Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1055 (6.1.1922)
- Date
- 1922-01-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1055 Wien, Freitag WIENER MORGENZEITUNö 6. Jänner 192? Seite 3 Palästina. Rückkehr Dr. de SolaPools nach Amerika Jerusalem, z. Jänner. (J. C. B.) Der bisherige Vertreter des Joint in Palästina, Rcv, Dr. de Sola Pool, bat Jerusalem .verlassen. An seiner Stelle übernimmt Dr. van F r i e s 1 a n.d mit einem Kolilegiiutn die Leitung dies Hilfswenkes in Palästina. ■ H Die Finanznot des Ostjordanlandes. Jerusalem, z. Jänner. (J. C. B.) Anläßlich der Ankunft des Emir Abdallah in Jerusalem veröffentlieh'te' >Lissan el Araib« einen bemerkenswerten Antike* über die Beziehungen der Araber zu den Engländern. Die Zeitung verlangt, 'von England lLnsnizielle Eilte für <J*l$ Ostjordanilaind, das besonders in den ersten Jahren ohne „ eine Solche 'nicht bestehen könne. Die Engländer, verlangen jiedoch Kontrolle der Gelder, die sie bieten, eiirie Bedingung, vvela'ie die Ehre des arabischen Volkes nicht amwehmen kann, ' Errichtung eines Immigrantenheims in Jaffa. Jerusalem, s. Jänner. (Tel. der »Wr. Micrgenzeitung«.) lieber Antrag des Wand ICeran ha- Geui’-ah wurde .von der palästinensischen ziotriiiis.tisdhen Exekutive beschlossen, die Spenden", des Geulah-Fcndib zur Errichtung eines Immigraintenbeims in Jaffa zu verwenden. ' ■ Verurteilung eines jüdischen Schriftstellers. Jerusalem, 3. Jatmer. (J. C. B.) Der hebräische Schriftsteller Avigdor Feuerstein ist wegen eines angeblich araierfcindlichen Artikeln iin seinem Blatt »Lew chadash« zu zehn Pfund Strafe verurteilt -worden. ' Israel Teler gestorben. Jaffa, s. Jännc. (Tel. der »Wr. Mwgeniztg.«) fn Rechow oth staub der hebräko' e Schriftsteller Israel Teler. Der Verstorbene war seit 'mehreren Jahren, als Lehrer in Eroz Israel tätig untF hat eine ganze Reihe von sehr wertvollen Studien zur hebräischen Philologie und . Bilbelexegese veröffentlicht. Pinsker-Feiern. Jerusalem, 2. Jänner. (Tel. der »Wr. Miorgen- , üeitirng«.) Am 1. Tewe’h wurden in allen Städten tund Kolcnien' Pinsker-Feiern unter Teilnahme der Schriftsteller und führenden Persönlichkeiten veranstaltet. Der Angora-Vertrag und der Krieg in ' Anatolien. London, 5. Jänner. »Times« geben der Befriedigung Ausdruck, daß die Fragen der Politik dos nahen Ostens endlich einer getrieinsmem Besprechung unterzogen werden sollen. Das griechische Heer sei zwar fähig, sich in Kleinasien in der Defensive zu erhalten, aber die Fortsetzung des Krieges werde die Wirtschaft hohe Lage des Lande« immer schwieriger gestalten. Die Haltung der Kemailisten sei. unnachgiebig, und die Zeitung schreibt dies dem Umstand zu, daß es ihnen gelungen sei, mit Frankreich einen Sonderfrieden ahzmschOießen. Wenn auf der bevorstehenden Konferenz Großbritannien und Frankreich 'sich gemeinsam daryher War werden, welche Gefahren die Fortdauer des Krieges In Antoüen und dessen mögliche W e i t e r a u s h r e i t u n g für aAs Staaten im Orient bedeute, und sich daher entschließe:!,, eine gemein« a m e Politik tm nahen Osten zu betreiben, so werden unter dem gemeinsamen Druck beider Staaten auch die hartnäckigsten Widerstände zu überwinden sein. Das Blatt hofft, daß die französische öffentliche Meinung sich werde bekehren lassen. Die englischen Arbeiter für Vernunft. London, 5. Jänner. (Wolff.) De. Premierminister Lloyd George wurde, wie berichtet wird, während seiner letzten Konferenz mit Briand ein Memorandum der britischen Arbeiter überreicht, worin eine radikale Abänderung der Reparationspolitik, völlige Anerkennen g $ 0 w - e t r u ß- 1 a n d s, die Zurückziehung der Truippeti ' vom Rhein, eine internationale Konferenz über den Wiederaufbau, sowie die Gewährung von Anleihen und Krediten gefordert ’ wird. De Valeras Gegenvorschlag. , Dublin, 5. Jänner. (Reuter.) Der von de Vale r a ausgearbeitete Gegenvorschlag empfiehlt die Ersetzung des Londoner englisch-irischen Vertrages durch die Erklärung, daß die gesetzgebende, vollziehende und richterliche Gewalt in Irland lediglich vom irischen Volke ausgeht. Er ver- . wirft den Artikel des Abkommens, worin festgesetzt wird, daß der General gouverneur für Irland vom König von England ernannt werden soll ebenso wie den Huldigungiseid; doch wird der König als Oberhaupt des britischen Reiches anerkannt. Straßenkämpfe in Belfast. Belfast, 5. Jänner. (Reuter.) Im Laufe neuerlicher Zusammenstöße mit den Truppen .in der vergangenen Nacht' machten diese von Maschineng e w e h r e n Gebrauch,- wodurch . drei Personen getö't-et und sechs verwundet wurden. Das Verlassen der Häuser von 8 Uhr abends an iist seit heute verboten». Eine Sozialistentagung in Rom. Mailand, 5. Jänner. Vom 17. bis 19. Jänner wird in- Rom der Nationalrat der sozialistischen Partei Italiens tagen. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem: Die Agrarfrage, Zollfrage, die Militärfrage, die internationale Politik. Mit berat endet Stimme werden auch der Vorstand des italienischen' Gcweikschaiftsverbandes und die Leitung der Kammerfraktion teilnehmen. Sowjetrepublik Baku — liquidiert. Riga, 4. Jänner. (Telegramm der »Wiener Morgeuzeitung«.) Hiesige Zeitungen melden, 'daß die Sowjetrepublik Baku liquidiert wurde und i'hx Heiter E n v er P as c h a seit einiger Zeit abgängig ist. Neuer litauischer Außenminister. Kowno, 5. Jänner. Zum Nachfolger des zurück^ getretenen Minister des Aeußern Purickis ist Jurgutis ernannt worden, Der indische Nationalkongreß. London, 5/ Jänner. (Tel.-Komp.) Die „T i m e s* veröffentlichen Einzelheiten über den indischen Nationalkongreß zu Amadabad, der. zwei wichtige Resolutionen angenommen hat In der ersten Resolution erklärte der Kongreß, daß, falls das britische Volk mit dem indischen gemeinsame Sache macht, um Abhilfe gegen das dem Punjab und dem Kalifat zugefügte Unrecht zu schaffen, das Indische Volk seine volle . Unabhängigkeit nicht, zu erklären wünscht. Wenn hingegen das britische Volk und dessen Regierung feindseilig bleiben, wird der Kongreß 'danach trachten, jede Verbindung mit England zu hindern, und wird die volle Unabhängigkeit erklärt Die'zweite Resolution erachtet den Augenblick für gekommen, wo Indien eiiie nationale Regierung mit indischen Satzungen im Sinne des „Swaraj“ (Homerule) proklamieren soll. Tagung des Zentralkomitees der Ort* * Danzig, 4. Jänner. (Telegramm der »Wiener Morgenzeiturig«.) Vor einigen Tagen fand hier unter Vorsitz Dt. B r a h m s o-h n s -die Plenarsitzung des Zentralkomitees der jüdischen Gesellschaft >0. r t<t statt, an der 16 Vertreter aus Polen,. Litauen* P,eubFC)h'Jan.d,' Frankreich und anderen Ländern teil-, nahmen. Die Tagesordnung umfaßte sehr wichtige Beratungsgegenstände, wie Hilfeleistung an die jüdi-. sehen Kolonien in Südrußland', Aufnahme, von ge* mein’samen Hilfsaktionen mit der »lea« und de.nf Joint, und viele andere Fragen auf dem Gebiet der, jüdischen Umschichtung. 1 Awalow-Bermondt ausgewiesen. Berlin, 5. Jänner? (Wolff.) Wie die Blätter von zuständiger Seite erfahren, ist Oberst Awalow- Bermondt mit Frist bis 17. Jänner aus Deutschland als lästiger Ausländer ausgewiesen worden, Herren- und Damenwäsche, Tejtf II- und Strichwaren, altes erstklassig und billigst Im Warenhaus 1 Schiffmann! 1., TäborstPaBs tS-Teln&mi 47179 En gros >0» En detail Die Probleme des Lebens. Biologische Betrachtungen. Zu Beginm des neunzehntem Jahrhunderts herruebte die Allgemeine umd auch offiziell - wissenschaftliche Anschauung, daß alle Lebewesen in ■ ihrer heutigem Foirm aus der Hamid ihres Schöpf,ans hervomgegangein sind. ,• Der Schöpfer: selbst Awuinde in der Gestalt sein er vTOllkommehi.-'tiea Schöpfung, ai!s ehrwürdiger Paferiaircb, dangestellt: Um. jene -Zeit begaun die VVissenschaK, von verwegener Neugierde getrieben, sdcli zu regen«. Zuerst wurden die Organe der Pflamzen umd Tiere sicirgfältig beschrieben* dann die Frage behrihcklt, vvetefie. Rolle die vori-dbiedenen örgaime d-eis memschlieben Körpers bei. den Vorgängen des-Lebens spielen. Main'hat , sich nicht damit begnügt, diese Organe zu beobachten, matn , versetzte sie kümishHch unter verschiedene Bedingungen. Soveirsit.aöiid eine neue, umfangreiche Wtaseschaft: die e xp crime n t a 1 e Physiologie. Eine neue Technik, wurde geschaffen, die dein Forschern dein tiefsten Einblick im die innere Ziö-iamimonisetenimg dieser Organe ermöglichte . Uind nooh'eine ineue Wissenschaft entwickelte sich die H i s t o 1 o g Le, vom der die große Entdeckung der einheitlichen; Form» auf die sich alle organischen Wesen zuirückleiten lassen, 'herrührt. Dieses gleiche, einheitliche-Element — seien seine späterem Eintwicki’-nngsfarmem noch so kompliziert -- ist das befruchte t e E!. Wie sich aiuis diesem einzigen Element -die umizahlbairem und verschiedenen Bestandteile! die dan erwachsemiem Organismus bildern., entwickeln, ist Gegenstand einer menen Wissenschaft, die nach schüchternem Anfängen rasch aufblühte, •, der Embryologie. Die Theorie, die alles Heim umd Werdern als' einen reim chemischen Prozeß betrachtet, ist eiine Emrumgem,’schaft unserer Zeit. Die Erschei(niur.igen dös Aufbaues, Verfalles u-nd der Fortpflanzung der Körper tragen reim chemischen Charakter. So waren die .wichtigsten Acußcrumgen de Lebens, wenigstens im Priiniziip, erforscht— doch wie‘der Anfang ai!les Lebens? Dieses Problem ist mach weit von’Seiner Lösung entfernt. D;e Mehrzahl der Bio logen und Chemiker glauben, daß das Leben sieh aus der Verknüpfung chemischer Eigenschaften, mit Stoffert wie das Albumin, das heißt das E i w e i ß, ergibt. Doch im Jahre 1910 schreibt der deutsche Physiologe Pf lim gor: »Die Synthese des Albumins wird noch eim Jahn' mindert im Anspruch nehmen umd die des lebendigen Albumins wird sich schwer verwirklichen .-. . Am dem Tage, wo mam die Zusammensetzung des Albumins erforscht, wird das Geheimnis des Lebens gelöst sein.« Heute' steht das Problem schon anders da. Eine Reihe französischer Histologem entdecktem, dank , der äußersten Verfeinerung der makroskopischen Um'tersmichumgen, im Ei Stoff eine große Anzahl unendlich kleiner, äußerst aktiver Körper-eben, deren nähere Untersuch um-g zurzeit vie'V Forsc* 1 er beschäftigt. Diese Elemente bcbeiimen die eigentlichen äktiiyen Teile, die wesemtliichan - Lebensfalhtoren zu sein, uind wir köroon ums die Befruchtung nicht anders varstcllcm als divirch das Einführ-em einer Am,zahl dieser feinem, meiien-Elemente Ln, das Eiweiß, -um dornt diejenigen Teik zu 'ersetzen, welche zur Ernährung, des Embryos dienen. Diese Elemente und mticiht dlas .Eiweiß, selbst sind die eigetrtilichen Träger des Lebems. > Die-AusiS'dheiduing um.braiucCibairer .Stoffe aus dem Körper und die Verarbeitung und Umgestaltung der brauchbaren sind chemische Vorgänge., Diese chemischen Vorgänge sind das .Leben. Man hat die chemischem Wirkungen, die, sich in einem lebenden Wesen vollziehen, bis zmr MöglicrJlceit erschöpft. Diese Reaktionen sind höchst kompliziert, da jedes anatomische Element aktive Stoffe ausseberdet, die auf die Nachbarelemente' unmittelbar und durch Vermittlung des Blutes rüdkwirkem. Die Drüse n, die man einst-nutzlos hielt, rechnet man 'heute zu dem wichtigsten regelndem Faktoren des Körpers. Ene dem Gehirn amgebängte Drüse regelt das Wachstum, eine am Kehlkopf, einige in der Nachbarschaft der Nieren, umd besonders die, Geschlechtsdrüsen und ihre Zugehöre', ' sind 'als die wichtigsten Faktoren unseres Lebens, erkannt worden. Man hat durch die Anwendung verschiedener Drüse-nstoffe bei Versuchen die überraschendsten Resultate erzielt.; . Man weiß es schon länge, daß es Tiere .niederer Art gibt, deren Eier sich o h n e Bef r u c h t u n g entwickeln. Dieses Phänomen nennt, man Part h e n o g e n e s i s. * Ist es möglich, diese Erscheinung künstlich 'hervorzurüfen? Ja. Man hat die Entwicklung noch nicht befruchteter Frosch ei er durch einen einfachen Stich erzielt; Eier des Seeigels wurden durch ein rein chemisches Verfahren, ent- ' wickelt, aber auch durch den Samen eines anderen Lebewesens, eines großen Wümmes befruchtet. (Doch dieser Samen gibt nur den Anlaß zur Selbstbefructh« feurig, er wird während der Entwicklung des.. Eies ausgeschieden.) Diese und noch viele andere Ver-, suche trugen natürlich zur Bekräftigung der An-* Behauung bei, daß das Leben ein chemischer und,, physikalischer Prozeß ist. Um die Frage zu .beantworten, wie die großehi Pflanzen und Tiere entstanden sind, müssen außec den chemischem und physikalischen noch andere Er-»- wägungen in Betracht gezogen werden. Die Embryologie eröffnet sqhon heute einen weiten Ausblick. Sie hat folgenden Grundsatz auf gestellt: Die embryonale Entwicklung eines Tieres ist die gekürzte Wiederholung seiner Geneologie, seiner Ent-* stehungsgeschlohte, - das heißt, daß sie aufeinander-- folgend alle Fermen zeigt,, welche, den Vorfahren des Tieres durch besondere Kräfte und Verhältnisse! aufgezwungen wurden. Diese besonderen Verhält-* nisse führten vom Urstoff zur Gliederung der . Tier»* weit' in vier Verzweigungen, von welchen zwei besondere Wichtigkeit erlangten: Die der W e ic.htfe r e und die, der W i r beit i e r e, deren vornehmste Vertreter wir Menschen sind. Man hat 'qs schon früher bemerkt, daß der- Rücken der Wirbeltiere dem Bauche der Insekten und Würmer enfr spricht. Die Embryologie hatspäter den Beweis dafür erbracht. ’ . . Die Tiere waren tatsächlich die Bildner ihre®, eigenen Gestalt. Anfangs hatten sie nur zwischen i zwei Möglichkeiten zu wählen: die Festsetzung auf dein Boden und die Bewegungsfreiheit. Jene, die sich auf dem Boden festgesetzt haften, verzweigten sichwie Pflanzen; manche haben sogar Blüten getrieben und die tierischen Blumen 'kennen wir unter ‘dem 'Namin der Medusen. Jene, welche freiblieben, bewegten sich; diese Bewegung bewirkte bei ihnen das Aufridhten jener Organe, die den seitlich strebenden Zweigen der auf dem Meeresboden fest- ■ gesetzten Tiere entsprechen. So sind die Gliedertiere entstanden, die nach einem vertikalen. Plan ^metrisch auf geh aiut sind, wie die Insekten und die Erdvvürmer, und alles wäre da stehehgeblleben,,hätte das Meerdiesen Tieren nicht verschiedene Existenzverhältnisse geboten, durch deren Verknüpfung mit den embrvogenetischen Erscheinungen die verschiedensten Meeres.tiere, darunter die Wirbeltiere, sich entwickelten. Nach dem Uebcirga-ng dieser Wirbel- tiere vom Meere auf das trockene Land. naMim eine vvp.pai-e Entwicklung ihren Beginn. L. T*