Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1090 (10.2.1922)
- Date
- 1922-02-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 109(7 Wien, Freitag WIENER MORGENZEITUNG JO. Februai 1922 Seite A Tagesbericht. tleberelnkommen mit'der Opposition EU treffen. Nach längerer Debatte - wurde der Antrag des Präsidenten angenommen. Budapest, 9. Februar. (Ung.TeI.-Korr.-Bur,) Der Wahlrechtsausschuß der Nationalversammlung hat heute die Beratung der Wahlrechtsvorlage beendet und diese auch ln den Details angenommen. Der Ausschuß wird für die Vorlage dringliche Beratung beantragen. Die Judenfrage. Budapest, 8. Februar. (J. C. B.) In einer im .Wahl* llbreis Hatvan ahgehaltenen Vsrsammiung der Ohinistldich- (nationailen Partei, in welcher den* gewesene Ministerpräsident Fried rie h und der ehemaflige Minister Stephan Haller als Redner auffcraiten, äußerte sich Friedrich aiutch über die Judenfrage und führte bjuis: Die Rechtsordnung kann nacht durch Pogrome, Erpressungen und Korruiption wiederhergestellt Werdern. Hingegen sollen die gali-aisehen Jude.in, die sich durchweg« eines unerlaubten Reichtums bemächtigten, aus Umgarn (verwiesen und albgesöhafft {werden. Budapest, 8. Februar. (J. C. B.) Der Minister des Innern, Graf Kleb el sh erg, hat sich unter dem Drucks der Opposition dazu bewegen lassen, den tpogroim'hefczenden OberstuhCrichter Dr. Ludwig Förster Krem seinem Amte zu suspendieren und gegen ihn ein IDiszdiplmairverfähren einzuleiten. Abgeordneter Melchior Kiß erschien im Auftrag des Vereins der >Erwachenden Magyaren« beim Minister des Innern und protestierte gegen die Maßregelung eins ungarischen Patrioten, doch erklärte Graf Kilebelsherg, daß er kein asiatischer Minister sei und derartige Verhetzungen von Amts wegm nicht tolerieren könne.’ Budapest, 8. Februar. (J. C. B.) Kidbiismiindster Vass sprach gestern auf einer katholischen Volksversammlung in Esztergom, wobei er sich für die Wiederherstellung des Iconf es si onell e n Fried ens uwsspraoh.; Polen. Zehnstündige Arbeitszeit im Handelsgewerbe. Warschau, 9. Februar. (Wolff.) Der Sejm hat mit 136 gegen 61 Stimmen ein Gesetz über, die zehnstündige Arbeitszeit im Handelsgewerbe angenommen. Ein Antrag, wonach Handelsgeschäfte ununterbrochen zehn Stunden ohne Mittagspause geöffnet sein müssen, wurde gleichfalls angenommen. Belgrad von der Welt abgeschnitten. Belgrad, 9. Februar. Infolge der dreitägigen- Schneestürme sind alle Verbindungen mit anderen Städten unterbrochen. Es verkehren keine Züge. Rumänien. Die jüdische Wahlbewegung in Siebenbürgen. Klauseniburg, 8. Februar, (J. C. B.) Im Zusammenhang mit dar Wahlkampagne wurde hier eine ^Jüdische V o l k s p a r t e j .Siebenbürgens« begründet, dde in aillea größeren Zentren des Landes jüdische Wahlkomitees bildete, um überall eigene Kandidaten in diie rumänische Kammer laiuhzu-sf eilen. Dais Programm der jüdischen Volkspzurtei lautet: Volle Erlangung jüdischer Minorität s r e c b t e, aiuch um den Preis schärfsten Kampfes. Die mit dem orthodoxen Zentralbureau zusammen gehende jüdische Volkspartei hat in Marmairös-Sziget Dr. Geza Widder zum Kammerkaindidaten aufgestellt. Palästina. Der Wiederaufbau der zerstörten Kolonien. Jaffa, 4. Februar. (Bericht der „Wiener Morgen- Leitung“.) Die Kolonisten der anläßlich des Angriffes auf Petach-Tikwah zerstörten Kolonien K’f a r Saba und E i n - H a i hielten am 10. Jänner eine Konferenz ab, in welcher über die Möglichkeit des Wiederaufbaues und des wirkungsvollen Schutzes die$er Kolonien beraten wurde. An der Versammlung nahmen auch Vertreter der amerikanischen „Achusah“, welche in der Nachbarschaft dieser Kolonien eigene Siedlungen besitzt, ferner in Vertretung des Gouverneurs von Jaffa Herr Frankl, der Polizeidistrikskommandant von Jaffa Major W a i n r i g h t und Direktor E 11 i n g e r vom Kolonisationsdepartement der zionistischen Exekutive teil. Herr Frankl erklärte namens der Regierung, daß diese den Willen habe, den Kolonisten beim Wiederaufbau ihrer zugrunde gerichteten Kolonien beizustehen, und weise zu diesem Zwecke den Betrag von 2000 ägyptischen Pfund an, der hauptsächlich zur Rettung der Pflanzungen vor völligem Untergang verwendet werden soll. Major W a i n r i g h t versicherte die Anwesenden gleichfalls der Anteilnahme der Regierung an ihrem schweren Los und versprach die Errichtung einer „Spezialpolizei“, sobald die Kolonisten wieder in ihr Heim zurückkehren. Zur Durchführung der erforderlichen Arbeiten wurde ein Arbeitskomitee eingesetzt Die Konferenz von Genua. Wien, 9. Februar. Nach einer an einer hiesigen amtlichen Stelle eingelaufenen Mitteilung dürfte die Konferenz von Genua an dem ursprünglich festgesetzten .Termin (8. März) beginnen. Es wurde auch um die sofortige Nominierung der Österreichischen Delegierten ersucht. Wie „New York Herald“ meldet, werde die Antwort H a r d i n g s heute abends nach Rom übermittelt. Harding erkläre, obgleich er gegenwärtig die Einladung zur' Konferenz von Genua nicht annehmen könne, billige er vollständig die Ziele der Konferenz. Die Note enthalte das Versprechen, daß Amerika sein Bestes zur wirtschaftlichen Wiederaufrichtung der Welt beitragen werde. Die Antwort vermeide jede Andeutung, daß Amerika sich in die europäischen Angelegenheiten einmischen wolle. * , Die außerordentliche Sitzung des allrussischen Zenträl-Exekutivkomitees hat über die Entsendung einer Delegation zur Konferenz von Genua beraten und einen Beschluß gefaßt, den die 1 offizielle „I s w e s t i j a“ veröffentlicht Danach ist die Entsendung einer Delegation nach Genua beschlossen worden, deren Vorsitzender Lenin sein soll. Mit dessen Stellvertretung ist T s c h i t s c h e r i n betraut worden, der alle Rechte eines Vorsitzenden erhält, für den Fall, als Lenin durch besondere Umstände an der Teilnahme an der Konferenz verhindert sein sollte. Unter den übrigen Mitgliedern der Delegation befinden sich unter anderen Krassin, Litwinow, Joffe und Rakowskt Das Allrussische Zentral-Exekutivkomitee erteilt der Delegation die vollständigste, außerordentliche Vollmacht zur Entscheidung aller, den Gegenstand der Verhandlungen und die Entscheidungen der allgemeinen Konferenz betreffenden Fragen und beauflagt die Delegation im Namen der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik, bezüglich all dieser Fragen Verhandlungen zu führen, Abkommen und Verträge zu schließen und solche zu unterzeichnen. Die Konsolidierung der alliierten Schulden. Washington, 9. Februar. (Reuter.) Präsident Harding hat ein Dekret unterzeichnet, womit eine Kommission eingesetzt wird, die damit beauftragt ist, über die Konsolidierung der alliierten Schulden zu verhandeln. Die englische Exportkrise. London, 9. Februar. (Wolff.) Die gemeinsame Konferenz der Bergwerksbesitzer und Arbeiter, die gestern in London zur Beratung der schlechten Lage in der Ausfuhrindustrie abgehalten wurde, hat beschlossen, einen gemeinsamen Ausschuß zu ernennen, um die Wirkung der deutschen Reparationskohle auf den Kohlenhandel zu untersuchen. Oberschlesische Verhandlungen in Genf. Berlin, 9. Februar. (Wolff.) Die deutsche Delegation für die oberschlesischen Verhandlungen in Genf hat heute abends unter Führung des Reichsministers a. D. Schiffer und des Staatssekretärs Dr. L e w a 1 d die Reise nach Genf angetreten. Wiederaufnahme der Arbeit in Berlin. Berlin, 9. Februar. Heute konnten bereits die ersten Straßenbahnwagen durch die westlichen Straßen Berlins verkehren. Am Samstag wird der Betrieb vermutlich wieder in vollem Umfang .aufgenommen werden können. Die Versorgung Berlins mit Elektrizität ist wieder nahezu vollständig hergestellt Auch die Wasserleitung funktioniert in sämtlichen Stadtteilen. Die Belieferung mit Gas konnte jedoch nur in beschränktem Maße aufgenommen werden. Zahlungseinstellung eines Pariser Bankhauses. Paris, 9. Februar. (Wolff.) Das Bankhaus Claude .de Lafontaine hat seine Zahlungen eingestellt. Das Defizit beträgt 15 Millionen Francs. Das Institut besteht seit. 90 Jahren und arbeitet mit einem Kapital von 25 Millionen Francs. Eine jüdische Kulturkonferenz in Sowjetrußland. Riga, 8. Februar. (J. C. B.) Pein Moskauer »E m e s« zufolge, fand vor 'kurzem in Ni.noize eine unparteiische jüdische Konferenz statt, die sich mit der Erörterung* von \vidhtigein ikiailtune 11 em und wirtschaftlichen Fragen der (podolischein Judcuischaft befaßte. An der Konferenz nahmen 76 Delegierte teil, die sich aus 35 Anbeitern, 18 Beamten, 15 Lehrern und aus 8 Mitgliedern verschiedener konfessioneller Institutionen auisaimmeiisetztenii. Davon waren 20 Kommunisten, 4 Poale-Ziomstem, 3 Mitglieder der jüdisch-sozialistitschen Partei »Bund«, 3 Mitglieder der vereinigten jüdischen Sozialisten, 5 Zionisten, 1 Sozialrevolutionär und 32 Unparteiische. Dem »Eines« zufolge wurden sämtliche von den Kommunisten vorgeschlagenen Resolutionen, trotz der aimtikommuinistischen Mehrheit, einstimmig angenommen.. Ein unveröffentlichter Brief Tolstojs über den Kischenewer Pogrom. In der soeben erschienenen Nr. 12 des Petrograder Journals „Wjestnik Literaturij “ wurden einige bisher unveröffentlichte Briefe L. N. Tolstojs abgedruckt Einer davon ist vom 27. April 1903 datiert;, an E. G. L i n e z k i j gerichtet und ist die Antwort auf die Anfrage des letzteren, welche Ansicht Tolstoi über den Kischenewer Progrom habe. „Emanuel Grigorewitsch!“ — heißt es in dem Briefe — „Ich bestätige den Erhalt Ihres Briefes. Solcher Briefe habe ich bereits mehrere bekommen^ Alle Schreiber verlangen ebenso wie Sie von mir meine Meinung über die Kischenewer Ereignisse zu äußern. Ich glaube, daß hierin ein Mißverständnis unterläuft Man nimmt an, daß meine Stiphne ausschlaggebend sei, und verlangt deshalb, daß ich meine Ansicht über ein so ernstes und hinsichtlich seiner Ursachen derart kompliziertes Ereignis äußere* wie es die in Kischenew verübte Greueltat darstellt Das Mißverständnis besteht darin, daß man meine publizistische Tätigkeit anruft, während ich doch ein Mensch bin, der sich bloß mit einer scharfurarissenen Frage beschäftigt, die mit den jüngsten Ereignissen nichts gemein hat, nämlich mit der religiösen Frage und ihrer Anwendung auf das Leben. Was meine Stellung zu den Juden und den schrecklichen Kischenewer Begebenheiten anbelangt so müßte sie wohl allen jenen klar sein, die sich für meine Weltanschauung interessierten. Meine Stellung zu den Juden kann nicht anders sein, als die zu Brüdern, die ich liebe, nicht etwa, weil sie Juden sind, sondern weil sie wie wir und wie alle Menschen Söhne unseres Gott-Vaters sind. Diese Liebe koste! mich keine Ueberwindung, da ich persönlich : sehr gute Menschen unter den Juden kenne. Was aber meine Stellungnahme zu dem Kischenewer Verbrechen anbelangt so wird sie von selbst durch meine religiöse Weltanschauung bestimmt Obgleich ich noch nicht alle furchtbaren Einzelheiten kenne, die erst nach den ersten Zeitungsnachrichtenbekannt wurden, empfand ich doch die volle Bedeutung des Gräßlichen und ein drückendes Gefühl des Mitleids mit all den unschuldigen Opfern der vertierten Masse. Zweifel angesichts der tierischen Roheit dieser Menschen, die vorgeben, Christen zu sein, daä Gefühl des Ekels und Widerwillens vor allen, die sich gebildete Menschen nennen, die Masse aufreizten; mit ihren Taten sympathisierten, vor allem aber graute mir vor den wirklichen Schuldigen an all den Geschehnissen, vor unserer Regierung mit ihrer die Lfcute verdummenden und kanalisierenden Geistlichkeit und mit ihrer Räuberbande von Beamten Die Greueltat von Kischenew ist nur eine unmittelbare Folge der Politik, der Lüge und Gewalttätigkeit, die mit solchem Eifer und solcher Ausdauer seitens der Regierung geführt wird. Die Stellungnahme der Regierung zu diesen Begebenheiten ist nur ein neuer Beweis für ihren rücksichtslosen Egoismus, der vor keiner Unmensdilichkeit zurückscheut, wenn es sich darum handelt, eine ihr gefährlich scheinende Bewegung zu unterdrücken, und zugleich ein Beweis für ihre völlige Gleichgültigkeit, die jener der türkischen Regierung gegenüber der Niedermetzelung der Armenier gleicht“ Zionistische Organisation der Sephardim Wiens. Nach langen Bemühungen ist es gelungen, unter den Spaniolen Wien« die zionistische Arbeit. zu organisieren. Während des Krieges «und in deri. Nachkriegszeit sind zahlreiche Spaniolen anis deal Türkei, Bulgarien, Serbien usw. nach Wien ehw gewandert und 'haben hier ihren ständigen Wohn* sitz genommen. Diese national gesinnten jüdischen’ Elemente , die . in ihren früheren Wohnsitzen zu* meist. jüdisch tätig waren, sollen mm im Rahmen des neugegründeten Sephardisdi-zionistischeh Vor-- han des zu«am mengef aßt werden. Amt Initiative des rührigen 5ephandisoh-aikad e mischen Vereines Espe rau za fanden einige Versammlungen den Wiener Sephardim statt, in denen unter anderem Oberraiblbiner C h a j* e s, Jalbotimsky sowieauswärtige sephardisohe Zionisten sprachen. Diese Tätigkeit führte zur,. Gründung des Vereines Jehuda Halevy, welche vor einigen Tagen stattfand. Zum Präsidenten wurde Herr David Cue.nca, IJ., Praterstraße 40, gewählt. Der sephardisch ^akademische Verein Espe-* r a n z a feiert Sonntag den 12. d. M. das Fest seine® 50jährigen Bestandes. Der Verein, der 'bereits', vor dem Ersten Zfonistenkongreß entstand, hat ^ereilt® eine ansehnliche Zahl von Mitgliedern nach dem' Orient entsenden können, welche dortselbsit in' zionistischem' Geiste wirken. Die Festsetzung-.des Vereines findet Sonntag um %io Uhr vormittags in der seiphardi&chen Synagoge. II., Zirimsga-sse 22, statt. Um 3 Uhr nachmittags des gemannten Tages findet ein Gang «zum Grabe Theodor Herzls s'taitt, Henry Ford der Exantisemit. Der schrullenhafte amerikanische Multimillionär Henry Ford hat bekanntlich eine Zeit lang in den Vereinigten Staaten eine •heftige ia bi « m SS, KamTKMHssSyG TexSiBusati S&ricfcwairen alles erstk'asslg und billigst Int Warenhaus Wien, II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 Ehrgros 1074 En detail