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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-04 · Heft 1053 (4.1.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1053 (4.1.1922)
Date
1922-01-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1053 Wien, Mittwoch WIENER MÖRGENZEITtmö 4. Jänner 1922 Seite 3 Polen. Jüdische Schriftsteller- und Journalistenkonferenz. ' Warschau, 3. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenreltung“.) Am zweiten Konferenztage wurde die Wahl des Präsidiums vorgenommen. Zum Vorsitzenden wurde D. N o m b e r g, Zu dessen Stellvertretern' Abgeordneter' Schipper, S t u p n i c k i und Z. Reisen gewählt Sodann erstatteten Z. Reisen, Redakteur des Wilnaer „Unser Tog#, ein Referat über den gegenwärtigen Stand der jüdischen Literatur und Presse, Schriftsteller 8. L. Zitron über die hebräische Literatur und presse, Nach diesen Referaten wurden Wahlen von Kommissionen durchgeführt Die Vertreter der polnisch-jüdischen Presse wurden nur zur Kommission für professionelle Angelegenheiten zugelassen. ' Auf der.Nachmittagssitzung referierten Schallt über die Fragen der Kooperativen und’ die Selbsthilfeorganisation, Abgeordneter Hartglas über, die Läge def jüdischen Journalisten. Letzterer beleuchtete auch die Projekte zum neuen Pressegesetz, welche demnächst auf die Tagesordnung des Sejms gelangen sollen. Mit dem Referate des R e d a k t e Urs N. Schwalbe über das Verhältnis der polnischen zur jüdischen Presse wurden die Beratungen des zweiten Tages geschlossen. Pinsker-Feiern. Warschau, 3. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) In ganz Polen würden zur Wiederkehr des hundertsten Geburtstages Leo Pinskers Gedenkfeiern veranstaltet - ■ Ungarn. . Nationalversammlung. Budapest, 3. Jänner. (Ungi Tel .-Kohr.-Bur.) in der heutigen Sitzung der Nationalversammlung beklagt Abgeordneter Jpsef Szabo (christlichsozia-i) die terroristischen Akte, denen christidchsoziaie Arbeiter , ausgesetzt seien. Abgeordneter Gieß weiii (Oppositioneller) (kalt die gäntzliche Wiedenhetrsteliung aller öffentlichen Freiheiten für dringend notwendig. Er erklärt, daß die Waihlen auch weiterhin geheim bleiben, müßteh. Abgeordneter Baumann interpelliert über die Wirksamkeit der Amnestiererordnutig bezüglich der im Baranyer Gebiet .während der serbischen Besetzung verübten politischen Delikte. Justkzmimster Tomcsany erwiderte, die Amnestie Verordnung enthalte die weitestgehenden Bestimmungen zugunsten der aus deir Bairanya geflüchteten Pensioinern. Die Oedenburger Ententetruppen abgezogen. Budapest, 3. Jänner. Das Ungarische Tele-, graphen-Koirrespontdenz-Bureau meldet aus Oedenbyrg: Die für die Dauer der Voiltabsitimmung nach Oldenburg - entsandten Entemtetnuipipeiri sind heute vormittags in drei Eisembahnzügen mach Obersohlesien abgegangen. Die Budapefcter Kultuswahlen auf politischer Plattform. Vazsotiyi — Führer der Wahlbewegung. Budapest, 3. Jänner. (Eigenbericht der „Wie.’.er Morgenzeitung“.) g y e n 1 ö s e g“ meldet: Vor einigen Tagen fand im Lokal des demokratischen Klubs eine Beratung der Vertreter der einzelnen Budapester Kultusbezirke statt, an welcher auch die demokratischen jüdischen Abgeordneten Wilhelm V a z s 0 n y i und .Dr. Ernst B.rody teilnahmen. Die Konferenz "beschloß, anläßlich der bevorstehenden Wahlen in die Kültusgemeinde die Budapester judenschaft bezirksweise zu organisieren und in großen Demonstrationsversämmlungen vor der großen Oeffentlichkeit die Beschwerden und Forderungen der ungarischen Juden darzulegen. Geber einhelligen Wunsch der Konferenzteilnehmer nahm Abgeordneter Dr. W i 1 h e I m V a z s 0 n y i die Wahl zum Präsidenten des Zentralwahlkomitees an und erklärte, daß dieser Wahlkampf ein historischer werden müsse. Er sei bereit, ln allen Versammlungen das Wort zu ergreifen und ein ausführliches Programm für die Tätigkeit der jüdischen Religionsgemeinde zu entwickeln. Er rechne hiebei auf die Mitarbeit des Abgeordneten Paul San dar. Die Wahlkampagne wird in diesem Sinne schon nächste Woche ihren Anfang nehmen. Rumänien. Monistische Landeskonferenz in der Bukowina. Czernowitz, 2. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) In der letzten Dezemberwoche tagte hier die VIII. zionistische Landeskonferenz, an der 113 Delegierte teilnahmen, Nach der Eröffnung hielten Begrüßungsansprachen ein Vertreter der rumänischen Regierung, der Präsident der Stadt Czernowitz, der englische Konsul Camerdn und der Vertreter der zionistischen Weltexekutive Kurt B I u m e n f e 1 d. Die Tagung füllten Referate über die Propaganda, Erzjehungs- und Judenfrage, landespolitische Betätigung und Gemeindepolitik aus, an die sich lebhafte Debatten anschlossen, ln das neue Landeskomitee wurden 71 Mitglieder gewählt. Zum Präsidenten wurde Doktor Mayer Ebner, zu Vizepräsidenten Oberrabbiner Dr. H 0 f f m a n n, Dr. Weisel fce r g e r und Dr. Kaßner wiedergewählt. ‘; Die staatsbürgerliche Stellung der Juden. Bukarest, 3. Jänner. (Intel.) Der Verband der luden in Rumänien hat an den justizminister ein Memorandum gerichtet, in dem die Regierung aufgefordert wird, die Frage der staatsbürgerlichen Stellung der Juden endgültig zulösen und die Bedingungen festzusetzen, unter denen niari für die rumänische Staatsbürgerschaft optieren könne. Der Justizminister gab in seiner Antwort die Berechtigung der Forderung zu und versprach die Regelung dieser Frage. Neuer Gouverneur der Nationalbank. Bukarest, 2. Jänner. (Orient-Radio,) Die Regierung hat den Handelsminister 0 r m u 10 zum Gouverneur der Nationalbank ernannt; Rundschau. Die Konferenz von Cannes. London, 3. Jänner. (Wolff.) Der Sonderberichterstatter des Reuterschen Bureaus meldet aus Cannes: Die Zahl der britischen Delegiprten deutet auf den Umfang der Erörterungen hin, A Hs hängt jedoch von der Haltung Frankreichs und der übrigen Alliierten ab. Lloyd George beabsichtigt nicht nur, eine Anzahl von Fragen zu behandeln, sondern auch zu versuchen, etwas zu erreichen, was die europäischen Regierungen zusammenbringen kann. Bezüglich der R e p a r a t i 0 n s f r a g e scheint die Ansicht vorzuherrschen, daß Frankreich erhalten muß, was ihm zusteht. Man zeigt viel Verständnis für -die Schwierigkeiten Briands im Parlament und im Lande. Allgemein ist man. der Ansicht, daß die Konferenz länger als eine Woche dauern wird und daß die Beratungen der Außenminister über die Probleme des nahen Ostens vielleicht ebenfalls an der Riviera stattfinden werden. Wie die „Times“ aus Qannes melden, habe Frankreich sich bisher allen Maßnahmen widersetzt, die eine Anerkennung der Sowjetregierung mit sich bringen würden. Berlin, 3. Jänner, Wie die Pariser Blätter melden, Hegibt sich Dr. Rathenäü heute inoffiziell, nach Cannes. Kabinettskrise in Spanien. Paris, 3. Jänner. (Funkspruch,) Nach Berichten aus M a d r i d beabsichtige der Chef, des Generalstabes zurückzutreten, wenn seine Vorschläge zur Dekorierung der in Marokko Kämpfenden nicht angenommen werden sollten. Sein Rücktritt könnte auch den des Kriegsministers zur Folge haben und die Stellung des gesamten Kabinetts Maura erschüttern. Das angebliche französisch-japanische Sibirien-Abkommen. Paris, 3. Jänner. (Havas.) Verschiedene, ausländische Blätter haben Gerüchte über die Glaubwürdigkeit jüngst in Washington veröffentlichter falscher Dokumente verbreitet, wonach Frankreich und Japan ein Abkommen, betreffend einer gemeinsame 1 Politik in Sibirien, abgeschlossen hätten. Das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten dementiert in formeller Weise diese Behauptung, die jeder Begründung entbehrt. Die diesbezüglich veröffentlichten Dokumente sind in allen ihrei\ Teilen erdichtet Russisch-finnische Spannung. London, 3. Jänner. (Tel.-Komp.) Die aus Helsingfors erlangenden Meldungen berichten von einer außerordentlichen Verschärfung der russischfinnischen Beziehungen. Die Sowjetregierung soll bereits alle, amtlichen Vertretungen zurückgezogen und auch jeden Privathandel mit Finnland untersagt haben. Bisher unbestätigte Nachrichten. melden russische Truppenkonzentrationen ah der finnischen Grenze. Die Untersuchung gegen Fedak. Lemberg, 2. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Die Untersuchung gegen den Attentäter Fedak ist bereits abgeschlossen. Der Staatsanwalt Dr. Gürtler hat schon mit der Bearbeitung der Anklageschrift begonnen. Die Verhandlung wird gegen Mitte Februar vor einem Geschwornengericht stattfinden. Die ostgalizische Frage. Paris, 2. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) „Ere Nou veile" bespricht in einem ausführlichen Artikel die Dringlichkeit der ostgalizischen Frage und stellt die Forderung, diese auf der Konferenz in Cannes zu behandeln und zum Abschluß zu bringen. * Warschau, 3. Jänner, (Tel. der # Wiener Morgenzeitung“.) Der Pariser Korrespondent der „G a z e t a Warszawska“ meldet, am Quai d’Orsay werde in Abrede gestellt, daß B r i a n d und L lo y d George irgendwelche Abmachungen in der ostgalizischen Frage getroffen hätte. ‘ Wiluaer Sejmwahlen* Wilna, 2. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen« zeitung“.) Zu den Sejmwahlen wurden von den polnischen Parteien sieben Wah IIi sten aufgestellt Eine russische Finanzkonferenz in Paris. Paris, 3. Jänner, Der „Temps“ teilt mit, daß heute in Paris» eine Konferenz russischer Industrieller und Finanzleute eröffnet wurde, die sich njit Sowjetrußland befassen wird. Die Reste der Wrangel-Armee. Moskau, 3. Jänner. (Funkspruch.) Vor. eine? Woche hat die Evakuierung der letzten Reste der Wrangel-Armee aus der Türkei nach Bulgarien begonnen. Die Verbündeten stellen die Forderung, daß im neuen Jahre kein einziger Wrangel-Soldat mehr in der Türkei verbleibe, Auch Wrangel und sein Stab werden nach Varna übersiedeln. Mißerfolg der russischen Getreide-' eintreibung. Kopenhagen, 3. Jänner. (Wolff.) , Die russische Zeitung „Krasnaja Gazeta“ meldet, daß die Eintreibung d^r Getreideabgabe in Rußland trotz aller Anstrengungen ein sehr schlechtes Eigebnis gebracht habe. Statt der veranschlagten 243 Millionen Pud sind bloß 143 Millionen Pud eingegangen. Abreise der Exkaiserin Zita. Lissabon, 3. Jänner. (Havas.) Exkaiserin Zita wird morgen von,Funchal nach der Schweiz abreisen. Ein Gesetz zum Schutze der deutschen Republik. Berlin, 3. Jänner. (Intel.) Dem Reichstag wim Mitte Jänner der Entwurf eines Gesetzes zum Schutzp der Beamten und der Einrichtungen der deutschen Republik zugehen. Dieser Entwurf sieht Strafen wegen Beleidigung der Republik und wegen des Bestrebens auf Beseitigung der Republik vor. In diesem Sinne soll auch eine Beschränkung der Preßfreiheit erfolgen. Die Verhandlungen mit den deutschen Eisenbahnern. Berlin, 3. Jänner. Die gestern nachmittags int Reichsverkehrsministerium mit den Vertretern der Gewerkschaften begonnenen Verhandlungen über die Aüsführungsbestimmungen zu dem neuen Abkommen mit den Eisenbahnern haben den Blättern zufolge bisher einen befriedigenden Verlauf genommen. Die Politik der deutschen Antisemiten« Der bekannte Führer der ehemaligen konservativen Partei des kaiserlichen Deutschland, Herr von H e y d e b r a n d, veröffentlichte in der . „Kreuz- Zeitung“ einen aufsehenerregenden Artikel über die Lage in der Deutschnationalen Volkspartei, in dem er zu einem Zusammenschluß aller rechtsstehenden Kreise aufruft und empfiehlt, den Deutschvölkischen nicht die Herrschaft in der Partei zu überlassen, da es nicht nötig sei, alles aus dem Gesichtswinkel speziell jüdischer B e k ä m p f u n g. zu beurteilen; man müsse auch der taktischen Situation Rechnung tragen. Diese Mahnung zur Abkehr von der einseitigen radikalahtisemitischeij Agitation hat in - deutschnationalen Kreisen sehr verstimmt. Die „Deutsche Zeitung* weist in einem langen Artikel nach, daß es bei der heutigen Situation notwendig sei, alles aus aem Gesichtswinkel, der Judenfrage zu sehen. Bei dieser Gelegenheit wendet sie sich scharf gegen den „Verband nationaldeutscher Juden“, der durch sein geräuschvolles Auftreten die Abwehr der echten Deutschen herausfordere. In demselben Artikel wird heftig Klage darüber geführt, . daß Deutschlands Schicksal bei den Verhandlungen in London dem Juden Rathenau anvertraut wird, dem das deutsche Volk unbegrenztes Mißtrauen entgegenbringt, und daß ihm gestattet wird, verhängnisvolle Abmachungen über das deutsche Wirtschaftsleben zu treffen. Rathenau, der.als Jude nicht, einmal den „deutschen Ehrbegriff“ zur Geltung bringen könne, habe auch zugestandenermaßen nichts erreicht. So reagieren die Antisemiten auf den ersten erfolgreichen Versuch, eine Besserung der Lage Deutschlands herbeizuführen. „Die Geheimnisse der Weisen von Zionrt, Ehrenbeleidigungsklage Achad-Haams. Berlin, l. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung*,) Der große jüdische Philosoph und Historiker Achad* Haam war von dem antisemitisch-nationalistischen „Völkischen Beobachter“ in München und von dem alldeutschen Zeitungsschreiber Grafen R e v e n 111 0 w als Autor der „Geheimnisse der Welsen von Zion“ genannt worden. Achad-Haam hat nun gegen beide die E|hrenbejeicHgungsklage eingereicht. Es wird also möglich sein, falls nicht die Geklagten kneifen, vor einem ordentlichen Gericht Über dieses Buch, dessen sich heute jeder anständige Deutsche schämt, Klarheit zu erhalten. Regenmäntel Herren- und Ba(nenw£scfce,7extlBumd SfricEiwsren,' elfes erstklassig und billigst im Warenhaus iti Schiffmann I.,TMi|aSe<tB-Ieleplii47i79 En afos 1014 En detaU

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