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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-28 · Heft 1077 (28.1.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1077 (28.1.1922)
Date
1922-01-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 Wien, Samstag wiener MöRöüiszEi'fmm 28. Jänner IV3L Nf. 1077 Wie man Kaders bildet. Budapest, 27. Jänner. (Ung. Tel. Korr. Bur.) Der Leute vom Berichterstatter eingebrachte Gesetzenwurl über Arbeitsleistungen in Öffentlichen Aemtcrn bestimmt, daß jeder Staatsbürger verpflichtet werden kann» im öffentlichen Interesse Arbeiten zu leisten. Als Arbeit von öffentlichem Interesse qualifiziert der Entwurf solche Leistungen, die zur Sicherung der Tätigkeit der öffentlichen Behörden, Aemter und In s t it u t i o n e a erforderlich sind, ferner Leistungen, die zur Erhaltung und Bewachung von Öffentlichen Betrieben, weiters zur Abwendung von Elementarschäden notwendig sind. Personen unter 18 und über 45 Jahren können zu derlei Leistungen nicht verpflichtet werden, In der Regel sind diese Leistungen im Alter von 2 l bis 23 Ja hren zu versehen. Die öffentliche Arbeit kann höchstens 24 Monate in Anspruch genommen werden. Palästina. Ein arabisches Blatt gegen arabische Hetzer. Jerusalem, 25. Jänner. (J/C. B.) Das Jerusalemer arabische Tagblatt „Lissan el Arab“ berichtet, daß Hetzagenten unter den arabischen Massen neuerlich gegen die Zionisten agitieren mit dem Zwecke, Blutvergießen herbeizuführen, ln Jerusalem befinden sich — schreibt das Blatt —. bezahlte oder nicht bezahlte Agenten, welche den Auftrag haben, die öffentliche Meinung clurch (lerächte zu beunruhigen. Sie nü’zen dem arabischen Volke gar nicht, schaffen nur einen Abgrund zwischen dem Volke und der Mandatarsnacht und trachten, die Sympathien der naiven Massen für eine andere Macht zu gewinnen. Es ist uns bekannt, daß ein Agent die niedrigen Kaffeehäuser aufsucht und erfundene Geschichten erzählt; die Setzer unserer Zeitung kamen aus derartigen Kaffeehäusern und -berichteten, daß ein fremder Konsul in Jerusalem 20 Kisten Waffen . gefunden habe, welche den Juden zugeschickt wurden. Es ist Pflicht der Regierung, weiche einzelne Leute für Waffentragen zu zehn oder fünfzehn Jahren Kerkers verurteilt hat, vor allem den Mann zu bestrafen, der hinter den Kulissen Haß und die Keime von Unruhen' sät Arabische Statistik. Jerusalem, 25. Jänner. (J. C. B.) „P a I e s t i n e Weekly“ wird durch ein Eingesendet auf die arabische Statistik aufmerksam gemacht „Times“ brachten am 19. Dezember eine Zuschrift des Führers der arabischen AusIand*de!egation Mussa K a r i m, in der es heißt: Nach der letzten Volkszählung beträgt die Zahl der Juden in Palästina, 60.000 bis 70.000 gegenüber einer Bevölkerung von 800.000. Vor zwei Jahren haben die Araber angegeben, die Bevölkerungszahl betrage 700.000 Menschen, unter ihnen 75.000 Juden. Während der letzten zwei Jahre sind zirka 15.000 Juden eingewandert. Der Erfolg dieser Einwanderung ist eine Vermehrung der arabischen Bevölkerung um 100.000 und eine „Abnahme“ der jüdischen Bevölkerung um 5 bis 15,000. Bau eines Geschäftsviertels in Jerusalem. Jerusalem, 25. Jänner. (J. C. B.) Infolge des Am- Kaufes der großen Gründe durch die Palestine Developpment Co. ist der Plan aufgetaucht ein großes Ges eh ä f t s v i e r t e 1 zu errichten. Dieser. Tage fand eine Versammlung von Kauflguten statt,-welche die vorgeiegten Pläne diskutierte. Aus dem in Betracht kommenden Grundstück sollen dreistöckige Häuser gebaut werden, das erste Stockwerk ist für Geschäfte gedacht, die oberen Stockwerke für Bureaus. Ein Drittel des Platzes wird für Straßen und öffentliche Plätze reserviert Der Preis des Grundstückes beträgt. 230 Piaster (zirka 2l/2 Pfund) per Quadratpie. Derzeit schweben zwischen dem Komitee der Kaufmannschaft und der Palestine Land Developpment Co. einerseits und einer Jerusalemer Bank andererseits Verhandlungen wegen einss Kredits für die Bauten. Rundschau. Eine zionistische Emigrationskonferenz in Wien. Jerusalem, 24. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen“ Zeitung“.) Das Emigrationsdepartement der zionistischen Exekutive in Jerusalem gedenkt in nächster Zeit nach Wien eine E m i g f a t i o n s k o n f e r e n z, an der Vertreter aller zentralen Palastina-Aemter im Galuth teilnehmen werden, einzuberufen. An die betreffenden Palästina-Aemter sind bereits entsprechende Instruktionen abgegeben. Die ostgalizische Frage. Warschau, 27. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen- Leitung“.) Die P. P. 8. (Polnische Sozialdemokratische Partei) hat nach langen Beratungen ihre Stellung in der ostgalizi8Chen Frage präzisiert. Sie verlangt für Ostgalizien, das Naphthagebiet mitinbegriffen, die territoriale Autonomie. Der Vorschlag des Vertreters der Lemberger P. P. 8.» Abgeordneten Hausner, auf Erteilung einer kulturellen Autonomie, wurden mit allen gegen zwei Stimmen abgelehnt. Der P. P. S.-Klub im Sejm wird demnächst sein Projekt im Sejm einbringen. Zugleich wurde auch beschlossen, den Ministerpräsidenten Ponikowski über die Stellungnahme seines Kabinetts zur ostgalizischen Frage zu intervenieren- Mitteilungen aus dem Publikum. Ester Rosner Mendel Nußbaum Chrzanöw Wien Verlobte 8133 Aviso für aus dem Speisen am Ro$t*am Spieß Zu jeder Tageszeit ira 152 i .Bukarest* ii i&UKiiäiii&yu ß Wien, L, SaSvatorgasse Mr. 10 (nächst Wipplingerstraße und Hotel Metropol) verbunden mit erstklassiger Wiener Küche Eehi© Jigerwisdse Aiberl M.dftzner, Wien,Kohlm essergasseS Trotz Teuerung kaufen s?e am besten Im HerrenkBelderhaus I fljnflawl Hesnrficn Weinberges* L, üllHjdli! 7*<TO 157 -TILES-PMIIU Telephon 15-5*35 Telephon 15-5-35 Knisbacher L Windschauer, Via, I.. IiHüU 6 o'rrSar/T’t -m« -V?nvi am Export nach allen Staaten!* * Adebar kam schon zurück Aus dem fernen Afrika, Kündet Freude an und Glück: KUNEROL ist wieder da! KW Krakau, 27. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“). Der Innenminister Da wnaro wicz erklärte während seines hiesigen Aufenthaltes in einer Pressekonferenz, daß die gegenwärtige Regierung die Tendenz verfolge, in Octgalizien eine Pazifizierung der n a.-t'i onälen Zustände durchzuführen. Der ukrainischen Bevölkerung soll es unter polnischer, Herrschaft nicht ärger ergehen, als zu österreichischen Zeiten. An die Wojwoden sind auch in diesem Sinne Instruktionen ergangen. Er hoffe, daß die LokaJbeliörden alles vermeiden werden, was irgendwie die ukrainische Bevölkernng reizen könnte. Amerika kommt nicht nach Genua. London, 27, Jänner. Das Reutersche Bureau meldet aus Washington: Von zuständiger Seite wird mitgeteilt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten nicht b e r e i t s ei, an der Konferenz von Genua, die zu dem vorgesehenen Zeitpunkt stattfinden wird, teilzunehmen. amerikanische Regierung würde dem Plan, eine Wjrtschaftskonferenz später abzuhalten, das heißt, wenn /Epropa wieder zu stabilen Zuständen gelangt sei, günstig gegen üb erstehen. Die Wahlergebnisse in Wilna. Wilna, 27. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) H»er wurden die offiziellen Wahlresultate veröffentlicht: Die -Nätionaldemokraten haben 40 Mandate, die Volksräte 29, die Volkspartei 12, der demokrati- Block 9, Erneuerung 17, P. P. 3. 2, polnischer Demokrafenklub I, Volksgruppe in Brazlaw 6 Mandate erlangt Der Sejm wird somit 106 Abgeordnete zählen. Keren Kajemeth PJisrael, IL Taborstraße 59; Telephon 40*3-18. —« Spendenausweis Nr. 3/3 vom 25. Jänner 1922: K 46.413.76. Im Jahre 1922 insgesamt ’K 1,353,726*93. 1L Bezirk: 8mlg. David Horöw!t2 anl. Hochzeit Roza u. Salo Weltseh: Brautpaar 20.000, Hochzeltsgäste 10.000, zus. 30.000; Mendel Kohn 2350, Dr. Samuel Auerbach 1200, Div. 4114; VI. Bezirk: F. Sonnenschein777.50; Div. 6268.72; IX. Bezirk: Chaluzimhelm 660.18; XI1./XV, Bezirk: A Zahler 514.36, Dr. Nusin Geier 500* Tagesbericht. Wiener Gemeinderat. (Sitzung am 27. Jänner.) In der .gestrigen Sitzung kam es gleich' m Be» ginn anläßlich des Referats Richter über cdmeu Kredit von 150.000 Krön an für die Gril Ipamze» Fcier zu einer .lebhaftaa Szene. Gemeinter iti Kun'scl.ak lügte nämlich, daß der Gemeinderat durch den Bürgermeister von driesor diuirch dio Könwmunie iin Burgtheater verunstalteten Feiex aiutsgesächilosseriein war. Ankniipfenid an diese Tstssclhe leugnete Kumiscbak da«,geistige Interesse der gegen« wafügen: kommunalen Macht halber, indem er damaul vea.y/ies, daß der Bezirksschulrat ganiiz parteiisch’ eiin' Volksbuch über Dr. Lueger auis der Schüler» bibliothek ausgeschieden hat. Der Referent wies die; Angriffe .ziurüpk, indem er einerseits bemerkte, daß jeder Gemeinde rot, wenn er zur Grillparzer* 'Fei;er ^hätte gehen wollen, pihneweiters die Ein* ladung. erhalten hätte. Die ganze Angelegenheit: wäre in der Oeffentlichkeit gar nicht beachtet! worden», wenn nicht die »Reichspost« die Sache nach der Richtung a-ufgebaiuscht hätte, daß gerade »Esther«, das »jüdische« Stück, aufgeführt worden! wäre. Dabei vergessen die Herren, daß gerade dieses Stück von höchstem K turnst wert ist. Bezug-» Heb der Ausscheidung des Buches über Lueger; sagte der Referent, daß dieser Aßet im Eimwer» nehmen beider Parteien , im Bezirksschulrat durch» geführt wurde, weil das Buch dem niedrigstem PeTSone n k u 1 t u s huldige. An eine Schmäler innig .der wirklichen Verdieruste Luegers haflxs dabei niemand gedacht» — Hierauf wurde die Pßfct; auigeuojnmen. ' Nach kurzer Dobaitlte, in',der über die ungenügende Straßenbeleuchtung Kritik geübt wird, wird nach einem Berichte des Gemcindorates Schneider, ein. Zu&chußkredit von 14,400.000 Kronen für das zweite Halbjahr 1921 zur Deckung des umbededciien Mehrerfordornisses für die öffe-nt« liebe, Straße^ulxleuchitiuing bewilligt. Nach einem Referat Professor T an d 1 er S wird einer Reform der Verköstigung für Pflegling« und. Angestellte in den städtischen Humana* tätsanstälten mit Ausunihme der Kinder- und Jugend* ans lallten zugestimmt; Hioraaif wunde dös auf die Gemeinde Wiets entfallende -unbedeckte Erfordernis für die zweite Auszahlung der Zuschüsse nach dem Abbaugeseta mit dem Betrage \xm rund 17,000.000 Kronen genehmigt und’ das von der Gemeinde Wien zu bedeckende Mehrerfordemis im Betrage von rund 13 -.Millionen Kronenauf den Reservefonds verwiesen.' Desgleichen werden die Bezugserhöhimigeni lür die KöHektivvertragsbedieusteten der städtischen Straßöhibahhen* und der städtischen ICraf»t> ' stell wagenunternehimung genehmigt. N-acih Gewährung zaihlreicher Kredite und Zun Schüsse wird schließlich die Paiuschalontschädigung der Arbeitsgernossenschafe der Kanaliräumer Wiens für . die Besorgung der Kanalräum ungsarbeitein auf demGesamtgebiete von Wien für die Zeit vom i. Juli 1921 bis 30. Juni 1922 von 161,422.946 Kronen um 125,911.986 Kronen auf 287,404.932 Kronen erhöh t und die Sitzung sodann geschlossen, . » , ■■. jfldisclie Pionierarbeit in Palästina. Wie bekannt,, halben vor kurzem die ersten Okküij>ationisa.rbeö'toh auf den vom Jüdischen National fonds neu erworbenen Ländereien in Eniek Jesreeil Legem« tun. Wie schwierig die erste Arbeit »auf den zu erschließenden Böden ist, geht aus‘einem Schreiben eines Arbeiters aus MahluI hervor, den eine palästinensische Zeitung vexöflciidicht. Darin heißt es: TAls ich anJcam, war wegen des Regens und der.^hJcelhten Wege kein 'Wagen aan Bahnihof. So mußte ich zu Fuß durch den Schlamm zur Siedlung geben. Menne Sachen ließ ich am Bahnhof. Hier konnjte iah mxh nicht in Ordnung «kommen wegen des Mangels a n Zelten und andere^ Gebrauchs!gegenständen, idh habe auch noch kein Bet t, ln der ersten Zeit hat man Botten gekauft, wenn auch keine guten, jetzt ist kein Geld da» daher kann man nichts 'kaufen. Leberhaupt wird jetizLnicbos mehr allgemein eingekouft, sondern jeder, einzelne muß auf seine eigene Rechnung alles, was er braucht, -bestelleAi-; Ich habe mich im Zdi eines Genössen einfiuatitiert, bis iah Geld haben werde, und an. Stelle eines Bettes nahm ich zwei Brettof u,nd zwei Klötze, welche vorläufig als Bett dienen können. Ich habe einiges Geld aufgetrieben» das ich dem S. schicke* der es miir für die Reise geliehen hat. Die Arbeit hier trug bisher einen provisorischen Charakter. Erat jetzt beginnt-man eine geregelte Arbeit zu' organisieren. Man »beginnt zu pflügen, Steine zu behauen für die Gerne in Schaftsgebäude, mit deren Bau man bald »beginnen wird, •und .demnächst wird man auch an den Bau der Straßen schreiten, welche die Siedlung mit der Ohausse. Haifa—^Nazareth verbinden sollen ... All« wohnen zu zweit in Zelten. Als Eßzian>me>r dient auch ein großes, viereckiges Zelt» dann ist eia -pyramidenförmiges da für die »Küche, Wai&chr-aum und Vorratsräu-rne, und jetzt baut man noch einen Raum als Stall. Gegenwärtig sind' etwa 50 Mann hier, .die Familien befinden sich-in Naizareth. Das Essen ist nicht schlecht, aber es wird wohl sehr t e u e r kommen. Der Gesundiheitsztustandi if«t gegen-

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