Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1086 (6.2.1922)
- Date
- 1922-02-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2979076-2980129-2980166--10176-2996500- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Onsesnurcimer & Sv Wien: Zum Abholen in der Expedition, H.,Taborstr. 1—3, oder ln einer Verschleißstelle (Trafik) monatlich K 1200. Mit Postversand fürWien und Oesterreich monatlich K1200, Tschecho-Slowakei: Mon. Kronen 20. Ungarn: Monatl. Kronen 120. lugoslawien: Monätl. Dinar 18. Polen: Monatl. Mark 600. Deutschland: Monatlich Mark 2Su Frankreich: Monatl.Frcs.6l Nr. 1086 Wiener Tscüeeno-siowaldi «sch. K 1 Italien: Monatlich Lire Rumänien: Monatl. Lei 4Qj Schweiz und das übrij Ausland monatlich Francs Wien, Montag, s. Februar 1922 Redaktion u. Administration Wien EL, Taborstrasse 1—3. Telephone: 44-0-38, 43-3-19t ab 6 Uhr abends 17-9-33: Telegrammadresse: »Morgen? zeitung*, Wien. Oesterreichisches , Postsparkassenkonto 13009$ 4. Jahrgang Die Kreditverhandlungen. Der Nationalrat tritt am nächsten Donnerstag zusammen. Bereits am Mittwoch wird Finanzminister Dr. Gürtler im Finanzausschuß Bericht erstatten i'iber das Ergebnis seiner Prager Verhandlungen. Der VON der tschecho-slowakischen Regierung an Oesterreich bewilligte Kredit in der Höhe; von 500 Millionen tschecho-slowakischen Kronen, der, den Prager > Vereinbarungen entsprechend, ausschließlich zum Ankauf tschecho-slowakischer Produkte verwendet werden muß, wird erst anfangs April flüssig gemacht werden.. Der Termin der Auszahlung ist einerseits noch abhängig von der Zustimmung. der Prager Nationalversammlung, die erst Ende März Zusammentritt, andererseits von der Finalisierung der seitens der Tschecho-Slowakei von England angestrebten Anleihe. Der in Aussicht gestellte Vorschuß von 100 Millionen tschechischen Kronen wird zur Begleichung der bereits fälligen Verbindlichkeiten der österreichischen Regierung Verwendung finden. Da die Verwendung der tschechoslowakischen Anleihe durch die Vereinbarungen von vornherein festgelegt wurde,, ist eine Erleichterung unserer finanziellen Situation nach wie vor von dem Ergebnis der Bemühungen um eine weitere Auslandshilfe abhängig. Finanzminister Dr. Gürtler dürfte nach den gestern hier eingetroffenen Informationen noch heute in Prag verbleiben und erst morgen, Dienstag, nach Wien zurückkehren. Der Aufenthalt des Finanzministers in Prag gilt noch einer. Reihe von Vereinbart^ngen mit dem tschecho-slowakischen Finanzminister Doktor Nowak bezüglich der Garantien für den Kredit von 500 Millionen tschecho-slowakischen Kronen an Oesterreich; Der Vorschuß von 1Ö0 Millionen tschechoslowakischen Kronen soll unter; der Garantie der tschecho-slowakischen Regierung , seitens einer Reihe von Banken in der Tschecho-Slowakei an Oesterreich sofort. flüssig gemacht werden, während die <jrgt für..Epde April, nach Genehmigung, jlurch die tschechb-slor walcische Nationalversammlung, zu' gewärtigen ist Finanzminister Dr. G ü r 11 e r wird nach seiner Rückkehr nach Wien sofort eine den Prager Kredit betreffende Vorlage für den Österreichischen Nationalrat ausarbeiten lassen, an deren ehester Verabschiedung nicht, zu zweifeln ist. Was die Garantien für den Prager Kredit anbelangt, so dürften dieselben wohl in erster Linie in einer Sicherstellung der österreichischen Zölle und des Tabakmonopols bestehen, der für die Prager. Anleihe wohl nur zu einem Bruchteil in Betracht kommen. Was die westlichen Kredite anbelangt, so rechnet man in informierten Kreisen damit, daß der französische Kredit ebenfalls bis Ende April seitens der französischen Kammer bewilligt sein wird. Bezüglich des von England Oesterreich, zugesicherten Kredits ist noch eine Reihe von Vorverhandlungen notwendig, doch hält man in informierten Kreisen daran fest, daß England ebenso wie Frankreich die von der österreichischen Regierung nachgesuchte Kredithilfe umsomehr erteilen wird, als die Verabschiedung der Mellon-Bill die von Amerika drohenden Hindernisse endgültig aus dem Wege geräumt hat Der Banknötenumlauf 237 Milliarden. In der Mitte der kommenden Woche wird diG öesterreichisch-ungarische Bank wieder die Veröffentlichung der Ausweise über den Banknotenumlauf aufnehmen. Seit dem letzten Ausweis vom 31. Dezember 1921 hat sich der Banknotenumlauf, einschließlich Girokonto, auf 237 Milliarden erhöht, was einem Pius von etwa 40 Milliarden entspricht Der Kohlenarbeiterstreik in Ostrau. Mähr.-Ostrau, 5. Februar. (Tschecho-slow. Preßbureau.) Im gesamten Ostrau-Karwiner Revier herrscht volle Ruhe. In den Gruben und Koksereien werden nur die zu deren Aufrechterhaltung unbedingt erforderlichen Arbeiten geleistet. Aus den Revieren wird lediglich Koks, der in genügender Menge vorhanden ist, verfrachtet Die letzte Session des englischen Unterhauses. London, 6. Februar. (Tel.-Komp.) LloydGeörge kehrt heute von seinem Landsitz nach London zurück, um dem vor Wiedereröffnung des Parlaments stattfindenden Kabinettsrat beizuwohnen. In politischen Kreisen ist man der Ansicht, daß das Parlament höchstens noch zwei Monate, beisammen bleiben wird. Das Parlament wird sich mit der irischen Frage, der Frage der e: gHsch-französischen Beziehungen, dem ägyptischen und indischen Problem und der Trage der Sparmaßnahmen zu befassen haben» Frankreich und Genua. Die Regelung der türkiscüen Fragen. Paris, 6. Februar. Wie die Agence Havas meldet, sollen die Verhandlungen über den Frieden im 0 r i e n t eine die Türkei und Griechenland zufriedenstellende Lösung der Fragen von Smyrna und Thrazien sowie des Schutzes derMinderh eiten erwarten lassen. Für die Lösung der Meerengenfrage würde die Ersetzung der gegenwärtigen Kommission durch ein Organ des Völkerbunde ,s in Aussicht genommen. Die Türkei, die die Entfernung der fremden Garnisonen und der Kontrolle der Alliierten an der Südküste verlange, solle die notwendigen Garantien sichern. Bezüglich des f j a n z ö s i s c h - b r i t i s c h e n Paktes verlange Frankreich noch, daß die moralische Tragweite des Paktes Bürgschaften in sich schließe, die Frankreich von gewissen eigenen Anstrengungen zur Gewährleistung der Sicherheit des Friedens entheben. Der Pakt müsse auch für einen genügend langen Zeitraum Geltung haben. Die französische Presse habe die französische1 Note, betreffend die Konferenz von'Genu^ anscheinend unrichtig interpretiert, da die Fran-j zosen, weit davon entfernt, auf eine Vereitlung den Konferenz hinzuarbeiten, das Ziel verfolgen, einen be*: dauerlichen Mißerfolg zu verhüten. - Was Rußland betreffe, werde Frankreich daf Eigentum seiner Angehörigen in Rußland nur durch die Anerkennung dieses Eigentums oder der französischen Gesetze als'verbürgt betrachten. Schließlich würde die Konferenz von Genu S von einem Mißerfolg bedroht sein, wenn nicht von I vornherein festgelegt würde, daß an den bestehenden I Verträgen nicht werde gerührt werden. Der Streik in Deutschland. Berlin ohne Licht und Wasser. . Berlin, 5. Februar. (Wolff.) Die Streiklage in Berlin ist im wesentlichen unverändert Durch den Streik in den Berliner Gas- und Elektrizitätswerken ist eine große Anzahl von Bahnhöfen ohne Beleuchtung. Auch die Wasserstationen der Bahnhöfe werden teilweise durch den Streik in den Wasserwerken in Mitleidenschaft gezogen. # Der Notbetrieb ist weiter ausgebaut worden. Sämtliche von Berlin ausgehenden Strecken wurden wenigstens notdürftig befahren. Mach einer Mitteilung dex Eiaenhajingeneralr direktion Karlsruhe ist auch in Baden ■ der Eisenbahnerstreik heute um 12 Uhr nachts ausgebrochen. Der Eisenbahnverkehr in Ober- und Mittelbaden ruht seit Mitternacht vollkommen. Die technische Nothilfe ist aufgerufen worden und es ist in Aussicht genommen, den Notverkehr durchzuführfcn. Der Streik der Eisenbahner hat den Eintritt der bereife vor dem Streik drohenden Krise in der Kohlenversorgung Berlins beschleunigt Die städtischen Werke haben nur einen Kohlenvorrat für einige Tage. In einigen Fabriken sowie in einigen Bäckereien hat dje Kohlenknappheit bereits die Einführung von Kurzarbeit notwendig gemacht Infolge des Streiks der städtischen Arbeiter Ist heute morgens der Betrieb; der Elektrizitätswerke und der Wasserwerke eingestellt worden. Die Versorgung Berlins mit Gax ist auf ein Minimum eingeschränkt. Die Straßenbahnen haben bereits gestern abends gegen 10 Uhr den Betrieb eingestellt Von den städtischen Verkehrsmitteln verkehren nur noch die Hoch- und Untergrundbahn, die über eigene Kraftanlagen verfügen, sowie der Autoomnibus. Putschbefürchtungen. Berlin, 5. Februar. (Wolff.) In einer Erklärung des Polizeipräsidenten heißt es, daß nach Mitteilungen aus berufenen gewerkschaftlichen Kreisen versucht werde, die . Streiklage von 1 i n k s r a d i k a 1 e r Seite politisch auszunützen. Der Polizeipräsident* erwartet, daß der besonnene Teil der B.rliner Arbeiterschaft alles daran setzen werde, um dem unverantwortlichen Treiben ein Ziel zu se!zen. Sollte trotzdem versucht werden, die öffentliche Ruhe und Ordnung gewaltsam zu stören, so sei die Polizei'genügend vorbereitet, um jeden Versuch im Keime zu ersicken. Amerikanisch-holländische Finanzverhandlungen. Amsterdam, 6. Februar. (Tel.-Komp.) Hier sind die Vertreter einer bedeutenden amerikanischen Bankengruppe eingetroffen, um Verhandlungen betreffs Uebernahme eines Teiles der holl ä ri d i s ch e n Staatsanleihe im Betrage von 3D0 Millionen holländischen Gulden einzuleiten. Der irische Ausgleich. London, 5. Februar. (Reuter.) Infolge,, von z„. :.ien den Ulsterleüten und den Sinnfehlern bezüglich der Festsetzung der Grenze aufgstauchten 'Schwierigkeiten ist Lloyd George zwecks .D2j;recl:.; m’. C o 11 i n s nach London zurückgekehrt. die Konferenz wird heute im Geiseln dea Präsidenten Griffith fortgesetzt wvtden, der von Dublin nach London absereist ist | Gestempelte Krone -» —.08 Centimes« i Auszahlung Wien --- —.17 Centimes. In Zürich notierte: die österreichische Krone —.17 (—.17 am 4. FebniarVj die österr. gest. Krone . . —.08 (—.08 am 4. Februar^ die tschechische Krone. . 9.92 ( 9.90 am 4.' Februar)^ die Mark ....... 2.55 ( 2.52'/, am 4. Februar* Agram ....... 1.70 ( 1.65 am 4. Februar)- Bukarest ....... —> (—.— am 4. Februar)'. Budapest ...... .77‘/a (—-77‘/a am 4. Februar)’ Warschau . . , . . . —.15 (—.16 am 4. Februars Die sozialistische Arbeitsgemeinschaft. Paris, 3. Februar; (Havas.) Die internationale; sozialistisxhZ, Mnfei-enz nahm einen Antrag,t)okiorv Friedrich Adl l ers an, wonach die allgemeine Konferenz der drei Vollzugsausschüsse in London, Wien und Moskau sich nur mit praktischen, das Proletariat unmittelbar berührenden Fragen beschäftigen soll. Es wurde der Beschluß gefaßt, daß die Vollzugsausschüsse von London und Wien am Montag vormittags zusammentreten und »über die Frage der Einheitsfront beraten sollen. Die Konferenz hat auf Vorschlag V ander* veldes zwei Kommissionen zur Beratung der R eparationsfrage und der Abrüstungsfrage eingesetzt. _ Die Einwanderung in Palästina. Jaffa i. Februar. (Tel der >Wiener Mw-gotf« eeituirg.«) In den letzten Tagen sind in Jarfüa 270 Pa». läslMnia-W.vnde'reir eingetrroffen. Jerusalem, 3. Fobrnar. (Jüd. Kovr.-Bur.) Der amtlichen Statistik zu-fölige sind im Jahre 1921 9000 jüdische Emigranten ins Lind gekommen. Diese venhällitminmäßig geringe ZaM ist attvf diie im letzten Jahre erlassenen x Emwaindemngsbeschrankmigen ■ zurüdkzu führen,' da im zweitem Halbjahr 1920 über 10.000 jüdiche Emigranten nach Palästina ein gewandert sind. Burengeneral Dewet gestorben. Bloemfontain, 4. Februar. (Reuter.) Der frühere Burengeneral Dewet ist gestorben. Tagesbericht. Die Grippe in Wien. Zunahme der Sterbefälle. — Ueber 100 Leichenbegängnisse am Samstag. Die Sterbefälle in Wien haben in den letzten Tagen bedeutend zugenommen und dürfte die Steigerung der Todesfälle teils in dem stark wechselnden schlechten Wetter teils in der derzeit herrschenden Grippe ihre Ursache finden. Auf dem Wiener Zentralfriedhof haben vorgestern zirka 80 Leichenbegängnisse stattgefunden. Um die Beerdigungen der in den Wohnungen und Heilanstalten verstorbenen Personen klaglos durchzuführen, fanden vormittags schon zirka 30 Leichenbegängnisse und nachmittags gegen 50 Beerdigungen statt. Für die Bediensteten der städtischen Friedhöfe war dies ein besonders schwerer Tag, denn eine solche Zahl von Begräbnissen erinnert an die letzte Grippeepidemie ln Wien im Jahre 1918. Aber auch auf den ehemaligen Vororte! fedhöfen fanden Samstag viele Begräbnisse statt, so daß auch hier eine Vermehrung gegen die vorhergehenden Tage zu verzeiriusn ist. Da die Begräbnisstunden infolge der sich r.-.ekrj.iLS.i Dcg. .bnbjss die Tagesstunden nahezu vollständig erschöpfen, so müssen auch Leichenbegängnisse um einen Tag hinausgeschoben werden, um die klaglose 1 rjurchiiihnmflr zu ermöglichen.