Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1069 (20.1.1922)
- Date
- 1922-01-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1069 Wien, Freitag _WIENER MÖEGSNZBITUNG_20. Jänner 192? _/Seite 3 Hilfe für die Chaluzim und Hof, mit einem Wort Ruin der Wirtschaftsbürger von Oedenburg und Umgebung. Leuten, die sich weigerten, zu unterschreiben, drohte man damit, daß man sie wegen Vaterlandsverrats und Fahnenflucht anklagen und in den Kerker werfen werde. In den Dörfern ist seit Freitag alles in Aufruhr. Beamtenabbau. Budapest, 19. Jänner. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Die Kommission des Nationalverbändes ungarischer öffentlicher Angestellter hat bekanntgegeben, daß die Regierung demnächst eine Gesetzesvorlage über eine Verminderung der Zahl der Öffentlichen Angestellten erbringen werde. Es sollen in kürzester Zeit elftausend öffentliche. Angestellte teils pensioniert, teils mit endgültiger Abfertigung entlassen werden. Eine Hinrichtung in Szegedin. Szegedin, 19. Jänner. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der Terrorist E n g i, der während der Proletarierdiktatur den gewesenen Präsidenten des Abgeordnetenhauses Ludwig Navay und dessen Bruder ermordet hatte, wurde heute irüh hingerichtet. ' Palästina. Englische Gendarmen zur Einrichtung des Ordnungsdienstes. London, 19. Jänner. (Funkspruch.) Eine Abteilung von 700 englischen Gendarmen wird nach Palästina zur Einrichtung des öffentlichen . Ordnungsdienstes geschickt werden. , Erweiterung jüdischer Kolonien. Jerusalem, 15. Jänner. (Bericht der „Wiener Morgenzeitung“.) Das landwirtschaftliche Departement der zionistischen Exekutive in Erez Israel beabsichtigt, demnächst die Erweiterung der Kolonie Moza durchzuführen. Moza wurde von den „B’nei-B’rith“ vor 30 Jahren, in der Nähe von Jerusalem gegründet Den einzelnen Kol n;ten wurden damals kleinere Anleihen für Anschaffungsbeiträge gewährt. Infolge der geringen Einwohnerzahl war die Lage dieser Kolonie keine besonders gute. Zwei Jahre vor Kriegsausbruch hat die „Ica“ einigen Jerusalemer Familien Anleihen' gewährt, damit sie nach Moza übersiedeln, diese Familien mußten aber nach kurzer Zeit Moza verlassen, da sie viel zu wenig Boden zugewiesen erhalten hatten. Gegenwärtig zählt die Kolonie acht Bauernf a m i l i e n und hat ungefähr 1000 Dutiam Boden, der jedoch sehr ungünstig aufgeteilt ist. Der Waad der Kolonie wandte sich nun an den Jüdischen Nationalfonds und die zionistische. Exekutive mit einem Vorschlag, in der Nähe von Moza Boden zu kaufen und zehn Familien Anleihen-zur Inventaranschaffung zu gewähren, um auf diese Weise die Kolonie zu vergrößern. Dieser Vorschlag wurde in der letzten Sitzung des landwirtschaftlichen Departements gebilligt und beschlossen, die Bedingungen an Ort und Stelle zu untersuchen. Ebenso beschäftigt sich auch das genannte Departement mit der Frage der Festigung der Kolonie Merchawjah. Kleine Nachrichten. Vor einigen Tagen wurde dem Jerusalemer Oberfabbiner Jakob M e i r vom Distriktskommandanteu General S t o r r s im Aufträge des serbischen Königs Alexander der Grand Cordon-Orden überreicht. Die jüdischen Wachleute, die für die Dauer von zwei Jahren für den Wachtdienst verpflichtet wurden, erhielten ihre Ernennungsdekrete in hebräischer Sprache. „A l 1 f -B a“ meldet nach zuverlässigen Quellen, daß im Einverständnis mit der französischen und englischen Okkupationsverwaltung der neue Z o 11 v e r t r a g zwichen Syrien und Palästina aufgehoben wurde. Die zwischen den Arbeitern und Kolonisten in Chedera herrschenden Differenzen wurden beigelegt und die Forderungen der A r b e i t e r erfüllt Rundschau. Statt Genua — Rom. Rom, 19. Jänner. (Tel.-Komp.) Blättermeldungen zufolge hat die englische Regierung der italienischen den Vorschlag unterbreitet, die internationale Wirtschaftskonferenz nicht in Genua, sondern in Rom abzuhalten. Die italienische Regierung hat sich bis jetzt noch, zu keiner Aenderung des Tagungsortes entschlossen. Die russischen Delegierten für Genua. Warschau, 19. Jänner. (Tel.-Komp.) Wie aus Moskau gemeldet wird, sind als Delegierte Sowjetrußlands für die Konferenz in Genua Joffe und Rakowski in Aussicht genommen. Enver Pascha gefangen? Paris, 19. Jänner. (Funkspruch.) Die Blätter berichten aus Konstantinopel, daß Enver Pascha im Kaukasus gefangen genommen worden sei und daß er der Angora-Regierung ausgeliefert werden wird. London, 18. Jänner. (J, C. B.) Die neugewählte Repräsentanz der Föderation der ukrainischen Juden in England hat nach Anhören eines Berichtes des Sejmdeputierten Grünbaum über die Lage der Chaluzim in Polen die Assignierung einer Subvention im Betrage von 500 Pfund Sterling beschlossen. Paris, 17. Jänner. (J. C. B.) Die Exekutive der jüdischen Welthilfszentrale, hat. einen Betrag von mehreren tausend Francs als Subvention für die in Oesterreich befindlichen Chaluzim nach Wien überwiesen, um ihnen die Weiterreise nach Palästina zu ermöglichen. Pogromhetze in Sibirien. Berlin, 16. Jänner. (J. C. B.) Einem Moskauer Telegramm im „N o w y Mir“ zufolge, betreibt die Regierung des Generals Merk ulow in Sibirien eine offene Pogromhetze gegen die Juden. Die gesamte jüdische Bevölkerung wird terrorisiert und flieht in Massen aus (‘em Lande. Die jüdischen Vorsteher in Wladiwostok wandten sich an die ausländischen Konsulate um Schutz, doch blieben alle Anstrengungen jn dieser Richtung erfolglos. Das Grauen in Rußland. Moskau, 19. Jänner. (Funkspruch.) Aus Orenburg wird gemeldet: Zu Neujahr 1922 betrug die Zahl der Hungernden in der K i r g i s e n r e p u b 1 i k 2 Millionen Menschen, das ist 70% der Bevölkerung. Die Bevölkerung nährt sich im Isawodedosker Kreise von Pferde- und Hundekadavern. In der Mehrzahl der Dörfer hat die Bevölkerung, die Gräber geöffnet, in denen die Leichen der an Hunger und Typhus Verstorbenen beigesetzt wurden. In der Krim beträgt die Zahl der Hungernden 120.000. Im Uralgouvernement beträgt die Sterblichkeit der Typhuskranken Über 30%. Die Spitäler sind überfüllt; es herrscht völliger Aerztemangel. In einem von 120.000 Menschen bewohnten Gebiete sind nur drei Aerzte tätig. Wegen Arbeitermangels werden die Leichen nicht tief 'genug eingegraben, wodurch im Frühjahr neue Epidemien drohen. Die Juden in Kiew. , Riga, iS. Jänner. (J. C. B.) Dem fetzten Jailiires'beri'ohit der Gemeinde Kiew mfolge ©nt-' fallen dort auf die allgemeine Bevölikerungs-zaiM von 54^.000 Seelen 150.000 J u d en. Die größten fünfzehn G ew erkschiäften' haben aiuf eine Mitglieder zahl von 71.811, etwa 16.000 Juden. In d*cr Kfeiderindu- «trie sind diie Juden mit 82 v. H. .vertreten, während •sie im Baugewerbe ' der Soavi'ietinstiiiiutionen ■etwa 40 Pro-zent ausmaohen. -In der. Metall- : n duster i e, wo vordem Kriege -fast kein Jude tätig' war, «find jetzt 10. v. H. Juden. Im Handel waren im September vorigen Jahres 6z 5 8 Juden beschäftigt. : Das Verbot des Gebrauchs fremder Sprachen in Kanada. Toronto, 18. Jänner, (J. C. B.) Das Verbot der Bildungskcmmi'ssion des hiesigen Staditrates gegen den Gebrauch fremder Sprachen in den städtischen Schulen sowie die Verfügung, daß sowohl der Unterricht wie auch die Reden und Vorlegungen ausschließlich in englischer Sprache zu erfolgen haben, rief -unter der hiesigen Judenheit große Aufregung hervor. Die Stadt Toronto verfügt über eine bedeutende jüdische. Bevölkerung, deren Steuer-ksraft zur Erhaltung der Schulen wesentlich beiträgt. Die Juden können daher dieses Verbot gegen den Gebrauch der jüdischen Sprache in den städtischen Schulen nicht zur Kenntnis nehmen, sie werden 'bei den unmittelbar bevorstehenden Stadtratswah'1 en für jüdische Kandidaten stimmen, beziehungsweise, für jiudenfreundlidhe cfhristliahe Kandidaten, die sich, verpflichteten, dieses Verbot baldigst aufzuheben. Verbot von Kriegsmaterialsendungen aus Amerika. Washington, 19. Jänner. (Havas.) Der Kongreß hat einen Gesetzentwurf angenommen, durch den die Versendung von Waffen und Munition nach'anderen Ländern, in welchen innere Unruhen herrschen, untersagt wird. Es heißt, daß das Gesetz auf. China hinziele. Deutscher Reichstag. Berlin, 19. Jänner. (Wolff.) Im Reichstag, der heute seine Sitzungen wieder aufnahm, wurde eine Anzahl kleinerer Vorlagen erledigt und sodann in eine Besprechung der Interpellation der Demokraten über die Finanznot der Gemeinden eingetreten. In der morgigen Sitzung wird die Debatte fortgesetzt werden. Der Arierparagraph in Deutschland. Göttingen, 19. Jänner. Der Hauptausschuß der Deutschen Studentenschaft hielt am 16. und 17. d. M. hier eine Tagung ab. Auf dieser Tagung wurde einstimmig die neue Verfassung zum Beschluß erhoben, nach der die „Deutsche Studentenschaft“ alle Studierenden der reichsdeutschen Hochschulen und der Technik in Danzig reichsdeutscher und österreichischer Staatsangehörigkeit und auf Antrag auch auslanddeutscher Herkunft umfaßt; damit wurde für diese Hochschulen in der Judenfrage der Rassestandpunkt restlos auf gegeben. Da die österreichische deutscharische Studentenschaft hartnäckig auf dem Rassestandpunkt beharrte, so ergab sich die Unmöglichkeit des Verbleibens der österreichischen Hochschulen in der „Deutschen Studentenschaft“* Aussperrung dfer Arbeiter in der württembergischen und badischen Holzindustrie. Stuttgart, 19. Jänner. (Wolff.) Die Verhandlungen, über eine von den Arbeitern der H 0 1 z i n d u** s t r i e geforderte 50%ige Lohnerhöhung sind endgültig gescheitert. Die Arbeitgeberverbände von W ü r 11 e mb e r g und Baden haben bereits ausgebrochene wilde Streiks mit der Aussperrung der Arbeiter sämtlicher Betriebe beantwortet Eine Anfrage an PoincarS. Paris, 19. Jänner. (Havas.) Gelegentlich einer Inter* pellation an die Regierung in der heutigen Kammersitzung sprach: der Kommunist Lachin über die Politik Poincaräs im Jahre 1914 und über die Briefe Iswolskys an Sasohöw. Ministarpräsident Polncare stellte daraufhin der Behauptung von dem Vorhandensein solcher Briefe das formellste Dementi entgegen und erklärte, er habe sie niemals gesehen. Das Fiasko der grünen Internationale* Der Münchner Spezialberichterstalter des „Pest! H i r 1 a p“ hatte eine Unterredung mit dem bayrischen Ackerbauminister Johann W u t z 1 h 0 f e r, den. er als bayrischen Bauernführer, etwa wie Szabo-Nagyatadj charakterisiert. Der wichtigste Teil der 'Uritefredpng' betraf das Schicksal der g r ü rf e n I n t e r n a t i ö n a 1 e, über deren Gründung im Vorjahre so viel gesprochen wurde* von welcher in der letzten Zeit jedoch nichts mehr verlautet. Minister W u t z l h 0 f e r äußert sich hierüber sehr skeptisch. Die agrarischen Organisationen, in Bayern selbst sind in die verschiedensten Lager gespalten und es sei nicht mehr ernstlich daran zu denken, daß die internationale Organisation der Landwirte überhaupt noch Zustandekommen werde« Die Frage sei jedoch heute nicht mehr von solcher Wichtigkeit. Ursprünglich hatte die grüne Internationale die Aufgabe, sich gegen die rote Internationale, gegen den Bolschewismus zu organisieren und für den Kampf vorzubereiten. Nunmehr sei die Gefahr einer Ueberschwemmung Europas durch den Bolschewismus so ziemlich geschwunden und die grüne Internationale wäre daher vom Gesichtspunkte ihrer ursprünglichen Hauptaufgabe aus überflüssig. Bezüglich der Agrarreform in Bayern faßte Ackerbauminister Wutzlhofer das Programm dahin, zusammen, daß man die bodenlose Agrarbevölkerung nicht dadurch zu Bodenbesitz gelangen lasse, daß der Grundbesitz anderen weggenörnmen und jenen überwiesen wird, sondern daß man diesen bodenhungrigen Bauern in bisher unkultivierten Gegenden Kulturboden schafft. Auf diese Weise gelänge es, die Bodenproduktion schon jetzt auf 80 Prozent des Friedensstandes zu bringen. Tagesbericht. Die deutschen Juden und der Aufbau Palästinas. Hervorragende Berliner Juden erlassen soeben einen Appell an die gesamte deutsche Judenheit, der für den Aufbau des neuen Palästina von starker Bedeutung werden kann. Das Manifest hat -folgenden Wortlaut: Die Besiedlung Palästinas galt zu allen Zeiten als hohe, religiöse Pflicht im Judentum. Jetzt ist die Möglichkeit gegeben, Palästina zu einer j ü d i s che n Heimstätte zu entwickeln. Sie stellt die gesamte judenheit vor eine große Aufgabe. In ihrer Lösung wird sich erweisen, ob die Juden die Kraft besitzen, in Palästina in produktiver Arbeit Werte zu schaffen, ob sie die Fähigkeiten haben, dort in eigenen Formen gemgnsam zu leben, ob der Sinn für Gerechtigkeit, dem das Judentum seine Größe verdankt, als herrschende Macht des jüdischen Lebens wirksam werden wird.. Jeder Jude muß heute wissen, daß das Schicksal der neuen jü Ischen Siedlung in Palästina auch für i h p von Bedeutung ist. Die jüdische Leistung im jüdischen Lande wird Geist und Kraft der g es amten Judenheit stärken. Darum muß das Werk über die Parteien erhoben ' und durch ein Zusammenwirken aller zum Erfolg geführt werden. Groß sind die Schwierigkeiten, aber nicht unüberwindbar; zahllos sind die Aufgaben, aber nicht undurchführbar. Der Boden Palästinas soll der Landwirtschaft erschlossen, der Lauf seiner Gewässer soll geregelt werden, Straßen, Eisenbahnen und Häfen sollen gebaut werden. Die Sanierung des Landes muß in Angriff genommen, Krankenhäuser müssen gebaut und ärztliche Hilfe muß eingerichtet werden, Volksschulen, Mittel- und Fachschulen müssen errichtet und ausgebaut werden, soziale Hilfe und Ordnung , sind in weitestem Maße durchzuführen. An diesem Werke tätigen Anteil zu nehmen, ist die Pflicht der Juden Deutschlands. Außerordentlich große Mittel müssen aufgebracht werden. Mit dpn gesammelten deutschen Geldern soll der Palästina-Sache ein möglichst großer Dienst geleistet werden. Mit Rücksicht auf die Entwertung der deutschen Währung sollen diese Gelder daher ausschließlich in Deutschland für Palästina verausgabt werden. Dem Aufbauwerk wird am besten gedient, Rcflenmäntel Herren- und CamenwSscheJexfl!« und Slrkhwaren, altes erstklassig und billigst Im Warenbaus BrUei Schiffmann En cros um En detail um