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Wiener Morgenzeitung · 1922-02-06 · Heft 1086 (6.2.1922) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1086 (6.2.1922)
Date
1922-02-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Montag WIENER MORGENZEITUNG Skandal im Philharmonischen Konzert. Bereits am Samstag war es bei der Generalprobe äer Herbstsymphonie von loset Marx zu lebhatten Szenen gekommen, da ein Teil des Publikums gegen die Aufführung dieses Tonwerkes durch Zischen und Pfeifen auf Hausschlüsseln Demonstrierte. Bei der gestrigen Premiere im Großen Musikvereinssaal wiederholten sich die Lärmszenen in noch stärkerem Maße. Die Wiedergabe der Symphonie durch*" die Philharmoniker, vollzog sich zunächst ohne Zwischenfall. Nach dem ersten Satze konnte sich Josef Marx nach starkem Beifall dankend verneigen und es machte sich nur wenig Widerspruch bemerkbar. Nach dem Schlüsse ging jedoch ein riesiger Spektakel los. Während die Bewunderer der Symphonie dem Komponisten stürmische Ovationen darbrachten, protestierten die Gegner durch Pfuirufe, heftiges Zischen und zum Teile auch durch Pfiffe auf Hausschlüsseln. Im Saale bildeten sich Gruppen, die miteinander stritten, und die Erregung stieg immer höher. Dabei soll es nicht bloß bei Worten geblieben, sondern auch zu einer sehr kräftigen Ohrfeige gekommen sein. Ein besonders lauter „Anti-Marxist“ wurde von der anderen Partei mit Gewalt aus dem Saale befördert. Fast eine Viertelstunde tobte der Lärm, indem Anhänger und Gegner des Komponisten einander durch Schreien zu überbieten suchten. Es dauerte geraume Weile, bis wieder Ruhe eintrat. Als Weingartner nach der Konzertpause das Podium betrat, wurde er mit demonstrativem Beifall empfangen. Revolveranschlag gegen einen Kauptmann. Samstag nachmittags hat sich in der Kohlgässe in .Margareten eine großes Aufsehen erregende- Szene abgespielt Die 37jährige Private Luise W ti r f f e 1, in Payerbach geboren und dort wohnhaft, kam am 4. d. M. nachmittags zur Wohnung des Hauptmannes Gustav H. in der Kohlgasse. Sie verfolgte den Offizier deshalb mit ihrem Hasse, weil sie es seinem Einfluß zuschrieb, daß ein Verwandter des Hauptmanns, ein Oberstleutnant, mit ihr Zwistigkeiten hatte. Frau Würffel wurde nicht in die Wohnung gelassen. Hauptmann H. verließ bald danach das Haus und zwischen Flur und Haustür sah er Frau Würffel vor sich. Sie zog rasch einen Revolver und gab zwei Schüsse gegen den Offizier ab, ohne Ihn zu treffen. Gestern hat sie sich beim Stadtkommissariat selbst gestellt und wurde dem Polizeikoramissariat Margareten eingeliefert. Sie gab an, daß sie wegen des Zwistes mit dem Oberstleutnant eine Auseinandersetzung mit Hauptmann H. herbeiführen wollte. Sie behauptet, keineswegs die Absicht gehabt zu haben, den Hauptmann zu erschießen; sie wollte'ihm, sagt sie, lediglich „eins hinaufbrennen0. Sie wird wegen Mordversuches dem Landesgericht eingeliefert werden. Der gute Ton. Sie Ist ganz unzweifelhaft und unverkennbar eine kriegsfolge, diese Vorliebe für gepfefferte Witze, dieses Fallen der Schranken, dieses ständige Vorrücken ins Laszive. Mann kann kaum eine Zeitung öffnen, in keinem Buche blättern, keine gesellige Zusammenkunft besuchen, ohne mit Scherzen und Bemerkungen zu tun zu haben, die früher im Kreise Gebildeter einfach unmöglich gewesen wären. Wer daran keinen Gefallen findet, ist zimperlich und altmodisch. Namentlich altmodisch, denn die Jungen plätschern behaglich in der Gosse und sogar Backfischchen quittieren Bemerkungen, die sie früher nicht verstanden hätten oder zu deren Verständnis sie sich jedenfalls unter keinen Umständen bekannt hätten, mit einem vergnügten Lächeln. Den jungen Burschen lind Männern war ja das Lagerleben und namentlich die Offiziersmesse eine vortreffliche Schule der sexuellen Gemeinheit. Die gepfefferte Kost, an die sie sich vorschriftsmäßig zu gewöhnen hatten, mochte im Anfang noch so schlecht munden, schließlich konnte man sie nicht mehr missen. Dazu kam ja noch, daß vielfach ln der Etappe förmliche Offiziersbordelle etabliert wurden und alles, was an Frauen in die Nähe dieser Kriegsstationen kam, entweder von vorneherein nicht zu den Auserlesenen des Geschlechtes gehörte oder nur zu leicht durch das Beispiel ln den tollen Wirbel hineingezogen wurde. Mochte die Erinnerung an eine zärtliche, reine Mutter, an eine geliebte Schwester noch so stark sein, die Gegenwart war stärker und den Respekt vor den Frauen hat die junge Männerwelt im allgemeinen im Felde gründlich verloren. Kein Wunder, daß sie, heimgekehrt, das neuerworbene Wissen allsogleich weitergeben wollten und begannen, einen Vorstoß zu wagen. Der Boden war gut vorbereitet von der ins Gigantische angewachsenen Prostitution, von der Lockerung der Sitten, der allgemeinen seelischen Verwahrlosung. Sie stießen nirgends auf Widerstand. Allmählich wurde es in Wien modern, Gespräche mit einer Prise Unanständigkeit, mit einigen Körnchen Laszivität zu würzen, Witze einfiießen zu lassen, die hart an der Grenze des Möglichen liegen, Vergleiche zu wählen, die Anzüglichkeiten enthalten, Ausdrücke zu verwenden, die zweideutig sind. Dabei verdient besonders erwähnt zu werden, daß auch die Juden sich auf diesem Gebiete unangenehm hervortun und daß namentlich mancher Gebildete unter ihnen jede Schranke des guten Geschmacks niederreißt Der jüdische Witz beginnt eine Färbung ins Erotische anzunehmen, die sich mit seiner Eigenart nur schlecht verträgt, die Tagespresse streift vielfach an das „Kleine Witzblatt“ und Gespräch wie Lektüre verraten eine Neigung zur Zote. Das ist umso auffallender, als gerade die Juden sich bisher der größten Zurückhaltung aut diesem Gebiete befleißigt haben, auch die Derbheit ihres Witzes niemals den sexuellen Unterton hatte. Während aber die unteren Schichten, Jude und Christ, in dem gesunden Empfinden des Volkes sich von diesen Abgeschmaktheitcn fernhalten, gibt es bei den Gebildeten kein Aufhalten mehr. Nicht im ernsthaften Gespräch, das auch die Beschäftigung mit heiklen Themen —htfertlorL ln ödem Gewitzel, in scherzhaften An- , Mitteilungen aus dem Publikum. Edhte JIsgerwtiscEtae ä| ßl&erf Malsn©r,Wieti,I.,lCöhlmessergasse8 j spielungen wird eigentlich unaufhörlich v Zotenreißerei betrieben. Man muß kein Mucker seih, um daran Anstoß zu nehmen. Frederlka Bremer, die schwedische Vorkämpferin der Frauenbewegung, erzählte einmal, daß es Zelten'gegeben habe, da der gute Ton verlangte, daß der Vater eines kommenden Weltenbürgers in Gesellschaft sein absolute Ahnungslosigkeit bekundete. Jetzt unterhalten sich junge Mädchen lii Wien scherzend über die intimsten , Geschlechtsvorgänge. Das eine war albern. Aber das andere ist so k.ug, daß uns nach, ein bißchen Albernheit bange wird. ' ' * Generaldirektor Günther operiert. Wie wir erfahren, hat sich Generaldirektor Georg Günther kürzlich einer schweren Operation unterzogen, die einen günstigen Verlauf nahm. Er befindet sich derzeit in. voller Rekon- ' valeszenz und wird demnächst das Sanatorium verlassen. * Zwei Jubilars im Burgtheater. Gestern abends fand im Burgtheater die Feier des 40jährigen Dienstjublläums des Seniors des Orchesters, des tüchtigen Bratschisten Johannes R Itter, statt. Die Kollegen und die übrigen Angehörigen gestalteten die Feier für den einfachen, schlichten Künstler sehr wirkungsvoll. Außer Herrn Ritter hat in aller Stille auch der vorzügliche Flötist Karl Falk sein 30'ähriges Dienstjubiläum begangen. Auch er hat eine Ehrengabe der Direktion und der Kollegen erhalten. * * Der Kälteeinbruch auf der Rax. Der plötzliche Kälteeinbruch auf der Rax, der in der Nacht vom Samstag auf Sonntag eintrat, traf viele Touristen auf Ihrer Wanderung ziemlich unerwartet. Wenn auch der größte Teil der Touristen mit warmen Kleidern gut ausgerüstet war und sich wenig von der plötzlichen Kälte beeinflussen ließ, gab es doch einige, die der Kälte fast zum Opfer gefallen wären, wenn ihnen nicht rechtzeitig Hilfe zuteil geworden wäre. * Abwanderung jugoslawischer Stuckenden aus Prag. Wie das „Prager Tagblatt“ meldet, wollen die in Prag studierenden südslawischen Hochschpler wegen des Hochstandes der tschechischen Krone Prag verlassen. Ihre Wahl ist auf Polen gefallen, wo man. ihnen sehr weit entgegenkommt. Es handelt sich um 1500 Studenten, die Mitte dieses Monats nach Polen wandern werden.' * Das teuere Schäferstündchen. Der im IX. Bezirke wohnende Privatier Karl K. hatte vor, Monaten die Bekanntschaft einer hübschen jungen Dame gemacht; sie leistete seiner Einladung, ihn zu besuchen, Folge und war wiederholt Gast in seiner Wohnung. Auch am Silvestertag des Vorjahres war sie bei ihm. Als sie die Wohnung ver7 lassen ha'tte, fehlte vom Schreibtisch eine goldene Herrenuhr samt goldener Kette im Werte von K 250.000. Niemand anderer könnte die Uhr gestohlen J^ben als die Bekanntschaft. Herr K. erstattete dM Anzeige beim Kommissariat. Es wurde ermittelt, daß die Diebin die 21 jährige postenlose Korrespondentin Aloisia O. ist, die auch auf dem Alsergrund gewohnt hat. Sie war auch aus ihrer Wohnungverschwunden. Als nun am 3. d. M. Beamte des''polizeilichen Sittenamtes eine Razzia im Hotel Weißes Kreuz Vornahmen, würde im Hotel ein junges Mädchen zur Ausweisleistung angehalten. Es stellte sich heraus, daß sie die,wegen Diebstahlsverdachtes gesuchte Therese O. ist. Sie gab . auch den Diebstahl zu und erzählte eine, wenn sie wahr ist, bejammernswerte Geschichte ihres zertrümmerten Lebens. Sie stammt aus gutem Hause. Ihr Vater ist ein in einer Provinzhauptstadt ansässiger hoher Militärbeamter. Ais ihren Dämonbezeichnet sie den 28jährigen Artisten Egon Fürst, den sie zu ihrem Unglück kennen gelernt hat, als sie erst 16 Jahre alt war. Fürst soll sie zuerst entführt nnd dann verführt haben. Er soll sie dazu verleitet haben, daß sie erst ihre Verwandten bestahl. Als sie dann aus dem Elternhaus verstoßen wurde, war sie ihm ganz ausgeliefert. Er soll es auch gewesen sein, der sie zu dem Diebstahl an Herrn IC verleitet hat. Vor dem Wohnhause des Privatiers soll er, während sie den Diebstahl, beging mit dem Wagen gewartet haben. In seiner Gesellschaft will sie dann die gestohlene Uhr dem Juwelier Jakob Beiter, L, Rotenturmstraße Nr. 23, um K 150.000 verkauft haben. Das Geld will sie dem Fürst übergeben haben und er soll ihr mit dem Gclde von der Gastwirtschaft Deutsches Haus durchgegangen sein. So sei sie wieder allein gestanden. Sie hat Wien fluchtartig verlassen und sich seither ruhelos in Graz, Linz und im Burgenland herumgetrieben. Hie und da traf sie Herren ihrer Bekanntschaft, an die, sie sich schloß. Erst zwei Tage vor ihrer Verhaftung ist sie nach Wien gekommen und bei dem ersten Abenteuer wurde sie angehalten. Therese 0. wurde dem Landesgericht eingeliefert. Nach Egon Fürst wird gefahndet; wenn er verhaftet wird, wird auch er dem Landesgericht eingeliefert. Freie jüdische VolksbQhne Gastspiel Im Lnstspleltheater. Sondervorstelllug BERTSCHIK Das Theater ist gehetzt! "MH 4280 Der Hausarzt. Redigiert von Dr. Sanel Beer. Ueber Vorbeugung von Herzkrankheiten. Der Herzfehler ist bei den Menschen im al'hgemeinen besonders gefürcihteit. Viel me'kir Patienten bilden sidh ein, an einer Herzerkrauikimnig, su leiden, als es tatsächlich der Fall ist. Und so kommen die AengstHohen immer , wieder zu den Äenzten und wünschen Auskunft, ob sie am Herzen kranlk sind. Meist handelt es sich um Neurastheniker, cliie sich zu viel beobachten und an jedem beschleunigten Puls einen ■ Herzfehler entdecken wollen. Für solche Aengstliehe ist es gut zu wissen, wie m.sn einer Kerzerikrankiüng verbeugen kann. Die häufigsten Ursachen, für ein späteres Herzleiden geben eine Angora oder ein akuter Gcle.nkiSTfh’£umatisnuus ab, Die Gaamcnmanddin sind bekanntlich, die , _ 6? Februar IR22_Nr. 1083 Eingangspforte. für verschiedene Erkrankungen, s<*' mamche Blinddonm-, Nieren- oder Gclenksenkrank-ung schloß sich an eine Mandelentzündung an, die in den Laikunen (tiefen'Lücken) der Mandeln gelbe eitrige Pfropfe ate Krankheitsherde hinterließ. Jede Angina ist also, zumal sie j,a Scharlach, Diphtherie und Grippe erntete en kann, a*l»s ernste Krankheit m werten und entsprechend zu behandeln. Aber nicht nur die Heiöumg ist zu erstreben, sondern die Neigung zu . Rüdkfäilen, soll durch Abhärtung . und Hebung der körperlichen , Widerstandsfähigkeit: mittete örtlicher und allgemeiner. Behandlung be« kämpft werden. Das gleiche gM für den akuten Gelenksriheuima» tism'us, in dessen Gefolge sich meist ein Henzfeh’e^ 'einstellt. Da heißt es vor altem, sich vor jeder Verkühlung hüten. Leider werden derlei Ratschläge durch die herrschende Mode (kurze Röcke, seidene Strümpfe» Halb schuhe 'bei Frost/Und feuchtem > oder nassem Wetter) ad absurdum geführt. Bei ein getreten er Erkrankung muß der Patient so lange Bettruhe halten, bis jede Gelenks Schwellung, die Schmerzhaftigkeit bei Bewegungen und Fiebeq völlig geschwunden sind, weil, sonst leicht ©irr Wiederauf fl ackern des Krankheitsprozesses erfolgt, ln vielen Fällen erweist sich,die Schlitzung der La-* kunen in den Mandeln öder die teilweise Abtragung derselben als notwendig, da von hier aus die nheuw matteche Erkrankung unterhalten wird. Von den Infektionskrankheiten sind es vor allem def; Scharlach, die Influenza und der Bauchtyphus, die das Herz schwer in Mitleidenschaft ziehen können. Darum wendet der Arzt dem Herzen bei. diesen Affektionen besondere Aufmerksamkeit zu, obgleich sich Herz» Störungen oder Herzschwäche trotz aller Vorbeugungsmaßnahmen unvermutet einstellen können. Besonders gefährdet sind Individuen mit Fettsucht und Arterien* Verkalkung. Fettleibige haben ein muskelschwaches Herz. Bei diesen müssen ärztlich Maßnahmen getroffen werden, um_ systematisch die Leistungsfähigkeit des Herzens zu steigern. Hiezu dient die hydro- und mechanotherapeutische Methode. Auch die Syphilis führt in der Folge zu Stauungen des Herzens, die meist in einer starken Erweiterung der großen Schlagader bestehen. Nur die rechtzeitige* energische, entsprechende Behandlung kann einer Herzerkrankung Vorbeugen. Nut zu bekannt ist der schädliche Einfluß dauernden v Genusses alkoholischer Getränke auf das Herz. Eine große Rolle spielt in dem Krankheitsbilde des Herzens das Zusammenwirken mehrerer Schädlichkeiten. Dazu gehören noch die Einwirkung von Tabak, Tee und Kaffee auf das Herz. . Die Häufung von Herzaffektionen bei jugendlichen Männern ist eine Kriegsfolge. Hier ist das Zusammentreffen mehrerer Anforderungen an das Herz, wie das übermäßige'Trinken von Alkohol, der starke Mißbrauch von Tabak und die übermäßige Muskelarbeit und Anstrengungen die Ursache füi* das Leiden. Der Mensch kann aberV wie aus den angeführten kurzen Andeutungen zu ersehen ist, selbst viel - zur Vorbeugung der .Herzerkrankungen beitragen. Selbst ein bestehendes Herzleiden ist noch nicht als Katastrophe zu werten. Der Herzkranke muß sich nur insoweit beobachten, daß er seinem Herzen nicht mehr an Arbeit und Anstrengung zumutet, als es zu leisten imstande ist Jede dauernde Ueberanstrengurig ist gefährlich. Man siqht gerade viele Herzkranke recht alt werden, weil sie ebenx wegen ihres ihnen bewußten Leidens ein ruhigeres, weniger ausschweifendes und gehetztes Leben führen; Der träge Darin. /Der Abgang der unverdauten Speisereste als Kot geht beim gesunden Menschen mit bewundernswerter Gesetzmäßigkeit innerhalb 24 Stunden vor sich. Für die meisten Menschen kann man eine nicht täglich stattfindende Darmentleerung eigentlich als krankhaft bezeichnen, obgleich sich manche Wenigesser an einen zweitägigen Stuhlgang gewöhnt haben. Manche Personen sind aber beständig verstopft, wiewohl sie sich einer täglichen Entleerung erfreuen. Es handelt sich um Menschen,* die zu diesem ^wichtigen Akt in ihrem geschäftigen Dasein keine Zeit naben. Sie beschließen frühzeitig den betreffenden Vorgang und entfernen bei dem Stuhlgange (Defäkation) nur die im untersten Abschnitt befindlichen Kotmassen,1 sie leiden also an einer unvollständigen Defäkation. Die erheblichen Mengen von Restkot, die Zurückbleiben, verursachen verschiedenartige Zustände, wie Völle im LeibeJ Hochdrängung des Zwerchfells durch Gasbildung und damit eine gewisse Indisposition und hypochondrische Stimmung. Die Kotmassen dicken sich im Mastdarm ein, werden steinhart, die Entleerung wird schmerzhaft und es enstehen Einrisse, Vorfall-und Hämorrhoiden. Außerdem sind schon wiederholt durch das starke Pressen vorübergehend Erblindung und Gehirnschlag eingetreten. Auch zu Gallenstauung und Koliken führt diese Stuhlträgheit. Die Ursache für diese Zustände Hegt somit in der gewohnheitsmäßigen Nichtbefolgung des natürlichen Signals zur Herbeiführung der Defäkation. Die Behandlung besteht in dem vernünftige« Regime bezüglich der Entleerung. Schon von Kindheit muß der Mensch an pünktliche Durchführung des Aktes gewöhnt werden. Nebenbei oll für reichliche körperliche Bewegung, nicht reizlose, sondern vielmehr für derbere Kost ^gesorgt werden. Zu empfehlen wären noch saure Milch und Trinken von kaltem Wasser frühmorgens. Vor dem gewöhn-, heitsmäßigen . Gebrauch der Abführmittel muß in-' sofern gewarnt werden, weil deren Wirkung bald aufhört,, die Selbstregulierung dcs'phys^^gischen Vorganges behindert wird und die nachfolgende Darmschwäche die verschiedenen Störungen noch vrv schlimm ert.

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