Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1055 (6.1.1922)
- Date
- 1922-01-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Programms für die Ordnung der drei, großen-keüror; päischen Probleme dienen. Es -.soll eine Aussprache, zwischen Frankreich und Deutschland angepphnt, ein Weg zur Sanierung’ Mitteleuropas . gebucht und eine - neuerliche Orientierung zu Rqßlaiid versucht / werden, Diese “ drei Probleme, die miteinander in direktem ‘Zusammenhang stehei|,' beschäftigen die Entente schön seit' dem Fried ehssqhluß. Daß sie' auf der Tagesordnung ,einer jeden. iSföäts-' raänneraussprache der Entente echcheirien ünd-.iti^dj’ei, Jahren ihrer Lösung nicht 'nähet Jekommen siridi.'ist, ein Beweis für die ^evisidtisbeäüjftigkeit' delr Friedens-. Verträge, deren Fortdauer ' eiri‘ Unglück naclf-^dem anderen , erzeugt und zu wiederholten Malen/;den Bestand •; 1 der Entente selbst;' iri / Frage ' : hat. Die Unstimmigkeiten zwischen den Größstääten werden von einer Konferenz zur - anderen: .verfagr-4 und lös,' eide /aridere* als: eine ■ Teillösung der europäischen Fragenzu . erwarten. , ' ' A;[ Die 'Hoffnungen, ,die -in/.(ije^tefpeich. in diese' Konferenzen '^^eil^rwardelTf/'hiäljfen^i^-.^tÄsherniir. zü^tiriem kleinen Teil erfüllt. Weden -die ^Entente nochf pfestferreich haben die" österieiöhiSche" Frage ' als ' einen [Teil des großen’ europäischeri -Problems aufgefaßt, und die' Eingliederung-" Oesterreichs in:;däb -- mitteleuroplische Staätensysiem; die» eirte historische; ,urid ‘ geog'räphis'che Notwendigkeit -: -ist, * - reift M::sehr /" langsam,;; : x:Weilsie mit starken Ideologien:?. .großer PaWien in Oesterreich: zu kämpfenhat. Wenn man jetzt wieder: hoffnungsvoll auf die Pläne i ■ zur" „Errichtung;: .tßjnes , internationalen Fmänzkorisortiu'ms-.' biliOkt, H.80:..-Kgiß^ Stützung "rechnen darf, derkräftjggjAji^ze zur: Selbsthilfe zeigt Daran aber läßt es die Politik .der Österrßichishe.n Parteien fehlen, die nicht nur kein Staatsbewußtfeein haben, sondern, auch keine Frage , ganz lösen wollen.!ri der Machtfräge, die zwischen den vier Kfössen : Qrößkäpitäl,’ Beamtenschaft Arbeiter urid/Bauern ..spielt, gehtder Staat zugrunde* weil, kejne Partei auch::' nur einen Teil ihrer Interessen, ihrer Dogmen. zugunsten der Allgemeinheit zurückst Hen will. Hifefi /liegt äuch derGf und*; weshalb jede ^Regierung trotz ihrer! schönen Programme in der inneren Politik ihre Bewegungsfreiheit: verliert und; zu: einem bänglichen' Lavieren .zwischen:;,'vier Parteien* zwischen denen -es;k?ine Verbindung..gibt gezwungen , ist Will; sie an den Abbau der Beamten schreiten, so wie , es ihr die Vernunft das. Staatsinteresse und , das \ Abkommen>; mit .dem, Völkerbund voj^chreiben, ...so stößt sie-sofprt auf den Einspruch der Christlichsozialen,, der . Großdeutschen,; der. .Sozial-, demokrateni die ja . nur keinen .Wähler;! aus beamteter Stellung missen wollem-jeder Minister/Zsagt im Parlamentssaal den Abbau zu, in' seinem AUeitszimmer aber;erwarten ihn schon die demagogischen Parteihäupter, um ihre Schützlinge der besonderen Aufmerksamkeit zu empfehlen und deren Unentbehrlichkeit zu schildern. Wäre, vor, zwei Jahren dö'. Antrag des Abgeordneten, Stricker angeriominen'1 und durchgeführt worden, alle überzähligen Beamten - sofort mit vblleri Bezügen und unter Vorbehalt ihrer,'Rückberufung zu pensionieren, so wäre heute schon- * ein großer Prozentsatz unserer sicherlich pflichtbewußten, tüchtigen und arbeitsfreudigefi Beamten von Industrie und' Handel aufgesogen worden und eine fühlbare Entlassung des Staatsbudgets eingetreten. Heute haben wirüberfüllte, Aernjer, die eine Plage für die Angestellten und für das Publikum geworden., Ayid, dabei aber trotz ihrer numerischen Hypertrophie jede Uebersicht über die disponiblen Kräfte verloren haben. , So kommt es, ' , daß der Staat für die , Vorarbeiten zur Lebensmittelreduzierung in Wien allein an 1200 Privatpersonen mit einem Tageshonorar von löOO.Kjpnen für einen;h;alben Monat heranziehen upd zweieinhalb Millionen Kronen auswerfen muß, wo es doch möglich gewesen!-wäre, die qualifizierten Kräfte, die in den tausendundeinen Aemtern unbeschäftigt /umherstehen, der Finahzlandesdirek'ion zur Verfügung, zu stellen.. - , Das ist nur ein kleines Detail , aus dem Material, das die österreichische'Verwaltung täglich im Fülle produziert und das leider nichtallein . in Oestferrejch getadelt;wird. Von allen.Seiten ruft man .dem 'Staat die Pflicht der Sparsamkeitins Gedächtnis, dieden Beginn jeder Selbsthilfe bilden muß. Aber die/österreichischen Parteien haben Ohren und hören ' nicht. Wir haben Beamte, die nicht verwertet werden können; Bauern, die wuchern, Schieber, die den Staat aussaugen, und Politiker, die hetzen und, über die Grenke schauem . - Lloyd Georges Kampf gegen die französischen Forderungen. Cannes, 4. Jänner. (Hava/s.) Die frain/»/sehen trnd die englischen KoinifereinokTeise. zeigen;cRs-)solche Zu-; riickihaltung bezüglich der Unterredung,, die B r i a n d uirid L ouc he ü r ntachimittaigts miit. L lok/d’, Ge 0 r g,e. twid Robert H orjie hatten. Lloyd”, George: s-oll noch immer beabsichtigen, zunächstdie-Ff^P/der -wart— sohaftlichen W i e der h e r s t e l f un g^;-'E'u r 0 p ä s. in: Angriff zu nehme«, die -naoh sedsr.:Ah>/'^At die Jaoze RepaipatioWfnage 'beheynsche. Fran>krei>üh-Mh^ ,zu, dlaß der engii-sche ■ Stafliidlpunikt ,i>n eimeip gcwüsHMvM^^e begrü-nisict sei; doch könine die Wiedieirhjefetelluiiig .nur e t ay p e n w p i s e errfö'I'gen und" werde-Frusten, erheisschen. Lloyd. George stimme ,,zt4:.;^nänikreich gewisse Vorteile: eitiuiraümen, wie - Revision, des .Fittanzabko'inme.nB vqm tZ. August, ’ ijnsb.es/ondyr.s;. petrelfeaud die W er t a b s c h z u ng d e r. S ä a ^wj n; e n, ^de aufgeschoben werden solL Franikreicli- .w^rdß.. a*uf diese \yeise ungefähr 300:' MiCliÖnen Goldmarkrwieder >sr.Mgen, doch , müßte "BeSgien, das „ein- Pr.idpjätsrech't. hat, den Vorsdhlä^' aotfehmen. Es schei'ntV-da'^'de^ britische Delegation jedem Vorgeben Teiindlich - gegeriüberZtche, das Deuidschla-ndgegenübereine - everwüslle. Zwangsm 3 ß nah me in Aussicht 'nä-h'me. Sie'' Utz^de./ eÄe Vsrsiäirk'uog der, Mittel zur.Fma/NL-k0ntrolls/das: Reich nur Uinter der Bedingung annehme«, daß nicht gegen dessen Souveränität verstoße. : Krassln über die Kredite für Rußland. London, 5., Jänner.. (Wolff.) IC r a ß s.i n, erklärte in einer •Unterredn-ng mit einem. Vertreterder / .»Times«, ein Kapitalvon.20 .Millionsp' Pf*und wäre 1 völlig-ü'rigenügeiid;:um den Anfo-riderunJen 'Rußlands : 25u„.entsprechen. Die gesamte Kredi'tfrage müss-ftt; vom russischen Standpunkt.aius gesehen,. auF e.!ne ’ i'n t; e r n a t i o n a 1 e Grundlage gebracht werden.-Die Anforderungen Rußlands, seien zsu-gf-oß, als; daß' ihnen durch eine private Gruppe entsprochen, j werden könnte. Das erste, üqd: dringendste, was'Rußl land brauche,;sei eine sofortige Hilfe für die Wieder-! Verstellung seiner Landwirtschaft. Rußland müsse : an'. das' Wirtsehisiftsleben der Welt ängesthlosisen'; w erd eh. Erriehtting einer europäischen Bundes* Reservebank. : <ru Ein, Antrag im amerikanischen Senat. ' Washington, 4. Jänner. (Havas.) Senator Owen unterbreitete im Senat einen. Entwurf, betreffend die; Errichtung einer e u r 0 p ä i s c h e n B u ri d e%- Re s-’e rvebank, die die Aufgabe hätte, Europa durch Gold garantiertes Papiergeld zu liefern. London, 5. Jänner. (Woljf.) „Times“ melden au» Washington,'A m e r i k a werde seine Vertreter in Cannes haben,u d vieles werde von ihren Beobachtungen abhängen.. Wenn Europa sich , nicht in erster Linie! sie 1 bst h elf e, •. so sei es -nicht möglich, , daß Amerika Europa. helfen, werde. Nach , Ansicht der amerikanischen Regierung und des amerikanischen Volkes müsse Europa zwei Dinge ohne Zeitverlust tun: Es ..müsse die . Streitigkeiten . über die deutschen Rep a r a t i oh e n beenden und seine L äh, dr'ü s t ungen auf das Friedensmaß herab setzen. , Günstlgv ZtÄMUug m den Vereinigten Stäaten.^ Washington, 4. Jänner. (J. C. B.) Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, wurde vor einigen Tagen der Versuch gemacht, die Frage des K n 1 ä s t i n a- Mandats von der allgemeinen Mahdätsfrage los-? zulösen, damit die Ratifizier u n g des englisclten; Mandats über Palästina dur£h .den Völkerbund e h e stens erfolgen könne. Dieser Versuch wurde’ von mehreren hohen amerikanisch# 1 Funktionären gemeinsam, mit dem einflußreichen Sena|or. C 0 m n i s unternommen, der Herrn S 0 k 01 o w y zugesagt hat, sein Möglichstes für die Erlangung der Cfnterstützung der... Washingtoner Regierung im -Sinne -einer beschleunigten Erledigung .des Palästihä-Mandats zu tun. Senator Comnis wird dieser Tage den Präsidenten H a r d i n gum eine günstige Stellungnahme in der Frage des Palästina-Mandats, welche von dem Problem des Mandats übqf. Mesopotamien getrennt werden' soll, ersuchen. ■ Im Augenblick bezweifelt man M Möglichkeit einer, offiziellen Stellungnahme Amerikas gegenüber dem Völkerbund in der Frage des Palästina-Mandats. Es unterliege aber keinem Zweifel, daß die amerikanische Regierung sich bemühen werde, i n 0 f f i z i e 11 auf die Alliierten in diesem Sinne einzuwirken. Dies geht auch aus der besonders freundlichen Aufnahme hervor, der die Forderunge So koI 0 ws in allen Regierungskreisen begegnet sind. Auch Senator H i t c h c 0 0 k, der. Führer des demokratischen Klubs in der Kommission für Auswärtiges, erklärte, nachdem ihm Sokolow die Lage der- Juden in Osteuropa geschildert hatte, daß es .unter den'gegenwärtigen Umständen, da die Tore Amerikas für die jüdische Einwanderung geschlossen sind, die m o r. a I i s c h e Pflicht A m e r i k a s sei, den J.ud en zur Schaffung ihres nat i ori -aterf H-eims in Palästina behilflich zu s e i n.; Von gutinformierter Seite wird mitgeteilt, daß die i i a I i e n i s c h e R e g i e r u n g bereit sei, einer gesonderten Behandlung des Palästina-Mandats zuzustimmen. Frankreich und der Zionismus. Erklärungen Briands, „Sunday Tiriies“ veröffentlichten seinerzeit Nachrichten über die Absicht Frarikreichs, das. Mandat über Paläs ina für sich zu verlangen. Wie „Temps“ meldet, erklärte B r i a n d während seines Auferfthalt in London auf eine diesbezügliche Anfragö, daß diese Gerüchte aus der Luft gegriffen seien. Frankreich-respektiere das Uebereinkommen von San Remo über das englische Mandat zwecks Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina und er bezeichnete alle (Mächte, die das Gegenteil behaupten, als böswillige Erfindungen. B r i a n d beteuerte ferner F f a n k r e i c h.s Sympathie, für den Zion i s ri* u s, für die es ei en Beweis in der syrischen Grenzfrage, zugunsten der wirtschaftlichen Zukunft Palästinas geliefert habe. Er gab auch seiner Befriedigung . über: die zwischen Sir Herbert Samuel und. dem .Genetal .Gourau.d bestehenden vortrefflichen Beziehungen Ausdruck.- Bei der bevorstehenden Erörterung der Münditsfrage vor dem V ö 1 k e r b u n d werde Frankreich Englands palästinensisches Mandat unterstützen' und für, die jüdische nationale Heimstä te eintreten. . Dann kam Brian:! auf die Juden im allgemeinen zu spreche., und hob dabei die wichtige Rolle hervor, die Frankreich in den Verhandlungen über die nationalen Minderheitsrechte gespielt h£be. Frankreich habe dabei die Notwendigkeiten der jüdischen Minderheiten m Polen, Rumänien usw.- Stets vor Augen gehab': v .i Gesetz, das 5hnen die volle Ausübung ihrer Bürgerrechte sichert. - Rapider Preissturz auf den tschechoslowakischen Produktenmärkten. Ausländische Angebote. — Keine Käufer. ' Prag, 5. Jänner. (Tel.-Komp.) Auf der heutigen Produktenbörse in Brünn ist ein B ö rs e ri k r ach zu - verzeichnen. Es wurden keine Kaufabschlüsse getätigt, was zur Folge hatte, daß sich der Preissturz des -Getreides auch auf die übrigen Bodenfrüchte und selbst auf die Kolonialwaren ausdehnte. Die Mühlen lehnten jeden Getreideankauf ab. Der Grund für diesen Stütz sind die besonders günstigen ausländischen Angebote, die die heimischen Getreidepreise bei weitem unterbieten. Die gleichen -Nachrichten treffen &Us 1 O Im ü t z und Preßburg ein. / Auf der P tage r Produktenbörse wurde Reis pester Qualität für K 4 angeboten, aber selbst um diesen Preis fand sich kein Käufer.. Der Weizen hatte einen- Preissturz von K 40 bis 60 gegen die Vorwoche zu verzeichnen. Kochmehl wurde in großen Mengen 'für K 5.50 angeboten, fand jedoch keinen Käufer, da ein weiterer Preissturz erwartet wird. Wie aus B öden« b ach und den anderen Grbnzbahnhöfen gemeldet wird, treffe i täglich mit Getreide und anderen-Lebensmitteln beladene Züge ein, so daß die Bahnhöfe mit L e b e n s ni j 11 e 1 n überfüllt sind. Dies wird einen weiteren Preissturz' wohl herbeiführen. Außerdem plänt noch der Ernährungsminister Hrba, in den nächsten Tagen eine .große Menge amerikanischen Mehls aus den staatlichen Vorräten zum Preise von K 4.50 bis 5 für das Kilogramm in den freien Verkauf zu bringen und damit einen weiteren Preisdruck auf d*a Markt auszuüben.