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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-08 · Heft 1057 (8.1.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1057 (8.1.1922)
Date
1922-01-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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MnLtzMUMMb K 40 Wien: Zum Abholen in der. Expedition, Il.,Taborstr. 1—3, «vier ln einer Verschleibstelle (Trafik) monatlich K 1000. MitPostversani fürWign und Oesterreich monatlich K10Ö0. Tsclieclio-3towakei:Mon. Kronen 21 Ungarn: Mona(l. Kronen 129. I ugos 1 a w i e;n: Monatl. Dinar .18. Polen:- Monatl. Mark £01 Deutschland: Monatlich’ Mark - 25. Fr a n k r e i c h: Monatl. Frcs. G. rrnrr T scitecbo^iowakQ LLLK. K 1 Italien: Monatlich Lire 6. Rumänien: Monatl. Lei 40. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Francs 2, Redaktion u. Administration Wien IL, Tabors trasse 1—3. Telephone: 44r0-38;;,43r3-19, ab 6 Uhr abends.; 17-9-33. Telegrammadresse: „Morgen-" zeitüng“/Wien. Oesterretehisches Postsparkassenkonto 150.693, Nr. 1957 Wien, Sonntag, 8. Jänner 1922 4. Jahrgang Die erste Schwalbe. —y. Wien, 8. Jänner. Der englische Vorschlag auf Einberufung f einer Wirtschafts- und Finanzkpriferenz' aller europäischen Staate i ist in fcannes einstimmig -'angenommen vförden. pfe Konferenz soll anfangs '$ärz"in-,Genua statfRnden. per' Beschluß hebt' durch^die /.namentliche Anfügung cjer besiegten Staaten uiid Rußl^fids rden Zweck, diesea Kongresses hervor, ’ das ' europäische. System wieder, zu errichten ’ und 'ihm die volle .Lebenskraft zu-geben. Der Friedenswille Englands', hat die Sache der Vernunft zu einem schwer errungenen Siege .geführt und. die diplomatische Arbeit, der; nächsten Ze$ wird dem Zwecke gewidmet sein müssen, die Grundlagen dieses Sieges nicht verschiebe^ oder verdunkeln zu lassen. Die Vorbedingungen för das ‘ Zustandekommen des Kongresses, die;vpn der Konferenz als •Meinung" "der alliierten Mächte ausgesprochen werden, sind gleichzeitig die Grundlage;'für die Verfassung einer Staaten Vereinigung,die j seit Jahrhun de’rten den Traum aller politisch aufv^ärtsstrHenden Denker gebildet hat Sie besagen, ' daß 'HH'I Nation das] Rpcht hat, sich nach ihrem eigenen Ermessen zu organisieren uiij" zu regieren", das Eigentum und das private; Recht müssen immer und unter allen Ümstäitden respektiert werden; alle Verpflichtungen der Staaten, Gemeinden und öffentlichen Organe müssen; anerkannt, alle beschlagnahmten Güter zurückgestellt werden; die Handelsverträge müssen internatiohäl bestätigt und 'kontrolliert werden; jede Propaganda des.einen Staates in einem anderen hat. zu unterbleiben; alle Länder haben gemeinsam die Verpflichtung zu übernehmen, Sich jedes Angriffes auf ihr? Nachbarn zu enthalten.; Diese Grundsätze besagen in* ihrer ersten und aktuellsten Anwendung auf, die gegenwärtige Situation Europas nichts weniger als die Anerkennung Rußlands. Die englische Regierung hKM MOh. im Vorjahr .einen; Vertrag mit dem SowjpÄfcm;,, ^bgesc(i|Qssen^;. der' sich/ ätif. dei’; Bä# und der Unterlassung jeder politischen;Piiöpaganda -auf dem Gebiete des anderen bewend. ' Der Vertrag ist nur mangelhaft ausgeführt worden, weil die...Sowjet?, regierung ihre Verpflichtungen . nicht, eingjehälten hat und weil die Konkurrenten] , des englischen Handels sich dgn Umstand zunutze machten, daß England durch innere und äußere Schwierigkeiten verhindert war, seine ganze Kraft auf die Erzwingung seiner Rechte in Rußland zu verwenden. Die Beendigung des irischen Streites bringt auch auf'diesem Gebiet ihre Wirkungen und setzt England in den Stand, allen Quertreibereien -auf die einzig mögliche Weise entgegenzutreten, daß alle Staaten veranlaßt werden, ihre Beziehungen zu Rußland in der gleichen Art "zu regeln. Darin liegt aber auch der Zwang für Rußland, nunmehr seinerseits Färbe zu bekennen und den Abbau der Autokratie zur Demokratie in beschleunigterem Tempo durchzuführen. Der Wiedereintritt Rußlands in das europäische Wirtschaftsgefüge . würde beiden Teilen zum Nutzen gereichen, Fr ist aber nur möglich, wenn Rußland seinen Völkern den Weg zur Freiheit wieder öffnet und durch die Rückkehr zum Konstitutionalismus seinen ehrlichen Willen dokumentiert; die furchtbare Episode des sozialen: Experiments: abzuschließen und; zur vollen Produktion .überzugehen. Rußland ist auf die Hilfe des Kapitals angewiesen. Dafür liegen Zugeständnisse in Menge aus den /Reden und Akten . der Moskauer Regierung vor. Abfer; der Fortbestand des Sowjetsystems bedingt, geradezu; die Methode der aggressiven Propaganda; ein: Verzicht Rußlands vor einem europäischen Kongreß wäreauch theoretisch die Negation aller Grundlagen, auf denen sich der Bolschewismus als Staatsidee auf baut. Der Beschluß v n Cannes ist die bedeutungsvollste Ergänzung der Anstrengungen zur Errichtung eines Völkerbundes. Aber dieses Ziel der Sicherung des politischen und wirtschaftlichen Friedens und des Zusammenschlusses der Völker und Staaten kann nur durch vollste Gerechtigkeit im [ internationalen: Leben erreicht werden. Jedes Volk muß als gleichberechtigtes Glied der Völkerfamilie anerkannt werden und es darf kein Volk mehr existieren, dessen natürliches Recht auf eigenes Land und eigene: Entwicklung nicht;, in der Verfassung der Menschheit garantiert wird. Die Rechtlosigkeit auch nur einer einzigen Nation, auch nur einer einzigen nationalen Minderheit würde die Er- . reichung des hohen Zieles, das sich die englische Politik gesetzt hat, obstruieren. Das jüdische Volk, das stets für die Versöhnung, der Nationen und für den: Weltfrieden kämpft, begrüßt den/Beschluß von Cannes mir besonderv Genugtuung. Es erblickt ln ihm die Gewähr, daß England in seinen Bestrebungen, dem jüdischen Volke seine Iv.lmat und sein nationales Recht wiederzugeben, nicht länger gestört werden wird und daß auch die jüdische Nation nach zwei Jahrtausenden der Wurzellosigkeit ihr Selbstbestinrmungsrecht und ihre Freiheit zurückerhalten Wird. . Rathenau in Cannes. England verlangt die Anhörung Deutschlands. Parts, 7. Jänner. Der „Temps*'meldet aus Cannes, 3 Uhr nachmittags: Die Lage hat sich plötzlich verändert Der Oberste Rat wird um 7 Uhr abends zusammentreten, da die englisch e Delegation das Verlangen gestellt hat, Deuts c h 1 a n d sol.Ieiüber d'i e R e p, a r a t i o n ,s f r a g e gehört Werden. Die Einladung Rathenaus bereite sich vor. Der Oberste Rat werde über diese Einlidung in der Abendsitzung verhandeln. •... Die europäische Wirtfechaftskonferenz. >. .. « Kein politischer Charakter. Cannes, 6. Jänner. (Hqvas.) Die i nie r nationale Wi rtschaftskonfer ettz wird in Italien in,der ersten Hälfte des Monats'März stattfinden, wahrscheinlich in G enua. Qie Konferenz wird rein finanziellen u d wirtschaftlichen Charakter tragen und in keiner W e i s e einen politischen. Insbesondere die Reparationsfrage wird nicht angeschnitten, werden können. Ame r i k a wird eingeladen werden, daran teilzunehmen. Ruß lan d wird nur unter ganz besonders bindenden Bedingungen, die in einer Entschließung festgelegt sind, zugelasscn werden. . Morgen vormittags Werden die] Minister der Alliierten Zusammenkommen; die an der, Ausarbeitung des Planes eines i n t e r n a t i o n a J e n - K ö ns o r t i u m s beteiligt War? , das bpäuftrngi wurde, den wirtschaftlichen .Wiederaufbau Ettrbpäs■ zp beginnen, und das so einigermaßen das. Mjtt?l zum Zweck einer normalen pMhfMungA^^^DUmbnden Konferenz seih; wüirdeT^ wffiSil^^Äinister ein Programm aülfstelleri. ' FränkrÄch; Wird" durch 1, o u c h e u r vertreten sei % " Der Ministerausschuß, der mit der Beratung der Repärationsfrage beauftragt wurde, wird' morgen um 11 Uhr vormittags zusammentreten, um . den Bericht der Sachverständigen zur Kenntnis zu/ nehmen. Der Oberste Rat wird morgen nachmittags, zusammentreten, falls di? Vorarbeiten genügend vorgeschritten sind.; Der Berichterstatter des „Matin“ in Caiünes erfährt, . es sei eine endgültige Einladung -an die Regierung der Vereinigten St a a t e 'n* gerichtet worden, worin sie ersucht werden; nicht nur alis Beobachter, sondern tätig * an der internationalen Konferenz im März teilzunehmen.; Botschafter Härvey habe diese Nachricht den amerikanischen Journalisten mitgeteilt und erklärt, die Vereinigten Staaten-' würden' den Vorschlag annehmen. Deutschland unter Finanzkontrolle? Ein Antrag im französischen Senat Paris,7. Jänner. (Havas.)Senator D e I.a s t ey r?e erklärt es in seinem Bericht über das . Budget der Ausgaben, deren Rückerstattung Deutschland nach dem Versailler Vertrage zukommt, für notwendig,; daß die Alliierten eine Kontrolle der deutschen Finanzen auf- . stellen. Er befürwortet die Einsetzung einer Kommission der Dette publique’ in Berlin analog jeher, r4ie in G r i e c h e n 1 a n d, d e r Türkei und A e g y p fc e n in ausgezeichneter Weise funktioniert habe. : \ Deutschland erhält einen Aufschub* Cannes, 7 Jänner. (Reuter.) Die Konferenz hat beschlossen, Deutschland unter noch festzlisetzenden Bedingungen für einen Teil seiner Zahlungen Aufschub zu gewähren. ' Amerikas Teilnahme an der Welt- : konferenz. New York, 7. Jänner. (Funkspruch. WoJÄ.) Nach Meldungen aus W a s h i n g t o n gehen die'Ansichten in amilichenl^merikanischen Krejsen daljin^M Me Ver? -; einigten Staaten fäuf der für denMM zuberufehderi , Wirtschaftskonferenz eher durch; 6‘V g 1 aubigte Delegierte als durch inoffizielle Beobachter vertreten sein sollten. # Die Türkei ausgeschlossen? Paris, 7. Jänner. „.Chicago Tribüne“ teilt mit, daß, einem britischen Wunsch entsprechend, , d i e Türkei nicht zur Konferenz eingeladen wurde. Das englisch-irische Abkommen. Heute Abstimmung. Dublin, 7. Jänner. (Reuter.) Das Sinnfeiner- Parlament hat beschlossen, morgen die Abstimmung über die Ratifizierung des Londoner Vertrages vorzunehmen. Die englischen Arbeitslosen. London, 7. Jänner. (Wölffi) Wie die Blätter melden, hat die Zah 1 der Arbeitslosen in England am 31. Dezember 1921; 4,835.300 betragen. Die russische Hungerkatastrophe. Moskau, 7. Jänner. (Funkspruch.) Laut den letzten statistischen Ausweisen betrug die Bevölkerung des Gouvernements Samara 2*806,600 Personen. Davon hungerten im Dezember 1,903.000 Menschen. Vor Hunger geschützt waren 260.400 oder '-9%. Aus allen Teilen des Gouvernements kommen Schreckensrufe. Die Zahl der durch Hunger Erkrankten nimmt seuchenartig zu. 767 Küchen wurden bisher errichtet In der T a t a r e n r e [5 u b 1 i-k hat die deutsche Hilfsmission mit der Verteilung von Medikamenten an die Spitäler begonnen und bisher 26 Tonnen verteilt. In der Kirgisenrepu b 1 i k hungern 1,600.000 Menschen. Organisierter Hilfe werden bisher nur 45.000 Menschen teilhaft Die Ursachen des Weltkrieges. Christiania, 6. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) in Norwegen hat sich ein Komitee gebildet, das die Ursachen des-Wei t k r i e g e s erforschen will. Ein Mitglied dieser Kommission erklärte, daß die ‘Arbeit mehrere Jahre erfordern ' werde. . Das dazu nötige Geld sei bereits vorhanden und sei insbesondere von Amerika bereitgestejjt worden. Die ganze Arbeit soll auf der wissenschaftlichen Untersuchung des vorliegenden; Materials basieren. Es komme nicht darauf an, de Schuldfrage' aufzuklären, sondern die direkten Ursachen der Katastrophe zu : suchen. Die Frage der Auflösung des englischen Parlaments. London, 7, Jänner. Die Meinungsverschiedenheiten, * die innerhalb der Koalition über die Frage der Neuwahlen herrschen, werden von den politischen Kreisen sehr ernst genommen. Die Konservativen halten den jetzigen Zeitpunkt nicht für günstig, um es. auf eins allgemeine Kraftprobe ankommen , zu lassen. Sie glauben speziell, daß die Arbeitslosenfrage zurzeit eine große Gefahr in sich berge und wünschen daher: die Neuwahlen mindestens bis zum Herbst aufzuschieben, in der Hoffnung, daß die Wirtschaftslage sich bis dahin freundlicher gestalte. Während die Liberalen den Friedensvertrag mit Irland und die Ergebnisse der Washingtoner Konferenz als aussichtsreiche Wahlparole ansehen, fürchten die Konservativen, daß diese Parole wohl den Liberalen zugutekommen werde, die Situation für sie selbst sich aber durch die drohende Lage auf dem Arbcitsmärkt ungünstig gestalten könnte. Die gleiche Ansicht herrscht in den einflußreichen Kreisen der City, wie an maßgebender.' Stelle diesbezügliche Feststellungen ergaben. : Wie die Dinge liegen, ist die Lage für.die Regierung sehr schwierig da sie auf die verschiedenen Ansichten Rücks’cht nehmen muß und ohne oder gegen die Zustimmung der Konservativen es nicht riskieren kann, Neuwahlen auszuschreiben. _ Graf Okuma gestorben. Paris, 6. Jänner. Nach einer Meldung aus Tokio rist der Staatsmann Graf Shigonobu O k ii m a im Alter von 84 Jahren gestorben. — Graf Okuma war einer der vol istümlichsten Männer Japans. Er war mehrmals Minister, zweimaFPremier. Er gilt, als der geistige Vater des Bündnisses mit Ehgland, im. Jahre 1888 verübte ein japanischer Chauvinist ein Attentat. auf ihn und zerschmetterte ihm das linke Bein; dieses mußte amputiert werden und seither trüg Okuma ein Holzbein. Im Jahre 1882 gründete Okuma die Wasoda-Universität Daszynski in W:lna. Warschau, 7. J Inner. (Tel. c’?r „Wi ei er Morgen* zeitung“.) Der Abgeordnete Daszynski begibt sich demnächst nach Wilna, um an der W a h 1 a g i t a« t i o n der dortigen polnischen. Sozialdemokraten teil* zunehmeiv

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