Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1098 (18.2.1922)
- Date
- 1922-02-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1098 'Wien, samstag* /WIENER MORGENZElTUNOr 18. Februar 1922 Se»s>sio»n der palästinensischen Delegiertenversammluug am 20. d. M. eröffnet werden wird. Die Tagesordnung enthält riehst dem Rechenschaftsbericht, dem Bericht der zionistischen Exekutive auch die Beschlußfassung über: a) Die Konstitution der DelegiertenVersammlung» h) das Gesetz der jüdischen Gerneinden, c) das System der S t e u e r e i n h e b u n g. Sodann erfolgten Neuwahlen für den Waad Haleumi und der Vertreter des palästinensischen Jischuw in dem zionistischen Behendem -Nadi Beendigung der Session wind die Dclegiertenversammilung sich auflösen und für die nächste Session werden Neuwahlen ausgeschrieben. Konferenz der jüdischen Friedensrichter in Te!-Awlw. Ende Jänner fand in Tel-Awhv ein© Konferenz der Friedensrichter statt. Aus dem vorgelegten Beiricht geht (hervor, daß in den letzten drei Monaten »67 Streitfälle vor dem Jaffaer Friedensgericht erledigt wurden. Der Vorsitzende Herr J ac ö b s o h n erklärte, daß diese Ziffer genügend zeige, daß das Friedonsgerkht fungiere. Es wurde beschlössen, noch rar der Tagung der Asseiplhfllth Hanmcharitm ehre allgemeine Konferenz aller jüdischen Friedenageriohte in Palästina einzuberufen und sodann in der AsseiphBrtJh Haniw'dhiairiim für dte Anerkennung der Friedensgerichte durch die Gem ei n d e Verfassung zu kämpfen. (J. C. B.) Anleihe der Regierung bei der Jüdischen Kolonialbänk. Jerusalem, 14. Februar. (J. C. B.) Heber den Straßenbau zwischen den jiuidaisclhen Kolonien, der mit Hilfe der Gelder 'der Jüdischen Kolon.i a 1 b a n k von der palästinensischen Regierung umternommen wind, teilt dSe Regner umg offiziell mit: Seit langer Zeit war eine Straße Gedera—Rechobot— Ri schon le Zion geplant, welche die Straße Jaffa— Jerusalem utnd Gaza—Latrom verbinden soll; die große Bedeutung einer solchen Straße ist seit langem anerkannt, aber der Mangelan Mitteln verhinderte ihre Durchführung. Nunmehr hat die Regierung Gelder angetragen bekommen unter der Bedingung', daß die Arbeit durch jüdische Arbeiter erfolgt. Der in Rede stehende Betrag wird der Regierung für dreijahre ohne Zinsen geborgt und ein Drittel davon wird durch interessierte lokale Komitees der Regierung gegeben werden. «In Erwägung der günstigen Bedingungen hat die Regierung beschlossen, den Antrag anzunehmen. Die Arbeit wird unter Aufsicht des Regierurngsdepartemens für öffentliche Arbeiten d^rchgefüihrt. Ein sonderbarer arabischer Vorschlag. ‘ Jerusalem, 12. Februar. (Telegramm der »Wiener Mtoirgenzekung«.) Das antisemitische arabische Organ. »A 1 i f - B a« veröffentlicht einen längeren [Artikel über die Araberfrage in Palästina. Der Artikelschreiber stellt fest, daß es unmöglich wäre, die B alfattr- D cMara/tion m aunullrcren und cj-ie zfi’onilstd-; Sehe Einwanderung aufztiheben, der einzige Ausweg bleibe, Palästina in ein arabisches und zionistisches Gebiet aufzuteilen. Den Zionisten müßte man in diesem Falle im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungsfeahl Laad zur Verfügung steilen. Als Stichtag für die Feststellung der jüdischen Bevölkenungszahil soll der Tag, an dem die englische Macht Palästina erobert hat, bestiirimt werden. In dem den Zionisten zugewiesenen Teil können sie dann ein K 6 n 1 g t u m oder selbst ein Kaisertum begründen. und dorthin auch die Emigration der Juden aus deih arabischen Teile leiten, ähnlich wie die Araber aus dem zioni stischen Gebiet in die arabische Zone aus wandern würden. Rundschau. Brandeis und Rabbi Wise bei Balfour. London, 15. Fefonuiar. (J. C. Jß.) Wie atuts New iYomk gemeldet wird,- hisst B a 1 f ou r voir seiner Rückikefliir ni^di Engliantd die Führer der d’omisri- »dheti Miinsorsität in Amerika in besandsea^er Audiena empfangen. Obenridhter B r>® n d e i s und Raibbi Stephan .W »s-c besptnaidhrn miit fhm dae Eiinwandcitungsstfrage nladh Palästina sowie da© Notwendigkeit einer schleunigen Ratifitzienung dfes Pailästina»- Mandats. ‘ Oberridhiter Bran d ei $ wies bei dieser Gelegenheit auf die 'be-onidere Bedeutung eines Böidiem i'deal'en Ein wandeiruingsimQ>tetniiai& wie rer Gbaliuizi'm hisiu (Nach dieser Meldung hätte silch also Baflfoiuir dodh enstsohlossen , die Brandeis-Gruppe zu empfamigeai. Jodenfaill's bedeutet dieses gesonderte Auftreten eine überflüssige Demonstration!) Irland. Unruhen. — Neuwahlen im März, Dublin, 17. Februar. (Reuter.) Ein Regiment englischer Truppen wurde an die Grenze von Ulster geschickt, ln Belfast ist die Schießerei heute weniger heftig als in den letzten Tagen. Heute ist in Belfast ein Bataillon englischer Truppen angekommen, weitere englische Truppen werden in einigen Tagen nach Ulster kommen. London, 17. Februar. (Tel.-Komp.) Kolonialminister Churchill legte gestern dem Unterhaus einen Entwurf vor, wonach die englisch-irischen Vereinbarungen in ein Gesetz umgewandelt werden ,sollen. Er erklärte, daß nach Annahme der Vereinbarungen seitens Irlands dort Neuwahlen vorgenommen werden müssen, die im März oder April stattfinden werden. Darauf werde das irische Parlament zusammentreten uyd die Verfassung des irischen Freistaates beschließen, die dem englischen Parlament zur Ratifizierung vorgelegt werden wird. Ueber die Grenze Ulsters wird die Grenzkommission erst im August entscheiden. Der irisch-englische Vertrag angenommen. London, 17. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Das Unterhaus hat die Vorlage, betreffend den Vertrag mit dem irischen Freistaat, in allen Teilen a uge nommen. Die englische Politik in Aegypten. London, 17. Februar. (Reuter.) Die Beratungen zwischen Lloyd George, Curz'on und General A11 e n b y führten zu einer vollständigen Uebereinstimmung bezüglich der in Aegypten zu befolgenden Politik. Frankreich und Rußland. Paris, 16. Februar. (Havas.) Die parlamentarische Gruppe für die Wahrung der französischen Interessen in Rußland hat einen Beschlußantrag angenommen, der die Wiederaufnahme der Beziehungen mit Rußland von folgenden Bedingungen abhängig macht: 1. Ausdrückliche Anerkennung aller von den früheren Regierungen eingegangenen Verpflichtungen. 2. Vollständige Wiederherstellung der in welcher Weise immer verletzten französischen Güter, Rechte und Interessen oder Schadensvergütung. 3. Wiederherstellung des Rechtes, des Eigentums, der individuellen Freiheiten und der Rechtsgarantien. 4. Durchsetzung von gewissen Bürgschaften zur Sicherung der Durchführung dieser Bedingungen. Die Hungerkatastrophe in Rußland. Ratten, Mäuse, Hunde und Katzen als Nahrungsmittel. Berlin, 17. Februar. (Tel.-Komp.) Das deutsche Rote Kreuz gibt einen Bericht wieder, den es von zwei an der HÜfsexpedition für das notleidende Rußland teilnehmenden Aerzten aus dem Gebiet der deutschen Wolga-Kolonie erhalten hat. In den 202 Dörfern dieses Gebiets ist die Not überall ungeheuerlich. Die meisten Bewohner nähren sich von Kartoffel schalen, Ratten, Mäusen, Hunden und Katzen. In vielen Dörfern, wo die Leute nicht mehr imstande sind, das Haus zu verlassen, liegen sie gleichgültig in ihren Betten und warten auf den Hungert:od, oder auf ärztliche Hilfe. lt Eine ärztliche Versorgung ist nicht möglich, da die dorthin kommandierten Aerzte selbst erkrankt sind. (Die Widerstandskraft der hungernden Bevölkerung gegen Krankheiten ist natürlich vollständig gebrochen. Mehrere Hunderte von Kolonisten, die bereits im Winter in Deutschland eintrafen, wurden nach Frankfurt a. d. Oder geleitet Von diesen Auswanderern starben mehr als fünfzig kurz nach ihrer Ankunft an Flecktyphus. . __ Tagesbericht. Der jüdische Präsident der pan- . amerikanischen Studentenliga. Aus New York wird berichtet: Die Studenten von einundzwanzig Staaten Nord- und Südamerikas vereinigten sich vor kurzem zu einer panamerikanischen- Liga zum Zwecke der Festigung des Charakters der Studenten und der Verfeinerung ihrer Lebensanschauungen. Auf diese Weise soll den amerikanischen Staaten eine Generation von Politikern und Männern des öffentlichen Lebens vorbereitet werden, die mit geläuterten Grundsätzen über die Pflichten des Menschen seinen Mitmenschen gegenüber ins praktische Leben hinausgehen. Die Delegierten der einzelnen Universitäten wählten nun den Präsidenten der Liga und ihre Wahl fiel auf den einzigen jüdischen Delegierten Mr. Philipp Leonard Green, der sich als konservativer Jude bekannte. Interessant ist, daß Green nicht nur deshalb für die Präsidentschaft prädestiniert erschien, weil er einer der agilsten Initiatoren der Liga war, sondern auch deshalb, weil er der einzige ist, der über die erforderlichen Sprachenkenntnis sve verfügt, um mit allen Delegierten in ihrer eigenen Umgangssprache verkehren und korrespondieren zu können. Was das bedeutet, wird man ermessen, wenn man weiß, daß in achtzehn der in der Liga vertretenen Ländern Spanisch, in Brasilien Portugiesisch, in Haiti Französisch und bloß die Vereinigten Staaten von Nordamerika des einzige Betätigungsgebiet der Liga sind, wo Englisch die Landessprache ist Mr. Green ist aber ein so hervorragender Linguist, daß er außer englisch auch perfekt französisch, deutsch, spanisch, portugiesisch und italienisch spricht, ln einer Unterredung mit dem Vertreter der „J e.w i s h Tribüne" sagte Green unter anderem: „Es gibt zwei Wege, Kenntnisse in die weitesten Schichten zu tragen. Entweder man spricht von ihnen unterbrochen mit den alten, zum Teile bereits abgewirtschafteten Staatsmännern und veranlaßt sie, auf der öffentlichen Tribüne die Kenntnisse weiter zu verbreiten, oder indem man die junge Generation, die Studenten von heute, für die vorurteilsfreie Wissenschaft und für Recht __Seife 3 SilDiNRISTE - CREPE DE CHINE . am billigsten bei KM & FRISS, V!., Linke Wienzeile 40, im Höfel und Gerechtigkeit enthusiasmiert. Diese werden, wenn sie! einst die volle Reife erlangen, Viel wirkungsvollere Propa-j gatoren dieser Grundsätze sein, als das nach dem heutigen System möglich ist Der Grund, weshalb noch immer Pogrome möglich sind, daß Vorurteil und die Verfolg gung noch nicht aufgehört haben, liegt ln der U n-; w i s s e n h e i t und in der Unkenntnis der wirklichen Lebensbedingungen, H Die jungen Studenten treten ln die Fußstapfen ttireij antisemitischen Eitern geradezu mechanisch ein, ohne sieb über Ursache und Wirkung eines solchen Unrechts Rechenschaft zu geben. Unser Panamerikanismus will, dieses Uebel an der Wurzel fassen. Das Vorurteil soll gar nicht aufschießen können, und es ist anzunehmep, daß, eine derart geschulte Generation die verläßlichste Kämpferin gegen alles Unrecht, das die Welt vergiftet;' sein wird.“ _’■ , Einführung der fakultativen Eheerlaubnis. Aus einem Gespräche mit Stadtrat Professor Tandler. \ Professor Tandler hat sich bekanntlich wiederholt für die Einführung des fakultativen Ehekonsenses aus-l gesprochen. Auch der Landessanitätsrat hat zu dieser! Frage eine günstige Stellung eingenommen. Professor Tandler machte über diese bevölkerungs-j politisch sehr wichtige Frage unserem Redakteur; gegenüber folgende Mitteilungen: Die 0 b 1 i g a 10 «4 rische Eheerlaubnis einzuführen ist derzeit u nmöglich. Daherbleibi es dem Verantwortlichkeüsgefühl jedes1' einzelnen tiberlassen, von ihr Gebrauch zu machen«* Es ist zu erwarten, daß eine durch jahrelange Wirk*^ sarnkeit auf die freiwillige Inanspruchnahme aufri gebaute Eheberatung schließlich in der Bevölkerung; immer mehr die Erkenntnis Wurzel fassen wird, daß die Ehe nicht nur eine religiöse und eine rechts, liehe, sondern auch eine b e v ö 1 k e r u n g s t e c h-j n i s ch e Einrichtung ist, weniger aus Rücksjcht aufj die beiden Ehewerber als auf die nächste GenerationJ Der Vorgang bei dem fakultativen Ehekonsdns! wird darin bestehen, daß .zunächst im Lande Wien eine Steile errichtet wird, bei der jeder Ehewerbetj sich ein Zeugnis über seinen Gesundheitszustand dahingehend beschaffen kann, daß ihm, soweit mensch-j liehe Voraussicht reicht, schwere Mängel nicht an-j haften, durch die seine Kinder in besonderem Maße, belastet werden könnten. Er bekommt über Wunsch ein Zeugnis darüber, daß seiner Ehe kein Hindernis entgegenstehe, öder es wird ihm der Rat erteilt, die Eheschließung auf einige Zeit zu verschieben öde*, sie ganz aufzugeben. Für alle in Betracht kommenden Fragen soll zu*| nächst ein vorgebildeter Arzt angestellt werden, def anfangs nur an bestimmten Tagen amtieren wird. Sollte sich, der Zuspruch mehren und insbesondere auch dae. weibliche Geschlecht diese Einrichtung in . eilt-, sprechender Weise in Anspruch nehmen, so würde man auch der Idee nähertreten, eine Ae rat in mit der Beratung zu betrauen, wobei .es aber den weib-j liehen Ehewerbern freigestellt bleiben soll, trotzdem den! Arzt zu Rate zu ziehen. Hat der beratende Arzt begründete Bedenken, so ist er verpflichte^1 * den Ehewerber an einen Spezialisten zw. weisen. Unbemittelte würden an die entsprechenden' Ambulanzen oder Spitalsabteilungen gewiesen werden.1' Der Befund des Spezialisten würde direkt dem Ehe* beratungsarzt zugehen und auf Grund dieses Gut* achtens würde dann der eheberatende Arzt seine Entscheidung fällen. Für kompliziertere Fälle ist eine kleine Kommission in Aussicht genommen, die das Gutachten abzugeben hätte. Selbstverständlich — schloß Professor Tandler seine interessanten Ausführungen — wird sich der ganze Vorgang unter strenger Wahrung des ä r z 11 ichen Geheimnisses abspielen, so daß eine Schädigung privater Interessen völlig ausgeschlossen erscheint. Da es sich zunächst um einen Versuch handelt, wird er anfangs nur .mit geringeren Kosten verbunden sein. Erst wenn sich die Einrichtung eingelebt hat, wird an die Einrichtung mehrerer solche: Ehcberatungsstellen geschritten werden. Das Wüten der Grippe unter den Schulkindern und Lehrpersonen. Ein Viertel der Schulkinder — ein Fünftel der Lehrpersonen erkrankt. Zu Beginn der gestrigen Gemeinderatssitzung machte der Bürgermeister die betrübende Mitteilung, daß nach einem ihm vom Bezirksschulrat zugekommenen Berichte bis zum 9. d. M. r u n d 44.900 Schuf* kinder von 170.000 Schulkindern, also ein Viertel, und 1500 Lehrpersonen von 7500Lehrpersonen, also ein Fünftel, wegen Erkrankungen an Grippe von der Schule fernblieben. Ueber Antrag des Gesundheitsamtes wurde daher verfügt, daß zur Verhütung der weiteren Verbreitung der Grippe im Anschluß an die zwei Ferialtage des Semesterschlusses auch für den 15. bis <8. d. M. der Unterricht za WÖLLMEN UND JUMPS Herren* und BamenwEkcha, Regenmantel, 8ngl.WoUstofie,fernarSeü23U3u.W£b«ifar£n, alles erstktiassig und billigst Im Warenhaus Schiffmann Wien, II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-70 En «jros 1074 Sn «Setall