Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1057 (8.1.1922)
- Date
- 1922-01-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 Wien, Sonntag Oesterreich. ram r^oTtcENzsmjNTi, Nr. 1057 Die Hetze gegen den Vertrag von Lana. Das tschecho-slowakische Äußenamt hat4in Wien wegen des Auftretens des Abgeordneten Lodgmän und des früheren Abgeordneten Dr. Langen h a n gegen den Abschluß des Staatsvertrages von Lima Vorstellungen erhöbe 1 mit dem Hinweis darauf, daß namentlich das Verhalen Dr. Lodgmans einer. Einmischung in innerpolitische Angelegenheiten gleichkomme.. — Langenhan ist der Vorsitzende des llilfsvereins der deutschen Sudenteländer in Wien. Zur Vorgeschichte des Lanaet* Vertrages erfährt man, daß tatsächlich an das Rennersche A*bkommen nur die beiderseitigen 'Außenminister für die Dauer ihrer Wirksamkeit gebunden waren. Bundeskanzler Dr. Mayr hat seinerzeit den Rennerscheri Geheimvertrag übernommen. Dagegen hat sich Bundeskanzler Schober gleich bei Antritt, gegen die Rezipierung dieses Geheimabkommens, das sich e i n s e i t i g gegen Ungarn richtete, gewehrt, mit dem Hinweis darauf, daß seine beiden Amtsvorgänger als Parteiführer durch ihre Parteien gedeckt waren, während er selbst als Beamtenminister für seine Person solche weitgehende Bindungen nicht übernehmen könne. Das Renner-Tusarsche Abkommen war sohin mit dem Amtsantritt des Bundeskanzlers Schober, erloschen. Dies war auch einer der Gründe,-; warum von tschecho-slowakischer Seite dem Bundes* Kanzler Schober nicht mehr ein Abkommen von Außenamt zu Außenamt, sondern ein Staatsvertrag vorgeschlagen worden ist Graf Lasocki. Warschau, 7. Jänner. (Tel.-Komp.) Der neufcrnannte polnische Gesandte in Wien, Graf La sock i, soll anfangs nächster Woche seinen Posten in Wien an treten. Die Wiener polnische Gesandtschaft teilt uns mit: Dr. Jan de Grzymal a-Grabo wiecki, der bisherige zweite Sekretär der Wiener polnischen Gesandtschaft, wurde zum ersten Sekretär der polnischen Gesandtschaft in Sofia ernannt Eine Paßkonferenz. Graz, 7, Jänner. Am 16. d. M. findet in Graz eine Konferenz aller Nachfolgestaaten statt bei welcher über Paßangelegenheiten Verhandlungen geführt werden, um den Grenzverkehr zwischen den Nachfolgestaaten zu vereinfachen. Die tschecho-slowakische Regierung wird durch Ministerialsekretär Cernovsky vertreten ' i :e „Vereinig ^tingw des Grenzverkehrs, P&gyVL jännc?. Das Ministerium des Innern hat;,<n V e r b o v :k. Ausstellung von Grenzüber- : u s s c h er-.'.,» für einen Tag erlassen. Die Grenze uan nur derjenige überschreiten, der einen ordentlichen Paß (mit Photographie), ausgestellt vom Gemeindamte für den engeren Grenzverkehr, besitzt. Auch Ausländer dürfen mit den bisherigen „Tages-, legitimationen“ das Gebiet der Tschccho-Slowakei nicht betreten. Ungarn. . Der große Kampf steht noch bevor. Budapest, 7. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Der großen Rede, welche Ministerpräsident Graf Bethlen auf dein Parteibankett hielt, wird in den politischen Kreisen, hauptsächlich wegen ihrer Kampfansage an die Legitimsten, die größte Aufmerk* sameeit gewidmet In seinem politischen Trinkspruch sagte Graf Bethlen mit Bezug ' auf die Legitimsten unter anderem: Seinerzeit stellten sie König’ Karl den Grafen Stephan T i s z a entgegen, jetzt brachten sie König Karl in Gegensatz zum Reichsverweser. Diese Herren konnten es nicht verwinden, daß sie nicht mehr im Besitze der Macht sind. Sie können es nicht Über sich bringen, ihren Einfluß auf die Regierung nicht im Verhältnis zu ihrem Machthunger ausüben zu können. Täuschen wir uns nicht. Es steht noch ein großer Kampf bevor. Wir haben es mit verwegenen, entschlossenen Menschen zu tun, die alles auf diese eine Karte gesetzt haben. Diesen Männern kann man nur mit entschlossenem Willen erfolgreich entgegentreten. Bethlens Einheitspartei. Budapest, 7. Jänner. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Mit Bezug auf die vorgestrige Rede des Ministerpräsidenten Grafen Bethlen wird dem Ungarischen Telegraphen- Korrespondenz-Bureau von zuständiger Seite mitgeteilt, daß die Vereinigung mit der Partei der kleinen Landwirte einen entscheidenden Schritt zur Verwirklichung des Planes es Ministerpräsidenten,, b$*: treffend die Bildung einer einheitlichen festen Regierungspartei, bedeutet. Die Verhandlungen mit Oesterreich. Budapest, 7. |änner. Gestern vormittags ist im JWlnlsterpräsidium unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Grafen Bethlen und unter Teilnahme der Ressortminister und Referenten eine Beratung abgehalten worden, deren Gegenstand die Vorbereitung des Materials der mit Oesterreich demnach st aufzuoehmenden Verhandlungen bildete. Im. Laufe dieser Verhandlungen werden die aus dem Venediger Uebereinkommen hervorgehen^en wirtschaftlichen, finanziellen und anderen ähnlichen Fräsen besprochen werden, / 8. Jänner 1922 Die ungarischen Kukluxer. Wie Pater Bangha aus Amerika entfernt wurde. (Von unserem NewYorke r - K orrespondent en.) Es ist durchaus niic/bt überflüssig, daß man im Eumoipa erfahre, wie m Amerika Leute bchamdclt werden, die dort die Geldmittel für ihre reaktionäre« Umtriebe in Ungarn auftreiben wollen. Es wird ©in Ruhmesblatt in der Geschichte der amerikainischcn Demctkralie bleibe«, daß auch der gewitzigte Pater Bangha die iihtm gebührende Behandlung erfahre« hat. Der Jcsaiitonpater wölkte i« Amerika ziuinächst in den Klöster« und Kirchen seine« Klingelbeutel fülle« u«d als dies wenig Erfolg hatte, wagte er sich itn die. große Üeffentlicbkeit uind ließ sich von seinen wenigen Frwmlen ei« Bankett Veranstaltern. Das sollt« ihm aber übel bekommen. Denn zu dem Ba-nikelt erschienen auch die Redakteure der englischen Tagezeitumg »The Globe« und des jüdischen »Morgen-journalst. Der Toaeit meist er aiuf dem Bankelit war der ehemalige ungarische Albgeardmef« Dr. Pauil N e $ s y, der vor einigen Jahren nachi Defraudatichen auis Ungarn nach Amerika flüchtete. Eben wollte Bangha seine große Rede beginnen, um»' wie er es im den Kirchen tait, die JudeivverfcigUingcm in LT ngann ahzu leugnen, als die beiden jutt-rn-alis-em aui ihn zu traten und ihn uim ein Interviewbaten. ' Als Pater Bac.igha die' Unterredung ahlöhmte, nahm der Redalkteur des » Morgen'joüimals«. Z e 1 m a n ow icz das Wort und, sagte: »ich wellte diesen Herrn Paiter Bangha eigentlich nur fragen, warum er durch seine blutrünstigen Hetzreden die Ermordung so vieler Juden und Arbeiter in Umgarn verursachte uind wa# eigentlich der . .' Vertreter eines Mörderregimes in^ Amerika zu suchen habe?« Der Anwesenden bemächtigte. sich eine starke Erregung und die Freunde Banghas rieten ihm. sich au« dem Staiube zu macdien, weil sie für die weitere Entwicklung der Dinge keine Verantwortung übernähmen. Bangha v e r schwand auch und das Bankett konnte nichtabgehalten werden. Da aber der schlaue Jesuilenpater seine Tätigkeit in Amerika nicht einsteUcn wollte, becT. dessen die Arbeiter und die liberal fühlenden am e rik am sch -tan gari sch en Bürger die Abhaltung einer Masscmersiammliung gegen dje Anwesenheit Bangliais in Amerika. Die Versammlung wurde auch tatsächlich anr 30. November in der Liberty Haill, die bis zum letzten Platz* besetzt war, atbgehallen; Hier Ih-ielt, der Präsident des Verbandes der ungarischen Juden in Amerika, Dr; Samuel B ü c h 1 e r, der den Vorsitz führte, seine' große Rede, au« welcher man erst er^ fuhr, wie es den Vorgängern Banghas in Amerika ergangen ist. Dr. Büdhlier sagte unter anderem: »Zuerst erschien Karl Hüszar in den Vereinigten Staaten und als die ArbeiterociSaft und Burgerscha-ft ihn wegen der unter seiner MinisteppTäsidentschaf't verübten Mord« zur Verantwortung ziehen wollten, verkroch er si'dh. Er hielt sich verborgen und al« man seine Deportierung verlangte, gelang es ihm, einen. Tag vor Zustellung des Deportiemngsgesuöhes mit Hilfe eines Juden namens Bcrthdld B a r n a zu erofkommen. Dieser Berthoid. Baima hielt Karl Huszar im «einer Wc*h<mntg mehrere Tage hindurch verborgen und die« rettete ihn vor der formellen Ausweisung. Dann ikam Graf ^Paul T e 1 e ik i und jetzt seihen wir die Umtriebe des Bcla Bangha in Amerika. Aber sein Wirken in diesem Lande ‘kairtn ftidht länger geduldet werde«. VVir wollten damals auch Teleki wegen der Mordtaten in Ungar« zur Rechenschaft z-ieben. Wir wollten ihn fragen, ob zürn Beispiel die Mörder der Redakteure Somogy.i und Bacso bereits abge»; urteilt sind. Aber Teleki rettete sich vor dieser Rechenschaftslegung/ indem er sich einfach krank meldete und aus Amerika äbreiste. Nun befind-vt sich ein europäischer Führer der Ku-klux-tklan-Organisation (ein reaktionäre^ Gehteimbund in Amerika.' Die Red) in unserem Lände, der den imgarländischeti weißen Terror hiehcr, importieren und jenen christlichen Kurs in Anierika begründen, möchte, der in Orgovany allein "mehr als dreihundert Opfer forderte. Wir wissen, was Bangha mit den Dollars will.' Er kam hieber, uns unsere güten^ ämerikani&cben Dbllans ab-, zunehmen, Geld zu sammeln, für seine Hetzblätter »Nemzeti Ujsag«, Uj Lap«, UJ Nemzeddk«, um durch sie zu J u d e n m a s s ak er s und zu A r be it ermorden auf zu reizen. Wir wissen, daß jeder einzelne Cent, jeder' einzelne Dollar als Sold für Raubmörder dienen: würde.« Für die Stimmung, die Ln dieser Massen versatpimhwig herrschte, ist die Anregung eines Rechners bezeichnend, daß Pater Bangha in "den Bronpark ,gebracht und dort in einem. K ä f i g ausgestellt .werde, damit ganz Amerika Gelegenheit habe, zu sehen, wie ein ungarischer Mörder aussieht. Es .wunde ..der Beschluß gefaßt» die Ausweisung Banghas dürchziuisetzen, was .bekanntlich geschehen ist. Aldassy hat nichts gesagt. Budapest, 7. Jänner. (Umg. Tel.-Konr.-Buir.) In Angelegenheit des Minisiterialraites Aldassy, der sich angeblich über die nach Amerika ausgewandertesn Juden in abfälliger Weise , geäußert haben sUJ, 'har. dieU n tersu c h u n g de s M i n i s t e r i u m s festgestellt, daß die fraglichen beleidigenden/^ An^drüCtc^ nicht Itn der Emkdärumgf des Muniistetrialtates,' sondern im redäkticnellen Teil des Blattes enthaften und von der Erklärung durch einen Stöm gesondert ‘'erichienen waren. Außerdem hat der Redakteur des Blattes die schriftlich« Erklärung' abgegeben.' daß die ihkrimiinierten Ausdrücke^ nicht vorn Mini st cri allrat AWassy stammen. (Aldassy« Bemerkung soll gelautet’ haben: Die amcril In kxf cirv Juden sind ein«; GeseJlscbift ab* ge wirtschafteter Defraudamiten.) 1 i" >» imKmtmmmmmrnmmmmmmmmfmmmmamm mm i ui m, Kecskemet ruft wieder jüdische Studenten. Budapest, 7. Jänner. (Tel. der „Wiener Mörgerizeitung“.) Die größte Errungenschaft des christlichnationalen Kurses in Ungarn ist cLr Numerus clausus^ in .den Lehranstalten. Am strengsten ist er wohl in der Heimat des Massenmörders Ivan H e j j a s, in Kccskemet, gehandhabt worden, uncj gerade Kecskemct ist es nun, das in den Budapester Blättern die jüdischen Studenten freundlich einlädt, zunächst , in die Kecske me f e r R e c h t s a k a d e m.i e einzutreten, da der Numerus clausus, nicht voll ausgenützt sei und noch eine Anzahl jüdischer Studenten Aufnahme finden könnte. Im dritten und vierten Jahrgang finden die Aufnahmen sogar ohne jede Beschränkung statt Dieser Appell an die jüdischen Studenten ist wohl der schlagendste Beweis dafür, daß die Numerus-ciausus-Politik in Ungarn, vor dem Bankrott steht, denn sowohl die staatlichen und noch mehr die städtischen Lehranstalten gehen finanziell und auch geistig zugrunde, seitdem der Numerus clausus ihnen die Richtung gibt Es ist kaum anzunehmen, daß jüdische Studenten die Lust erilpfi den werden, so rasch nach Kecskemet zu gehen, wo von Hejjas jener Massenmord an hunderten Menschen verübt wurde, der bis heute n.ch keine Sühne gefundenhat., ^__ Polen. Ausschluß der Juden aus Militärforniationen. Warschau, 6. Jänner. (Tel. der.^Wiener Morgenzeitung“.) £as Kriegsminis erium hat vor einigen Tagen einen Befehl erlassen, wonach in die gegenwärtig in Posen gebildete Spezialinfaiiteriedivision keine Juden aufgenommen werde : dürfen. Der ■ jüdische Abgeordnetenklub hat sich diesbezüglich mit einer Beschwerde an ,den Kriegsminister Sosnkowskf gewendet und, darauf hingewiesen, daß dieser Befehl im Widerspruch zu den Artikeln 96 und 111 der polnischen Konstitution, wie auch zu den Artikeln 7. und 8 des Minderheitsvertraees stehe Flechtyphüsepidemie, . ‘ Warschau, 6; Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen* zeitung“.) Der aus Rußland nach Warschau verschleppte F 1 e c k t y p h u s scheint recht besorgniserregende Fortschritte im Lande,zu machen. Heute erschienen hier t Maueranschläge, die die Bevölkerung auf die . Meldepflicht -aufmerksam machen. Morgen sollenamtliche Verordnungen bezüglich des Gebrauches der W a s s e r I e i t ungen und dergleichen veröffentlicht werJn. Von ärz lieber, Seite wird die Ansicht vertreten, daß die Seuche ernster sein soll, als man wohl annehme. Amtlich wurden gestern die Kreise Brednow, W 0 I kowysk und B. i e I e k als infizierterklärt. Einzelfälle werdbn aus der L 0 m z a e r und G r a u d e n z e r., Gegend gemeldet Morgen langt, hier der Medizinaldirektor des Völkerbundes R e i c h m a n n zü einer Besprechung * mit den hiesigen Zentralstellen ein. Das kleln^siäti^che Problem. . Paris, 7. Jänner. (Funkspruch.) Der französische Unterhändler i Angora, Franklin-Bouillon, ist von Briand nach . Cannes berufen worden. — Die Räumung Z i I i z i e n s wurde zu den festgesetzten Fristen in vollständiger Ordnung beendet. — ln London ist gestern abe ds der Schriftwechsel zwischen Lord Cur z o n und der-französischen Regierung über das A b körn men ifon An g p f a als Weißbuch veröffentlicht worden. : / ' Eine "jüdische Emigrationskonferenz in ■ ■ - Paris. Paris» 7. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenztg.“) Die I c a hat für den 16. d. M. eine Emigrationskonferenz nach Paris einberufe r und hiezu die Vertreter der Alliande, der Jüdiächen Wel hilfszentrale, des Joint, de* Hias Und des zentralen Jüdischen Emigrationskomitees in Warschau elhgeladen. Diesen Organisationen wurde das Statut der. zu 'schälenden Emigrationsorganisation übermittelt, welches unter anderem den Vorschlag enthält, daß' der jeweilige Vertreter der 1 Ca Präsident der zu schaffenden Organisation sein soll