Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1067 (18.1.1922)
- Date
- 1922-01-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. I0C7 Wien, Mittwoch o® S© gehört dar Jüdische Natlonaikalender Herausgegeben .von Otto Abeies- und'-Ludwig DsiH Reicher belehrender und belletristischer Inhalt. Beiträge der bedeutendsten jüdischen Schriftsteller. Vornehm ausgestattet und illustriert. , Zu beziehen durch den Verlag »Wiener Morgenzeltyng“ Wien, II., Taborstrasse la Preis K 2®0, e9nsc!iI!eB13ch PörSo K 230 * Wiedererrichtung des belgischen Konsulats in Wien. Das belgische Ko-wsifet in Wien, welches se’t dem Ableben d'es ehemaligen Genera/l'ko nsmis Herrn Leon iDoret unbesetzt blieb, wird dluirch die kürzlich.erlegte 'Ernenfnutng des Herrn Pani Landbeck zum Konsul neuerlich ins Leben gernfem. Sämtliche kommerziellen Agenden sind von. mtin ab an das königlich belgische Konsulat, Wien, III., Bcchardigasse 17, zu adressieren. f.: ■ 7'r": : y1 Vereine, Vorträge tmd Versammlungen. Oesellschaf t - d e r Fr e u n d e (Qu ä ker). Regelmäßige Mittwochvorträge unr.6 Uhr abends, Hietzinger Amtshaus, Eduard Kleingasse 2, U. Stock, links: 18. Jänner?, »Ein Volkerbundentwurf, von 1693“;-Referent Professor Rudolf Boeck. Frei zugänglich für . jedermann. — Jugendkommission des Z i 0n i st ischen Landesko m i t e e s.^Zu der Mittwoch ,den 18. d. M. um 7 Uhr, H., Zirkusgasse 33,: stattfindenden Sitzung der Jugendkommission haben a 11 c Jugendrefe re nt e n de r Be z i rksse kiionen unbedingt zu erscheinen.Z io n i s ti sc. he Bezirkssektion Wie d e n - Margare t e n. Morgen, 19. d. M., ira Cafe Margareten, V., Wiedner Hauptstraße 87, Plenarversammlung. Tagesordnung: 1. Jugendreferat, 2, Festsetzung der MitgliedsbeltrUge pro 1922, 3. Eventuelles. Referenten : Dr."WilheIm Stciii, Dr. Max , Sprecher. (Fr auengrupp e.) Samstag, 7 Uhr, Vortrag Dr. Sanöl Beer über jüdische ^Cinderferziehurig, Cafe Margareten; Wisdner, Hauptstraße; 87. «7. V e rein j ti dis c h(^r Höre r an de fM'öcfi- . s c hule f ti r B 0 d e fk u 'H;ur. Donnerstag, 19. d. M., */«7 Uhr abepds, Versammlung der- Palästina-Sektion.« Biblio- .tliekstunden können diese Woche. ..nicht , stattfinden. ■ <•**■ •'rr-4J r: a nti. atf V;Heute>;-V*3 Uhr :?(Großer Saal); Schüler^ •v vorträge : Von der JErzeugung des Leuchtgases, in: der Stadt Wien. —Mit der niederösterreichischen Lahfiesbahn nach Mariazell. — 5 Uhr (Großer Saal) Der Kampf mit dem Berge. 1. In Stürm und Eis,;f- ‘/86 Uhr (Kleiner Saal) Akad. Maler Christianl(-Ludwig-Martin: Das Wesen/und die verschiedenen Techniken der Originalradierung. \I. — ... V*6 Uhr (Kurssaal) Ilse A rl t: Wärmewirtschaft, >Kräftewirtschaft. und 'Abfallverwertung im ' Haushalt; >7- Vg6 Uhr (Klubsaal), Univ.-Prok. Dr. Robert F..Arnöl d: Warum und wie erlernt man:' |remde Sprachen?■ II. —; Uhr (Großer Saal) Das scliöüe Land Salzburg. . ‘ V.8 Uhr (Kleiner Saal) Oskar,;N:i eß: Serbien; Land und Leute, r- V28 Uhr (Kurssaal) Prof. Dr. Ing. Julius Ma gg: Ein Rundgang durch ein modernes Eisenhüttenwerk, III. ~ VjS Uhr (Klubsaal) Zweiter Musikabend. Verein i g t e H e b r ä! s c h e S c h u l e n. Ab nächster Woche werden neue Kurse für Anfänger, Erwachsene und Kinder eröffnet. Die Anmeldung: für die neuen Kurse im XX. Bezirk erfölgt. täglich an Wodhen-' tagen von 5 bis 6 Uhr im Schullokal, XX., Othmargässe 46, Mezzanin. Fortgeschrittene werden für die dort bestehenden Kurse gleichfalls aufgenommen. Neuanmeldurigeri für die Kurse, II., Große Mohrengasse 16, werden dörtselbst täglich an Wochentagen zwischen 5 und. 7 Uhr» Mrdie Kurse, 111., Erdbergstraße, täglich an Wochentagen zwischen 4 und 6 Uhr entgegengenommen. Ernährung/ Der Marktbericht Die Preise für einzelne Fleischgattungen haben im Einklang mit der steigenden Tendenz auf dem Lebshdviehmarkt in St. Marx im Engroshandel wieder weiter angezogen. Die Detailpreise blieben: gestern von diesen. Erhöhungen noch unberührt. Es verteuerten sich irii Großhandel in der Großmarkthalle .Schweine um K 23 bis 30 per Kilogramm, Speck und Filz um K 100, Schafe bester Qualität um K 150, dagegen wurden die Preise für Ziegen ütn K 120 per Kilogramm im Großhandel herabgesetzt. Die Ankünfte ln der Großmarkthalle von auswärts sind gut ausgefallen. Es waren 7 Waggons mit Schweinen, Pferdefleisch, Kälbern und Schweinen aus Jugoslawien. Jngekommen, ein Waggon mit Rindfleisch stammte aus Ungarn, ein Waggon aus Steiermark, der Rindfleisch, 'Schafe, Kälber und Schweine brachte. In "der Großmarkthalle herrschte etwas lebhafterer Verkehr. Auf den Grünwarenmärkten haben sich die Zufuhren an Gärtnergemüse etwas gebessert und reichten für den Bedarf aus. An Kartoffeln standen kleinere Quantitäten aus Nieder- und Oberösterreich Sowie vom Lagerhaus in Schwechat zur Verfügung. Kleinere Sendungen von Äepfeln aus Oberösterreich'ünd Steiermark reichten für den Bedarf aus. Die Preise blieben im großen und ganzen unverändert. Die Preise für Kleingebäck und Extrabrot. Laut Erlaß des Bundesministeriums für Volksernährung ist die Kleingebäckerzeugung nunmehr freigegeben. Für das Kleingebäck wurde ein einheitlicher Pro i s von K 30 und ein Rabatt von K 2 per Stück an die Wiederverkäufer festgesetzt. Das Ge wich t soll ausgebacken 4 dkg, bei bestreuten Gebäck 3‘/8 dkg betragen. Die Erzeugung der weißen Wecken, der sogenannten Einheitswecken, soll nach einer Mitteilung der Wiener Bäckergenossenschaft beibehalten werden. Für das markenfreie Extrabröt wurde der Preis mit K 420 (an die Wiederverkäufer K: 29 Rabatt) für . eines Kilowecken festgesetzt* WIENER IiORGENZSITUMQ' Bühne und Kunst. Eine jüdische Volksmatinee. Der Verein Freie jüdische Volksbühne veranstaltete im Lustspieltheater, seinen ersten volkstümlichen Vormittag. Es war nicht die übliche „bunte Reihe“ von Volksweisen, beliebten Refrainliedern, Singspielschlagem, ■— jenes süffige Quodlibet fürs liebe Publikum* sondern eine stilvolle, charakteristische Darbietung, mit Verantwortung und Erziehungsabsichten .zusammengefügt, V/ arsphawsky und. G 0 1 d f.a d e n gewidmet. Herr Dr. Sternberg sprach vom Wesen und Wirken dieser Väter der ostjüdischen Volkskunst und Bühne. sehr schlicht und eindrucksvoll. Man kannte die beiden bereits, als die Vorträge begannen. Isaak De ut s c h und Lea Weintraub-Graf brachten Lieder, die ein Gesamtbild der Volksdichter ergaben. Merkwürdig, wie beide Künstler durch schöne Zurückhaltung auch jene Stücke, die allzu tränenselig, überschwenglich und den Volksinstinkten entgegenkommend sind, gleichsam ^entsentimentaüsieren“. So zeigten sie, daß auch in manchem Minderwertigen Unvergängliches wohnt. Verdienstlich auch die Rezitationen Benzion 8 i g a 11 s. Insbesondere .das Lied von der Großmutter (eine Perle aus dejm. jüdischen Osten, die nicht verlorengehen darf!) gelang dem. jungen Schauspieler über Erwarten.. . Es .war. wie. der Besuch in einer .großväterlichen guten Stube. .Man fühlte sich heimlich, von Treue und Einfalt angew.eht und von großen Gefühlen, Dem Westjuden mischte . sich wohl in, dpn. B.ecjier der Freude ein“ ganz . winziger. Tropfen W.ehmui t Er sah eine Häuslichkeit, die da war und von der er nicht wußte. Er erfährt von ihr — und sie ist nicht mehr da. Dankenswerter Zufall: Ein altes Instrument stand dem ausgezeichneten begleitenden Pianisten (Marco Goldin) zur Verfügung. Die dünnen, kurzatmigen, gläsernen Töne fügten sich köstlich in die Stimmung; Der edelste Bösendorfer hätte diesmal nicht so gute Dienste tun können wie der brave alte Kasten. O. A. Freie [ü d i s c h e V o.lk s b ü h n e Gastspiel im tustspleltheatep 4280 (BfiäT Das T h e a t e r i s t g e h e l z ti * Neue Wiener Bühne. Zu dem in.Wien schon oft gesehenen „Totentanz“ von S tr i n d b e r g traten vorgestern Paul W egener und Marie E i s als Partner an. Der gefeierte Gast stellte den an Leib und. Seele kranken Ehemann; der aus purer Bösheit.' nicht stirbtj . robust auf die Soldatenbeine. Das Ereignis des Abends war aber Frau E i s. Wie sie das geradezu körperliche Unbehagen, das sie in der .Nähe des Gatten befallt, in stummem Spiel zum Ausdruck bringt; ihr lauernder Blick, mit dem sie jeden Krarikheitsänfail des Mannes voll trunkener Hoffnung, verfolgt und die wilde Enttäuschung, mit dör sie seine Rückkehr' ins Leben wie . einen gegen sie gerichtetes! Schlag äufnimmt, machen -.sie wirklich zu der Teufelin, die der Freund, dem sie sich in die Arme stürzt,- voll Grauen zurückstößt „in die Hölle, aus, der sie gekommen“. In der wenig dankbaren Rolle dieses Freundes zog sich Herr Tcubler leidlich aus der Affäre. Die drei Hauptdarsteller waren nach dem letzten Fallen des Vorhanges Gegenstand ^größer Ovationen d§s Publikums. "H. Sp, ' Operntlieatenf f-;;-' ‘ - der »Tristain«-Aufführung Häng. KammersaBgenn Gertrade Kappel vom Landostheaiter in Hämnover; die Isoüde. Wir wissen nicht, ob sie auf -Emgagement spielt oder nur au'shitfsweise ga-steierte, •; kö,nin,en a'ber schon - mach dem ersten Gastspiel den künstlerischen Wert ihrer Persönlichkeit, ' die einen; lGewmn für die Wiener Oper bedelitoni. wurde, feststellön. Eine ansehwHche Tso-l-dc, von. hohem, schöamikem Wu'C'hs, besitzt sie die gir'oße Wagner-Geste, die nee zur liößan Pose ausartet..-In Shrem lebhaften, stets intelligenten Spiel, ist alles , wo'hlbegründet und von einer nienschilk'h leidenden Frau durchfühCt. Dazu hat.sie ri-e volltönende, von- Leidieunschaft duir^hglühte Stamme der WagnerrSängerin, die in der Höhe in Ihrer prachit- ■vollen Leuchtkraft an düe Wiklfbruntn erimert An ihrem Gesang ist alles Leben und Bewegung umd es fallen gegenüber dem mannigfachen Vorzügen der Sängerin und Darstellerin kleinere. Mängel, wie Veirßaohung des Tpnes im Piano oder geringere Tragfähigkeit im der tieferoh Lage, kveuiger ins. Gewicht, Der Tristan des Rejwn Rudolf Ritter.wahrt edles Maß, sein Spiel bleibt stets geschmackvoil,.- und mitunter gelingt es ihm, seinem lyrischen Tenor ©imiige heMenihaite Töne ab zurin gen. Ue'ber\välfci'gen.d wie immer war der König Marke des Herrn Mayer, auch, die Brangäme der Frau Kittel ist eine Qkm-zleistuihg, recht ’eharaiktedstasoh ist der Kurvenal des Herrn J erger, ganz treuer Diener seilries Herrn. Das Orchester unter Direktor Schalk kam erst allmählich iin Schwung, dann aber musizierte es in idealer Klajugipracht. In der Trist an e- Aufführumig leibt noch imiper Geist vom Geiste Mahlers, der . nicht vergebens am Operntheater gewirkt hat. flib. Aus den Theatern. Im Burgtheater gelangt morgen „W eh’ de m, der lügt“ zur Aufführung. Im O p e r n t h enter wird morgen „5 1 e k t r a* gegeben. — Wegen zahlreicher Erkrankungen im Personal muß das Repertoire geändert werden. Donnerstag den 19. d. M. wird „Madame Butterfly“, mit Frau Kiurina, den Herren Plccaver und Groencn iii den Hauptrollen, gegebe/!. Dirigent Herr Titte!. — Freitag „D o n J u a n“, mit den Damen Lorentz-Höllischer, Gut heil, Rajdl, den Herren Duhan, Norbert, Mfcikl, Markhoff, Madin. Dirigent Herr Schalk. — Samstag (wegen Erkrankung der Frau Kemp an Grippe), statt .Salome^ »DieBoh&me* 18. Jänner 1923_ Seite 5 (Anfang 7 Uhr), mit denjfijjimen Lehmann, Alten, deit Herren Piccaver, Madin, wiWemann, Manowarda in den Hauptrollen. Dirigent Herr Reichenberger. ln der Vo 1 k s o p e r gelangt heute „Di e Bo lieme* zur Aufführung. Es wirken mit die Damen Huber und Ger5 sowie die Herren Neumann, Tauber, Hagen, Baumann, Epkner, Karl Heinz, Dr. Kroegler, Schmied und Rainer. Dirigent Herr de Stermlch. Beginn ,/S!8 Uhr. — Morgen wird „Die verkaufte Braut“ gegeben. Iin Deutsch en Volks theater gelangt in Aenderung des; Spielplanes Hermann Bahrs Lustspiel „Wienerinnen“ morgen und Freitag zur Wiederholung. Die Erstaufführung von Frank V/edekinds „L u I u“ findet Samstag den 21. d. M. um 6 Uhr statt Die für Freitag bereits gelösten Karten behalten ihre Gültigkeit nicht und werden bis zu diesem Tage an der Tageskasse eiflgelöst. In den Kammerspl elen des Deutschen Volkstheaters gelangt in Aenderung des Spielplanes Samstag den 21. d. M. und Sonntag den 22. d. M. um 7 Uhr Braccos Lustspiel „Untreu“ zur Wiederholung. Die Uraufführung des Schaukelspiels zwischen Moral und Unmoral, „Der Keuschheitsapostel“, von Beda und Fritz Grünbaum, findet Dienstag den 24. d. M.. statt. Spielleiter: Dr. Heinz; Sch ul bau r. Morgen wird „Kammersänger* und „Tod und Teufel“ gespielt In der Jüdischen Bühne (Roland-Bühne, II., Praterstraße 25) gastiert ab Donnerstag den 16. d. M. das bekannte Künstlerpaar Moszkowicz in „Gold, Hiebe und Schande“ von Prof. Jacobi. An der Neuen Wiener Bühne ist Hermann Sudermanns Komödie „Die Raschhoffs“, die Freitag den 20. d. M., 7 Uhr abends, erstmalig in Szene geht, in den Hauptrollen wie folgt besetzt: Raschhoff — Paul Wegener als Gast, für die Rolle der Wally wurde Magda Garden verpflichtet, Bernhard — Archer, Edith — Lvövsky, Baron — Wurmser, Baronin — Karms, Hennike — Uiberacker, Charlotte — Vlera, Liesbeth ~r Ondra. Spielleiter Frite. Schreeker. Im Lustspieltheater bringt die : F r e i © jüdische Volksbühne morgen „Ü e b e r m Ozean“ zur Aufführung. Im R a i m u n d-T h e a t e r beginnt die heute stattfindende Premiere des Schauspieles „Sumpf“, mit Hans Marr als Gast, pünktlich um 7 Uhr und können. Zuspät* kommende erst nach dem ersten Akt Einlaß finden. Jugoslawischer Abend des , Komponisten Dobronfe heute abends Kleiner Musikvereinssal. Anfang 7 Uhr« Karten bei Heller. Grillparzers 50. Todestag. Die Festfeier der Gemeinde Wien findet diesmal nicht im Rathaus selbst, sondern im Burgtheater, und zwar am Todestag Grillparzers, das ist am 21. d. M. um 7 Uhr abends, statt. Die Feier-ist allgemein zugänglich. Der allgemeine Kartenverkauf beginnt Donnerstag an den Kassen der Staatstheater. — Ebenfalls am 21. d. M. wird um 9 Uhr vormittags im Rathaus die Grillparzer-Ausstellung der Stadt Wien eröffnet. Der Eintritt ist frei. Zur gleichen Stunde erfolgt, die Eröffnung des seit 1892 versiegelten literarischen Nachlasses Grillparzers in den städtischen Sammlungen. Hiebei werden außer Bürgermeister Reumann, Hofrat Professor Dr. Sauer und Direktor Probst auch Stadfrat Richter und Burgtheaterdirektor W i 1 d g a n s zugegen sein. Die der verschlossenen Kassette entnommenen Schriften werden hierauf in einer Vitrine ausgebreitet und am selben Tage um 5 Uhr nachmittags einem geladenen Kreise zur Besichtigung zugänglich gemacht bleiben. Fcstvorstellung zugunsten des Vereines Jüdische Kinderfreunde. Am 23. d. M. findet in der Freien jüdischen Volksbühne eine Aufführung von Pinskis „Eisig Scheftel“, m t Ben Zwi in der Hauptrolle, zugunsten des Vereines Jüdische Kinderfreunde statt. Karten sind zu haben bei R. Löwit und im Sekretariat des Vereines, II., Obere Donaustraße 91. Gerichtssaal. Höchstpreisübersclirestmig und Preistreiberei. Das Bundes Ministerium für Justii hat in den letzten Tagen an sämtliche Staatsanwaltschaften nachstehenden Erlaß gerichtet: „Das Bundesministerium für Justiz hat wahrgenommen, daß in einzelnen Fällen Verurteilungen wegen Preistreiberei damit begründet worden sind, der Beschuldigte habe für einen Bedarfsgegenstand ein den a m 11 ich f e s tgesetzten Höchstpreis übersteigendes und daher offenbar übermäßiges Entgelt 1.geiordert Die Ansicht, .daß jedes Entgel t,:, . das de« für den Marktverkehr als zulässig erklärten Verkaufspreis oder einenamtlich festgesetzten Höchstpreis übersteigt, offenbar übermäßig sei, findet aber im Gesetze keine Stütze. Die Ueberschreitung der für' dey M a r k t v e r k e h r als zulässig erklärten Verkaufspreise ist nach der kaiserlichen Verordnung vom 24. März 1917, die Ueberschreitung von amt 1 ich festgesetzte» Höchstpreisen nach derselben Verordnung voa den politischen Behörden zu bestrafen,; sofern, die Handlung' nicht einer strengeren Sirafe unterliegt. Einer strengeren Strafe unterliegt-die Handlung insbesondere dann, wenn sich darin der Tatbestand der Preistreiberei verwirklicht, wenn also das den Höchstpreis übersteigende Entgelt zugleich offenbarübe r m ä'ß 1 g ist* und zwar im Sinne des § 2 des'Preistreibereigesetzes. Ob das der Fall ist, muß in jedem' einzelne« Falle geprüft werden. Die Tatsache, daß für einen .Bedarfsgegenstand ein Höchstpreis festgesetzt ist, macht auch in der Regel die Einholung eines Gutachtens der Preisprüfungsstelle nicht entbehrlich. Es darf insbesondere nicht außer acht gelassen werden, daß Höchstpreise oft schon in verhältnismäßig kurzer Zeit nach ihrer Festsetzung durch Aenderung in den Herstellung^- und A nschaffungsbedingungen und durch die Geldentwertung überholt werden. Die Staatsanwaltschaften werden daher angewiesen, bei der Behandlung von Anzeigen wegen Preistreiberei darauf zu achten, daß in der Ueberschreitung eines amtlich festgesetzten Höchst- oder Marktpreises nicht schon an sich, sondern nur i a ■ n «ine Preistreiberei za erblicken ist, wenn alle lw § 2 des Preistreibereigeeeteo« aafieführt&a Tatbestandsmerkmaic erwiesen sind-