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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-29 · Heft 1078 (29.1.1922) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1078 (29.1.1922)
Date
1922-01-29
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Wien, Stffifltäg' WtENEfc MÖJtGENZEITÜN'tf »«-»»WWSPW» 29. Jänner l92- Nfr. 107« Vereine, Vorträge und Versammlungen. Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums. (jüdisches Museum). Montag den 30. Jänner 1922, T/,7 Uhr abends, rindet im Saale, IX., Universitätsstraße 4 (B’nei B’rith), ein Vortrag des Herrn Universitätsprofessors Dr. Leon Kellner über „Shakespeare und das alte Testament“ statt. — Jüdische Volksbibliothek Zion. Infolge der Aufführung der Kreuzer-Sonate zu-? gunstcn der Volksbibliothek, bleibt die Bibliothek Dienstag den 31. d. M. nur von 5 bis 6 Uhr abends geöffnet. — VereinErezIsrael, II., Taborstraße 20a. Heute* 5 Uhr, Mitgliederversammlung bei Anwesenheit der Vertreter der Jugend-Kommission des Landeskomitees. Tagesordnung: Erziehungsträgern 8 Uhr, gesellige Zusammen^ kunft. — Zionistische Sektion Wiede n -» Margarethen. Dienstag den 31. d. M., 8 Uhr abendtz, Cafe Margareten, V., V/iedner Hauptstraße 87, dringende Ausschußsitzung. Tagesordnung: 1. Inkasso der Mitglieds- Del träge. 2. Nächste Veranstaltung. — Senioren-. Verban d der Z. M. V. Heute, halb 11 Uhr, IX., Nuß-' dorferstraße 61. — HebräischerStudenteri* verband Tarbuth. Heute, 7 Uhr, Cafe Klinik; Lazarettgasse. Schriftsteller Schalom Streit: Vorlesung aus eigenen Schriften. Dann Aussprache über die jetzige Lage 'in der hebräischen Literatur. Gäste willkommen.— GesellschaftderFrettnde. Sonntag, halb 19 bis halb 11 Uhr, Neue Burg (Eingang äußerer Burgplatz» links) Raum C.: „Der Naturmensch“. Frei zugänglich. — Montag, 6 Uhr abends, Elektrotechnisches Institut, IV., Gußhausstraße 25, 1. Stock, Hörsaal 1. Professor Rudolf Bock: „Die Quäker und das soziale Elend äm England des 17. Jahrhunderts, - jugendverein A (i a w a t h Z i o n, II., Kleine Zufahrtsstraße 160. Heute, 4 Uhr nachmittags, Zusammenkunft aller Mitglieder zwecks Arbeitsübernahme. Morgen, halb 8 Uhr abends, Vortrag Kamerad Gelbard. Thema: Die Entwicklung des Zionismus. — Zentrale der Zeirei Mlsrachi, Wien, II., Praterstraße 43. Heute, präzise 6 Uhr abends, ordentliche Generalversammlung. - Jü dis c he Toy nbe e- Halle. Heute, 4 Uhr nachmittags, Vortrag Dr. Hugo Knöpflmacher. Infolge Erkrankung des Herrn Adolf Gelber; wird dessen Vortrag verschoben. — A.erzte aus Polen. Montag den 30. d. M. um halb 8 Uhr im Cafä Klinik Versammlung, in welcher wichtige Angelegenheiten zur Beratung kommen. — K. J. Ver, die in Wien weilen, wollen sich mit Angabe von Alter und Beruf an Emil Dusclcek, Währingerstraße 13, Pension Bleckmann wenden, Telephon 38087. Ottakringer Volksheim (XVL, Kofferpark 7). 7 Uhr abends, im großen Saal, Klavierabend Helene Lampel. Beethoven Waldsteinsonate, Schubert Iniprombtu B-Dur (in Form, von Variationen), Brahms, Drei Rapsodien,^ Schumann Etüde symphonique. Karten von 10 bis 80 Kronen beim'Hauswart. Urania. Heute, halb 3 Uhr (Großer, Saal) Altheideloerg, du. feine. — Halb 3 Uhr (Kleiner Saal) Kulturbilder aus dem deutschen Mittelalter. — Halb 5 Uhr (Kleiner Saal) Opernfragmente, XI. „Aida“. — 5 Uhr (Großer Saal) Indien. — Halb 6 Uhr (Kurssaal) Robert Friedmann: Russische Sekten und Sektierer, IV. -- Halb 6 Uhr (Klubsaal) Mauriz Hans Heger: Vorlesung aus den Schriften von Ernst Wahiy und Theodor Kos. Halb 8 Uhr (Großer Saal) Richard Wagner. — Halb.8 Uhr (Kleiner Saal) Unser Burgenland. — Halb 8 Uhr (Kurssaal) Dr. Franz S p u n d a: Einführung in die chinesische Philosophie, .Laotse, I. — Halb 8 Ultr (Klubsaal) Literarischmusikalischer Abend, Oswald Menghin, Literatur. Die Grillparzer-Ausgabe der Stadt Wien. Nachdem nun auch der versiegelte Nachlaß Grillparzers am 21. Jänner eröffnet wurde, besteht kein Hindernis mehr, die schon im Jahre 1907 beschlossene, aber noch lange vor dein Kriege ins Stocken geratene Herausgabe einer kritischen Gesamtausgabe der Werke. Grillparzers durch die Gemeinde Wien fortzusetzen. Stadtrat Richter hat das Referat über diese Angelegenheit.-Ein neuer Vertragsentwurf , mit der Firma Gerläch und Wiedling, die den Druck und Verlag des Werkes übernahm, wurde genehmigt Einige bereits in Vorbereitung befindliche Bände werden In der kürzesten Zeit Erscheinen und für die regelmäßige Fortsetzung ist Sorge getragen, so daß in absehbarer Zeit dieses Monumentalwerk vollständig vorliegen dürfte. Es ist im Vertrage auch dafür gesorgt, daß nach Vollendung der ersten Reihe der britischen Ausgabe. „Werke der reifen Zdli“ eine Vo ksausgabe zu volkstümlichen Preisen erscheint, um den breiten Kreisen der Bevölkerung die Werke des größten österreichischen Dichters zugänglich zu machen. - fernst Lothar, „Macht über*alle Menschen*. Roman. Georg "“Müller Verlag. München, 1921. Ein virtuos geschriebener Unterhaltungsroman mit einem originellen Vorwurf, der jedoch des tieferen Gehalts Entbehrt Für eine'müßige Stunde kann man sich schwerlich einen amüsanteren , Zeitvertreib wünschen. Mehr scheint Herr Lothar nicht gewollt zu haben. —-n— Die Geschichte des Zionismus. Die ungeheure Ausbreitung des Zipniismius «hat das Bedürfnis -nsoh «mgehenid'eir InfoirmatLon über ihm in weiten Kreisen des Judentums erweckt. Bisher. verfügte die Bewegung aber, wur über einige unzulängliche Broschüren. Vor zwei Jaihiren ist endlich der erste, Bund euer * ausführlichen historiseben und kritischen Darstellung des Zionismus erschienen; -uh dem die Zeit bis zum Tode Herzls behamdielt wurde: Adolf B Ö h ra s Werk »D ie z i on i s t i s ch e B e w s g um g <(»Wekc-Verl'aig, Berlin.) Zum Kongreß ist d©r zweite Bomd, der die Garste!-, hing bis zur Gegenwarnt-(Frü ja'hr 1921) führt, erschienen. Dieser zweite Band ist dioipipdlt so stzsirk wie der erste upd umfaßt die parstdlmnig alW Gebote des ^iomfemns: Theorie, Politifk,. H.ebräismus, Koüomisation, geistige Strömungen, Organisation, Institutionen u, a. Wir behalten uns vor, diaas Buch ausführlich zu besprechen^ möchten .ober schon jetzt unsere. Leser darauf .aufmerksam zra machen. (Preis von Band I broschiert 15 Mark, geb. 25 Mark; ■ Band II broschiert' SZ Marie, geh. 35 Mark; Band I und II zusammen broschiert 40 Mark, geb. Sa Mark.) Eine hebräisch-jüdische Zeitschrift in Berlin, Mitte April wird im Berlin eine hebräisch-jüdi'sche Monatsschrift unter dem Namen »Rimonc (Der Granatapfel) enspheimen. Als. Herausgeber des, neuen Blattes wird Kogan . zeiohnem, dem gegenwärtig “die Leitung der russischen’Zeitschrift >Jar Ptizac anvertraut ist Die neue Revue .wird .äußerlich ebenso wie >Jair Ptizac gestaltet sein und Reproduktionen von Werken hervorragender jüdischer Künstler enthalten. Ernährung. Die Fieischpreise in der letzten Woche* Beeinträchtigt durch den bevorstehenden Ultimo und die hohen Preise sowie die bedeutenden Spesen der Straßenbahn herrschte gestern in der Großmarkthalle mir geringer Verkehr. Ein großer Teil der Vorräte war um die Mittagstunde noch unverkauft. Es traten Weitere* "Preisf erhöhungen ein, indem sich im Großhandel Rindfleisch und Schweinefleisch um K 50, Fettschweine, Speck und Filz lifri K 100, Ziegen um K 200 verteuertet!. Billiger wurden Schafe und Pferdefleisch um K 100, dagegen wurden auch iin Detailverkauf Schweinefleisch um K( 100, Rauchfleisch üm K 100 per Kilogramm teurer. Im Vergleiche zur Vorwoche ermäßigten sich Rindfleisch in den mittleren und minderen Sorten um K 50, Ziegenfleisch um K 160, dagegen verteuerten sich Rauchfleisch um K 100, Kalbfleisch um K 200, Schweinefleisch um K 250, Schaffleisch um K 400, Speck um K 400, Filz um K 500 per Kilogramm. Das Rindfleisch^ angebot betrug über 181.000 kg, an Schweinefleisch standen über 52.090 kg zur Verfügung. Mit der Bahn, waren zwei Waggons mit 10 t Schweinefleisch angekommen, li» Detailhandel notierten in der Großmarkthalle per Kilogramm: Rindfleisch (einschließlich Braten) K 800 bis 1600, Schweinefleisch K 1800 bis 2100, Pferdefleisch (im Großhandel) K 435 bis 700, Rauchfleisch K 2000 bis 2300, Kalbfleisch K 1200 bis 1700, Speck und Filz K 2000 bis 2400, Rindsinnereien K 900 bis 1000, Schmalz K 1980, Margarine K 1600 bis 1920, Rindsknochen K 160 bis 180. Auf. detii Fischmarkt kosteten Stockfische K150, tote Karpfen K 1220, lebende K 1550, auf dem Geflügelmarkt Gänse und Enten K 2100 bis 2600, Hühner und Poulards K 1200 bis 4500 per Kilogramm, auf dem Wildpretmarkt Hasen im ganzen ohne Feil K 2700 bis 3800, Rücken und Lauf per Kilogramm K 1200 bis 1500, Junges K 700. V . Auf den Grünwarenmärkten machte sich die Knappheit an Kartoffeln sehr unangenehm fühlbar. Obstzufuhren fehlten, die Zufuhren an Gemüse reichten ffir den schwachen Bedarf aus. Die Preise konnten sich überall fest behaupten, Eier fehlten. _ , K Mehl- und Fettausgabe, Vom 29. d. M. bis 4. Februar werden per Bezugsberechtigten “/* kg V e r s c h 1 e i'ßj m e h 1 zu K 500 per Kilogramm auf den Abschnitt 4 für' die 356. Woche der Mehlbezugskarte abgegeben. In der gleichen Zeit werden bei den städtischen Fettabgabestellen 12 dkg Margarine zu K 219 gegen Abschnitt 281. de^ Mehl- und Fettbezugskarte abgegeben. Die Großeinkaufs-' Gesellschaft für Konsumvereine gibt 12 dkg Pflanz ankett (Paketware) zu K 240, Faßware zu K 234 ab. Organisierte Verbraucher erhalten 12 dkg Pflanzenfett fPaketware) zu K 240. W. J. W. Bis zum nächsten regulären Verkauf täglich von 9 bis 11 Uhr vormittags Abgabe von Schichtseife, Milchreiskonserven gezuckert und ungezuckert, Schweine- [ieischkonservcn und Damenschuhc in allen Größen zum faeise von K 10.500 per Paac* Vereinigung jüd. Forscher, Schriftsteller und Künstler „Haruach“ in Wien GROSSER KONZERTHAUSSAAL Morgen den 30. Jännerl922,7Uhr äjillülllllüijlliüP* Abend nllillllilllllliilUülfn AUSFÜHRENDE: Hermine KITTEL (Staatsoper), Prof. J. WOLFSOHN (Klavier), Prof. G. FEIST - (Violine), Stephan AUBER (Cello). Das Symphonieorchester, Dirigent: Prof. 8. BRÄSLAWSKY «3 Restliche Karten: Wr. Morgcnzriiung. Konzerthaus, Löwlt, W» Kchlondorfer, A?da Bühne und Kunst. Neue Wiener Bühne. 1 (Gastspiel Paul Wegener „Der Vater“ von August Strindberg.) Wer nie begriffen hatte, daß es in Strindbergs „Vater“ 1 um Ewigkeitswerte "geht, der mußte cs gestern fühlen. Mit : dem bloßen Wert.oft genüg gedankenlos dahin gesprochen, von des großen 'Nordländers Weiberhaß, kann man den Gehalt dieses gewaltigen Werkes nicht kennzeichnen. Das sind die letzten. Dinge zwischen Mann und Weib, an die i da gerührt, vielleicht die letzten Dinge zwischen Mensch : und Mensch; Maupässartt hat'in seinem Verzweiflungsschrei „Einsamkeit“ vöh der furchtbaren Undurchdringlichkeit der Seele gesprochen, vöh-der Unmöglichkeit, zu wissen, was im Innersten der Menschen vorgeht, die neben uns leben und j die wir nie, niemals ‘wirklich kennen. Dumpf und schwer lastet' die Luft im Hause des Rittmeisters, jeder Atemzug isterfüllt von Haß. Von dem grausam-wilden Haß der Geschlechter; von 'dem Haß, der einmal Liebe ■ war und vielleicht? sogar immer noch Liebe Ist. Ein wilder ' Kampf ist zwischen den Gatten entbrannt, um die Macht ■ über ihr Kind. Es ist nur eine Phase in dem zermürbenden Krieg einer zwei Jahrzehnte währenden Ehe, den die Frau mit aller List, Niedrigkeit, und Grausamkeit der Weibchenbestie; geführt hat. Sie hat dem Manne alles geraubt, was er •besaß: Geld, Kraft, Stellen und seine Arbeit, die sie in : der geistigen Beschränktheit nicht zu verstellen vermochte. Jetzt nimmt sie ihm das Letzte: seinen „Ewigkeitsgedanken", ' den Glauben-daran, daß er und kein anderer der Vater ihres Kindes ist. Sie kämpft mit allen Waffen und bis zur letzten Möglichkeit, ruft selbst den Gedanken in ihm wach, er könne keinen Anteil an der Tochter haben, weil sie siegen will, sie scheut kein Mittel, von der kleinlichen, gemeinen Bosheit bis zur Zwangsjacke, die dem Manne von seiner einzigen Freundin, der guten, dummen Alten, kosend übergezogen wird, Das Rasen und Toben mit gebundenen! Händen ist des Mannes Los von allen Anbeginn. Er rennt gegen verschlossene Türen, er kämpft verzweifelt geged die Verständnislosigkeit, die ihn umgibt, gegen die Bosheit und Tücke, die seinen Untergang will. Diesen Mann, inmitten der Weiber, spielt Paul Weg e. n e r. Er spielt die Rolle nicht, er lebt sie. Wer seine Darstellung des Rittmeisters gesehen, wird die Gestalt nie, mehr anders auffassen' können. Es ist das Leben, an das kein Wort hinanreicht, weil es stärker ist als jedes Wort. Die Stimmung des angstvoll auf unbestimmte Schrecknisse Wartenden, der. rasende Ausbruch im zweiten Akt — es war erschütternd vom ersten bis zum letzten W-ort. Da schreit fdid gequälte Kreatur In ihrem rasenden .Schmerz gen Himmel. Auch die Stumpfsten mag ei» kalter ^chäuer überiaüffen'jbei Wm felick, den der. Gefesselte auf seijR alte, Amme, richtet, als er die Zwangsjacke erkennt Der Künstler fandeine würdige Gefährtin in Frau E i s, die den Gefahren Ihrer Rolle' — dem Ueberschlagen in das -gewöhnliche keifende Klatschweib oder in den überlebensgroßen Weibdämon — geschickt zu entgehet) wußte. 'iSie. war^ die lauernde. Bestie mit dem Einschlag ins Bürgerliche, die dem Dichter vorgeschwebt hat, in manchen Augenblicken von überwältigender Kraft; Auch Alice Lac$ als Berta verstand, einen' Menschen auf! die Bühne zti stellen.' Die Episodenflgüren hingegen ließen manches zq wünschen übrig, insbesondere kam die Hilflosigkeit der Männer; die Verbindung der Fassungslosen, von. Wei,besart umringten, nicht zur vollem Geltung. Aber im Gänzen war es ein wundervoller, ein unvergeßlicher Abend. Man sagt nicht zuviel,, wenn man ihn ein Erlebnis nennt K. M. Renafssärtce-Bühne. ’ (Zum erste.» Male „D e r We rw 0 1 f“, ein erotische« Spiel in drei Akten von Angela Cana.) Endlich eine Novität, die; trotz des verdächtiget! Untertitels am Programm'äüf däs angenehmste enttäuscht Stark gewürzte Kost, , aber aus echten Ingredienzien schmackhaft zubereitet Im Schloß der Herzogin von Capabianca, einer gläubigen Dame, die aber gerne spiritistische-Seancen, abiiält, herrscht große Aufregung. Drei Bäuerinnen sollen zur nämlichen Stunde im Sehloßgarten von ejneni' Wüstling, überfallen worden sein. Der Okkultist Leone hat sofort die Erklärung gefunden. Ein Gast der. Schloßherrin, ein junger Professor und lyrischer Schwärmer, Verfasser glühender Liebesgedichte, 'aber sonstlammfromm und von blöder Schüchternheit, soll der Schuldtragende sein, natürlich ohne daß er was dafür kann. Er ist der Werwolf wider Willen. Seine unverbrauchte Erotik habe als „abgespajtene Kraft", während er von schönen Frauen träumte, ihr frevelhaftes Unwesen getrieben und jene drei Bäuerinnen zu Fall gebrächt. Pie Geschichte von. cipr überaus rasanten „abgespalteüen Kraft" macht unter den weib-, liehen Schloßbewohnern Furore, der Unschuldige, der gleich drei Frauen gefährlich wurde und dabei friedlich in seinem Zimmer lag, wird Gegenstand höchster Bewunderung und heißer Begehrlichkeit.'Die schöne Herzogin möchte jetzt, daß. ei» Liebesgedicht; im< f^lM^^JlG§n.üu«s,-r«M^ freier Sprache äbgefaßt, von deim merkwürdigen - Jüngling Hr gft* widmet, verwirklicht würde. Sie wird agressiv. Ihre Nichte^ die schon lange auf den jungen Professor gespitzt hat, vereitelt die Schäferstunde und biegt sich den jungen Mann bei, . während die Herzogin an seiner Stelle den —-rKammerdiener vorfindet -Es-geht, überhaupt nach jener. Entdeckung des Okkultisten von der „abgespaltenen Kraft“ im nächtlichen Schlosse heiß zu. Def Räsoneur des Stückes, ei» Jurist und Pfiffikus1 dazu, fiat, inzwischen den wahren Mißetäter herausgefunden. Es ist jener Kammerdiener, der es mit den drei Weibern längst zu tun hatte und die Fabel von dem gefährlichen Ueberfall im Schloßpark erfand, uni den drei Geliebten, die Mutterfreuden entgegensehen, aus der Patsche zu helfen. Die Herzogin .weiß nach jener wildbewegten Nacht, wer für sie der Bringer süßer Freuden war, läßt sich von dem tüchtigen Kammerdiener das Gebetbuch reichen und geht zur . Andacht Der lyrische. Professor* ist Bräutigam der Komtesse geworden, der praktische Jurist Hat die Fabel von der „abgespaltenen Kraft“ zu einem Abstecher bei der entzückendem Kammerzofe benützt und der Okkultist ist verduftet Ein witziger Dialog von ungewöhnlicher Kultur löst immer wieder Lachsalven aus. Bis auf das recht erzwungene‘Zusammeufinden zwischen dem jungen Professor und der Komtesse gibt es keinen einzigen toten Punkt, die fröhliche Stimmung wird bis zum letzten Fallen des Vorhanges wachgehaltem ' Julius Hertzka hat die Komödie vortrefflich inszeniert. Die Schauspieler haben ihn nicht im Stich gelassen. Nur Claire V a 11 e n t i n scheint uns für die' Rolle der Herzogin nicht gerade geeignet.' Sie ist über die; Jähre hinaus und sucht mit ihrer großen Roptine Mangelndes durch recht drastische^ ja unfeine Allüren zu ersetzen. Ausgezeichnet Eugen Jen s e n, der sehr aufgeräumt war und den Raisonneur mit viel Humor spielte. Sehr verdienstlich Adrienne G eß n er und die Herren Valberg, Fischer und B e h a 1. In der kleinen Rolla der Zofe fiel die sieghatte Anmut Anny E ver äs sehr angenehm aüf. Und in einer Episodenrolle bot Maja S e r i n g als stumme, verzweifelte, einfälltige Bäuerin eine wirklich Überragende schauspielerische Leistung. Es war ein großer und verdienter Premierenerfolg. O. A.; Aus de» Theatern. Im\ B u r g ,t h e a t e r wird morgen „K ö n i g i 4 C h H$t I n e“ gespielt., ' Im O p e r. n t li e ä ti e r geht morgen „Die Frau o h rf b Schalt e n“ in'Szene. ' > ln der V 0 1 k‘ s 0 p e r findet heute die erste Wiederholung. des „O t h e 1 l o“ -unter, musikalischer Lejtung von Direktor Felix Weingartner in der Premierenbesetzung statt Beginn 7 Uhr. — Morgen gelangt „T ö s c a“ mit Fräulein Rantzau in der Titelrölle, zur Aufführung. Beginn l/a8 Uhr. — Dienächste Aufführung von Puccinls „Die B0hi me“ findet Mittwoch den 1. Febr tr statt. r~ Donnerstag den 2. Februar geht Richard Wagners „L 0 h e n g r i n“ mit Herrn Lußmann in der Titelrolle in Szene. Trii Deuts c h e n V 0 1 k’s t h e a t e r wird Dienstag, abends 7 Uhr, „Lulu“' aufgeführt. — In den dieswöchentlichen Spielplah Würde für Mittwoch den 1. Februar Schnitzlers Einakterzyklus. 5Lebendige Stunden“ und für, Freitag den 3. Februar Hermann Bahra Lustsniel

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