Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1098 (18.2.1922)
- Date
- 1922-02-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Wien, öamstag WIENER MORGENZEITUNa 18. Pebruar 1922 Nr. 1098 81 8 t i e r e n ist Montag den 20. d. M. wird der Unterricht an den Schulen wieder ausgenommen. Josua im ungarischen Parlament. „Az Est® schreibt: Josua, der Heerführer, stieß seinerzeit den Stoßseufzer aus: „Bleib stehen, Sonne, über' Gileadl* Und das Wunder geschah, die sinkende Sonne stand still. Aber was ist das Bibelwunder im Vergleiche zu dem, was sich in der letzten Sitzung des Parlaments ereignete? Dort ist die Uhr stehengeblieben. Das Rad der dahinrasenden Zeit ist plötzlich zur Regungslosigkeit erstarrt Der ewige Rhythmus der Zelt hat seinen gleichmäßigen Gang unterbrochen. Der Puls der Welt, die Zeit; hat zu schlagen aufgehört Doch wir Skeptiker und Blasierte, wir möchten uns selbst über dieses wunderbare Ereignis nicht verwundern, uns entlockte es bloß ein stoisches Lächeln. Hat doch diese Nationalversammlung schon viel Sonderbares produziert! War sie doch imstande, den Zeitmesser nicht nur zum Stillstand zu bringen, sondern sogar zurückzurücken — nicht um Minuten, um Jahrzehnte, um Jahrhunderte. Hat nicht diese ehrenwerte Körperschaft die Prügelstrafe, diesen Schandfleck der Zeit vor Achtund vierzig, wieder eingeführt? Hat sie nicht den Numerus clausus zum Gesetz erhoben und sich damit geistig in das Mittelalter, in die finsteren Jahrhunderte der unmenschlichen Institution des gelben Flecks zurückversetzt? Haben wir nicht in dieser Nationalversammlung jene Rufe end Redewendungen gehört, die die Scheiterhaufen für Qiordano Bruno und Johannes Hus umtobten? Das Stehenbleiben der Uhr war kein Wunder. Es war bloß ein Symbol. Das Symbol dessen, was diese Nationalversammlung während zweier Jahre für den politischen, sittlichen, wirtschaftlichen und verfassungsmäßigen Fortschritt der unga-. rischen Nation geleistet hat. Mitteilungen aus dem Publikum. Anna Renzelstein Mendel Dym Sta'nislan Blazowc empfehlen sich als Vermählte Wien, im Februar 1922 «M Dem lieben Fräulein Anna Schein gratulieren *herz!ichst zu ihrer Verlobung mit Herrn Israel Weininger 6032 Familien Retter und Blum Zur Verlobung des Fräulein Anna Schein mit Herrn Israel Weininger gratu.ieren hcrzlichst 6024 Heinrich Windschauer und Frau Wie». II. Zur Vermählung unserer Nichte, bezw. Cousine Helene (ged. Kesten) mit Herrn Israel Lcrch gratulieren herzlichst Familien Seide Bretfschneider, Moses Brettschneider, Josef Rosenfeld, Samuei Kühn gm Herrn Med. Dr. M. Eckstein gratuliert herzlichst C022 zu seiner am 20. Februar L j. stattfindenden Promotion M. K. Wassermangel. Die Ironie des Schicksals, das es auf Oesterreich nun einmal scharf hat, fügt es, daß gerade in diesen Tagen, da die ausländische Kredithilfe endlich Wirklichkeit werden und unser Elend mildern soll, auch noch das einzige unentbehrliche Lebensmittel, das uns selbst in den ärgsten Tagen der Blockade im Ueberfluß zur Verfügung stand, rar wird: das Wasser. Und um diese Schicksalsironie noch zu verschärfen, tönt die Mahnung „Spart mit dem Wasser!* gerade in die Diskussion der österreichischen Öeffentlichkeit über die wirtschaftlichen und moralischen Schäden unseres Ueberkonsums an Alkohol hinein. Man hört förmlich das Kichern des alten Schalks Bacchus und das behaglich breite Lachen des ehrwürdigen Gambrinus über dieses köstliche Zusammentreffen und kann ihre göttliche Heiterkeit nur zu gut begreifen, denn wer zweifelt daran, daß der immer durstige Urwiener, vor das Dilemma 0Weg mit dem Aikokoll“ und „Spart mit dem Wasser I* gestellt, sich begeistert für die Parole entscheiden wird: „Nur ka Wasser net 1* Hoffentlich erlebt er aber keine Enttäuschung 1 Denn wenn die Quellen und Brunnen: wirklich versiegen sollten, dürften auch die braven Weinschänker merkwürdig rasch auf dem Trockenen sein und es wird sich Herausstellen, daß auch der Weinsegen von oben kommt, nämlich zu einem erschreckend hohen» Prozentsatz direkt aus den Regenwolken. Und bestürzt werden unsere mutigsten Zecher zur Weisheit Pindars bekehrt werden: „Wasser Ist das Beste...* Der Kampf gegen den Alkohol. Ein Volksbegehren? Bekanntlich macht sich in letzter Zeit besonders fn der organisierten Arbeiterschaft eine starke Bewegung geltend, die letzten Eides auf ein Verbot, zumindest aber auf eine beträchtliche Einschränkung des Aikohoikonsums hinausläuft. Das Alkohulverbot soll in der Weise erreicht werden, daß m der Bevölkerung für ein Volksbegehren, wie es die Verfassung gewährleistet, Propaganda gemacht wird; auf Grund eines solchen Volksbegehrens für die Einschränkung des Aikohoikonsums würde dann der Nationalrat eine Volksabstimmung in die Wege leiten. Führer dieser Bewegung für ein solches Volksbegehren ist Stacftrat Professor Tandler, der als Arzt und Sozialhygieniker der Alkoholgefahr besonders VOM bevölkerungspolitischen Standpunkt entgegentritt _ Austritte aus dem Judentum. Brodmann Margarete, geboren 22. November 1890 in Wien, Comptoiristin, XVI., Neuierchenfelderstraüe 11. — Springer Erwin, geboren 21. November 1880 In Wien, XVI., Payergasse 12. — W e i ß Hugo Ignaz, geboren 3. Februar 1902 In Ungarlsch-Hradisch, Student, XVUL, Hildebrandgasse 22. — C z i f e r Adolf, geboren 31. August 1890 in Alt-Ofen, Metallarbeiter, XVII., Mariengasse 21. — C z i f e x Therese, geboren 11. länner 1894 in Wien, XVII, Mariengasse 21. — Spitz Julius, geboren 27. November 1883 in Saitz, Bäckergehilfe, XV11., Haslingergasse 58. — Bucbsbaum Johanna, geboren 14. Jänner 1902 in Wien, IX., Atserbachstraße 20 a. — Reich Wilhelm, geboren 24. März 1897 in Dobzanice, Student, IX., Berggasse 7. — Körner Josef, geboren 13. Juni 1890 in Freiwaldau, l!„ Engerthstraße 193. — P 1 a u t Ernst Jakob, geboren 14. April 1898 in Wien, Graphiker, III., Wasserburgergasse 5. — E i s n e r Kurt, geboren 15. Dezember 1914 in Wien, II., Jungstraße 8. — Heller Margarete, geboren 11. Juli 1893 in Wien, XV1L, Pezzlgasse 34. Dr. Lieben Erpst, geboren 19. Mai 1875 in Wien, Bankier, L, Oppolzergasse tf. — Dr. L i e b e n Friedrich, geboren 25. Februar 1890 in Wien, Chemiker; Mölkerbastei. — Milch Sandor, geboren 2L April 19JQ ln Nagy- Bicse, HL, Parazelsusgasse 6. - Rakovsky Friedrich, geboren 1. März 1898 in Wien. Beamter. IX- Serviten- Dr. Lothar Bauer and Frau Hedwig Wien, VI1L zeigen die Geburt eines Sohnes an Wien, am 17. Februar 1922 mss Anläßlich der ersten Jahrzeit nach unserer lieben Mutter Alte Sara Löw, Gattin des Nachum Löw, gelangt am 6. März 1922 ein Betrag von K 200.000 zu je K 190.000 fUr zwei arme, vor der Hochzeit stehende Mädchen zur Verteilung. Bevorzugt werden solche, deren Hochzeit am selben oder am vorhergehenden Tage stattfindet. Anmeldungen werden von dem Verein „Jlschub Erez Israel*, Wien, II., Praterstraße 43, entgegengenommen. «25 MB Baruch Löw Echte Jägerwäsche Albert Matzner, Wien, I., Kohlmessergasse 8 Telephon 15-5-35 , Telephon IS- Knisbactier & Windsthauer, M. I.. Uism froiNo yb'ya ar's-ij» uix -bbxn kkm 'Export nach allen Staaten! •n wlrlclttfi reine«, kSmmllche«, feine«!Aiutnf«tt Itl, » ' .on Ihr'* nicht wiftt 'crkel Euch wohl, O..KUNEROL Erzeugt unter *tr«ng ritueller Aulsicht Seiner Ehrwttrden de« Herrn Oberrabbiner» S. B, Ehrenfsld, Mattersdori, daher lU/3 Beetellnngen auf Kunero) nDS) "HiO werden bereits ent» gegengenommen. SS5 gasse 18. — K u b a k Maria, geboren 27. März 1874 ln Wien, Köchin, V!.. Bräuergasse 2. — L a n y i Richard, geboren 9. Dezember 1884 in Wien, Buchhändler, IV., MUhlgasse 11. — Sonnenschein Wilma, geboren 9. November 1884 in Wien, Tischlermeisterin, VI., Windmühlgasse 22. — L i e s e r Helene, geboren 16. Dezember 1898 in Wien, Private, IV., A’leegasse 20. — H u t h Leopoldine, geboren 31. August 1911 in Wien. — Fabianek Berta, geboren 13. Juli 1907 in Wesolov, II., Glockengasse 30. — Stern Rosa, geboren 21. November 1885 in Krakau, fl., Taborstraüe 76. — Popper Emilie, geboren 13. Juli 1868 in Leitmeritz. II.. Taborstraße 9. — Krön Marie, geboren 22. März 1895 ln Wien, Hllfsarbelterfn, XVL. Orüllemeyer* gasse 3. — S z a n t o Elisabeth, geboren 11. März 1898 in Budapest, V1L, Schotteufeldgasse 85. »Kraushaar Erwin, 17. Juli 1891 in Morchenstern, V., Zentagasse 1. — Hermann Lilli, geboren 14. November 1892 in Wien, Sekretärin, VII., Siebensterngasse 33. — S a 1 z e r Luise Stephanie, geboren 20i August 1907, V1L, Zieglergasse 29, Das Neueste ist... Dan Neueste Ist nämlich, daß Tanzen eine sehr eihträgliche Beschäftiguamg M. Nicht immer für die Tarnenden, a'hr um er allen Umständen für die Stadt, in der .geta/rart wird. Die Staudt Wien hat im jänner im ihren allezeit weit aniifigesiperrten Säcfkd zwölf Millionen Kronen eingestrichen, di« sie sozusagen nacht aus den Fingern, wohl aber aus den Tanzbeinen ihrer Bürger gesogen-hat. Das Vergnügen ist in dSesem Falle1 einmal wirklich gegenseitig. Diejenigen, die dien : Ball besuchen, haben die Freude des Tamzetis, di« anderen dlie Freude der L us tb arbeitest euer. Allerdings scheint die zweite größer zu sein; denn gleichzeitig mit der Kunde von dem reichen Ertrag läuft dlie zweite ein, daß ian Jänner 1922 in Wien mur 925 Tanzveranstaltungen stattgefunden haben, so daß knapp dreißig auf den Abcrn-d en>:fbl!sn; was gegen die 43 vom Vorjahr die reinste Waisenücnaben-Dustbarkeh bedeutet. Dabei muß noch des weiteren bedacht werden, daß wir im Fasohing 1921 den Shimmy noch nicht 'kanniten. Erst durch döesa Feststellung ist der Kulturrüokgang in richtige Beleuchtung gerückt. Für den Niedergang der Wiener Tmzbeinigked't werden d'ie verschiedensten Gründe angeführt. Die einen sagen, daß die Ballsäle veröden, weil man io einer großen Tage;&ei)tung ein Lokalfeun'lleton gebraucht halbe und dem Redakteur sonst nichts eingefallen sei, die anderen, weil das Tanzvergnügen für den Miti stand unerreichbar geworden ist, die Dritten meinen gar, im Abflauen der Tan zräpcrei ein Syniiptoun der geistigen Wtedergenesung seihen zu müssen. Emsöhiaifte Erwägung verdient nur die erste Ansicht, vielleicht auch noch eine weitere, daß die jungem Dämon von dreizehn schon, gegen Redouten gleichgültig und abgestumpft sind, und die nächste Schichte doch.noch lieber Cremeschnitte ißt. Jedenfalls ist der hewige Faschingsverlauf überaus befriedigend. Di« Ausländer haben das Gefühl daß zwölf Mi'iliionen immerhin ei.n hübscher Nebenverdienst sind, und wenn die jungen Mädchen aus dem Mittelstand auch klagen; daß sie in ihren blühendsten Jugendjahren von der Tanzfreude ausgeschlossen sind... Aber, wer wird denn an den Mittelstand denken, wann man von Vergnügen spricht! Kater Murr. Haschomer Hazair. Man schreibt uns: Jugendbewegung — fremd klingt dieses Wort gar manchem ins Ohr, der mitten im Leben steht und sich irgendwie eingefügt hat in die Zustände und in den Geist unserer Zeit, Abseits vom Getriebe und dem erstarrten Leben zum Trotz bäumte sich zu allen Zeiten die Jugend auf, welche eins aufrichtige Lebensgemeinschaft an Stelle des vereinsamenden Egoismus der Zeit erstrebt. Haschomer Hazalr ist ein Teil jener Weltjugendbewegung. Vor mehreren Jahren erfaßte die Haschomer-Hazair-ldee einen Teil der jüdischen Jugend und übte eine revolutionierende Wirkung. Ausgehend vom Pfadfindertum suchte der „Schomer* der jüdischen Jugend , entsprechende Formen jugendlichen Sich-Aüslebens. Es versteht sich von selbst, daß die Schomer-Bewegung die Wiedergeburtbestrebungen des jüdischen Volkes zu ihrer eigensten Angelegenheit machte. Die Schomer-Idee fordert den ganzen Menschen, restlose Hing a b e — und dies können immer nur wenige . . . So kam es, daß viele, die anfangs ln unseren Reihen standen, im Laufe der Zeit abfallen mußten. Die innere Krise, in welche die Weitjugendbewegung geraten war, verschonte naturgemäß auch den Schomer nicht Etliche hundert aber waren innerlich so erstarkt, daß sie die Konsequenz ihrer Träume und ihres Lebens zft ziehen vermöchten: sie gingen nach Erez Israel, zu jeder noch so schweren Arbeit bereit. Beim Straßenbau, bei Entsumpfungs- und Entsteinungsarbeiten sowie in den zahlreichen neuen und alten Siedlungen sind unsere Brüder zu finden. Sie harren der Gelegenheit, wo sie an die Errichtung der ersehnten Lebensgemeinschaft, der Schomer- Kolonie, schreiten können. Viel hatten sie, die meist erst das Studium aulgaben, ehe sie zu Pflug und Hammer griffen, zu kämpfen und zu leiden unter dem Drucke rauher Verhältnisse und in den inneren seelischen und geistigen Kämpfen, wohl auch als Opfer schleichender Malaria . . . Gar mancher brach unter solch ungeheurer Last zusammen! Glücklicherweise sind ihrer jedoch sehr wenige. Nun werden hunderLunserer Besten in der J e s r e e I- E b e n e auf Nationalfondsboden angesiedelt t Dies soll, so hoffen wir, den Kern der heißersehnten Schomer-Koloniebildeni „Haschomer Hazair* wird dereinst — dies unser Glaube — der Träger des neujüdischen Idealismus ln Erez Israel sein, das gesellschaftliche Leben und das neue jüdische Erziehungswesen beeinflussen. Aber auch wir, die wir noch in der Gaiuth weilen, dürfen nicht ruhen. Die Zeit der Krise geht zu Ende. Vor allem wird sich die endgültige Scheidung von allen jenen Dekadenzerscheinungen vollziehen, die als Auswüchse in der Bewegung so viel Unheil gestiftet haben 1 Alle positiv gerichteten Elemente der Bewegung werden sich sammeln und unseren Jugendgedanken in weite Kreise der jüdischen Jugend tragen und so Urheber sein für neues Erleben und neues Streben für unseres Volkes Zukunft in seinem Lande, — Alle in Wien weilenden ehemaligen Angehörigen einer Histadruth Haschomer Hazair, denen noen beute .die Haschomer-Hazair-Bewegung Herzenssache und ein Schomer-Kreis Bedürfnis ist, werden hiemit zu einer am Samstag den 18. Februar, 7 Uhr abends im S c h 0 m e r - H e i m, HL, Untere Viaduktgasse }5 (Parterre links), stattfindenden S 1 c h a eingeladen. Ist der Frühling arisch oder jüdisch? Mit diese? schwierigen Frage muß sich die Berliner „Deutsche Zeitung* befassen. In einer Zusammenstellung „rassenechter*1 Judennamen wurde nämlich auch der Name Frühling mitaufgezählt. Darüber beschwert sich nun ein Oberst a. D. Frühling und weist nach, daß sein christlicher Stammbaum bis ins XVII. Jahrhundert zurückgeht. Uebrigens sei ein Bruder von Ihm -r sogar Generalmajor! Die „Deutsche Zeitung" sieht sich also genötigt, allerlei Entschuldigungen zu stammeln. Für das geistige Niveau der unentwegten Rasseaatiseu'ltea lat der Vorfall recht hc .eichne.vd.