Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-02-19 · Heft 1099 (19.2.1922) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1099 (19.2.1922)
Date
1922-02-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980179--10300-2996637
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 4 Wien, Sonntag WIENER ^lORGENZEITUNO 19. Februar 1927 Nr. 1099 Gummimäntel Arbeitsmäntel Schlosseranzüge En gras Zn haben bei En detalt Zinader & Co., Wien, XVI. Lerchenfeldergürtel 29 - Tel.32-3-57 Za erreichen mM den Straßenbahnlinien 4ß, 8 und 18. 1038 belastung von rund 30 Milliarden Krpnen jährlich erfahren. Der Finanzausschuß dürfte sich in der kommenden Woche mit dem Anträge befassen. Was die Regelung der FebruarbezBge der Bundesangesteüten betrifft, so erfolgt diese bekanntlich automatisch nach der Indexziffer, die nach amtlichen Feststellungen im Februar eine Erhöhung um 18% erfahren hat. Dadurch steigert sich der Personalaufwand um. weitere vier Milliarden, das ist 27 Milliarden pro Februar. Hiezu kommen noch die sich aus dem neuen Pensionsgesetz ergebenden Steigerungen, die sich den Bezügen der aktiven Bundesangestellten angleichen, so daß der gesamte Personalaufwand pro Februar mit rund 30 Milliarden eingeschätzt werden kann. Die Untersuchung gegen Major Scheibler eingestellt. Wie noch erinnerlich, wurde vor ungefähr dreiviertel Fahren der ehemalige Kommandant des Militärlagers in Zalaegerszeg Major Hermann Scheibler unter der Beschuldigung des Hochverrats1 verhaftet. Die Untersuchung in dieser Angelegenheit zählte zu den umfangreichsten dieser Art. Nun ist das Strafverfahren eingestellt und Scheibler enthaftet worden. Die Einstellung der Untersuchung erfolgte auf Grund der Bestimmungen des Artikels 92 des Friedensvertrages von St. Oermain, der für alle politischen Delikte, die vor dem Zustandekommen des Friedens begangen wurden, die Amnestie vorsieht. — Diese Begründung.ist unstichhäitig. Denn die Gründung der österreichischen Legion, die auf Horthys Befehl nach Wien marschieren und die Juden ausrotten sollte, ist nach der Ratifizierung des Friedensvertrages ertolgt. Tschechoslowakei. Benesch in London. Prag, 18. Februar. Das Tschecho-slowakische Preßbureau meldet aus London: Ministerpräsident Dr. Benesch hatte mit Lord C u r z o n eine längere Beratung über die politische Lage sowie mit Vertretern des Handelsamtes über Fragen der Sequestration und der Vorkrieg sschulden. Die Vorschläge Dr. Benesch’ werden heute vom Finanzministerium geprüft werden, worauf noch eine Beratung stattfinden wird. Beide Teile hoffen, daß sie zu einem Einvernehmen kommen werden, das die erwähnten Fragen endgültig regeln wird. Freitag früh hatte Dr. Benesch eine längere Konferenz mit L I o y d George über russische Fragen und andere Angelegenheiten. Hierauf waren Dr. Benesch und Legationsrat Dr. Masaryk bei Loyd George zum Diner geladen, wo einzelne politische Fragen erörtert wurden, die Mitteleuropa betreffen. Auch die Unterhaltung über die russischen Fragen wurde fortgesetzt Lloyd George und Lord C u r z o n bekundeten ein lebhaftes Interesse an dem Standpunkt der tschecho-slowakischen Regierung bezüglich der Erben in kindlicher Ehrfurcht ihren letzten Willem unverändert vollziehen werden. Aber sie rechnet n-icf tt allein dein mit. » Wie ai!>eir, woran eure kindiVc-lw Liebe nicht länger aös mein Leben dauerte? Euer Gehotrsann mit mir zu Grabe ginge?« Für diesen Fall hat Fra>u Frumet »tanke, unumstößliche Rechtstitel aufgespart, die sic v »rem Testament mit Nächdru-dk eiraverleibt. Dünn breitet sie gleidisam die Mutterarme: »Ich vermahne euch zur Tugend und Gottesfurcht... Seid mit eurem Geschick- und dem, weis Übr hcj!)t, zufrieden .. . Ihr müßt euch näher und fester an ern and er schließen. Ihr habt es nötig und werdet es mehr als jemals nötig haben, wenn der für euch mehr als für midi traurige Fall ein tritt, daß eure Mutter euch entrissen wird. — Lebet wohl und enrpfaraget hiemit dem Segen.« — Stellen wir das Bildnis der Frumet Fr. Chajjim ha-Levi Wolf in die Galerie der A-hninnen, neben die Glückei, die Ruhe Machalc. Wie heißt es im der Gnab^chirift? »Wir aber mochten inniglich ihr gutes Angedenken erhalten ..« * Und so wandern wir zwischen den dichbgeächarten, grauen Steinen, neigen uns hier, da einer h'nging, »alt und srttit an Jrihircu«, grüßen dort den aibgesahiiedemem Jüngling, der »alt an Weii'ihcit, jung an J.X'iren« starb in der heiligen Gemeinde Eisenstadt, lassen uns von SandoT Wolf die Stilarten der Eison®:äditcr Ghettograber erklären, verträumen - geraume Weile über einer Schwarz-Weiß-Vignette, das lauschige, anmutig gegliederte Eisenstädter Armen hau« darstellend, mit dem gewundenen Aufgang zom Beth-ha-MkitxKdh — und erwachen gär mit dem Wu-tusoh«, das kleine, getreue Judonstäd'tl, noch heirate am Sam-stag mit Kernten und Tonen in sich gescblos en, bald, recht bald aufzuisucihcn. B:«s d'ie Sonne voll itber der Gaß Icuchitet und dem erweckten Friedhof, bks der Berghctng .wieder übergrünt ist und der See blau sch-imm-euit, muß ich ihn sehen, den winzigem, getreuem, ach, so glücklichem Bezirk, bestehend au«s 31 in Ehren gealterten, engg ©scharrten Jud entkam, e*m und einem ü heran« Idbendaeen FricdlhaL Quo A b e 1 e s. gegenwärtigen Lage und ließen Ihre Befriedigung über den Besuch Dr. Benesch’ erkennen. Ministerpräsident Benesch wird morgen mit B a l f o u r und mit Finanzleuten in Angelegenheiten der Anleihe verhandeln und Dienstag früh nach Paris zurückkehren. Jugoslawien. Holland nimmt die diplomatischen Beziehungen wieder auf. Haag, 18. Februar, (Havas.) Das Auswärtige Amt teilt mit, daß die holländische Regierung auf Grund der im Namen seiner Regierung vom Botschafter des Jugoslawischen Königreiches in Bukarest bei seinem holländischen Kollegen in der gleichen Stadt unternommenen Schritte sich damit einverstanden erklärt habe, die seit November 1920 unterbrochenen diplomatischen Beziehungen wieder a u f z u 0 e h m e n. Man kann daher in kurzem auf die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern rechnen. Der Kommunistenprozeß beendet. Belgrad, 18. Februar. Heute wurde die Verhandlung gegen die kommunistischen Attentäter beendet. Das Urteil dürfte Dienstag gefällt werden. Ungarn. Die Wahlen. Der gesetzesunkundige Judex curtae. — Auflösung der nationalen Mittelpartei. — Neuer Handelsminister. Budapest, 18. Februar. (Tel.-Komp.) Wie von gut informierter Seite verlautet, ist nunmehr der Plan, die Frage der Wahlreform durch eine Konferenz der Kurialrichter entscheiden zu lassen, fallen gelassen worden. Der Einberufung dieser Konferenz steht nämlich der Umstand im Wege, daß Graf D es s e w f f y, der zwar als Bannerherr den Titel eines Judex curiae führt, kein juristischer Fachmann ist und infolgedessen für die Führung einer solchen Konferenz nicht in Betracht kommt Es wird also lediglich eine aus höheren Richtern und Rechtsgelehrten bestehende Kommission unter Vorsitz des Reichsverwesers am kommenden Dienstag zusammentreten und die Frage zu entscheiden haben, ob eine Abänderung der Friedrichschen Wahlrechtsverordnung zulässig ist Die nationale Mittelpartei, die aus der Tiszaschen nationalen Arbeitspartei hervorgegangen war, dürfte noch heute ihre Auflösung beschließen. Eiu Teil ihrer Mitglieder wird sich unter Führung des früheren Ministerpräsidenten Lukacs aus dem politischen Leben zurückziehen und sich im nationalen Gesellschaftsklub kozentrieren. Die übrigen Mitglieder jedoch werden unter Führung des Barons P e r e n y i und des Grafen Emmerich Karo ly i in die Regierungspartei eintreten . und noch heute abends korporativ in deren Klubräumen erscheinen. Der Neueintritt dieser Mitglieder wird auch auf den bisherigen Charakter der Regierungspartei, die noch bis vor kurzem als Landwirtepartei vorwiegend Bauernpartei war, entscheidend einwirken. Eine teilweise Rekonstruktion des Kabinetts wird auch darin bestehen, daß der bisherige Handelsminister Hegyeshalmi sein Portefeuille zurücklegen und durch Franz Heinrich, den Führer der nationalen Mittelpartei, ersetzt werden wird. Polen. Wirtschaftliche Aufbauarbeit unter den Juden. Warschau, 17. Februar, ft (J. C. B.) Anläßlich des Beschlusses derpolnischen Regierung, das vom Joint begründete Zentralinstitut für jüdische Darlehen und Sparkassen zu legalisieren, assignierte der Joint den vorläufigen Betrag von 30.000 Dollar zur Eröffnung dieser Darlehenskasse sowie weitere 45.000 Dollar für die Errichtung von technischen Lehrkursen, in denen der jüdischen Jugend profess-ioneile.Ausbildung zuteil werden soll. Diese Schulen werden auch zum Teile von der 1 c a miterhalten und mitverwaltet werden. Eine neue Partei. Krakau, 18. Februar. (Tel. der »Wiener Morgenzeitung1* *.) Anläßlich seines letzten hiesigen Aufenthalts hat Innenminister Downafowicz mit führenden Persönlichkeiten über die Gründung einer neuen Partei Rücksprache gepflogen. An der Gründung dieser Partei nimmt auch der Ministerpräsident Ponikowski regen Anteil. Die neue Partei, die den Namen «Nationalstaatliche Union“ führen soll,' bezweckt die Organisierung der städtischen Intelligenzelemente und dürfte gegen die Nationaldertiokraten auttreten. Aus diesem Grunde ist auch die Opposition der Nationaldemokraten gegen Ponikowski ln den letzten Tagen erklärlich, da sie befürchten, Im Falle des Zustandekommens dieser Partei die in Ihren Reihen organisierten Städter zu verlieren. Mandatsverzicht von Teodorowicz und Lutoslawski? Warschau, 17. Februar. (Tel. der «Wiener Morgenzeitung*.) Der Erzbischof Teodorowicz und Pater Lutoslawski sollen ln den nächsten Tagen Ihre Abgeordnetenmandate niederlegen und sich zur Gänze vom politischen Leben zurückziehen. Wie In politischen Kreisen verlautet, soll dieser Schritt mit der W hl des Kardinals Ratti zum Papst im Zusammenhang stehen. Wie bekannt, haben Teodorowicz und Lutoslawski im vorigen Iah re gegen Ratti, als er noch Warschauer Nuntius war, eine gehässige Propaganda wegen seiner Stellungnahme zur oberschlesischen Frage geführt Litauen. Eine Anleihe bei den amerikanischen Juden. Washington, 16. Februar. (J. C. B.) Def litauische Gesandte Wladimir K a r n e k i s konferierte mit den in Amerika wohnenden litauischen Juden Über die Auflegung einer Anleihe der litauischen Regierung in Amerika. In der darauffolgenden zweiten Beratung wurde ein Komitee aus bekannten litauischen Juden in den Vereinigten Staaten gebildet; das dem litauischen Geschäftsträger bei der Durchführung der Anleihe behilflich sein soll. Dr. Jakob Thon beim Regierungschef. Wilna, 16. Februar. (Tel. der „Wiener Mbrgenzeitung“.) Der Vorsitzende des Jerusalemer Nationalrats Dr. Jakob Thon, der hier seit einiger Tagen in Angelegenheiten' der Palestina Lanc Devnloppment Company weilt, wurde vom Regierungschef Mejsztowicz empfangen. Hen Mejsztowicz interessierte sich lebhaft für die Emigra tionsfrage und versprach,1 die Wilnaer Chaluz-Organisation in ihrem Bestreben aufs wärmste zu unterstützen. _ Die jüdische Presse in Litauen. Die jüdisch« Presse in Litauen hat in letzter Zeit einen bedeutende! Aufschwung genommen. Zurzeit erscheinen in Kowm folgende Tagesblätter: «Jüdische Stimme“ (zionistisch] „Najes“ (unparteiisches demokratisches Organ), sodant die Wochenblätter: „Arbeiterzeitung“ (Poale Zion), „Dl Wöch“ (Bund), „Dus Jiddische Leben“ (Organ der ortho doxen Partei Ach dus), «Erd un Arbet“ (Zeire Zion] Außerdem erscheinen Fachzeitschriften, wie »Der Jiddisch Kooperator“, das Organ der Kooperative der jüdische! Volksbankanstalten. Vor kurzer Zeit ist auch ein literarisch wissenschaftliches Sammelbuch »L i t e“, das unter andere wertvolle Beiträge zur Geschichte der litauischen Judenhei enthält, erschienen. Vor kurzem ist man auch an dii Herausgabe eines hebräischen Wochenblattes heran getreten. ________ r Palästina. Empfang Ratnsay Macdonalds. Jerusalem, 17. Februar. (J. C. B.) Der bekannt britische Arbeiterführer James Ramsay M a c d o n a I ist hier eingetroffen und wurde von der vereinigten jüd sehen Arbeiterorganisation empfangen. Mai donald läßt sich allseitig über die Lage der jüdischen Eil wanderer und über deren Anteilnahme in der Land wir schaft und an den öffentlichen Arbeiten informieren ur bekundet besonderes Interesse für die Kulturarbt unter den Chaluzim und für die jüdiscl Arbeiterbank. Er drückte seine Ueberzeugui aus, daß die von den jüdischen Arbeitern in Palästii gewälten Methoden des sozialen Ausfbaues von Erfo begleitet sein werden, weil sie ganz neuartig sind und sii zu ihrem Vorteile von den in anderen Ländern üblich* Methoden unterscheiden. M a c d o n a 1 d beabsichtigt, d ganze Land zu bereisen, um sich mit der allgemeinen La, auf Grund eigener Wahrnehmungen vertraut zu mach, und insbesondere die Arbeitserfolge der organisierte jüdischen Arbeiterklasse kennen zu ferne Die Einwanderung^ Eine Erklärung im englischen Oberhaus. London, 18. Febnraar. (J. C. B.) Auf mehrne1 Anfragen des- Lord S y d e nha m über d£ie Vc gänige in Ptolähiünta antwortete namens der Reg*! rrang cber Herzog v q <n .Sutherland <um«t anderem: »-Palästina 'betontd sich nrjdhrt M d Situation eines /wstiegntm’ Stacwes, dia von -von hierein keinen Augen«! »lock dtairan gedacht wrarx daß diiesets Lairad an dii*e Türkei zuirüdkfallen wenc Dazu kiaim noch., daß die bnit»seihe Regi-etnuing' vc Ob er-Sit cm Rate mit dor Verrwaltorang Pa»! sbinois inmt der Bedingung' betrauit wumdie, d siic d'ic in der Balfour-Deklaratioin g geben-e-. Ziasiiidrerrang d>er Emrichararag eitraes jüd sehen -N a t i o-n a 1 h e i m « m Palästina erfiil1 Die Regionung kämm daher unmöglich zugeben, d sie nicht be-re dringt sei, nn Palästina iirgeradiei Aktion zu unternehmen, die niidvt stirSkitie dom A satz III der Haager Koravoratrom e-ntspniidhit. L Bedüngungen, unter denen Palästina dier 'britisch Regierung amvertranui wurde, umd die damit ein; gangenen Verpflieh,tranigen rraaohiten es notwerndi in Bailä -tiraa eine Politik einer jüdischen Ei Wanderung in dem Ausmaß der wintscha liehen A-ufraa/iun^f ähiigk eit des Landes ziu ini:iu^ rieren. D'iie Einführung der hebräisch Sprache als dritte Amtssprache hat die Redl u-nd Privilegien der Bewohner dies Landes in kein Weise berührt oder ges-chmäl'art. Hrintgegen diatmii't e:irae Erleid!'errang in der Verwaltiuinigsiarfo eingetreten, da auf solche Weiise ein Verlkieh mittel um er dien in Palästina wohnhaften Jud verschieden ein Heinnaifc utrsipmun-g» geschaffen ww Die Iuitiorvertti-on fler Regierung beim Verkauf v griechischem Kitrdheingut an ein jüdisches SynuMI hatte rauir das eine, übrigens a-u-ch erreichte, Z daß diadiwrah für das Partirfcndiät bessere Bed gungen erzielt wunden.« Grundsteinlegung: für ein neues jüdisches Viertel. Jerusalem, 17. Februar. (J. C. B.) Die Bautätlgke! Palästina nimmt immer an Ausdehnung zu. Gestern wu In T e I - A \v I w der Grundstein für ein w» es «ro iüdlscheS Stadtviertel aelect

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.