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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-05 · Heft 1054 (5.1.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1054 (5.1.1922)
Date
1922-01-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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"Seite 4 Wien, Donnerstag WTENEg MORGENZEITUNO 5. Jänner 192? Nr. 1054 probten Stützen der Ilaikoh-Manuschaft, deren Leistungen •sie Sonntag für Sor.mtag mit leuchtenden Augen verfolgen und deren Lorbeeren sie nicht schlafen lassen. W- Es ist klar, daß sieh ein so ungeheurer erzicherisH^/ Eindruck auf Jung und Alt — erzieherisch auch .auf Nichtjaden, die sich genötigt sehen, das alte VoruiiHA über jüdische Feigheit, und körperliche Inferiorität £ii. revidieren - mu«r 'durch Höchstleistungen erzielen läßt.' Jüclnis-che Sport- und Turnvereine müssen Höchstleistungen erzielen — nicht weil cs gilt, Rapid die Fuß ball riieisterschaft, u-nd den Grazern Athletikern die CVle:©t ersehn ft im Ringern abzuja'gen oder die juderoreiineit Ruder- und Touristen vereine zu blamieren, sondern, weil uns die notwendige Verbesserung unserer.Rasse die Aufgabe stellt, die Grenzen unseres physischen Könnens immer weiter zu ziehejn. Wir müssen unsere Muskeltätigkeit übertreiben, damit das so erzielte Mehr, zwischen, der anormalen« Leistungsfähigkeit unserer( degenerierten Körper und den forcierten Resultaten der siegreichen Willensstärke unseren Nachkommen , als natürlicher Krä ft ezn wachs erhalten bleibt. Nur das ist zielhewußte Arbeit im Dienste der Nation. .Ihnd als solche bedarf sie auch einer zielbewußten Leitung. Da«rünw ist die Zugehörigkeit zu einer kleinen Organisation ipimer noch dem Jwilden« Sportbetticb vömtatiehen. Der reiche Knabe, der sich einen eigenen Fußball bescheren läßt .und sieh mit ihm >selbständig« macht. — von dem armen, der mit einer leeren Kon-, seryenbdchi'e dasselbe tut, g3r nicht zu . reden —, läuft. - •viel eher Gefahr, gesundheitlichen Schaden zu nehmen, als der organisierte Vereinsmeier, der unter nielbewußter Leitung zu systematischer . Höcjystanspännung seiner Kräfte aingehaltem wird. Der Angehörige einer jüdi/sobhaäonnlen Organisation wird überdies vor dem Fehler bewahrt werden,, den Sport.als Selbstzweck zu betrachten.. Er wird nie das höhere, ideale Ziel aus den Augen verlieren dürfen. Freilich v/ird er auch das andere. Extrem vermeiden müssen: " die Infizierung mit jenem dünkelhaftem Kastengeist, der das Couleurstodentemtum in Verruf gebracht hat und: bei weniger hochgebildeten Sportsleuten noch um; ein gut Teil unerträglicher wirken muß. Wir wollen' hier der heiklen Frage lieber ausweichen, bis zu welchem Gade die einzelnen jüdischen Vereine diesem (positiven und negativem moralischen Pflichten gerecht geworden sind, und begnügen uns mit der immerhin, erfreulichen Feststellung, daß ihre Zahl tra stetem Wachsen' begriffen ist. Ihr jüngst erfolgter Zusammen-, sch^üß zii eunem Sriortvehband wird sich hoffentlich als ein neuer Fortschritt auf dem Wege zu ihrem erhabenen Ziele erweisen: zur körperlichen Regenerierung dös jüdenthms! ' _Dr. Hugo S p i e g 1 e r. , \ Wie man bei un,s den Beamtenabbaii durchführt* £ Eifderl gestern, vor dem Venva'ltungsgwichtsJhpf 4urchgeführte Verhanluing, in der’ die Gemeinde Wien als Besch weideführerin gegen das Unter-- a’jclitsmmi-itenum aiuftrab, warf ein eigentümliches. Licht Lüf die Auffassung öffentlicher Funktionäre über ihre Pflichten. Es wurde wom Gemeinde^ Vertreter über den schlechten Schulbesuch nicht .stur .der..Schüler,, sondern der Leth>r e r Klage ge*, führti; Der Voilksschudlehrer Z.uro.wetz wurde ira Jahre 1916, weil er wiederholt durch länger0 Zeit vorn Schuldienst Teirngeiblieban war, vom Schuldienst emihetben. Er verfaßte ein Gesuch u-m [W iederanfnahme, da® mach vier Jahren mit der 'Aufforderung, sich sofort zum Dienstantritt zur melden, günstig erledigt wurde. Inzwischen hatte; sich aber der Ptlemt'in Iranisbrrock dem Holzhandel Züge wendet, und er mußte, bevor er der Einibe-- srüfüng der Gemeinde Wiem Folge leistete. ers’f seine dringendsten geschäftlichen Angelegenheiten prdi^n>.Die dadurch verursachte Verzögerung seines' Dienstäniirittes «Ohm die Gemeinde Wien zum 'Aiiilaß seiner endgültigen Entlassung aus deirt'. So.tiildienöt. Dagegen hat Z uro wetz mit Erfolg aln däjsU. Unterriclflsniinistariüm reku/iert; dessjen, EntchtMung vriedcrufti'die Gemeinde Wien beim VerwaUwigsgei iclitshof anfocht. Dieser wies die; Klage ab, so daß Zurowetz weiter Lehrer bleibt. Maßgebend für diese Ents<Leidu/aig scheint die Enväguag gewe .1 - zu sein, <l::ij der Aimh, wie er selber in einer Rede hör verhob, mit dem Äutgebon' des einträglichen Holzhandels zugunsten des Lehrerberufs ein materielles Opfer bringt. Bei; aller Anerkoniniun-g dieses Idealismus muß jed<jüch die Frage aufgeworfen werden, ob der Staat, beziehungsweise die Gemeinde, unter dort heutigen Verir.ält'nissen gut daran tut, solch ein Opfer anzunehmen. Der Stand der öffentlichen Finanzen erheischt bekäntlich gebieterisch den Abbau der aus Steuergeldenn erhallen an Beamten. Wenn diese Aktion noch immer nicht in dem Rahmen und in dem. Tempo, durchgeführt wird, wie es zur Sanierung unserer Verhäkmisse «notwendig wäre,' so mögeö hiefür rein menschliche Beden ken, wie Angt vor. d£ft: sozialen Kaaseqatcnizen einer so hänfen Maßregel; wie es der erzwungene Berufswechsel in der Reger ist, maßgebend gewesen sein. , /'•* Diese Bedenken entbehren natürlich jeder! Grundlage in solchen Fällen, in denen der ÜfftejM?*:' telnde . nicht nur einen neue, sondern sogar einen: lohnenderen Erwerb gefunden hat. Der Fehler der5 Gemeinde Wien hat daher nicht Sarin bestanden;,; •daß sie, was der Vertreter des.ynterxichtsminisfe-; riums i'Üfr ztum Vorwurf machte, da® Gesuch def§l 2 u r ö-w’e t?. um Wiedera.nistellu.ng erst nach Vier Jahren, sondern darin, daß sie es überhaupt im günstigen Sinne erledigt Äat. Der Fehler ist um so größer, als der Vertreter der Gemeinde vor 'Gericht ausdrücklich den Fall Zurowetz als typisch bezeichne;e und erzählte, daß sich das Fernbleiben von Lehrprrsonen vom Unterricht in der letzten Zeit bedenklich häufe. Ein Kenner tÄvserer Venliält.nisse wird?.:<h darüber nicht wundern, daß Fixbesoldet^. eich nach lohnenderer Betätigung umschcn. Und ein ^weitblickender .Wahrer der Gcmcindeintercssen Antike und künstlerische mim L co. Wien, I., Seilerstätte Nr. 3 (Palais Coburg) wind diese«;!Bpstreb6n nur lobenswert finden, statt in an siah.gewiß berechtigte, aber leider unzeit-, gemäße Klagreh über die dadurch bewirkte Schädigung des Scliuibetriebes auazubreehen. «Nicht als Strafmaßfegej'-'wohl aber im Sinne des einmal notwendigen Bcämtenahbaues wäre die Entlassung'des Lehrers, dqr eine nach seiner eigenen Aussage ergiebigere Existenz gefunden hatte, wünschenswert und auch vom, sittlichen Standpunkt aus z«u verantworten gewesen. Die pedantische Gerechtigkeit, auf deren‘Boden sich der Verwaltungsgerichts/höf stellt, erweist sich in unserer Lage nicht als das »Fundament des Staates« ... - Der Altmeister der Islamtersclntt*. Am 13. November 1921 stfrb mit ignaz G 0 I dzlher der Altmeister der Islamforsch.ung, wohl der größte Orientalist unseres Zeitalters. Es ist bezeichnend für den Geist der Zeit, in der wir leben, daß nur flüchtige Kunde-vom Tode dieses weltberühmten Gelehrten in deutsche Zeitungen * drang, daß bis heute kaum ein Nachruf erschien, der den Mitlebenden die ungeheure Lebensarbeit Goldzihers vor Augen geführt hätte. Sie in wenigen Sä zen zu erfassen, ist freilich ein schweres Beginnen. Denn fast zahllos sind seine Aufsätze un 1 Abhandlungen, die er in deutscher, ungarischer, englischer und französischer Sprache seit nahezu einem Menschenalter an die Oeffe tlichkeit brachte, und unermeßlich der Einfluß, den er in seinen Schriften auf die morgenländische Wissenschaft, vor allem aber auf die vergleichende Religionsforschung ausgeübt hat’und für. die Folge ausüben wird. Goldzihers an irdischen Erfolgen und Ehrungen überreiches Leben hat frühzeitig einen tragischen Abschluß gefunden,: Niemand, der ihn etwa während des Krieges im alten, stillen Hause in der Rabengasse zu B u d a p e s t besuchte, konnte ahnen, daß er am Ende seiner Tage, angelangt sei. Innerhalb weniger Jahre wurde aus dem rüstigen Manne ein lebensmüder Greis, dem der Tod eine Erlösung war. Als Ignaz Gotdziher, der zu Stuhlwcißenburg am 22. Juni 1850 geboren wurde, seine sonst gewöhnlich im Rabbinat endende Berufsbahn beschrift, ahnte ef wohl selbst nicht, daß das Schicksal ihm ganz andere Wege vorgezeichnet hatte. Er zog nach Leipzig, um dort zu den Füßen des. größten Arabisten H. L. Fleischer zu si'zen und, bei ihm sich den Doktorhut zu erwerben. Da mag er zum ersten Male inne geworden sein, daß sein eigentliches Betätigungsfeld nicht die räbbinlsche Gelehrsamkeit, sondern die Arabistik sein werde. Freilich, zu unserem Glücke, nicht im Sinne Fleischers, der, ganz im Banne der arabischen Sprachlehre befangen, nicht den midest-n Sinn für die Realien bekundete Und. Sb. galten. die ersten Schriften des ■ zwanzigjährigen. Privatdözenten an der Ofener Universität bereits Problemen der arabischen Literaturgeschichte und der Wissenschaft vom Islam. Arnim Vämbäri, der große Reisende und Türkeiforscher, hatte den jungen Gelehrten unter seine Fittiche genommen. Seiner. Bemühung verdankte er die Mittel zu einer zweijährige Studienfahrt nach dem Morgenlande, wo er in Syrien, Palästina und vor allem in Aegypten sich die Länder und Völker besah, denen sein späteres Lebenswerk gelten sollte. Heimgekehrt sah er sich zur Annahme einer Sekretärstelle’ bei der Pestcr jüdischen ReligioVisgemeinde gezwungen. Sechzehn volle Jahre füllte er mit peinlichster Gewissenhaftigkeit dieses Amt, das ihm zum täglichen Brotz verhalt, getreulich aus. 2weiundzwanzig volle Jahre ist Goldziher Privatdozent gewesen 1 Daneben lief die wissenschaftliche Betätigung, zu der er, da er tagsüber bei der Gemeinde beschäftigt war, meist die Stunden der Nacht verwenden mußte. . Unter derlei äußeren und inneren Nöten entstanden grundlegende Arbeiten, kamen seine unvergleichlichen zweibändigen „Muhammedanis c h e n S t u d i e ft“ zustande. Wer zwischen den Zeilen zu lesen versteht, wird nicht ohne Bewegung übe? das Vorwort?um erste 1 Bande hinwegkommen. . Inzwischen kamöft an den Ofener Privatdozenten aus aller Herren .Ländern ehrende Rufe, Ehrendoktorate, Ehrerimitgltedschaften gelehrter Vereinigungen und Akademien. Aber nicht Oxford, nicht Straßburg, nicht Moskau .und. Amerika, wohin überall man ihn zu ziehen trachtete,, ließen in der heimatlichen Scholle untreu werden. Öa besann man sich auch in seinem Vaterlande schließlich auf ihn. Das Jahr 1894 brachte ihm endlich die Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Budapester Universität. Hin und wieder f lgte er einem Ruf Ins Ausland, Gastvorlesungen über een Islam zu stalten und auf den herkömmlichen orientalistischen und religionswissensehaftlichen Tagungen waren seine Vorträge beso’n ’ere Glanzstücke. Er halte sich im Laufe der Jahre eine unerreichte Belesenheit in den arabischen Quellenschriften angeeignet Seine Arbeitsweise war ausgesprochen literarhistorisch, nicht systematisch. Besonders kennzeichnend hiefür sirid seine klassischen „Vorlesungen über den Islam“ (Heidelsbcrg, 1910). Dort sieht man, wie C. H. Becker einmal sagt, die Gedanken werden, wachsen und wirken oder untergehen. Es ist. ein unbeschreiblicher Genuß, an Hand dieser „Vorlesungen“ den Quellen nachzugehen und zu sehen, wie der Verfasser iewcils in kurzen und glücklichen Belegstellen die Träger des Gedankenfortschrittes zu Worte kommen läßt Als -dieses Meisterwerk hinausging, sta .d Goldziher längst auf der Höhe seines Ruhmes, aber nicht seines Schaffens. Für ihn gab es keine Zeit der Ruhe. M der Weltkrieg zu Ende war und die Beziehungen zu den Mitforschern auch der vorher feindlichen Länder nach langer Pause wieder langsam . einsetzten, da hatten Ihm die gräßlichen Schicksale seineir Heimat Körper und Seele zerrissen. Dennoch oblag er mit der gewohnten Sorgfalt und der alten Liebe der Erledigung seines großen Briefw&hsels. Hunderte von Büchern und Schriften und Aufsätzen brachte ihm die Post von überallher ins Haus. Er las alles wissenschaftlich durch und für jeden Schreibet fand er freundliche und ermunternde Worte. Das was ein Grundzug im Charakter Goldzihers, diese unendliche Güte, Milde und Nachsicht, die er den Arbeiten anderer entgegenbrachte. Aber es. war nicht immer 'zum, Segen. Fast'niemals konnte er eine an ihn gerichtete Bitte ausschlagen, dieses oder jenes oft recht minderwertige Druckerzeugnis irgendwo einer freundlichen Anzeige zu würdigen. Im März 1919, mitten in den Wirrnissen der ungarischen Kommunistenherrschaft, g’ng unter abenteue/liclien Umständen und tollen Fährnissen die Niederschrift seines letzten, großen Werkes „D i e R ich tungen der i s 1 a m i ti s c h e n Koranäuslegu n g“ nach Holland ab, wo es zu Leiden miß Unterstützung der de Goeje-Stiftung im Jahr darauf ans Licht trat. Sein 70. Geburtstag und fast « gleichzeitig die Feier seines goldenen Doktorjubiläunis waren der Anlaß zu begeisterten Ehrungen des In- und Auslandes. Er selbst war derartigen Feiern freilich zeitlebens abhold und gerade» die festliche Begehung seines 70. Wiegenfestes pflegt® er Freunden gegenüber nicht anders denn als „eine Vorfeier^ des Begräbnisses“ zu bezeichnen. Sein Zustand war damals schon besorgniserregend. Bald kam das Ende. Ein unabsehbarer Leichenzug bewegte sich vom Vestibül der Ungarischen Akademie der. Wissenschaften. aus nach dem Räkoskcreszturer Friedhof. Man bettete, was sterblich war an diesem Fürsten der Wissenschaft, an diesem unvergeßlichen Menschen, zur letzten. Ruhe. Franz B a b i n g e r („Frankf. Ztg.w). Gattenwahl. ' >Es V!e?bt sonderbar: Jeder von uns hat dais Recibt, «sich sc'iine Wohn'tvng, seinen Beruf, seine UirteriiaJititimgeö nach Gefallen zu wählen, jeder darf nach seiner Manier glücklich oder waglückli-cih, sein, bleibt für difl närrischeste Lebensfu'bnvnig sich selbst überlassen, nur für dem D'-.ne;,ni9tei'l:haber lassen wir dien Zufall sorgen. Derselbe Mann, der— in, anderen Zeiten — hundert möblierte Zimmer besichtigt, bis er den Enitisahluß faßt, eines z-u mi-etön, will das erste beste Mädchen zur Frau;, das der Zufall in einer Abendgesellschaft an seine .Seite setzt. Vier Tage später erklärt er, ohiae sie nicht leben zü kommen, vier Jahre später kann ihm die Erkenntnis kommen, daß er nicht mit ihr leben kann. - .Damit sei nicht>n den.Glauben a.n Fügung, Vorhertbestlmimen, glückhafte Angemblic'ke, gerührt. Mancher verdankt dem glückhaft cm AugenibilCk, dem jähen Erkennen, die Krome seines Lebens. Aber es wäre •doch falsch, sich nur Ihm ergeben zu überlassen. Man soll nach Menschen airngvOn. Das ist heute leichter und schwerer denn je. Leiohiter, wci5 düe Anbahnung einer Bekanntschaft sich heute dainik des freien Verkehrs der jung-m Leute zwangloser fügt, «. schwerer, weil mehr Vorsicht geboten ist. Unsere Sitten haben sich verschlechtert. Allruviele Männer möchten den Roman. mit dem letzten Kapitel beginnen, allzu viele Mädchen sind abgeglitten, oder in ungeordnete Verhältnisse geraten. Den ernsthaften Sutchenn auf beiden Selten fehlt die Sicherheit des verlässigen Tips. Die Folge ist, daß ein Mann von guter Ansicht Bedenken trägt, mit einem Mädchen, das Ihm zum ßehniel in der Tramiboihn af.is Nachbarin zngewieneu ist, ein Go'<präch anzukinüpfeu, die Folge ist, daß ein Mädchen Bedenken trägt, auf eine Unterhaltung elmzivgcibcn. Da so viele unsolid geworden sind, verstärkt sich die Meinung, bei Zu fallsbckanntschaften mit der Stange im Nebel herumzu* fahren. f Aber auch wenn dieses Gefühl nicht bestdht: <a gilt nicht als schicklich, ein Mädchen obt.«weiteres amzu«sprechen. Die Fräuleins denken am Gretchen, das Schlechte, Erfahrungen gemacht hat. Ungeschriebene Vorschriften verbieten die Anknüpfung einer Beziehung ruf. der'Straße. Eigöndich doch sehr mit Unrecht Natürlich soll das Fräulein auf der Hut «»ein. Aber im Grunde ist es doch oiine unwürdige Bevormundung, von einem erwachsenen Menus eben zu verlangen, eine SympatihlewcMe, die er nachbarlich spürt, nicht zu spüren untd^sp zu tnun, als bestehe sie gar nicht. Wie vielem mag schon ihr Lebens glück mit der Trambahn .davongcfail’(Ten sein! Ich hadte dafür, daß ein Mann die Freiheit' Laiben sollte, ein Mädcihcn geziemend anzuispreclvan und glaube, dnß die meiisten Mädchen über genügend Instinkt verfügen, lün zu wissen, was weiter zu geschehen hat. So. groß diie Auswahl aber auch sein mag, es bleiben viele Männer ledig, weil sie tatsächlich dfie Auswahl nicht.'haben. Vom Beruf zerfressen, unlustig auf gesellschaftliche Möglichkeiten, oder nicjjt im Besitz der Mittel für die nötigem Aufwendungen, warten und. warten ‘Sie, bis der Riese Zufall sich ihrer erbarmt, oder sie ergötzen sieh am Durchgnügsverhä 11nis, bleiben ün,beweibt. Waihrscheimliich kommen gerade viele der Besten beiderlei Geschlechts nicht ans Ziel, weil ihre . inrnere Haltung ih-nLa dem kanten Wettbewerb «michtt erl'aühti Je ferner sie geartet sind, desto weniger treten sie Hervor. Am leichtestem hat es der Bauer und der großstädtische Arbeiter. Sie keniinem viele Familien ihrer Kreise und bekommen das richtige oft auf den ersten Griff. Schlimm liegen die Verhältnisse leim Mittelstand, Seine; tuclntigen, oft sehr wertvollen Mer. sch cp, .haben es am schwersten, den passenden Partner zu finden — aus Gründen, die üns^Mittelstämlleirm affen gtläufig sind. Es im wohl mkht zu bezweifeln, d.iß . in dieser Schicht viele die ehclosen Winter ihres Mißvergnügen® mit einer Heirat beenden, die einem Voriicbaieihmoa, cleichgosetzt worden kanov

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