Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1055 (6.1.1922)
- Date
- 1922-01-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1055 _ Wien, Freitag , . . * Eine hebräische Lehrkanzel an der Universität fn Melbourne. Aus London wird uns berichtet: Der Universitätssenat von Melbourne in Australien beschloß über Antrag des Reverend J. Danglow und 8. J. Slu t zk i n; an der dortigen Universität eine Lehrkanzel für hebräische Sprache und Literatur zu errichten und alle Vorkehrungen zu treffen, um die neue Lehrkanzel bereits Un nächsten Semester aktivieren zu können. * Uebersiedlung des,Wohnungsnachweises. Wegen Üebersiedlung der Zuweisungsgruppe und des \V.ojinungs- , üacfyweises von der Schmidgasse in das Gebäude I., ßärtehsteingasse 7, ist der Parteienverkehr ifr diesen beiden Abteilungen des Wohnungsamtes vom 9. bis 14. d. M. eingestellt. Der Amtsbetrieb wird am 16. d. M. wieder aufgenommen und ist jeden Dienstag, Donnerstag Und Samsrag von-8 bis 2 Uhr Parteienverkehr. An dem ändered Tagen entfällt der Parteienverkehr. * Neunstundentag in Zürich. Wie die Züricher Pepeschenagentur mitteilt, haben die Angestellten der elektrischen Straßenbahn Zürich—Oerlikon in einer Urnenabstimmung den Vorschlag der Direktion, den Neunstündentag wieder einzuführen, angenommen. /." ' * Riesenbrand ln Hartlepool. Aus H a r t f. e p o ol wird gemeldet: In einem großen Holzlager ist ein Brand äusgebrochen, der sich bereits über eine Fläche von 3‘/9 Hektar ausgebreitet bat und die große Schiffswerft der Marine bedroht. Zahlreiche Wohnhäuser sind den Flammen zum Opfer gefallen. : * Das Landesverwaltungsamt für das Burgenland hat am 2. d. M. seinen Sitz von Wiener-Neustadt nach Bauerbrunn (Burgenland) verlegt. Von diesem Zeitpunkte an sind alle für dieses Amt bestimmten Schreiben und Sendungen ausschließlich an diese Anschrift zu richten. Der, Burgenlanddienst im Bundesministerium für Inneres und Unterricht besteht nicht mehr. * Auslageneinbrüch. Dein Juwelier Poll i tze r, Himmelpfortgasse 10, wurden gestern von einem Auslageneihbrecher vier silberne moderne Zigarettentabatieren, eine silberne vergoldete Tabatiöre, zwei silberne moderne Tabatieren und fünf silberne Becher, darunter einer mit gedrehtem Fuß, zusammen K 150.000 wert, gestohlen. * Das Grazer Schauspielhaus als — Kino. Zur Verminderung des Defizits an den beiden städtischen- Bühnen hat der Grazer gemeinderätliehe Theaterausschuß beschlossen, dem Gemeinderkte vorzuschlagen, zu . Beginn der nächsten Spielzeit die Operette aufzulassen, das Operettenpersonal zu kündigen, im Schauspielhaus nur m e h r Kinovorstellungen und im Opernhaus abwechselnd Opern, Schauspiele und Volksstücke, zu geben. * Anläßlich der Inventur Verkauft Gemgroß.ab 7. d. M. D a m e n h e ra d e ri aus Chiffon, gestickt K 2500, aus Batist reichgestikt K 5500. Garnituren (Hemd, Hose, Nachthemd) aus Batist mit Spitzen per Garnitur K 12.000. ■ Vereine, Vorträge und Versammlungen. J u g e n dvereinEre z I s r a e 1,11., Prate r- 8 fräße 20 a. Herr M. Beljatschewski ist verhindert, heute vorzutragen. Um Va8 Uhr SicHa. . Har.u a c.h-B a 11. Diesem Repräsentationsfest der Jüdischen Künstler Wiens wird reges Interesse entgegepgebracht; Restliche Karten in der »Wiener Morgenzeitüng“ Mid bei; LöwlL Näheres irn Inserat. »Der O rien tu ach dem Kriege*. Eine Reise durch Aegypten, Palästina und Syrien von Mai bis Oktober 1921 wird Leopold B 1 ä h a unter. Vorführung von 80 Lichtbildern (Eigenaufnahmen) am Montag den 9. d. M. 'Iß Uhr, im Großen Saale der Urania schildern. C h a ti u k a-F e i e r im Makkabi IX. Die Makkabäertage , waren durch drei Veranstaltungen gefeiert worden. Letzten Donnerstag fand eine Chanuka-Feier der . Herren- und Damenabteilung statt, viel Eifer war auf ihre Vorbereitung verwendet worden, viele wertvolle Ansätze eines Willens zu gemeinsamer Arbeit wurden offenbar Der Feier selbst aber den entsprechenden, würdigen nationalen Inhalt zu geben, ist dem veranstaltenden „Vergnügungsausschuß“ nicht restlos geglückt — Am vorletzten Chäriukä-Tage feierte die Kinderabteilung ihr Fest in schlichter Weise durch Spiele und Vorträge. Der helle Jubel, mit dem die Kinder auch das wenig Gebotene aufnahmen, läßt es sicherlich wünschenswert erscheinen, der Erziehung dieser Abteilung, um die es in letzter Zeit aus Mangel an geeigneten Kräften nicht gut bestellt. war, die gebührende Aufmerksamkeit zu widmen. Anschließend fand auch für die Zöglingsabteilüng eine Makkabäerfeier statt Das Programm entsprach vollauf der Tendenz, in der (diese Abteilung geleitet wird: Pflege jüdischer Kulturwerte im Turnen selbst. Dem Lichteranzündeh, zu dem die Zöglinge mit hellen Stimmen das Maös zur“ sangen, folgten vorbereitete Freiübungen unter den Klängen des Zionsmarsches aus „Barlfochba“ von Goldfaden. Nach einer kurzen Ansprache des Abteilungsleiters vereinigte eine vom „Vergnügungsausschuß“ hergerichtete Jause die Zöglinge zu frohem Beisammensein, jüdische Gedichte wurden hiebei voigetragen, hebräische Lieder gesungen. Den Abschluß bildeten Turnspiele und Kürturnen an den Geräten. . * . * Hn. Urania. Heute, Freitag, J/23 Uhr (Großer Saal) Wiener Humor aus vergangener Zeit — V«3 Uhr (Pärkkino, XIII., Hauptstraße 22) Die Waldheimat und Peter Rosegger. t lU3 Uhr (Kleiner Saal) Alexander von Humboldts Weltreisen; — 'Iß Uhr (Kleiner Saal) Kammermusikabehd des Kammerquartetts des I. Wiener Frauen-Symphonieorchesters. — 5 Uhr (Großer Saal) Urania-Film: Indien. — V36 Uhr (Kurssaal) Karoline Fasser-Schmid: Neue Märchen, r- Vg6 Uhr (Klubsaal) Hella Hof f m a n n - Dr.' Lothar Ring: Aus eigenen Schriften. — ‘/98 Uhr (Großer Saal) Johann Strauß. — %$ Uhr (Kleiner Saal) Die Zither - als Konzertinstrument. Quartettabend der ’ Eimer- Zithervereinigung. — 7a8 Uhr (Kurssaal) Professor Laurenz Legi: Anregungen zur Kunstbetrachtung. — J/a8 Uhr (Klubsaal) Autoren- und Komponistenabend Anny N e w ä 1 d- Grasse und Gustav Andreas Ressel. — '/a8 Uhr (Arbeiterheim, X., Laxenburgerstraße 8) Das schöne Land Salzburg. Ernährung. pin Laib Brot — 316 Kronen, ein Kilogramm Mehl 500 Kronen. Ab 8. Jänner. Auf Grund des Ergebnisses einer heilte im Bundesministerium für Volksernährung, in Anwesenheit des Landeshauptmannes sowie des Bundesministers für Volksernährung slattgefuhdenen eingehenden Beratung, der Vertreter der Brotfabriken, der Bäckergenossenschaft, der Gehilfenschaft, der Brot- und Mehl- Verschleißer sowie der Konstirrientenorganisationen bei- WIEFTER ~ MORGENZEITÜNG gehört der m\ ■ Jüdische Nationalkalender Herlusgegeben von OttoAbeles und Ludwig Bat6 Reicher belehrender und belletristischer Inhalt. Beiträge der bedeutendsten jüdischen Schriftsteller. Vornehm ausgestattet und illustriert Zu beziehen durch den VerSag „Wiener Mergenseltung*1 Wien, II, Taborstrasse la Preis K 150, einschließlich Porto IC 180 gezogen waren, wurde mit Wirksamkeit vom 8. J ä n n e r der Preis für 1 Laib Brot im Gewichte von 1260 Gramm mit K 316 und der Preis für 1 Kilogramm Verochleißmehl mit K 500 festgesetzt Der Brotpreis setzt sich zusammen aus: K 81.06 für Lohnregie, K 159.4,1 für Mehl und Salz, K 62.49 für Sachregie, K 1.2 für Wiederverkäuferrabatt Diese Posten ergeben zusammen abgerundet den Betrag von K 316. Fleisch- und Kartoffelwucher. In der Großmarkthalie entwickelte sich gestern in den frühesten Morgenstunden mit Rücksicht auf den Feiertag ein überaus lebhafter Verkehr. Besonders stark war die Nachfrage nach „billigeren“ Fleischsorten, soweit diese Bezeichnung angesichts der hohen Fleischpreise überhaupt gebraucht werden kann. Mit Ausnahme von Kälbern, die sich im Großhandel um K 50 per Kilogramm teurer stellten, blieben die Preise sowohl im Großhandel als auch Im Kleinhandel unverändert auf der Höhe des Vortags. Es notierten im Detailhandel in der Großmarktr halle per Kilogramm: Vorderes Rindfleisch K 703 bis 1200, hinteres Rindfleisch K 750 bis 1300, Braten K 1150 bis 1400, Kalbfleisch K 1200 bis 1500, Schweinefleisch K 150Ö bis 1800, Speck K 1600. bis 1800, Filz 1900 bis 2000. Von auswärts waren vier Waggons mit 30*7 t Schweinen und Schweinefleisch, und zwar aus Jugoslawien, angekommen, ferner' ein Waggon aus Qberösterreich mit einer Tonne Rindfleisch. Mit den Vorräten konnte trotz des lebhaften Verkehrs das Auslapgen gefunden werden. Die Beschickung der Grünwarenmarkte war im allgemeinen besser ausgefallen als an den Vortagen, Auf dem Naschmarkt hatten sich 230 Gärtner mit Ware eingefuhden. An Kartoffeln herrscht nach wie vor Mangel, auch heute sind keine neuen Zufuhren zu verzeichnen gewesen. Infolgedessen sind die Preise sowohl für inländische als; auch für ausländische Kartoffeln um K 10 per Kilogramm je r h ö h t worden. Es stellen sich somit runde Kartoffeln im Kleinhandel auf den Märkten auf K 94, in den Bezirksgeschäften auf K 98 per Kilogramm. Die Preise für Kipfler wurden gleichfalls um K 5 per Kilogramm in die Höhe gesetzt. Sie kosteten auf den Märkten im Detailhandel K 135, in den Bezirksgeschälten K 140 per Kilogramm. Der Mangel an Weißkraut hatte auch eln.e Erhöhung für dieses Gemüse zur Folge. Der Preis wurde um K 14 per Kilogramm erhöht, so daß auf den Märkten ein Kilogramm Weißkraut K 90, in den Bezirksgeschäfteh K 95 kostet Aus Steiermark und Oberösterreich sind wohl kleinere Sendungen von Aepfeln eingetroffen, doch mußten die Preise auch hier um K 30 per Kilogramm in die Höhe- Besetzt werden. Frische Eier zu K 120 bis 125 per Stück nden auf den Märkten nur wenig Beichtling. v Freie jüdische Volksbühne {iiiiiittiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiniiiiiimiimiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiitiiiiiittiiiii Gastspiel im Lastspieltheater 4280 Ganuwim w 7a■ Drama ln4 Akten •/$ Uhr abends: &UI von M. Richter Biimain PET Das Theater ist geheizt! "USA ibiiiibi Bühne und Kunst. Ein Künstler, der zu bescheiden ist. In der >Prageir Presse« widmet OsJcair Bie dem jüdischen Bildhauer Hugo Lederer (einem Zmaiimer) die folgende Würdigung: Ich spreche von Hugo Lederer, dem BiMhiaiuer. Vor wenigen Tagen hat er seinen fünfzigsten Geburtstag gefeiert, ah er ich glaube, kein Mensch hat sxh darum gekümmert.Wieviel fünfzigste Geburtstage wenden beute besprochen und bejubelt, von weniger bekainintem und weniger, verdienstvollen Männern. Es liegt am ihm, er macht so gar nichts von sich her, er arbeitet von früh bis spät, man sieht ihtn wenig in Gesellschaften, und ich glaube, wenn er diese Zeilen liest, ärgert er sich fast darüber und fühlt sich beschämt. Aber nein, m einem ■ rtMen Winkel seines Herzens muß er'doch ein Glück empfinden, wenn er markt, > daß man ihn in seltnem Atelier, in seiner Melsterscfnule, nicht vergißt. Es gilbt keinen Künstler, der nicht von dem Echo seiner Wanke erfreut wäre, und wenn er auch nicht auf Wirkung arbeitet, f-ol doch die Wirkung prauchi. Di« Menschen sind verschieden. Der eine, wenn ihm seine Arbeit eine gewisse Lebensexi'stemz sichert, beruhigt sich vollkommen in ihr. - Der ändere sucht aus der Wirkung seiner Arbeiten auch , die größte materielle Hilfe zu gewinnen. Der dritte, und das sind düe meisten, versteht es mit innerem: Taktgefühl, zwischen seihter Kunst und ihrer Oekonomie eine fruchtbare Mitte zu halten, die der Ehre seiner Arbeit so wenig nimmt wie ihrem Gewinn, Da heißt es, Tätigkeiten so zu ordnen, daß sie immer nur so lange ausgeübt werden, als sie fruchtbar ■bleiben, und ständig aufzu^assen, daß sie alle bi® auf den Punkt geführt werden, der ihre beste Spannung , bautet, und nicht dl« - unfruchtbare Grense üb«r- 6. Jämicr 1921? '!§eits 5 ... »«11 m schreiten. Lederer ist bei wertem nicht so einsam, d&fif er.-OTtur von der Phantasie und der /Irrationalität sernorj Kunst leben wollte. Er steht mitten in der Wirklichkeit Seihe; zahlreichen Porträts beweisen cs. Er hat dkq Stellung des vornehmsten Bildhauers, der zu ehret»- vollen Aufträgen von Porträts h-enangezogen wird. Eil hat die Stellung eines welfcgesuohiton Lehrers, der mit: eiii^r handwerklichen Gesundheit ohne gleichen auf die ’jugrend wirkt. Und doch tut er keimen Schritt über diese; ed’l« Grenze hinaus. Ich bewundere ihn und beneid« ihm/ •wie sich innerhalb einer vornehmem Hahu-nig und einer* ho bien Abgesoblosscinlheit Kunst und Oekomomde;dae Wage halten. Er ist in der - glücklichen Lage, mpbfi werben zu brauchen. Seine Kunst wirbt von selbst.. Das! ist der, schönste Glückwunsch, den wir ihn darbringemj können, und die wundervollste Erklärung seiner offoiw sichtlichen Bescheidenheit. »Lederer war nie ein Speziallist. Er hat sich nie »dlenS Motiv einer bestimmten SteCiiung oder dem Charakter eines bestimmten Tjipus vensohrioben. Er Ist ein Lieb-, haber der Form, wie sie auch entgegentritt. Der Brunnen in .Breslauzeigt einen Florettfechter, dessen Reiz iin der" schwingenden Rhythmik seines Körpers beruht, m keiner Weise pnononziert oder schematisiert, eine Wöge des Lebern;, heraus gefühlt,, aus dem Ozean ''aller Beweglichkeit. Das ist di!« Aesthetik des Brunnenfe* A.esthetik des Denkmals ist der Hamburger Bisipaircfc. Die' Form wird monumental. Sie fließt nicht in der Woge des Lebenis dahin, sondern sie versteinert sich baüffich. Starke Flächen setzen sidh ah. Feste G'lwdea* tektoinfeieiren sich. Der Realismus stilisiert sich in formalen Grundgesetzen, die über di« Zufälligkeit hanausr eichen!. Das sind die Pole Lederer es. Er* gibt der Reahtät und gibt dem Stil, was ihnen zu kommt.1 Er arbeitet nicht aus einem vorgefaßten Prinzip. Natur; und Stil einen sich ln seinem Werke, in dem Maße, als die Plastik die Wirklichkeit unter ewigen Normen! übersetzt. So trägt er Vergangenheit und Zukunft!ni gleicher Weise in sich. Er besitzt allen Imp ressiotrotemus der Vielseitigkeit objekiver Welt, und übt doch wieder den formalen Zwang ans, der eine einseitige Lehre mancher modernen Plastiker geworden ist. Man halte seihe Muslikerporträts zusammen. Dass nervöse Spiet im Gesicht von Richard Strauß geht nicht verloren, und doch findet eine Zusammenfassung des ganzen Mienen*. bäucis statt, die die vorübergehenden Zuckungen des Lebenis in eine einzige und ewige Form bindet., Seim Pfitsner ist doktrinär, sein Nidkisdi ganz impresisiöRsstisc'h, sem d’Albert T}p der Gattung. Ich selbst haittei das' Glück, ihm jahrelang zu sitzen. Er begann 1915» pausierte zwei Jahre und vollendete 1917. Es war wunderbar für mich, au beobachten, wie er aus dem Detail des zufälligen Lebens die große Form herausarbeitete. Der Betrachter leigt den Weg zurück, den es gleichsam vorweg genommen hat. Man sicht -dfie Büste jabr. für Jahr wachsam Man erkennt die Stnuiktur den Flächen, den Bau der Muskeln, den Rhythmus des Profils immer -deutlicher inden großen bleibenden. 'Zpgen, und man fühlt, wie dies Bildnis noch in ein« Zeit hainüberreicht, die hinter unseren eigenen. Lehes* liegen wird.; \ Vo-r wenigen Tagen ls.t.._ \vieder eine freie Fi'gvuf von ihm, die überlebensgroße. Bronze eines Bogenschützen, enthüllt worden. Sie steht am Litzensee, das ist der neue, schöne Stadtteil in Charlottenibuirg, der um einen alten See herum einen VoJksipark geschaffen! hat, eine reizende Idylle mitten in der Großstadt.. Ich weiß noch, wie ich vor fast vierzig Jajhiren äßs Stuidemö in diese Gegend Landpartien machte. Es: gab da noch' viele unverdorbene schöne Bäume. Die Bahn -Schickta pliaintostisch« Rautchwoiken, von der Abendsonne be» . leuchtet, in diese Elmsamikeit. Junge Maler waren; .mit; und schufen Böcklinsche Phoimbaisten aus solchen brsntmhaftcin* Visionen. Ich war damals gerade ein bißchen! Aröhäologe und studierte mit trockenem Eifer-dfid Steliunge.n der antiken Kampf typen, über die ichein großes Buch schrieb.. Darunter war auch dlie irnmef * 'Wiederkehrende Gestalt eines Bogenschützen, dar sidh zurück wendet. Es war ein Schema, das ich zufriedenem Gemütes, von den Voisen 'bis zu den Sarkophagen verfolgte. Heute stehe ich am derselben Stelle, auf edimeö •Terasse in einem Volkspark, und ein zuiriickgewendeter .Bogeinischütze rntft mir wehmütige Erinnerungen wach. Ade, du fleißige, kindliche Wi-ssemscbaft. Es lebe dlas Leben. Lederers Figur ist ein gedrungener, muskulöser Akt von pnachtvollem großen Formen, so weit real, als es -die Ueberlieferung mit sich bringt, und so weit ideafly, daß sie sich in wesentlichen Konturen und Flächen rund vo-r dem nackten Himmel 'präsentieren 'kämm. Svs steht da ausgezeichnet. Sie ist nicht mur ein Genuß für das. Auge, sondern auch für jeden inneren Tastsinm, der; an ’der Kraft und Eigenheit der Form sich geistig auf« -richtet. Spannung des Volkes schwillt im diesen Mmäkelink Stark geht der Blick zurück in die Vergangenheit. \Vtüchtig der. Schritt vorwärts im die Zukunft. bt die. Stellung eines oikkumulatorischen Menschern Di« Waffe ist nur Symbol, nur Motiv der Haltung. Hier unter den Häusern, zwischen dem Bäumen, vor dem Himmel, ist' ein formales Ideal zusammen gefaßt, iin der 'Gesfcailt der menschlichen Kreatur, das so bescheiden •tut, als ob es nur Dekoration wäre, und doch die Geäster der Vorübergehenden tund Weilenden irgendwie fest- •haltten und erregen wird, daß eiin Samenkorn von .Schönheit ober auch vom Wahrheit in -Simen,, zurückbleibt. __ ( Wiener S^adttheater. Gastspiel Leopoldine Konstantin. Leopoldine Konstantin beherrscht vier Akte lang die Szene — und man übersieht das läppische Stück, das die'höchst erfreuliche Begegnung vermittelt „D ie Bälle r i n a des Königs“ nennt sich diesmal die" Angelegenheit Die Herren P r e s b e r und Stein haben wieder berlinerisch geschntackv.il Weltgeschichte „dramatisiert“. Friedrich H. tritt auf* Daß Opus ist, aus Lesefrüchten, Anekdoten und rasch aüfgefrischten Geschichtskenntnissen zusammengeflicld* leidervon den Autoren auch mit eigenem Witz ausgestattet — Aber Barberina, des Königs süße Ballett* dame, tut mit und die Konstantin spielt sie. iwei winzige Tanzschritte dieser Frau mache« ungefähr 90 Prozent aller Ballerinen unmöglich (und ungefähr 95 Prozent der „abendfüllenden“ Tänzerinnen^ Wie sich ihr Temperament in herrlich-kraftvollen*