Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1066 (17.1.1922)
- Date
- 1922-01-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. *066 Wien, Dienstag WIENER MÖRGENZEITÜNG Seite 3 teil: Das berüchtigte Recihtfertigungsverfahren wird »noch strenger und willkürlicher du-rchgefühnt ah bisher, tumd was die jüdischen Professoren betrifft, fehlen die jüdischen Pirofes'soiren Emawuel B e k e, Heinrich M a r c 2 a 1 i und die übrigen, die zwangsweise ^provisorisch beurlaubt« sind, auch i-m Vorlesung-äkataloig für das kommende Semester. Polen. Eine neue Regierungskoalition? , Warschau.. 15. Jänner. Wie. in Abgeordncitenftreisen verlautet, finden in den letzten Tagen Verhandlungen zwischen der W i t o s - Gruippe und den Sozialdemokraten statt, die den Sturz des jetzigen Ministeriums und die Schaffung einer Regierungskoalition der beiden Parteien anstreben. Die Kultusangelegenheiten — dem Innenministerium tiberwiesen. Warschau, 15. Jänner. (Telegramm der »Wiener Morgenzei'tjuu'g«.) Laut Beschluß der Konstitu- 1 tionskoimmission gehören die Kultus angelegenbeiten nicht mehr in die Kompetenz des Unterrichts-, sondern in die des Innen Ministeriums, Eine Hilfsaktion für das hebräische Schulwerk. London, 15. Jänner. (Telegramm der »Wiener Morgenzeitung«.) Seit einigen Tagen weilen hier die Leiter des hebräischen Schulwerks in Polen und Mittelli'tauen Dr. Marcus B r a u d e und Dr. I. R egensburg. um eine größere Hilfsaktion für das in seinem materiellen Bestände bedrohte Schnlwerik eimzul eiten.! Die Lotnd'oner »Jewish Times« bespreche« aus diesem Anlaß in einem größeren Artikel die kritische Lage der hebräischen Schulen in Polen, Galizien und Mittellitauen und fordern die englisdijüd'ischeu Organisationen zur sofortigen Hilfetei&tung auf. _ Die Stellungnahme der englischen Regierung zur Wilnaer Frage. Die „Polnischen Stimmen“ teilen mit: ln einigen fn- und ausländischen Zeitungen wurden Nachrichten über eine angebliche Stellungnahme der britischen Regierung in der Wilnaer Frage verbreitet Alle diese Wachrichten entbehren der Grundlage. Die Wilnaer Frage. , Warschau, 15. Jänner. (Telegramm der »Wiener Morgeuzeitamg«.) Der Pariser pokwsdie Gesandte Zamoy s k 1 referierte im politischen Komitee des Minteterrateg eingehend über die Situation in der Wilnaer Frage. Nach einer längetew Debatte wurde beschlossen, für die Verein i^un g Litauens mit Polen auf f ordere Live t Grundlage- •inzutreten. Skirmunt für eine Wojwodschaftsautöfiomie. Warschau, 16. Jänner. (Telegramm der »Wiest er Morgenzeitüng«.) In der letzten Sitzung der Kommission für auswärtige Angelegenheiten am *3, d. Md. schlug Außenminister Skirmunt vor, dem Gebiet von Wilna d&e Woiwodisdiaftsautonomie zu erteilen. Die Regierung hat bereits den Innenminister beauftragt, ein dieabezügliohes Statut auiszuatrbeite-n. Es ist abziuwarten, ob der Völkerbund diesem Vorschlag Skirmunts sustlmmen .wird. Palästina. Der Bodenkauf in Jerusalem. Jerusalem, 10. Jänner. (Telegramm der »Wiener- Morgen,zeitung«.) Wie bereiitis berichtet, hat Oberkommisisär Samuel am 19. Dezember den von der PalestineDeveloppemeinttCo. abgeschJo&seneh Bodenkauf beim griechischen Patria-chat in Jerusalem bestätigt. Auch das vom Samuel ernannte Finanzkomitee zur Ordnung der finanziellen Angelegenheiten des Patriachaibs zwecks Abzahlung der Schulden, die sich auf 650,000 Pfund belaufen, hat zu diesem großen Kaufe, der 538.000 Quadrat eilen« in Jerusalem und dessen Umgebung umfaßt, seine Zustimmung gegeben. Dieser Bodenbesitz verteilt sich wie folgt: Jaffaer-Straße, der Platz, auf dem sich das Kino »Zion« befindet 32.000, der Platz in der Nähe des Beialel 64.000, beim Kloster Ratisbon 212.000, auf der Straße am Mamila-Teidie, auf dem Wege zur Eisenbahnstation 30.000 -und angrenzend an die neue jüdische Siedlung »Talpioth« 200.000 Quadratellen. Durch diesen Kauf sind wichtige Boden komplexe in Jerusalem in, jüdischen Besitz gelangt. Auf dem Platz in der Jäffaer Straße soll ehestens^ ein großes Handelszentrum rri.it zahlreichen Läden errichtet werden, deren Mangel sich bisher in Jerusalem sehr bemerkbar gemacht hat. Kleine Nachrichten. Dr. Hugo Bergmann hat* die ihm von der Regierung angebotene Stelle eines Inspektors abgelehnt, um 'sich auch weiterhin der Leitung der Nationialbibliothek widmen zu können! Die Regierung hat die Insipektorstelle bisher noch nicht besetzt. (J. C. B.) Anläßlich, des Pinsker-Jubiläuimts hat Ussisch« kin namens des Odessa er Chovvewe-Zion-Komitees der Jerusalemer Varschußkasse * den Betrag von 2000 Pfund Sterling übergeben, der als P in s k e r* Fonds für Anleihen an Schriftsteller und Lehrer dienen soll. (J. C. B.) Die Eveline-Rothschild-Scihule in Jerusalem veranstaltete kürzlich einen Basar. Einladungen und Plakate wäre« nur englisch, -trotzdem die Schule englisch-hebräisch ist. Die Lehrerschaft Jerusalems hat gegen diese öffentliche Beleidigung der hebräischen Sprache durch die Leiterin der Anstalt, Miß Landau, Protest eingelegt. (J. C. B.) Der Jerusalemer Sohnf-tsteiler Salsdor gibt zweiwöchenitlicfi eine Zeitschrift für die reifere Jugend »Älnmoth« (Garben) heraus. Seitdem im Sommer die J.ugendcusgalbe des »Haarsz« eingestellt wurde, hatten die Kinder Palästinas keinen Lesestoff. (J. C. B.)! Die jüdischen Eisenbahner von Palästina beginnen demnächst mit der Herausgabe eines Fach- •orgams in hebräischer Sprache >H a k a t a r« (»Die Lokomotive«). (Adresse: Haifa P, Q, B. 308.) (J. C. B.) Die Gemeinde Tel-Awiw hat 16 Hölizba»racken für Obdachlose errichtet. Jede Beradk-e hat drei bis vier kleine Zimmer, in jedem Zimmer wohnen bis sieben Personen zusammen. Die Gemeinde erhebt eine Miete von e i h e m Pfund monatlich für jedes Zimmer. (J. C. B.) Achad-Haam (A&öher G.iittzbüfg) islt mit seiner Familie, in, H a i f a angekommen. Wie bereits gemeldet, wird er nunmehr ständigen Wohnaitz in Palästina haben. (J. C. B.) Die Einwanderung nach -Palästina ist wieder im Wachsen, Im Dezember kamen 1100 Emigranten ins Land, während die Zahl der im November ein gewanderten bloß 765 Strom achte. (J. C. B.) ___ Tagesbericht. Ab morgen 60-Kronen-Tarif. Morgen treten die neuen Straßenbahntarife in Kraft. Die Vorv er kauf ssch eine werden bereits an allen Vorverkaufs-stellen abgegeben. Fahrscheine zu SchüleranWeisungen sind nur im Vorverkauf enhältlioh. . Unbenutzte Vorverkauf-sfahrscheine mit der Gültigkeitsdauer 2. und 3. Monat wenden biis 17. Februar zurüdkgekauft oder umgetausdh't. Die Monats- Uind Halb;ahranetzkar'ten sowie die Stredkenlkarte« sind nach dem 17. Jänner nur mit Zusatzwertmarken gültig. Diese werden in den Direktiomsgebäuden der Straßenbahn in der Favciritenstraße und in der Rahlga&se Und in den Straßenbahnhöfen und -an allen übrigen KartenvotverkauffSstellen ausgegeben. Sie kosten für die Halbjahrs« etzkarten vom 2. Oktober 1921 bis 1. April 1922 K yoio, für Halbjahrs«etzkarten vom 2. Jänner 1922 bis 1. Juli 1922 K 15.510, für die Monatsnetzkarten K 1650, für die Streckenkarten der drei Stufen K 650, 840 oder IC 1020. Gegen Ablieferung der Karte vom 18. Jänner bis einschließlich 1. Februar wird eine Rückvergütung in der Höhe der ober wähnten Preise geleistet. Die neuen Gas- und Strompreise. 1 Kubikmeter Gas 120 Kronen, eine Stunde Lichtstrom 22 Kronen. Der Gemeinderatsausschuß für städtische Unternehmungen genehmigte gestern nach eingehender Beratung die Vorschläge der Direktionen, betreffend die Erhöhung der Preise fürG&sundelektrischenStrom für die laufende Verrechnungsperiode. Der Preis für 1 m® Gas wurde mit K 120, für 1 Hektowattstunde Lichtstrom mit K 22 und für 1 Hektowattstunde Kraftstrom mit K 16 festgesetzt. Gleichzeitig wurden die Bestimmungen, betreffend die Vorauszahlungen für den Bezug von Gas und elektrischen Strom, beschlossen. Als Vorauszahlungsbetrag wird ein Zwölftel des voraussichtlichen Jahresbedarfes der jetzt geltenden Preise für Gas und elektrischen Strom zur Grundlage genommen. Für diesen Betrag wurde eine 5°/0ige Verzinsung vorgesehen, die am Schlüsse des Jahres ermittelt und auf eine der nächsten Monatsrechnungen gutgeschrieben wird. Die näheren Bestimmungen trifft der Stadtsenat Als Verrechnungsperiode wurden für den Gaskonsum vier Wochen, für die großen Abnehmer von elektrischen Strom drei Wochen festgesetzt, die Verrechnungsperiode für die anderen Stromkonsumenten bleibt sechs Wochen. Wieder ein jüdisches Opfer der ungarischefFBanditen. Ende Oktober vorigem Jalhires hat ein Kleinhäu.s!er im Gschießwald bei Dcmnenskinchen im Bürgen!and die schon in starker Verwesung begriffene und schrecklich'verstümmelte Leiche eines jungen Mannes gefunden. Der Kopf und eine Hand fehlten dazumal noch. Sie wurden später unweit der Fundstelle der Leiche ausgegrabe«. Es fehlte aber noch der Unterkiefer, der dem Unglücklichem mit Gewalt abgehauen worden ist. Auch derUnterkiefeer wurde — aber erst am 30. Dezember v. J. — gefunden. Ein Stück der Schädeldecke fand sich bis nun nicht vor. Soviel in Erfahrung gebracht werden konnte, soll der Ermordete ein junger Jude sein, der Deutsch geheißt und in Wien im X. Bezirk gewohnt haben soll. Dieser Deutsch soll Tischler gewesen sein und eine Schwester 17. Jänner 192? gehabt haben, die sich im Irrenhaus befand. Iif Wien ließ sich bisher über die Person des Toten nichts ermitteln. Er war 22 Jahre alt, 167 Zentimeter hoch, schmächtig, hatte dunkles Haar, dunkle Augen, dunklen, englisch gestutzten Schmunrbiart,; ' längliches Gesicht, eher blasse Farbe, vollständiges Gebiß bis auf einen Backenzahn i-m rechten Unterkiefer. Seine Zähne waren teilweise kariös, aber! nicht plombiert. Der Tote hat auffallend große' Füße und lange Finger. Er war bekleidet mit dunkelgrünem, karriertem Rock, lichter, klein-, kartierter Hose, grauem Woll sweater, neuen, schwarzen Schnürschuhen aus Boxcalfleder mit amerikanischen Gummiabsätzen, Von denen einer stank abgetreten ist, Sportkaippe aus grünlichgraniem Tuch. Der junge Mann hatte wohl Dokumente und'auch ein Lichtbild bei sich; doch nahm sie ein Bauer an sich, und seine Kinder, die damit, spielten, haben sie zerrissen. Es kann sich nur um einen Mann handeln, der seit Herbst vorigen Jahres vermißt ist. Im Sicherheitsbufeau bei Kommissär Dr. Philp, IX., Rossauorlände 9» erliegen Stoffmuster der Kleidung zur anfälligen Agnoszierong des Toten. Die Aerzteordmitig in Oesterreich. Gestern begann im Parlament die vom Aus* schuß für soziale Verwaltung einberufene Enquete zur Beratung der A e t z t e o r d n u n g, an der die . Vertreter der Aerzteorganisäticnen Oesterreiohs, der Professorenkollegien der Universitäten W.i env Graz und Innsbruck, der Österreichischen Richterverdniigaing, des Verbandes beamteter Aerzte, der Handelskammern, der Arbeiterkammenn,. der Krankenkassen und der städtischen Gesundheitsämter vom Wien, Linz, Gras, Salzburg, Klagsmkurt, Innsbruck und Bregenz sowie der Leiter des Voflksgesundheitsanites Sektionschef Dr. Hel ly teil-* nahmen. Es gelangte zunächst die Frage des praktischen Jahres für Aerate zur Erörterung. Die Experten sprachen sieh für die obligatorische Ekn führung des praktischen Jahres aus. Insbesondere! betonten die Vertreter der medizinischen Fakultäten, Professor Finger (Wien), Hartman« (Gras) und Seefelder (Innsbruck), sowie Professor Schnitzler, daß bei einer Regelung dieser, Frage der neuzuerlassenden Studaemordnung für' Aerzte, die jetzt iim. Zuge sei, nicht vorgegriffem werden dürfe. Dr. Stritzkö (wirtschaftliche Organisation! der Aerzte Wiens) verlangte eine zweijährige Spitalsaiusbildttiinig nach Erlangung des Doktorat».. Der all deutsche Abgeordnete Dr. Urs in verlangt die Einschränkung des Studiums der Ausländer. Bei Beratung des Abschnittes über die Rechte und Pflichten der Aerzte wurde von ärztlicher Seite verlangt, daß die Bewilligung zur Abhaltung von Sprechstunden an mehrere« Orten nicht nur von der Sanitätsbehörde,- sondern auch von desrj Kammer zu erteilen ist. Diese Bedingung soll auch' für diejenigen Aerzte gelten, denen auf Grund ihrem Anstellung gegenüber Gemeinden, Bahn Verwaltungen, Krankenkassen und dergleichen eine Verbindlichkeit zur Ausübung ärztlicher Verrichtungen am verschiedenen Orten obliegt. Gegen diese Anregung! opponierten die Vertreter der Krankenkassen, die sich auch für die Eliminierung des § 40 (Vorlegung, des Vertrages zwischen Aerztem und Krankenkassen! und dergleichen an die Aertztekammer) aussprechem, Mit besonderem Nachdruck wenden sich die Ver< breter der Aerzte gegen jede Durchbrechung de»' - ärztlichen Bern f sg eh e i mn! ss e s. In bezug auf die Behandlungspflicht wird von den V-entzretern!. der Aerzte die Beschränkung auf -dringende Fälle und die erste Hilfeleistung verlangt, die von keinem Arzte verweigert werden darf, wovon jedoch für Spczialärzte Ausnahmen statuiert werden sollen. —< Die Enquete wird heute fortgesetzt werden. Eine Krise in der Konfektionsbranche. Seit den Ausschreitungen und Plünderungen am 1. Dezember 1921 befindet sich die Damen- und Herren- Konfektionsbranche iefoige Fernbleibens der Fremden in einer Krise, die in einer empfindlichen Absatzstockung sich äußert. Zur Beratung über zu treffende Vorkehrungen für Belebung des Fremdenverkehrs erschien eins - Deputation der Vereinigung der Konfektionäre Oesterreichs beim Handelsminister Dr. Grünberger. Der Führer der Abordnung, Präsident Zabranski, führte aus, daß die namhaften Steuerabgaben an Staat, Land und Gemeinde nur geleistet werden können, wenn wieder eine Belebung des Fremdenverkehrs, auf den dieser Geschäftszweig angewiesen sei, eintreten werde und richte ah den Bundesminister die Bitte, den Fremdenzufluß dadurch zu fördern, daß im Ausland eine intensive Propaganda für Wien entfaltet werde und besonders daraufhingewiesen, werde, daß hier vollkommene Ruhe und Ordnung herrschen. Ferner würde die Notwendigkeit eines geordneten Eisenbahnverkehrs und der Beseitigung aller Hindernisse, die die Einreise erschweren, betont. Bundesminister Dr.Grünberger gab den Herren der Abordnung die Versicherung, daß er die vorgebrachten Wünsche in seinem Wirkungskreis unterstützen werde und Wies sie im ‘ übrigen an den Bundesminister für Verkehrswesen. Der letzte Mitarbeiter Livingstones gestorben. London, 16. Jänner. (Funkspruch.) Sir John K i r k, der letzte Ueberlebende der Livingstone-Expedition, ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Regenmäntel Herren« und Damenwäsche.Textllunri Sklckweren, altes erstklassig und billigst Im Warenhaus Schiffmann En gros um En detail