aufrqfen. Die Ausführungen der beiden Redner wurden lebhaftem Beifall aufgenommen. * Die „Politische Korrespondenz“ schreibt: Die einem Montagsblatte gebrachte Nachricht, daß ln Frage der Optionen bereits eine neue Praxis vei wurde, nach der die Revision aller abschlägigen Optii entscheidungen von Amts wegen durchgeführt werden entspricht nicht den Tatsachen. Diese Erklärung betrifft einen vom gestr „Morgen“ sensationell aufgemachten Artikel desRec anwaltes Dr. R o s e n f « 1 Ü. Wie aus dem obigen sammlungsbericht hervorgeht. Ist die zionistische Orgar tipn und Ihre Vertretung seit dem Auftauchen der Opti , frage unablässig bemüht, den gerechten Forderungen jüdischen Optanten Gehör zu verschaffen. Die leichtfei Art, in der 'die so wichtige Angelegenheit zum Gegens einer Sensationsnachricht herabgesetzt wird, ist nicht eignet, der Sache zu dienen. Wir sind überzeugt, daß Regierung die Gerechtigkeit unseres Standpunktes eins» und danach handeln wird. ' Steife 2 Wien, Dienstag feim-es jüdcisdrem NationailCieims, sondern bezeichnet auch die Miüiel und Wege, wie es ziu erreichen sei. Ma<nda<t wupch? bjs'ber wegen der Schwierig- Ste-dey der 'NKchLnritzßWM noch pgüafimtert, doch s& die Hpffrwg begründet, daß dje näetoste Versammlung de? Völkerbund«? 4 i e N a f i k j? j e r V m st v o f n e Ji m e p Md dsiim'H dte soliden polnischen' Grundlagen UV? öj« Verwateu-ng dis? Lanid«s schaffen wende. In che? gwi^cihanigeit wird Vs, waihupg im Z-MM chtzä MälN'dNsentwirrtes geführt Es Kr Ihm dich bleib«, m-3mch« Lctowicrigkeatvn ergeben, aber trchz stll-edism säetor di« Tateacb« ktzsit, chaß die Welt dier Amschauiumg huldigt, daß kein großes Land fiirdcrihiiin wüsit und le«r gelassen werd«»n dürkst. WeilMMu wendet siqh gegen die Aium^treiuanngen der A*mtisciruirbe«n, daß dii« Juden die Unlerdirück-uing der AraJber sich zum SZiele gesteckt heben. Außer den Juden utnd Atnaibern :soi ja aiuch die Majnida-tisma-pln.t 'toter, dtie mit aller Um* sicht danamf sieht, daß Beetee Ungerpchitagüceitt gescheibe, und er hohe Vertrauten in den brtftflsdhen Gerechtigkeidissiran. Die Graindizüge für eine Verfassung Palästinas schyn veröffenrtlicihit worden und direse bieten der arabischen Bevölkerung die Möglichkeit, Sbre Am&icihten LusiyMprechW Md ihre Interessen zu verteidigen. Die Apnjisten begfüß'ter} diese Verfassung, weil sac keime -politischtem Prwilegien in Palästnna für sich verlangten. Sie tendierten rjur eines: Ein« unizweidieutige, klsre Möglichkeit, auf ihren ei genen Verdiensten und Rechten zu best ehern Di« Verfasemmg stellt jedoch auch yinc A^uffordcruing an dös Judentum dar Die Aufgabe. Großbritanmiiems ist iqi d«m Moment beendet, wo politische Bedingungen ge&ghaften sind, und ps liegt nun an dem Judiepchum selbst, mit den gegebenen Bedingungen das nMoniai!« Hednp §wf9U» bauen und es bestmöglich zu gestalten. Redner i'ät kberzei'^t, daß dieses Untenne’-imen selbst unter den schwierigsten Dyiständen kymen Mißerfolg halben werdt. weil das Judentum m Stzimm Geiste uuzerstörKar ku _____ Oesterreich. Die Kredithilfe. Mr. Young über seine Mission. Der am Sonntag abend» hier eingetroffepe eng- Jfeohe Fmamizdclcgiert« Mr. Young hat gestern die Dsspirech-umgen mit dem Kanzler Dy. B^hP'ber u*r»d dem Fflniaozminister Dr. Gürtler auf ge* mommen. Bei einem Empfang Vertreter der (VVjener Press« machte Herr Young einige Mitteilungen üben seine Aufgabe, Er erklärte, daß sich seine Tätigkeit apsscihließliich awf die Kontrolle der V e r w e<p.diu ng de? engl jseben Kredits beschrä'N'ke, daß di« Kredite dier ah-cterem Staaten seiner Aufsicht nicht unter* •liegen*; ferner daß er nicht dLe Au-kgabs ^bslbc. das -Budget Qsss!-reichs und de-Lsen Fruanztzn irgendejuer Kumtnollle m unster-zeehen. Seine Aufgabe beschränk« sich darauf, w achten, daß di« zwd Millionen Pfund, die England kreditiert habe, nicht für unproduktive Zwecke verwendet werden ln diesem Falle steh« ihm das .Vetorecht zu. Er hailte sich für venpfliohtet, diamaaif hiiwzuweisem, um die Bewölk-enung vor Enttäuschungen zu bew®iir«n, daß an ein« wesentliche Besserung der wirtschaftlicher, Vehhältmis&e Oesti;rreichis durch Um englischen Kredit nicht zu denken sei Er glaub« auch nicht an ein bedeutend«» Sinken der Warenpreise, da He Weltmarktparität vielfach noch nicht erreicht sei. Allerdings sei arnrunchimen. daß die Welt* mafhiüprew« etwas sinken werden, und daß sich dam«, «ön Ausgleich auf mittlerer Linie vollziehen werde. Ein« Stabilisierung der Krone auf oknem höheren Wert sei derzeit n i-eht möglich; die Industrie und der Export stehen vor einer Kris«, deren Schwierigkeiten nicht zur übersehen sind. Die gegenwärtige Kreditaik*tkvn sei alilendlng^ mar der Beginn der Hdlfelciatung fw Oestenreteh: we-nn weitere größere Kredite seitenis id-es V ö 1 k e rbun d e<s upd anderer Staaten kommen werden, so werde damit gewiß mitt einer iangsa,m «n Besserung der VerhLlbnss'ä« ■•zu rechnen sein. Eine kroatische Volkspartei im Burgenland. Die Korrespondenz Herzog meldet: Die kroatisch sprechende Bevölkerung des Burgenlandes ist im Begriff, sich auf nationaler Grundlage zu einer selbständigen -politischen Partei zu organisieren. Die Partei stützt sich in erster Linie auf den durch den Friedensvertrag garantierten Schutz der burgenländischen nationalen Minderheiten und zwar in bezug auf Kultus, Schule und Sprachgebrauch in allen Zweigen des öffentlichen Lebens, ln wirtschaftlicher Beziehung wird die Partei die Agrarin teresssen der Landwirte wahren. Die politische Richtung der Partei ist christlich-bürgerlich sie wird jedoch für das Wohl sämtlicher Gesellschattsschichten Eintreten. Im übrigen will die Partei ihre Selbständigkeit allen anderen Parteien gegenüber wahren. Im Burgenland leben gegen 71.000 Kroaten. Das wirtschaftliche Abkommen mit Ungarn. Budapest, 20. Februar. (Tel,-Komp.) Das zwischen Oesterreich und Ungarn abgeschlossene und durch beide Regierungen bereits gefertigte wirtschaftliche Uebereinkommen solj am 1. März in Kraft treten. Bezüglich der Ratifizierung wartet die ungarische Regierung zuerst den diesbezüglichen Beschluß der österreichischen Nationalversammlung ab und wird dann auf Grund der Ermächtigung der ungarischen Nationalversammlung das Uebereinkommen im Verordnungswege ratifizieren. Polen. Die Neuwahlen zum Sejm, Warschau, 19, Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“). In der letzten Sitzung des Seniorenkonvents wurde unter Vorsitz des Sejmmarschalls Tromezynskl mit überwiegender Stimmenmehrheit beschlossoh, dem Plenum den Antrag duf Ausschreibung von Wahlen zum Sejm für den 25. Juni 1. |, zu unterbreiten. Dieser Beschluß ist auf besonderes Betreiben der Natftnaldemokraten und der Wltos-Gruppe zustande gekommen. Die beiden Parteien erhoffen von den Neuwahlen eine Stärkung ihrer Position. Der Finanzminister für Auslandskredite. Warschau, 19. Februar. (Tel. der „Wiener Modenzeitung“.) In der letzten Sitzung der Budeetkommission erklärte Finanzminister Dr. M i c h a! f daß er gezwungen sei, seine Sparmaßnahir im Staatshaushalte fortzusetzen und ' Streichungen von selbst wichtigen Budgetposten Schulen und dergleichen vorzunehmen, da die regul Staatseinkünfte kaum die normalen Ausgaben 4e' können., Er sehe den einzigen Ausweg aus die Finanzchaos in der Aufnahme von Krediten Auslände. Aber auch hier stoße er auf g Schwierigkeiten. Frankreich komme nicht in Betr da es selbst in Geldnöten sei, Amerika und Eng haben noch viel zu wenig Zutrauen zu Polen, als sie geneigt wären, Polen Kredite zu gewähren. Askenazes und Löwensteins Mlnisl kandidaturen. Warschau, 19. Februar. (Tel. der „Wiener Mo, zeitung“.) Nach hiesigen Blättermeldungen wird anges der bevorstehenden Ministerkrisis in einigen politis Kreisen die Kandidatur des Prof. Dr. Askenaze Außenminister und die des Dr. Löwenst (rühmlichst bekannt von den blutigen Wahlen in Di bycz Im Jahre 1911) zum Finanzminister lan (Für jeden Fall sind diese Nachrichten sehr Vorsicht! behandeln.)