Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1052 (3.1.1922)
- Date
- 1922-01-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wien, Dienstag Oesterreich. Ein Lohnabgabegesetz In Vorarlberg. Innsbruck, 2. Jänner. Der Vorarlberger Landtag nahm mit den Stimmen der Christlichsozialen und eines Teiles der Großdeutschen ein L o h n a b g a b egesetz an, das mit 1. Jänner in Kraft tritt, dagegen stimmten die Sozialdemokraten und einige Großdeutsche. Das Tiroler Getreidegesetz. Innsbruck, 2. Jänner. Die sozialdemokratische Fraktion des Tiroler Landtages wird gegen die Getreideaufschlagerhöhung die Klage beim Verfassungsgerichtshof einbringen. Präsident Masaryk reist nach Frankreich. •Prag, 2. Jänner. (Privat.) Wie verlautet, beabsichtigt Präsident Masaryk, sobald sein Gesundheitszustand und die politische Lage es gestatten, nach Frankreich zu reisen. * Das Plenum des Abgeordnetenhauses einberufen. Prag, 2. Jänner. Wie die „Narodnf Listy“ melden, hat dys Präsidium des Abgeordnetenhauses das Plenum für den 10. d. M. einberufen. Jugoslawien. Italienische Kriegsschiffe in dalmatinischen Häfen. Rom, 2. Jänner. (Funkspruch.) Im Zusammenhang füit den Kundgebungen in Sebenico/ Spalato und Agram gegen Italien wurden* weitere italienische Kriegsschiffe in dalmatinische Häfen entsendet Verkehrskonferenz der Balkanst^aten. Belgrad, 2. Jänner. Die von der jugoslawischen Regierung einberufene Verkehrskonferenz der Balkanstaaten hat heute ihre Beratungen aufgenommen. Vertreten sind Bulgarien, Rumänien und Griechenland. Ms erster Punkt der Tagesordnung wurde diO Frage des direkten Personen- und Güterverkehrs x zwischen Nord- und Südeuropa beraten. Polen. Besprechung jüdischer Vorsteher im Innenministerium. - Warschau, 1. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung.“) lieber Einladung des Ministers Co /naröwicz fand im Ministerium für Inneres eine Besprechung von Vertretern ü üscher Parteien statt Auf der Konferenz, die über eineinhalb Stunden dauerte, wurden Aktuelle jüdische Fragen besprochen. Wie Innenminister Downarowicz dem jüdischen Abgeordneten R a ß n e r (Folkist) erklärte, habe er vom Arbeitsminister eine' Mitteilung erhalten, daß das Ministerium nichts da“ gegen habe, wenn jüdische Meister, die am Samstag ruhen, Sonntag arbeiten. Abgeordneter Raßner verlangte, daß die Bewilligung auch auf die Arbeiter ausgedehnt werde. , Jüdische Schriftsteller- und Journalistenkönf erenz. Warschau, 31. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Heute hat hier die erste jüdische Schriftsteller- und Journalistenkonferenz begonnen. An der Konferenz nehmen über 60 Delegierte von öchriftstellervereinen in Polen und Wilna teil. Bei den Beratungenf sind auch Vertreter jüdischer Institutionen wie auch ein Vertreter des jVW n i s t e r r a t s Präsidiums und der Regierung zugegen. Der Vorsitzende des Organisationskomitees Schriftsteller Nomberg eröffnete die Konferenz mit einer längeren Ansprache, in der er auf die Aufgaben und Ziele der Konferenz hinwies. Unter anderem habe die Konferenz Berufsfragen und die der Schaffung einer einheitlichen jüdischen Orthographie zu rege ln. Zum Schluß seiner Eröffnungsansprache gedenkt der Redner der in den letzten Jahren verstorbenen jüdischen Schriftsteller und Journalisten: J. L. Pere z, Mendele Mocher-Sforim, Scholem-Alejchem, Jakob Dinesohn, An-sky, S. Frug, Berdytschewski, Tschemerinski, Brenner, Ben-Avigdor, Rosenzweig, Finkei, Wajter, Borochow, -Najdus, Ludwipol, Idelsohn, Schwarzmann, Dr. Poznanski, Steinmann, Rosowski und Ziper. Hierauf begannen die Begrüßungsansprachen des Herrn Ehrenberg im Namen des Warschauer Regierungskommissärs und des Herrn Adelberg im Namen des Unterrichsministeriums. Der gewesene Vizeminister DombskI"begrüßte die Konferenz im Namen der polnischen Journalistik. Sodann sprachen noch der Vertreter der zionistischen Exekutive Dr. Olschwanger (hebräisch), Abgeordneter Hirschhorn (Volkspartei), Kirschbaum (Agudas Israel) Itow (Zeirei Zion). Juris (Poale Zion), Dr. Feldmann (Misrachi), Abgeordneter Dr. Hartglas (jüdischer Sejmklub), Trunker (Klub der jüdischen Stadtverordneten), Elkin (Künstlervereinigung), Lewicki (Tarbuth). Nach dem Verlesen von Begrüßungstelegrammen aus Wien, Berlin, London, New York und anderen Orten erstattete WIENER MORGENZEITUNQ - Abgeordneter . Dr, J.Schlppyr ein ausführliches Referat über die Geschichte der jüdischen Literatur und Presse. Die Konferenz wird voraussichtlich drei Tage dauern. Hebräische Kulturkonferenz. Warschau, 1. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Am 4. d. M. beginnt hier die Tagung der „Tarbuth“ (hebräische Kulturorganisation), an der auch Chaim Nachman Bialik teilnehmen wird. Professor Askenases Verzicht auf die Lehrkanzel. Warschau, 31. Dezember. (Eigenbericht der „Wr, Morgenzeitung“.) Der polnische Delegierte beim Völkerbund, Professor Simon A&kenase, hat in einem Schreiben ah den UnterrichtsministerPonikowski seinen Verzicht auf die Lehrkanzel für neuere Geschichte an der Warschauer Universität, an die er vor zwei Jahren berufen wurde, bekanntgegeben. Wie bekannt, haben damals die Antisemiten seine Berufung bekämpft, nur dank dem energischen Eintreten des liberalen Professors Pptrazycki wurde die Berufung Askenases durchgesetzt. Das Wirtschaftsabkommen mit Danzig. Danzig, 2. Jänner. (Tel.-Komp.) Der Danziger Landtag hat mit 62 gegen 22 Stimmen däs Wirtschaftsabkommen mit Polen ratifiziert Die Zollgrenze zwischen dem Freistaat Danzig und Polen wurde mit 1. Jänner 1922 aufgehoben. Ungarn. Die Uebergabe Oedenburgs. Wie bereits kuirz berichtet, ist arm Sonntag Oedeta« bürg feierK'öh am Ungarn übergeben worden«. Das Umtausche Militär venunstaJtete eine Parade, bei der die Entemitegeneräle ru/sohaiuten.. Damm wurden Reden gewechselt. Der ungarische Bevolßmächtigte General Guilleaume erklärte, Umgarn werde alles unternehmen, damit das gute V e r h ä ,11 n! s mit Oesterreich wiederhergestelit werde und das Friedenswerk ein d'amierhdes bleibe.: Es fanden noch zahlreiche Kundgebungen statt. In der Stadt waren ungarische und deutsche Inschriften angebracht ftiit den YVorten: >Treu geblieben. In Ewigkeit. Amen.« . Wie die »Politische Ko-rreapomdemz«: erfährt, hat der Vertreter Oesterreichs bei der interalliierten - Generals'kommission im Oedenbturg, Generalkonsul fteim, am 31. Dezember Oedenburg verlassen. Budapest, 2. Jänner. (Telegramm der »Wiener Morgeneeitung«.) . Der Sonderberichterstatter dies »A z Ujsag« meldet aius Oe den bürg, daß die Ententetruipipem, welche das Oedembuirger Abstimmungsgebiet besetzt hielten, am 3. Jänner das .Gebiet verlassen und. auf ihre. Standorte in Ober Schlesien zurückk ehren. Die Generäle beabsichtigen am 5. Jänner albzureisen, da noch ihrer Meinung’ die Generalskomrniission ihre Aufgabe beendet habe, Aufstellung einer Freiwilligenarmee. Budapest, 2. Jänner. (Ung. TeI.-Korr.-Bur.) Um die Aufstellung der durch den Friedensverlrag von Trianon vorgeschriebenen Armee durch freiwillige Meldung zu ermöglichen, hat der Landesverteidigungsminister die Munizipien angewiesen, die männliche Bevölkerung zum Eintritt in die Armee aufzuforden. . Die Grenzbestimmungskommission. Budapest, 2. Jänner. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) „Uj Nemzedak“ zufolge soll die ungarisch-tschechische Grenzbestimmungskomrnission demnächt in Budapest ihre .Arbeit wieder aufnehmen. Ein Teil der Kommission soll seine Sitzungen i i Vacz, dem amtlichen Sitze' der Kommission, abhalten. Palästina. Die Immigrationsbewegung. 7m Novelnber sind nach Palästina über Jaffa 405 Personen, Haifa 324, Kandare und Damaskus 36, zusammen 765 P e r s 0 n e n, eingewandert Approbierung der Geulah-Gesellschaft. Die palästinensische Regierung hat die Gesellsellschaft G e u I a h als gemeinnützige Gesellschaft approbiert. Die Geulah, bisher Kommanditgesellschaft, war von den Odessaer Zionisten gegründet worden, um die Bedingungen für den Bodenerwerb in Palästina zu erforschen. Nach Gründung der Gesellschaft für Förderung d£s,Jischub arbeitete die Geulah in Kooperation mit dieser Gesellschaft und es gelang ihr, durch Erwerb von Gütern in der Nähe der jüdischen Kolonien den jüdischen Besitz in Palästina zu erweitern. Sie beteiligte sich auch am Erwerb des ersten Grundstückes für T e 1-A w i w und ermöglichte dieser Gemeinde, durch Ankauf von Gärten zwischen Tel- Awiw und dem alten Jaffa sich mit den jüdischen Ansiedlungen Newe Zedek und Newe Schalom zu vereinigen und eine autonome Gemeinde zu bilden. Die Approbierung durch die Regierung gibt der Gesellschaft die Möglichkeit, ihre Tätigkeit zu erweitern; ihr Umsatz im Laufe des Jahres 1921 erreichte die Sumlne von 100.000 Pfund. Von der „Geulah- Gesellschaft wurde folgender Bodenbesitz erworben: In Petach-Tikwah 2651, in Mcscha 308', in Reclioboth 2693. in Rischon le Zion 356. in Gederah 1761, in 3. Jänner 1922 ME ----—.'»*"'■ "V Chederah 728, in Neß Zionah 2081, ln Kfar Mall# 4400, in Kfar Uriah 5300 Dunara usw, insgesamt 21.712 Dunam Bodens. Eine Ackerbauschule des Misr&chi. Jerusalem, 1. Jänner. (J. C. B.) Wie das Zentral* Komitee des Misrachi mitteilt, steht die Gründung einer mlsrachlstlschen Ackerbauschule in Petach-Tikwah bevor. Der Misrachi beabsichtigt überdies die orthodoxen Arbeiter auf dem Lande anzusiedeln und ihnen die nötigen Instruktoren beizugeben. Rundschau. , Die Pariser Finanzkonferenz* Paris, 2. Jänner. „Echo de Paris“ bringt folgende nähere Mitteilungen über die Vorschläge, die yon der Pariser Konferenz der Finanzleute für die Sitzung des Obersten Rates vorbereitet werden; Zur Wiederaufnahme des internationalen Handels sei es unerläßlich, daß die wirtschaftspolitischen Grundsätze, ohne die Privatunternehmungen nicht bestehen können, in Zentral- und Osteuropa streng beobachtet werden. Es sei daher notwendig, daß das Privateigentum physischer und juristischer Personen, beziehungsweise die öffentlichen Schulden anerkannt und expropriierte Güter ihren Eigentümern zurückerstattet werden, yom finanzpolitischen Gesichtspunkt aus müßten entsprechende Bürgschaften zur Sicherung des Handelsverkehrs geboten werden. Wenn irgendein Lan diese Bedingungen zurückweisen sollte, würden Zentral- und Osteuropa immer tiefer sinken. Millionen Menschen würden zugrunde gehen. Die .verschiedenen notleidenden Länder seien, auf ihre eigene Kraft angewiesen, nicht imstande gewesen, ihre Wieder* aufrichtung zu bewerkstelligen. Alle Völker und alle sozialen Schichten müßten ohne Rückhalt Zusammenwirken. Der Maßstab der Beteiligung im einzelnen Falle solle durch ein französisch-englisches Komitee festgesetzt werden, dessen Aufgabe es also wäre, mit den in verschiedenen Ländern zu bildenden Finanzgruppen zu unterhandeln. Das internationale Konsortium werde wahrscheinlich in England mit Rücksicht auf dessen nur geringen Schwankungen unterliegende Valuta seinen Sitz haben. Die Konferenz von Cannes. Paris, 2. Jänner. Gestern sind in Cannes die englische Delegierten Bonar Law und Kriegsminister Worthington Evans eingetroffen. Dienstag werden 18 weitere Delegierte mit dem Minister des Acutem I,ord Curzon erwartet Briand wird morge. mit 13 Delegierten eintreffen. Am 5. Jänner treffen die japanische und die belgische Delegation ein. Die Washingtoner Konferenz. Washington, 2. Jänner. Die Konferenz nähert sich ihrem Ende. Sie wird voraussichtlich noch zwei Vollsitzungen abhalten, in welchen die noch unerledigten Marinefragen und Abmachungen in bezug auf den fernen Osten zur Erörterung gelangen. . Die französischen Wahlen verschoben* Paris, 2. Jänner. Wie „Journal des Döbats* meldet hat die Regierung die für den 8. d. M. au»» geschriebenen allgemeinen Wahlen auf den 29. d. M. verschoben. . ' *: Chinesische Finanzsorgen. London, 2V. Jänner. Infolge des Ernstes d«k finanziellen Lage beabsichtigt die Regierung, bei einem ausländischen Konsortium eine 90-Miüiooea-Dollaf* Anleihe aufzunehmen. Flutkatastrophe in China. Tausende ums Leben gekommen* Washington, 2. Jänner. (Funkspruch.) Aus China wird gemeldet, daß eine Flutwelle vpa ungeheurer "Mächtigkeit die Küstengebiete heimgesucht habe. : Tausende von Menschen kämen u m 1 Leben, der Schaden ist ungeheuer. Ukrainische Flüchtlinge «nach Amerika* Washington, 31. Dezember. (J. C. 8) Deir Warschauer Folkistenführer Noah Prilutzki wurde im Staatsdepartement empfangen, wo er mit dem Sekretär für westeuropäische Angelegenheiten Mr. Castle und mit dem . Spezialkommissär dieses. Departements Mr. Martin eine längere Besprechung wegen Einlassung von ukrainischen Flüchtlingen nach Amerika . hatte. .Die amerikanischen Beamten nahmen die Schilderungen Prilutzkis über die Leiden dieser Flüchtlinge mit der größten Aufmerksamkeit zur Kenntnis und versprachen ihm, das ihnen überreichte Memorandum dem Kongreßausschuß ■ für Einwanderungsfragen befürwortend zu übergebeit Jüdisch-ukrainische Flüchtlinge in Ost* galizien. Lemberg, 30. Dezember. (Tel. derv „Wiener Morgenzeitung“.) Das Warschauer Innenministerium hat den osfgalizischen Bezirkshauptmannschaften deh Auftrag erteilt, den Aufenthalt der Flüchtlinge aus der Ukraine in den galizischen Bezirken — Wojwodschafts* städte und Grenzbezirke ausgenommen — nicht zu behindern. Tschecho-Slowakei.