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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-29 · Heft 1078 (29.1.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1078 (29.1.1922)
Date
1922-01-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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nt. töts Wien, Sonntag WIENER MOfcGENZElttWG 29. Jänner 1922 Seite S waren bloß kleine Schmutzereien. Aber die Kostern des Londoner Ausfluges sollen das Finswizministerium verblüfft haben. Man spricht von sieben Milli o n e n. Und leider hat dter betreffend« Herr selbst um diesen Betrag seine Bildung noch nicht vervollständigen können. Ich möchte dem Herrn Fimanzminister halhelegen, die Verrechnung der Kosten jener Reise match England, der die Entsendung in der Erdgasamgelegenheit zugrunde lag, auf den Tisch des Hauses zu legen,« (Stephan. Rakovszky, in dar Sitzung vom 21. Jänner.) »Ich verlange eine PcIHtfe, die möglichst wenig die Leidenschaften schüren und unter tunlichster Vermeidung von Gehässigkeiten die produktive Arbeit fördern soll. Gegen dieses Prinzip wird aber nicht hur i-n der Natiomflvensammkraig, sondern auch außerhalb dieser Körperschaft gesündigt. Es darf nicht sein, daß man Wumdien mit Vitriol wasche. Zwischen Gesetz und Gesetz darf es keinen Unterschied geben, und deshalb müssen »He Gebilde, alle Organisationen und alile Vereinigungen.,' die sich über die Gesetze .erheben und für die die Regierung die Verantwortung offen nidit' tragen kann, deren Haushalt sieh aus un ge w i ss e n, Oit eilen nährt, mit einem 'Wort, deren Existenz nicht auf der Grundlage des Gesetzes aufgebaut ist, verschwinden.« (Stephan H a11 e r, der Schöpfer des Nume- ' rus clausus, des Rechtfertigungsverfahren« au der Universität, Protektor der studentischen Verbindungen der »Erwachenden Magyaren« anderer Pogrom Vereinigungen in der Sitzung wm 2i. Jänner.) Brief aus Riga. (Von unserem Korrespondenten.) n. R i g a, 25. Jänner. Das heutige Lettland besteht aus den ehemaligen russisch-baltischen Provinzen Livland, Kurland und Lettgalien. Die jüdische Bevölkerung zählt ungefähr ioo.ooo Seelen und ist auf folgende größere Zentren verteilt: Riga mit 30.000, Lübau mit 12.000, Dwinsk mit 15.000 und Reschitze mit 5000 Judenseelen. Die Differenzierung zwischen den Juden der einzelnen Provinzen ist ziemlich stark und läßt sich aus den kulturellen Verhältnissen erklären. Während dfie livländisch-kniriländische Judenbeit mehr dem Einfluß deutscher Bildung erlegen ist, erinnert der letbgallische Jude An den Tyipuis der litauischen JudemheiL Hier ist auch heute das Zentrum der strenggläubigen Juden, deren religiös-kurftureile Lebensweise nrdh immer die Formen der russischen Jüdenheit trägt. Nach der Bildung der lettischen Republik waren die Führer der Rigaer Jüdenheit vor allem bestrebt, die Vereinheitlichung der lettischen Judcmheit in gerne in deorgamisa torisch er Hinsicht dumchzutführen, dia bekanntlich zur russischen Zeit der De-stand von organisierten Judengemeinden verboten war. Noch während der deutschen Okkupationszeit wurden in den größerem Städten, wie Rtiiga, Libau, die. jüdische Gern ei ndeorgamisatiotn in Abgriff genommen und mach der Konstituierung der lettischen Republik auf demokratischer Grundlage durchgeführt. Vor aWem war die Rigaer Judengemeimde bestrebt, auch die Judenschaft der übrigen Ortschaften von der Notwendigkeit einer Gemeindeorgänisait.i'on zu überzeugen, um dtanm dem Zusammenschluß aller Gemeinden im. einen Gemeindebund duirchführen zu können. Als eine wichtige Vonarbeit auf diesem Gebiete ist die jüdische Hilfskomfereniz, die vom der Rigaer Judemgemeinde im Herbst 1920 einberufen wurde und an der alle Ortschaften, in denen nur jüdische Siedlungen vorhanden sind, teilgenommen haben, zu betrachten. Die genannte Hilfsikonfereroz hat sich außer mit Problemen der Hilf Stätigkeit auch mit der Frage der jüdischen Gemein.deorgar-isation als Zelle der zu erstrebenden si at io n a 1 -k u 1 tu r e«l 1 e w Autonomie befaßt. Zu diesem Zwecke wurde auch über Vorschlag der jüdisch-politischem Kommission, die seit der Bildung der lettischen Republik quasi als jüdischer National rat fungierte, dfie Durchführung der demokratischem Wahlen in die jüdischen Gemeinden wie auch die Einberufung eines jüdischen Gememdetages beschlossen. Der Gemeindetag hat atHi vor einigem Monaten stahtgefunden und den Zusammenschluß aller Gemeinden verwirklicht. An die Spitze dieser Gemeinde-Organisation wunde der W a a d H a k e h i 1 o t h, eine Art jüdischer Niartfion-alrat, gestellt, der unter anderen auch mit der politischen Vertretung der lettischen jüdenheit betraut wurde. Dem Waad HaCcehiloth wurde auch der Auftrag erteilt, eine spezielle Kommission zur Auisarbeitumg eines jüdischen Autonomieiprojekts t-Mizusetzen. Angesichts des Umstandes, daß demnächst die lettische Konstituante in ihren Beratungen über die Verfassung sich auch mit der Frage der Minoritäten-rcchte beschäftigen wird, hart diese Kommission bereits ein Autonomieprojekt ausgearbeitet und vor einigen Tagen dlem Jüdischen Nataonalratt zur Beratung und Beschlußfassung vargeiegt. Zu bemerken »st noch, daß im der Konstitutiomskommission des Parlaments von dem jüdischen Abgeordneten Dr. Hellmana (Zeirei Ziem) int Einvernehmen mit den Vertretern An die geehrten Abonnenten der „Wiener Morgenzeitung“. Neuerliche, nicht unerhebliche Mehrkosten unseres Betriebes, verursacht durch die Steigerung der Preise aller zur Herstellung der Zeitung notwendigen Materialien sowie der Löhne, nötigen uns, die Bezugsbedingungen den erhöhten Gestehungskosten anzupassen. Die Erhöhung wurde nur ln dem unbedingt nötigen Ausmaß vorgenommen und trifft nur unsere österreichischen Bezieher für das Ausland gelten die bisherigen Bezugspreise. Ab 1. Februar 1922 gelten folgende Abonnementsbedingungen : Bezugsbedingungen: Abonnement für Wien (zum Ajiholen im Expedit oder in der Verschleißstellen) monatlich .......... K 1200.— Oesterreich monatlich . . . . . . K 1200.— Tschecho-Slowakei monatlich . tschech. K 20.— Polen monatlich . . . . poln. Mark 600.— Jugoslawien monatlich .... Dinar 18.— Deutschland monatlich .... .Mark 25.— Rumänien monatlich ...... Lei 35.— Bulgarien monatlich ..Leva 35.— Holland monatlich ...... holl. fl. 1.50 Italien monatlich ....... Lire 6.— Schweiz monatlich. . . Schweiz. Frcs. 3.— Frankreich monatlich . ... . . Frcs. 6.— Belgien monatlich .... belg. Frcs. 6.— England monatlich ....... Sh. 3.— Amerika monatlich.Dollar 0.50 Einzelnummer ab 30. Jänner für Wien . K 45.— Montagsnummer.K 30.— Zahlstellen: Oesterreichlsches Postsparkassenkonto 150.693. Tscliecho-slowakisches Postsparkassenkonto (Prag) 59.351. Polnisches Postsparkassenkonto (Warschau) 190.227. Deutsches Postscheckkonto (Berlin W 7) 108.722t Rumänien (Czernowitz): Allgemeine Depositenbank Czernowitz. Jugoslawien: Postsparkassenkonto (Zagreb) 40.085. Italien: Societa di credito conunercialc Trieste, Via Mazzini 30. Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitungw Wien, 11., Taborstraße 1—3 Telephon 44.038, 43.319. der deutschen und russischem Minorität die Minderheitenfragen mehrmals berührt und Luch diesbezügliche Vorschläge gemacht wurden. Gegenwärtig soll die Frage der Au-tonomie vor da» Plenum der Konstituante gelangen umd im Zusaimimemhsmg damit wird die jüdische Abgeordneten* fraktion ihrem Vorschlag enst nadh Durchberatung mit dem Jüdischen Natkana^irait einbringen. Das im der letzten Sitzrung des National rates behandelte PmoijeJkrt ist nach dem Muster der jüdischen Autonomieverfassung in Litauen von dem gewesem-en lettischem Stiaatskontrollor und bekammtem russischen Staatsrechtslehren Magister M i n z, der gegenwärtig dien Vorsitz des Natfionalrates inmehaf, umd dem Abgeordneten Dr. Trohn (Zi-cnfist) umd Dr. HeMmann (Zeirei - Zionist) ausgearbeitet worden. Das Projekt umfaßt folgende Punkte: 1. Sohulangelegemlheiten, 2. Schaffung umd Ausbau der national-kulturellem Institutionen umd Z. soziale Fürsorgerin jenem Fällen, wo der Staat oder die lokailen Selbstverwaltungen die diesbezüglichen Bedürfnisse der jüdischem Bevölkerung nicht voll und ganz erfüllen. Bei der Debatte über dieses Projekt entwickelt« sidh eine längere Diskussion, in deren Verlauf der Rabbiner M. Nunolk (Misrachist) im Aufträge des Misrachi umd Agudas Jisruel zum Punkt 3. ein Amendement vorschliug; wonach in das soziale Wohlfahrtsswesen auch die »09 gehört der Jüdische - Nafionalkalendsr Herausgegeben v»n Otto Aböles uRd Ludwig Batö Reicher belehrender und belletristischer Inhalt. Beiträge der bedeutendsten jüdischen Schriftsteller. Vornehm ausgestattet und illustriert Zu beziehen durch den Verlag ^Wiener MorgenzeKimg" Wien, EL Taborstr&ase la Ausbau GSGA. HALASI & Co. » Wien, I., Seilerstätte Nr. 3 (Palais Coburg) Antike und moderne Deckung der Bedürfnisse für jüdisch-treln giö se Anstalten fallen soll. Nurolc er« klärte namens seiner Gruppe, daß die täglichen Bedürfnisse des jüdischen Löbens mit der Eigemoirfl der jüdischen Vo»!ksxeligiom etng verknüpft seien und aus diesem Grunde müsse die im Antonomieptrojekfi vorgesehene Verwaltung des sozialen Wchlfahrtsr wesen® auch das Gebiet der religiösen jüdische«. Institutionern umfassen. Das vom ihm vorgeschla« gerne Amemdemenit wurde auch mit 8: 6 Stirnmeri (3 Bund, 1 Volks.-partei, 1 Nation aildemoktrat, 1 Zeirei Ziep) Angenommen. In hiesigem jüdischen Kreise« istm*m fest überzeugt, daß die Konstituante dieses Aatonomicipnojckt, # welch es, nebenbei bemerkt, inj einer gleichlautendem Fassung aiuch von de« deutschem und russischem Abgeordnetem vorge« Schlagern wird, zum Beschluß erhoben und auf di es ei W eise die verfassungsmäßige Sicherstellung doc nationalem Mimderheitsrechte garantiert wCrderi wird. ■ \ Z-u erwähnen wäre noch, daß während delf/ ganzen Ze'irt des Bestandes unseres, Staatswesens die' kulturelle Autonomie tatsächlich besteht.; Beim Unterrichtsministerium bestehen nämilich separat? Abteilungen für die russische, -polnische, deutsche und jüdische Minderheit, die das ganze Schulwesen der ‘betreffenden Nationen verwalten. So wird das, ganze jüdische Schulwesen durchwegs von der jüdw' schon Schulabteitamg des Unterrichtsministeriums geleitet umd auch zum Teil aus staatlichen : Odert städtischen Mitteln erhalten. Zu den Mittelschule« der Minderheiten trägt das Staatsbudget nach der. gegebenen Stärke der betreffendem Mimderheiit bei-.-' Im jüdischen Schul wesen könnte viel mehr ge« leistet worden, leider behindern die Kämpfe zwischen) den Jkidisohisten umd den Anhängern des hebräische« •und des gemischten Schultypus eine gedeihliche Ent« Wicklung des gesamten jüdischen Schulwesens. Auch’ der Mangel an entsprechenden Lehrern 'behindert i« vielen Hinsichten unseren Sdhulbotrieb. , lm gesellschaftlicher Hinsicht ist die hiesige Jüdenheit in folgende Parteien differenziert: Zioni-1 sten, Zeirei Zion, VoEketparteL, Jüdische National dcmokTatcn (eine Art Wänawer-Partei), Aguda« Isroei und Bund. Die stärkste Partei ist die zionistische, die leider bren-un ihre -besten Energien auf den unnützen Kampf mit den »Zenrei Zicm« vergeudet hat. Der »Bund«, der hier zum rechte«' Flügel gehört, zählt außer einigen hundert jüdischen Arbeitern in Riga fast keine Anhänger. Die-jüdischen Natfionaldemokraten, der die früher jüdischrussischem Assimilanten amgehören, und die, infolge' des Umsturzes aus Konjunk-tuirgründein, das jüdisch« nationale Programm angenommen haben, sind hier, nicht besonders stank und zählen in den jüdische« Gemeinde Vertretungen eine geringe Anzahl von V er-, tretorn. Die Agud'as Jisroel hat hier unter Fühnimg des Rigaer Rabbiners Sachs versucht, die orthodoxe Jüdenheit für sich zu gewinnen, aber es Ist all ihren Bemühungen zutm Trotz nicht gelungen-, inai hiesigen jüdischen öffentlichen Leben eine führend« Stellung zu erlangen. In politischer Hinsicht ist die Lage der lettischen Jüdenheit keine besonders gute. Die Regierung fühnt eine systematische Verfolgung der jüdische« Bevölkerung durch- In der Naibu-ralisationsf-nage undim Wirtschaftsleben werden den Juden auf Schrittund1 Tritt Schwierigkeiten bereitet. Das, frühere' Ministerium U 1 m a n i s hat in dieser Hinsicht eine ganze Reihe von gesetzlichen Beschränikungen eingeführt und trotz der Bemühungen der jüdischest Abgeordneten ist es bisher nicht gelungen, bei dem jetzigen Ministerium deren Aufhebung zu erwirken» sodaß das Komitee der jüdischem Delegationen int Paris sich veranlaßt sah, die Beschränkungen def hiesigen Jüdenheit vor internationalem Forum zur Sprache zu bringen. Alis rücksichtslos muß das Vorgehen der lettischen Regierung gegen die aus Rußland zuirückikehrenden Juden, die während des Krieges von den russischen Behörden gezwungen wunden, Lettland zu verlassen, bezeichnet werden. So halben alle lettischen Vertreter in Sowjetmußland den Auftrag erhalten, in die Reevakufi»tion«stram«ponte keine Juden aufzunebmem, auch wonm de den Nachweis erbringen, daß sie in Lettland geboren oder in •den dortigen städtischen Registern eingetragen sind. Die Lage dieser abgewiesenen Heimkehrer, ist geradezu tragisch. Es sind Fälle vorgekommen, daß seihet jüdische Heimkehrer, die bereits in die Liste« •aufgenommen waren, während der Fahrt von den lettiichen Regiertengsorganen vom Transport ausgeschlossen wurden. Die kompetenten jüdische« Faktoren m, Auslamd müssen die AufmerksaumkeH: der zivilisierten Welt auf diese unmenschlichen Erscheinungen lenken umd sie veranlass ern, auf die lettische Regierung diesbezüglich einen Zwangau«-' zuüben. IfOLUflCKEN UND iUüPfR Karren- und Darccnußstiie, KearmnSni»!. fcraar3cft»ugu.etebmr®n, aüos «ntUasslfl uad biüls^t in Itfüih&Iunis üb Schiff mann ll..Tabopsli'aEls ^-1^1471? En oros mu En de sn?8 talr

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