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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-22 · Heft 1071 (22.1.1922) · p. Seite 39

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1071 (22.1.1922)
Date
1922-01-22
Page
Seite 39 (sequence 9)
Language
German
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KTr. 1078 wicii, Sörtntag WiEJflSK MÖEGENSglTÜNG 22. j;in:icr 1323 Freie jßäische VoUtsbü hn e muttUuiiiiiiimiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiitiaiiHiiiiiuiiiiiiBiiiiiiuiiiiiiiiiiiiidiiiiiiiiti Gastspiel Ira Lustsplelthcater 4280 in.od» Der Landsmann v»bf -.«^Uebter’m Ozean PT Das Thaattr Ist gekalatl *19;!"■■■■ ..;■.. " kühne und Kunst. kieue ^V!ener LNIme. vastspls! Paul IVsAsaer. . Paul Wegener hat uns wieder warm gemacht Durch breiten, gesunden Humor, der — es ehrt; den Künstler — an Hugo Thimig erinnert Er spielte einen feschen alten Herrn in Sudermanns Komödie »Die Raschhoffs“. Der ist eigentlich ein alter bekannter. Der liustspielonkel, der alles wieder in Ordnung, bringt Herr und Mund »am rechten Fleck* hat, sehr gut erhalten' ist und den Mädchen gefährlich wird. Wegener biegt sich die Schablonenfigur des Schabloneristückes zurecht und formt eine köstliche Gestalt daraus. Alles ist echt: Die Kunst, in halben Seitenblicken Lebenserfahrung und Ueberlegenhelt zu bekunden, im Pianissimo Pointen zu bringen, vor , allem aber sein kerngesunder, gütiger Frohmut Er Hat es nicht nötig, an wirksamen Szenen zu kleben, er bereichert jede, an der er mitzutun hat auch wenn er bloß auf den Brettern steht Eine gelungene Ausführung hob seine Leistung. Magda Garden diesmal ganz ausgezeichnet Gewisse Provinzallüren, die frühere Leistungen der begabten temperamentvollen Künstlerin beeinträchtigten, vor allem jenen verknautschten manierierten Konversationston, hat sie abgelegt Hoffentlich für immer. Sehr geschmackvoll in Haltung und Sprache Rudolf Ai eher. Voll Verdienst Cäcilie Lwows k y und Ernst U i b e racker. Paul Wegener wurde stürmisch gefeiert A. Die Grillparzer-Feier im Burgtheater. Die Gemeinde Wien veranstaltete anläßlich des 50. Todestages ihres großen Sohnes gestern im Burgtheater eine erhebende Feier, die durch einen von Rudolf Huber gesetzten Bläserchor eingeleitet wurde. Den Prolog, ein von Anton W i 1 d g a n s verfaßtes Gelegenheitsgedicht, sprach Max D e v r i e n t mit großer Wärme und zündender Wirkung. Dann hatte man den seltenen Genuß,, den Wiener M ä n n e rgesangverein im Burgtheater zu hören. Der Eindruck, den die herrlich gesungenen Chöre: Mendelss hn „Festgesang an die Künstler“ und Schuberts »Ständchen“ (Altsolo Hermine Kittel) ausübten, laßt sich nur in die Worte schließen: Weihe und Er- ' griffenheit. n':. , . ■ /•-. Eine würdige Aufführung des Fragments „Esther* (nicht des ganzen Fragments, nur bis einschließlich der Krönungsszene Esthers) schloß den schönen Gedenkabend. Wundervoll Frau W o h 1 g e m u t h als Esther, trefflich, wenn auch ein wenig zu süß, Herr A s 1 a n als König. Gut gesprochen, aber leider himmelfern von hebräischer Inbrunst, der Mardochai des Herrn P a u 1 s e n, interessant, aber nach unserem Empfinden zu unbedeutend der Haman des Herrn Siebert Mehr königlicher Zutreiber und ängstlich auf Tyrannengunst spekulierender Höfling, als kluger Diplomat und blutiger Ränkespinner. — Prachtvoll die Bühnenbilder Wilkes, insbesondere die satten Farben der Prunkgehänge des zweiten Teiles. * ’ Noch ein Wort des Dankes dem großen Dichter fbr dieses Fragment mit der Gestalt des Juden Mardochai und der Jüdin Esther,. Vielleicht — vielleicht hat der edle und unbestechliche Mensch, dem der jüdische Spötter und Korruptionist Saphir manche Würde des Lebens verbitterte, hier auch seinerseits den Dank dafür quittiert, daß just das j ü d i js c h e Wien seinen Genius erkannte und förderte. Erinnern wir an einen Satz, den Hermannn F r i e d j u n g in seinem Geschichtswerke schrieb: „In den Salons der E s k e 1 e s, A r n s t e n, W e r t h e i m s t e i n — and nicht im Salon der Fürstin Schwarzenberg . fanden Grillparzer, Waldmüller, Lenau, Brahms, Bruckner ein Heim.“ 0. A. Der Geheim-Nachlaß Grillparzers. Gestern wurden im Wiener Rarthaus die imfolge testamentarischer Bestimmung bisher unter Verschluß geönailtenen Nachilaßpaipiere Fraraiz G r i l 1parzers eröffnet. Die Udbcrnnahme geschah im Bureau der städtischen Sann ml urngen in Gegenwart des aimitsführenden Stadtrates Karl Rieht e r, des Direktors der städtischen Sammlungen J. E. Pro'bst, der Hofräte Professor Dr. August 6auer und Dr. Kami G 1 o s s y sowie des Btiürgtheateirdirefktors Dr. Anton W i 1 d g a n s. Der Bürgermeister brachte in Erinnerung, daß Katharina Fröhlich in einer Zuschrift au den Bürgermeister Dr. Kajetan Felder, datiert vom 24. Mai (1878, den ganzen handschriftlichen Nachlaß F-itaoz Grillparzers, seine Bflbliiothdk und die Ejuriohtumg seiner Wohnzimmer der Staidt Wien vermocht habe. Der Nortariatsakit hierüber wurde am 15! Dezember 1879 naoh dem Ableben der' Katharina Fröhlich im Aufträge ihrer Uuiversalerbin ‘ uind Schwester Anna Fröhlich auf gestellt. Am 12. April -88z erfolgte die Uebergabe mirt Urkunde vom selben Datum.; Unter den von der Gemeinde damals übernoramenm Papieren befand sich auch ein mH dem Ltesvl des Freiheim % R s zweimal' vwnsieigtütes Pafeet in grauem1 Umschlag mit der Aufschrift »Geheimschriften Grillparzers«. Bezüglich dieses Pakets -wurde von den Repräsentanten der Verlassenschaft des Dr. Fineiherrn Theobald v. Rizy »im Befolgung der Bestimmungen der Fräulein Anna Fröhlich und Katharina Pröihlich« die Bedingung gestellt, daß dieses Paket nicht vor dem 21. Jänner 1922 eröffnet werde. Dieses Paket wurde im Anwesenheit von Zeugen rn eine: braune Leiinwandmaippe gelegt und mit dem Siegel; des Herum Hippolyt v. Sonnleithner, dem das von der Kommune Wien ‘beigesetzt wurde, verschlossen. Nach der Ansprache des Bürgermeisters wor-1 den die Siegel der M-aippe und des Paflcefcs vom Direktor der städtischen Sammhnngen gelöst, die' einzelnen Stücke in Gemeinschaft mit Hofrat Professor Dr, Sauer und Hofrat Dr. Glossy geprüft und zu Protokoll gegeben. Eine flüchtige Durchsicht der NacMaßpaspiere Grillparzers zeigt folgendes von besonderem Interesse: Eine Tagebucheintragung vorn 9. Mai 1828 mit der UeberSchrift: »Trennung.von Kathi, wahrscheinlich für immer.« Diese Tagebuchnoitiz stammt aus der Zeit, im der es zum Bruch zwischen Grillparzer und Karthi Fröhlich gekommen war. Ferner eine gedichtartige Niederschrift, in der sich Grillparzer in ergreifender Weise anklagt, während einer schwerem Erkrankung Kathi Fröhliohs durch sein Verhalten die Ursache ihres Todes geworden zu sein, während er selbst nur zu gern sein eigenes Leben für sie hingegeben hätte. Eine große Uelberrasdhung ist die geplante Widmung des >G olde n e n Vlieses« an »Desdemoma«, unter der Charlotte v. Paumgarten gemeint ist, Ferner ein satirisch wiedergegebenes Geaprädh zwischen Hofburgschauisipielem und eine kurze Abhandlung über die Zigeunern«tur des Bühmemvölkchens. Aus den Theatern* Im Burgtheater geht morgen „Han ne 1 es Himmelfahrt" und „E s t h e r“ in Szene.!m Op erntheater wird morgen „Wien er Walzer, „Die Puppenfec*, „Sonne und Erde“ aufgeführt. In der V olksoper gelangen heute „Die Meistersinger von Nürnberz“ zur Aufführung. In dieser Vorstellung gastiert Herr Kammersänger Alfred Jerger vom Operntheater als Hans Sachs. Beginn V96 Uhr. — Morgen gehen „H o f f man n s Erzählungen“, mit Herrn Neumann als Hoffmann in Szene. Ferner wirken mit die Damen Gerö, Gelter, Sallnger, und Weiner sowie die Herren Hagen, Beer, Eckner, Markowsky und Dörich. Dirigent Herr Dr. Weirich. Beginn */98 Uhr. — Die nächste Aufführung Von Puccinis „Madame B u 11 e r f 1 y“ findet Samstag den 28. d. M. statt — Sonntag den 29. d. M. gelangt Verdis „Othello* unter persönlicher Leitung von Direktor Felix Weingartner in der Premierenbesetzung zur erstmaligen Wiederholung. Mitteilungen aus dem Publikum. Wäschesalon D. Rosenfeld (KORITSCHAN) WEN, I, KOHLMARKT 5 KOMPLETTE BRAUTAUSSTATTUNGEN VOR¬ NEHMSTEN GENRES Prämiiert: PARIS, LONDON 1901 TEL. 9307 : 122 Rosa Moczän Max Penzias . Wien Wien Verlobte «, Rosa Altstädter Moses Horowitz XI U Verlobte 9002 Wien, im Jänner 1922 in iSliili zeigen hocherfreut die Geburt eines gesunden Mädchens an. Wien, IX., im Jänner 1922 Mi Advokat Dr. Louis Lustbader hat seine - AcIvokaturskanzBei in Krakau, KarmelBckagasse 10, eröffnet Telephon 238.- Möbelfabrik J. Spira Feine «9 M. »U 1—1 Wohnungseinrichtungen. (Ecke Karl Schweighofergasse) ißtea heatee .. berwürien, La«! mm ULHAH1AHIIPER51 RASSE iOS g rttertas Lax«- Wiens te Twwtihe*, VeeiM. 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