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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-22 · Heft 1071 (22.1.1922) · p. Seite 36

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1071 (22.1.1922)
Date
1922-01-22
Page
Seite 36 (sequence 6)
Language
German
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‘Seite o rnB'm« irtium Wfbn, SÖnbt% WTENEE Oesterreich. Gummimäntel Arbeitsmäntel Schlosseranzüge En gros Zn Laden bei En detail ZINÄDER L Co., Wien, XVI. LERCHENFELDERGÜRTEL Nr. 29 Zn erreichen mit Straßenbahnlinien 46, 8 und 18. 1038 acrii die Todh'teir d-es amch aiußeriialb Ungarns .berühmten jüdischen Historikers Heimidh Mirfccali ist, der, einst der Stolz der Budapester Umiverfeität, nach Einführung des dhriisilkihon Kurses von deiner Lehrtätigkeit auf tmibestimtnte Zeit su s <p e nid'iert wurde. Es ist dös eine milde Maßregelung, die dem Juden gilt, da das sogenannte iRechtfertignmg'sverfahoren gegen s: MörzcaiU au>oh nicht den leisesten Verdacht 'kommaimistisobeir Haltung zu erbringen vermochte.; . Me Lustbarkeitssteuer des „unsichtbaren Gastes“. 'Auch das ist nur in Budapest .möglich! In ieiner Stadt, deren Bürgermeister mit einer Not-• stam-dsaktion durchfällt und, weil ein anderer eine ähnliche Aktion mit größerem Erfolg durchführt, diese mit allen ihm zu Gebote s*eheiniden Schikanen .unmöglich zu machen trachtet. Ueber das Fiaisiko der Notstandsaktion des Bürgermeisters Si.pöcz haben wir wiederholt berichtet. Nun hat der ehemalige Ministerpräsident Karl Huszar, der seine IKamene allis Notetandsakteur in Amerika begann und nach seinem dortigen Mißerfolg eine solche Aktion in Ungarn selbst i«n Angriff nahm, offenbar mehr Eifölg, weil die Juden, wenn sie die AVahl haben, ihr Geld einem, aktiven Oberantisemiten oder einem Antisemiten a. D. znzutragen, Sich schließlich für den letzteren entscheiden. Dies umsomehr, als Karl Huszar aus Amerika wohl kein Geld, aber die Idee des Liebesmahls für den '»unsichtbaren« Gast nach Hause brachte. Und für diesen unsichtbaren Gast strömen ihm Jetzt die jüdischen Gelder zu, während Bürgermeister Sipo e z von den Juden kein Geld und von seinen christlichen Mitbürgern gar keines bekommt. Da kam nun der gekränkte Sipöcz auf die Idbe, Bich mit Karl Huszar zu fusionieren, und als dies von Huszar wohlweislich abgeldnt wurde, erhielt 'dieser eine Zuschrift, über die sich heute gatniz [Budapest Je nach Geschmack imd Temperament amüsiert oder entrüstet oder beides zugleich tut. ■Denn in dieser Zuschrift wird Huszar auf gefordert, im Simse irgendeines Pamagraiphen irgendeines Statuts von den Preisen der Eintrittskarten zu dem [Liebesabend des »unsichtbaren Gastes« eine Lustbark ei tssteuer von 20 Prozent m die Zentnaikatsse der Hauptstadt einzuzahien. Henr von Huszar ist seibstvciständiieh wütend, denkt nicht an eine {Zahlung und meinte einem Journalisten gegenüber, wenn es dem Herrn Bürgermeister aicht passe,’ möge er ihn beim Salzamt verklagen. Ziemlich amjviirsch meinte Herr Karl von Huszar: »Eine solche Herzlosigkeit und Dummheit auf dem Gebiete der Wohltätigkeit und der Stadl Verwaltung hat noch kein Mensch begangen. Ich habe nuT noch den einen Wunsahi, daß an dem Abend, des »ümsttchtbairen Gastes« auch der Bürgermeister von Budapest unsichtbar sein möge. Denn meiner ‘Ansicht nach würde das Fest dadurch verdorben werden, wenn er nach alledem unter diejenigen träte, von deren Spenden er 20 Prozent alBführen wollte. Ich bedauire das arme Budapest, ' das - einen solchen Bürgermeister hat.« Wir mochten noch hinzufügen, wir bedauern das arme Ungarn, im dem rin Karl Huszar der .bessere Menisch ist, Zerfall der Budapester christlichen Kommunalpartei. ' Budapest, 20. Jänner. (Telegramm der »Wiener Morgenzeitungx) Die christliche Kommiun-allpairtei, (He >onter Führung Kart v. Wo l ffs alße die bekannten antisemitische» LehrerentlasB-ungen und sonstigen Willkürakte dureihgeführt hat, ist zerfallen. Ein großer Teil ider Mitglieder dieser Partei ist von den versöh®eÖerien Korruptionen der Wolff-Gnuipipe angewidert usrd aus Her Partei ausgetreten. Die neue Partei rjeaimt siidh Szechenyi-Partei und hat beredte ihr -Programm veröffentlicht. Bisher haben sich vierzig Mitglieder, und zwar gerade die angesehensten' unter ilhtraüit, der neuen Partei' angesoMiosson. Die Gründer, der Szedhenyi-Partri erklären im ihrem Programm: »Unsere Part», wird ebenfalls auf ch-risMohsr Grundlage stehem, Sedooh auf echt christlicher Grundlage. Die Politik des (Hasses wollen wir durch die Politik ■der Liehe und der Versöhnlichkeit ersetzen. Das Programm uniserer Partei. enthält drei Punkte, deren wichtigster ist, ' nach graften für die Interessen der gesamten Bürgerschaft ohne Unterschied der Konfession und der Rasse timautreten. Bfeher skiid ierdler die Interessen deir Bürgerschaft stark vernachlässigt worden. Die Reparationen. Der Sektionschef im Bundesministefium für Aeußeres Dr. Richard Schüller ist gestern nach einem vieltägigen Aufenthalt in Paris zurückgekehrt In Paris handelte es sich um Besprechungen mit der Reparationskommission, um' die Klarlegung einer Reihe von Reparationsfragen herbeizuführen. Die Affäre Gürtler—Waneck. Im Verlaufe der Untersuchung wurde bisher eine ganze Reihe von Beamten, Abgeordneten und Parlaihentsjournalisten einvernommen. Es handelt sich vor allem um die Feststellung, wieso die Nachricht von dem Plan des Valutenanmeldungsgesetz noch vor der Einbringung ' im Nationalrat in die 0Öffentlichkeit gelangt ist. Auch die Geschichte des im „Grazer Volksblatt“ und in der „Wiener Sonn- und Montagszeitung“ erschienenen Interviews, mit Gürtler, welches die bekannten Aeußerungen über die „Alpine Montan“ enthielt, wird untersucht. Zwei der Vorgeladenen sind wegen Krankheit nicht erschienen. Für Montag sind Vertreter einiger Banken vorgeladen. Die schweren Anschuldigungen Dr. Wanecks konnten bisher in keinem Falke aufrechterhalten werden. Nene Forderungen der Bundesangesteilten. Die Bundesangesielltdn sind neuerlich mit Forderungen an die Regierung herangetreten. Diese Forderungen gingen vom Zentraiverband der Bundesangestellten und der Gewerkschaft der Akademiker aus und wurden von der Regierung als viel zu weitgehend abgelehnt. Nach diesen Forderungen würden die Bundesangestellten ungefähr K 40.000 bis 80.000 für den Monat Jänner noch erhalten müssen. Durch diese Beträge wurde das Staatsbudget enorm belastet werden. Diese Forderungen werden von einem ' großen Teile der Bundesangestellten, als viel zu weitgehend, nicht gebilligt. Diese Gruppen geben sich mit einem geringeren Betrag zufrieden. In den letzten Tagen fanden Verhandlungen auf dar Basis statt, daß der Nachtrag des jännergehaltee ungefähr ein Achtel oder ein Siebentel der Jännerbezüge betrage. Dieser Nachtrag soll anfangs der kommenden Woche zur Auszahlung gelangen. Ein Eisenbahnabkommen mit Ungarn. Budapest, 21. Jänner. (U. R.) Wie offiziell mitgeteilt lyird, ist zwischen Ungarn und Oesterreich ein Eisenbahnabkommen auf die Dauer von zehn Jahren abgeschlossen worden. Das Abkommen sichert den Oesterreichcrn den freien Durchzug von geschlossenen Waggons durch das Oedenburger Gebiet Die Züge werden durch eigene Lokomotiven und durch eigenes Personal der Oesterreicher durchgeführt Auf ungarischem Gebiet darf niemand äbsteigen, noch dürfen Waren abgeladen werden. Infolgedessen wird auf diesen Zügen auch keine Pal- oder Zollrevision stattfinden. Gleichzeitig wurde auch die Frage der Raab-Oedenburg-Ebenfurter und der Raab-Günser (Köszeger) Eisenbahn geregelt. Der Betrieb der letzteren wird von den Oesterreichern übernommen. Nach Ablauf von zehn Jahren wird das Abkommen von Jahr zu Jahr automatisch als verlängert betrachtet, wenn es nicht ein halbes Jahr vorher gekündigt wird. Ankunft des neuen deutschen Gesandten. Der neue deutsche Gesandte in Wien, Dr. Maximilian Pfeiffer, ist gestern nachmittags in Wien eingetroffen. Zu seinem Empfang hatten sich der Gesandtschaftsrat von S charfenberg mit dem stell- I vertretenden Kanzlcivorstand Reichel eingefunden. Vom Konsulardienst. Die dänische Regierung hat dem neu ernannten österreichischen Honorargeneralkonsul in Kopenhagen Karl F. G 1 a d das Exequatur erteilt Glad hat die Amtsgeschäfte voiy früheren Honorargeneralkonsul .Norstrand übernommen. — Der Bundespräsident hat die einstweilige Anerkennung des Carol H. Fester als Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Wien genehmigt, ferner dem Bestallungsdiplom des zum italienischen Konsul in Graz ernannten Cav. Francesco I d o n e das Exequatur erteilt. Das Amtsgebiet des seiner Leitung unterstellten Konsularamtes umfaßt das Bundesland Steiermark. Polen. Die Rechtsbeschränkungen aus der Zarenzeit. Warschau, 21. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Der hiesige jüdische Gemeindevorstand hat anläßlich der vom Ministerrate beschlossenen A u fhebung der jüdischen Rechtsbeschränkungen an die Regierung eine Dankadresse gerichtet. Warschau, 21. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Der Ministerpräsident Ponikowski hat •das Bildungsministerium beauftragt, 'ehebaldigst ein Gesetzesprojekt zur Aufhebung der aus der Zarenzeit bestehenden Beschränkungen der katholischen Kirche auszuarbeiten. szymwmss' m. nm Ausbau eleg. Wohnungen HJILMI&Co. V Wien, I., Seilerstätte Nr. 3 (Palais Coburg) KUNSTMOBEL Antike und moderne Die Wltos-Partei gegen Skirmunt. Warschau, 21. Jänner. (Tel. d. „Wiener Morgen* zeitung“.) Auf der gestrigen Sitzung der Kommission für auswärtige Angelegenheiten wurde die Ratifizierung der Transitabmachung mit Deutschland > beschlossen. Sodann erstattete der Justizminister S k i r m u n t einen Bericht über die internationale Situation. Ueber Skirmunts Erklärung entspann sich eine längere Debatte, in deren Verlauf die Vertreter der P. S. L (Witos-Volkspartei) scharfe Angriffe gegen den Außenminister richteten. Der gewesene Minister Abgeordneter R a t a j warf Skirmunt Mangel eines Planes in der Außenpolitik vor. Abgeordneter Brylundder gewesene Ministerpräsident Witos besprachen die Verhandlungen mit Rußland, die sie als planlos bezeichnten. Namentlich Witos griff in scharfen Worten Skirmunts Außenpolitik an. Aus diesen Angriffen ist deutlich.. ,zu ersehen, daß sie Skirmunts Sturz herbeiführen wollen. Die Tagung des Sejm. Warschau, 20. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgeft* zeitung“.) In der letzten Sejmsitzung wurde von den Sozialdemokraten ein Dringlichkeitsantrag wegen Aufhebung des seinerzeit von der österreichischen Regierung verhängten Ausnahmszustandes gestellt Sodann wurde der Gesetzesvorschlag über die Kriegsgewinnsteuer behandelt. In der Debatte ergriff der jüdische Abgeordnete Dr. W e i nzieher zu diesem Punkte das Wort In der Budgetkommission referierte Abgeordneter Wierzbicki über den Gesetzesvorschlag wegen der Einführung des Tabakmonopols. Finanzminister Micha 1 s k i unterstützte Wierzbicki» Projekt und erklärte, daß das Tabakmonopolsystem für den Staatsschatz viel einträglicher sei. Das Projekt wurde den Klubs zur Beratung und Stellungnahme übergeben. Spaltung im Bund. Warschau, 20. Jänner. (J. C. B.) In der jüdischsozialistischen Partei Bund ist eine Spaltung eingetreten. Mehrere Ortsgruppen in den größeren Städten deklarierten sich als Anhänger der Dritten Internationale und traten aus der allgemeinen Bund-Organisation aus, um sich als neue Parteides „Kommunistischen Bund“ zu organisieren. Ungarn, Nationalversammlung. Budapest, 21. Jänner. Abgeordneter Rakovszk? erklärte in der Königsfrage, was er getan habe, würde er gegebenenfalls immer wiederholen. Redner bemüht sich den Nachweis zu erbringen, daß das tschecho-slowakisch-jugo* slawische Abkommen sich eigentlich nicht gegen die Rückkehr der Habsburger gerichtet habe. Rakovszky verliest sodann einen an den Redner und an den Grafen Andrassy gerichteten Brief de» Königs, worin erklärt wird, daß die pragmatische Sanktion erloschen sei und das österreichisch-ungarische Ausgleiclisgesetz seine Geltung verloren habe. Der König erklärt sich bereit, das Recht der Kriegserklärung und de» Friedensschlusses mit der Nation zu teilen. Redner folgert aus diesem bisher unveröffentlichten Schreiben, daß der König bei der Rückkehr den veränderten staatsrechtlichen und politischen Verhältnissen Rechnung getragen hätte, Redner spricht sich gegen die Idemnitätsvorlage aus. In der Nachmittagssitzung ‘der Nationalversammlung erklärte Abgeordneter Haller, die Nationalversammlung' müsse durch lebhafte sozialpolitische Tätigkeit das Vertrauen der Nation, erwerben, damit ihre Mitglieder bei den kommenden Neuwahlen erhobenen Hauptes vor den Richter* stuhl der Nation treten können. Da die übrigen Redner auf das Wort verzichteten, wurde die allgemeine Debatte über die Indemnitätsvorlage geschlossen. Hierauf verlas der Vorsitzende Vizepräsident Bottük ein Schreiben des Präsidenten G a a 1, worin dieser erklärt, daß er mit Rücksicht auf die gestrigen Vorfälle, in die eir wider seinen Willen hineingezogen worden sei, auf die Präsidenten würde verzichte. Neuwahlen im Juli. Budapest, 21. Jänner. (U. R.) Der Minister de# Innern unterrichtete heute die oppositionellen Parteien über den Wahlrechtsentwurf der Regierung, ln Verbindung hiemit teilte der Minister mit, daß die Regierung die Neuwahlen im Juli durchzuführen gedenke. Die oppositionellen Abgeordneten lehnten die ira Entwurf geplanten Einschränkungen der Wahlberechtigung ab. TU Müs Si Uüftdi

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