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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-08 · Heft 1057 (8.1.1922) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1057 (8.1.1922)
Date
1922-01-08
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr.!0!>7 Wien, Sonntag WIENER MORGENZEITUNG . 8. J3nner 1922 Sekte r Bedarfs nicht stattfinden konnte. Das ist atuch die Erklärung für das plötzlicihe EVnporsohncllen der Devisenkurse — es nützte eben nicht, den Zuschuß für den Laib Brot um 150 'Kronen z>u vermindern, wenn der Staat für. die Lebensrnittel noch immer Devisen braucht und überdies den Angestellten die Preisdifferenz ersetzen muß. Das »st aber auch zugleich die Erklärung für die Rcikiordschöpfuing von. 2i Milliarden neuer Banknoten in einer Woche und , es besteht die Gefahr, daß wir uns an eine solche wöchentliche 'Notenausströmuing gewöhnen werden, wie wir uns allmählich an die. tägliche Notenemission von einer Milliarde gewöhnt.,hatten. Denn die ausoh well ende Inflation ist nur ein Ausdruck für die Tat-sa-tohe, daß die innere Kaufkraft der Krone immer mehr im Schwinden begriffen ist und daß sie sich allmählich ihrem um so. vieles niedrigeren Auslands wert zu nähern beginnt. Damit soll nicht gesagt sein, daß dann die Krone jeden Werl verlieren müsse, es wird nur öde vollständige Anpassung aller Preis- und Lohn Verhältnisse dn die ,\yeltmairfktparität eingetreten sein.. Daß diarn:»t die Konkurrenzfähigkeit unserer Produktion aufhört, das steht sowohl für den Arbeiter -wie für den Unternehmer fest und man kann diesem Zeitpunkt nicht anders als mit der größten .Besorgnis entgegensehon, da mit «hm die G e (Wi r schwerer sozialer Kämpfe heran-riiakt. Diese Gefahr möglichst weit zu verschieben, wird jede Regierung bestrebt sein Und daher ihren Scharfsinn ansp-ornen, um die Krone durch Erschließung neuer Einnahmen zu halten. Und sollten all diese Einnahmequellen ni-cht genü-. gen, so wind sie sich nicht scheuen — es wird übrigens ihre Pflicht sein —7 alle nur irgendwie vorhandenen Reserven herauzuziehen. Eine solche Reserve stellen die im In lande vorhandenen Valuten- •bestände dar — sde aind. noch nicht angerufen,’aber bereits k<wiiskribiert 1 Stellt sich nachher Beschlagnahme heraus, daß die Valu-tenkunse nicht abbaufähig sind, dann wird man an die Reserve der Zwangsanleihe, deren Formen ja verschieden 6ein können, herantreten. Man wird altso die Krone, dais heißt deren höhere innere Kaufkraft, mit allen Mitteln zu halten suchen. Das es nicht gelingen kann, wer will dias mit Sicherheit behaupten?,Der Hin-weis, daß trotz der Valutenanme 1 düng, trotz der neuen Devisenordnung, der zahlreichen Stehergesetze und (W Abbaues 4er Lehen smi dtelziusohü-s-se, trotz.des Mangels einer lokalen Devisenspekulation, die Valuten sieb doch nicht auf die Daher niedetfhalten ließen, »st kein Argument, denn es sind eben noch nicht alle Reserven herangezogen worden; Aber auch wenn man itm vorhinein von. der Erfolglosigkeit einer solchen Inan>5'pruchnahme des Volksvermögcns;; überzeugt wäre, man wird die Reserven dem Staate nutzbar, machen m H s s e rr, um .Zeit zu gewinnen und den, Zusani- ■mcaibpuoh der Währung hinauis-zu'Sdi’ieben. Denn inzwischen könnten doch die Kredite kommen, nicht wahr? Und es gilt vor allem, sich über Wasser zu halten. Gewiß, die Kredite (können klommen, es fragt sich nur, unter welchen Modalitäten. Gerade das beginnende Hiuscheiden nach den letzten Reserven zeugt dafür, daß die auswärtige Hilfe — nicht Aushilfe — nicht früher kommen wird, bis nicht alles versucht wurde, um sich mit'den im Inland vurhsndenen Mitteln aus dem Sumpfe der Inflation und de4\ Ausgaben Wirtschaft zu befreien. Gelingt es aber nicht; umso schlimmer für uns und umso besser für unsere späteren Retter. .. ' , Alle Sauierüngsbcstrelningen kranken daran, daß sie auf berochtigle Interessen — Recht isthier Macht — der vier großen Klassen Rücksicht ne'hmcn, jn die Oesterreichs Volk zerfällt: Kapital, Arbeiter. Agrarier und Staatsangestclhenschaft, ziu jvelch letzterer auch die Arbeiter der staatlichen Werkstätten gehören. Die Staatsaingestclltcnschaft i-U derzeit wohl die stärkste Macht im Staate, denn der Personal a u f w a n d ist und bleibt der Kernpunkt des Problems der Budgeisanierüug, ohne daß je praktisch versucht worden wäre, dem Aufwand Einhalt zu gebieten. ' Daß das Saniorungsproblem kein bloßes Finan;z»{>roblein, Klso kein Problem der Buchfiilvrumg ist. das lehrt der Mißerfolg aller bisherigen Sanierungsmiaßnahmcn, lehrt das Dahin- . siechen der Krone, lehrt die immer ansteigende Prcisfkrt. Es ist zum Beispiel ein Widersinn,. 4Lj Milliarden Pensionen zu bewilligan, wenn man sie nioh* bewilligen kann, es ist, daher Wahns-inn, tvkvit nur diese 4'/.. Milliarden zu bewilligen, sondern me!-jt a!-s d-a-ä Vierfache dieser Summe.. Wenn gegenüber dem barten Muß des Mangels Hinnani'tiitserwägUngen sich doch durch-zusetzen vermögen, so ist (las nur ein Beweis, daß hinter »linen eine'.-starke Macht stand, um sie nicht nur zu vertreten, sondern auch zu erzwingen. Finden die-östenreiohisehen Finanz minister kein Mittel, um neben der Steigerung des Einnahmectat'S eine kräftige Verminderung des Ausgaben et ats. eintr-eten zu lassen und auf diese Weise da<s Defizit abzubauen, . dann müssen ihre besten Finanzsysteme scheitern. Dann werden sie von einer Zwangsmaßnahme zur anderen schreiten, die die Ue-bel nur an der Oberfläche kurieren und keiner Klasse ernstlich wehtun werden, biis alle Möglichkeiten erschöpft sein werden und die vo!Inständige Anpassung des Inlandiswcrteß an den Auslandswert der Krone die so lange hinausgesolyobene Kraftprobe 'zwischen den einzelnen Klassen offen; zum Ausbruch bringen wird, das heißt bis die Krone völlig vor sägt. 'Wenn diie ös'tenrejchistohfet) Regierun-“ gen und Parteien nicht selbst'in der Lage sind, durch eine Verfügung .der Macht den Persbnaläufvyand in Einklang mit dem Können der. Volkswirtschaft zu bringen, wird die Entente selbst diese Machtprobe, zu liefern übernehmen, wird ihr-' KapIÄab'uns'die. Kredite bringen, aber zugleich ihre; Finanzkontrolle über uns setzen. Doch bevor uiris. Hilfe in dieser Form wird, muß die Krone zus-ammsenbrechen. Bisher hat ums der F mauz plan Df. Gürtlers die Vermehrung der Einnaihmen das Staates gebracht, es bleibt abzuwauten, ob u:nd wie er an das Ersparungsipnoblem herantreten' wird. Die plötzliche Steigerung der tschechischen Krone ist -vor allem öa-rauf zurücikziufübren, daß in. der Tschedho-Slowakeifc mit einer Verminderung des Persona lauf vvandes ernist gemacht wurde. Das Auslaind quittierte die^e Bemühungen durch eine .HinaufLetzünK der tschechischen Krane bis auf 8 Franken. Wie man es machen soll, das wäre freilich auch uns nicht verborgen. Ob man es machen kia-mii? —11—, aller Holz- und Stilarten zu mäßigen Preisen für Inland und Export MÖBELHAUS MRXVMRURWU Wien, II. Praterstraße Nr. £3 Weintraubengasse 2 Telephon 43-1-70 497 Erweiterung der Zuständigkeit des Einigungsairites für Streitigkeiten aus Lieferuiigsverträgen. In der gestern abgehaltenen Vollversammlung des Nfederösterrelchischen Gewerbevereines machte der Vorsitzende Vizepräsident Kommerzialrat Otto W a 1 d s t e i n die Mitteilung, daß sich der Gewerbeverein schyn seit längerer Zeit auf Anregung des Mitgliedes Doktor Schwein bürg mit der Frage befaßt, ob nicht zur wirksamen Entlastung des Landes-, beziehungsweise Handelsgerichtes die Zuständigkeit des'Einiguhgsamtes für Streitigkeiten aus Lieferungsverträgeq erweitert und das Verfahren dieses Amtes verbessert werden soll. Auf Grund mehrfacher Aussprachen gelangte die Vereinsleitung zu dem Ergebnis, beim Justizministerium eine Enquete über diesen Gegenstand vorzuschlagen. Das Ministerium hat das Präsidium des Ge werbe Vereins nun ersucht, kpnkrete Vorschläge vorzulegen, die dahin gehen, .daß der Ausspruch des Einigungsamtes, wenn beide Parteien den Ausspruch annehmen, exekutionsfähig sein. Gegen den Ausspruch des Amtes soll der Rechtszug an einen besonders zu bestellenden Senat des Handelsgerichts zuläss'g sein, der ohne erste Tagsatzung sofort in die Streitverhandlungen einzutreten und die Beantwortung der Klage innerhalb einer bestimmten kürzeren Frist zu fordern hätte. Was die Streitigkeiten aus der Liquidierung von Gcsellschaftsverträgen betrifft, so sollte hiefür die Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte beibehalten werden, vorausgesetzt, daß in solchen Streitfällen eine Rechtsprechung nach Billigkeit durchgeführt werden könnte. Die Enquete wurde vom Ministerium für Justiz für den 18, d. AL einberufen; Verband der Messe- und Exportvertreter, Kommissionäre und reisenden Kaufleute in - Wien. Gestern fand die konstituierende Generalversammlung obiger Organisation statt, bei welcher von der Wiener Messe A.-G. Gemeinderät Müller, vom Niederösterreichischen. Gewerbeverein Kommerzialrat Zisarsky, vom Handelsmuseum Ministerlaisekretär Hartlnif'ller, vom Hauptverband der Messeinteressenten Kammersekretär Strauß erschienen waren. Der Verband, welcher aus, den. drei berufene^ Körperschaften, und zwar der Fachsektion der protokollierten Handelsvertreter, Gremium' der Wiener Handelsagenten und .Verein Reisender Kaufleute in Oesterreich bestehf, steht uqter der Patronanz des Gremiums der Wiener Ka ujf mann schaft und hat seinen Sitz IV.; Schwarzenbergplatz 16. Die Mitglieder dieser Organisation müssen bei de^ Aufnahme ihre Legalität und Legitimität durch Nachweis! ihres Gewerbescheines als Handelsvertreter und ihre* kau fm än n i s che Laufbahn vor der Be* ' giitachtungssektion nachweisen und einwandfrei! sein. ‘ « Die Ziele und der Zweck, dieses Verbandes Ist Wahrung, Vertretung'und Förderung der Interessen der Handelsvertreter, Kommissionäre und reisenden Kaufleuta auf der Wiener M esse und allen Messen der1 Welt und des Exports auch in bezug auf den Transitverkeh r, ebenso .mit dem gesamten Ausland hiezu die Verbindungen > aufzunehmen. ' Gemeinderat M ü 11 e r gab im Namen der Wiener Messe A.-G., die Erklärung ab, daß seitens derselben dieser Organisation weitestgehendes Entgegenkommen und das stete Einvernehmenin. Aussicht gestellt sei. Kammersekretär 8 t r a u ß vom .Hauptverband der Messe-Interessenten gab eine ebensolche Erklärung ab. Referent dieser Organisation A. M. Ehrlich forderte, daß die Dolmetscher und Fremdenführer aus dem Reservoir der Vertreter dieser-Organisation seitens der Wiener Messe entnommen werden, da dieser Verband Berufskollegen^ welche sämtliche Sprachen der Welt beherrschen, zur Disposition stellt, dieser Vorgang eine Existenzfrage . für .diese! einwandfreie Standesgruppe bildet und es gerade im Interesse der Wiener Messe gelegen sei, faie Ausländer mit e i n w and freie n - Dolmetschen und Fremdenführern usw. in Verbindung zu bringen. Zum Präsidenten dieses Verbandes wurde Gremialrat Job. Rud. Presser, zum I. Vizepräsidenten Leopold K a cs e r, zum II. Vizepräsidenten Ign. Deutsch und zu Referenten und Schriftführer A. M. Ehrlich einstimmig gewählt, sodann die gesamte Verbandsleitiftig gewählt^ welche sofort ihre Tätigkeit aufnimmt. Börsen-Kommlsslonsgeschäft und Wechselstube MAGID & Co. Wien, I., Hohenstaufengasse 11 «m Der Ausgleich Duim abgeschlossen. Wie bereits gemeldet, haben sich nach Erlegung einef 20®/,igen Ausgleichsquote durch den Amsterdamer Jtiwelenhändler‘Zacharias Duim für* die gegen seinen Sohn Daniel Duim aufgeläufenen Forderungen die Gläubiger als befriedigt erklärt und die gegen ihn erstattete Strafanzeige .zurückgezogen. Der Wiener „Börse“ zufolge enthält der abgeschlossene. Ausgleich folgende Bestimmungen: Zacharias Duim erlegt beim Wiener Bankverein 300 Millionen deutschösterreichische Kronen, welche voll zur Bezahlung der Gläubiger verwendet werden, die sich mit einer 20°/, l g e n Ausgleichsquote als restlos, befriedigt erklären. Dagegen willigen diese ein, daß die in Wien verbliebenen Aktiven Duims zur Bezahlung der sogenannten „privilegierten“ Forderungen verwendet werdem:\ Die Aktiven Duims werden von den Buchsachverständigen auf ungefähr 50 bis 60 Millionen Kronen geschätzt. Die 300 Millionen Kronen wurden bereits am 14. Dezember beim .Wiener, Bankverein erlegt. Die gesamte Höhe der Forderungen wurde mit 1.4 Milliarden angegeben. Die Liste der .diesem Ausgleich beigetretenen Banken und Bankiers, welche seinerzeit ihre Forderungen gegen Duim angemeldet hatten, ist folgende: Breisach L Co., Wiener Bankverein, Allgemeine österreichische Boden-Credit» Anstalt, Zentra bank deutscher Sparkassen, Allgemein« Verkehrsbank, Anglo-Oesterreichische Bank, Oesterreich!-1 sehe Länderbank, Wiener Unionbank, Wiener Lombard- und Eskomptebank, Neue Wiener Bankgesellschaft/ L. und M. Biedermann & Co., Walter & Co., Bankhaus Alfred Pfeiffer, Reitler <S Co., Richard Hock <L Co., Bauer & Simon, Auspitz, Lieben & Co., Kirschlieimcr <£ Ehrlich, Dr. Ernst Fritz Wachsmann, „Hermes*, Allgemeine ungarische Wechselstuben-A.-G. Filiale Wien, Keßler <ä Möller, Kola «L Co., Rosciifeld & Co., Dominik Wolf, Wiener Kommerziaibank, Lukacs & Co. Julius Feingold. , * \ Wie der „Abend* berichtet, soll Duim wieder nacÄ Wien kommen. . Wiederbelebung des Triester Hufens. Triest, 7. Jänner. (Privat.) Aus einer Mitteilung, die der Gencralzivilkom.missär von Jalisch-Venelien, Mos« c 0 n i, einem Berichterstatter gegenüber machte, geht! hervor, daß der Triester Hafen sich wieder zu beieben beginnt, was eine unmittelbare Folge der verschiedenen Handels- und Transportübereinkommen, die Italien mit den Nachfplgestaatep der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie undmit Deutschland abgeschlossen hat, ist Mosconi erklärte, daß nach dem gänzlichen Daniederliegen des Verkehrs Im Jahre 1918 'die Ein- und ‘ Ausfuhr im Jahre 1919 auf dem Seewege bereits 15 Millionen Meterzentner betragen habe. Triest beginnt somit wieder zu erwachen. Seither sei der Umsatz noch wesentlich gestiegen, für die Restaurierung des Hafens habe Italien .27 Millionen Lire verwendet. Es wurden große WarendepQts und ein neuer Leuchtturm errichtet,' der allein 7 Millionen Kronen gekostet habe. "Um den Handel1 noch weiter zu fördern, werden weiters besondere Tarifverträge mit Deutschland, Polen, Ungarn und Jugoslawien abgeschlossen' werden. Der Wiederaufbau der im Kriege TUNGSRAM

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