Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1089 (9.2.1922)
- Date
- 1922-02-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Wien, Donnerstag WIENER MORGENZEITUNG 9. Februar 1922 Nr. 1089 gründen, da ihm me Rab-bin erfrage die größtem Sorgen bereitet. Ferner wird Stram<cher vorgehalten, daß er die längste Zeit in Wien verbracht hat. statt sein Abgeordneten mandat in Bukarest auszuüben. Alle Emigüngsversuche sind bisher erfolglos geblieben; die Ztouasien beharren auf der Kandidatur Dr. Ebnere und verlangen, daß sich Straucher auf cEe Tätigkeit im der Kultüsgemeinde beschränke. Das Präsidium der zionistischem Organisation wurde vom Minister Dr. Nistor empfangen Und brachte ihm (ine Kandidatur Dr. Ebmers zur Kenntnis. Außer den natiomal-ktuCtureWen Forderungen der Judenschaft verlangen die Zionisten die Unterstützung eines jüdischen Kandidaten für das Senatsmandat.im Czernowitz. Auf eine Frage des Ministers über die Stellung des Kandidaten Dr. Ebner zur Regierung, erklärte derselbe, daß er für den Faul eines Wathlbündnissos wohl im allem wirtschaftlichen Fragen des Landes mit dem zu gründenden Bukowinaer Khub gehen könne, daß er sich in allen jüdischen Fragen freie Hand Vorbehalte, daß er aber sein Verhalten gegenüber der Zentr-’ regierunig an Bukarest abhängig machen muß von .aer Steilung der Zentralregierung zum jüdischen Problem. Eine vom ihm verlangte Verpflichtung, mit der Regierung unter allen Umständen au gehen, erklärte Dr. Ebner nicht eingehen zu könmem. Der Minister nahm diese Erklärungen zur Kenntnis. Es wurde über das jüdische Senatsmamdat noch eingehend verhandelt. Es war au entnehmen, daß die Forderung nach einem jüduschen Senatsmandat bei der Regierung rnöht auf mibediimgtem Widerstand stößt. Die Strauch er-Grupipe will Dr. Weißei he rger für den Senat kandidieren. Litauen. Die jüdische Gemeindetagung, r Köwno, 7. Februar. (J. C. B.) Die für den 16. d. M. feinberufene zweite Konferenz der jüdischen Gemeinden Litauens wird nebst den Fragen jüdischen die 8 c h u lwes e n s vornehmlich die Umwandlung des jüdischien Nationalstes in eine staatliche Institution; behufs Durchführung der nationalen Autonomie erörtern. Palästina. Empfang der arabischen Delegation im Kolonialministerium. . London, 6. Februar» (J. C. B.) Wie von arabischer Seite mitgeteilt wird, ist die arabische Delegation aus. Palästina für heute ins Kolonialministerium beschieden,. wo eine längere Aussprache zwischen ihr und Mr. Churchill staltfinden soll. Wie verlautet, sollen bei dieser Konferenz in erster Reihe die Beziehungen zwischen der arabischen und j U d isch en Bevölkerung in Palästina im Zusammenhang mit der Errichtung des Nationalheims für die Juden besprochen werden. Das Sekretariat der arabischen Delegation teilt, mit, daß diese beschlossen hat, ihren Aufenthalt in. England zu verlange r n, um irgend eine Modifikation in den Bestimmungen der Balfour- Deklaration zu erlangen. Amerika und das Palästina-Mandat.: Ne#; York, 7. Februar. (J. C. B.) Einem Washingtoner Berichte zufolge hätte das Staatsdepartement im stillen der Ratifizierung des britischen Mandats über Palästina auf , der bevorstehen en Aprilsession des Völkerbundes zugestimmt. Der zionistischen Organisation in den Vereinigten Staaten soll von der amerikanischen Regierung versichert worden sein, daß sie im Bedarfsfälle bereit ist, der zionistischen Welt- Weltorganisation in ihren Anstrengungen um die gesonderte Bestätigung des Palästina-Mandats zu assistieren. , Die jüdischen Arbeiter verlassen Chedera. Mitteilungen aus dem Publikum. Orient-uBalkan- Spezialverkehr (besonders KZMTGN, Serien, Palästina, Türkei etc.) ,'1 " der HHZZWMM -T r® rs sporl-E-Ses. .Zentrale: Wien, 8., Bauernmarkt 24 Telephon 17-1-27 und 15-5-16 Telegrammadresse: Maawirim Speditionen aller Art Individuelle Behandlung jedes einzelnen Falles Permanenter Sammellade dienst nach : TRIESf | und demübrigen Italien 9412 ln- und uuslSnrftaohe Fiffume and Oünnisrarai kauft man billigst bei 442 Juljus Spiegel jun., *T >IIl > sucht ein Zimmer (wenn möglich leer) mit Küchenbenützung. Preis Nebensache. Zuschr. erbeten unter „M. L. 5989* an die Adm. des Blattes. Kultus-ujustiitslareu. Barette: liefert ln schönster Ausführung die bekannteste Spezialfirma 136' OllPlA! F r.ni nQTFlW Zivil-u.Oniiormschnelder.wieu KUUUL,r UULL/O raborstrnüe 54. Tel. 45-6-29 Gegründet 1896 - Große Auswahl feinster Stoffe für Maßbestellungen erklärt Die restlichen 15*/« können an dem Endergebnis nichts mehr ändern. Wie vom Reichsverkehrsministerlum mitgeteilt wird, hat die Reichsgewerkschaft 'deutscher Eisenbahnbeamten' nachts. ihre .' Orts^uppert' ^efögraphiscii ängewieseti,' die Arbeit, möglichst bald-; wieder äufZünelimeu. An vielen; Stellen sind, die Beamten'zum Dienst zufückgekehrt, sö daß die technische Nothilfe - bereits kn mehreren Orten zurückgezogen werden konnte. ' Nach..einer. Bekanntmachung der Eisenbahndirektion . Berlin ist die Zeit für die Wiederaufnahme des Dienstes bis Donnerstag den 9. d. M. verlängert worden. •, ■/ Die deutsch-polnischen Verhandlungen. Warschau, 8. Februar. (Tei.-Komp.) Die deutschpolnischen Verhandlungen über Öberschlesiem beginnen am 10. d. M. unter dem Vorsitze Caiondars in Genf: Es handelt sich um 'die endgültige Redigier» g der Konvention und um die Entscheidung über die strittigen Punkte. Man glaubt, daß die Verhandlungen ungefähr drei Wochen dauern werden, so daß mit der Unter-' zeichung der Konvention für anfangs März gerechnet werden kann. Die Ratifizierung soll dann innerhalb zwei Wochen erfolgen. Jerusalem, 6. Februar. (J. C. B.) Vor einigen Wochen ist. gemeldet worden, daß zwischen den; Kolonisten von Chedera und den Arbeitern ein Vertrag, geschlossen worden ist, demzufolge sich Chedera verpflichtet hat, 60 jüdische Arbeiter in der Landwirtschaft und 40 in verschiedenen anderen Arbeiten zu beschäftigen. Dieser Vertrag ist zwischen der allgemeinen Arbeiterorganisation und Dr. Brunn als Vertreter der Kolonisten abgeschlossen worden; die Kolonisten haben jedoch in ihrer Versammlung den Vertrag nicht genehmigt, infolgedessen haben sämtliche jüdischen Arbeiter die Kolonie, welche nach den Maiereignissen 250 jüdische Arbeiter beschäftigt hat, verlassen müssen. Rundschau. Die deutschen Reparationszahlungen. Paris, 8. Februar. (Havas.) Wie der „Temps“ meldet, hat die deutsche Regierung gestern eine Zahlung von 31 Millionen Goldmark geleistet, wie sie sie alle zehn Tage auf Grund der Entschließung der Reparationskommission in Cannes vom 31. Jänner während des vorläufigen Zahlungsaufschubes für die am 15. Jänner und 15. Februar fälligen Raten leisten muß. Diese Zahlung ist die dritte seit dem Beschluß der Reparationskommission. Der deutsche Eisenbahnerstreik. Berlin, 8. Februar. (Wollt.) Bis 1 Uhr nachmittags fag das Ergebnis der Urabstimmung in den städtischen Betrieben zu etwa 8j”/0 vor. Davon. haben sich 2 wst 1 Dritte! der Abstimmungsberechtigten für den Streik und gegen den Schiedssoruch vorn 2. Februar Die Kabinettsbildung In Italien. Rom, 8. Februar. (Tel.-Kornp.) Wie verlautet, wird der König, falls, de Nicola die Kabinettsbildung ablehnen sollte, G i o 1 i 11 i damit beauftragen. Es werden bereits die Kandidaten für das Ressort des Auswärtigen genannt, und zwar nennt man in diesem Zusammenhänge die Namen Sforza und Szial o y a. Die Konferenz von Genua. London, 8. Februar. Im Unterhaus sagte Lloyd George über die Konferenz von Genua, die augenblicklichen Wirtschaftsverhältnisse in Europa könnten nur durch eine gemeinsame Anstrengung /geändert werden. Daher sei die Konferenz vorgeschlagen worden, an der all e L ä nder.Eu r o p ä s teilnehmen sollten. Man könne Devise h I a n d ..nicht ausschließen, und zwar wegen seiner geographischen Lage, seiner großen Hilfsquellen und der besonderen Fähigkeiten des deutschen Volkes. Man könne Rußland nicht ausschließen, weil, solange Osteuropa sich im Stadium des Zusammenbruches befinde, Mitteleuropa nicht wiederhergestellt werden könnte. Er hoffe, daß* die Konferenz einen bedeutenden Fortschritt auf dem Gebiete« des wirtschaftlichen Wiederaufbaues darstellen werde! Es könne w hl sein, daß die . Konferenz für Europa Folgen zeitigen werde, die von denen der Washingtoner Konferenz in bezug .auf den fernen Osten nicht sehr verschieden sein würden. Paris, 8. Februar.. Nach einer Washingtoner Meldung werde die Regierung der Vereinigten Staaten die Antwortnote' auf die Einladung zur Konferenz von Genua am Freitag absenden. In politischen Kreisen herrsche die Ansicht vor, daß die Regierung die Einladung ab Ich nea werde. Die Einwanderung nach Amerika. New York, 8. Februar. (J. C. B.) Einer Meldung aus Washington zufolge hat das Einigrationskomitee des Repräsentantenhauses in seiner jüngst abgelialtenen zweiten Sitzung mit der Ausarbeitung der neuen Einwanderungsgesetzgebung begonnen. Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, sind die Au s* sichten für die Abänderung des Quotensystems nur, $ ehr g e r i n g, die bisherige Quote wird wahrscheinlich. beibehalten werden. Die diesbezüglichen Gesejtzesvorlagen werden zunächst vom Repräsentantenhaus in Behandlung gezogen .werden, da das Senatskomitee in dieser Sache noch keine Sitzungen abgehalten hat. Eine Konferenz der kleinen Entente. ^Belgrad, 8./Februar. Zwischen Belgrad, Prag und Bukarest werden in letzter Zeit Verhandlungen über eine Konferenz der kleinen Entente geführt, die wegen der Entsendung einer russischen Abordnung zur Konferenz von Genua notwendig werde. ■ Üie Wilnaer Erage. Lltauisch-poinischer Notenwechsel. . Warschau, 8. Februar. (Poln. Tel.-Ag.) Der Minister des .Aeußern der. Kownoer Regieriung, J u r g a t i s, richtete-am 3. d. M; an den polnischen Außenminister eine Note, worin, er fragt, ob die polnische Regierung damit: einverstanden. Wäre, zu dem von General Z i e 1 i g o W s k i v e r 1 et z i en Status quo d e s W i l n a e r Ge b i e t e s zurückzukehren und ob sie bereit wäre/ vor dem Beginn der Verhandlungen die Truppen und/die Verwaltungsbehörden von dort zurückzuziehen. Die'Note erklärt, daß eine negative Antiyört . Polens als Ablehnung des Vorschlages betreffend die Aufnahme von Verhandlungen, wie sie in der‘Nöte vom 27. Jänner angeregt wurden, betrachtet werden würde. Minister des Aeußern S k i r m u n t erkläre in seiner Antwort, er hoffe, daß die litauische Regierung die Ansicht der polnischen Regierung teilen werde», wonach es im Augenblick des Beginnes der Verhandlungen angezeigt wäre, jede Debatte zu vermeiden, die die Verhandlungen stören könnte. / . Täbris gefallen. London, 8. Februar. (Reuter.) Aus Teheran wird. gemeldet: Eine Gendarmeriestreitmacht unter Führung des Obersten/ L a h u t y K h a n hat Täbris eingenommen. Ein Teilder Kosakengarnison der Stadt hat-sich ergeben, die anderen sind geflohen. In der Stadt herrscht Ruhe.... Das marokkanische Abenteuer wird V! fortgeführt. Madrid, 8. Februar. (Tei.-Komp.) Ueber den kürzlich in Malaga stattgefundenen großen Kriegsrat wird von der Regierung eine Mitteilung versendet, Ja der erklärt wird, daß die •.Wiederaufnähme: der. iji.Uitäi;ischen Operationen in' Marokko beVÖrstelfe. Da. mit einem energischen Widerstand derRifkabylcn zu rechnen' sei, seien Umfangreiche militärische Maßnahmen erforderlich, um die Ordnung im marokkanischen Küstengebiet'wieder herzustellen. Stifafuntersuchüng gegen eine italienische Bank. Rom, 8. Februar/ (Tei.-Komp.) Gegen die Verwaltung der Banka Italiana die Sconto ist, wie die „Tribuna“ meldet,,/eine gerichtliche Untersuchung wegen Unregelmäßigkeit- und Fälschung der letzten Bilanz eingeleitet worden. Die Polizei beschlagnahmte in der .Generaldirektion zahlreiche Dokumente. DieSowjets gegen die jüdische Sprache. Riga, 6. Februar. (Telegramm der „Wiener Morgenzeitung“.) Die Sowjetbehörden in Minsk haben den Schulunterricht in jüdischer Sprache verboten und angeordnet, daß in den jüdischen Schulen ausschließlich 'die r u s s i s c h e S p r a c h e als Unterrichtssprache zu gelten habe. Die Minsker Judenschaft hat gegen dies* Verordnung P r o t e s t eingelegt Repressalien gegen jüdische Studenten in Wilna. Wilna, 6. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeilung“.) „Unser tag“ teilt in einem Artikel dea Dr. Schab ad -mit, daß die polnischen Studenten der Wilnaer medizinischen Fakultät den jüdischen Medizinern der Zutritt ins' Prösektorium verweigern, angeblich, weil die jüdischen Leichen dem Prosektorium nicht abgeliefert werden. Der Verband der jüdische» Aerzte und die jüdische Gemeinde haben diesbezüglich beim.Universitätssenat interveniert, jedoch ohne Erfolg, da der Senat sich auf die Seite der Studenten stellt Die ostgalizische Frage. Parisj 6. Februar. .(Tel. d. „Wiener Morgen* zeitüng“.) „Ere nouveile“ bespricht in einem längeren Artikel>die ostgalizische Frage, und stellt fest, daß sie raschest1 gelöst werden müsse. Im Interesse Frankreichs liege/es/ daß Ostgalizien nicht unter polnische Herrschaft gelange, Frankreich müsse auch den Leiden der ukrainischen Ortsbevölkerung mehr Aufmerksamkeit schenken. Antisemitische Hetze in der Krim. Riga» 6. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Hier sind authentische Nachrichten eingelangt, daß in der;$ o w j e t k r i m eine starke antisemitische Bewegung begonnen hat Die nichtjüdische Bevölkerung droht den Juden mit P o g r o m e n. Die P?n\k unter der jüdischen Bevölkerung ist derart groß, daß Tausende von jüdischen Familien flüchten.