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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-29 · Heft 1078 (29.1.1922) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1078 (29.1.1922)
Date
1922-01-29
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Wien, Sonntag' wiener MöROTNziirnmtr /Nfrrerg i-h . Seite 6 -y, ,j„ Rundschau. Das deutsche Reforniprograttitn. Oie Antwort der Regierung an die Reparationskommission. Berlin, 28. Jänner. Das Wölfische Bureau meldet: Heute wurde der Reparationskommission die Antwort der deutschen Regierung auf die in Cannes am 13. d. M. getroffene Entscheidung übergeben. Die Antwortnote enthält, wie verlangt wurde, ein Reformprogramm für den Haushalt und den Noten um lauf mit Garantien sowie ein Programm für die Barzahlung#’^ and Sachleistungen im Kalenderjahre 1922. Das Reformprogramm behandelt nach einander die Maßnahmen zur Vermehrung der Einnahmen, Beschränkung der Ausgaben und Einschränkung der schwebenden Schuld sowie des Notenumlaufes, wie folgt: Durch die dem Reichs** tag vorliegenden Gesetzentwürfe werden Vermögenssteuer;, Vermögenszuwachssteuer, Kapitalsteuer, Verkehrssicher, Körperschaftssteuer sowie die direkte Besteuerung e'£* n e u t erhöht, so daß vielfach Eingriffe in die Ver- «lögenssubstanz nötig sind. Die Erhöhung der Umsatzsteuer von l‘/s% auf 2% und der Kohlensteuer von 2G% auf 40% belasten Produktion und Verbrauch vorweg. Ebenso sollen auch die Zölle u n dVerbrau eheste u e r n erhöht werden, Die Zölle sollen auf wirkliche Goldbasis erheben werden. Die Aufhebung des Bankgeheimnisses, die Ucberwachung des Wertpapierbesitzes bei den Banken durch die Steuerbehörden und internationale Rechtshilfe wird besonders hervorgehoben. Die T a r i f e sind gegenüber der Vorkriegszeit, wie folgt, erhöht; Eisenbahnen: Personenverkehr 19fäch, Güterverkehr 32fach, Post- und Telegraph 21 fach. Die ZuschüssefürLebensraittelverb il 1 i g u n g werden ira Jahre 1922 nur noch eine Milliarde Papiermark gegenüber bis 22*5 Milliarden betragen. Der Brotpreis wird demnächst erneut um 50% erhöht Statt der Erwerbslosenunterstützung wird eine Arbeitslosenversicherung auf Kosten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer eingeführt. Außerordentliche Ausgaben der Post und Eisenbahn betragen nur %% des Anlagewertes gegenüber 3% in Vorkriegszeit. Der ordentliche Etat weist mit 103*2 Milliarden Einnahmen und 86*7 Milliarden Ausgaben einen Ueberschuß von 16*5 Milliarden auf, die für die Reparationen usw. zur Verfügung stehen.' . Zwecks Einschränkung; der schwebenden Schuld wird die Reichsregierung im Jahre 1922 erneut eine innere Anleihe aufzunehmen versuchen. Unabhängig' davon ist die im Steuerkompromiß vorgesehene Zwangsanleihe. Die Autonomie der Reichsbank -wird gesetzlich sichergestellt. Die Befugnisse des Reichskanzlers zu Eingriffen in eie geschäftliche Leitung werden be sei ti g t Die Wirtschafts- und Finanzstatistik wird in gleicher Weise wie vor dem Kriege veröffentlicht werden. Die Note verweist auf die Unmöglichkeit, zurzeit die Reparationsleistungen aufzubringen. Es sei unbedingt erforderlich. Deutschland mindestens für 1922 von allen Reparationsleistungen' i.'tT barem zu befreien. Die deutsche Regierung erkenne jedoch an, daß die schwersten Bedenken für die deutsche Wirtschaft und die Finanzen hinter die politischen Notwendigkeiten zurückzustellen seien. Sie verweise ausdrücklich auf die ihr bekannten Ziffern von 720 Millionen Goldmark Barzahlung und 1450 Millionen Goldmark Sachleistungen, die von den Alliierten ln Cannes in Erwägung gezogen worden seien, Sie bitte, die Barzahlungen, nötigenfalls unter Erhöhung der Sachleistungen, niedrig e. x festzusetzen. Die deutsche Regierung bittet die Reparationskommission, die Schlußausführungen besonders zu beachten, damit der Weg zur Wiederherstellung des deutschen Kredits im ln- und Ausland für eine große Reparationsanleihe durch ein internationales Zusammenwirken möglich gemacht werden könne. Zusammentritt des internationalen Gerichtshofes. Genf, 28. Jänner. Wie das Sekretariat des Völkerbundes mitteilt, sollen am 30. Jänner , die Mitglieder des internationalen Gerichtshofes i m H a a g zusammentreten,' um die Prozeßun-d Betriebsor d n uog des Gerichtshofes zu regeln. In dieser Vorversammlung wird auch über den Tag der ersten öffentlichen Sitzung des Gerichtshofes beschlossen werden. Als Eröffnungsdatüm Ist der 15. Iuni in Aussicht genommen. Richter sind: Senator Altamira (Spanien), Prof. Anziiotti (Italien), Senator Barbosa (Brasilien), Prof, de Bustamente (Kuba), Viscount Finlay (Großbritannien), Prof. Huber (Schweiz), Dr. Loder (Niederlande), Prof. Moore (Vereinigte Staaten), .Nyholm (Dänemark), Dr. Oda (fapan), Prof. Weiß (Frankreich), Stellvetretende Richter sind: Beichmann (Norwegen), Prof. Negulesco (Rumänien), Wang-Chung-Hai (China), fovanovich (Jugoslawen). Die Frage des Minoritätenschutzes. Brüssel, 28. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen- Zeitung“.) Die internationale Vereinigung für den Völkerbund hatte seinerzeit ein Komitee eingesetzt für den Schutz der sprachlichen, n ationalen und religiösen Minderheiten. Diese Kommission versammelte sich letzten Donnerstag und Freitag in Brüssel unter dem Vorsitz von Sir Üf. Dickinson. Vor diesem Tribunal der öffentlichen Meinung brachten Vertreter verschiedener Nationen vor, was diese zur Anklage und Verteidigung zur Behandlung der Minoritäten in ihren Ländern zu sagen hätten. Das Minoritätenproblem erweist sich aber dabei als eine der größten Schwierigkeiten der Nachkriegszeit Eine Lösung dieser Schwierigkeiten wird teicht zu erreichen sein, ohne daß die Minderheiten Äeiber zu Worte kommen können. Die Regeln der Kriegsführung. Washington, 27. Jänner. (Iiavas.) Der permanente Ausschuß der Abrüstungskonferenz hat beschlossen, die Prüfung der Regeln der Kriegsführung auf eine andere Konferenz der fünf Mächte zurückzustellen. Es wurde entschieden,, daß jede Macht zwei Vertreter für einen zu bildenden internationalen Ausschuß ernennen soll. Lord Ctirzon in Paris. Paris, 28. Jänner. Wie das Reutersche Bureau erfährt, wird Minister des Aeußern Lord C u r z o n Dienstag i.i Paris eintreffen. Nach seiner Ankunft werden die Konferenzen der Minister des Aeußern Über die Orientfrage beginnen.“ Man glaubt, daß Curzon die mit dem Botschafter Saint-Aulaire eingeleiteten Verhandlungen über den englisch-französischen Pakt in Paris fortsetzen werde. Die Moskauer Sowjetwahlen. Moskau, 28. Jänner. (Funkspruch.) Bei den Wahlen in den Moskauer Sowjet sind bisher 481 Delegierte gewählt worden, davon 436 Kommunisten, 44 Parteilose und ein Menschewik. Das Danziger Parlament lehnt das reaktionäre Statut der jüdischen Gemeinde ab. Danzig, 27. Jänner. (J. C. B.) Das Stadtparlament lehnte des neue Wahlstatut der jüdischen Gemeinde mit der Begründung ab, daß die Nichtzuerkennung des passiven Wahlrechtes an die Frauen und an die Gemeindebeamten sich im Widerspruche zur Verfassung der freien Stadt Danzig befindet Der monarchistische „Falkenbund“. Berlin, 28. Jänner. (Intel.) Der preußische Minister des Innern, Severing, hat im Einverständnis des Berliner Polizeipräsidenten und mit Zustimmung der Reichsregierung den „Falkenbund“ mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Personen, die sich an dieser Organisation beteiligen, werden mit Geldstrafen bis zu 70.000 Mark oder mit Gefängnis in der Dauer von drei Monaten bestraft Festsetzung der rumänisch-serbischen Grenze. Bukarest, 28. Jänner. (Orient-Radio.) Die rumänisch-serbische Grenzbestimmungskommission, die in Temesvar zusammengetreten ist, hat die endgültige Festsetzung der Grenze zwischen beiden Ländern vorgenommen. Dieselbe verläuft im allgemeinen gemäß den Bestimmungen des Vertrages von Sevres; nur die Gemeinden Csorda, Beb und Pusztakeresztur fallen an Rumänien, während die Gemeinden Gaja und Krivobara Serbien zugeschlagen werden. Der Belgrader Kommunistenprozeß. Belgrad, 28. Jänner. (Intel.) Der Angeklagte Stajic gab an, er sei im Arrest furchtbar gemartert worden. Man habe ihn gezwungen, alles zu unterschreiben, was man ihm vorgelegt habe. Der Angeklagte Csaki zog alle seine früheren Angaben zurück. Im Arrest seien ihm vier Zähne ausgeschlagen worden. Trotz furchtbarer Hitze habe er kein Wasser bekommen. Oesterreichs Zerberusse. Als jüngst die ö>terreid';.isdhem Bund-esbeamt-on demonstrierend a.uf die Ringstraße zogen, vor dem Parlament Skandal schlugen und die Geschäftswelt der Inneren Stadt in Panik Stimmung versetzten, wurden in der Oeffemttichkeit einige schüchterne Stimmen laut, daß das eigentlich nicht die Aufgabe von Beamten des Staates sei. Und doch halben diese Leute ti-iw* gelegentlich eine Parlumentssdhei'be eingesdhlagen, um eine bessere Bezahlung zu erzielen. Was soll man erst zu jenen Funktionären uneres Staates sagen, die jahraus, jahrein Sehe! den e i n s c h l a g e n, wenn auch nur im. bildlichen Sinne, und ausschließlich für diese Tätigkeit besoldet werden-. Wir halben da unsere offiziellen Vertreter im Ausland im Auge. Die ganze österreichische Geschäftswelt und wohl auch unsere inländischen Behörden wissen, daß Wien den Fremden verkeim wie einen Bissen Brot braucht. Nur die österreichischen Konsulate im Ausland wissen das nicht. Will jemand mach Wien fahren, dnipn . muB er erst die umständlichsten Nachweise erbringen, daß seine Reise wirklich notwendig ist. Eine Ausländerin, die nur zum Vergnügen mach Wien fahren will und vielleicht dafoei die »heimtückische* Absicht hat, hier Bie neuesten Erzeugnisse der ■ Modebrarnchen zu besichtigen und eventuell ihren privaten Saisonbedarf in Wiener Geschäftshäusern zu decken, darf nicht herein. Unsere hoch weisen Konsulate verlangen dlie Vorlegung einer Gesakäftslkorresipondemz und wenn die Kauflustige es nicht von der Firma Zwieback oder Gern groß schwarz auf weiß 'hat, daß sie hier zweriks Abschlusses eines Geschäftes oder Begleichung einer Faktura benötigt wird, türmen sich zwischen der und der mach Käufern lechzenden Stad-t an der Donau -unüberwindliche chinesische Mauern auf. Man wäre versucht, diese grimmigen Wächter vor unseren Toren mit dem Zerberus zu vergleichen, doch täte man mit diesem Vergleich dem Hadeäbewadien bitter unrecht. Denn er hat wohl niemanden aus dem seiner Hut a’invertrauten Reiche hinaus-, aber jeden umso bereitwilliger hineingelassen. Allerdings hatte er drei K ö p f e, während unsere offiziellen Auslawtaver- 29. Jänner 1922'_ Tagesbericht. Zaruck! Der alte sZarnek^: war vorwiegend politischer Na» titr. Der neue ist viel allgemeiner, macht sich auf sozialem, gesellschaftlichem ttd la-ndwirtschaftlichem Gebiet fühlbar, dringt tief im« Leben dies .einzelnen und läßt uns keinen Augenblick vergessen, was geschehen ist. Gewiß haben auch früher breite Schichtern der Bevölkerung an den Errungenschaften der Kultur, von den Bequemlichkeiten der modern gebauten Häuser bis zur Kunst unid Wissenschaft keimen Anteil gebäht. Jetzt aber ist auch für andere Schichten, die einstmals nicht ausgeschlossen waren von dem Genuß -der Kulturgüter, die Uhr um ein paar Jahrzehnte zurüdlqgescho'bsn worden, jetzt müssen auch die Gebildeten verzichten antf da», was einst ihr unveräußerliches Recht schien, und jedes Wu-nsoh nach Erfüllung ihrer heiligem Ansprüche -be» gegnet dem unbarmherzigem Zaruck. Es gab einmal eine Zeit, da begannen die geistigen Arbeiter Wiens mit dem Längerwerde» der Tage schon Sommer,plane au fchmieden. Den einem lockte das Meer, der andere träumte von Bergwanderungen, -halten es dem einen die rauschenden Wälder Südböhmemis angetan, so dachte der andere an den Harz und der dritte vermeinte vielleicht, ganz einfach in der ländlichen Stille eines Dörfchens beschaulich zu faulenzen. Aber ob wir nun Venedig oder die deutschem Städte, dlie Ostsee oder die Tatra wählten, ob wir in einem -nttederösterreiohisohea Nest Forellen fischten und Staub schluckten oder dil-e Bergspitzen Tirols mit unseren Nagelschuhen zerkratzten, das Prinzip der Sommerreiise blich im Wiener Mittelstand gewahrt. Ja seihst jene, die durch Z-ufall oder Mangel an Mitteln einmal verzichten mußten, konnten sich mit der Hoffnung auf ein nächstes Mai trösten. Denn die ganze weite, schone Welt wair ja da, war für uns da. Jetzt ist sie ven:|?enrt. Keim vormärzliohes Polizei* verbot, keim Abbruch der Freizügigkeit, keine Androhung strenger Strafen -konnte stärker wirken als di« neuen Eiscmibah-nfah-rprcise. Abgeschlossen wie Verbrecher a<uf der Insel im weiten Weltenmeer hause» wir auf dem Fleckchen Erde, auf das uns das SchkJksaii gebannt. Das Heimweh nach der Ferne mag noch so heiß brennen, der Wiener kann über' das Weichbild seiner Stadt nicht mehr hinausdri-ngen. Ganz still «trekhrt der geistige Arbeiter die Sommerreise von seinem Le* ben-sprogramin. Die seelig-hlaue Ferne, das Wunder der Fremde versinkt, Grinzing und Purkersdotrf werden wieder die Grenze timiserer Welt, aus der sioh -der rechtschaffene Staatsbürger nicht mehr hmsinswagt. Auch wir. dürfen nicht mehr so frei sein, frei zu seien. ' Uöbrigeus haben wir im Durch streichen von Freuden allmählich schon eine gewisse Hebung erlangt. Da iist Theater, und Konibertfeesuch. Es muß anerkannt werden, daß man sich bemüht, auch den geistigen Arbeitern hie und da diesen Genuß zu verschaffen. Aber das ist alias so umständlich, kostet so viel Zeit, für die r-Außenwofon-er< überdies auch noch Fahrgeld, daß mam in dien meiste« Fällen auch diese, die letzte, Chance fahren läßt. Uebpigenß begann das Reich der Außen wohn er dereinst in Hübteldorf, heute beginnt es beim Gürtel., Wer außerhalb dieser Grenzlinien seine Wohnung hat, ist zumeist auch von Vorträgen, Versammlungen, von der Anteilnahme am allgemeinen sozialen und politischen Leben der Stadt ausgeschlossen. Eine Vereünsversaimmlumg im Kaffeehaus kostet 250 Kronen, ein Besuch bei Freunden oder Verwandten, die in einiger Entfernung wohnen, 120 Kronen. Das sind Beträge, die für den. geistigen Arbeiter, der aus guten Gründen den Respekt vor dem >Fetzen< noch nicht verloren hat. noch immer ins Gewicht fallen. Man sucht also Umgang und VePkehr höchstens eine Straßenecke weit, eine Reise von Döbling im dlie Leopoldstadt wird zur Haupt- und Staa'tisaffäre und die Bezirksmeierei auf allen Gebieten blüht, wie sie nie schöner geblüht. Sonder in teressen entstehen, Somderzirbe’l bilden sich, deren geistige Anteilnahme nur drei Straßen weiter reicht — zaruck! Die Literatur, die einstmals noch ein Bindeglied dar gestellt, kann diese Mission nicht mehr erfüllen, man hat keine Zeit, zu lesen, kein Geld, Bücher zu 'kaufen. Das geistige Leben der Stadt rauscht in der fernsten Ferne vorüber — wir sind davon abgeschlossen. Wer gewohnt war, die heimische und vielleicht sogar noch eine fremde Literatur zu verfolgen, steht mit eitnemmal draußen. Fremde Namen klingen an sein Ohr, er kennt Größen nur mehr vom Hörensagen und liest die Buchbesprechungen der Zeitungen mit ähnlichen Gefühlen wie ein Hungriger das Menu eines leckeren Mahles. Am ängenfälligsten aber iist die Herrschaft deS Zaruck in der Hauswirtschaft. Wie die braven Hausmutter von einst sind die; Mittelstaindshausfrauen gefangcngohalten von der Fessel der Hanisarbeiit. Man hat sich Neuerungen auf /di esem Gebiet in Wien nie sehr günstig gezeigt, jetzt aber sind die wenigen Errungenschaften der .Vorkriegszeit auch wieder zunichte geworden.-. Wo die Maschine, d*»r. Großbetrieb eindiringen wollte, ist der Zustand von anin-o dazumal wieder eingetreten. Die Teppiche müssen mit der Hand geklopft werden, der Vactwtm cleaner erweist sich als zu 'kostspielig, die Wäsche wird zu Hause gewaschen und gewissenhaft knetet die Wiener Hausfrau von 1922 Ihren Nudelteig mit der Hand, weil die fertigem Teigwaren teuer und. nicht »verläßlich« sind. Wais auf irgendeine Weise im Hause hergestellt werden kann, wird zu Hanse gearbeitet, Kleider. Wäsche, auch Seife, Tiinte, Kohlenüriketts und ähnliches, mag auch durch den Einzelbetrieb noch so viel Zeit und Kraft verechlcudort werden." Statt uns dem amerikanischen Haushalt mit seiner Anwendung von Halbfabrikaten in der Küche, v>ci» maschinellen Einrichtungen bei der modernen Hausarbeit zu nähern, kehren wir immer mehr in jene Zeit zurück, dä die Hausfrau die Kerzen selbst zog und den Flachs «ipamm. Daraus erwächst eine ungeheure Arbeitslast für die Miltels-tandsfrau und mit dem Winken ira engen Rahmen verengt sich a-uch der Simm. Die Gedanken der Hausfrau kreisen unaufhörlich um dieselben Fragen: Was koche ich morgen? Wie stelle ich es an, ein erträgliches Essen zu liefern und doch mit dem Gehf auszukommen? Was werde Ich tun, wenn die letzte» Wäschestücke zerfetzt und zerschlissen sind? Daß isst nicht das freke Ar beit a* im natürlich«« Pfliehterjkreia, neben dem noch Raum für gwtige I«taren«en umd seelische« Erlebe® ist — da« ist eine Besessenheit. Wia - vyyti-im OßM che Hm%m mi cks tzWsvckHichM,

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