Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1073 (24.1.1922)
- Date
- 1922-01-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 V.'k WIENER MORGENZEITÜNOJ '(\r*;* r t^ - t-. L tOi Kultur, jüdische Geschiotote. ' In der vergangenen ,Woche hat unter großer Bet-eiiiig'umg der Kurs von Dr. Leo Mayer über Geschichte der .arabischen Kultur, Dr. Klausner über Entsteinung .des 'Christentu-ra s twiid/ Professor D ü n a *b oi r g v. über , Rom und Jerusalem in der Geschichte/ begonnen.. (J. c. b.) *;• Mitteilungen aus dem Publikum. . Begine Bali!! Sßhi Hißiißeldißls-SoüM Wien, II . Wien, L . ' ' Verlobte , ' V . Jänner 1922 8526 Eine große Spende für den Herzl-Wald. Der Zentrale des Keren Kajemeth Lejisrael in Wien wurde im Aufträge der Sammlerin Frl. Beiläh Heger aus New-Yprk durch einen Ueberbringer, ath Sonntag den 22. di M. den Betrag von 45 Dollar (Tageskurs zirka K 367.000) übermittelt. ’* as Neueste ist. .. Das Neueste ist nämffich, daß der bessere Teil der Kaisersemmel zu ums zurückgeikehrt ist. Man hat ihm zwar heiine Triiiumphpfortetn gebaut, aber sicher ist. daß die Herzen ah er legalen Staats- »bürger hoher schlugen, a&s sie dias erstemal wieder dlie Strizzel, Kipfel, Paunzerl und wie die hohen Herrschaften ecrnst noch heißen, begrüßen komuten. Da lagen sie in ihrer blonden 'Sdhöniheit,* still und harmlos, als wäre es immer so gewesen, und dlie überrasclhteri Käufer konnten nicht schnell genug die 35 Kronen izücken, um die' plattoische Wieders^hensfreude zu einer 'handgreiflichen Vereimgung zu gestalten. Das heißtj an HandgreifiicMceit fehlte es vom vornherein nicht. Mai^ hält ja bei uns bekanntlich noch auf guten alten Brauch ■und kaum war die erste Wiedersebensfrou'de üb erstanden, so begann auch schon ein Drücken, Quetschen, Prüfen. Mitunter erwies sich die.Bäckerin rö&ciher als die Semmel. Sie schwang kniegsgewohmit die Fahne der Hygiene und ließ die Kundschaft wissen, daß wir. g'ptU lob, nicht mehr in jenem Zeiten leben, da. der Käufer etwas zu reden hatte. Der. also Belehrte versank wieder, ins Nichts seines Veribrauche-rdasei-ns und fand nicht einmäi! mehr den' Mut, darüber machudeniken, warum man für eine Semmel, deren Verkaufspreis mit 30 Kronen festgesetzt ist, strichweise 35 Kronen bezahlen muß.; Uebrigens ist das ganz gut, denn wenn er naohgedacht. hätte, wäre er auch meint darauf gekommen. So ist alles, ■zufrieden, die Leute, die sich die Kaisersemmel zu Ge-, sniite führen können, und die anderen, die sich mit einer Fern Wirkung aufs Gemüt begnügen müssen.. Mütter' Dringen ihre Kindein den '-> 1 rladen und L-dehren1 sic: So sieht ein Kipfel aus, so ein. Paunzerl, dieses langgestreckte Ding heißt Safestar.gerl. Weit sperren die Schüler Mund und Augen auf, am aUerwcitestea, wennder eine oder andere Erwachsene wehnvuTsv >11 sagt:' >Können Sie sich noch erinnern, wie der. Bäcker einem; zweimal täglich frische Semmel; sieben Stück mm zehn... Kreuzer, ins Haus gebracht hat?c Vielleicht erzählen diese Kinder, wenn sie selibts Mütter und Väter ge-1 worden sind, einmal ihrem Kindern: 7>Es war einmaleine Zeit, da kostete in Wien eine Semmel 35 KrotnenC - und die Kinder antworten darauf: 7? Me in Gott, in der; guten alten Zeit, da war’s halt billig!« Kater Murr.; * Sterbefali. Herr Jakob Roth, welcher ani 15. d.-AL” in Rosenberg beerdigt wurde, war ein Mann von ausgesprochener Herzensgüte und von jedermann, der ihn ‘ kannte, geschätzt und geehrt. Die Chewra-Kädischä verliert durch den Heimgegangenen ihren langjährigen Präsidenten. ''' ' ' > * Wiener zionistisches Lokalkomitee. Die nächste ‘ Sitzung findet morge n, den 25. d. M., p r ä z i se 749. Uhr a b e n d s im Bureau des zionistischen Landeskomitees, Wien, II., Zirknsgasse 33, statt. Die , Herren Delegierten werden gebeten, . zu dieser Sitzung, die den Bezirkssektionen übersandten ' Fragebogen ausgefüllt mitzubringen. Die Bezirkssektionen werden neuerlich darauf aufmerksam gemacht, daß für die gewählten Delegierten nur ausnahmsweise. Vertreter gesendet werden dürfen, und daß diese, lediglich mit beratender Stimme an den Verhandlungen des Lokalkomitees teilnehmen können. ■ ' ' * Begräbnisse am heutigen Tage. A 11 e r F r i e dh 0 f: 9 Uhr Pick Sigmund, 9 Uhr 30 Min. Szalith Rosä;. 10 Uhr Messing Klara, 10 Uhr 30 Min. Brünner Breindl. — NeuerFriedhof:9 Uhr Berkovits Henriette, 10 Uhr Steiner David, 10 Uhr 30 Min. Schall Therese. — D ö blinger Fried hof: 12 Uhr Stern Rosa. * Vom Keren Kajemeth Lejisrael. Die für Mittwoch den 25. d. M. um %7 Uhr ängekündigte Sitzung der Nationalfondskommissäre mußte aus technischen Gründen für Donnerstag, den 26. d. M. um %7 Öhr abends . (im Büro des Keren Kajemeth) verschoben werden. * Die Jugend für das Alter. Heute, Dienstag, Vs6 Uhr, findet im Zentralausschuß der Wiener Jugend (1. Wallnerstraße 9) die Vollsitzung aller Schul- und Organisationsdelegierten statt; um sicheres Erscheinen wird gebeten. Während die Sammlungen in den Wiener Schulen ihren erfreulichen Fortgang nehmen und die Gewerbeschulen allein K 121.000, als erste Rate abgeliefert haben, haben zwei Bürgerschüler in Baden bei Wien auf eigene Faust tür die Greisenhiife gesammelt und das Ergebnis von K 17.000, bereits dem Zentralausschuß 'abgeliefert. Der Jugendausschuß war bereits in der Lage, aus den ihm zur Verfügung gestellten Lebensmitteln 200 12 kg-, Packete den bedürftigsten Greisen und Greisinnen zuzustellen und gedenkt diese Aktion bis auf weiteres Jede Woche zu wiederholen. * Der Teilstreik der Reügionslehrer der Kultus-. gemeinde. Die im N e b e nberufe bei der israelitischen Kultusgemeinde beschäftigten Religionslehrer, die ajl öffentlichen Voiles- und Bürgerschulen unterrichten, haben; wie bereits gemeldet, wegen Nichterfüllung ihrer Forderungen beschlossen, ab Dienstag den 24. d. M. in den Streik zu treten. Diese Lehrer erhalten für die erteilte Unterrichtsstunde K 40 bis. 50, während zum Beispiel die Französischlehrer bei der Gemeinde Wien, welchen sie bisher gleich- > gestellt waren, mit K 400 bis 500 für die einzelne Unterrichsstunde honoriert werden. Es kommen zirka 28 Lehrer in Betracht. Ein Streik dieser Lehrer würde mit Rücksicht auf die bevorstehenden Klassifikationen in in manchen Schulen eine namhafte Störung des allgemeinen Unterrichtsbetriebes bedeuten. * Neufestsetzung der Postgebühren. Auf Grund der mit Beschluß des Hauptausschusses des Nationalrates wird die im § 80 der Postordnung bestimmte Abfertigungsgebühr bei Paketen mit Wertangabe neu festgesetzt, und zwar bei“ Wertangaben von mehr als K 8000 bis 100.000 mit K 60 und bei Wertangaben von mehr als K 100.000 mit K 100. Bei Paketen mit einer Wertangabe bis K 8000 wird keine Abfertigungsgebühr erhoben. Ferner werden die nachstehenden, in der Postordnung bestimmten Gebühren mit folgenden Beträgen neu festgesetzt: Eilzusteügcbühr für Pakete nach Wien bis 5 kg K 100, Über 5 kg bis 10 kg Zur Verlobung ' des Herrn Salo Himmeldank-Goldhirsch mit Fräulein Regine Laiin gratulieren herzlichst : 5927 '-*■ Geschwister Friedberg,1 Landmann und Goldhirch Herr 11. Frau Leo Hirschler zeigen hiemit allen Verwandten, Freunden und Sporteiner kräftigen Kollegen die vJGUUll Tochter an Wien, XVIII., Jänner 1922 ,9306 Efillaifgii. Psrlgfl,Juli, Pli, Sijili falsche Zähne ■ kauft von Händlern, Juwelieren, Zahnärzten utid Privaten E Weitfirma Juwelier RAB1NOWETSC» "MZ I., Mahisrsiraße Nr. 5 II./ Hollahdstraß« Nr. 3 Telephon 3541 (frühere Stephantsstraße) : . Haltestelle Operprltig Telephon Nr. 45145 Zugang Kärntnerstraße Man beachte die große Straßenuhr Samstag geschlossen ira.elgepen Hause Nr. 3 5820 Telephon 15^5-35 DTT^/^ Te ephon 18-! 5-35 Knisbaciier ftHUindsthauer, Wo, I Jiütwsie 6 . }!?ui8D pVwt .tsrjrp. OWfoWTT'liW 8964 IExp 0 rt nach all e.n‘ Sta aten!> K 150, über 10 kg K 200; . nach allen übrigen Orten bis; 5 kg 75 K> über 5 kg K 100; Lagerzins für Pakete und' Wertbriefe K 10; Gebühr für. die. gewöhnliche Zustellung : eines Paketes Ohne, oder mit Wertangabe in Wien bis 5 kg K 75/über 5 kg'bis T0 kg K 125, über 10 kg K 175; : in Orten, in - denen die Pakete ohne Rücksicht auf das Gewieht zugestellt werden bis* 5 kg K.50, über Ä kg K 75 in den übrigen Orten.bis kg K 25 über 5 kg 50 K; Ge-', bühren für den Vorbehalt der Abholung von Paketen: a) Päketsachgebühr: in' Wien K 1000, in allen übrigen Orten K 500;-b)‘Stückgebühr K 5. . * Falsche tschechische Fünfernoten in Wien. Es wurde kurz berichtet, daß in Wien in den letzten Wochen falsche 5 K.-Noten in. Massen aufgetaucht sind. Sie weisen durchwegs die gifeich^n Merkmale ” auf und es ist wahrscheinlich, daß es hier noch weit mehr Falsifikate gibt, - als bisher beanständet wurden. Die Noten stammen durchwegs'aus der gleibhen Quelle,’ die aber bisher nicht aufgedeckt ist. Ihre Merkmale sind: L Die parallelen Kreis-, linien, durch deren Verstärkung das rote Notenbild der Vorderseite entsteht, sind minder scharf und nicht in der gleichen Entfernung beim Falsifikate, bei der echten” Note sind, wie das mittlere Schriftbild am besten zeigt, die . Kreislinien voneinander immer gleich weit entfernt und sehr präzise, ausgeführt. 2. Die auf den Falsifikaten befindlichen; Köpfe zeigen einen entstellten Gesichtsausdruck. 3. Der unter der Textschrift des Falsifikats befidliche Fonds ist ■ sehr undeutlich dargestellt und wirkt sehr unruhig, während! er auf der echten Note sehr präzise durchgeführt ist. 4 Das Notenbild ist auf beiden Seiten in der Längsrichtung um zwei Millimeter kleiner als das auf der echten'Note. 5. Der Rand des Falsifikats wirkt auf der Vorderseite lifchter als jener der echten Note., 6. Der Untergrund der Rückseite ist beim Falsifikat in rotbrauner Farbe gedruckt. 7. Die Farbe der Haüptzeichnung der Rückseite ist beim Falsifikat ein.rötliches Blau, bei der echten, Note ist das Blau grünlich. Von allen diesen Erkennungszeichen sind die unter 2. und 3.- angeführten die wichtigsten. Bei der ' Annahme tschechischer 5-Kronen-Noten ist, ganz besondere Vorsicht geboten. * Oeffentliche Handelsschule Allinä, Am 3. Februar d. j. werden ein viermonatiger Sonderkurs für kaufmännische Fächer und für Bankwesen sowie auch Lehrkurse für Stenographie und Maschinschreiberi eröffnet. r Prospekte , und . Aufnahmen in der Schuikanzlei; L,; Rauhensteingasse 5. * Nach-Amerika (Nord- und Südamerika) fährt man am raschesten und bequemsten über Bremen. Auskünfte erteilt Norddeutscher Lloyd, I., Kärntnerring 13 (Grand- Hotel), IV., .Wjednergürtel 10. (Siehe heutiges Inserat.) * Die bevorstehende Wiedereröffnung des Centralhotel-Restaurant, Wien, 1!., Taborstraße 8a, und Große Mohrengasse 3a,'hat hier die Bedeutung eines Ereignisses gewonnen. Das Etablissement wird morgen den 25. d. M. eröffnet. Der neue Besitzer desselben, der auf dem Gebiete des : Restauratiohswesens bestens bekannte Fachmann Herr t F rkas aus Preßburg, hat mit ‘einem Aufwande großer osten das Lokal aufs Eleganteste herrichten lassen, und es hiedurch irr die Reihe der erstklassigen Restaurants Wiens gestellt. Die streng rituell geführte ungarische Küche mit allen lukullischen magyarischen Spezialitäten und 'Weinen wird sich bald ein großes und treues Stammpublikum erwerben, was durch die zivilen Preise und die solide aufmerksame Bedienung nur gefördert werden wird. Das Restaurant trägt einem wahrhaft fühlbaren Bedürfnis Rechnung und ist der TreSpunkt der ungarischen, slowakischen und rumänischen vorrfefirnen Kaufmannschaft. Vereine, Vorträge und Versammlungen. Jüdische Ti s.c hg e s e.11 s c h a ft Landstraße. Nächste Zusammenkunft Donnerstag, 26. d. M., um 8 Uhr abends 'im Caf6 Gartenbau, Souterrainlokal. Programm: 1. Die wirtschaftliche Not der Wiener Kultusgemeinde. 2. Referat über die jüdische Frauenbewegung. — Sodann gemütliche Unterhaltung mit Lieder- und Klaviervorträgen. — Gäste, willkommen. — Zionistische Sektion IX. Dienstag, 8 Uhr, Ausschußsitzung im Sektionslokal. —Wohltätigkeits-Akademie zugunsten der jüdischen Pfleglinge der Wiener städtischen Versorgungsheime. Vorgestern fand in der T o y n b e e h a 11 e, XX., Denisgasse, eine. Akademie arrangiert von den Damen Frau P e t j a n, Frau Deutsch, Frau Blond und FrairJ. Weiß, zugunsten der in den Wiener städtischen Vorsorguitgbheimen befindlichen israelitischen Piieslinue statt. Das Programm wurde eingeleitet durch eine Begrüßungsansprache 'des Herrn Nimhäuser, der an die Erschienenen die Aufforderung richtete, das schöne Werk durch Spenden reicliiich^zü unterstützen. Dann folgte ein Einakter »Die Gouvernante" von Körner, gespielt von den Damen Hilde und Erna Pickstein und Fräulein Schargel, Kläviervorträge des kleinen Teddy und der, Ilona Petjan, Rezitation des Herrn Ludwig Dickstein und nfoderne Tänze der Kinder Hirsch! sowie der Vortrag eigener Dichtungen des Herrn Dr. Rieß. Zu nennen sind ferner Gesangsvortr.ltge von Fräulein Herta Schneider und pianistische Darbietungen der Frau Dr.. Oplatek. Der Reingewinn beträgt ungefähr K 300.000. Dem ' vdp vielen Seiten geäußerten Wunsche entsprechend, diesem wohlgelungenen Abend weitere Veranstaltungen folgen zu lassen, beabsichtigt das Komitee als . nächste Veranstaltung einen Purim-BalLzu arrangief.cn. in der Urania wird. heute folgendes Programm geboten: 5 Uhr (Großer Saal) Indien. — V*6 Uhr (Kleiner Saal) Geschichte und Kultur der Sudetendeutschen, IL Holrat Professor Dr.‘Rudolf H u c h :. Die Vorgeschichte der Sudefenländer. — '46 Uhr (Kurssaal) Dozent Dr. Oswald Muck: Die Biene als-Haustier, H. —Va6 Uhr (Klübsaal) Dr. Josef . Z u t h: Instrumentalkurs . für Gitarren- und Lähtenspiel, VII. -r '/,3 Uhr! (Großer Saal) Dr. -Jösef B e r g a üe r: Johann Nestroy. — '%& Uhr. (Kleiner Saal) Die Relativitätstheorie' in gemeinverständlichen EinzeldarsteUugen,- III. Dr. Fritz B-e e r: Die Relativität der Gleichzeitigkeit. ■— l/»8 Uhr (Kurssaal):. Dr. Karl Ferri: Die naturwissenschafilich-einheitiiche Weltanschauung, L — 7,8* Uhr (Klubsaal)' ’Dr. Josef Z u t h: Instrumentalkurs für Gitarren- und Lautenschiel, VII. — 7 Uhr (Mikroskopiersaal) TJniv. Assistent Dr. Alfred Lim b e r g er: Anatomie der Pflanzen, XL; , Ernährung. Viel Fleisch — wenig Absat«. In der Großmarkthalle stand gestern ein sehr großes Fleischangebot zur Verfügung. Außer den vorrätigen 50,030 Kilogramm Rindfleisch waren 11 Waggons, enthaltend verschiedene Fleischgattungen aus Jugoslawien, Ungarn, Polen und Oberösterrqich, eingetroffen. Der Absatz hielt sich jedoch in sehr bescheidenen Grenzen und man erwartet - wegen des stockenden Geschäftes, namentlich beim Rindfleisch, einen Rückgang der Preise, die gestern sowohl! m Großhandel als auch im Kleinhandel unverändert geblieben waren. — Auf den Grünwaren« m ä r iet e n waren die Zufuhren schwach ausgefallen, doch konnte wegen der geringen Nachfrage mit den Vorräten das Auslangen gefunden werden. An guten Kartoffeln herrscht noch immer Mangel. Die Preise blieben im großen und ganzen auf der Höhe der Vortage. Freie jüdische Volksbühne Gastspiel lm Lnstspieltheater 4280 Sondervorstellung zugunsten des Vereines Jüdische Kinderfreunde V.8Uhr abend.: IZKs!, M SCltllli@d . fitr Das Theater Ist gehetzt! "SSI Bühne und Kunst. Deutsches Volkstheater. (Zum ersten Male „L u l u*, 5 Akte und: Prolog voft , . Frank W e d e k i n d). Satäfi und Scharlächmantei mit Peitsche und Browning lädt in grimmig-hoiprigen Versen ein p. t. Publikum ein, das größte Wundertier, das gefährlichste Tierchen zu beschauen, das Weib. Was dann folgt> hat Wedekind als die Tragödie des Weibes, empfunden. Er war kein Macher und hat darum recht unbeholfen zurechtgezimmert, was er von dieser Tragödie auszudrücken .verstand. Einiges davon ist groß geraten, so dasweibliche Credo des „Ich weiß nicht- oder der Aufschrei des-Weibes, das nicht käufliche Dirne sein känn, weil es stets aufs neue liebende Dirne ist Anderes wieder ist kläglich, manches überflüssig, etliches unerquicklich, -aber das Ganze rührt und packt Die Linie von „Frühlingserwachen“ über jenes Weib Lulu zur Effie in „Schloß Wetterstein“ ist deutlich, manchmal zu deutlich, zu begrenzt und zu begrenzend, aber es ist Schwung darin. Man sollte aber doch den Wedekind dieser drei ,Dramen nicht spielen; den es gibt zu viel Philister, zuviel bürgerliche Moralschwindler und die suchen sich immer wieder; die Rosinen aus dem Kuchen, wie sie ihnen behagen. Ihre Entrüstung hat einen übelriechenden Atem, ihr Behagen aber auch. . Das Gleiche gilt von der Aufführung Im Deutschen Volkstheater. Sie ist auf eben diesem moralischen Effekt gestimmt; der. die bürgerliche Moral wohllüstig aufzucken macht Vielleicht läßt sich doch ein „Reigenver.bötchen* herausschinden?! Damit sei nichts gegen die Lulu der Frau Roland gesagt, weiche sich bemühte Lulu zu 5.»'n. Daß ihr das Ursprüngliche, das Naive, fehlte, das kommt daher, daß Frau Roland glaubt, mit einem technisch mehr oder weniger gut geschulten Kunstverstand alles erfassen zu können. Lulu ist sie aber nicht, eher eine Art Kommentar zu Wedekinds Gedanken, als er die Lulu- „ Tragödie schrieb. Kommentar heim Schauspieler ist immer ein .schwächer Ersatz für fehlende Gestaltungskraft. Es war ‘eine elegante, eine interessante Lulu, aber glaubhaft war stie nicht Eine Sünde gegen den Dichter aber war alles übrige, was sich um diese Lulu bewegte. Die Regie gab statt aufdringlich kitschigen Prunkes armselige Großartigkeit, die zu kitschig war, um echt kitschig zu wirken. Sie wirkte nui lächerlich, besonders das Szenenbild des IV. Aktes mit den ungeheuren Bogendurchgängen, die aus einem Riesen- Anker-Steinb^ukasten zu kommen schienen. Dem unwahr ärmlichen Szehenbild. entsprechen die einzelnen Figuren : Ein dezimierter Alvä, ein provinzieller Casti Piani, ein aufdringlicher Schigolch. Herr Klitsch hatte als Dr. Schön wenigstens Figur; warum muß er ewig Passagen > sprechen? Einiges Mensfchliche gestaltete Herr S i m a als Maler und einigermasseh menschenähnlich waren Herr Ziegler als Medizinalrat und Fräulein Trebitsch als Baronin Geschwitz. Unerträglich schleppender Gang . der Handlung, welcher -nach der Ansicht" der Regie wohl die Geschehnisse unterstreichen sollte, verödete die Aufführung, gänzlich. Man Sollte doch lieber Wedekind nieW spielen, sicher nicht s o soiden* L» 8. ,