Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1097 (17.2.1922)
- Date
- 1922-02-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1097 Wien, Freitag WICTEff 17. Februar 192S , . SeltTg Ein finnisch-polnisches Militärbündnis. Warschau, 15. Februar. (Tel. der »Wiener Morge’nzeitung“.) Wie gemeldet wird, sollen demnächst 9 die Verhandlungen über ein finnisch-polnisches Militärbündnis beginnen, welches bereits den finnischen Reichstagsparteien vorgelegt würde. Das Projekt ist auf Betreiben Frankreichs mit Hinsicht auf die Konferenz von Genua erfolgt Der Treueid in der Armee. Warschau, 15. ‘ Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) .Wie „Moment“ meldet, wird vom Kriegsministerium eine Verordnung vorbereitet, wonach die Soldaten den Treueid auf die Republik auch in Ihrer M uttersprach e leisten können. Zu diesem Zwecke bereitet die juridische Kom- > Mission des oberwähnten Ministeriums eine Hebersetzung der polnischen Eidesformel ins R u s s i s c h e, U k r a i n i sehe, Tschechische und Deutsche vor. In welcher Sprache aber die jüdischen Soldaten den Treueid zu leisten haben, bleibt wohl noch eine offene Frage. Michalskis investitionsplan. Warschau, 16. Februar. (Tel.-Komp.) Finanz- Minister D. M i c h a 1 s k i hat in der letzten Sitzung des Budget- und Finanzausschusses ein eingehendes Expose über seinen Investitionsplan gehalten. Der Finanzminister verwies auf die Notwendigkeit der Heranziehung des ausländischen Kapitals, dem hypothekarische Sicherstellungen geboten werden müssen. Es sind langfristige Obligationen mit staatlichen Garantien vorgesehen. Die Amortisationsdauer wird mindestens 35 Jahre betragen. Die Ausführungen des Finanzministers wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen und finden, in wirtschaftlichen Kreisen starken Anklang. . Jugoslawien. Die Konferenz der kleinen Entente verschoben. Belgrad, 16. Februar. Die für den 20. d. M. in Belgrad geplante Zusammenkunft der Ministerpräsidenten der kleinen Entente wurde auf Ende Februar verschoben, da sich Dr. Benesch derzeit in London befindet und da Basic und NinCic demnächst nach Bukarest abreisen werden, wo nähere Bestimmungen über die Konferenz in Genua mit der rumänischen Regierung werden getroffen werden. . . . Rumänien. Der Wahlkampf. Bukarest, ij. Februiair. (J. C, B.) Ein Venüreteir idlör »M a ti' t ui i r e a« hatte eAn'iige Uivtenrediuingeh •mit fühirenidien ruimäniis'dnem Pensöti‘Iti'dhüceirtienüber dlie Aussichtem.' der jüdischen Kamdiidiäitem Ibei ‘ dien gegenwärtigen Kam m-e r w ä h len mnid ü'bc^’ die Haltung der von di'eseq Politikern repräteriitierten rdmäniisch'ön Parteien zur Judenfra^e. Der — ehemalige Minisitenpiräsiident .M argh.il o m aD 'führte aus: »Sek einiger Zeit werden zwischen d-ein Juden rady unseren ■, Staatsmänniern" merkwürdige'Ausgieiicihisvenhainidliungen geführt, inidem man «iidh bemüht, dlie Jud’emfrage , diurdh Zusicherung "einiger jüdischer Mandate »u lösen; Idi glaluibe,' daß mimmebr, da ein Walhiipakt zustaudre kam, die Lage d!er Juden, aber auch der Gei^t in unserem Lande einte Aendemimg erfahren werden. Da die M 'i n d e rh e it s r e c h t e in * einem internatiomailen Abkiommien festgetegt wurden, -so ( müssen sie auc h geachtet \v e t d e n. Die Regierung müsse «dien Weg der Einsicht einedh«liagen umd auf die'beliebte Me+ihode der niaticiriiäil'en V e rh etzn ng eh im ’ niattipnÄbtenaleiri Geüste enidlliiidhi verai'Cihten.« Der gegenwärtige Außenminiisiter Du c a meinte, die von einigen Parteien;d*eh -Juden ’ gemiacihten Wofoilkcthzessitfinem seien.; nidhlt atufrüöhtig iimä veriolgsn bloß den Zvvedk, der- Regienung Waihtlstimmen aibruniehm-en. 'Die Regierung lasse sich 'jediödh nicht von ■ nt-om'entain'öh ' Pairibeihnitief'Qsis'en leiten,' sie müsse die Imtänesfcen .ailcr ’ .Sitiäiaitsibürgei: m LChit nehmen. Ongarn. Clirlatlioknationate Gemeindepotitik. .. Blidapeßt, l6. Februar. Nicht -Mir ün dter Nlatiotnialivenriaimimiiiung, sonidern auch im. Biudiajp.eister, Gern e ind erat galb, es heute eine Niacilubsitziunig-; Die ik«a t hol i L ch es- Partei batte nämlicih eine iV<odiage ein'gebradht, nach 'der diie Bliarhentan- Schulbücher nicht ttlehß1 'diurdh die bisherigen Verleger, diic meist'' J u «d e n Heien, sondern durch dlie stlditiscben Dkiickeireiie'n in eigener Regie ber^esitid'lit werden' -tzkAe«;" r.tHe, deniokraitiscdiie' Partei setzte gegen die Voirlage mii’t dar- O b-s tmu k t! o n em upid versuchte, .• durch Tange. Reden, unid Diurch* fühirung von nam'enitliich'en A'bsitlniimiuntgan . dlie Be1 tnatjung zn vereiitelin. Um 'Mitbemiaichit erklärte die Ofpipositdioih, dtaß sie an' den weiteren Vorhianidlüngen über den Gegenstand niclht teiiülnichinien Walde, imd „Der jüdische und der christiichsoziale Holzwurm“. Antisemitische Debatte im niederösterreichischen Landtag. Im fliederösterreichischen Landtag gab gestern die Beratung eines Landesgesetzes zum Schutze der Wälder den antisemitischen Abgeordneten christlichsozialer und großdeutscher Couleur Gelegenheit, ihren wüsten Judenhaß die Zügel schießen zu lassen. Köstlich war das unfreiwillige Geständnis des Sozialdemokraten Christoph, aus dem hervorklang, daß die Sozialdemokraten in punkto Antisemitismus nicht hinter den Christlichsozialen zurtickstehen. Abgordneter M Ü 11 n e r berichtet namens des Wirtschaftsausschusses über feine Vorlage der Landesregierung, betreffend ein Gesetz zum Schutze desWaldes. Er teilt mit, daß das bisher geltende Forstgesetz mehr als 80 Jahre alt und daher nicht mehr zeitgemäß ist. Die Waldungen seien .namentlich während des Krieges und in der Nachkriegszeit besonders voy den Großgrundbesitzern Übermäßig ausgebeutet worden. Aus dem Inhalt des Gesetzes, teilt der Berichterstatter mit, daß jede Holzschlägerung, die über ein Flächenausmaß von 0 5 ha hinausgeht, der behördlichen Genehmigung unterliegen solle. Abgeordneter B i c h 1 e r fügt hinzu: Sowohl bei den Bauernals Herrschaftswaldungen mache sich immer mehr der Holzwurm — der jüdische Ho lzwurmdurch riesige, Abstockungen bemerkbar. Die christlichsoziale Partei werde geschlossen für den Gesetzentwurf stimmen. (Beifall rechts.) Abgeordneter Traunfelloer wünscht ebenfalls, daß der heimische Waldbesitz vor Spekulation geschützt werde. (Abgeordneter Schnofel: Sie meinen SLValentin.) Dr. Reich erklärte namens der großdeutschen Partei, deren Zustimmung zu dem Gesetzentwurf und erläutert, daß der große Waldbesitzer ein Ho lz-Vatutaspe kulant geworden sei, mit Hilfe von Firmen, die man früher nicht gekannt habe und die zoologische, botanische und mineralogische Namen tragen und ihre Vornamen seien meistens alttest a m e n.t a r i s c h. (Heiterkeit.) Es müsse dafür vorgesorgt werden, daß der Holzhandel einheimischen Staatsbürgern Vorbehalten bleibe. Namentlich müsse man den Wald vor den Großbanken schützen. Zum Schlüsse beantragt er eine Entschließung, nach welcher die Landesregierung aufgefordert wird, an die Bundesregierung mit der Forderung heranzutreten, daß das Gewerbe der Hol2händler als konzessioniertes Ge.werbe im Wege def Gesetzgebung erklärt werde. Abgeordneter D u d a erwartet von dem Gesetze ins« besondere, daß eA dem Raubbau eine Schranke setzen werde. Die Schuld daran treffe aber nicht den. jüdischen Holzwurm, denn es habe auch beispielsweise ein recht dicker christlicher Holzwurm namens Stö e*k 1 e $ arge Verwüstungen angerichtet. An die Seite der Habsburger mit ihrem Hausjuden Kothschild stellen sich als würdige Waldplünderer die Stifte H eilt g e n k r e u z, G ö 11 w e i h usw., Äle übrigens diese ungeheuren Schlägerungen auch häufig durch Juden ausführen lassen. Hinter ihnen bleibt auch der Großbauer als Waldbesitzer nicht zurück. Landeshauptmannstellvertreter C h r i s t o p b erklärt, der Staat sei durch sein Holzvälutageschäft mit schlechtem Beispiel den Privat« besitzern 'vorangegangen. Redner erläutert bezüglich mehrerer a n 11 s e in!« tischer Aeußerungen, seine Partei fasse ira allgemeinen weder den Juden noch den Christen, sondern den Menschen ins Auge, sie trete allen Eigenschaften, die als bestimmte Eigenschaften der jüdischen Nation zu eigen, sind, mit derselben Energie entgegen wie die Christ« lichsozialen; es ist a b e r u n r i c h t i g, wenn laad den armseligen Juden immer alsden Verführerderanderen bezeichnet. Bf schildert einen Fall von bäuerlichem Schleichhandel, an dem 50 P e r s One n und nur ein einziger Iude beteiligt waren, alle diese 50 haben den Juden als Verführer bezeichnet (Heiterkeit!). Redner ersucht deshalb, mit dem alten „H e p p, b e p p“ aufzuräumen. Die Gegenseite wirft uns vor, daß wir nervös werden, we n n von Juden gesprochen wird. Wir sagen: Für uns ist R e I i g i o n P r i v a t s a c h e. Bezüglich des Bürgermeisters Reunaar sei zü bemerken, daß er bei Uebernahme seines Amtes eine Holz-, not und keine Kohlenvorräte vorgefunden habe. Sehr viel Schuld an dem Uebel habe die christlichsoziale Landeseisenbahnpolitik und der Vertrag des Antisemiten Doktor Lueger mit dem Juden Lohnstein bezüglich der Kohle und des Koks gehabt, der es äusschlöß, eine Holzwirtschaft zu betreiben. (Beifall links.) Abgeordneter Traunfellner befürwortet d!q Annahme des Antrages Dr. Reich. Bei der Abstimmung wird das Gesetz und die Resolution Reich angenommen. , venamisttaltete ernten Exodus. Die dhdistolidhe Partei veuiblliieib aiWein im Be«r>aitiuinigsisiaal umid verabschiedete sodatisn die Vorlage m Üciuirzetr Zeit. Palästina. Ejn „Schomer“ ermordet. Jerusalem, 13. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Wie „Haarez“ meldet, wurde vor einigen Tagen der Schomer H e l e r von der Kwuzah Haschomer H a z a i r t o t a ü f g e f u a d e ti. Die Behörden wurden von diesem Morde sofort verständigt. Bisnun ist man noch nicht auf die Spur def Mörder gekommen. Rundschau. Der Empfang der amerikanischen Zionisten bei Balfour. Die Haltung der Brandeis-Gruppe. Das 'palästinensische hebräische Tagblatt „D o a r Hajo m“ meldete vor kurzem, daß die in Amerika ' weilende zionistische Delegation zu ihrer Besprechung mit Balfour die Vertreter der Brandete- Gruppe nicht eingeladen und auf diese Weise ihre Begegnung mit Balfour hintertrieben habe. Nun meldet der New Yorker. „H a d q ar“ folgendes*. Kurz vor dem Empfang der zionistischen Delegation durch Balfour ist ein von B r a n d e i s, Mack und Frau Fels unterzeiclanetes Telegramm eingetroffen, in dem die Genannten sich weigerten, die Ei n 1 a d u ng Sokolows zur Teilnahme am Empfang Balfours a n z u n e h m e n. Die Brandeis-Gruppe-richtete sogar ein separates Telegramm an Balfour, in dem sie ihm mitteilte, daß sienicht gewillt sei, am Empfange gemeinsam mit der zionistischen Delegation teilzunehmen und daher um einen speziellen Empfang ansuche. Sie wurde jedoch! trotz ihres Telegramms von Balfour nicht empfangen. Die Haltung der, Bftndeis-Gruppe bedeutet ein Hinaustragen innerzionistischer Gegensätze in die weitere Oeffentlichkeit, welches. zumindest überflüssig ist Beim Empfange bei Balfour handelte es sich nicht um die. Manifestation einer bestin, jn Richtung, sondern um eine politische Kundgebung', an welcher die Braiideis-Leute im gesamtjüdischen, um nicht zu sagen zionistischen Interesse teilnehmen müßten, ohne ihren Sonderstandpunkt irgendwie verschleiern zu brauchen. Die Drosselung der Einwanderung nach Amerika. Washington, 15. Februar. (J. C. B.) Die vom Einwanderungskomitee des Kongresses vorgeschlagene Bill zur gänzlichen Einstellung der Einwanderung nach Amerika, soll bloß für die Dauer eines Jahres Geltung erhalten. Die Einwanderungskommissiön hörte den jüdischen Vertreter Mr. Lewis M a r s h a 11 in dieser Frage, der sich entschieden gegen die in Vorbereitung befindliche Bill übk die gänzliche Suspendierung der Einwanderung wendete. Mehrere Mitglieder des Komitees, namentlich der kalifornische Vertreter Baker sowie der Vorsitzende Mr. J 0 h n s o n selbst versuchten Mf. Marshall dahin zu beruhigen, daß die Bill zunächst bloß eine provisorische Maßnahme von kurzer Dauer darstelle, ferner daß sie noch, nicht die endgültige einvemehmlichc Meinung des gesamten Einwanderungskomitees bilde. Es unterliegt jedoch keinem Zweifel, daß die Einwanderungsgegner gegenwärtig die größten Anstrengungen machen, uro die Tore Amerikas vor Ausländern zu schließen. Keine Preßfreiheit für die russischen Juden« Riga, 15. Februar. (J. C. B.) Wie aus Moskau gemeldet, wird, haben die Juden von der Wiederherstellung der Preßfreiheit in Rußland nichts zu err. warten. Im allgemeinen wurde wohl die Preßfreiheit wiederhergestellt und die Einfuhr von Literatur aus. dem Auslande gestattet In bezug auf die Jaden soll jedoch die bisherige Politik in Geltung verbleiben, da die neueste Verordnung von jedem jüdischen Verleger zunächst die Erlangung einer Sonder erla üb ni9 vom Volkskommissariat für Nationalitäten verlangt. Nun ist jedoch die Haltung des gegenwärtigen Kommissärs derartig, daß keinerlei Aussicht für die Gewährung solcher Erlaubnisse an .nichtkommunistische Juden besteht. Das gleiche gilt für den Import von x nichtkommunistischer jüdischer Literatur nach Rußland,’ da die jüdischen Kommunisten in dieser Hinsicht viel strenger als die russischen Kommunisten verfahren. Dies wird auch durch die Tatsache des Weiterverbleibens aller Referate für jüdische Angelegenheiten im jüdischen Departement dea Nationalitätenkommissariats bestätigt Die jüdische Gemeindetägüttg. Kowno, 14. Februar. (Tel. der „Wiener Morgen« zeitung“.) ■ Der Generalsekretär des Komitees dei jüdischen Delegationen in Paris ist hier eirigetroffen, um an den Beratungen der jüdischen Gemeindetagung teilzunehmen. Herren« u. ßamenwäscba alles erstklassig und billigst Im Warenhaus Wien, ».. TaborstraBe 48 Sn gpQS 1074 Sn detail