Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1063 (14.1.1922)
- Date
- 1922-01-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Samstag WIENER MORGENZEITUNÖ 14. Jänner 1922 Seite 3 --- Habsburg von der Thronfolge für immerausgeschlossen werden. Schließlich erklärt er, daß, falls die Reinheit der Wahlen nicht unbedingt gewährleistet werden sollte, er genötigt sein würde, an die ausländische Eulturwelt zu appellieren. (Großer Lärm und Widerspruch bei der Partei der kleinen Landwirte.) Abgeordneter Friedrich meldet die Verletzung der Immunität mehrerer Abgeordneter an, die dadurch begangen worden sei, daß in Verbindung mit dem Gerücht von einem angeblichen Erscheinen der Königin Zita und des Erzherzogs Otto in Ungarn mehrere Jegitimistische Abgeordnete, unter anderem Graf Andrassy, Graf Sigray, Markgraf Palavicini und Redner selbst durch angebliche Detektive belästigt wurden. Polen. Anti jüdische Boykottbewegung in Posen Warschau, 13. Jänner. (J. C. B.) Wie aus Bromberg gemeldet wird, zogen in der Sylvesternacht antisemitische Banden durch die Stadt und brachten vor jedem jüdischen Geschäfte die Anschrift „Achtung, hier Wohnt ein Jude 1“ an. Rumänien. Die Vorgänge in Beßaral»ien. Bukarest, 13. Jänner. (Funkspruch.) Der Ministerrat beschloß, die Machtbefugnisse des Militärkommandanten in Beßaräbien nur auf das Grenzgebiet zu beschränken und eine Untersuchungskommission zu entsenden, die über die Vorfälle im Grenzgebiet Erhebungen anstellen soll. Palästina. # - Wirtschaft und Verkehr. Private Fernsprechverbindung mit Aegypten, Der palästinensische Obecpcvsitmeäster gibt bekannt, daß ab Jänner Zivilpersonen telephonische Verbindung mit Aegypten’ erhalten können. In ,W irtschaf tskreisen wird die neue Einrichtung als großer Fortschritt begrüßt. Handelsrecht. Der jusitizsekretär der palästinensisch em Zivil - Verwaltung wird im Februar den Referontenentwu'rf eines Gesetzes über Handelsrecht vorlegen. Die Verwalter der einzelnen Landesibezinke sind bereits angewiesen, die Ernennung geeigneter Persönlichkeiten zu Handelsrichter n vor Zuschlägen. Aufhebung des Einfuhrszolls für landwirtschaftliche Maschinen. Die Zollbehörden in Palästina veröffentlichen eine Liste von landwirtschaftlichen Maschinen und Werkzeugen, die einem Einfuhrzoll nicht unterliegen. Zu den angeführten Gegenständen gehören: Pflüge, Mäh-, Dresah- und Häckselmaschinen, Sensen, Sicheln, Eggen und Hacken. Umstellung der Milchwirtschaft. N Das Industrie- und Handelsdepartement der pralästineasischen Regierung hat eine Kommission gebildet, die sich mit der Entwicklung kleiner, aber lebenswichtiger Wirtschaftszweige des Landes befassen soll. Man denkt dabei besonders an eine Umstellung des gegenwärtigen Mildhwirt'schaftssystems, das noch viel zu wünschen übrig läßt. In den nächsten Monaten wird die Milchproduktlon. der Kolonien .und Dörfer genau festgestellt und die Mil'Chventeilung im Einvernehmen mit dem Tranisportdepartement vorgenommen werden. ■ Da die amtlichen Stellen überzeugt sind, daß die palästinensische Milchproduktion den Inlandsbedarf decken kann, führt man den gegenwärtigen Milchmangel im den Städten auf die bisher übliche VerteilungsnietJhode zurück. Zur Förderung des städtischen Milchmadcts sollen allen Personenzügen eigene Milchwaggons beigegeben werden. Verbesserung des Eisenbahnverkehrs. Die Eisen bahnverwaltumg in Palästina beabsichtigt, zwischen Jerusalem und Haifa besondere 6 c h n e 11 z ü.g e fahren zu lassen, , die diese Strecke in viereinhalb Stunden zurücklegen sollen; auf den Strecken Jaffa-r-Jenusalem und Jerusalem—Kamtama wird ebenfalls ein neuer Schnell-' zugdienst geschaffen. Einwanderung. Vom i. September bis zum 30. November des Vorjahrs sind insgesamt 2465 Person en nach Palästina eingewandert. Zum/größten Teil handelt es sich um verheiratet^ Kauf lernte und Handweiiker, die auf Wunsch ihrer in Palästina lebenden Verwandten ins Land gekommen sind und Maschinen, Werkzeuge, Waren Und Hausgeräte mitgebracht ■haben. Rundschau. Sitzung des Völkerbundrates. Genf, 13. Jänner. (Schweizerische Depeschenageritur.) Der Völkerbundrat beha delte gestern den litauisch-polnischen Konflikt. Der Vorsitzende erklärte, daß, nachdem die Mllltärmlsslonen zurückgezogen worden seien, der Völkerbundrat geeignete Maßnahmen zu prüfen habe, um jeder Erneuerung der Feindseligkeiten vorzubeugen. ln der Abendsitzung befaßte sich der Völkerbundrat mit der Frage der Schaffung eines freien Zuganges Polens zum Meere. Diese Angelegenheit hängt, mit der D a n z i g e r F r a g e zusammen. In der albanischen Frage beschloß der Völkerbundrat, die Untersuchungskommission demnächst zum Zwecke der Berichterstattung über die behaupteten Truppenkonzentrationen Serbiens an der albanischen Grenze zu einer Sitzung nach Genf einzuladen. Forderungen der Westukrainer. Cannes, 13. Jänner. (Westukr. Preßag.) Eine westukrainische Delegation überreichte am 11. d. M. dem Obersten Rat eine Note, in welcher die sofortige Lösung des ostgalizischen Problems gefordert wird. Die Wahlen in Wilna. Wilna, 11. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) „Glos L i 10 w y“ meldet, daß der Völkerbund den Wilnaer Sejm nicht anerkennen wird, weil die Armee Zieligowskis im Lände verblieben ist. Beim Wahlgang hat die Liste der N a t i 0 n a 1demokraten eine N i e der läge erlitten. Die Föderalistengruppen haben die Majorität der Wahlstimmen erlangt. Der Sejm wird vermutlich in zwei Wochen einberufen. Die polnische Presse vertritt den Standpunkt, daß der Sejm nur über die Zugehörigkeit Wilnas beraten und entscheiden werde. Für jeden Fall werden vorher die Vorsteher der politischen Gruppierungen zusammentretet,, um ein Programm festzulegen. Der Regierungschef Meystowicz erklärte einem Mitarbeiter des Warschauer „Najen Haint“, daß der Wilnaer Sejm allein über seine Kompetenzen entscheiden werde.. Er hoffe, daß die Verhandlungen mit den Juden von Erfolg begleitet sein werden. Er bekämpfe die chauvinistischen nationalen Elemente. In der Schulfrage werde er alles mögliche tun, um die Regierupgsbeiträge zur Erhaltung , der jüdischen Schulen zu erhöhen. Die Wahlkampagne in England und die Palästina-Frage. Londbn, 12. Jänner. (J. C. B.) Im Zusammenhänge mit den bevorstehenden Parlamentswahlen macht die arabische Delegation aus Palästina mit Unterstützung ihrer englischen Freunde große Vorbereitungen, um die britischen Wähler mit den arabischen Forderungen vertraut zu machen und die Kandi aten zur Unterstützung dieser Forderungen zu verpflichten. Zu diesem Zwecke wird ein spezielles Wahlbureau in London geschaffen, dessen Kosten von Sammlungen gedeckt werden sollen, die durch den muselmanisch-christlichen Kongreß in Palästina und durch ehemalige Beamte der militärischen, zivilen Administration Palästinas veranstaltet werden. Politische Amnestie in Irland. London, T 3. Jänner. (Funkspruch.) Der König hat das irische Amnestiedekret unterzeichnet, das über 2000 politischen Gefangenen, darunter 40 wegen Mordes zum Tode verurteilten, die Freiheit wiedergibt. Generalstreik der irischen Eisenbahner? Dublin, 13. Jänner, (Tel.-Komp.) Der Kongreß der irischen Eisenbahner beschloß, heute nachts auf allen Eisenbahnlinien den Generalstreik zu eröffnen. Tagesbericht. Weitzmann in Berlin. Ehrenabend im Hause des Generalkonsuls Eugen Landau. Die Zionistische Korrespondenz, Berlin, meldet: Professor Weitzmann hat Berlin verlassen, um nach ^London zurückzukebren, In den letzten Tagen seines hiesigen Aufenthaltes wurden dem Repräsentanten der zionistischen Bewegung noch maunilgtfache Ehrurigen von zionistischer u.md nichtzioniiistisdher Seite dargebracht. Bemerkenswert ist vor allem ein Ehrenatbend, den Gemcra'Kkonsul Eugea, L.a n d a u in seiner Wohnung für Professor Weitzmauh veranstaUetej urid zu dem hervorragende Persönlich'kejtfcn dos' deutschen öffentlichen -Leben« —- Minister, Staatssekretäre, Abteilungsdirektorea des Reichismiinisteriums des Auswärtigen, Vertreter der Wirfcschaftswelt und Publizisten -r geladen waren. Unter den Gäston befamdeu, sich neben anderen: R e Ichis j u s t i z m in ist er Professor R ä Ö b r 11 c h, Reichsminister a. Excellenz Dem bürg, der: neue deufosohe Gesandte ün Wien Br. Pfeiffer, Staatssekretär Professor B e c k e r vom preußischen Ministerium für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung, Mwilste-rialdireiletör Gneist, Gtetamdter von M a fc i ti s, Ministerialdirektor Koepke, der Referent für die Türkei und Palästina Geheimer Legationsnat P a d e 1, Wirklicher Lcgaitr.onsratv v. ICuhl mann, der Referent für diie deutschen Schulen im Ausland' Lcgationsrat S d h r i n g, Legatio'nsrat Prüfer, Professor Sobernhcim und Konsul Hoff mann. Die Finanz- und Industriewelt war durch Gehelmrat Dr. Caro, Direktor Eistättef, Si-egmuintd Hirsch, Kommerzienrat Gerson S i m o <0, Direktor Kurt Sehern heim und Konsul Waltos; Sobernhe i m vertreten; die deutsche Publizistik durch, Dr. Guttmann, den Berliner Berichterstatter, der »Frankfurter Zeitung«. Von zionistischer Seite waren außer Professor Weltzmatnin erschienen: Dir. Feiwel,' der Direktor es Keren Hajessod; Rechtsanwalt Ros en b 1 ft t h, der Vorsitzende der zionistischem Vereimäguingi für Deutschland sowie diie Vorsitzendem des Berliner Bureaus der Zionistischen Exekutive Dr, J a ko bfi otii, Dr. H a n t k e und Julius Berger. * - . - Die Reihe der Reden eröffnete Professor S ob er«- heim, Indem er in prägnanter 'Welse die Enfwicktanig dc-r Palästina-Kolonisation big. zum Ausbruch des Weltkriege« diarlegte. Seine Ausführungen, die eine gründliche Kemmb^iiis der gesamtem jüdischem Politik .und eins objektive Bewertung der einzelnen «politischen Richtun-' gen innerhalb des judemtumis verrieten, waren für die Anwesenden eine instruktive Einleitungzu dem darauf-- folgenden Vortrag vom Professor Weitzma-un. Vom dem, Einwirkungen des Krieges auf die zionistische Organisation ausgehend, schilderte Weitzjnanm die einzelnem Phasen der neuen Kolonisation, ihre bisherigen .Erfoiige und ihre Ziele. Der Redbier charakterisierte diebe-' stehenden Schwierigkeiten und erläuterte, wie die tätige Solidarität des Judentums sie überwinden könine. Der' starke Eindruck, den Weitzmanms Ansprache auf die1 Anwesenden machte, wird am ehestem illustriert, wen.tr man den wesentlichem Inhalt der Rede wiedergibt, diie Reichsfinanzminister a. D. Bern b u r g im weiterem« Verlauf des Abendis hielt. Dernfoaurg, der bekanntlich;' die deutsche Koloniafipolitiik in ihrer wi Christen Periode leitete, legte in großem Zügen seine kolonisatorfeohein,', Erfahrungen dar, verglich dE>e früheren Kolonisatiousmethodetn mit dem gegenwärtigen und -schloß, im/deru: er-mit Nachdruck betonte, diaß jeder gebildete Deutsche mit der Tätigkeit und dem Zid der zionistischen ..Bewegung sympathisiere. Nachdem Dr. J. Strauß kurz erwidert hatte, vervollständigte Dr. Feiwel in . seiner Eigenschaft M Mitglied des Zionistischen Finanz- und Wirüsohaitsrates Dr. Weitzmamors Mitteilungen, wobei er vornehmlich auf dieMet’höden der Geldaufhritnun.g für das :Ko1o-t nisaticuswerik und auf das wachsende Interesse der Juden in allen Teilen der Welt arri Aufbau des neuem. Palästina ein ging. Der politische Teil des wohl gelungenen Abends Hatte damit seinen Abschluß gefunden. Aus der Wiener jüdischen Gemeinde« Die Frage der Vereinsrabbiner. Zu unserem in Nr. 1056 veröffentlichten Au.f< satz üben; die Streik absichten der Vereiinisrabbinar erhalten wir die felgende Zuschrift einieis Vereiimsrabbinens: Die Absicht der Rabbiner, ihr Dienst-* Verhältnis zu den Mittelschulan mit Ende des ensteoj, Semesters zu kündigen, kann nicht als Strefkaibsiichit oder Vertragsverletzung bezeichnet werden, ©oindena. es handelt sich um eine durchaus legale Lösung;. Ihres Dienstvenhälhndsses. Der Kernpunkt der Fraget ist.aber der: . /. / Haben die Vereinsrabbiner das Recht, in ihren ' amtlichen Stellung sowohl wie auch in ihren Bezügen den von der Gemeinde besoldeten Räbbinenri... gleichgestellt zu werden oder nicht? Hierauf amitwoirtet die Kuiltusgemeiinde: Nein! Denn diese Rabbiner seien Angestellte von >Prw vatvereinen«, die sie nichts angehen.' Es muß gestattet sein., das Verhältnis dieser Vereine zur. Kultuisgemeinde wenigstens in nuce zu skizzieren!.. Zu einer Zeit, als noch außerhalb des ersten und zweiten Bezirks nur wenige Juden labten, habe« sich in den Umhegenden Bezirken »Mirnjainio« gebildet, weil der Besuch der zwei bestehenden Gern eindebethäuser infolge der räumlichen Entfernung erschwert oder gar unmöglich war. Als die jüdische Bevölkerung auch hier zunahm, haben sich/diese" Minjaimin auf Grund des Vereimsges.etzes konsti-. nuierft und allmählich sogar monumentale Bethäuses)4 erbaut. - Nun kam das Gesetz vom 21. März 1890 »zsufi- Regelung der äußeren. Rechtsverhältnisse, der israe<! irischen R eli gion sge nass ernis cihai t«, welches ÄS' Grundlage der letzteren^ die »Kultusgeme&hide« normierte, dieser gleichzeitig die Pflicht auferlegend' (§ r), für die Befriedigung der religiösen Bedürfe' niss;e ihrer Mitglieder zu sorgen und die .duirclv diesen Zweck gebotenen .Aushalten zu erbaitan und. zu fördern«. Diese Verpflichtung hat die Kuiltusgemeinde auch in § 3 ihrer Statuten auf genommen und äufnehmen müssen. Nun hatte man meinen sollen, daß die Kultuisgemeinde die bereits im Herzen dieses Gebiets bestandenen Gotteshäuserübernehmen und für sie sorgen werde. Das geschah jedoch amiebt. Es kam ferner das Gesetz vom 19. DczembeV' 1890, welches das Wiener Gemeindcgebieit durch Einverleibung' der Vorstädte erweiterte. Die in den letzteren besten deinen Tempel, wie in Fümihaus, Ottakring und Währing, hat mm die Kultuisgemeinde auf Grund des obeai zitierten .Gesetzes übernommen und sie für sogenannte Gemeinde-, tetnipel erklärt: die, in dein inneren- Bezirken» Wiens bestehenden großen Bethäuser hat sie jedoch auch jetzt als »Vereinsbethäuse“« belaesm. Die jüdische Bevölkerung hat inzwischen itn diesen Bezirken immer mehr zugenommen, so daß der überwiegemdie Teil der jüdischen Gemeindemitglieder r und Steuerzahler hi e r zu finden ist,; ohne daß die Kultusgemeinde sich bewogen gefühlt hätte, hier auch nur eine primitive G emeindebetsriube z.u errichten. < Das war allerdings auch nicht notwendig. Denn die s'-geinannten Vereinsbethäuser waren inzwischen schon längst über den Rahmen eines Vereins hin- Regenmäntel Herrenwn/j v,7e«rntsnsS aües ersiküassig und bi118@st Im üMrQnhaus ÜB Schiffmann L,Tate?sS?a86!(8-Te!ä?!ii!i!4J«I9 En aros um En detail