Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1071 (22.1.1922)
- Date
- 1922-01-22
- Page
- Seite 33 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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wrcmr W!en,~5ömifag WIOTBT* lftÖRGENZElTUNO Seite 3! Sorgen und das Leid der Lernte; trotzdem weigerte er sich, irgendwelche Konzessionen aumachen. 'Es ist* eine billige Folgerung, wenn man sagt, es wäre wenigstens eine der mitwinkenden Ursachen. des Krieges beseitigt worden, wenn diese Sache' den Oeistenreiidliern überlassen gewesen Wäre «und die Slawen dadurch am der Regierung des Reiches teilgendhiimen hätten. Wer hat Serbien 'herauisgef ordert? Es ist. hier nicht Raum genug, «um die gan-ze Skala der serbischiMigari-s-chen Geschichte dürchztugehen, aber es unter- Jiitegt keinem -Zweifel, daß Ungarn hauptsächlich für die Vorkriegspolitik verantwortlich war, die die Entwicklung der kleinen slawischen Staaten zu unterdrücken suchte. Die Ereignisse, diie zu. dem Zollkrieg wegen der Schweine im Jahre. 1906 führten und die Zollauflage an der Denan beim Eisernen Tore, dlie den rumänischen und serbischen Verkehr absichtlich zu verhindern suchte, sind nur zwei von den vieleü Beweisen, die man auf zahlen könnte. Kurz gesagt, es unterliegt keinem Zweifel, daß die Magyaren viel unduldsamer und weniger geneigt waren, die günstige Position, die ihnender DuaHismuis bot, aufzugeben, wenngleich v wir die österreichischen- Staatsmänner keinesfalls für -schuldlos halten wollen, und es nicht immer möglich ist, die österreichische von der •ungarischen Politik loszutrennen. Die Annahme, Budapest wäre von Wien an der Nase herumgeführt worden, oder seine. Handlungsweise sei bloß in der österreichisch-ungarischen Solidarität begründet, ist nicht im Einklang mit dem zur Verfügung stehenden Beweismaterial.« Der Wiederaufbau Palästinas. Die öffentlichen Arbeiten. Arbeitskrise. — Arabische Arbeiter in den jüdischen Kolonien. — Baukredite der zionistischen Exekutive und der Koloniälbank. — Notwendigkeit der Arbeit für den Keren Hajessod. (Von unserem Jerusalemer Korrespondenten.) ' Der Ziomistenhongreß in Karlsbad hat bei der Exekutive in Palästina ein Arbeitsdepartement eingerichtet, mit dessen Leitung der Arbeitenvartreter Josef Siprinzak betraut wunde. Selten ist1 ein Beschluß so sehr zur richtigen Zeit gefaßt worden, denn die neue Exekutive fand wenige Wochen nach Beginn ihrer Arbeiten eine sehr schwere Krise in den Arbeits-vcrhältnissen, deren Lösung wesentlich dadurch erleichtert, wurde, daß ein Vertreter der Arbeiterschaft in dar Exekutive sitzit Diese Krise Leigt sich in einer Arbeitslos! g k e i t, die izwar hoffentlich nur temporär ist, aber immerhin momentan schwere Probleme birgt. Mehrere Ursachen haben unabhängig voneinander dazu beig$* iferagen, die gegenwärtige Situation zju schaffen. Seit mehr als einem Jahre sind zirka ’ 2000 Arbeiter bei den Stnaßenjaribeitem' der Regierung beschäftigt gewesen. Diese Arbeiten sind nunmehr fast gantz beendet und beschäftigen jetzt nur noch 200 Arbeiter, Dazu kommt, daß die jüdischen Kolonien, welche unter dem Eindruck der Maierdignisse ihre ar a - bischen Arbeiter entlassen und jüdische Arbeiter angestellt haben — so daß zi'ilka 1000 Mann itn den Kolonien arbeiten — jetzt wiederum auf dais alte System der Anstellung arabischer Arbeiter auTÜckgegriffen haben. Obwohl die jüdischen Airheiter zu> den größten Opfern bereit waren und durch gegenseitige Aushilfe es möglich machten, 'daß ihnen auch die sohlechtbezahlten Arbeiten übertragen wurden, 'konnten die Differenzen nicht ausgeglichen werden und zirfkaN $00 Arbeiter mußten die Kolonien verlassen. - Dazu kommt, daß die Bau arbeiten, die Während des Sommers in Jaffa und Haifa etwa . tausend jüdische Arbeiter beschäftigt haben, wegen des Beginnes! der Regenperiode eingestellt wurden. Und noch einesinteressanten Versuchs muß in 'diesem Zusammenhang gedacht werden. Vor einem halben Jahre hat die jüdische Arbeiterorganisation, mit der Militärbehörde einen Vertrag abgeschlossen» demzufolge ein Teil des ägyptischen Arheitekorps durch Juden ersetzt werden solle. Die .Bedingungen waren schwere Die jüdischen Arbeiter mußten sich auf ein halbes Jahr binden und militärischer Disziplin unterwerfen.' Dennoch gelang der (Versuch, aber jetzt ist seine Zeit abgetanfen und ‘es ist fraglich, ob die Militärbehörden die Arbeiter weiter 'beschäftigen werden. . Gegenüber diesem Zusammentreffen verschiedener Ursachen, welche die Arbeitslosigkeit bewirken, kommt der .Ausbau der jüdischen Siedlungen, welche der Kongreß in der Uesreel-Ebene beschlossen hat, numerisch nicht in Betracht, so 'wichtig er auch ist. Es ist leicht, sich die großen Aufgaben vomzustelfen, vor welche diese Lage die Exekutive' gestellt hart. Das Anbeitsdefoartement mußte zunächst die arbeitslosen Arbeiter versorgen. Zu diesem Zwecke bewilligte die Exekutive einen relativ großen Betrag, der die Grundlage zu einer Leihkasse der Arbeiter bildete. Die Arbeitslosen erhielten eine tägliche Unterstützung in der Form einer Anleihe. Ferner bewilligte die Exekutive der Stadtgemeinde von T e t - A \v i w eine Anleihe von fünf- Uautsend Pfund. Mit diesem Betrag wird Td-Awiw 'durch fünf Monate 150 Arbeiter beschäftigen, und /da die Arbeiter sich dlatauf geeinigt haben, hiafib- WÖchenf/lAch zm arbeiten, werden 300 Arbeiter beschäftigt werden. In gleicher Weise wird das-neue Stadtviertel Neve S h a a m a n bei Haifa durch - eine Anleihe der Exekutive in den Stand, gesetzt, durch fünf Monate <300 Arbeiter zu beschäftigen. 1 Eine große prinzipielle Bedeutung.kommt dem Straßenbau zu, den die Regierung - zwischen dem ji'üd iseh e n Koloni en_ durchführt. Diese Straße wird durch einen Kredit der Jüdischen Kolo-' ' nial-Bamßc am die p a l ä s t in e n s i s c h e R e g i erumg im Betrag vbn 15.000 Pfund möglich gemacht. Ursprünglich sollte sich düe Ica an (Jer Anleihe tnit demselben, Betrag beteiligen, doch scheiterten die Verhandlungen-. Der Straßenbau muß in den nächsten Tagen beginnen. Dies sind die -bisher vom Arbdtedepairtememt realisierten Vorschläge. Weitere sind in Vorbereitung und ihre Durchführung hängt wesentlich vom Erfolg des. Keren H aji essod in dem nächstem- Monaten ab. So besteht im Tel-Aw-iw das dringende Bedürfnis nach einem Bau von 150 Häusern, in T i b e r i a s will der Verein A-chiusat bagit 30 Häuser (bauen, und dieste Arbeit, einmal begannen, könnte den Bau weiterer privater und öffentlicher Gebäude, die Diuirchfühtrung von Installationiem usw. nach-sich ziehen und etliche hundert Mamm durch Monate beschäftigen. Derzeit arbeiten hundert Mensch ein an W egbatuiteu für dieses neue Viertel1. Diese Arbeitern in Jaffa und Tiberias bangen vcm Öer* Möglichkeit ebner Anleihe-für zwei* ..bis drei Jahre ab. Im» Jerusalem gibt es bisher trotz bitterer Wohnungsnot keine Bautätigkeit, do>ch . hat die Exekutive durch Gewährung eines . Kredits vom 1700 Pfumd es möglich gemacht, daß eine größere Zahl vom Arbeitern in einem Steinbruck beschäftigt ist, um Bausteine für die Bäusaisan vorzufoereiten. Alle Einsichtigen sind darin, einig, daß dlie Ar- 'beitslkrise mit. ihren zirka 1600 Arbeitslosen eine vorübergehende Erscheinung ist. Daß sie der Exekutive viele Sorgen bereifet und Geld kostet, braucht keiner Erörterung. Je schneller der Keren Haje s so d die Mittel für produktive, großzügige Arbeit herbeischafft, desto leichter wird es dem Arbeitsdepartememit der Exekutive werden, über die Krise hinwegzukommen, und das Einwandenumgsamt wird es nicht nötig haben, >Stop immigration« zu rufen. Das ist, Gott sei Dank, bisher nicht geschehen, Die Exekutive hart eingesehem und auis der Erfahrung gelernt, daß die Einwanderung selbst ein positiver Faktor ist, der Arbeiösmöglichkeirtea schafft. Wasserkraftprojekte. (Aus dem Keren-Hajessod-Buch.) I. Solange für 'Palästina keine billigemumd dauernden Vorräte mechanischer Kräfte gesichert sind, ist vom der glücklichen Lösung der mit der : Verwirklichung der jüdischen nationalen Ziele verbundenen praktischem Probleme nicht viel zu baffem. -- KohLe ist zurzeit das hauptsächliche Brenm- “• material, aus welchem alle Arten der Energie abgeleitet werden. Hätte Palästina die umtseren nationalen Wünschen entsprechende Niordgremze erhalten, wären wir im Besitz einiger ganz unbedeutender Flöze Kohle von schlechter Qualität. Da sich jedoch unsere Hoffnungen nicht erfüllten, müssen wir eine noch schlechtere Lage konstatieren -- es ist überhaupt keime Kahle auf Palästinas,, Boden. - Wohl gibt es begründete Hoffnungen, daß flüssiges Brennmaterial in der Gegend des Jordans und des Toten Meeres gefunden wird, aber es wäre gewiß gefährlich, alte-umisiere Berechnungen 'auf diese bloße Möglichkeitzu basieren. Wir müssen afltso ein sehr ernstes Problem ins Auge fassen: Wir werden gezwungen sein, Zuschüsse jeder Art Brennmaterial vom Ausland eimzuführen, was natürlich die finanziellen Eimniahms quellen Palästinas stark ' beanspruchen wird. Das Land braucht jährlich 100.000 Tonnen Kohle guter Qualität, was annähernd 50.000 Tonnen flüssigen Brennmaterials entspricht. Eine Tonne englischer Kohle, in Haifa oder Jaffa abgelieferlt, kostet beiläufig zwölf Pfund Sterling, mit dem entsprechenden Aufschlag, falls sie ims Innere dos Landes geliefert wird. Es soll erwähnt! werden., daß es zurzeit keimen einzigen völlig aiusgebauten Hafen in Palästina gibt und daß das Umschlagverfahrem deshalb seht* kostspielig und verschwenderisch ist. Ander enstits gibt es wenig Eisenbahnen und «Steilem, -wodie industrielle und landwirtschaftliche Entwicklung, schon begonnen wurde oder beabsichtigt wird, die aber weder eine Eisenbahn miotcb gute Landstraßen haben. ' II. ‘ - Wenn es auch keine schwarze Kokte iin Palästina gibt, bat die Natur das Land mit schnell-, fließenden Flüssen beschenkt, deren Wasserfälle zur Erzeugung von Kraft (Gemerating power) benützt werden können. , 22. Jgnner 1922 Eine kurze Beschreibung der wichtigste!® Flüsse und Ströme Palästinas erscheint w es ent-- lieb, um die in „ihnen , verborgenen Möglichkedtenf dem Verständnis näherztdbringem.. Der Joirdanfluß nimmt im.AntMbamom, genauerf. am Berge Hermon, seinen Ursprung in einer Höhe; vom mehr als dreitausend Metern über dem! Meere. Der Hermom ist (hoch und ausgedehnt! gering^ um beträchtliche Mengen Schnees zii sammeln, die man manchmal sogar in den heißestem! So.mfnertagen sehen kann. Dieser sdhmel'zemdej Schnee nährt eigentlich die Wasserscheide des! Jordan. Der obere Jordan besteht aus sieben be* sonderen Strömen., die gerade, bevor er den Hulefo* (Merom-)See erreicihit, sich vereinen. III. .. Der Hulah-See liegt beiläufig,auf der gleichem» Höhe mit dem Mittelländischen Meer. Nach Verlassen dieses Sees ist der Jordan ein gegen) 600 Fuß (beiläufig 183 Meter) breiter Fluß. Er| fließt zuerst zwei Meilen träge, sich . schlängelnd1, dann stürzt er plötzlich sechs oder 'sieben' Meilern! nieder, in einer über 690 Fuß langen Reihe vom( Katarakten - und Wasserfällen. Zwischen dem Seen von Hui ah und Tiberias ist eine > Entfernung vom nur neun Meilen, der Fall des Flusses' während dieser kurzen Entfernung erreicht hingegen beinahe 700 Fuß. Nachdem der Jordan den) Tiberias-See verläßt, fließt er klar und Sich schlängelnd, bis er das Torte Meer erreicht. . Die ganze Länge dieser Strecke des Jordan., in gerader Linie gemessen, beträgt 66 Meilen. Etwa vier Meilen! vom Tiberias-See südlich errei&it er dein wichtiger*. Nebenfluß Jarmuk im Osten und neun Meilen, weiter unten im Tale breitet er sichgegenüber, der Stadt Beiss<m aus» die am der Oeffnung^ des Tales vom Jesreel liegt. Dann, macht, der, Jordan einen riesig steilem. Fall von' 400 Fuß,, zur allgemeinen Höhe des.Talles; und noch weiter^ südlich gibt es einen änderen Fall vom 150 Fuß? Von. diesem Landstrich an fließt der Jordan gegept zwölf Meilen durch ein zwei oder drei . Meilen breites Tal, mit mehr oder weniger steilem! Bergen am beiden' Ufern. Weiter südlich verbreitert sich das Tal beträchtlich dürcth da’fi Zuströmen des Jabböker yon Osten. Das Töte! Meer liegt etwa 1300 Fuß unter der Fläche des .Mittete, ländischen Meeres. Der Höhenunterschied zwischen! dem Toten Meer und dem Tiberiiais-See beträgt etwa! 600 Fuß. Der Jarmuk, dieser 'bedeutendste Nebenfluß des Jordan steigt vom* Hauiran ab und nimmt' zahlreiche Nebenflüsse rechte und links auf. Was den Jarmuk betrifft, so ist nicht''die Wässer-, menge,- die er dem Jordan zufübnt, das Erwähnons-' werteste, sondern eher die Schnelligkeit und die Tatsache, daß er ^ch durch das Gebirge - voh - Hoiüran und Trams Jordanien ein tiefes Bett grub. Vom hydrotechnischen Standpunkt kommt der bei Mezerib’ beginnende Teil in Betracht. Für den Durchschnittsleser genügt' es, zu erwäbtnen, daßdieser Strom in der Nachbarschaft von El - Hamma in einem 300 Fuß tiefen Hohlweg fließt; die Ufer dieses Hohlweges sind beinahe senkrecht und' bestehen aiuis harten, geologischen Bildungen und - bedürfen daher — roh auisgedriickt — nureines; Dammes, um einen mächtigem Wasieirfalft -zu1 bilden.., * ■ Was vom Jarmuk gesagt worden ist, hataudte iin geringerem Grade auf den. Gabele Bezug-', einen, anderen Nebenfluß des Jordan, der vom transjordanichen Gebirge hexfließt. Eine Beschreibung der mächtigem Wassel' Kräfte Palästinas wäre nicht vollständig, würden' wir zwei wichtige Ströme, die vom Gebirge Maate-, in das Tote Meer fließen., nämlich dm Amon-und den Zetka-Main, nicht erwähnen. Diese.. beiden Ströme gruben sich tiefe Betten, im hartem Stein und trocknen nie aus. Der Audjia-()arkon-)Fluß, in dessen Nachbar* schaft Petach-Tilkwah liegt und welcher in das Mittelländische Meer vier - Kilometer nördlich'von Jaffa mündet, bildet viele natürliche Wasserfälle im seinem mittleren Lauf; ihre Kraft, wenn auch nicht <so beträchtlich, wie in den- Fällen, des JOrdlan und dies Jarmuk, ist nichtsdestoweniger bedeutend, besonders für das Ideale Bedürfnis des Kreises. IV. . Alle palästinensischen Wasserkrafrtprojekite sind praktisch mit den Bewässerumg-splänen, eng verbunden. Dies versteht sich leicht, wenn man 'bedenkt, daß die Landwirtschaft, die schon jetzt die Hauptbeschäftigung der Bevölkerung ist. in der Entwicklung des Landes eine noch .viel wichtigere Rolle spielen wird. Verschiedene Sachverständige höben verschiedene Schätzungen der potenizieilen Wasserkraft Palästinas'gegeben.' Die letzten Berechnungen ergaben* die Zahl von einer Mil Horn P f ex dekr alten zusätzlich times‘ Wasserzuschusses, ■ der für die Bewässerung von 1,200.000 Acker Landes aufereicht. Während cs vorläufig noch! keinen Sinn hätte, Elektrizität in solchem Ausmaße zu erzeugen, sollte man nichtsdestoweniger - .bedenken, daß, von der zukünftigen industriellen Entwicklung ganz abgesehen, die zahlreichen Brunnen der Ebenen, die jetzt in den jüdischen Siedlungen mmm m wmper Herren- und Damenwäsche, Regenmäntel, engi.Wci(sMfe,fernerSvctt2eugtjAVebwaren, ail&s.er&Jri&ssig'tmd-billigst im Warenhaus 8iii Schlffmann 1TaiisrstraSe 4S - Idephsa 47179 En gpos 1CT4 En. Detail