Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1083 (3.2.1922)
- Date
- 1922-02-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1083 Wien, Freitag WIENER MORGENZEITUNöf 3. Februar 192? Seite 3 —-.— Der Generalstreik der deutschen Eisenbahner. Die Lage im Frankfurter Direktiöiisbezirk. Ende des Glasarbeiterstreiks. Prag, 2. Februar. WH das „Prager Tagblatt“ meldet; ist der Streik der Glasarbeiter beendet. Die Arbeiter verzichten auf allgemeine Lohnerhöhungen. Die Unternehmer sichern Lohnerhöhungen für gewisse Kategorien zu und nehmen keine Entlassungen vor. Polen. Die sanitäre Arbeit des Joint. Demnächst wird ein Jahr verflossen sein, seit die Sanitätsexpedition des American Joint Distribution Committee unter Leitung > von Di-. Harry P I o t z ihre Tätigkeit in Polen aufgenommen hat* Bisher wurden von dieser Expedition in den verschiedenen Orten Polens 89 Bade- . anstalteh und rituelle Tauchbäder restauriert und 3 neue Badeanstalten errichtet. Eine Reihe von Ambulatorien und Zahnkliniken wurde eröffnet. Den Kindern wurden 22.000.Zahnbürsten und 25.000 Düten Zahnpulver verabreicht. An der Spitze.der Sanitätäkommission stehen jetzt Waldm a n .n und dessen Vertreter Schmidt. Außerdem arbeitet die $anitätsexpedition zusammen mit anderen Organisationen und Komitees, die sich mit der Hebung der Hygiene unter der jüdischen Bevölkerung Polens befassen. Die jüdischen Wahlvorbereitungen. Bukarest, 1. Februar. (J. C. B.) Der Reichsverein «rer rumänischen Juden fordert die mit der Erledigung ihrer Optionsangelegenheiten ifti Rückstand gebliebenen Juden auf, ihre O p t i o n e n raschest durchzuführen und ihre Aufnahme in die Wählerliste zu überwachen, da bei den bevorstehenden Wählen jede jüdische Stirn m e ausschlaggebend sein könne. Czernowitz, 1. Februar. (Tel. der „Wiener* Möirgenzeitung“.) Die nationalistische Presse in der Bukowina benützt die bevorstehende Wahlkampagne zum Anlaß einer J ud enhetze. Namentlich wird die bäuerliche Bevölkerung gegen die Juden aufgehetzt, welche als Bolschewiken bezeichnet werden, die aus Rumänien ein zweites Rußland machen wollen. Ungarn. Die „Erwachenden Magyaren" für die Leibeigenschaft. Stuhlweißenburg, 2. Februar. (Tel. d. „Wiener Morgenzeitung“.) Die hiesigen „Erwachenden Magyaren“ hielten eine Versammlung ab, die durch den Besuch des Erzbischofs Prohaska ausgezeichnet war* Der Führer der «Erwachenden“ führte in einer Rede aus, daß im Revolutionsjahr 1848 der jüdischen D a s t r u*k t i ö n Tür und Tor geöffnet, wurden, in dem rebellische Horden die Leibeigenen befreit .und so den Adel zugrunde gerichtet haben. Damit wieder die alte christliche Wirtschaftsform hergesteilt werde, sollte die Le i b e i gen schaft w i 6 der eingeführt werden. Abgeordneter B u d o v a r i; forderte zur Unterstützung der .christlichen Presse «auf, welche für die Ideen der ^Erwachenden“ eintrete. Mißhändlütig jüdischer Fahrgäste. Budapest, 1. Februar. (J. C* B.) In der ungärischen Nationalversammlung interpellierte der unabhängige Abgeordnete R ü p p e r t über Cirie aus ungarischen Intelligenzlern bestehende. Bände, die auf der Bahnstrecke K e c s k e,m e t—L ä j o S M i c die jüdischen Fahrgäste aus den Zügen hefäüShÖlt, ausplündert und mißhandelt. Die Regierung blieb die Antwort äuf diese Anfrage schuldig. Litauen. Ein litauischer Protest gegen Polen. Kowtlö, 2. Februär. (Lit. Tel.-Ag.) Die litauische Regierung hat die Von der Kontrollkommission des Völkerbundes übermittelte Nöte der polnischen Regierung beantwortet, die verlangt, gegen Haftentlassung der In Wilna festgenommenen Litäüer die in Litauen gefängengehäitenen Teilnehmer an der polnischen MilitäfVersehWörüng gegen den HtaüisCheft Staat von 1919 freiZülä&sen. Die litauische Regierung lehnt die Forderung Polens ab und ignoriert die Dröhung, die Verhafteten zu erschießen. Sie appelliert an den Völkerbund und verlangt umgehend die Freilassung, der Litauer und Weißrussen. Rundschau. - Uganda. Es ist wiederholt behauptet worden, Englands projüdische Intentionen, die ihren prägnanten Ausdruck in der Politik'der Balfour-Deklaration gefunden haben, hätten sich schön in Cliamberleins U g a n d a-Angebot an die zionistische Organisation bekundet. Dagegen ist aus Kreisen, die nicht zugeben wollen, das England dem heimatsuchenden Volk wirklich zu. Land verhelfen will oder jedenfalls nicht zu wertvollem Land, oft eingewendet worden, Uganda hätte für das britische Weltreich keine große Bedeutung gehabt und das Angebot wäre demnach nur eine schöne Geste gewesen. Daher ist es bezeichnend, zu verfolgen, welche Bedeutung gegenwärtig Uganda im britischen Interessen- , Berlin, 2. Eeblnulair.. (WoKf.) Dör. eigemifülüdhö Hand des E iseflibaihintematifeilkiS Akiki Teilte Ntötidtunid Wies*d:autscifokin)d!s, fbeiaonidtejis Saidfosews. Itn; Süddeutedlülfain.d ihat de^r Stsreik bdisiheif weiniiig Adhlawg gef'uin'den-* Im BeMmer E;fsemibaihinibaziiirik . iHiait der regelmäßige E iismbialhinlbetakb eluifgehörit., In Meökliemlbiuirg fultoron vonmitbags Me fe(hlqp(liainimäß.itgeiii Züge. In dien Bezitlkem Esisön, Elberfelid: juniid Mün-* sdtetr ist d-or Zutgsivorikelinr eingeisltefllit. ,Iai TlhtÜiriingefü gülbt eis giflöße Stiöckuinigclri. Bi Fnailikfuirt am Mato, ßrestiä'U und Haimibuirg ist dl&t1 ZüüjgfSfVeirföeto lunitef-* teodhien. Die Regienuing traf überall Miaßnahim-etfi, um AirbeitewilUldge ziuim Fabridkinisiü iveiiattiiauizi'dben. Im allllg&hiätoian äkreiiikit «lüif; das Fahinpeßsiäititail, währeilid die übrigen Beamten zuam DLsnist eradh/emien.- Zwei Führer der Siilreikbeweg'utnig wurden heute hier verhältst. Bei vetrsdh/iiedienen Großbanken wurden Jv o n t e ui ib e s c b!• a g n> -a b m t, die dottit viom dien am ,SJtoeik befeciii'gten gewartoseliiaftüliahien -Ong^- di'isattiioin'en mvteirfoa!l'teitt wurden. Verhaftung der Streikführer. Berlin, 2. Februar. (Tel*-Komp.) Der Reichsverkehrsminister hat im Laufe des Nachmittags eine Verordnung erlassen, in der die Streikenden unter Androhung der fristlosen Entlassung zur sofortigen Arbeitsaufnahme aufgefordert werden. Die Polizei ist zur Hiiitanhaltung weiterer Streikaktionen bestrebt, sämtliche Streikführer zu verhaften. Der Notverkehr. V Berlin, 2. Februar. (Tel.-Komp.) Während am heutigen Vormittage der gesamte Eisenbahnverkehr fast vollkommen ruhte', konnte im Laufe des Nachmittags ein Notverkehr aufgenömmen werden. In Berlin ist fast das ganze Betriebspersonal zur Arbeit erschienen und nur ein großer Teil der Lokomotivführer und des Begleitpersonals blieb dem Dienste fern. Die Eisenbahnbehörden und die am Streik nicht beteiligten Organisationen rechnen mit einem baldigen Zusammenbruch des Streiks. Bei der Streikleitung herrscht infolge der Beschlagnahme des größten Teils der S t r e i kg e 1 d e r große Verwirrung. Der Aktionsausschuß hat während der gestrigen Nacht und im Laufe des heutigen Tages seinen Aufenthaltsort innerhalb Berlins wiederholt gewechselt, wodurch die Streikenden zeitweilig ohne Führung wären* kreisbesitzt. Eine gute Gelegenheit, dies festzustellen, bot eine soeben in London abgeiialfeiiO Veranstaltung — wie zumeist bei solcheh Anlässen Iti der Form eiheS Diners -- bei der Lord D e W ä r, der jahrelang in Ugändä gelebt hat, den Vorsitz führte und Churchill die Hauptrede hielt. An dem Diner nahm äUCh der Gouverneur von Uganda, Sir Robert C o i y ri t o ii, teil. Churchill erinnerte an Lord R o S e b e r y, döf ifti englischen kabihett bei jeder wichtigen Entscheidung als sein ceteruih censesAyiederhölt haben soll: „Wenn wir nidht Ügända behalten, resigniere ich!“ Und Churchill sprach dann über Uganda: „§o haben wir dieses wunder- : volle Ländy erwoiMh^sicherlich in fünfzig Oder hundert Jahren — vielleicht M wenig zti spät für die, die heutzutage in Eile sind, aber noch, gähz zur Zeit für das britische Imperium, das längSäfti aber sicher vorschreitet — betrachtet werden wird als ein ökonö- '■ misches Reservoir Von. Röh&toffeft von der allergrößten Bedeutung für den ganzen Aufbau und die Zusammensetzung der brittecheti Handelsorganisation.“ , So spfäch C h ü 11 h i i 1 üiid der GoüVerrteür von Uganda schloß sieh diesem Urteil aft. . Die zionistische Organisation hat das Uganda-Angebot nicht angenommen, obzwar England damit eine ernst gemeinte und im britischen Urteil wertvolle Leistung zu bieten glaubte. Die Ablehnung hat die Balfoür-Deklärätion nicht unmöglich gemacht, vielleicht sogar ermöglicht. Demission der italienischen Regierung. Rom, 2. Februar. (Stelani.) Angesichts der parlamentarischen Lage hat nach dem heutigen Ministerrat das Kabinett beschlösse!!, im ^Parlament seine Demission anzukündigen. Rom, 2. Februar. (Tel.-Komp.) ln einer heute vormittags abgehalterten Ministefratssitzuiig hat das Kabinett infolge 'des Oppositionsbeschlusses der Demokraten seinen Rücktritt beschlossen. Ministerpräsident Bonomi begab sich nach Beendigung der Sitzung Lrtirt König, um ihm seinen - Entschluß mitzüteiien und däs DeiliissionsgeSUeli seines Kabinetts zu überreichen. Der König hat sich die Annahme des Rücktritts Vorbehalten und die Präsidenten der Kämmer und des Senats zu einer Besprechung geladen. Der Wilnaer Sejm. Wilna, 1. Februar. (Tel. der «Wiener Morgenzeitung“.) Heute findet die Eröffnung des Sejms statt. Voraussichtlich wird die Eröffnungssitzung kurze Zeit tagen. Aus Warschau Sind viele Sejm-Abgeordnete ein- Ffattkfurt a. M., 2. Februar. (Tel.-Komp.) NacH einer Veröffentlichung, des Eisenbahnpräsidenten streikten im . hiesigen Direktionsbezirk das gesamte Lokomotiv-j führerpersonäi, während sich die übrigen Beamten nun teilweise dem Streik angeschlossen haben. Durch? mittlere Und höhere Beamte, die zur Lokomotivführung befähigt sind, versucht man den' dringendsten lebens-* wichtigen Verkehr unter Mitwirkung der technischen! Nothilfe .aufrecht zu erhalten. Die Streikenden häb'enj an verschiedenen Stellen versucht, den Dienst zustören lind Arbeitswillige an der Arbeit zu hindern,! doch sind schwerere Zusammenstöße bisher nicht vor*' gekommen* Kein Streik in Bayern. München, 2. Februar. Amtlich wird gemeldete Der gesamte Personenverkehr wird im rechtsrheinischen Bayern bis zu den nördlichen Uebergangsstationen vollständig aufrechterhalten. Der Güterverkehr erleidet wegen der Nichtübernahme auf diesen Stationen schwere Rückstauungen. Der behinderte Postverkehr. Berlin, 2. Februar. (Tel.-Komp.) Die Berliner Oberpostdirektion hat die Annahme von «Paketen und Wertbriefen gesperrt, dagegen die Versendung von Zeitungen und gewöhnlichen Briefen durch Einrichtung! eines Kraftwagenverkehrs nach den außerhalb des' Streickgebietes Hegenden Orten, in denen der Zugsverkehr aufrecht erhalten wurde, so nach Höchst^ Homburg, Aschaffenburg, Heidelberg usw. eingerichtete Verbot des Streiks im besetzten Gebiet, Köln, 2. Februar. (TeI.-Komp.) Vom Oberkoramandierenden der alliierten Besatzungstruppeil, General' D e g o u 11 e, wurde der Eisenbahndirektion der Befehl übergeben, daß im Besatzungsgebiete' das Eisen« bahnpersonal seinen Dienst an Ort und Stelle aufrechtzuerhalten und alle Befehle auszuführen habe, did ihm im Auftrag der alliierten Feldeisenbahndirektion und deren untergeordneten Stellen erteilt werden. Vergehen gegen diesen Befehl werden kriegsgerichtlich verfolgt. getroffen, um der Eröffnung des Wilnaer Sejms beizu* wohnen. Warschau, 1. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitüng“.) Gestern fand Hier eine Konferenz der Vertreter aef itatiöfialdemökrätischen Organisationen zwecks Besprechung der eiftZüleitenden Wahlagitation zum neuen Sejm statt. Mit der Leitung der Wahlagitation wurde ein R e i c h s w ä h 1 k ö m i i e e betraut Die ganze Wahlagitation soll unter dem Schlagwort «Für Gott, Vaterland und Gerechtigkeit“ geführt werden* , Die Iiiternätiönale Arbeitsgemeinschaft* Morgen Beginn der Pariser Konferenz. Paris, 2. Februar. Die Sitzungen der auf Vor4* schlag der Internationalen Arbeitsgemeinschaft einberufenOn Konferenz werden am 4. d. M* in dert Räumlichkeiten def Geographischen Gesellschaft beginnen. Es ist nicht bestimmt, ob die Komm uniste n, die gleichfalls eingeladen sind, Delegierte entsende:i werden. Die französischen Delegierten siftdH Generalsekretär Paul Fähre, die Deputierten Blum/ Aurioi> Evrard,, Bracke, Fre&sencC* Vareftne, Longuet, Renäudel, Dunfoulin und Crumbach. Unter den ausländischen Vertretern befinden sich Dr. Friedrich A dl e r (Oesterreich), MertdersomMacDonald, Walhead (England), Wels, Crispieft üftd Ledeböur (Deutschland)^ Serrati (Italien), Vandervelde und Huysman (Belgien). Ein deutsch-französischer Konflikt in öbefschlesien. Angriff auf ein französisches Waffenlager. — Ein Deutscher, zwei Franzosen getötet, 20 Verwundete, Berlin, 2. Februar. (Tel* der „Wiener Morgenzeitung“.) Ein neuer Zusammenstoß zwischen deutschen und französischen ökkupationssoldaten wird aus Oberschlesien gemeldet. Die Ursache des Vorfalles, der sich in P e t er sd or f bei Oppeln ereignete, ist noch nicht genügend aufgeklärt. Es steht nur fest, daß anyMontag abends ein Angriff deutscher Zivilisten auf eine von Franzosen belegte Baracke erfolgte. Der französische Posten feuerte und erschoß einen, der Gegner. Es kam dann zu einem förmlichen Gefecht. Eine deutsche Darstellung. * Oppeln, 2. Februar. (Wolff) Die Schießeref in Petersdorf ist dadurch entstanden, daß etwa 100 Leute vor der Tonhalle erschienen, in der von den FraHzosen b e s c h 1 ä g n a fl in t e W ä f f e n aufbewahrt wurdert. Ein französischer Posten schoß daraufhin in diö Mehge, wodurch ein Zivilist getötet wurde. Dies war das Zeichen zum Stur m. Auf französischer Seite wurden 23 Soldaten verwundet, darunter drei schwer. Vota sind unter den Franzosen nicht zu beklagen. Büem&R« Wien,!!., Tsborstraße