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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-24 · Heft 1073 (24.1.1922) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1073 (24.1.1922)
Date
1922-01-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sefte 2 Wien, Dienstag 24. Jänner 1922 ttr. tm Für Ausstattungen* Chiffone, Bettücher, Weben, Damastgradl, inlete und alle Leinenwaren bringt als besondere Uelegenheitskäufe die Restenv8rkaufsgesell$chaft,Vl.,Windmiihlgasse2 'Vertragstreue und gegen dem Militarismus sein Volk unter die Waffen zu rufen, so kämpft es heute mit der gleichen unbeugsamen Energie /für den Wiederaufbau der zerstörten Welt und für die Solidarität Europas. .Mart wird Lloyd Georges- Rede als eine Wahlrede bernbzusetzen suchen. Darin liegt aber die größte Anerke-tmtung für «ein Friedens winken und für seine Kenntnis der englischen Volksseele. Wen« die Stimmung in England so stark für die Volk er Versöhnung siah aais- . spricht, daß eine so lohe Wahlparole von dem Chef der Regierung ausgegebem werden muß, ctanin ist da» gut für | die Sache des Friedens. Es wäre ziu wünschen^ daß auch in anderen St malen da«' Bekenntnis kirn Frieden die Basis für öffentliche Verhandlungen werde. Der englisch-französische Garantievertrag. Ausdehnung auf Mittel- und Osteuropa. Paris, 23. Jänner. (Havas.) Wie der „Petit Parteien“ aus London meldet, soll sich die englische Regierung nicht ablehnend verhalten, in das abzuschließende Garantieabkommen eine Bestimmung aufzunehmen, wonach jeder Zwischenfall, der sich i n Mittel- und Osteuropa ereigne, den Gegenstand eines Meinungsaustausches zwischen, Paris und L ndon zu bilden hätte, um in gewisser Hinsicht zu einer gemeinsamen Politik zu gelangen. Oesterreich. Das Kabinett Schober. Aus parlamentarischer Quelle wird mitgeteilt, daß die in Umlauf befindlichen Llslen bezüglich der Zusammensetzung des kommenden Kabinetts vorläufig lediglich als Kombinationen bezeichnet werden müssen. Die Regierungskrise beseht vorläufig in meritorischer, jedoch noch nicht in formeller Beziehung und erst nach Annahme des Prager Vertrages durch den Nationalrat am kommenden Donnerstag ist der formelle Ausbruch der Krise zu erwarten. In 'maßgebenden parlamentarischen Kreisen machen sich Bestrebungen geltend, den Bundeskanzler Schober auch an der Spitze des kommenden ^Kabinetts zu erhalten und erst, wem diese Bestrebungen scheitern sollten, würde der seinerzeitige Bundeskanzler Doktor; Mayr seitens der christlichsozialen Vereinigung als kommender Mann präsentiert werden. Die amerikanische Generalhypothek. An den hiesigen zuständigen Stellen ist, wie verlautet, die Nachricht eingetroffen, daß der amerikanische Senat die M e 11 o n - B i 1 i noch im Laufe dieser Woche verabschieden wird. Damit . wird das wesentlichste Hindernis für die Lösung desösterreichischen Kreditproblems, die Freigabe der General* Pfandrechte durch Amerika, endgültig beseitigt sein, so daß nunmehr an die Wiederaufnahme der Kreditverhandlungen geschritten werden kann. Es ist kaum damitzu rechnen, dasauf das Kreditobjekt des Völkerbundes zu* r ü c k g e g r i f f e n wird. Die österreichische Regierung dürfte vielmehr in direkte Verhandlungen mit englischen und amerikanischen Finanzkonsortien ein-, treten. Die nieder-österreichischen Landesbahnen. Zu den Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und den Ländern Wien und Hiederösterreich in Angelegenheit der Uebernahme der sogenannten niederösterreichischen Landesbahnen durch den Bund erfährt die Korrespondenz Herzog: Die beiden Länder streben diese Uebernahme mit allem Nachdrucke an, da sie sich hiedurch von den schweren finanziellen Lasten befreien wollen, welche das alte Land Niederösterreich hinsichtlich der fast durchwegs In hohem Maße passiven“ Landesbahnen zu tragen hatte. Die Verhandlungen, in denen eine Reihe schwieriger und verwickelter Fragen 'ihre Lösung finden sollen, werden dem Vernehmen nach bereits in den nächsten Tagen beginnen. Tschecho-Slowakei. Streik in den nordböhmischen Kohlenrevieren. Prag, 23. Jänner. (Tschecho-slowakisches Preßbureau.) Gestern fanden in Karlsbad, Altrohlau, Chodau, Fakenau und Königsberg Bergarbeiterversammlungen statt, in denen gleichlautende Resölutionen zur Annahme gelangten, worin festgestellt wird, daß die von den Unternehmungen durchgeführten Lohnreduktionen einen Angriff auf die ohnehin schlechte Lebenshaltung der Bergarbeiter in den Braunkohlenbergwerken bedeuten und die Bergarbeiter zur Niederlegung der Arbeit zwingen. Die drei koalierten Bergarbeiterverbände werden aufgefodert, die zur Abwehr notwendigen Maßnahmen einzuleiten. Mit der Durchführung •Iler zur Streikführung notwendigen Maßnahmen werden WIENER MORGENZETTtTNÖ die Betriebsräte die Obmännerkonferenz und die drei koalierten Bergarbeiterverbände betraut' Montag beginnt der allgemeine Streik. Polen. PbincarGs Exposk, * Warschau, 22. Jänner. (Tel. der »Wiener Mongemzeitung«.) Auf die hiesigen poetische« Kreisehat da* letzte Expose Poincar^s einem unangenehme« Eindruck gemacht, da Poincaire im seinem Expose mit keinem Worte Poüötv erwähnt hait. Dniriin wie auch in der Eimerwvuing des gewesenen Gesandte« am Hofe Nikolaus II., P a 1 e 0 1 o g u e, * zum Gemerailisekretär sehe« die »hiesigen Kreise eiine Aenderuntg des framizosisehen politischen Kurses Polen gegenüber. Ma»n iut hier überzeugt, daß Poinca>r4 mit. der Politik Polens Sowjetrußland gegenüber un-zufrieden ist und ein Anhänger, der russischen Emigrantentpolimik sei. Ip d.*r Tatsache der Uebcrreichung des Vertrags von Sevros zur Regis-trieriung und Veröffentlichung an den Völkeifonind sehen hiesige maßgebende Kreise einen Pollen gegenüber ungünstigen Schritt Poiincarcs. Die Kommission für Auswärtiges. Warschau, 2t. Jänner. (Tel. der »Wiener Motrgenzeittingc.) In der letzten Sltaumg der Kommissio-n für auswärtige Angelepemhelte« erwiderte Außenminister Skirmunt auf die Angriffe der Führer der W'itos- Volks-oartei. F.r erklärte, daß die Regierung in ihrer bisherigen Außenpolitik auf keine Weise von der des früheren. Ministeriums (Wito-s) abgewi-ohen "sei. Bezüglich W M n a s erklärte er, daß die 'Regierung auf keinen Fall die Besebi tiß fas-u-ng des W'dnaeir Semj« beeinflussen werde. Intersssaint ist auch, daß Pater L u to* slawski während der Debatte über Polens Verhältnisse zu Rußland <^im Zus-atmmcniha>ng ra-iit der bevorstehenden Konferenz in Genua sich für die Anknüpfung von Handelsbeziehungen mit Rußland ausgesprochen hat, obwohl seiner Meinung nach davon vor allem die Juden Nutzen ziehen werden. Er meint, daß dadurch die Juden eher aus Polen nach Rußland auswandern werden. Eine orthodoxe Denunziation gegen die Zionisten.* Krakau, 22. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Bei den vor einigen Tagen stattgefundenen Kultusgemeindewahlen in Lancut haben die Zionisten die Majorität errungen. Die Orthodoxen, die diesen Wahlsieg auf keinen Fall verschmerzen. können, haben bei den Behörden auf schriftlichem Wege die Zionisten als Feinde des po 1 n i s che n. Staates denunziert. In dieser Denunziation heißt es unter anderem, daß nur dank den Zionisten das Ausland sich in innere polnische Angelegenheiten menge. Wenn aber die Kultusstuben in den Händen der Orthodoxie verbleiben würden, so könnte das. Ausland nie etwas über, die inneren Angelegenheiten in Polen erfahren. Die gesamte polnische Presse bringt diese Denunziationen mit Befriedigung zum Abdruck. Die jüdische Presse be.eichnet das Vorgehen der Orthodoxen als „eine Spekulation mit der Re igion“. (Nach dieser Handlungsweise scheint es sich um Anhänger der „Agudas Jisroel“ zu handeln, bei, weichen diese Methoden sich geradezu einbürgern zu wollen scheinen, wie jüngst erst der letzte Vorfall in Litauen belehrt, wo der Agudaführer G e t z ähnliche Anwürfe gegen die Zionisten vor einer Parlamentskommissloa erhoben hat.) . Ungarn. ßudapester Skandalaffären, Budapest, 23. Jänner. Wie die Blätter melden; recherchiert die Polizeibehörde seit einigen Tagen in einer überaus verwickelten , Affäre, betreffend Mißbrauche mit dem Mehl der unversorgten. Bevölkerung. Die Regierung hat Mehl zum Tagespreis aufgekäuft und dasselbe gewissen unversorgten Kategorien der Bevölkerung zu ermäßigten. Preisen, überlassen, indem die Preisdifferenz vom Staat getragen wurde. Es wurde nun die Beobachtung gemacht, daß dieses Mehl mißbräuchlicherweise in die Hände von Kettenhändlern geraten war, die es zu Preisen unter dem Tageskurs an Bäckermeister und Kaufleute Weitergaben. Auf Grund, der polizeilichen Erhebungen wurde der Genossenschaftsdirektor Nikolaus K ö v e s, zwei Bäckermeister, fünf Fuhrleute und zehn andere Personen verhaftet Die Hauptschuldigen scheinen jedoch noch nicht verhaftet zu sein. Die Erhebungen werden fortgesetzt , - Palästina. Die Reorganisation der Polizei. London, 22. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung.“) Zu der von uns bereits gemeldeten Reorganisation des Polizeiwesens in Palästina versendet das britische .Kolonialamt folgende Verlautbarung: ln Ausführung des. allgemeinen Abbaues des Ausgabenetats im Bü iget des Mittleren Ostens, hat das Staatssekretariat für die Kolonien fm Einvernehmen mit der Palästinaregierung beschlossen, eine kleine Gendarmerietruppe für den Dienst in Palästina aufzüstelien. Diese Truppe, die aus ungefähr 700 Mann samt Offizieren bestehen wird, soll der bereits in Palästina bestehenden Polizei- und Gendarmerieorganisation angegliedert, jedoch gesondert rekrutiert und verwaltet werden. Die britische Gendarmeriemacht in Palästina wird als militärische Polizeimacht ausgebildet und bewaffnet sein und normalerweiser bloß zu Polizeiagenten verwendet werden. Ira Notfall kann sie auch als Militärmacht herangezogen werden. Da die Absicht besteht, diese Gendarmerietruppe für Palästina aus der Mitte der im Laufe des Jahres abzurüstenden Militärverbänden äuszuwählen, nimmt das Koloniaiamt keine Aufnahme in diese Gendarmerietruppe entgegen. Die Vorscfiußkasse in Jerusalem. Jerusalem, 22. Jänner. (J. C. B.) Die im Jahre 1919 begründete Vorschußkasse Halwaa Wechi* s a c h 0 n in Jerusalem veröffentlicht einige interessante Daten über ihre Entwicklung. Anfangs 1921 betrug die Zahl der Mitglieder 410 mit Mitgliedsbeiträgen von 548 Pfund. Anfangs 1922 betrug die Mitgliederzahl 691 mit Beiträgen von 1.052 Pfund. Der von den Mitgliedern eingelegte Betrag hat sich also verdoppelt. Die Kasse hat während des abgelaufenen' Jahres 11.000 Pfund Anleihen bewilligt und der Betrag des zirkulierenden Geldes betrug 65.462 Pfund. Die Vorschußkasse erhält sich ohne Unterstützung von außen durch das Vertrauen der Einleger. Rundschau. Die ostgalizische Frage. Warschau, 21. Jänner. (Tel. d>er »Wiener Morgen* zeitum-gc.) »Kuryor PonammyC und »Kuryer Polskic besprechen in ihrer letzten Nummer (11*6 Mitteilung des Auße-niminteters S k 1 r m u h t in dw Kommission für Auswärtige«, daß dH« fraimzösisch« kegi'oranvg dem Sekretariat des Völkerbund« den Veröraig von Sevres vom 16. August 1020 zurr Registrierung utnd Publizierutng übermittelt hat. Die -Blätter erwähnen,-dlaß dieser Vertrag die Grenzen vom Osteuropa, Hinter andere« auch die Grenzen zwischen Polen, Tsobecho-Slowallced, Rumänien und Ostga'liizien besibitmme. Nach dem Vertrag verlaufen die Grenzen Ostgaliziens gegen Osten von, den Städten Halicz, Przemyi^l, Luibaezow gegen die Karpathen, so daß ganz, Ostgakfzien mit Lemberg außerhalb d-es polnischen Staates verbleibt Im dipimten Punkt des Vertrags, der die Grenzen zwischen Polen und der Tschecho-Slowakei bestimmt, heißt es wörtlich: »Die Grenzen zwischen Polen, Tscheaho-Sliowakei, Ostgalizien .’ . < Der Vertrag bezeichnet somit Ostgalizien ate ein Gebiet, das nicht zu Polen gehört. . Bisher hieß es in den polnischen diplomatischen Kreisen, daß dieser Vertrag für Polen keine Geltung l abe,' da die Unterschritt des polnischen Bevollmächtigten, Grafen Zain o 'j 5 k i, mir in den Präliminar vertragen erscheint. Das Witos-Miinisteröum habe ni'.mdcb im letzte« Moment P a d e r ewski vcramlaßt, -diesen Vertnaig nacht zu unterfertigen. Die genannten Zeitungeni sttelOen. fest, daß diies für Polen irrelevant sei, da dieser Vertinag für die Tschecho-Slowakei und Rumämen, die den Vertrag unterfertigt und ratifiziert habe«, auch dämm bändend sei, wenn er von den polnischen Bevollmächtigten nicht unterfertigt wurde. Paris, 23. jän&or. (Tel der ^Wiener M-örganzeititingc.) »Journal des De batst bestätigt dfie Nachricht, daß die für Ead e Jinner eüinberufene- Konferenz für die Fragen des nahen Osten« «ich unter .anderem auch mit der. Frage O s t g al i z i .e n $ beschaff tigen wird. Grabski und Ostgalizien. Lemberg, 22. Jänner. (Tel. der »Wiener Morgen-* zerfcumige.) »Kuryer Lwowaki«. veröffentlicht den vollen Inhalt der durch den ’etoemaüägeh Außenminister W. Grabski (Führer der Na'tüana'ldemokraten) in Spa unterfertigten Abmachung. Nach dieser Abmachung eiwigte sich Grabski, die von der Friedenokomferen« am 8. Dezember 1919 bestimmte Curzon-Lime ate Grenze der zeitweiligen polnischem Verwalituugcor in Galizien anzuerikennen. Auf diese Weise stimmte Grafbski der Ausfchattung O*tgaiHzion« a«us. dem polnischen Gebiet zu. Daß er O s t g a Hz i, e « als besonderes Territorium anerkannte, geht 'aus dem Umstand hervor, dnß er än dcrscliben Abmachtung die EntscnÄunig von spezielte«. Vertretern d-o.1« Gebiets’ zu der diamalis in Aussicht gcstell-en Friedensikouferomz in London versprochen hat. . Die polnische/nicht nati0n aldemokratische 'Presse drückt über diese« durch den Leader der po-loitschen ' » H ype tipa*.noten< aibgeSohitassenen Vertrag ihre Entrüstung aus. Verschlimmerung in den russischen Hungergebieten. Moskau, 19. Jänner. (Rösta.) Die Nödiri'rihit-ciiv die das Zentralihiilfskomiltee für die Hi.uinigermden' a*uis dem Wolgagebi-et erhalten hat, sinnreichen von einet weiter e n V e r s c l i m m e r *u b g der Lage. Die Hdl fei ei Übungen sind Timdh immer ungenügend,. Ln -deck! ictzton ZTe i<t sifi'd die Spenden für diie Huimigenideni' geringer geworden. I m Goti'v enn «ment J e (k ® t e r i n o s law zählt man 400.000 Hungernde,' da,von 100.000 Kinder, im Bezirk Cherson 100.000 erwachsene Hungernde üiud 50.000 hunigem.de Kinder, ira Bezirik Odessa^ nach sehr-,tunvollsnändiigein Beri-ahten, 70.000 Htmgornde. In der k i r g i s i s c h e n Sowj-etreiptublilld verzeichnete man i. Jänner zwei Millionen Hungernde, van denen nur 40.000 in etwa 100 Venpflegissteilen Hilfe geleisitet werden ikanin. Die Winiterstzeit erschwert die Lcbenötni ttekran siponte aiuis dem Tuirkesta-n. Aus Isohewslk wind beniohtet, daß dlie Hungensnot im Gebiet der W 01 Ja k e n mit' jed'eim Tag« größer wird. Von einer Gesamtbevöllcenping vom 685.000 Personen.wurden am 1. Jänner 400.000 Hungernde registriert. In# vier Monaten wird die Zahl der Hungernden eine halbe Million übersteigen'. Lebensmittel Vorräte gilbt es moht. Der Staat hat Get'neid.e und Grieß für di? Versorgung von 45.000 Kindern und 15.000* Erwaichsene angewiesen. Auch das Vieh leidet unter dem Hunger. Im Ischew«kef v Kreise allein wenden 107.000 Stück hungernde« Großvieh gezählt

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