Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1089 (9.2.1922)
- Date
- 1922-02-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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WIENER MORGENZEITUNG 9. Februai 1922 Nr. 1089 Wien, Donnerstag Seite 3 gibt, gegen den 25. d. M. wieder nach Prag zurückkehren. Der Bergarbeiterstreik. Prag, 8. Februar. (Tschecho-slow. Preßbureau.) #Heute fanden im Ministerium für öffentliche Arbeiten unter Vorsitz des Minister T u c n y weitere Beratungen behufs Beendigung des Lohnkonilikts im Bergbau statt. Anwesend waren Vertreter sowohl der Arbeiterschaft als auch der Gewerke aller Kohlenreviere. Die Standpunkte der beiden Parteien haben sich genähert, so daß man eine baldige günstige Lösung des Konflikts erhoffen kann. Prag, 8. Februar. (Tel.-Komp.) Die Verhandlungen zwischen den Grubenbesitzern und Bergarbeitern sind soweit gediehen, daß mit der Liquidation des Streikes ge rechne t werden kann. Die Arbeit dürfte morgen wahrscheinlich wieder aufgenommen werden. Im Prinzip ist bereits eine Einigung erzielt, die Regelung der Detailfragen wird in Kürze vorgenommen werden. Prag, 8. Februar. Die „Prager9Abendzeitung“ meldet: Der sozialdemokratische Vollzugsausschuß stellt in einem Schreiben an den kommunistischen Vollzugsausschuß fest, daß die kommunistischen Anräge für einen Generalstreik seitens der sozialdemokratischen Partei nicht unterstützt werden können. Die Entscheidung über die geeigneten Mittel des gewerkschaftlichen Kampfes müsse einzig und allein der Gewerkschaft überlassen bleiben. Polen. Konferenz der jüdischen Kaufleute. Warschau, 7. Februar. (J. C. B.) Heute früh wurde in Brest-Litowsk die allgemeine Konferenz der jüdischen kaufmännischen Organisationen in Polen eröffnet. Auf der Tagesordnung befinden sich, die Fragen des Wiederaufbaues des wirtschaftlichen Lebens in Polen, insbesondere in jenen Gebieten, die durch die bolschewikische Invasion gelitten haben. Unter anderem sollen auch die Möglichkeiten der Wiederaufnahme des Handels mit Rußland erörtert werden. Die Zentralorganisation der jüdischen Kaufleute Polens wird durch die Herren Trusker, Szersewsky, Wiczlicki vertreten sein. Russische Handelsexperten in Warschau eingetroffen. Warschau, 8. Februar. (Poln. Tel.-Ag.) „Kurjer Poranny“ meldet: Ein Teil der russischen und ukrainischen Experten, die an den Handelsvertragsverhandlungen zwischen Polen und den beiden Sowjetrepubliken teilnehmen werden, ist bereits in Warschau eingetroffen.. Die Handelsvertragsverhandlungen werden in der nächsten Woche beginnen. Ungarn. Hejjas droht mit neuen „Handlungen". Die Affäre des Oberstuhlrichtes Dr. Förster, der, wiegestern berichtet wurde, eine blutige Pogromerklärung veröffentlichte, wächst sich zu einer hochpolitischen Affäre aus. Während der Minister des Innern in Beantwortung einer Interpellation das Verhalten Försters aufs schärfste rügte und die srengste Ahndung in Aussicht stellte, hat der Verein der „Erwachenden Magyaren“ für Förster Stellung genommen. In einer Direktionssitzung dieses Vereins, in welcher der Fall Förster zur Debatte stand, führte Ivan Hejjas, der Anstifter der Judenpogrome im Donau-Theisgebiete unter anderem aus. „Die Verräter der Nation seien die R a s s a y, die D r o z d y und die frechen Demokraten, die das Volk nicht gegen die Raubmorde der kommunistischen Terrorverbände in Schutz genommen hatten, nicht aher Förster, der mit seinem kriställreinen Charakter die Rechte der ungarischen Staatsbürger geschützt habe. Ich aber — schloß Hejjas seine Ausführungen — sage, ein Förster ist mehr wert als die ganze jüdische Demokratenpartei und nötigenfalls werde ich danach handeln.“ Noch schärfer war der nächste Redner Dr. Georg H e g e d ü s, der beantragte, der Verein der Erwachenden Ungarn möge den eigenen Mitgliedern, den zuständigen Faktoren, aber auch der Judenheit kund tun, daß die „Erwachenden“ entschlossen seien in aggressiver Weise aufzutreten, wenn die „niederträchtigen Angriffe auf die Werkmeister des christlichen Ungarn nicht aufhören sollten“. Schließlich wurde eine in diesem Sinne gefaßte Resolution angenommen. Nationalversammlung. Budapest, 8. Februar. (Ung. Tel.-Kor.-Bur.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurde die Debatte über das Gesetz, betreffend die Erhöhung der Beamtenzulagen, fortgesetzt Sodann nahm das Haus mehrere Interpellationen entgegen. Abgeordneter Sadeczkyi interpellierte über eine eifrig betriebene Propaganda gewisser tschec.hischer Kreise zn dem Zwecke, um weitere beträchtliche Gebiete des heutigen Ungarn zu erwerben. Er machte namentlich auf die Flugschriften Halupkas aufmerksam, die, in allen europäischen Sprachen verfaßt, offenbar mit staatlichen Mitteln verbreitet werden und die die Verschiebung der tschechischen Grenze Plenarversammlung des Klubs der jüdischen Mandatare. Die Krise der Wiener jüdischen Gemeinde. — Die Tätigkeit der Zionisten im Kultusvorstande. — Zionistische Werbearbeit für den Notstandsfonds. , Die jüngste Plenarversammlung des Klübs der Wiener jüdischnationalen1 Mandatare gäit der Be-; rattung über die gegenwärtige Situation der Wiener jüdischen Gemeinde. KultusvorstaTidsmitglied' Gemeind erat Dir. Ehrlich entwickelte zunächst aai Hand'der machten Buidgeteiffern, wie schwer die materielle Krise unserer jüdischen Gemeinde ist. Wenn die Gemeinde mur halbwegs leben koranem soll, mußte beispielsweise die Budgebpost »F r i e dih o f s w e s e n« im laufenden Jahre einen Uebersdhuß von, 150 Millionen ergeben, also im Vergleich zum Vorjahr den siebenfachen Uebersobuß. Redner verweist auf den Versuch, in Wien,' ähnlich wie im assimiliatocisohe n D eut soh l and, eine »liberale Synagogengemein d e« zu bilden. Diesen Versuch müssen wir mit aller Sch ärf e bekämpfen. Es ist eine Gruppe innerhalb der »Union«, welche in -diesem Sinne am Werke ist und wie wir es schon wiederholt sahen, wenn eis galt gegen das bewußte Judentum au winken, gehen diese assimilatorischen religiösen Elemente auch diesmal wieder mit der Trennuingsorthodoxie, den Anhängern der Agudah Jisruel zusammen. Zu den Vorgängen innerhalb des Kultus verstand e-s bemerkt Dr. Ehrlich: Unter Führung des Baurates K e m ip 1 e r hatte sich im Plenum eine Gruppe gebildet, die einfach die- Zertrümmerung der Kuiltusgemeinde will. Diese Gruppe wollte schon die Demission geben, um das Amtieren des gewählten Gesamtivoirstandes unmöglich zu machen und die Einsetzung eines R egierungsvertreters zu bewirken. Es ist den Zionisten, vor allem dank der wirklich hin- , gebenden Arbeit unserer Klulbmitglieder S t r i c.k e r und Dr. Pia s chfkes, gelurn*gen, diesen Sch-rifct zu verhindern. Wir haben unablässig auf alle Folgen der gegnerischen Taktik hingewiesen, die Herren sind schließlich einsichtig geworden und haben ihre Demission zurückgezogen.'Unsere Arbeit im Plenum bezweckt bekanntlich seit dem Tage unserer Mandatsübernabme eine Doppelreform:, Die Reform der Besteuerung und die Reform des Wahlrechtes. Beide Reformen bedingen einander und eine wirkliche Gesundung unseres jüdischen, Gemeinwesens ahne Durchführung derselben ist ausgeschlossen. Ursprünglich hatte die Majorität kurzweg beschlossen, die. Frage der Wafhlreform überhaupt nicht in Erwägung zu ziehen, was die Zurückziehung unseres Vertrauensmannes Doktor F r i e dm an n aus dem Präsidium zur Folge hatte. Es ist ein offenes Geheimnis, daß diese Abneigung gegen die Wahkeform mit dem löblichen Bedürfnis der sogetuanntetfi »B od en stän digen« zusaimmenhängt, die Ostjuden von den Rechten in der Gemeinde auszuschließen. Aber späterhin ist der Widerstand schwächer geworden. Die famose Wabe r- P r a x i s,, die nicht bloß Ostjiuden', sondern auch »Bodenständige« aus Böhmen, Mähren-, Ungarn von der Staatsbürgerschaft ausschlqß, hat vielen die Augen geöffnet. Jetzt ist in der Majorität in bezug auf die Wahlrechtsfrage eine Spaltung eingetreten. Eine namhafte Gruppe ist nämlich in jüngster Zeit ehrlich bemüht, die Wahkeform zu fördern. Eine ausreichende Hilfe für das jüdische Gemeinwesen ist nämlich ohne wirksamem Appell an das zahlungskräftige Ausland ausgeschlossen und unter den ausländischen Juden, jdie Geld schicken werden, sind, viele Ostjuden. Man kann nun nicht bei den ausländischen Juden für die Wiener Judeingemeinde schnorren und gleichzeitig den inländischen Ostjuden sagen: Wir geben euch keim Wahlrecht! Wie die Situation aber auch immer sei1, jetzt, wollen wir Zionisten mit allen Kräften für die Sicherung und den Bestand des großen, für diie Juidenheit der ganzen Welt bedeutsamen Wiener jüdischen Gemeinwesens wirken. Als wichtigste Mittel zur Sanierung erkennt der Referent eine gründliche Reform des Beamtenkörpers, die wir Ohne Rücksicht auf Popularität anstreben müssen, vor allem aber die intensivste, hin gebend ste Anbeit für den ins Leben gerufenen N o t & t ands f o n d % der Ktltiüs« gemeinde. Herr Oskar Gold schmiedt erstattete eint Referat über die Reorganisation d er B ezir kskoim m iis s i on em imner-i halb der Kultusigemeinde. Nach dem Statut sind diese Bezirkskommiissionen »Vertretumgs- und V-er« wialtungsorgane«, diie alle Vorgänge innerhalb ihres! Sprengcls überwachen und an das' Präsidium. Bericht erstatten sollen. Diese Berichte, so häufig sie. auch abgingen, blieben bisn-un stets unerledigt. Wir) wollen nicht nur St euer d enmanzian ten sein, sondern! auch Mitberater. Zu den reichlichen Pflichten müssen die Bezirkdkommissianen auch Rechte erhalten. Es war nicht zweckmäßig, daß der Vorn stand der Wiener jüdischen Gemeinde, ohne mit den, Beizirkskommissionen Fühlung asu nehmen, seinen Not stand's auf ruf erlassen hat..— Herr Goldschmied^' der sich gan-z besonders das Studium der jüdk sehen Fürsorge innerhalb der Wiener Gemeinde angelegen sein läßt, stellt in seinen weiteren! Ausführungen fest: Verschämte Arme bekommen! nirgends etwas, unverschämte überall! Die Kultusgemeinde muß im Sinne ihrer Statuten nur »nach Maßgabe ihrer Mittel« für Wohlfahrt sorgen. Diese Mittel sind aber, wie man weiß, jetzt überhaupt nicht vorhanden. Deshalb ist eine N e u Organisation der sozialen jüdischen Fürsorge ziu einem brennenden Problem geworden. Die Fürsorge ist -zu zemtraliesierenund gleichzeitig zwocikmäßigzud^zentralisieren. In jedem Wahlbezirk ist ein Sekretariat füll soziale Fürsorge einzurichten und diese Sekretariate! sind einem Zemtraisekretariat zu unterstellen-. Referent unterbreitet dem Plenum ein diesibezügliohcsf Regulativ, das er gemeinsam mit einigen Ge-i sinnungsgenosisett ausgearbeitet hat. Zur Beratung dieses Regulativs setzte der Klub der jüdisebnatiew nalen. Mandatare eine Kommission ein. Diesen Referaten folgte eine interessante Wecbsekede, an der sich die Herren Waltuch^ Müller, N i m!h ä u s e r, Dr. L ö w y, S i t zmann und Brenner beteiligten. Es wurden hauptsächlichst folgende Punkte von den genannten Herren vorgebracht: Bei der Besteuerung seien von allem die direkten Steuern m erhöhen wo es! angängli-ch ist, nicht aber die indirekten. Die Plaupteinr-ichbungen der Kultusgemeinde müssen! inkorporiert bleiben und jede Seizessicm ist zju bekämpfen. Die Anregung des J u d e n k a t ä s t e x s! ist zu beschleunigen und für den Notstandsfonds größter Kraftentfaltung zu wirken. Zum Schlüsse -behandelte in interesiamter unÄ sachlicher Weise Kultus Vorstandsmitglied Herr Gs? mein-derait Dr Plaschkes den ganzen Komplex der Fragen, die mit der Sanierung des jüdischen Ge? meinGcwesens Zusammenhängen und kam. zu folgenden Schlüssen: Als oberster Grundsatz hat zu gelten, daß did einzelnen Kapitel des B u d g e t p r ä i u- Oiinars, so groß auch die ausgeworfenen Ziffern! sind1 sich selbst decken müssen. Nur die Ausfälle bei den Kapiteln »Soziale Fürsorge« und »Schutlangelegenhciten« sind anderweitig zu decken'. Das Defizit der sozialen Fürsorge äuis Steuergeldern, das. des Schulwesens aus Ueberschüssen des Friehofwesen«. — Wir müssen ferner, wollen wir die Gesundung der Gemeinde fördern, für den streng* s t e n Zentralismus ein treten. Die K o n k u -rrenztarife1 der Tempelvereine und die' zu weit gehende A utoaomie derselben ist nachteilig. Das Vereinswesen innerhalb der Kultusgemeimde.ist daher nach Tunlichkeit zu beschränken!, — Die Feststellung sämtlicher in Wien wohnhaften Juden ist schleunigst in die Wege zu leiten, -und zMr nach dem H äu s e nb 1 ock s y s t e m. —-Z>ui) Sanierung der Spitäler ist. nötig, daß vermögends Angehörige der Pfleglinge für die Spitalskosten aufk Omanern. An ida-s Rothschild-Spital ist ein Mittelstandssa-natorium amzugliedem. Die Beratung wurde in ' vorgerückter Stunde abgebrochen und wird in den nächsten Tagen, fortgesetzt über den lpoly-Fluß bis tief in Transdanubien und in das ungarische Tiefland hinein fordern. Rumänien. Die Rechte der jüdischen Staatsbürger. Bukarest, 8. Februar. (Orient-Radio.) Der halbamtliche „Vitorul“ meldet, daß entgegen gewissen Gerüchten die Rechte der jüdischen Staatsbürger Rumäniens endgültig gesichert seien. Der Ministerrat habe den Justizminister ermächtigt, zu erklären, daß diese Rechte sicherlich in die neue Verfassung aufgenommen werden. Der Wahlkampf in Czernowitz. Man schreibt uns aus Czernowitz: Wie bereits gemeldet, is^ in Czernowitz ein heftiger Wahlkampf im jüdischen Läger entbrannt. Während die Zionisten ihren Präsidenten Dr. M. Ebner ln die Kammer kandidieren, hat Dr..Strauch er seine GegemikaifldidiaJtuiij aiufgestellt, und iist zu einem Verzicht diairaiuf nicht zvt bewegen, obgleich er sich auf keime feste Organisation, wie es die zionistische iisit, stützen kamin. Von zionistischer Seite wind Stmucher vorgeworfen, daß er kein Programm hiat und sich stets der herrschenden Strömung aimpaß't. Zur Zeit der erstarkenden jüdischem Nati-omalbewegung wurde Sträflicher. National juds, später doklairierte er sich ah Zioniist und gegenwärtig iisfi er plötolich — M i s r a c h i 9 t geworden, sucht die koAservaitiive Judomsobaft für sich zu gewinnen, und entwickelt ihr seinen neuesten Fiam, ein, Rabbiinenseminar zii m m BETTZEUGE llerron-u.Damonwaschc, RcganmSptel, engl. WoHstoffe.gDstrlcktaJackeri, Kleider, Kostlima uJumpjr eV.es crstklasaig und billigst im Wa enhaus [Schiff mann üen, II., Taborsira&e 48 Telephon 47*1*79 Sn geros 1074 Er detail