Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1095 (15.2.1922)
- Date
- 1922-02-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1095 Wien, Mittwoch WIENER' MOftGETTZEITOTTa IS. Februar 192? Seife 3 L . - - - - - ' ' - -- - -- ’ -- - " — 1 1 - - — - > - I.» ■IIW—IM .»Hl - l. GroSdeutschen und den Christlichsozialen verlangte Be« Stimmung, daß Personen, die in Armenversorgung stehen, ^war wahlberechtigt, aber nicht wählbar sein sollen, wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Um es auch kleineren Parteien zu ermöglichen, gültige Wahlvorschläge einzubringen, sieht die Vorlage vor, daß die Listen in Gemeinden bis 600 Einwohner von mindestens fünfzehn, in solchen bis zu 1200 Einwohner zumindest zwanzig und mit mehr als 1200 Einwohnern von fünfundzwanzig Wahlberechtigten eigenhändig zu fertigen sind. Das Gesetz wurde in zweiter und dritter Lesung angenommen. _. Tschecho-Slowakei. Die Lage im .Ostrauer Revier« Mährisch-Ostraü, 14. Februar. (Tschecho-slow. Preßbur.) Heute vormittags wurde auf elf von den 45 Schächten des Ostrau-Karwiner Reviers gearbeitet. Man erwartet, daß morgen auch auf den übrigen Schächten die Arbeit wieder aufgenommen werden wird, obwohl die Kommunisten dagegen agitieren und Versammlungen einberufen, worin sie den Prager Unterhändlern das Mißtrauen aussprechen und eine allgemeine Abstimmung auf allen Schächten fordern. In allen übrigen Revieren wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Amnestie, Prag, 14. Februar. (Tschecho-slow. Preßbureau.) Der Präsident der Republik hat den wegen der Teilnahme am Dezember-Putsch 1920 Verurteilten in bedeutenden Umfange Amnestie gewährt. Dies ist eine bis auf geringfügige Ausnahmen fast vollständige Liquidierung der wegen des Dezember-Putsches verhängten Strafen. Für die Erteilung der Amnestie war maßgebend, daß die große Mehrzahl der Verurteilten einer unbesonnenen Agitation zum Opfer gefallen war. _■■ Rumänien. Die Wahlkampagne. Bukarest, 14. Februar. 0- C. B;) Infolge der gegen die liberale Partei gerichteten Kundgebungen der Bukarester Judenheit sah sich der Obmann dieser Partei, Vintila- B r a t i a n u, gegenwärtig Minister der F i n a n z e n in Rumänien, veranlaßt, an sämtliche Präfekten des Landes die Weisung zu erteilen, sich bei der gegenwärtigen Wahlkampagne jeglicher antisemitischer Aeußerung zu enthalten. Die gleiche Weisung erging an den Minister für die Bukowina, Mitglied der liberalen Partei, dem die Leitung der Wahlkampagne in der Bukowina übertragen wurde. Jüdische Kandidaten. Bukarest, 12. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenfceftung“.) Auf der Zaranistenliste von Bukarest kandidiert die „Union der einheimischen Juden“ Dr. Stern für die Kammer und S c h w a r z f e 1 d für den Senat. Dr. Fiel d ermann kandidiert in Beßarabien. (Die jüdische Partei von Altrumänien hat, wie gemeldet, mit der zaranistischen Bauernpartei einen Wahlpakt abgeschlossen.) Polen. Kein Rücktritt des polnischen Finanzministers. Warschau, 14. Februar. (Privat) Die Gerüchte von einem Rücktritt des Finanzministers Dr. M i c h a 1- 6 k i werden als unbegründet erklärt. Bevorstehende Abberufung des Londoner Gesandten* Warschau, 13. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenfceitung“.) Wie verlautet, soll der jetzige .Londoner Gesandte Wröblewski abberufen und an dessen Stelle GrafSapieha ernannt werden. Wröblewski würde in diesem Falle zum Vizeminister für Auswärtiges ernannt werden. , , Lord Northcliffes Besuch. Jerusalem, 12. Februar. (J. C. B.) Lord Northcliffe hat einige Tage nach seinem Eintreffen in Palästina eine Reise durch mehrere jüdische Kolonien unternommen. Er besuchte in Begleitung des Justizsekretärs B e n t w i c h die Kolonie R i s c h o n 1 e Zion und hatte eine längere Aussprache mit dem Vorsitzenden der Kolonie über die Fragen der' jüdischen Einwanderung, wobei er für eine gewählte und „gereinigte“ jüdische Einwanderung eintrat Lord Northcliffe empfing hierauf auch die Mitglieder , der zionistischen Exekutive Ussischkin und Ruppin sowie die Herren David Y e 11 i n und Harry Sacher, mit denen er gleichfalls vofhehmlich die Einwanderungsfrage besprach. Die Wilnaer Frage. Warschau, 13. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) In hiesigen politischen Kreisen verlautet, daß es noch vor dem Eintreffen der Wilnaer Sejmdelegation zu einer Einigung zwischen der Warschauer Regierung und dem Wilnaer Sejm in der Frage der staatsre^' ‘Hohen Deklaration bezüglich Wilnas kommen wird. Wilna, 12. Februar. (Tel der „Wiener Morgenzeitung“.) In hiesigen Abgeordnetenkreisen herrscht die Ansicht vor, daß der Beschluß bezüglich der Vereinigung Wilnas mit Polen einstimmig gefaßt werden wird. Die Juden in der Türkei. Konstantinopel, 13. Februar. (J. C. B.) Die türkische Presse befaßt sich in den letzten Tagen mit großem Interessö mit den jüdischen Angelegenheiten im Lande. Die größten Blätter veröffentlichen eigene Aufsätze sowie Unterredungen mit dem Chacham Baschi. Der „Ikdam“ begrüßt die warme Teilnahme des Chacham Baschi am schweren Schicksale der Türkei und seine Bemühungen, dem türkischen Volke aus dieser schweren und bedrohlichen Lage herauszuhelfen. Das Blatt bezeichnet die diesbezüglichen Schritte des Chacham Baschi als Taten von historischer Wichtigkeit — Die französische Regierung verlieh dem Direktor der von 'der Loge B’nei B’rith erhaltenen Javne-Schule M. Alchalel den Titel eines „Offiziers für öffentlichen Unterricht“. Der Verwaltungsrat der - jüdischen Gemeinde hat demissioniert, so daß die nächste Versammlung des jüdischen Gemeinderates die Wahl eines neuen Verwaltungsrates wird vornehmen müssen. — Die seit einiger Zeit im Umlauf befindlichen Gerüchte über die bevorstehende Ernennung des Chacham Baschi Chaim Hahum zum türkischen Gesandten in Amerika entbehren jeder Grundlage. In maßgebenden Kreisen ist über diesbezügliche Absichten der Regierung nichts bekannt. Erzbergers Mörder bei ihren Gesinnungsgenossen. Budapest, 14. Februar. Die Btadlaposter Oberstaditha.uptm'amaiisdiiaft hat über AmTuidben des Ofienbuinger Lanidgericihits einen Steakbrief gegen düe dier, Errnardiiung Erzfoergors BeschiU'ldiigtem, tunid zwar den Münchener Kaufmann Heiniridh Schutz «and den eihiemalligen Oberleufcmanit Heintnich Thilesisen erlassen, auf deren Ergreifung eine Belohnung von 220.000 Mark auisgesetzt ist. D*as Blatt fügt hrnzu, daß zur Auisfonsobiting der Genamtmben auch dbmtsche Geheim,Polizisten nach Budapest gekommen seien, <cÖa sich Amihaltspuulkte ergehen hatten., daß d!ie beiden Beschul! dligten sich in Budapest auiinalten. Die neue Universität in Litauen. Kowno, 13. Fehfriuar. (Tel der > Wiener Morgenizei'tang«.) Am 16. d. M. findet dlie Eröffnung der erstem litauischen Universität «statt. . Tagesbericht. Wiener zionistisches Lokalkotniiee« Das Loika'Iikomii'tee beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit der Besprechung einer Reihe wichtiger Fragen. Die Sanieruingsalktion der Kultusgemeimde wurde bereits von einigen Bezirkssetlctionen tatkräftigst i-nidlie Hand genommen. In einer Reihe von größeren Versammlungen wurde die Notlage der Kultegemeiinde vom dem zionistischen Mitgliedern des Kul'tusvor standes eingehend geschildert und jene Maßnahmen besprochen, die geeignet seien,die Kultusgemeimde vor den drohenden äußeren und inneren Gefahren zu retten. In der nächsten Zeit werden auch die restlichen Bezirkssektionen derartige Versammlungen ein-berufen. Das Seminar wird in der nächsten Woche eröffnet werden. Am 9. d. M. fand eine Vorbesprechung der Referenten des Seminars statt, im welcher, die näheren Details der Durchführung desselben besprochen wurden. Donnerstag den 16. d. M. findet in der Thborstraße 20a eine Vorbesprechung der Lektoren des Seminars mit den vorgemerkten Damen.und Herren, s^att. Der Aufforderung, die etngesamm.elt.ej Beträge für Parteisteucr, Schekel und Schul verein all mona dich abzuführen, haben die Bezirkes eiktioiven bisher nicht in der wünschenswerten Weise entsprochen. Es werden in Hinkunft gegen jene Bezirkssektipmen, die ihre Verpflichtungen'lässig erfüllen, entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Die nächste Sitzung des Lofka'lkomitees findet Mittwoch den 22. d. M., halb 8 Uhir abends, II„ Zirfkusgas-se 33, statt. Tagesordnung: 1. Jugendreferat, 2. Frauenreferat, 3. Eventuales. Die jüdische Welthilfsexekutive und das internationale Hilfskomitee für Rußland. Man herichitie.it uns auis Genf: Aiuf der Konferenz dies sogenainiriiten Naiusen^Komiiitees war dlie Exekiutive der jüdischem W e'l'tihiilf sikoinf ereniz dwrch, - A b er so n veniretem. Diese hatte Nansen, e«im Memoramdluim überreicht, itn welchem darauf hiingewiesiem wird,, dlaß die Juden Riußlinimdls, d'ie mkht nur unter dem Hunger. sondern atuch unter Pogromen l'eidcm, aus dier H'föfsaktioin fast keinen 'Nutzen ziehen, weil sich diese beontallie tiiur auf dlie Wolga- Gegend erstreckt, während die motiliei'd'enden jüdischem Manseti hauipttsäch-Hch im dem Ulkraiiime «konzeinfriieint sind. Daher wind diamäuf teigewie-sem, daß. die Hilfsaktion, am welcher «sich die Juden der ganzen Weltbeteiligen, sichauf diie .Uknaiime ersitredkew müßte. Diie Konferenz «h«ait diesen Vorschlag angenommen (und in einer Resolution adle aiw dem interniatiiomia'len Komitee (beteiligten Orgawis-afoioinien ersucht, «bis zum 1. Mänz miitzuiteilen, in welcher Form und in welchem Maße sie bereit seien, sich an der HilfsJalktion zuguimsit’em der Ukraine zu beteiligen.. Diese Resolution wird in jüdischen Kreisen alfs henf deut®am«er Erfolg der jüdischen Hfflfsitätligikdt lbe-< trachtet Simon Rokach. Am IO. d. M. verschied in Wien Herr Simofl Rokach aus Jaffa im 58. Lebensjahr. Simon Rokach gehörte zu den markantesten Persönlichkeiten des alten Jisohuw oder vielmehr zu den wichtigstem Bindegliedern zwischen dem altem und neuen Jisohuw* In Jerusalem als Kind Wohlhabender Eltern geboren, hat sich Rokach zu einer Zeit in Jaffa niedergelassen, als die dortige jüdische Bevölkerung noch sehr gering war. Rokach war unablässig bemüht, diie jüdische Gemeinde zu vergrößern und zu organisieren. Er stand während nahezu 30 Jahren an der Spitze dieser Gemeinde, förderte die Beziehungen zwischen Sephardiin und Aschkemasim, begründete das jüdische Krankenhaus, dem ev seine besten Kräfte widmete, begründete die Häuserkolonie >Neve Zedek« und war langjähriger Präsident, der B’nei B’rith-Loge in Jaffa. Mit den Landes- Verhältnissen eng vertraut, war Rokach in der Lage, in allen Fragen der Kolonisation praktischen Rat zu erteilen und tätig mitzuwiirlken. Er stand« bei den Behörden und auch bei der arabischen Bevölkerung in hohem An-' sehen, welches er stets zum Nutzen der jüdischen: Sache verwertete. Durch unermüdlichen Fleiß und. außerordentliche Tüchtigkeit hat es Rokach zu ansehnlichem Vermögen gebracht, welches er zum großen Teile zum Bodenerwefb in Palästina, speziell in der Kolonie Petach-Tikwah, verwendete. Er stand in den letzten 20 Jahren an der Spitze der Export-. gesellschaft >P arde.se, und trug viel dazu hei, denl Orangenexpcrrt zu heben. Mit Simon Ro'kach stirbt einer der ältesten Pioniere des Jisdhiuw, dessen Rat und!- Mitarbeit beim Wiederaufbau Palästinas schmerzlich' vermißt werden wird. Er kam vor sechs .Monaten, nach, Wien, um Heilung für. seine angegriffene Gesundeit zui suchen, und bis vor kurzer Zeit hatten seine Freunde die Hoffnung, daß Rokach zum Frühjahr nach Palästina, zurüdkkebren würde. Sein Verlust wird im weitesten Kreisen aufrichtige Trauer hervorrufen. Sein Leichnam!' ■ wird auf Wunsch der Familie mach Jaff.a überführt werden. _ Das Jubiläum der Esperanza. Der sephardisch-akademische Verein Esperanza hielt Samstag den 12. d. M. in der sephardischen Synagoge eine Festsitzung aus Anlaß seiner 50-Semester-Feier, an welcher zahlreiche Vertreter der zionistischen und sephardischen Institutionen teilnahmen." Die Esperanza ist der einzige Verein des spaniolischen Judentums und hat in den 25 Jahren seines Bestandes eine Generation von bewährten Zionisten erzogen, welche, in prominenten Stellungen im Orient wirken. Aus den zahlreichen Ansprachen und Beglückwünschungen sei die interessante Rede des Oberrabbiners Dr. C h a j e s hervorgehoben, welcher darauf hinwies, daß das . sephardische Judentum wieder» holt die Aufgabe des Mittlers zu besorgen hatte. Auch gegenwärtig käme ihm dis Bedeutung zu, seine Kenntnis des Orients und seine Beziehungen zu dessen Völkern in den Dienst des Aufbaues, von Erez Israel zu stellen. Wien müßte für die Spaniolen ihr Kulturzentrum bedeuten und hier wäre eine Aus-, bildungsstättefür sephardische Lehrer zu schaffen, welche im Orient wirken sollten. — Namens des zionistischen Landeskomitees begrüßte Professor A. Freud den Verein. Interessant waren die spaniolischen Darlegungen des Herrn Vita Cajon über die Geschichte der Esperanza. Diese hatte anfangs das hauptsächliche Ziel, der Verderbnis der spaniolischen Umgangssprache entgegenzuärbelten, schloß sich aber bald Th. Herzl an und wurde zionistisch. Als sich der bekannte spanische Senator Angeb P u 11 d o, der für die Repatriierung der Spaniolen nach Spanien eintritt, an den Verein wandte, um ihn für seine Ideen zu gewinnen, wurde ihm der Bescheid, daß die Esperanza ein anderes Heim vor Augen habe als Spanien. ____ Anschluß an den Kindergarten. Der Prorektor der Wiener Universität, eisJ- Gelehrter von Initerniationiallem Rufe, tot in öffemt-. liiciber Veinsiaira'miiuingeinen Streik dlar Hodhischnl-* iprofes'S eurem angeikündligit. Diese Nta'dhri'dhft an sd<cb3. konnte niichit wunidienniebm«en. Die ■ Hodhisc'hiulert Wianis führen einen schweren Kampf uims Dasein1*. Während dlie diewtsehem Stni'dentenkneipen reichlich!' Mir Hebung der tsdheöhio-sil«c>waJkii&dhen Banrlndiu-. strie «bei tragen, ist dlie Univensiität aiuf -dlie Almiosem! gebefreudiger Semiten und diie W-obi'tärfgkeibSAto-« demden des südislawlVohem Vereims »Badkan« affige* wiesen.. Und während «diie öffeantlielhen Mittel zwati diaizu hdngereicht 'hanen, dlie neue Hofbuirg. soweitfertig zu stellen, diaß sie dien antisemitischen Zeitunigsseihreiibeirin und aodietren Lebenisküni.itlenn einen würdigen Rahmen für ihre Bta‘111 feste abgeben (kann,, vensagen diie Staatli«ohen Finiamzen hin'aidhitl'i'dh dev Vollendung des Ohe mischen. Instituts in dieir Währingersöraße, das noch immer nicht seinem niatür-« litohen oder wemiggtens einem anderen nützliflhenl Zwecke ziugefühirt wind., Auiöh sind die Hochsohiule». wegen beschämenden Kobkmmanigelis zur Sperre^ gezwungen, während Unitenhaltungslokteflen' Zweifelhiaftesiter Sorte Lucht «und Warme im UeberfTiuß zur, Verfügung steht. All dais könnte die Männer-ded \^®-isens'Cihaft s«Ghon eitbosen und man verstünde, es,, wenn sie durch solche Beobachtungen iäi diie' extremste Kamipfesstiimmung gerieten 1 N'Uin., diese. Sttimmong ist. wie gesagt, vorhanden, aber «diie Ur« stachen sind ganiz andere! Was den Herrn Prorektor der Wiener Universität so sehr entflammt, ist nicht das Auf bau mein •dies K/uflifeutnträgers gegen dlie eigene Parilastehiumg,. Damenwäsche Englische Stoffe für Herrenu. Daincnliieider, Jaden q. Jumper aus Wo!la u. Seide, Regenmäntel u. Textil* waren, alles erstklassig und billigst im Warenhaus l Schiffmann Wien, II., TaborstraBe 43 Telephon 47-1-79 En gros t074 En detail