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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-15 · Heft 1064 (15.1.1922) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1064 (15.1.1922)
Date
1922-01-15
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1064 Wien, Sonntag WIENER MORGENZEITUNG 15. Jänner 1922 IRI1 * Diebstahl. Aus der Kanzlei der israelitischen Ab-! teilung des Zentralfriedhofs wurde dem Rabbiner Doktor G r ü n w a l d ein schwarzer Talar aus Cheviot mlt- Samtstreifen gestohlen. * Fürsorgekomitee für Palästina-Emigranten, II., ZirknsgasSe 33. 8 p e n d e n a u.s weis Nr. 25 v o m 15. b i s 31. Dezember 1921. Durch Frau Dr. 8 o f e r: „Ahawath Jeruschülajim“ K 25M0, Dr. Paul Goldberger K 12.000, Bezirkssektion Leopoldstadt K 12600, zusammen K 49.600, durch Frau Leo Weiß: K 13.640 und tschech, K 20, Jiid. Kasino Proßnitz K 1333, Karl Blume K 1000. Sammlung Liebmann Joachim K 2200, Dir. 8. Bretisch, Dr. H. Löbl, Rotier Johanna je. IC 1000, Strum H 2000, durch G r ü n f e 1 d: N. Spindel,M. Sprindel je K 500, Frau Petyan K 300, Div. K lOÖüusainmen K 1400.' Mizzi„ Löwy, Mährisch-Ostrau K 48.720, Felix Lederer K 48.200, d. Israel. Kultusgemeinde JC 24;293j Frau Paula Wechsler K 20.000, Dr. Müller K 2500, R. Pick, L Löwy, E. Prjni je K 2000, I. Eisenklam K 1400, Israel. Tempelverein XI K 1050, M. Müller, H. Teitelbaum, S.N.Spira, Dr. H.Fischer. H. Wild, Ch. Schapira, M. Ungar, Dr. W. Baß, G. Salzer, M. <5, 8. Knopf, Besner <S Moser, L. Rosner, L Singer je K 1000, Dr. Ernst & Edmund, Müller K 800, R. . Nachmias;K 500, Peiler & Ka' an, S. Ampel, G. Müller,' M. Hoffenberg) A. Srecka, M. Fisch, I. Bravmann, L. Weiß, J. Behl, M. Kuyer, 8. fungermann, D. Deier, C. Dauber, L. Mayer, B. Jolles, L Tisch, Sch. Keßler, H. Keßler, Dr. I. Wassermann, Doktor Klüger, A. Stark, H. Badian, M. Rlndenau, S. Gottfried. <£;Co., Dr. R. Guttmann, F. Singer, F. Melon, 8. Glück je ’K 500, Ing., F. Weiß, A. Jäckel, I. M. Horoszowsky je K' 400, E. Steiner, R. Haymsen, M. Friedmann, Dir. Bringe, Doktor M. Floch, J. David, S. Rubel, S. Stern, H; Offenberg, H. Bintel, 8. Kohn, M. Rabinek je K 300, Gottdenker Sammelbogen Nr. 423 K 700, Sammlung Halpernsohn-K 3500, Hans Perutz.K 959,.Diversi K 19.406, Komm. Rat Goldmann 1 engl. Pfund, Isaak David' Kantorowicz Ure. H0> zusammen K 284.106, 1 e n g 1. P f u n d, 50 L i r e und t s c h e c h. K 20. I m J a h r e 1921 g e s a mmelt: K 6,264.475.65, 11.570 Lire, 45 f r a n z. F r a n c s, t s'c h e c h. K 3295, 77.4 engl. P f u n d, fl. 3 yh o 11. Und 1 Dollar. Spenden u n te r K 300 w ü r den unter Diversi ausgewiesen. " * Die Firma Dr. Emst Fuchs & Co., Wien, I., Laq,- renzerberg 4, hält ein reichhaltiges Lager von Elektromotoren, ebenso Elektromaterial in großen Mengen für alle Interessenten; ferner Feuerspritzen mit Benzinmotor'preiswert ab Lager. * Qualitätsware zu mäßigen Preisen im Möbelhaus J. Manne, Wien, VII., SchottenWMasse 24 (Tel. 39-1-08). Große Auswahl von Luxufe-’ uHMilmöbeln, gebogenen, Sesseln in gediegenster Ausführung. .* Zu tief reduzierten Preisen, sind Tuchsjoffreste, Leinwand-, Chiffon-, Kleiderstoff- und Ballstoffreste etc. im Restenmarkt, «VI., Damböckgasse 10, erhältlich. Näheres im Inserat. * Von -befreundeter Seite, erfahren wir, daß die Firma Könitz & Co., Wien; VI., Barnabitengasse 7, auf Grund alter Abschlüsse in der Lage ist,^Papiere und Pappen aller Art zu billigsten Preisen abzugeben. *•' > * Sie kaufen preiswert Bekleidungsgegenstände Jeder Art für Damen und Herren, ferner Wollstoffe und Velours sowie Weißwaren, Barchente, Bettzeug, Federritten, .usw, bei der Mariahilfer Textil- und; Bekleidungs-Gesellschaft in. b. H., Wien, VI., Mariahilferstraße 105, im Hofe. * Neu in Wien! Speisen am Rost und am Spieß für Gourmands aus dem Orient zu jeder Tageszeit im Grand- Bukarest, Wien, '!., Salvatorgasse 10. " . .;: * * Kostümbail in der Hofburgv Samstag den 11. Februar findet in den Festsälen der neben Hofburg der von* der Vereinigung jüdischer Hörer an der Hochschule für Welthandel veranstaltete, Köstümball statt. Dieser Ball, für welchen sich bereits ein großes Interesse bemerkbar macht, dürfte zu' den gemütlichsten, fröhlichsten und zugleich vornehmsten gesellschaftlichen Veranstaltungen der -Saison gehören. Das Reinerträgnis fließt dem Fonds für notleidende jüdische Hörer der Hochschule für Welthandel Zu, Die Ausgabe von Karten, die nur aut Grund von Einladungen, welche auf Namen läuten müssen, ausgefolgt werden, beginnt demnächst. Vorttierkuugen werden vom 15d. M. in der Zeit , von 4 bis 6 Uhr nachmittags im Bureau des Ballkomitees, II., Taborqtraße 1/3, Mezzanin (Vereinigung jüdischer Hörer; an der Hochschule für Welthandel), entgegengenommen. v - * Qualitätsmöbel aller Holz- und Stilarten kaufen Sie äußerst preiswert im Möbelhaus Max Bergmann, II., Praterstraße 33 (Weintr;aubengasse 2). * Für den Fasching kaufen Sie Seidenstoffe, Etamlne und Dirndlstoffe in unerreichter Auswahl infolge kleiner Regien am billigsten bei Kann & Fried, .VI, Linke. Wienzeile 40 (im Hofe). _ Vereine, Vorträge lind Versammlungen. Jüdischer Wanderbund BI au-We l ß. A’m 28. d. M., 7 Uhr, ordentliche Generalversammlung. Ort: B'nei-B’rith-Saal, I, Universitätsstraße 4. — Seni o r e nver band der 2. M. V; Heute, 72n Uhr, IX.,;; Nußdorfersträße 61. — H e b r ä i s c h e r Klub, II., Taborstraße 1, Mezzanin. Montag, 8 bis 9 Uhr : Kurs Doktor N. G o! d s t e i n über M ischnaitisches Re c h t (Baba Mezia). — Verein Erez Israel, II., Tsbyrstraße 20 a. Heute, 6 Uhr abends, hebräischer Vortrag des Herrn Dr. Jakob Thon (Palästina) über Hächinuch b’Erez Israel. Hebräischsprechende willkommen. — J ü d ischer Geschichtskur s für dieBezIrk e XII bis XV. Einmal wöchentlich. Dauer fünf Monate. Beginn Mittwoch den 25. d. M, im Lokal XV, Herklotzgasse 21, L, Stock. Einschreibungen dortselbst täglich von 4 bis 7 Uhr nachmittags. — Jüdische Moderne. Donnerstag den 19. d. M. spricht Gemeinderat und Kultusrat Doktor Plaschkes im C a f 6 Bürgertheater (Markteafg), III, Hauptstraße 1, über die Krisis in de r Wiener Kultusgemein de. Beginn 8 Uhr abends. Gäste willkommen. — jugendverein Erez Israel, II, Taborstraße 20 a. — Heute, präzise 0 Uhr, IV. Vortrag von J. Herzberg Über Hächinuch Halwri. Um 8 Ohr* Heimabend. Gääte willkommen. — Jüdische Tlschgese Ilse h a f 4 L an dstraße. Nächste Zusammenkunft Donnerstag den 19. d. M. um 8 Uhr abends im Cafe Gartenbau, Souterrainlokal, Vortrag Ludwig B a t o; Ueber Pinkers Leben und Wirken (anläßlich seines hundertsten Geburtstages). Hernach Jüdische Volkslieder mit Klavierbegleitung. Gäste willkommen. Urania. Heute, */s3 Uhr (Großer Saal) Unser Alpenvolk und seine Lieder. — 5 Uhr (Großer Saal). Das Wunder des Schneeschuhs. — %8 Uhr (Großer Saal) Wiener Humor aus vergangener Zeit. — V23 Uhr (Kleiner Saal) Alexandere von Humboldts Weltreisen. — ,/25 Uhr (Kleiner Saal) Opernkonzerte, III. Giuseppe Verdi. — */98 Uhr (Kleiner Saal) Biedermeier-Quartett. — %6 Uhr (Kurssaal) Robert Friedmann: Russische Sekten und Sektierer. — 7,8 Uhr (Kurssaal) Paul Johannes J e 11 i n e k : Volksnöte. — 7af> Uhr (Klubsaal) Kdmpofcitionsabend Friedrich Bldch. -» 7,8 Uhr (Klubsaal) Soaatenabend. Hinda Rings- Poldl I vic i c. -- Park- KTn o (Xin, Hietzinger Hauptstraße) 7.3 Uhr Johann Strauß. Dr. O. JÖhlingef: „Bismarck and die Juden*. Verlag Dietrich*ReImers, Berlin, 1921. > Dr. O. Jöhlingers Buch über Bismarck und die Juden ist eine Tendenzschrift par exellence. Der Verfasser sucht in seiner Arbeit den Nachweiä zu erbringen, daß die Meinung, als ob Bismarck Antisemit gewesen wäre, historisch nicht zutreffend sei. Allerdings war der Junker Bismarck ein Judenfeind und seine ersten Reden im preußischen Landtag sind von diesem Geist beherrscht. Erst in Frankfurt, wo Bismarck als Gesandter am Bundestag Preußen vertrat, vollzog sich ln Ihm ein Umschwung im judenfreundlichen Sinne. Von nun an beginnt Bismarck, sich, je mehr?r mit der Leitung der Staatsgeschäfte betraut wird, vom Antisemitismus äbzuwenden und aus Rücksichten des Staätsinteresses für die Judenemanzipation einzutreten. Jöhlinger schildert ntin ausführlich Bismarcks Beziehungen zu den Juden in diesem Zeitabschnitt und beschäftigt sich in einem besonderen Kapitel mit dem Fall Stöcker. Das Buch enthält auch viele Lücken, So wird beispielsweise Bismarcks Stellung zur rumänischen Judenfrage am und nach dem Berliner Kongreß 187& so gut wie kein Augenmerk geschenkt, ebensowenig bespricht der Verfasser sein Verhältnis zur rumänischen Judenfrage. Dagegen spart der Verfasser nicht mit der Schilderung von Privatgesprächen und, Anekdoten, die eben den Beweis für Bismarcks Judenfreundlichkeit erbringen sollen, welche Methode aber den wissenschaftlichen Wert des Buches nur vermindert. g. Josef Klausner: Geschichte d erne u hebräischen Literatur. Deutsch herausgegeben von H. K o h n. Berlin, «Jüdischer Verlag, 1921. 136 Seiten. Der Jüdische Verlag übergibt den des Hebräischen unkundigen Lesern eine deutsche Uebersetzung des Klausnerschen Kompendiums zur Geschichte der Hebräischen Literatur. Das kleine Büchlein liefert in knapper Darstellung eip zusammenhängendes Bild der, Entwicklung der hebräischen Literatur in den letzten 150 Jahren. Das Original ist ursprünglich in russischer Sprache in den Jahren 1912 und 1915 erschienen. Vor kurzem hat K 1 a u s n e, r in Palästina auch eine hebräische Ausgabe seines Buches besorgt. Nach einer kurzen, vergleichenden Darstellung der alten und neuhebräischen Literatur schildert der Verfasser die Anfänge der neuhebräischen Literatur am Ausgang des 18. Jahrhunderts in Deutschland, Oesterreich und Italien; ein besonderes Augenmerk schenkt er in diesem Kapitel dem Kreise der „Measiim“. Den Großteil seiner Arbeit widmet er der Darstellung der Haskala-Literatur in Rußland und Galizien und geht dann zur Besprechung der nationalen Strömungen über, die mit Smolensky ihren Einzug in die hebräische Literatur feiern. Die letzten vier Kapitel schildern den Werdegang der hebräischen Literatur in dieser Epoche. Besonders gelungen sind dem Verfasser die Charakteristik der in den letzten Jahrzehnten wirkenden Dichter und Schriftsteller Achad- Haam, Bialik, Feuerberg, Berdyczewski, Frischmann, Neumark, Tschernichowski, Lewinski, Brainin, Brenner und Schoffmanri: '""" ... Mit einem Ausblick ,auf die Entwicklungsmöglichkeiten in der Zukunft schließt Klausner seine Arbeit Wenn auch Klausners Büchlein bei weitem nicht die Geschichte der neuhebräischen Literatur in ihrer Gänze schildert, so leistet sie als informatives Handbuch unschätzbare Dienste. G. Palästina. 57 Abbildungen mit einer Einleitung von Moses ,C a 1 v a r y. Verlag Ferd. O s t e r t a g, Berlin W. 50, Augsburgerstraße 28. (25 Mark.) Das gefällige und gut ausgestattete Buch will dazu beitragen, ein lebendiges Bild von Palästina zu vermitteln, pie bunte Reihe der photographischen Aufnahmen, von dänen eine zum guten Teile von deutschen Zionisten besorgt, will weder „Sehenswürdigkeiten“ sammeln noch auch einen Ueberblick über die Leistungen jüdischer Arbeit in den letzten zwei Jahrzehnten vermitteln, sondern vielmehr eine reale Anschauung von der, palästinensischen Wirklichkeit an Stelle blasser Vorstellungen setzen- Man darf sagen, daß diese Absicht in der Tat gut geglückt ist und die 57 photographischen Aufnahmen geben einen guten Begriff von den verschiedenartigen Landschaftsformen und Bildern, deren Palästina auf engem Raume eine einzigartige Variabilität aufweist, von der Erhabenheit und Größe seiner alten Denkmäler und Städte, wie der Fruchtbarkeit des entsprechend gepflegten Bodens und der primitiven Art der bödeiisässigen Araber, die sich in deren Arbeit und Behausung, in Pflug und Brunnen ausprägt. Ein "beschreibender Text, eine sachliche Darstellung über Land, Leute, Klima, Bodenverhältnisse usw. hätte den Wert dieser Aufnahmensammlung . sicher , gehoben, aber auch so bedeutet däs Buch eine überaus erfreuliche Gabe. rd. Paul Ernst, „E r d a c h t e Gespräche“, Georg Müller Verlag, München 1921. Als 12. Band der gesammelten Werke des Meisters sind nun die „Erdachten Gespräche“ erschienen. Sie sind ein Bekenntnis des Dichters und eine tiefschürfende Untersuchung der sinnlichen und übersinnlichen Welt. Er hebt die Hülle von den Problemen, läßt uns an den, Gesprächen großer und weiser Männer teilnehmen und schenkt uns ihre befreiende Erkenntnis. Schönheit des Lebens, sein Wert und seine Wichtigkeit, alles Zeitliche und Vergängliche,'3 Erhabene und Lächerliche, Weg und Irrlicht, werden uns tröstlich klar. Ob wir Sokrates im Gespräch mit Alkibiades auf dem Markt belauschen oder die Unterhaltung zwischen dem Weltüberwinder Alexander mit Diogenes auf einsamer Landstraße, ob wir an Schillers Sterbebett stehen, die Entscheidungen Buddhas anhören, in Flauberts Arbeitszimmer die verzweifelten Ausbrüche des jungen Maupassaut vernehmen, immer wieder zeigt sich, daß jeder nur seine Welt gestaltet und die Schranke des eigenen Ich nie zu übersteigen, die Schwere des UrpersönHchen nie zu verlieren vermag. Suchenden Menschen wird Paul Emsts Werk ein Führer sein. Aus den Niederungen des Tages hebt es zu reiner Höhe. — n. Otto Thielemann, »D e r S c h w ärmer von B a z a ncourt“. .Verlag W. Piepenschneider, ' Braunschweig, 1921. . - , , Der Kandidat der, Philologie Bertram Vogelsang kämpft, leidet und erlebt seine erste Liebe an der französischen Front In einem zerschössenen Etappendorf verliert er in Herz an sein französisches Mädchen und beider Schicksal erfüllt sich zwischen dem Dtnner der Schlachten und dem sengenden Brand hassender Menschen. Thielemanns Erzähluilg ist nicht reizlos, doch fehlt ihr der göttliche Funke, der Erlebnis zum Kunstwerk stempelt —n. Seite 9 ■—- ,..«i Christine Llndenthaler, „Die Gesehichte von Hans Burkhard und der kleinen Lotte“. Wien-Leipzig 1921. Wiener literarische Anstalt. Christine Lindenthaler hat sich an das Problem gewagt, die psychologischen Emotionen darzustellen,. welche sich in der Maturaklasse eines Knabengymnasiums aus der plötzlichen; internen Mitschülerschaft eines bis dahin extern, studierenden Mädchens ergeben, und so einen belletristischen Beitrag zur Psychologie der männlichen und weiblichen Halbwüchsigen zu geben, ohne zu strak ins doktrinär Psychoanalytische zu geraten. Man spürt ein aufdämmerndes Talent, von dem man weitere Proben gern erwarten darf. Dr. F. F. Freie jüdische VolksbQ hne uimuimiiiiiuimtiuiiiiimmiiiiiiummtmtiiuitutmiimiimiimiiimtimimtmiitmiiui Gastspiel Im Lustsplcltheatcr 4280 */,ll Uhr vormittags: Vo!k8-F/fa4lnee, Goldfaden -Warschawsk?. — Milwirltend: Isaak Deutsch, Lea Weintraub-Graf, Bcrviion Sigatl. 3 Uhr nachmittags: ßfellensfofne. 1. Die Brcdyer Sänger. 2. Abraham Goldfaden: Szenen aus Me«chfachs Zeiten. 3. Schalbm Alejchem: Die Ejze. — Mftvvirkend: Die Damen Deutsch, Körner-Jungwirth, Gärtner, die Herren Deutsch, Jabionski, Natan, Reißfnann, SigalU Strisower, Sternberg. V28 Uhr abends: Del* Unbekannte, Drama in vier Akten von Jakob. Gordtn, Molieres 300. Geburtstag. Dem. temoristisdien Dichter flicht die Nachwelt im allgemeinen ebensowenig Krän*ze wie; dem Schuld daran ist die Vairiafoilkät^deis Begriffs der Komik. Was Ae&chilos, Sophokles ■ und! Eu-ripides vor zwei Jahrtausenden tragisch eirnp* tun den und d argesteilt halben, erscheint auch uns so, erweckt im modernen Leser und Zuschauer; ebenso »Furcht und, Mäbleid« wie in Aristoteles. Dagegen können wir den Reiz, den des Ari-stophanes Spotdust auf. die Lanhmuskeln seiner Zeitgenossen ausübte, nur mehr höchst bedingt nac'hemipfindön; und auf keinen Fall unmittelbar genießen, sondern! nur auf dem Dm weg über kulturhistöoriisc'be EJnlebumg in seine Gedankenwelt. Da©'Kriterium der Tragik steht eben einfür allemal fest, das Ltzid. i-st der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht, der, Menschheitsgeschichte. Was aber lachhaft ist:-— darüber hat nicht nur zwischen den wechselnden! Generationen, sondern auch zwischen verschieden erd Bildungssohichten einer und derselben Zeitepoche das Urteil stets sehr geschwankt. Was den einen! aufs höchste belustigt, widert den anderen an oder, berührt ihn sogar tragisch. Das hat seinen tiefsten Grund darin, daß dias Element des Witzes die Grausamkeit ist. Da nun das ganze memsohs liehe Kultur werk auf die Bekämpfung oder aufrichtiger gesprochen —> auf die Verschleierung dieses atavistischen - Triebes gerichtet ist, schwankt mit dem niedrigeren oder höheren Kulturnlveau einet! Generation, eines Volkes oder einer .sozialen; Schichte auch deren Kriterium des Komischen. Die prägnanteste Urform des Witzes ist die — Ohrfeige des Zinku&clowns. Ihr Gegenpol ist das feingeschliffene Wort, dessen Nadelstiche noch schmerzlicher verletzen als die Pritsche des Hanswurst, das' aÄ-vts nur eine vergeistigte Modifikation des grausames! Urtriebes darstellt. Auf der ungeheuren ästhetischen Leiter, die diese beiden Pole verbindet, hinauf- und hinabgleitend, entzieht sich die Rumst de§ Komikers der kritischen Fixierung durch die Nachwelt. Ein« solche Fixierung für alle Zeiten ist nur bei solchen. Persönlichkeiten möglich geworden, deren gigantische Größe den ganzen Raum zwischen den beide» Extremen ausfüllend mit den Füßen 'auf dem Bode» urwüchsiger. Derbheit steht und mit dem Scheitet in die Region des Feingeistigem ragt. Deshalb steht einer Anzahl unsterblicher Trai* gSker eine verschwindend kleine Zahl unsterblicher! Humoristen gegenüber. Zu ihnen zählt unleugbar jener Franzose,, der am 15. Jänner 1622 als Schm des königlichen Kammerdieneris und Hoftaipezierers P;o q u e 1 i n zur Welt kam und dessen dreihum-* dentstein Geburtstag heute Frankreich als Nationalfeiertiag und die gairnze Kultur als ein Weihefest des menschlichen Genius begeht Schlagen wid eines seiner Meisterwerke auf, dann vermissen wir auch micHt eines der ästhetisch sio mannigfach abgestuften Requisiten, von denen eine Reizung defl Lachmuiskdn zu erwarten ist. Die Klistiensipiritz«! wird vor unseren Augen gebrauchsfertig gemacht* Ohrfeigen kwallen auf vorwitzige Wangen. Stockhiebe sausen auf . Bedientenbnckel. Alber diesö ganze Clownerie ist nicht Selbstzweck, sondern mur eine von vielen künstlerischen Ausdrucksformen einer Individualität, deren geistiger Hochfl-ug nach' den Sternen zielt ... - . . ... Wie alle großen Humoristen-, ist Midiere ei« Entlarven-. Euthüllt der Deutsche N estroy ■ die innere Hohlheit de* pathetischen, so zerzaust der Franzose den Gefühlswert des zierlich e« Wortes. Er hat^die »preziösen« Daunen des >Hotels Rambouillet«, wo die Unn-mtur der empfindsame« Schäferpoesie ihre Brutstätte hatte, mit jener! Lächerlichkeit behaftet, die nach einem fnainizösi* sehen Sprichwort tötet. Aber nicht nur iinditetfarir sehen Zerrbildern des Lebens, sondern auch .int Leben selbst halt er der Uiiwaihrfheit und Verlogenheit machgesipürt. Er hat im Tartüffe den! Typus des sittlicfr-religiösen . Heuchlers für ewige Zeiten ins Herz getroffen. Sucht diesef andere zu täuschen, so-betrügt der eingebildete Reiche: def Geizige, der eingebildete Menschenfeind und der eingebildete.Kranke sich selbst um »ein Leben«glü«Äc ■ . . - W84w«tt4 M®!i§ree Kivwet dies« Wi4cn*sgMrtw(ke des Lebens -bl-oßlegt, hat ein feindliches Schicksal Widersprüche zwischen seiner Kunst und deofc

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