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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-06 · Heft 1055 (6.1.1922) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1055 (6.1.1922)
Date
1922-01-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Belte 2 Wien, Freitag» ..., —--—.— . -.. Oesterreich. Die Regierungschwierigkeiten. Oie gegen den Vertrag von Lama aufgebrachten TJmtcrgruipip'em der großde tut schon Partei haiften sich sur Unterstützung den Füihrer des Deutschen Parlament atris-cfcn Verbandes in der Tschcc ho-Slowakei Äbgeo«rdineteni Dr. Loijgeman vcrbchrieben. Er kam am Mittwoch nach Wien. Seine Anwesenheit wurde hier vielfach peinlich empfunden, da Dcfetor ' Lodgeman auf der Seile; der Im braus igenitein steht, die von einem politischen Zusammenwirken zwischen Deutschen und Tschechen nja'.:ts wissen wollen. Er war im ail'teri Reichsrat ein ebrlidher Demokrat, den [Wolf und Pacher inPNatiomah’onbatnd als störendes Element ablelmten. Nach dem Zusamimembrutoh ist er gaciz im den Kurs der Radikalen geraten. Viele .Hoffnungen hat er enttäuscht, ohne 'jedoch die Cefoligsdhatf't der deutschen Parlamentarier seines Landesungeteilt zu erlangen. Er wird von den ’Christliid eozioilen sehr stark bekämpft. Seine .Wiener Reise sollte ein Zusammenspielen des österreichischen und tsche abo-slowakisch - deutschen Radikalismus anbahnen. Ob dies in vollem Umfang gelingen kann, steht noch sehr dahin. Denn die Interessen’ der Deu-tsa’. eri hier und in Deutschböhmen sind vielfadh divergent. Es ist aiber amzuenkeninon, daß sich Herr Lodigemnn hier Reserve auferlegt und an der für ihn ratberaumten Sitzung der sudetemiländischen Vereinigungen, von denen der Kampf gegen Schober ausgeht, nicht teilg$- nommen hat. Fr reist heute in Begleitung des Abgeordneten Pr. D i n g h o f e r, eines persönlichen Freundes Dr. Schöbe r s, nach Leipzig, wo beide mit den Führern der Deuschen Volki&p.ärtei (Besprechungen haben sollen.. In Deutschland steht man dem Abkommen von Lana sehr sympathisch gegenüber und erwartet von ihm eine heilsame Auswirkung .auf das Verhältnis zwischen Deutschen und Tschechen sowie auf die gesamte Stellung des mitteleuropäischen Systems zur Entente. s Die Versuche Ungarns, unter dem Titel einer {Annäherung an Oesterreich die guten Seiten des Vertrages von Lana zu paralysieren, dauern an, und am 12. d; M. sollen bereits die Verhandlungen beginnen. Hoffentlich wird der am. 10. dr M. zusamt mcniüret er« de Nationalrat ein kräftiges iWort sprechen, um eine neuerliche Erpressung. eu verhindern. Die Entscheidung über den Schober-Benesch-Vertrag wird erst nach dem 15. d. M., an welchem Tage die großdeutsche Reichspanteileitung sich versammelt,’ fallen. Es wird ai'-so frühestens in der zweiten Hälfte dieses Monats Klarheit über das Schicksal des Kabinetts Schober geschaffen werden. Die Tiroler Heimwehren* Innsbruck, 5. Jänner. Das »Alpenland« veröffentlicht folgende giroßdcutsche parteiamtliche lVerIau,,-bäiruing: In der letzten Zeit sind von einem . führenden Politiker, der gleiabzeirtig auch der Präsident der Heimat wehr ist, entstellte , Aeußerungen in die Oeffentüchkedt gedrungen, die den Eindruck erwecken konnten, aüs o»b sich die Heimatwehr auf parteipolitisches Gebiet begeben hätte. Der Vollzugsausschuß sieht sich daher veranlaßt, von der Heimat weh rleitiung eine Erklärung zu verlangen, in dar sie ihren unpolitischen Charakter zum Ausdruck bringt, da nur unter dieser Voraussetzung das Verbleiben der Mi'- glieder der Partei in der Heimat wehr möglich ist. Norwegische Heringe. Aus C h r i s t i a n i a wird gemeldet: Die Regierung hat die Absicht, dem S’orting vor Zuschlägen, daß der norwegische Staat ebenso wie England, Frankreich und andere Länder zur iWiederaufrichtung der österreichischem Finanzen; seine Forderungen an öe-s-terreich über anderthalb Millionen norwegi&cfl e Kronen für Häringsliefe. Hungern zwanzig Jahre lang ruilxan lassen .soll. Neuer Bandenkrieg im Burgenlande. Die Korrespondenz Herzog meldet: Nach verläßlichen Informationen droht im Burgenland ein neuer Bandenkrieg. Pronay soll von Oedenburg, Hejjas von Tschorna und Kapuvar, Oberleutnant Taby und Pater B 0 n i s von Steinamanger aus mit mehreren tausend gutbewaffneten Leuten jene Sektoren besetzen, die sie vor der Räumung des Burgenlandes innehatten. Die Bandenmitglieder rekrutieren sich a,us den integritätsvereinen, Militärper^onen, kroatischen Deserteuren usw. Finanziert wird die Aktion von den magyarischen lntegritätsvereinen, ln der Slowakei und im Burgenland sollen Unruhen provoziert werden, die das Signal zum Wiederaufleben der Bandenbewegung geben sollen. Tschechoslowakei. Die deutschen Sozialdemokraten gegen den Vertrag von Lana. Prag, 5. Jänner. Heute fanden hier gemeinsame Sitzungen des Klubs der Abgeordneten und Senatoren der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei statt. Der Klub beschloß nach einem Referat des Abgeordneten C z e r m a k, aus prinzipiellen Gründen gegen den zwischen der Tschecho-Slowakei und Oesterreich abgeschlossenen Vertrag zu stimmen. _WIENER MORGENZBlTÜNtj»_ Der Grenzvertrag mit Oesterreich. Prag, 4. Jänner. „Cesk6 SIovo* meldet: Der Vertrag über die tschgcho-slowakisch-österreichische Grenze wird in der nächsten Sitzung des Abgeordnetenhauses vorgelegt werden. Bevorstehende Kohlenpreiserhöhung. Prag, 6. Jänner. (Intel.) Am 10. Jänner tritt der Kohlenrat zusammen. Er wird über eine Erhöhung des Kohlenpreises um tschech. K 200 bis 400 per 10 Tonnen, wie sie von den Grubenbesitzern gefordert wird, zu entscheiden haben. Streik in der nordböhmischen Metall» Industrie. Warnsdorf, 5. Jänner. Die Arbeiter der Metallindustrie sind wbgen Nichtbewilligung neuer Lohnforderungen ln Warnsdorf, Rumburg, Georgswalde und Böhmiseh-Kamnitz in den Streik getreten. Jugoslawien. Reise des Königs nach Rumänien. Belgrad, 5. Jänner. Einem .amtlichen Bericht zufolge. begibt sich König Alexander nach. Sinäia, um dort als Gast des ,Königs Ferdinand'die orthodoxen Weihnachten zu verbringen. Wie die „Pravda“ erfährt, sei es nicht ausgeschlossen, daß sich König Alexander anläßlich dieses Bssuches verloben wird. Das Kabinett wird während seiner Abwesenheit die 'Königsgewait ausüben. Das Budget. Belgrad, 5. Jänner. In »der gestrigen Sitzung des Finanzausschusses erstattete Finanzminister Doktor Koma n u d i sein Exposö über das Budget für das Jahr 1922. Danach betragen die Ausgaben 577.804 > Dinar, denen ordentliche Einnahmen im Betrage von 5.559,464.821 Dinar gegenüberstehen. Der A b g a n g im Staatshaushalt beläuft sich demnach auf über . 700 Millionen Dinars. Der Aufwand für die Beamtenschaft beträgt 42°/o der Gesamtausgaben. Polen. Die Stärkung der Nationaldemokraten in* Sejm. Warschau, 4. Jänner. (Telegramm der, »Wiener Morgenzeitung«.) Der Abgeordnete Dubanovvicz hat Serien K!>u!b, dem er mit 2t Abgeordneten nach seinem Austritt aus der >Volksverewiigung<' gebildet hatte, vor einigen Tagen aufgelöst und ist nvlrt, seinen ehemaligen - Klubgenossen den National de m ok r a t e ri beigetretein, was zur wesentlichen Stärkung ihrer Ppnition. im. Paslaancnt beitragen >vird. v Der N a t io n a 1 d e m d-k r a t i s c h e Klub,, der bismvn 78 Abgeordnete zähtlte, wird durch diesen Zuwachs 99 Mitglieder zählen und der stärkste Klub sein» - Bismin war der Klub dar W i t 0 s - P a r t e i mit seinen 85 Abgeordneten der stärkste. Im Zu-sammen- , lit’-ng dnmit .wird hier' von einir stecken Konsolidierung der reaktionären Parteien, die gegen den Staatschef P U s u d sk i gerichtet ist, gesprochen. Zur Bestätigung dieser F.moheiinnng wird der Umstand angeführt, daß viele Minister, unter anderen auch der Ministerpräsident P 0 n i k o w s k i und Kriegsminister Sosnk 0 w.s k i, rrn die rechten Parteien nicht gegen sich zu stimmen, vor Neujahr Warschau verlassen und auf diese Weise an dem Neu.iai'.-.rseiwpfang beim Staatschef nicht teIgcm0mimen haben. Die Konservativen für ein Königtum Polen Krakau, 4. Jänner. (Telegramm der »Wiener Morgenzcitung«.) Der Krakauer »Czas« hat anläßlich des reuen Jahres unter den bedeutendsten po!- nivehen Politik een und Gelahrten eie Enquete über die Frage, »was man Polen für dos Jahr 1922 wünschen soll«, verarmt alt et, Von den "emgelangten Antworten haben sich 59 für die Errichtung einer Monarchie in Polen ans gesprochen und Polen zura neuen Jahire einen K ö n i g gewünscht. Der bekannte' Führer der -polnischem Konservativen, da-s ehemalige Herronihausmit glicd Stanislaus K o zm i a n, äußerte süch dahin, daß die poilnbcbon Konservativen nur ein Programm, und zwar das monarchistische, verwerten können, Fürst Sapieha wünscht Polen unier anderem eenen tüchtigen Sejm, eine Resident in Krakau und einen klugen Körnig. Für jeden' Fulll cbaraikrtorisieron diese Stimmen diie eigentliche Stimmung unter, den ziemlich starken und eiv.iflußreichen polnischen Konservativen. Die Deutschen. Poren, 5. Jänner. (Telegramm der »Wiener Morgenzeirtung«.) In,, den ehemaligen preußischen Gebieten wurden an den letzten Sonntagen in den evangelischen Kirchen .von den Pastoren Aufrufe verlesen, in denen d*5-e deutsche Bevölkerung dieser Gebiete aufgefordert wird, nicht, tta-ch Deutschland zu re emigrieren, sondern für Polen zu optieren. Spaltung der Poale Zion. Lemberg, S. Jänneir. (Infel.) „RidnyJ Krai“ derichtet, daß die linke jüdisch* sozialistische Arbeiterpartei Poale Zion sich gespaltet habe, weil die Majorität die'Anschlußbedingungen der kommunistischen Internationale abgelehnt habe. Rabindranath Tagore in Warschau. Warschau, 5. Jänner. (Tel.-Xomp.) Rabindranath T a g 0 r e trifft demnächst in Warschau ein und wird eine Reihe von Vorlesungen halten. _6. Jänner 1927_ Nr. 1055 Pilsudski erkrankt. Warschau, 5. Jäiyier. (Tel.-Komp.) Staatschel Pilsudski ist an einer leichten Grippe 'erkrankt Ungarn. Der amerikanischrungärische Zwischenfall. Es wurde bereits über die seltsame Affäre berichtet, die zwischen den Vereinigten Staaten und der ungarischen Regierung da-durah entstanden ist, daß der Chef der Auiswanderungssolktion im ungarischen Ministerium des Innern Ministerialrat AI« das s y in einem ungarischen fand wirtsc'ha f 11 ich et» Wochenblatt einen Aufsatz schrieb, in welchem der Budaipester amerikanisch^ Gesandte eine schwere Beleidigung der in Amerika lebenden Ungarn,-von denen der größte Teil bereits, die amerikanische Staatsbürgerschaft erworben hat, erblickte. Zura Verständnis dieses -eigenartigen Konflikts sei darauf hingewiesen, daß, wie wir wiederholt zu melden in der Lage waren, die B.u'dapestcr Machthaber allerdings allen Grund haben, ihren amerikanischen Konnationalen zu' grollen. Die in Amerika lebenden Ungarn aller Gesellsöhaftsseh iahten haben nämlich als'echte Demokraten es bisher abgelehnt, sich ales Vorspann für das Horthy-Regime moralisch oder finanziell mißbrauchen z.u lassen. Aus diesem Grunde mußten alle ungarischen Emissäre, die. unter verschiedenen lügenhaften Vorwänden in das Land, der Dollars kamen, von Karl Huszar bis hinab zu Pater B a n g h a, Franz S z e k e 1 y und Rabbiner Dr. Adler, nicht nur unverrichteter Dinge äbziehen, sondern sich auch die heftigsten Vorwürfe, wegen der Vorgänge in Ungarn gefallen lassen. Besonders stark wurde der Unwille der Amerikaner gegen alles, was offiziell aus Ungarn kam, als bekannt wurde, daß die 17 M i 11 io n e n Kronen, welche ungarische Juden in Amerika t-kn "Vorjahr dem Budapester Bürgermeister zum Ankauf von Kleidungsstücken überwiesen, rin antisemitischem Sinne verwaltet und als Mittel zur Stärkung der judenfeindlichen Propaganda verwendet wurden.' Diese konsequente Haltung der amerikanische» Ungarn versetzte den Herrn Ministerialrat A 1t d a s s y, eine der Säulen des Horthy-Regimes, in solche Wut, daß er die noch vor einigen Monaten in der' ungarischen Presse hochgapriesenen »Rassebrüder« jenseits des Ozeans samt und sonders verleugnete und sie mit den schwersten Beleid i g u n gen belegte. Der sogenannte diplomatische Zwischenfall wird wehl unblutig beigelegt, werden, ater den verschiedenen Aktionen, welche neuerdings von ungarischer Seite im Ausland, und besonders in Amerika, geplant sind, wird er sicherlich nicht sehr förderlich sein. . Nationalversammlung, , Budapest, 5. Jänner. In der heutigen Sitzung det Nationalversammlung erklärt Abgeordneter Mihaly (Nationaldemokrat), in. der ungarischen Außenpolitik habe es eine französische Orientierung gegeben, die in der Königsfrage zu ungünstigen Ergebnissen geführt habe. Während seiner Rede betritt der aus der Haft entlassene Graf Anton Sigray den Saal. Ein großer Teil der Linken' erhebt sich unter lauten Rufen: Es lebe das unabhängige ungarische Gericht! „Es 1 e b e der König!" Abgeordneter Mihaly bemängelt weiters die gegenwärtige Wirtschaftspolitik, der unter anderem die wirtschaftliche Kräftigung Wiens zuzuschreiben sei. Der aus dem Gefängnis entlassene Abgeordnete Rakovszky erscheint irri Saal und wird von seinen Parteigenossen mit Eljenrufen empfangen. Abgeordneter Mihaly erklärt weiters, daß man nach dem Weltkriege zur einstigen Monarchie und zu einer Verbindung mit Oesterreich nie mehr zurückkehren könne. Der Legitimismus im alten Sinne lasse sich nicht mehr aufrechterhalten; es gebe nur einen Legitimismus, den der Nation. Der gefällige Finanzminister. Budapest, 5. Jänner. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Das Amtsblatt veröffentlicht eine Verordnung, betreffend die Befreiung.'der ■ Mitglieder des diplomatischen Koips von der Luxussteuer. Rumänien. Die Beziehungen zu Moskau. Bukarest, 4. Jänner. Gegenüber der jüngsten Er* klärimg der Moskauer Regierung, Rumänien hege Anigiriffsaib'Sichten gegen ,die Sowjets, stellt die rumänisohe Regierung fest, daß »ie nicht diie Absicht habe, die Sowjets oder ejmen anderen Staat anzugreifen. Während der Verhiandktngen in Warschau habe der 111 mah-ische Delegierte dem Sowjebdelegierten Karach an erklärt, die rumänische Regierung könne kein besonderes NeutraHtätsabkbmmen mit den Sowjets abschließen, bevor sie ein diesbezügliches allgemeines liebereirükotnmen zwischen aff.en Staaten, diie Mitglieder des Völkerbundes sind, unterzeichnet habe. Das von Moskau ‘ verlangte, Sonderabkommen würde eiinera Bür.dnisvertrn‘g glek'hikO'ni.mDn. Die friedlichen Absichten Run.IHons seien während der Ereignisse in der nördlichen Krim klar zurtage getreten.

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