Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1088 (8.2.1922)
- Date
- 1922-02-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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mrewr M«. Mmwa» _ WIENER' MOROßJßSWirarar 8.FebraaJ 192» Seite 3 r_. r_._ rtnenm-iammm mwrrn " "" Ttr-marmm.: -- 1 r-r—- - . "..1 ll ft 1 1 il .. "'.. — mmrntmmnmm MnmiEtamnm»» 1 > . -.4 kukiancl uvll k'rankrEick. 8Lobe1ews Nrssion in Paris. Und was schließlich die mir vorge war ferne (Energielosigkeit in der auf dm Stiuirz der Konunnuine folgenden Zeit betrifft .— führt der erwachende PbeTsfruhlrichter weiter an® erQöläre ich, diaß meine Energie damals durch die berechtigte Verfolgung denjenigen, die meine Nadon ziuigpuiiide gerichtet haben,, in Anspruch genommen war. Ich leugne es nicht, ich habe kalten Bluites augesehen, wie einige bis zum äußersten verbitterte Magyaren, eine schwache Revanche 'nahmen am d)etr Rasse, die eineu - Bela Kun und einen Szamuely beamorgebraicht bat.. Die fremdirassigen Opfeir berühren mich genau so wenig, wie die Opfer des B«oxerauf®itajndes. 'Niemals werde ich die blutige Erniedrigung meiner' Nation vergessen, und wenn Szöchenyi recht hatte izju erklären, daß wir so wenige sind, daß map jeden, iViatiemiörder begnadigen müßte, so sage ich, der Ghettokehricht hat während der Kommune so viele Niedrigkeiten verbrochen, daß diesen gegenüber jeder Minder begnadigt werden muß. Mit dieser Ansicht stehe ich nicht allein, denn trotz aller Fäulnis gibt es noch Männer in Rumipfurgarn, und nicht überall ist das Geld der Gott. Gezeichnet Dir. Ludwig Förster, Held vom goldenen Sporn, OberstuMrichter. — Wer kann es den armen Juden vorwerfen, daß sie nicht nach Izsak zurückkehrep wollen, wo der Pognomheld vom goldenen Stparn der Fluter der Horthy-Oirdnumg ist!;v - Budapest, 7. Februar. #(U. T. IC. B.) In der heutigen Nationalversammluinig lenkte Abgeordneter R a s s a y die Aufmerksamkeit des Ministers, des Innern auf dem Obeirsbulhll-richtea* von Kunszentmjk'cs, Dr. Ludwig. F ö r s t e r, der ui einem Budapester Blatte eine den konfessionellen Frieden geiälndende Ktiriärutng veröffentlicht habe; Minister des Innern Girat IC l ebelsberg erklärt in Beantwortung dÄr Interpellation, daß er der Erklärung des OberstuihIrichters mit tieiern Bedauern und Bestürzung Kenntnis genommen habe, da sie geeignet sei, die Bürger ir.&elirischer Konfession im höchstem Masse zu beunruhigen. Die elementarste Pflicht jedes Staates sei die Aufrechterbaltuinig’ der öffentlichen Ordnung und Disziplin. Der Minister erwarte von allen Staatsangestellteu, daß sie sich diese, Pr lieht vor ' Augen ha'ten werden. Er erklärt, daß er im kern-, kreten Falle, auf das -strengsie vergehe werde. j Unter Panamlsten. Budapest, 7. Februar. (Üng, TeLKorr.-Bur.) In der heutigem Sitzung der Nationaiiversammlung wurde der Gesetzentwurf, betreffend die Aenderung des Gesetzes Über die Hcmved*a<rmee, in dritter Lesung angenommen. Nach der Abstimmung machte Han-delsml-nister H e g y e s h a 1 m i dem Abgeordnetem Schippe I, der von den Bänken der Regierungspartei mit der Opposition stimmte, Vorwürfe, worauf Abgeordneter Raikovszky die Verletzung des Immuni'tätsrechtes des- Abgeordneten Schlippcl anmeldete. Rakors'zlky bemerkte hiezu, daß ein solches Vorgehen nur dort möglich «cf, wo ein Minister seine anderen Kollegen verdächtige, an den Ausfuhr-Pamama- Affärem teilgeno-mmen zu haben. Abgeordneter Stephan Sziaibo-Nagvatad unterbricht den Abgeordneten Rakovszky mit den Worten; »Das ist eine Unwahrheit! Sie lügen!« worauf Abgeordneter Rakovszky ruft: »SieEaaam ist!« Präsident Gaal ruft die Abgeordneten Rakovszky und Szaibo'iN'agy-atad zur Ordnung. Abgeordneter Rakovszky erklärt schließlich, daß der gewesene Acker* baurainister Stephan Sizabo-Nagyatad für die au® den landwirtschaftlichen Aimfubrbewiii'ignngen ent* standene Panama'-Angelegenheit verantwortlich sei, da die Kommission« die sich mit der Erteilung der!Au&fuhrbewüligungem befaßte, von dem gewesenen Minister Szabo-Nagyiatad 'Weisungen erhalten habe. Abgeordneter Stephan Sz’abo weist diese Behauptung als Unwahrheit zurück und erklärt, er habe der Au'sfuhrkommissiom keine Weisungen, zukommen lassen. Ack erbau rn in ist er Mayer bekräftigt 'diese Erklärung und fügt hinzu, daß Szabo-Niagyatad der 'Ausfulhirkommis'siom niemals Weisungen gegeben habe. Abgeordneter B e n i c z k y verliest mehrere Poli'zeiprotokolle über die Aussagen des in die Ausfuhr an gelegenheiit verwickeltem früheren : Privatselkretärs Stephan Szafoos, Ludwig E s k ü 41, der behauptete, die Absicht gehabt zu halben, vier bis fünf Millionen politischen Zwecken 'zuizuwenden. (Großer Lärm im ganzen Ha«se.) Abgeordneter Stephan Friedrich erneuert seinen vor einigen Monaten eingebrachten Antrag, wonach sämtliche Akten, die sich aiuf die seit dem Stünz der Proletari erdik t atur erteilten Ausfuhrbewilligungen beziehen, dem Hause unterbreitet werden sollen. Der Regierungskandfldat in Kecskemet unterlegen. Budapest, 7. Februar. Wie die Blätter ans Kecskemet melden, wurde dort nach dreitägigem Wahlkampf an Stelle des verstorbenen Abgeordneten Julius R u b i n e k der Kandidat der 48er Unabhängigkeitspartei Dr. Michaei Horvath mit einer ' «Le Petit Paris! en* ver- * ■' "" .öffentlieht ein Interview mit dem kürzlich in Paris eingetroffenen Bevollmächtigten' der Sowjetregierung für Frankreich und Belgien, Matwej Iwanowitsch;.,S k o b e Te w, der* früher in N den Ministerien Lwow und Kerenskij, später als Vertreter Georgiens in Paris ' tätig, neuerdings auf Grund älterer Beziehungen zu Trotzkij in nähere Fühlung mit der Sowjetregierung' getreten ist: „Wenn ich mich auch nicht als Gesandten bezeichnen lassen darf, solange Frankreich die Moskauer Rgierung ignoriert, so bin ich doch allerdings für Belgien und Frankreich mit der Wahrnehmung von Rußlands politischen und wirtschaftlichen Interessen beauftragt Ich bin der Delegierte der Handelsgesellschaft, welche Krassin in London begründet hat. Die Geschäfte, die wir vorläufig abgewickelt haben, sind dazu bestimmt, dieser Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen zwischen unseren beiden Bändern den Weg zu bereiten. Uebrigens haben auch wir schon Ware verkauft Die Pariser haben vielleicht gar keine Ahnung davon, daß der Stoff, der ihre Autobusse und Taxiautos m Bewegung setzt, bolschewikischer Herkunft ist; vorigen Monat haben, wir es jn der Tat v zwei französischen Firmen verkauft Auch Graphit und Asbest werden wir Ihnen verkaufen, Der französische Markt zeigt ferner Interesse fltr unser Holz und unser Pelzwerk. Auch das werden wir Ihnen bringen. Die Vorschläge, die ich den Kaufleuten und Industriellen Belgiens und Frankreichs zu erstatten den Auftrag habe, werden gleichzeitig Deutschland, Eng- Majorität von ungefähr 1000. Stimmen gegenüber dem Kandidaten der vereinigten Regierungsparteien Doktor Tibor Z s i t v a y zum Abgeordneten der Nationalversammlung gewählt Auflösung der Nationalversammlung? Budapest, 7. Februar. Der Ministerrat beschloß nach mehrstündiger Beratung, die Nationalversammlung am 16. d. M. unter allen Umwänden aufzulösen und die Neuwahlen auszuschreiben. Rundschau. Balfours Ansprache an die amerikanischen Zionisten.^ London, 2. Februar. (Beridhit der »Wiener Miorgmzeitung«.) Die Ansprache, , welche jüngst Balfouir an eine Deputation amerikäimsdhier Zionisite<n in'Washington hielt, halt in, England allgemeine Aufmerksamkeit gefunden* Der »English Cburchmam«, das Organ der anglikanischen Kirche, widmet dieser Rede . einen Leitartikel, in welchem deren politischer Charakter besonders hervorgtihoben wird Es heißt darin uribeir anderem: Gegenwärtig sind alle politischen Pläne unsicher, denn immer wieder geschehen Dinge,* welche deren Programm oder dessen DirrdMühmng stören, jedoch eine Ausnahme gibt es in dieser Beziehung, die zionistische Bewegung, die stets vorwärts schreitet, wenn vielleicht auch nicht schnell, aber mit festen und endgültigen Schritten. Alle Anstrengungen, die gemacht wurden, den Beschluß, auf dem sie basiert, die Balfcurr-Deklaration, m ändern, erreichten nicht das Ziel, wofür die jetzige Rere Balfoturs als Beweis dienen mag, deren 'Wichtigkeit keinem Zweifel unterliegen kann Baäfoutr ging n«ach Amerika als Vertreter Euglan-ds und rndt der Aufgabe» dort die englische Politik zu vertreten.. Seine Worte an die Zioni* stem müssen also, ebenfalls in diesem Sinne verstanden werden.. Er forderte die Zionisten auf, Mäßigkeit und Klugheit bei ihrer Arbeit für die Verwirklichung ihres Zieles anzuwenden, gab jedoch deutlich zw Verstehen, daß ihre Sache eine Angelegenheit der Gegenwart und der Zukunft «sei und daß ihr Sieg sicher ist. Die jüdischen Frontsoldaten gegen Ludendorff. Berlin, 7. Februar. In seinem vor kurzem erschienenen Buche hat »bdkanmtliclh General Lu dendo rff dlie Juden im allgemeinen und die Juden in der deutschen Armee in der heftigsten Weise beschimpft uind die Schuld an dem Zusammenbruch vom sich auf die jüdischem Intrigen und jüdische Feigheit abzuwäben versucht. In seinem Organ »Der Schild« nimmt der »Reichsbumd Jüdischer Frontsoldaten« gegen das Treiben des Rad'aua,ntisemi'tgn Ludendorff Stellung und erklärt nach Feststellung der Leistungen der deutschen Juden hn Kriege: »Aus all diesen Gründen weisen wir 540.000 deutschem Juden, wir 100.000 jüdische Soldaten, die wir wn Kriege unsere Pflicht für daß deutsche Vaterland mit Hamd utnd Herz und Hirn treu erfüllt haben, zugleich.auch im Namen der 12.000 gefallenem deutschen Juden, die schweren Beschuldigungen der, Buches mit Entrüstung als unwahr zurück.« land und den skandinavischen Ländern unterbreitet Ich glaube ja nicht, daß Sie hinsichtlich der maschinellen Ausrüstung mit Deutschland zu konkurrieren vermögen, auf allen anderen Gebieten aber, möchte ich glauben, könnten Sie uns vorteilhaftere Vorschläge als alle anderen machen und die Aufträge Ihrem Lande sichern. Ein Handelsvertrag wird, glaube ich, zwar nicht alle Reibungsflächen be« seifigen, im ganzen würde er aber doch beiden Nationen Nutzen bringen. Ich glaube, Sie werden früher ode< später zu dieser Lösung greifen. Was uns betrifft, so, können wir ruhig ein paar Jahre warten. Wir stehen mit nahezu allen Mächten in Beziehung und unsere Lage wird immer günstiger, indes die Ihrige schwieriger werden wird. Sie reden mit aller Welt von dem Wiederaufbau Rußlands, nur nicht mit denen, die es unmittelbar angeht. Herf Louclieur redet mit Herrn Rathenau darüber. Auch mit Herrn Robert Home redet man davon. Aber in diesem Falle sind die Herren Rathepau und .Hörne lediglich Vermittler, und zwar Vermittler, die ihre Sonderinteressen denen Frankreichs voranstellen werden. Wir Russen und*Franzosen haben gemeinsame Interessen und müssen uns miteinander verständigen. Wir wissen sehr wohl, daß der Friede der Welt bedroht bleiben wird, solange Rußland und Frankreich nicht ihren Freundschaftsvertrag erneuert haben werden. Der Kampf um die Wohnbausteuer. Heute nachmittags wird die Debatte über d'id Wöhinbau'stcuer im Wiener Landtag fortgesetzt umdi die Wiener Bevölkerung wird morgen in den Blättern lange Tiraden über die Nützlitihlkeit oder Schädiichikeit der Steuer -- je oa-dh der Paa-teistell'ung des Redner® — lesen und nur die eine Klarheit sidhl bilden, daß es diesmal um den letzten kleinen Rest gebt, der ihr noch übrig geblieben ist, tarn eim halb« weg® menschenwürdiges Wohnen zu eraiöglicheni. Da® erklärt auch den homerischen Kampf, welcher zwischen den zwei großen Parteien darüber ent-i br an nt ist, sowohl öffentlich dis hinter den Kulissen’. Die Wohnbausteuer ist leider zu einem Politikum ersten Ranges geworden. Anstatt daß diese Fraget zu einer gemeinsamen Plattform gewählt wurde, daß beide Parteien gemeinsam zuira Besten! der Gesamtheit auf einer Linie sich gefunden hätten, sehen wir diese Frage — auf beiden- Seiten, mehr oder weniger — demagogisch behandelt. Richtig ist, upd von allen Seiten zugegeben, daß die Wohnungs* not ungeheuer und stetig iim Wachsen ist, weil in! Wien unter den gegebenen Verhältnissen gar nicht, oder ganz minimal, und das nur sehr teuer, gebaut werden kann. Richtig ist ferner, daß die Beschaffen^ heit der Häuser in den meisten Fällen den Verfall kaum noch auftoalton kann, weil die Hausherren er-, klären, daß sie» solange das Mieterschutzge&efcz in( Kraft ^bleibt, nicht in der Lage sind, dae teuren Reparaturen vonzunebmeo oder »bei den teuren! Mc!teriaiipre*®en neu zu bauern Ebenso richtig aber} ist, daß unter solchen Verhältnissen nur der Mieter! der leidende Teil ist. Die Hausherren verlangen' den Aibha»,. des Mieterschutzes und ßrklären. daß sie daun, .in der, Lage wären,' die Häuser und Wohnungen instand zu halten. Das klingt ja glaubhaft,, aber nur wenn! die Zinse ins Ungeheure — man spricht von einen zwanzigfachen Erhöhung — gesteigert werden'. Werden die. Hausherren den Erlös wirklich auch nun zum größeren Teile für die Wchnbarmaicbuug der! Häuser an wenden? Nach der langjährigen Hau®* herrenpolitiik zu urteilen, ist CS zu beizweifeln. DeS-t halb bestehen die Soizialdemdkraten auf der Wohnbau'steuer, die nicht in die Taschen der Hausherren! fließen soll, sondern von der Gemeinde emgehoibe# wird und für ReparaturenundiN' eubaut e n. verwendet wenden soll. Ganz aibgesehon von der Höhe der neuen Steueü --- und sie ist Ja sehr hoch ** muß zugegeben werden, daß die mit dar neuen Steuer verbundene Absicht nicht hoch genug anuuenkenuan ist. Aber nach! allem, was bisher über die Verhandlungen wegen: der neuen Steuer bekannt geworden ist, steht zu befürchten, daß die W o \i n baust euer m i t einem großen Opfer erkauft werden soll. Damit die Wohnbausteuer Gesetz werden soll «rso munkelt man — soll auch in das Mieterschutz« gesetz im Nationalrat eine Bresche gelegt werden«. Da® wäre so eine Art Gegendienst für die Erledigung der Wohnbausteuer. Ein solches Kompromiß würde einen Betrug an der Bevölkerung bedeuten. Es ist unmöglich, daß die Sozialdemokraten jemals ein solches Geschäft ahsiclhließen können. Sie dürfen niemals zu« geben, daß ein Abbau des Mieterschutz« gesetz es stattfindet. Da KT3 Enriiscfia Stoffe für Herrenu. Damenkleider, Jacken u. Jumper aus Wclia u. Seide. Resenrndnte! u. Textilwaren, alles erstklassig und billigst im Warenhaus SshSffmann Wien, I!.. TaborstraBe 48 Telophon 47-1-79 En sros 1074 fin detail Tagesbericht.