Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1064 (15.1.1922)
- Date
- 1922-01-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Wiener Morgenzeitung TW. TööT Wien, Forints- - ■' - — ■■■■-". -ntr—i i . ■ -• 3 „ . ^r. 1.- ,^ ttttd nuir dieö Bedürfnissen des jetzigen jüdischen Gemeind ei eben« entspridhit. Allendiings ist es noch fraglich, wie sich der (,Sejm zu dieser Frage stellen wird' umd wie lange es noch dauern wird» bis diese Fordienuug tatsächlich realisiert sein Wind. . Eine Gewissensmahnung an die zionistischen Frauen Oesterreichs. OÜitne lange tsifcäftiistisahte Viorfü'nftersuiclh'ungen Wird man anndwneri dürfen, d^B es i>n der Stadt iTheodör Herzls eine nicht uinbeträ'chtUdie Anzahl »von zionistisch gesinnten Firauen gibt. ' Und Wer das. rege pulsierende soziale tund iküR-urelle Leben {Wiens kennt und die Rolle, die die1 jüdischen Frauen darin spielen, wind hinzjUidenkeit; daß es ninter den ttiieisiigen Zionist innen sogar hervonagend tüchtige und begabte geben muß. - Auch Ist es wahriich nicht ■ schwer, linnen zu Ibegegnfen. In der jüdischen sozialen Fürsorge, in {jüdis'bhen KuRurzirikeki, als Lehrerinnen an jüdischen Schulen, ai»s Schülerinnen in jüdischen Ün- (tenrichtsikunsen, als Verwandte ziiondistisCher Eartei- Üöute, unter den /ÄügeWäh'detteri ams dem - Daten, auch den atu« Palästina derzeit zur Ausbildung hiehier Zugereisten — überall trifft man auf Frauen, denen die überzeugte Anhängersohäft an die zionistische Idee,, die opferbereite HilfSiacbeRam Regene-ration'swenk ihres Volkes, die innere Verbundenheit mit der jüdischen Kultur und damcit die heiße Sehnsucht na oh ihrer Bewahrung und W eiterbildiung <hiuf heimatlichem Boden nicht nur Selbstverstand! ichik eit, sondern Zehtraliidee ihres Seims und Wollene bedeutet. Umso, erstaunlicher, ist es, daß all diese bisher cfes Bedürfnis nach einem festen' Zusammenschluß nicht lebhafter gefühlt, die Sammlung ihrer Kräfte izu planmäßiger Arbeit nicht zielbewußter Unternommen haben. Wohl haben sich -viele von ihnen Fürsorge und der Schulung der Ghaluzoth zuisamtnenhängt, mit ihrer Beratung, Unterbringung und Arbeitsivensörgung in Etez Israel,, all die Wohl-, fahrt«- und Kulturinstitutiöneil, die dort c^r Mutter-, Säuglihgs- und Kirtdersdhutz, das WohU-umd SohuliprOiblem für die weibliche Bevölkerung notwendig machen, muß von den zionistischen Frauen seihst zum größten Teil initiiert, f inan ziert, durchgeführt und geleitet Wendern Dazu braucht es eine Fülle und. Konzentration von Mitteln Und Kräften, eine Plammäßigtkeit und Umsicht, zju der seihst Landesverbände von nicht ausreichen» die nur in einem W eit.'bu nd der zionistischen Frauen zu erzielen sind. In dieser Erkenntnis halben bereits organisierte zionistische Frauen auis den Verschiedensten Länr dern der Diaspora, zusammen /mit den. jüdischen Frauen von Palästina, die .Schaffung ' eln-er- Wel>torganisation der iZlöniistmbein inis* Leben zu rufen gesucht. Gleichzeitig mit «je* ersten internationalen Zusammenkunft, die nach dem Kriege, für Zionisten möglich war, mit der zionistischen Jahreshonferenz von London im Sommer 1920 wunde die - erste Beratung der Frauen ahgeha/Ren und sie konstituiert on sich auch so weit, daß sies gleich, mit der Arbeit beginnen konnten. . Ein festeres Gefüge gaben sie sich dann in diesem Sommer in Karlsbad, wo sich auf Einladung des zionistischen Frauen-Weltbundes eine große Anzahl von delegierten Ziomistitinen aus verschiedenen Ländern zur Besprechung einer eiin-h-eitliohen Organisation zusamt mengefun den hätfceü. Kläglich genug nahm es sich dabei aus, daß die zahlreichen Zionist innen OesterrekSbs 'keine regelrechte Vertreterin entsenden und die Enschienenen* nuir ,im eigenen Namen sprechen und nur ihren Willem Ausdruck geben 'konnten, sich dafür einzusetzen, daß in dem Arbei'tsbund der jüdischen Frauen für Palästina die eine Organisation' der österreidhiischen Zionistinnen nicht länger fehlen werde. Diese Frauen und mit ihnen eine Reihe von 15. Jänner 1922 Seite 5 sowie HOSHFEIHE SrOFFHESTE KM man an billigsten bei B9NH S FRIED Wlen^ Vlb, UWKE WtEMZElLE 40, IM HOFS Schon ip den ersten Tagen der kommenden Wocho dürften dann die Verhandlungen der Mehrheitspäfteien behufs Abschlusses eines festumschriebenen Ueberein* ' kommens über den künftigen Kurs der österreichischen Regierung beginnen. Da die Großdeutschen hervor« ragenden Wert darauf legen, weiter am Ruder1 zu bleiben, wird ihnen wohl' von den Christliqhsoziaten in vielen Stücken willfahrt werden. Erst wenn der Pakt zwischen den Mehrheitsparteien geschlossen ist, wird die Zeit für die mit der Kabinettskrise zu lösenden Personenfragen gekommen sein. Zur Erleichterung der Situation könnte schließlich die Umstilisierung des von den Großdeutschen scharf . bekämpften Artikels 4 des Lanaer Abkommens vielleicht beitragen. Die Prager Regierung hat für die diesbezüglichen Wünsche des österreichischen Kabinetts vef“ ständnisvolles Entgegenkommen gezeigt. Die Neutextieruhg ist bereits aus Prag eingetroffen und soll einen den Großdeutschen wesentlich vorteilhafteren Wortlaut zeigen. Vorläufig aber spielen die Großdeutschen noch den wilden Mann und lassen durchs blicken, daß sie jedenfalls einen Wechsel in der Führung des Außenamtes herbeizuführen wünschen, auf dessen Schuldkonto sie nebst dem Lanaer Vertrag auch das Abkommen von Venedig und dett Verlust von Oedenburg buchen. Ob der Zeitpunkt für den großdeutschen Vorstoß glücklich gewählt ist, mag wohl schon im Hinblick auf die im Gange * befindlichen Verhandlungen mit Ungarn mehr als zweifelhaft erscheinen. T schecho-Slo wakei. jfo freiwilliger oder beruflicher Mitarbeit in die eioniistiscihe Bewegung eingestellt und dar!« auf xyianchem Gebiet. Bemerkenswertes geleistet, aber darüber hinaus haben sie die Verpflichtung zu einer straffen Organisierung der zionistischen Frauen {Wiens länger als erlaubt hin taugest eilt. Von'einigen kurzatmigen Versuchen Abgesehen und von Organisation,sansätzen in einzelnen Bezirken, wo Persönlichkeiten führend und Gruppenbildung erzwingend her vor ge treten sind,' ist es bisher zu keiner umfassenden' leben«- und arbeitsfähigen Vereinigung der zionistischen Frauen Wiens gekommen. , Es maig nuin sein,, daß eine solche bisher nicht als gar so wichtig und dringend erschien, daß die Gefolgschaft ausreioh'tü, die die Gewissenhaftesten ohckehinI der Partei 1 eietoten. Aber jatrt$ da'■ 4er 'Zioni'smü's 'aus einer idealen Forderung zur Wirklichkeit, auis einer schwärmerischen' Sehnsucht zu .praktischer, Opfermut und Zähigkeit verlangende» Gestaltung gereift ist, da macht sich die lose, „zu keinen selbständigen Leistungen fähige Verbindung der zionistischen Frauen Oesterreichs untereinander udd innerhalb der zionistischen Arbeitsgemeinsöhaft der Welt als peinliches Versäumnis fühlbar •— als ein Versäumnis, das gar nicht eilends genug gutgemacht werden kann., Denn ein mächtiges, leicht nutzbares Reservoir von kostbaren Kräften bleibt so unauisgeschötpft, in einer Zeit, da dais ^palästinensische Aufbauwenk, die Vorbereitung Und Unterstützung der Aufwandemden, die Dringlichkeit finanzieller Beihilfe, die Erhaltung und Erweiterung der PaTteiinstitutionen, die Gewinnung ausgedehntester Kreise des jüdischen Volkes für das nationale und soziale Befreiungs- und Autorstehungswerkin Ere? Israel .eine ganz ■ beispiellose Tatkraft und Hingajbe verlangen. Die Frau, die sich heute zutn Zion Ismus bekennt, wird sich daher in ernstester. Gewissens- Pflicht die Frage zu stellen •halben, was sie. vonIhrer Seite \>m kann und tun muß, um das Werkder‘'S,taa>t5^. werdung Paläsfinais,. dor WisdeTgeburt d'es. jWenitiuims «mögliehst zu fördern, Und da wird sich neben der seibstiverstäpdli'chen persöniiyhen Mitsteuerung. njnd Mitarbeit, je nach Vermögen, und Fä^Heeit. die Organisierung der GesmnungsgenMm* nein ihres Landes als die dringend&ie Aufgabe-auL drängen. - . Es liegt, auf der Hand, daß eine Zu'Sdinmenfassuug d'ftt zionistisch gesinnten Frauen, ihre organisierte, mitdenikende und. miitschaffende Teilnaihme an der vielgestaltigen zionistischen Arbeit, die Wacherhäljung und Steigerung des Interesse? und der 'Tatbereitschäft jedes einzelnen, die . eine solobe Organisafibh durch die ununterbrochene {Aktiivität, die sie verlangt, mit «Iqh bringt, , und schließlich die Werbokraft tm^ , überzeugende Gewalt, die sie auissitijörnt, daß all das eine Verdoppeluing der zionistischen Stoßkraft bedeutet. Aber außer dieser moralischen und materiellen Mobilmächuntg der Zioniistinnen für die allgemeine zionistische 'Arbeit wind eine selbständige Arbeitsgemeinschaft der zionistischen Frauen von bestimmtet Aufgaben gebieterisch gefordert, die innerhalb der allgemeinen Organisation gar nicht oder nicht ebenso^ gut und ccasch und den Bedürfnissen der Frauen entsprechend bewältigt werden können, Alles, w$s mit der anderen Einsichtigen, die den Mangel einer arbeitstüchtigen Vereinigung der Z'ionistinnen Wiens pnd Oesterreichs als unerträglich und beschämend empfinden, -haben‘nun die Initiative zur Schaffung einer solchen ergriffen. In mehreren vorbereitenden Sit- . zungen haben sie versucht, sich über den Weg klar zu werden, der eingeschlagen werden muß, um zu 'einem Ergebnis zu geüangen, und in der allernächsten Zeit werden sic mit ihren Aufrufen und Arbeitsvorschlägen atn die Zionist innen Ln dien verschiedenen Bezirken Wiens 'herantreten, um. sie daran' zu mahnen, was sie ihrer Ueberzeugung schuldig sind. Möge darin kpine «ich dem Appell entziehen I*) Dr. Nadia Ornsteia-Brodsky. Oesterreich. Aus dem Nationalrat. Die Großdeutschen gegen die Regierung. — Waber geht Mit dem für heute zu erwartenden Beschluß der Reichsparteileitung der großdeutschen Volkspartei, die voraussichtlich das Rücktrittsanerbieten Dr. Wabers genehmigen und den Abgeordneten der Partei die Ablehnung des Vertrages von Lana zur Pflicht machen wird, sind die politisch-parlamentarischen Grundlagen 'des Kabinetts Schober so schwer erschüttert, daß an die Neubildung einer Regierungsmehrheit wird unverzüglich geschritten werden müssen. In der parlamentarischen Gruppe der Großdeutschen war es bis zum Schlüsse nur Dr. D i n g h 0 f e r und sein an Zahl nicht starker persönlicher Anhang, die alles aufboten, um einen Eklat zu vermeiden, aber auch im Nationalratsklub der Großdeutschen drang die Auffassung durch, daß Dr. Waber aus dem Abschlüsse des Lanaer Vertrages die Konsequenzen zu ziehen habe, wenn sich auch die einsichtigeren Deutschnationalen nicht der Erkenntnis verschlossen, daß das Lanaer Abkommen irgendwie modifiziert und zu gelegener Zeit wird ratifiziert werden müssen. Wie die Dinge jetzt liegen, könne man es aber nicht einmal mit einem den Artikel 4 interpretierenden Zusatzabkommen — annehmen. Ebenso wie die Großdeutschen lehnte auch die sechs Mann zählende Gruppe der Deutschen Bauernpartei den Lanaer Vertrag ab. Beide deutschnationalen Fraktionen suchen übrigens jetzt den Anschein zu erwecken, als ob weniger der Artikel 4, sondern vielmehr die in Artikel 1 enthaltene Feststellung, daß beide vertragschließenden Staaten sich auf den Boden des St, Germainer Vertrages stellen, die Ursache ihres Widerstandes wäre. Furcht vor der Verantwortung für einen unumgänglichen Regierungsakt wird das Verhalten der beiden Parteien vielleicht richtiger erklären, wenn nicht etwa die der Regierung. Schober bereiteten Schwierigkeiten in letzter Linie auf persönliche Aspirationen zurückzuführen sind. Sicher ist jedenfalls das Ausscheiden des Ministers Dr. Waber aus dem Amte, dessen Ressort interimistisch vom Vizekanzler Dr. B r e i s k j geleitet werden wird. * Die Vorbesipreohwnig zur DuroMüh'rutng der m diesem Aufsatz antworfcin'en Pläne findet Dienstag den 17. d. M. im Sitzungssaal des Jüdischen Natk»nwl'rait's statt. Die Bodenreform. ‘ Prag, 14. Jänner. Präsident M a s a r y k empfing eine Deputation der republikanischen Parteien, die ihm ihre Wünsche bezüglich der Bodenreform vorbrachte. In seiner Antwort betonte der Präsident abermals, daß die Durchführung der Bodenreform eine große nationale Forderung darstellfe. Gegenwärtig handle es sich darum, daß aus dem Großgrundbesitz kleine Parzellen geschaffen werden. Er wünsche, daß diese Teilreform energisch, allerdings aber auch planmäßig durchgeführt werde. Wie viele größere Besitze es~ geben solle und, alles übrige, was damit Zusammenhänge, müsse in den Grenzen des Gesetzes und nach einem genauen Plane entschieden werden. I Verlegung der deutschen Hochschulen* Prag, 14. Jänner. Ein Antrag konform jenem über die Verlegung der deutschen Universität nach Reichenbergist auch bezüglich der deutschen technischen Hochschule und der deutschen Kunstakademie eingebracht worden. Der künftige Standort der deutschen technischen Hochschule soll Aussig, jener der deutschen Kunstakademie Reichenberg sein. Jugoslawien. Rückkehr des Königs. Belgrad, 14 jänner. König Alexander Ist gestern abends aus Rumänien in Belgrad eingetroffen. Der Ministerrät sowie die Stadtgemeinde von Belgrad haben den König in feierlicher Weise empfangen. Am Abend; wurden die Häuser der Stadt illuminiert und. ein Fackelzug veranstaltet, Dienstag werden züm Besuche des Königs das rumänische Königspaar sowie, der Thronfolger von, Rumänien, Karl, und die Braut Prinzessin Mariola in Belgrad zu einw^chigem Aufenthalt eiatreffeo. Im Monat April wird In Belgrad die V e r-. m ä h 1 u n g und im Mai die Krönung d. e Jf. Königin stattfinden. Emsteilung der staatlichen Fürsorge für passive Landstriche, Belgrad, 14. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) In der letzten Sitzung des Finanzausschusseswurde bekanntgegeben, daß die staatliche Fürsorge für die passiven Landstriche nicht weiter aufrechterhälten werden könne. Der Antrag, für Slavonien za* sorgen, wurde abgelehnt «4 L_,, Polen. Das 500-Milliarden-Budget für 1922. Warschau* 14. Jänner. (Tel.-Komp.) In def letzten Sitzung der Budget- und Finänzkommissioir des Landtages erstattete Finanzminister Dr. Michalski einen ausführlichen Bericht über die Finanzwirtschaft des Staate^. Ausdiesem-Bericht ist vor allem zu ersehen, daß. der Schuldenstand des Staates bei derLan .esdarlehenskasse sich stetig verringert. Im September betrug/die Ver* schuldung des Staates beim genannten Institut 20 Milliarden Mark, im November 15.5 Milliarden und im Dezember bloß 7 Milliarden. Diese Ver- Saison-Ausverkauf in Stoffen tut Ar um uMQ "W& «5 & •WE!Hauar,GAS.SE*10*ia » . A d l 17 a A SÄ £ a