Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1066 (17.1.1922)
- Date
- 1922-01-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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TTr-ivriittMi Seife X -isn- — - * Josef Popper-Lynkcus. Frau Anna Popper- L y n k e u s, die Witwe nach dem großen Menschenfreund, ersucht uns um Abdruck der folgenden Danksagung: Anläßlich des Heimganges meines unvergeßlichen Gatten $osef Popper-Ly'nkeus sind mir als rührende Reichen der Verehrung, Liebe und Volkstümlichkeit, die ihm sein dem Wohle der Menschheit gewidmetes wissenschaftliches und schriftstellerisches Schaffen, ebenso wie sein edles, von Wärme und Mitleid mit allen Stiefkindern des Schicksals erfülltes Wesen iif weitesten Kreisen errungen haben, aus nah und fern zahllose Kundgebungen der Anteilnahme zugegangen, Das Gefühl, diesen herrlichen Menschen nicht allein zu beweinen, sondern mit Tausenden und Tausenden verloren zu haben, ist mir Trost und Erhebung in meiner schweren Trauer. Einzeln kann ich nicht danken. So tue ich es denn hier von Herzen an alle, die mit Wort und Tat das Andenken des großen Entschlafenen ehren t * Vom Keren Hajessod. Die zionistischen Bezirkssektionen Wiens werden ersucht; die genaue Liste ihres derzeitigen Ausschusses zwecks Ueberprüfung der Mandate (laut Parteitagsbeschluß) an das Bureau des Keren ■Hajessod zu übersenden. * Begräbnisse am heutigen Tage. Alter Friedhof: 9 Uhr Brill Max, 9 Uhr 30 Min. Billig Gitel, 10 Uhr Groß losef, 10 Uhr 30 Min. Pie Hermine, 11 Uhr Eisenstadt ’Zwi, 11 Uhr 30 Min. Wasservogel Karl, 12 Uhr Weiß Therese, 12 Uhr 30 Min. Uhu wen Jsaak. — Neuer Friedhof: 10 Uhr Stern Sophie. * Der Verein zur Erhaltung der Wiener Universität, eine Gründung des Regierungsrates KI eb i n d e r, hat sich gestern konstituiert. Die großdeutschen Mauldrescher, die immer so viel von dem Schutz der deutschen Wissenschaft innerhalb des Zaunes des Arierparagraphen reden, fehlten vollständig. Sie geben der Wissenschaft kein Geld. Wahrscheinlich erlaubt es Horthy nicht. * Ein Sohn des Exkaisers operiert. Aus Zürich wird gemeldet: Die Blinddarmoperationan dem sechsjährigen Sohn Robert des früheren österreichischen Kaiserpaares wurde Samstag morgens vom Professor Clairmoat vorgenommen und nahm einen günstigen Verlauf. — Anläßlich der Anwesenheit der Exkaiserin Zita in der Schweiz behauptet das sozialistische Matt „Volksrecht0 in Basel, die Exkaiserin werde in der Schweiz ihre Niederkunft "abwarten und mehrere Monate verbleiben. Außerdem habe sie »die Absicht, sich nach Thur und Disentis zu begeben, wo Karl . seinerzeit mit Agenten der Habsburger gegenrevolutionäre Zusammenkünfte, hatte. * Oesterreicher in Rußland. Am 15. d,. M. fand eine ^Versammlung d©3 Vereins Irbk-Omsk statt. Die Vorsitzende, Frau Sidonie Deutsch, teilte.mit, daß sich siooh zirka 1500 bis 2000 deutscho&terreididsche Kriegs- '•gefangene i»n Rußland befinden. Ein Teil dieser Leute ist in guten Stellungen und beabsichtigt daher vorläufig nicht heimzuikommen. In Ostsibkie-n hat der frühere Sekretär der Mission, Herr F r ö m m e 1, die Fürsorge übernommen. Die Unterstützung der Japaner ist ihm mgesichert. Die eventuelle Heianbeförderung geschieht üurch die Hamburger Firma Kunst und Albus zum Uäberfahirtspreis von 240 Yen pro Kopf, In Moskau .winkt Missi-osraschef Pohl ira Sinne der Repatriierung ünd Nachforschung. * Anmeldung von Ansprüche» wegen Rückstellung von aus Polen nach Rußland und der Ukraine weggeführten Gegenständen. Die Liquidierungsabteilung der polnischen Gesandtschaft in Wien, III., Rennweg 1, lll. Stock, nimmt Anmeldungen zur Geltendmachung des Anspruches auf Rückstellung von im Friedensvertrag von Riga näherfoezeiciineien Gegenständen, die aus dem Territorium der Republik Polen nach Rußland und der Ukraine weggeführt worden sind, entgegen und erteilt die erforderlichen Aufklärungen über die betreffenden Bestimmungen des Friedensvertrages. Die Frist für diese Anmeldungen läuft am 1. Februar 1922 ab. . ' * Eigentümer von Teppichen gesucht, Ende Oktober 1921 wurde im 12. Bezirk ein Mann wegen bedenklichen Besitzes von zwei grauen Laufteppichen mit roten Dessins, 8*50 m lang, 90 cm breit und 7 60 m lang, 90 cm breit, einem Laufteppich 1*15 m lang, 90 cm breit und einer alten Wolldecke angehalten. Der Eigentümer wird aufgefordert, zwecks Agnoszierung obiger Effekten an einem Vormittag im Straflandesgericht Wien I, Abteilung XXIII, 1. Stock, Tüi* 79, zu erscheinen. * Der Schneefall. Der starke Schneefall der bei den letzten Tage dürfte zunächst keine Fortsetzung erfahren, da mit Tau wetter gerechnet wird. In Wien dauerte das Schneetreiben fast vierundzwanzig Stunden. In der ■Nacht auf Montag kam es zu starken Schneeböen, nach [Mitternacht setzte auch dichter Eisfall ein, der das Passieren der Straßen ziemlich gefährlich gestaltete. Trotzdem kam es nirgends zu Unglücksfällen. Die ersten Vorkehrungen wurden durch die Direktion der städtischen Straßenbahn eingeleitet. Insgesammt standen 122 Moto rschneepflüge und 21 Pferdeschneepflüg e in Verwendung. Gestern wurden in aller Frühe 7000 Schneeschaufler beiderlei Geschlechts aufgeboten. Die Stundenlöhne für Schneeaufräumungsarbelten »betragen für Erwachsene 9fr Kronen, für Jugendliche 60 Kronen. Erfreulicherweise ereigneten sich keineUng 1 ü c k s f ä 11 e. Die Zahl der Ausrückungen der Rettungsgesellschaft war nicht größer als an normalen Tagen. Auch der Eisenbahnverkehr war . nirgends unterbunden. Der amtliche Wetterbericht meldet: Das Wetter war im größten Teil Oesterreichs bei strengem Frost bald heiter, bald trocken. Nur am Ostrande der Alpen, im Östlichen Niederösterreich und in Steiermark fielen beträchtliche Schneemengen. Der Wasserwert des gefallenen Schnees ist in Wien 14 mm, in Graz 11 mm, Gleichenberg 15 mm. Gestern morgens war es in Wien kurze Zeit klar, dann fiel Hochnebel ein. In Preußen, Schlesien und Ungarn fällt noch Schnee. Morgens hatte es überall Frost, stellenweise sank die Temperatur in klarer Nacht unter —15°. (Tamsweg, Zell am See —17°.) Der Durchzug der Luftdruckdepression, die heute morgens über England lag, nach Nordosten, dürfte Mitteleuropa wieder eine Tauwetterperiode in ein bis zwei Tagen bringen, die aber nur von kurzer Dauer sein wird. Voraussage: Morgens noch kalt unter neuerlichen Niederschlägen (zuerst Schnee), in ein, wahrscheinlich zwei Tagen Tauwettereinbruch unter lebhaften Westwinden. * Eine Million jugoslawische Kronen gestohlen. In der Sparkasse in Pakrac wurde ein Einbruch verübt. Den Tätern fielen eine Million jugoslawische Kronen in die Hände. —aMMMHiToHiMitlm tY.Jäffifer 1922 Nr. 1066 ♦ G.estohlene Pelze. Gestern wurden aus dem Vorzimmer der Wohnung des Dr. Artur Bieter, IX., Kolingasse 9, zwei Herren-Stadtpelze, beide schwarzbraun, einer mit Sealkragen und Sealfutter, der andere mit Nutriafutter und Otterkragen, im Gesamtwerte von 1 Va Millionen Kronen gestohlen. Ein Flecktyphusfall in Wien, ln der Woche vom 1. Ws 7. d. M. wurde beim Volksgesundheitsamt im Bundesministerium für soziale Verwaltung eine Neuerkrankung an Flecktyphus in Wien angezeigt.; sonst hat auch in Oesterreich weder eine Neuerkrankung an Flecktyphus, Blattern oder Cholera sich ereignet. * Dnickfehlerberichtigung. In dem in unserer S0ntnitagsn u Pi m er veröffentlichten Artikel -Die Tragödie des Armenischen Volkes« halbem sieh mehrere sinmstören-de Druckfehler cingeschliehern. In Absatz II, Zeile 5 muß es heißen: - . . . als em lebhafter Handefisgeist«. Im selben-Absatz, Zeile 23, muß es heißen: ,;> . . . als Vorspann ihrer (politischen Interessen«. Vereine, Vorträge und Versammlungen. H cbräischer Klub, II.,Taborstraße 1/3. Heu!** und jeden Dienstag von 7 bis 8 Uhr abends (Jehuda Halevy) Dr. Kaminka. Von 8 bis 9 Uhr Neuhebräische Literatur (Mendele), Leiter Salomon Auerbach. — Vereinigte hebräische Schulen. Ab nächster Woche werden neue Kurse für Anfänger, Erwachsene und Kinder eröffnet. Die Anmeldung für die neuen Kurse im XX. Bezirk erfolgt täglich an Wochentagen von 5 bis 6 Uhr im Schullokal, XX., Othmargasse 46, Mezzanin. Fortgeschrittene werden für die dort bestehenden Kurse gleichfalls aufgenommen. Neuanmeldungen für die Kurse, II., Große Mohrengasse 16, werden dortselbst täglich an Wochentagen zwischen 5 und7 Uhr, für die Kurse, III., Erdbergstrasse, täglich an Wochentagen zwischen 4 und 6 Uhr entgegengenommen. ü r a n i a. Heute, Dienstag, 5 Uhr (Großer Saal) Das Wunder des Schneeschuhs. — 7,6Uhr (Kleiner Saal) Geschichte und Kultur der Sudetendeutschen, I, Prorektor Hofrat Dr. Alfons D 0 p s c h: Der Werdegang der Deutschen in den Sudetenländern. — */a6 Uhr (Kurssaal) Dozent Oswald M u c k : Die Biene als Haustier, I. — 7,6 Uhr (Klubsaal) Dr.' Josef Z u t h .* Instrumentalkurs für Gitarren- und Lautenspieler, VI. — %8 Uhr (Großer Saal) Universitätsprofessor Dr. Erwin StränSky: Die Scheu vor der Ehe. — Vs8 Uhr (Kleiner Saal) Die Relativitätstheorie in gemeinverständlichen Einzeldarstellungen, II. Professor Dr. Wladimir M isar: Die Relativität der rotierenden Bewegung. — 7»8 Uhr (Kurssaal) Dr. Ludwig K a r e 11: Gegenseitige Hilfeleistung in der Natur. — 7g8 Uhr (Klubsaal) Dr. Josef Z-u,t h : Instrumentalkurs für Gitarren- und Lautenspiel, VI. — 7 Uhr (Mikroskopiersaal) Universitätsassistent Dr. Alfred Limberger: Anatomie der Pflanze, X. Der Marktbericht. Wie gewöhnlich an einem Montag, war der Verkehr : in der Großmarkthalle gestern. vollständig belanglos. Die Preise Wichen sowohl im Großhandel als auch im Kleinverkauf auf der Höhe der Vortage unverändert.. Die Ankünfte haben infolge des eingetretenen Schrieefalles bisher ‘ nicht gelitten. Gestern sind 9 Waggons mit Rindfleisch, Kälbern, Schweinen, Lämmern und. Würsten von auswärts . angekommen, und.jzwar 4 Waggons äus Jugoslawien, 3 aus ’ Ungarn und 2 aus Oberösterreich. Die Beschickung der Grünwarenmärkte war dagegen : infolge des Wetters schwach ausgefallen. Auf .dem Naschmarkt hatten sich bloß zwei Gärtner mit ungefähr 1200 kg Gemüse eingefunden. An runden Kartoffeln standen 20.000 kg, an niederösterreichischen Kipflern 9000 kg zur Verfügung. Aus Italien sind größere Sendungen von Zwiebeln eingelangt, die steigende Tendenz zeigen. Die Händler, welche diese italienischen Zwiebeln feilbieten, müssen sich 'über ihre ausländische Herkunft ausweisen können, um Preistreibereien zu verhindern. Auf dem Naschmarkt waren auch 458 Kisten mit Zitronen eingelangt, die IC 30 bis 35 per Stück kosten. Die Aepfelzufuhren aus Steiermark sind der schwachen Nachfrage entsprechend gering. Auf den Märkten wurden gestern auch frische vEier angeboten. Für ein Stück werden K 120 bis 130 verlangt. Der Absatz ist mit Rücksicht auf den hohen Preis gering. W. J. W. Farbeneintellung einhalten! Mittwoch den 18. d. M. rot, orange, Donnerstag den 19. d. M. grün, blau, Freitag den 20. d. M. grau, weiß, Samstag den 21. d. M. gelb, rosa, jedesmal von 9 bis 11 Uhr. Fr^le jüdische Volksbühne imiuuiimmimtuimimiiimiiiiimiimimiimimiimmiutiimiiiiiiiiimmmimiiitimiii Gastspiel Im Lnstspleltheater 4280 7 Uhr abends: 9 Drama in 4 Akt. vonJ.Gordln Zum 1. Male! Das Theater Ist geheist! fettgepolstert und gütig, auch wenn er wild die Augen rolft. Wenn er zu Beginn den Kopf zwischen den Gardinen seines (mit einer Batterie von Wärmeflasehen ausgestatteten) Bettes heraussteckt, grüßt er mit wohligem Vollmondgesicht den neuen! Tag und die bevorstehenden angenehmen Emotionen des Gepflegtwerdens, milden Medizinierens und Genießens zarter Speisen. Ein Augenblick des Abends charakterisiert am besten den Argan Arndts gegenüber dem tragischeren, leidenschaftlicheren Pallenbergs. Wenn er nach der Rute greift, um sie auf den Unaussprechlichen des Töchterehen niedersausen zu lassen, hält er auf halbern Wege inne und wirft die Rute fort. Eine Wilhelm Busch-Figur. — Dazu die Meisterleistung der Frau A 1 b a c h - R e 11 y. die Urkomischen Gestalten der Herren Schmöle, Thimig, Mayerhofer, das rührende Theaterkind S t i 11 m a r k, die zarte Lieblichkeit der Frau S e i d 1 e r — es war köstlich. Nicht zu vergessen die Ouverütre von Gretry und die sorglich gewählte Zwischenaktsmusik, die den Genuß des Abends erhöhten. __ O. A. Renaissance-Bühne. Ein Ehemann schafft sich für seine zahlreichen Seitensprünge dadurch ein Alibi, daß er das Gerücht von der Existenz eines Doppelgängers, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht, verbreitet. Er treibt die Frechheit sogar so weit, diesen Doppelgänger, den er natürlich selbst spielt; in sein eigenes Haus einzuführen. Daraus entstehen aller* liarid possenhafte Verwechslungen. Eine Intrigantin, die des Knoten schürzt und entwirrt, ist auch da. Sie gibt an, von Scribe inspiriert zu sein. Die Autoren Maurice H e n n eq u i n und Georges D u d a I waren das jedenfalls nicht, als sie den Schwank „Sein Doppelgänger* schrieben. Das Stück enthält auch nicht eine feinere Wendung, wie sie bei Scribe und dessen Schriftstellern den Landsleuten selbst die flachste und trivialste Handlung zu vergeistigen pflegen. Die Witze, die die Novität beleben, sind Wadenkrämpfe und Hüftenverrenkungen. In dieser Hanswurstiade schlimmster Art erzielen die Damen W i nib e r g,. S e r i n g und E v e r a sowie die Herren Urban und Mauth große Heiterkeitserfolge. Nach dem letzten Aktschluß rührte sich allerdings keine Hand. Das Publikum schämte sich offenbar hinterdrein, daß es sich solche Kost drei Akte lang vortrefflich hatte schmecken lassen ... H. S p. Die jüdische Oper eines jüdischen Komponisten. Der Tondichter über sein Werk. Im Klausenburger ungarischen Theater fand diese? Tage die Erstaufführung der Oper „T a m a r* statt. Es ist eine in jeder Beziehung jüdische Oper, ihr Komponist ist der . jüdiseke Tondichter Nikolaus B r o d y, zurzeit Kapellmeister der Klausenburger ungarischen Oper, der in dem Tonwerk behandelte Stoff ist jüdisch und auch die Musikist. jüdisch oder, richtiger gesagt, semitischorientsjtisch. Den Entwurf des Librettos* hat Brody. Rudolf von G 0 11 sch a l k s. historischem Drama! „Raftab* entnommen und selbst in ungarischer Sprache verarbeitet. Den : Inhalt der Oper bildet eine historische Episode der ersten Kämpfe der jüdischen Nation-um ein eigenes Land. Der Heerführer Josua entsendet Kundschafter in das zu erobernde Landgebiet, die Kundschafter stoßen bis zur Festung Jericho vor, wo sie entdeckt werden. Eine Priesterin des Gottes Astaroth, Tamar, die Rahab der jüdischen Geschichte, faßt unendliche Liebe zu einem der jüdischen Helden, bringt die Kundschafterschar in Sicherheit und es glückt ihr, sie aus der Festung zu schmuggeln. Der König von Jericho, ein tyrannischer Wüstling, hat Verlangen nach Tamar, diese widersteht jedoch in Treue zu dem jüdischen Kämpfer den Lüsten des Despoten, trotz aller Folterungen, die der König ihr auferlegt Im dritten Akt findet das große Bacchanale statt, der König läßt sich Tamar vorführen, aber das Mädchen zieht den selbstgewählten Tod der Untreue gegen ihren jüdischen Geliebten vor. In diesem Augenblick stürmen die jüdischen Kämpferscharen Josuas Öie Festung, stecken Jericho in Brand, das Königsschloß wird von dem jüdischen Helden, dem Geliebten Tamars, besetzt, er kommt jedoch gerade.in dem Augenblick, in dem seine Geliebte tot zusammenstürzt. Nach der Generalprobe hatte der Mitarbeiter des „Uj Kelet“ Johann G i s z k a 1 a y (David Widder) eine Unterredung mit dem Komponisten, in welcher auch Bühne und Kunst. Die Moli£re-Feier des Burgtheaters. Sie war würdig und hatte beste Wiener Kultur. Hoffmannsthals Prolog ließ die Jambentoga zu Hause, kam im schlichten Prosakleid und mühte sich, nicht mehr zu sagen, als der Gefeierte „aufs höchste zu sagen erlaubt hätte*. Eine schöne, bei, aller Verhaltenheit feinsinnige Gedenkrede, der Dierisitiagd Toinette (aus dem „Eingebildeten Kranken“) in den Mund gelegt, von Frau A!b a c h - R e 11 y herzhaft gesprochen und geistvoll pointiert. Dann gab es eine wirklich festliche Aufführung des „Eingebildeten Kranken“. Vortreffliche Einfälle der Spielleitung (8 iebe r t) haben dem Werke neue Lichter aufgesetzt. Den ersten Akt bringt Argan nicht' im Lehnstuhl, sondern in seinem Krankenbett zu, und alle Möglichkeiten, die sich aus der Situation „Argan in der Bettstatt“ ergeben, sind auf das heiterste genützt worden. Der Argan des Herrn Arndt macht jedermann Freude. Ein feistes, possierliches Männchen, das sich dem Vergnügen" des Krankseins mit Leidenschaft hingibt. Ein eigenartiger Argan, die Merkmale der orientalischen semitischen Musik zur Sprache kamen. Dr. Nikolaus Brody gibt hiefür interessante Erklärungen: „Die orientalische semitische Skala deckt sich nicht vollkommen mit der europäischen Tonleiter. In der semitischen Skala treten häufig Halbtonmodulationen auf, dje man fachtechnisch „erweiterte Sekundnotenfugen“ nennt Dies gibt der semitischen Rhythmik ihre charakteristische Verschiebung, jene volle, tiefe Traurigkeit und jenes fatalistische Motiv, durch welche jede echte orientalische Musik gekennzeichnet ist. Dieses orientalische Charakteristikum findet sich, wenn auch verblaßt, in der ungarischen Musik wieder. Vielleicht liegt hierin irgendeine ferne Reminiszenz an die orientalische Abstammung des Ungartums. Der Orient ist immer phantasievoll und melancholisch.“ Auf den Einwurf, daß die Melancholie nicht nur für die Musik des Orients charakteristisch sei, meinte Brody: „Gewiß* auch die slawische musikalische Psyche ist traurig, die slawischen Volkslieder. Aber gerade hier kann man es am besten beobachten, in welch starkem Maße die Musik der Ausdruck der Volkspsyche ist, wie sehr sie fast auf ein Haar .der genaue Ausdruck der unbewußten Philosophie der Volksseele ist. Ich glaube, daß in diesem Umstande vielleicht die beste Erklärung für das Phänomen gelegen ist, daß die Propheten der Menschheit WetH3imGGAÄJ2‘1Q-1 AQL1