Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1080 (31.1.1922)
- Date
- 1922-01-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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einseinummer K 49 Wien: Zum Abhoien in der Expedition, ll.,Taborstr. 1—3, oder in einer Verschleißstelle (Trafik) monatlich K 1200. Mit Postversand fürWfen und Oesterreich monatlich K1200. rrnrr Tschecho-Slowakei: Mon. Kronen 20. Ungarn: Monatl. Kronen 120. Jugoslawien: Monatl. Dinar 18. Polen: Monatl. Mark 600. Deutschland: Monatlich Mark 25. Frankreich: Monatl. Frcs. 6. Tscheche-Slowakei tsch. K 1 Italien: Monatlich Lire 6. Rumänien: Monatl. Lei 40. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Francs 3. Redaktion u. Administration Wien II., Taborstrasse 1—3. Telephone: 44-0^38, 43-3-19, ab 6 Uhr abends 17-9-33. Telegrammadresse: „Morgenzeitung“, Wien. Oesterreichisches Postsparkassenkonto 15Q.69& Nr. 1080 Wien, Dienstag, 31. Jänner 1922 4. Jahrgang Der brave Klebelsberg. —y. Wien, 31. Jänner. ,V«or vier Tagen hatte sich Graf Klebelsberg, Bethlenis Intncmm master, einem Aiusfratger . einer magyarisch-israelitischen Zeitung kommen lassen, um ihm einige Sentenzen zu diktieren, mit deren Hilfe man für die kommenden Wahlen jüdische Stimmen umd jüdisches Geld einfangen könnte... Der Austräger war gleicfm bereit, das Papier war geduldig, und so konnten die bespuckten, verhöhnten, gefolterten Juden, während draußen der Janhagel seine Beschimpfungen kreisöht und die. königlich Horthyschen Soldaten gemeinsam mit Studenten den jüdischen Passanten die Briefta-sche abnehmen, sdbwarz auf weiß lesen, daß der Herr Graf schon ,vor zwei Jahren »kardinale Grundsätze« aus gesprochen haibe, wonach doch nicht alle Juden-, revolutionär oder kommunistisch gesinnt seien, weshalb die so beliebt gewordene Methode des Henkens und Rauhens — agressive Politik nennt das der, Herr Graf —; nicht so ganz am Platze sei. Er we,rde teils dieserhal'b, teils außerdem demnächst Verhandlungen mit Vertretern der. .ungarischen Juden schaft beginnen, um gewisse bestehende Differenzen zu regeln. Er habe den Grundsatz, daß Ungarn ein europäischer Staat sei und deshalb nicht weiter in Gegensatz zum übrigen Europa-bleiben dürfe. Sollte sich auf dem Territorium dieses- - europäischen Neulandes irgendjemand befinden, - der diesem Grafen 'glaubt, so müßte er durch, einen Impresario der ganzen Welt außerhalb des Gltdbus /vorgeführt werden. Der Graf, .der so gute' Gedanken äußert, hat selbem aim folgenden Tage eine Korrektur seiner geographischen Kenntnisse vbrnelhmen können. In der Nationalversammlung bewies ihm der Abgeordnete Ruppert,- daß Ungarn nicht in Europa -liege. Die Schilderung, die er von dem Intemiertenlager in Zaläegersizeg vortrug, war. der Regierungsparte i er wecktelund, gäni nadhi dem ' Rezept der Weltkriegsdurch'hait er,, als unpabriptisch ausgezischt wurde. Es ist nichts Neues und Uüberraschendes,, wenn -Abgeordneter Ruppert . mitteil te* daß in dieser Hölle Menschen ohne, richterliches (Urteil schmachten, daß sie. an der Tuberkulose zugrunde geben oder im Einzelarrest übei^ magyarische Rechtsü:bung so -lange nachdenken dürfen, bis sie; dieser Welt Ade sagen. Es ist auch nichts Ueber- . ras eben des an diesen Begebenheiten, daß die Regierung durch den Mund ihres Chefs des öfteren den , 'Abbau dieses Verbrechens versprochen hat. lieberrasdhend ist nur. der Zynismus des Ministers des Innern, in dessen Ressort, diese Klioake der Justiz gehört, daß er eine Verständigung mit deüijfm igem \ Juden, sucht, die irgendein unerf-onadhliches. Schicksal oder eine mehrstellige Bestechungssumme daiycrbewahrt Hat, in Zalaegerszeg zu verfaulen. Nicht überraschend aber . ist die Speichelleckerei der tnagyaromsehen Israeliten, die^sich dazu hergeben, dem gräflichen Wählerfänger die Mauer zu machen. Solange es Assimilamten gibt, wird es aiuch Klebelisberge geben. '' Es ist nicht zu erwarten-, daß das. wirkliche Europa an dem Tatsachendementi des Abgeordneten Ruippert unbewegt Vorbeigehen wird. Die Hinterhältigkeiten des christlichniaticna'l'eii Systems stehen schon seiit einiger Ze$ unter;d>er aufmerksamen' Eiöntrolle jiener europäischen Staaten, für die die Existenz der hxwnagialen Wortbrechersippschaft eine stets aktuelle politische Gefahr und einen physischen Ekel bedeutet. Diese -Kontrolle ist noch nicht so weit, wirksam geworden, daß sie ihre Grundforderung, die Entwaffnung der Armee, hätte durchsetzen können.. Sie hat es bisher nur zu einer ernsten Verwarnung der Großmächte an die Adresse des Horthy bringen können. Die'Strafe vollzieht sich von innen heraus. Die Mörder» die sich, als Legitim-istem und. Königs Wähler maskiert, haben, hadern gegeneinander, und cs ist schon .da« eine5 erreicht wd-rdep, daß sie 'einander demaskieren und; vor' der adfhorchenden Welt ihre' Jleporello-- Listen vorlpsen., Die Logik der politischen und sozialen Entwicklungsgesetze 'läßt sich nicht verspotten .-undi es* wird hoch-* klar" werden, daß Ungarn ein einziges' großes Internierungslagerist, für das niemand Sympathie besitzt 7— ai« die großdeütschfen Offiziere' derösterreichischem Legion * in Zälatgerszeg. ' * '■ ’• .; * "s : - - - ■- - - - Es wird. aber auich klar. werden,■ daß - das ungarische Judentum den Künsten bezahlter Kontiesch’ nicht meihlr aufsiitzt. ' Die Profusen ‘Ungarns," die heute noch von Gnaden Iwan Hejijias' oder. Prcnnays »Uw Volk und seine Seele in Fesseln halten’ dürfen., werden dessen inne werden, daß sie wenigsten« im IhdcnAum ein große® Werk der Aufklärung voll- Die Entscheidung über den englischen Kredit erfolgt heute. Paris, 30. Jänner. (Tel.-Komp.) Der Londoner Spezialberichterstatter des „Gablogramme“ meldet, daß die Finanzkommission des britischen Kabinetts hinsichtlich der Gewährung eines vorläufigen Kredits von .2VS Millionen Pfund an Oesterreich noch keinen Beschluß gefaßt habe. Die Entscheidung dürfte morgen Dienstag erfolgen. In den britischen Finanzkreisen, die sich für die Transaktion zugunsten Oesterreichs interessieren, hebt man hervor, daß das österreichische Budget für das Jahr 1922 bereits die Zinsenzahlungen für eine aufzunehmende internationale Anleihe Vorsieht. In Bezug auf die Noteninflation in Oesterreich weisen englische Finanziers auf die Tatsache hin, daß der gesamte 'Papiergeldumlauf, in einer wertbeständigen Währung ausgedrückt, sich bloß auf vier Millionen Pfund beläuft Die „Central News“ suchen in einer Besprechung .der Kreditfrage für Oesterreich das Haupthindernis für die Realisierung des Kredites in der Frage der Garantien,.welche Oesterreich für die Anleihe zu leisten hätte. Das Blatt drückt jedoch, die Hoffnung aus, daß diese Schwierigkeit zu tiberwinden sein wird. * . / . . Nach den bis zur Stunde vorliegenden Meldungen läßt sieb nodh immer kein Ueberhlkk über . das Au maß dervon England und Frankreich geplanten Kreditanleähe für Oesterreich gewinnen. In den Wiener unterrichteten Kreisen besteht die Ansicht,1 daß das amerikanische Genenalipfand-redit mit dieser Aktion nicht Zusammenhänge. Die dem amerikanischen Repräsentantenhaus zur Abstimmung vorliegende Mellon-Bill kommt lediglich für den großen, i-m Rahmen der Völlkenbumdäkti-on zu ge, währenden Kredit in Frage. Zweieinhalb Millionen Pfuind, die England jetzt zur Rettung Oesterreichs gewähren will, und die Summe, . die Oesterreich auch von Frankreich erwarten dürfe, sollen aber au keine Kaut eien gebunden sein-, die irgendwie mit dem Generalpfandrecht in Verbindung stehen. Fünf Millionen Pfund sind, in Österreich isidhe Kronen umgerechnet, ein recht -respektabler Betrag, der; wohl daTu dienen kann’ die jetzige Notlage beträchtlich zu mildern und die Krone mindestem? auf ihrem jetzigen Stand zu stabilisieren. Für England und Frankreich handelt es sich aber um eine Summe, die keiner -besonderen B e d.in gun-gen .bedarf, da Oesterreich auch bei seiner jetzigen traurigen Finanzlage stets in der Lage ist, den Zinsendienst m leisten. Es handelt sich hier lediglich um eine Notstan dsalktion. Es wird hier auch angenommen, daß der vorn-Senat an das Repräsen-s tante-nhans zur Mel Ion-Bill gesandte Zuisatzain-trag, der das österreichische Generalpfandreciht auf-fünfundzwanzig Jahre zurückstellt, eine gesonderte Behandlung erfahren wird. Die Londoner »Daily Ne ws« setzt sjdh für, eine -sofort zu gewährende britische Anleihe ein, die Oesterreich vor dem Absturz bewahren'könnte. Der, hervorragende Pazifist Lord Pa-rmoor, einer der, regstem Vorkämpfer für die Rechte der Minoritäten; und für den Zionismus, schreibt in den »Times«, es wäre höchst bedauernswert, wenn die Venhiandkragen wegen Gewährung einer britischen Anleihe an Oesterreich nicht au einem erfolgreichen Ab». Schluß .geführt werden -könnten». - Deutscher Reichstag. Berlin, 30. Jänner. Der Reichstag begann heute die erste Lesung des Reichshaushaltes für 1922, Reichsfinanzminister Dr. Hermes führte aus: Der Haushaltsplan für 1922 steht unter dem Zeichen .der zur Erfüllung des Friedensvertrages dem deutschen Volke auferlegten ungeheuren Lasten. Der Haushalt der inneren Verwaltung ergibt einen Ueberschuß von 165 Milliarden, der Haushalt für die Ausführung des Friedensvertrages ein Anleihebedürfnis von 171 Milliarden Mark. Die Versuche, die ungeheuren Lasten des Friedensvertrages im Jahre 1921 zu erfüllen, haben zur. Zerrüttung des Markkursesr. und -unserer gesamten Währung beigetragen. Bevor das Reparations.problern in einer unserer Leistungsfähigkeit angepaßten Weise geregelt ist, . kann von einer Gesundung des Etats nicht gesprochen werden. Fast 100 Milliarden Mark sollen im Rechnungsjahr 1922 aus der deutschen Volkswirtschaft herausgeholt werden. Hoffentlich wird sich nun auch die: Entente der Erkenntnis nicht verschließen, daß> Deutschland alle denkbaren Anstrengungen macht, um das Höchstmaß an Steuern aus seiner Wirtschaft herauszuholen. Ermittelt man die K a u f k r a f t des Geldes in jedem einzelnen Staate, so ergibt sich, daß in Deutschland ein unverheirateter Steuerpflichtiger mit einem Einkommenvon 30.000 Mark 3200 Mark allein an Einkommensteuer bezahlt, während in England und Frankreich ein solches Einkommen steuerfrei bleibt. Sowohl die Einkommensteuer wie die Umsatzsteuer sollenvierteljährlich im voraus entrichtet werden. Zur Bekämpfung der Kapitalflucht, schl ß Dr. Hermes seine Ausführungen, ist die Reichsregierüng seit längerer Zeit mit verschiedenen auswärtigen Regierungen in Verbindung getreten, um Verträge, über die Vermeidung von Doppelbesteuerung und über gegenseitige Rechtshilfe:abzuschließen.. Es ist zu hoffen,, daß dem in der letzten Zeit zum Abschluß gekommenen Vertrag mit der Tschecho-Slowakei andere Verträge folgen werden. Das Ansteigen der jetzt auf über 250 Millarderf Mark angewachsenen schwebenden Schuld soll nach Möglichkeit hintangehalten werden. Dazu soll eine auf drei Jahre unverzinsliche Zwangsanl ei he in [ der Höhe von einer Milliarde Mark dienen, aber auch damit ist es nicht möglich, den Haushalt für 1922 zu j' balanzieren oder auch nur zu sanieren. Wir werden I deshalb das Mittel einer inneren freien Anv Leihe versuchen, die aber nur möglich ist, wenn l das Vertrauen in die Wiederaufrichtung Deutschlands l< wiederhergestellt wird. , . . “ f' Zur Ausführung des Friedensver* rträges erfordert der Haushalt laufende Ausgaben - ' -h von rund 148 Milliarden, für außerordentliche .Ausi gaben rund 40 Milliarden auf Grund des, Londoner- Zahlungsplanes, wobei ein Entwertungsfaktor von-45 1 für die Umrechnung der. Goldmark in Papier zugrun e- |- gelegt ist Die Reparationskommission ist gebeten j, worden', zu prüfen, ob sie die Zahl von 720 Millionen Goldmark in bar herabsetzen kann, andernfalls . wäre bei einem Umrechnungsfaktor von 45 - |; f ein Aufwand an Papiermark von 97^/g Milliarden erforderlich, das ist eine Ziffer, die Deutschland unmöglich aus laufenden Einnahmen ohne eine Anleihe . ■; decken kann. Es bliebe dann nur übrig, die Noten- }• ,. presse wieder in Betrieb zu setzen, was dochdie , Alliierten selber nicht wollen. Anders als mit einem *. lv großen Kredit können die Bedürfnisse der’ jb Alliierten, insbesondere Frankreichs, auf Zahlung von Devisen nicht befriedigt werden. Die Vermögensabgabe in Ostgalmem Krakau, 30. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen- ’S zeitung“.) Wie „Nowa Reforma“ meldet, hat eine " Delegation ostgalizischer Ukrainer in Warschau bei . den ausländischen Gesandten gegen die Einführung der Vermögensabgabe in Ostgalizien als in einem von ( b. Polen besetzten Gebiet protestiert Wie verlautet, soll j-' auch dieser Tage von der Entente ein Verbot der ' < Einziehung der Vermögensabgabe in Ostgalizien | einlangen. - ' . jiv mnBasBBaa bracht halbem. Es: gibt keinem Ausgleich zwischen idem jüdischen >V<olk und den Mördern, mögen sie - auch nocEso sanft flöten uin-d ihre Lieder dundh feile Heloten verbreiten lassen. Die Wahlen,’ dc-rem Termin die Regierung immer wieder hinlä^isschiebt und ' vorn - denen sie alle fernhäl ten swili, :dei,em‘'Urteil sie fürdhtet, 'werden trbtzj.all.er; Bestechung den Riöbterspfu-ch des - ungarischen ' Volks« ' über seine' Auss-abger erbringen.. . Das Judebtotm steht -nn-dnt a(uf der Seite derer, die mit Kleibelsiberg und Bethlen die Wählern fälschen wollen, auch nicht hinter den Vawtcmyi und Samduvr, deren Glück »e , ist* wem ein Magnat mit ibmen redet Das Judentum wird an sich uind sein Schicksal im Umgarn denken und .nichts vergessen. Es wird bei' allen Verhandlungen, die vielleicht gesponnen werden, stets die Personen bedenken, die in seinem .Namen "sprechen, und ,es wird .vor, allem Garantien.', dafür . fordern, daß sein Schicksal. und seine Lebensfragen nicht zu einem" Spielobjekt der 'politischen Parteien herabgewürdigt werden. Die Bürgschaften, die das Judentum Lardeit, können ihm mir in einem von der zivilisierten Welt unterfertigten Minoritätenschutzge-setß geboten werten, nicht alber von einer Regierung, die sich jiidi»dh« Stimmen für ihxc dütRkleti Zweck« sichern wilL