Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1068 (19.1.1922)
- Date
- 1922-01-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Donnerstag WIENER ersuohen-, die rn Zeibuiug'satrti’kel'n vumd in seiner heutigen Rede enthaltenen Beschuldigungen bis heute mittags in einer schriftlichen DairsteHiumg zu formulieren und seine Beweismittel an Zufuhren. Ein-dementsprechendes Ersuchen ist auch an Fkianzministteir Dr. Gürtler zu richten. Dieser Beschluß wurde beiden Herren* sofort «n&tgeteilt. Sie erklärten sich bereit, dem Auftrag Folge zu leisten. Oesterreich. > \ ... Die rebellischen Kannegießer. Die im der >Arbeitsgemeinschaft der Sahuitzvereine Wiens« vereinigten deucschnationalen Gschaftelhuber haben eine Protestversammilung gegen den Vertrag ''on Lama und dessen Uirneber abgehalten. Vorsitzender war Oberst Buüey, ein alter Haudegen, also, sicherdie geeignetste Person zur Beurteilung des Wertes einer Aktion zur Festigung des Friedens. Verschiedene Redner hielten temperamemtvoille Reden, deren geistiges Niveau am besten durch den Herzewserguß des Sehriftleiiteirs M-aschke charalkteri'siert erscheint, der sich über die Art und Weise auf regte, in der Bundesprasident Doktor II ai ai sch den Präsidenten Masaryk zu begrüßen pflegt. Wir sind über den zwischen den beiden Staatsoberhäuptern, die bekanntlich Schu'I'kameraden gewesen sind, üblichen Gruß nicht hinflän glich informiert, bezweifeln allerdings, daß Dr. Hainisch seinem t sehe c H isehen Kollegen ausgerechnet >H e i 11 c zuzurufen pflegt, wie es die diversen Maschikes offenbar wünschten, Einer der Redner, ein Professor Binder, soil;vdef chrisdioh-sozialen Partei angehören. Das Hauptorgän dieser Partei macht sich jedoch über die Veranstaltung weidlich' lustig: »Derlei große Sprüche machen pich hinterm Biertisch oder auch Ln Versammlungen recht gut, aber ein deutsches Volik vor dem Hungertöde zii retten, taugen sie nicht. Wenn in „der Versammlung-der völkischen Vereine Wiens einer der Redner das große .Wort gelassen ausgesprochen halt: »Wer den Vertrag von Lama gutheißt, hat das Recht verwirkt, sich Deutscher zu nennen«, so 'klingt.das beinahe so lapidar und sa autoritativ, wie die MittennaCihtsrede eines Spähfuöh'Ses.« i Natürlich schließt sich der »Eimstpruchsbe wegümg« auch der — Antisemitenbund an, und zwar mit der Begründkmg: »Schon der Umstand, daß alle jüdischen Zeitungen, voran die zionistische »Morgemzeilttng« sich nicht genug tun können,'deT Ratifizierung des Vertrages von Lama durch spalten!ange Artikel .und Lobhudeleien Vorschub m leisten, muß jeden Arier - stutzig machen.«; ' Diese Erklärung ist sogar dem christl f c hsozialen »Neuigkeits Weltblatt« zu dumm, und. es klagt, daß es solchen Argumenten gegenüber natürlich schwer ist, ernste P o 1 i t ik zu machen. Die hier geäußerte christlich-soziale Sehnsucht nach »ernster Politik« ist freilich neu. An antisemitischer Demagogie hat die klerikale Partei in Oesterirei-cih der dcntschnatio- ■nalen Konkurrenz bi/iher nichts nachgegeben- Eine, herbere Kritik des geistigen Niveaus, auf dein der »Antisemiten^burnd« operiert, Hann es gar nicht mehr gehen, als dße Entdeckung, daß er sogar die weit-genug gesteckten Grenzen dessen überschritten hat, was die Christtiohspzialeai noch als ernste Politik gelten lassen.. . *; Die Paßkonferenz. - Graz, iS. Jänner. (Privat.) Heute begann hier Ue Venkehnslkanferenz d-er NaclifclgesUaten. Die Verband hangen begannen tnit der Ve c-aung . ijer Exposes der einzelnem Delegiertem ^Das öste-rreitaliisdhe Expose spricht s-ic'h prinzipiell für voll i g£, Werkehrsfreiheit und demnach für die Abschaffung des Paß- und Sichtvermerks aus. Als Voraussetzung' hiefür wird die Reziprozität gefordert und E i n - s c b r ä n k u n g e rf bezüglich ei&iger namentlich im Osten befind lieh er Staaten gemacht, hinsichtlich deren der Paßzwang beibeh.alten werden, müßte. Sollte der freie Verkehr nicht durchführbar -sein, wünsche Oesterreich ein möglichst liberales ' Regimes. Die Expose« des italienischen, tsoheohoslowdkischem und ungarischen Vertreters stehen im. großen und ganzen auf dem Standpunkt der Pariser Werköhrskonferenz. lediglich das 'polnische Expose stellt sich auf einen gan>z ablehnenden Standpunkt. Die Verhandlungen mit Ungarn. Die Beratungen Über die handelspolitischen fragen sind bereits Im günstigen Sinne abgeschlossen. Ebenso dürften die V e r k e h r sfragen noch vor Ende dieser Woche gelöst werden. Die Regelung der finanziellen Ansprüche beider Staaten gestaltet sich sehr schleppend. Oesterreich hat seine Forderungen bekanntgegeben,. die ungarische Kommission ist daraufhin sofort nach Budapest gereist, wo die österreichischen Forderungen von den Fachministerien einer Prüfung unterzogen werden.. Diese Arbeit wird mit größter Beschleunigung vorgenommen, so daß die Kommission bereits heute oder morgen wieder in Wien eintreffen wird. In den Komplex der finanziellen Fragen fällt auch die Frage der ungarischen Kriegsanl ei he in österreichischem Besitz und die Aufnahme; des Zinsendienstes für diese. Im Falle eines günstigen Abschlusses der Finanzverhandlungen wird Ungarn den Zinsendienst für die ungarische Kriegsanleihe in österreichischem Besitz ehebaldigt aufnehmen. Außerhalb des Rahmens der gegenwärtigen Verhandlungen fällt hingegen die Frage der u ngarisehen Vorkriegsrenten. Kompetent hiefür ist die Subkommission der Reparationskommission. Stempel, Rechtsgebühren, Spielkarten. In der gestrigen Sitzung des Nationalrates brachte die Regierung eine Vorlage, betreffend die Abänderung einiger Vorschriften über Sternoei und Rechtseebühren Mitteilungen aus dem Publikum. ä Pepi Spergel Fischei Rathaus Rozwadöw Rawa-Ruska empfehlen sich als Verlobte Jänner 1922 5901 i. Perlen, lüweleü. Platin. Gold. Silber falsche Zähne kauft Von Händlern. Juwelieren, Zahnärzten und Privaten Bftgr Weitfirma Juwelier RAB8NOWITSCH im 1., Mahlerstreße Nr. 5 II., Hoilandslraße Nr. 3 s (frühere Stephanie straBe) Telephon Nr. 45146 Man beachte die große Straßenuhr im eigenen Hause Nr. 3 5820 Telephon 3541 :lle ‘ Haltestelle Opernring Zugang Kärntnerstraße Samstag geschlossen Parfümerie u.GummiwarenÜ kaufen Sie billigst bei Julius Spiegel jun., fSr&Jfe O,ook#”f3*?2*.^ und ausländ. 442 sowie über den Splelkarten-Stempel, ein. Die Gebühren werden im allgemeinen auf das Fünffache erhöht Der § 12 des Gesetzentwurfes befaßt sich mit den K o t i £r u n g s g e b ü h r e n, die von ausländischen Aktiengesellschaften zu entrichten sind, welche die Notierung ihrer Aktien an der Börse erwirken. Diese Gebühr soll von bisher l°/0 auf - 5% e r*h ö h t werden. Der Spielkartenstempel wird bei Kartenspielen bis zu 36 Blatt mit K 25, für mehr als 36 Blatt mit K^50 für gewöhnliche Spielkarten, und mit K 100. für lackierte \ oder waschbare Karten festgesetzt werden. Zerstörung militärischer Sachwerte in Innsbruck. Innsbruck,. 18. Jänner. (Korr. Herzog.) Im hiesigen' Zeughaus erschien eine Kommission der interaljierten Ententekommission in Wien, "um die militärischen Vorräte zu revidieren. Sfe beanständete hiebei einige über den Stand gehaltene Vorräte und ordnete ihre sofortige V e r n i c h t u n g an. Es sollen ganz neue Sättel zerschnitten und wertvolle optische Instrumente zerstört worden sein. Die Vernichtung anderer Ausrüstungssorten muß noch durchgeführt werden. Da die militärischen Stellen. jede authentische Auskunft verweigern, läßt sich die Richtigkeit dieser Meldung nicht feststellen. Der Landesyerweser im Burgenjand. An Stelle* des bisherigen Landesverwesers für das Burgenland Dr. D a vy wkr.de Hofrat Dr. Neugeba u er, Schloßherr auf Piniafeld, der sich bereits seit zwei Jahren in amtlicher Stellung im Burgenland befindet, zum-Landesverweser bestellt und zu seinem Adlatus der Leiter der Polizeiexpositur Wiener-Neustadt, Regierungsrat Dr. Rausn i tz, ernannt, Tschecho-Slowakei. Verhandlungen über eine Kohlenpreisermäßigung. Prag, 18. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die Minister der wirtschaftlichen Ressorts . hielten eine Beratung über die Frage der Kohle n- Preisermäßigung ab. In der Beratung wurde die Frage der Herabsetzung der Kohiensteuer sowie einer Tarifermäßigung und einer Lohnreduktion in Verhandlung gezogen. Die Absicht der Regierung geht dahin, durch eine Ermäßigung der Kohlenpreise eine allgemeine V e r billigungswelle in Fluß zu bringen. Die Regierung wird in allernächster Zeit mit den G r u b e n b e s i t z e r n , und den Gewerkschaften der Bergleute ' in diesbezügliche Verhandlungen eintreten. Die Schulfrage in Karpathorußland. Prag, 18. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Wie die „Tribuna“ erfährt, wird die Schulfrage in Karpathorußland durch Einführung der i ukrainischen Schriftsprache in den ukrainischen Volks-; und Mittelschulen gelöst werden. Außerdem werden an den dortigen Mittelschulen einige Gegenstände in russischer und tschechischer Sprache vorgetragen werden. Die Anordnung bezieht sich lediglich -auf die slawischen Schulen und nicht auf die magyarischen. Jugoslawien. Zum jugoslawisch-italienischen Konflikt. Belgrad, 18, Jänner. (Intel.) In einer Sitzung des Ministerratswurde beschlossen, von der italienischen Regierung zu verlangen, daß italienische Matrosen künftig nicht mehr die jugoslawische Küste betreten, sowie daß die italienische Kriegsflotte nicht mehr in jugoslawische Häfen einlaufe. Jugoslawien gegen die Habsburger. Belgrad, 18. Jänner. (Intel.) Die jugoslawische Regierung hat beschlossen, von der schweizerischen Regierung darüber Aufklärung zu verlangen, ob die Nachrichten über die Treibereien der Habsburger auf Wahrheit beruhen. W. Jänner 1922 Nr. 1668 Polen. Graf Zajmojskis Abreise nach Paris. ..Warschau, 18. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Der polnische Gesandte in Paris, Graf Z ä j m o j ski, der hier, seit einigen Tagen weilte und nach Wilna reisen sollte, um die dortigen politischen Führer über Frankreichs Stellungnahme in der Wilnaer Frage zu informieren, ist zufolge den politischen Ergeignissen in Paris auf seinen Gesandtschaftsposten zurückgekehrt Besuch Masaryks und Veniselos’ in Warschau? Bukarest, 18. Jänner. (Funkspruch.) Die Blättef melden den bevorstehenden Besuch des Präsidenten Masaryk und des griechischen Staatsmannes V e nis e 1 o s. Einladung nach Genua. : Warschau, 18. Jänner. (TeL-Komp.) Gestern Ist hier die vom italienischen Ministerpräsidenten gezeichnete Einladung zur Teilnahme Polens an der Konferenz in Genüa eingetroffen. Ungarn. Einladung Ungarns nach Genua. Budapest, 18. Jänner. (Privat.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung teilte der Außenminister mit, daß Ungarn eine Einladung zur Konferenz nach Genua erhalten habe. Die deutsche Minorität. Budapest, 18. Jänner. Die ungarische Regierung hat im Laufe der Verhandlungen mit Oesterreich die Zusage gemacht* daß die Gleichberechtigung der Deutschen in Schule, Verwaltung und vor Gericht nach dem Gesetz vom 21. August 1919 durchgeführt werden wird. Der „Gebrauch der Deutschen Sprache soll im Reichstag und in den Verhandlungen der Munizipien und Gemeinden gestattet werden. Diese Zusage findet aber nirgends Glauben, weil sie sich auf ein Gesetz beruft, daß die Regierung bisher aus freien Stücken hätte durchführen müssen. ' ■ Rumänien. Demission der Gesamtregierung. Mißtrauensvotum des Parlaments mit 190 gegen 81 Stimmen. Bukarest, 18. Jänner. (Tschecho.-slow. Preßbur.) Das Parlament nahm, gestern die Vorstellung der neuen Regierung entgegen. Namens der parlamentarischen Mehrheit, die von der Volkspartei gebildet'wird, beantragte Abgeordneter Oktavjan G o g a ein M i ßt rau e nsvotu m. Der Sprecher der Bauernabgeordneten brachte ein besonderes, ebenfalls gegen die Regierung gerichtetes Votum ein. Die Opposition übte an der Zusammensetzung des Kabinetts scharfe Kritik. * Sodann gab Ministerpräsident Take Jonescu Aufklärungen über sein Vorgehen. Er sei der Meinung, daß das gegenwärtige Parlament das Finanzproblem lösen müsse. Falls die Mehrheit gegen die Regierung wäre, würde diese ihre Aufgabe nicht durchführen können. Sodann wurde das von der Volkspartei beantragte Mißtrauensvotum m’i t 190 gegen 81 Stimmen angenommen. Daraufhin erklärte Take Jonescu, daß er dem König noch heute die Demission des G e s a m t k a b i n e 11 s unterbreiten werdp. Man spricht von zwei Möglichkeiten, die zui Lösung ,der Kabinettskrise führen können: entweder werd^ der König Take Jonescu mit der Weiterführung der1 Geschäfte betrauen und das Parlament a u fl ö s en oder den Versuch zur Bildung einer neuen Regierung unternehmen, die der gegenwärtigen Zusammensetzung des Parlaments entspricht Telegramme* ■ Die ostgalizische Frage. London, 17. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen* zeitung.“) „Daily C h r o n i c 1 e“ . das Organ Lloyd Georges bringt interessante Mitteilungen über Lloyd, Georges Unterredung mit dem polnischen Gesandten W r ö b 1 e w s k i vor seiner Abreise nach Cannes. Lloyd George soll den polnischen Gesandten verwundert gefragt haben, was eigentlich Polen in der ostgalizischen Frage wünsche. Polen, das erst vor kurzem auf drei Staaten verteilt war, sei' /heute ein selbständiger Staat, der 20 Millionen Seelen zählt und trotzdem verlangt es, daß das nichtpolnische Ostgalizien Polen angeschlossen werde. Lloyd George erinnerte ferner daran, daß Polen mit dem Blute der Allierten errichtet worden sei Zum Schluß seiner Unterredung soll Lloyd George erklärt haben, daß die Alliierten Polen, falls es Lieh der Entscheidung in der ostgalizischen Frage widersetzen sollte, eine „gehörige Antwort“ zukommen lassen werden. Warschau, 18. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Die polnische P esse bringt auszügliche Mitteilungen des „D a i 1 y C h r o n i c 1 e“ über Lloyd Georges Aeußerungen in der ostgalizischen Frage. „Kurier poran'nv“ betitelt den ArtikdL in dem