Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1052 (3.1.1922)
- Date
- 1922-01-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer K «0 ■ Wien: Zum Abholen in der | Expedition, Il.,Taborstr. 1—3, oder in einerVerschleißstelle ' (Trafik) monatlich K 1000.! MitPöstversand fiirWien upd Oesterreich monatlich K1000. Tschecho-SIowakeirMon. Krönen 20. Ungarn: Monat!; Kronen 120. Jugoslawien: Mönatl. Dinar 18. Polen*.; Mohatl. Mark 600. Deutschland: Monatlich Mark-.25. Frankreich: MonatI.Frcs.6. renrr Tscheche-Slowakei tsch. K 1 Italien: Monatlich Lire 6. Rumänien: Monatl.'Lpi 40i Schweiz und das übrige Ausland monatlich Francs Ä; Redaktion u. Administration Wien IL, Taborstrasse 1—3; Telephone: 44-073& j43-3-19, ab 6 Uhr abends 17-9-33/ Telegrammadresse: „‘Morgehzeitung“, Wien. Oesterreichisqhes Postsparkassehkönto 150.693; Nr. 105? Wien, Dienstag, 3. Jänner 1922 4. Jahrgang > Das Aufbaükönsortium, J . -ry. Wien, 3. Jänner* Es wird an der Errichtung, eines internationalen Konsortiums gearbeitet, welches/den Aufbau Mitteltind Osteuropas durchführen sqU. Finanzielle. Sachverständige mehrerer Ententestaaten haben /einen Kettungsplan ausgearbeitet,;. der .Her, niederbrech^nden Wirtschaft * Europas mit Her/gesammelten Finanzkraft, i aller entgegentreten will. Dieser ‘Plan soll zunächst’ | die .Ententtekonferenz in Cannes; beschäftigen..Ihre j Zustimmung würde besagen,, daß1 sich die .Mächte I äri die ‘Spitze "der' Aktion; stellen'/Und ihr einen' umfassenden politischen Charafcfcr/geben wollen, Die i Gründe, Le zur europäischen Misere geführthaben, : liegen auf politischem Gebiet Die UebereinStimmuhg aller Staaten/ die sieh im Sommer 1914' in dem Beschluß zur. Führung des Krieges kundgab,;hät .die; Katastrophe erzeugt und ihre/ schwersten Folgen zu bekämpfen ist nur auf der Gruncllage möglich//.den vor' sieben Jahren verlassenen; Ziistand Europas, soweit - dies heute noch ‘möglich, wiederherzüstellen. Die politischen Veränderungen /der Landkarte/ sind bm schwerwiegend genug; greifen aber ' doch nicht; So: weit in .das. Leben der’ Natjonenein, umVmibht in ihren bösartigen Wirkungen-' bekämpft '■ zu /werden. Wirtschaftsverträge, die den Geberfliiß’ des, /‘einen, Staates dorthin leiten, wo Mangel herrscht, simi/bej gutem Willem imstande, deräußersten - Not.;yprzubeiigen; Sie setzennureine genaue Aufnahme der' Rohmaterialien, eine Verbesserung der Transportmittel und' die Aufnahme’ des... ungehemmten freien Verkehrs voraus,: Dinge, .die W'MUch. gegen eine,; ver- , niiuftig. äufgefäßte Unabhängigktftidee verstoßen./ - .; // -Eine Hilfe ist ■'möglich.’.ÄiiS, die Wege, .die zu; 1 ihr. führen, sind durch das. Pchngestrüpp; dei//Wirtschaftsböstimmungen der. F.riedch^ycrträZe bis' zur; Mgängbärkeit' verrammelt. .^VeHer/Deutschland Hoch Oesterreich .Mimen die' Lasten? ,dieser' Reparationen efträg'en; -ditz 'SeparattonstendehzchT.‘m‘ Süd^eutScmaitd' umf^rdermtertetchrschen Ländern" smtTder Beweis; daß nationaler iäeahsmus /sölche/ i^ftproben/nicht); erträgt und daß dek Gedüld /<M Midens Grenzen j gesetzt sind,/ die sich nicht iii Tplitischen Ideologien; erfassen lassen, weil sie in ddi/Natur des, Menschern j liegeit//Die/jpölitiSchen Doktrinen, unserer Zeit kranken.; alle: daran, daß sie auf die seelischen, Stimmungen .der, Völker keine Rücksicht nehmen, und so zeigt uns die Entwicklung in den besiegten. Staaten, daß es unwäg-; bare und unhießbare hnponaderabjlien gibt, an die man dicht ungestraft rührt. Die preußische Gewaltmethode hat an .dieser Tatsache, ebenso Schiffbruch gelitten wie der Zarismus und das Elend der deutschen 'wiie ’ der russischen Länder Europas fließt, aus. dieser. Fehlerquelle. Die Völker sind kein einheitlich abgestimmter Organismus; sie setzen sich aus Individuen zusammen, deren Beziehungen zu einander sich durchaus nicht nach Parteiprogrammen bestimmen fassen, sondern auch von der Magenfrage, von döm Stande der1 allgemeinen Kulturbedürfnisse wie; von Angebot und Nachfrage beeinflussen lassen. > Das Gefühl der ’ Zusammengehörigßeit nach Sprache,/Blut und Tradition schafft erst in jahrhundertelangem 'Werden eineäußerliche Uebereinstimmüng in den politischen Zielen und es dauert noch weit länger, -ehe sich daraus das Bewußtsein von der Solidarität ' der Kultur entwickelt. ' Das Bekenntnis der internationalen Solidarität nimmt auch jetzt in den Plätien zur Ordnung Europas einen vornehmen Raum ein. Aber die Skepsis der Erfahrung warnt davor, hinter, diesem Bekenntnis; auch schon die Tat zu-suchen. Es wäre schon viel erreicht, wenn wenigstens , der Wille zur Tat vorhanden Wäre. jDer große Ideenkampf zwischen; Kapitalismus;;und Sozialismus hat damit nichts zu tun, denn die Heilung; Her Welt. erfordert - keine dogmatischen Grunäsätze.. |Es ist nichts weiter als das Empfinden der elementarsten Menschlichkeit notwendig/und die Praxis der I Vernunft, die der Amerikaner Hqöver in Mittejienropa und der Skandinavier Nansen . ni Rußland anwOhHet, läßt sich nirgends in die Schablone einer Partpipresse oder eines nationalistischen stdnzMtums pressen/Ttiese Menschlichkeit muß sich in politischen Formen/äüsprägen, die aber nichts .'anderes sein' dürfen als äußere Ausdrucksmittel, Heilung, des Währungselends,: Oeffnüng aller, von den Militärs ersonnenen Grenzen für den Verkehr, Regelüng des Austausches . der/Roh-' Produkte. — das mag Schwierigkeiten haben;/aper keinesfalls; unüberwindlich^, denn dje Schwierigkeiten entstammen : nur der Profitgier ^pätionälistischv/niascierter Hyänen. Wenn, die Welt;Her Gesundufig/dntgegengeführt - werden soll, muß' die Menschheit/als ( j .c Einheit behandelt jverden, innerhalb deren jedes Volk das gleiche Recht auf Sicherung seinor näfiönälen und kulturellen Eigenexistenz besitzt. Wird aßet die Unterscheidung nach Siegern und Besiegten /‘‘nach braven und bösen Völkern aüfrechtgehalten, :darin ist es schade um Papier und Tinte, ‘ , Ministerpräsident Beneseh in der Slowakei. Günstiges Ergebnis der Beratungen. Kaschau, 2. Jänner, (Tschecho-slowakisches Preßbureau.) Ministerpräsident Dr. Ben e s c h hat in Üngvar Beratungen mit den Vertretern der politischen Parteien gepflogen, um auf Grundlage* der, erhaltenen Informationen die definitiven Grundlinien zu entwerfen, die die Regierung bei der Ordnung der Verhältnisse; in Karpathoruß1 and im Einvernehmen mit den führenden lokalen Politikern einzuhalten gedenkt. Die Beratungen hatten ein für beide Teile b efri edigen^les'Ergeb hi s. Der Ministerpräsident äußerte sich Pressevertretern gegenüber in sehr g ü n s t i g e m Sinne über die bisherigen --Verhandlungen mit den' politischen Vertretern Karpathpmßlands. Die weitere Entwicklung werde zweifellos eine politische* ü n d w i r ts c h a f t l.i c h e K o n s o 1 i d i e r u n g zur Folge haben. Nach den Ereignissen in Magyarien,! nach denen für lange Zeit der Friede gesichert seir werde es möglich sein, zu 'konkreter Konsolidierungsarbeit zu schreiten. Der Ministerpräsident-habe den. Eindruck gewonnen, daß es zu einer U e b e r.e instim m u n g kommen werde, die die Grundlagefür.. Weitere Schritte der tschechoslowakischen Regierung wegen Einrichtung der A u ton o m i e bilden werde. Die Beschränkungen der Freiheit durch das S t a n d r echt und die Z e n s u*r werden in' absehbarer, Zeit aufgehoben werden, falls. die. Freiheit nicht mißbraucht werde. Neujahrsempfatig beim Bimdes« . Präsidenten. Wien,' 2. Jänner. Anläßlich des' Neujahrsfestes fand ein . feierlicher Empfang des . gesamten diplomatischen Korps durch den Bundespräisidenten Doktor H a i n i s o h im Beisein des Bundeskanzlers S c h o b e r und des Vorstandes der Präsideatsefiaftskanzlei Sektiorischefs Dr. L ö w e n t h a 1 statt. DierMissionschefs, die dem Bundespräsidenten ihre Neujahrfswühsche aussprachen, wären bei diesem Anlasse von dem diplomatischen Personal ’ihrer Missionen begleitet. - Die Pariser Finanzkonferenz. ^'' V,V Die Ästeireichischen Pfänder.i Parisj i/Jänfher» Dais ^Jottraiai,« j.qhreibt «her den Ab'Söhkiß -deir Pariser.'Konferenz, dis ’.FinHttfzleütej hätten sich auf .einige A'bäntdjerumgen des Pllames Te;r - Meuten gee3niiiglt und ihn'den gegenwärtigen Verhältuipsen as> gepa'ßt. Die Delegäerrian hätten ilnisibesoiidiere die Veripflidhit'UU'g übepnointmeu, 1 an-gfT'i*s t-i g-e Kr e dit e zu eröffnen öder KÄpitMM'zn verschaffen,; die Ankauf «viön.^R-o'h's TokTen" ‘oder zur. ^Ürvrchkühru>Lg von zur wirtschaftlichen Wisd!dräufri>ch>tU'hg^d>er/n!Ö>tleideu.den Länidch unerläßlichen' Arbeiten 'niotwendiK'seien!. Wenn das Kousortium Me Loh eins in! 11 eLv?e r so^rgu n g Oesterreiehs, das am diringemdlsiten' der. Hilfe bedürfe, übernehme, werde es mit den Importeuren direkt, über die Liefer.uin'gsb.edtügunigett verhaindeßin. 'Oesterreicshisdie' Kamfil'eute würden ata die Regierung heran treten beihufe Stellung von Sichierheitein, wobei hn Zölle-qder gewisse A b g a b e n oder M o n o «p oj e r t r ä g n i s s e oder I n d u s t r-i e h o m z e s s i o n e tl ' ge.dadhit wird. Die Krise in der kommunistischen Partei Deutschlands. Berlin, 2. Jänner. (WM.) Der geinaßregelte Füjirer der K. P. D. Ernst Friesland hat zu seiner Rechtfertigung eine Druckschrift mit der Heberschrift „Zur Krise ( unserer Partei“ erscheinen lassen, aus der der „Vorwärts“ einen Auszug veröffentlicht. Danach . erklärt Friesland, . daß durch die Enthüllung des „Vorwärts“ die Heberzeugung, daß „die Andeutung Dr. Levys in seiner Broschüre eine lügenhafte Erfindung sei, bei der gesamten Mitgliedschaft' aufs schwerste erschüttert worden sei. Die Schrift bringt einen von Braß, Friesland und Maltzahn Unterzeichneten Aufruf, worin erklärt wird,, daß, die Politik der Zentrale die Partei in eine schwere Krise stürze, an deren Ende der Verfall stehe: Es wird verlangt, daß die Diktaturmethoden der Zentrale und die Ausschaltung der Demokratie beseitigt werden. Die jetzige Krise der K. P. p. sei der Bankrott des Gedankens, eine Arbeiterpartei mit diktatorischen Mitteln leiten zu wollen. _ Oie jüdische Emigration. v. Danzig, 1. Jänner; (J. C. BJ), Aus;. Polen, Rumänien und der Tschecho-Slowakei werden bis Juli 1922 keine Emigranten in die Veireihlgten Staaten hilieingelassen werden. Bloß aus den r q s.s i s c h e n R a n d s t a a t e il können noch 20.0 00 E m ig:r. a n t e n die Paßvisa nach Amerika /erhalten, aber nur solche, die im Besitze von .Affidavits aus Amerika sind. - _. .;" Militärische Amnestie in Frankreich/ Paris, 2 Jänner. (Havas.) Der Ministerrat hat den Militäraninestlegesetzentwurf Im allgemeinen festgestellt, der der Kammer bei ihrem Wiederzusaiumentritt vorgelegt wiirden wird. Besuch des High Commissioner in Sichron Jakob.; i Jerusalem, 31. Dezember. (J. C. B.) D,er Higli/ GÖnimissioner besuchte in Begleitung des Gouverneurs' yon Haifa und des Distriktkommandanten die Kolonie S i ch ro n J acob, wo er vpm Vorstand ' der Kolonie und vom arabischen Mukhtär begrüßt wurde; Die Vertreter beider Völker wiesen äuf die erfreuliche. Tatsache hin, daß in ihren Distrikten z w. i sehen Afa.b.ern und Juden Friede und; F r e u n a s c h a f t herrschen. Der arabische Mukhtar las einen von fünf arabischen Persönlichkeiten . Unterzeichneten Brief vor, in dem diese ihre Zufriedenheit mit den jüdischen Nachbarn und mit deren Leistungen bekunden. Der Gberkomtesär dankte den Rednern für den/' Empfang und sprach seine Freude über das‘gute Einvernehmen zwischen Juden und Arabern aus. Sfch zu* Hen Juden wendend sagte er: „Als ich sah, daß Sie in Ihren Schulen auch die arabischen Kinder unterrichten, dann empfand ich auch, daß Sie wohl verstehen den richtigen Weg einzuschlagen“. Den Arabern Sägte er : „Sie können versichert sein, wenn wir der. M|mung wären, daß die Einwanderung der Juden den KHbern schädlich sei, so würden wir die Imnigration einstellen. Da wir aber die klare Heberzeugung haben/ Haß das Gegenteil davon wahr sei, wollen/wir unsere, gegenwärtige Politik kortsetzen. Ich bin überzeugt, daß jene, die durch falsche Berichte zu dem Angriff auf Chederäh irregeleitet worden sind, nunmehr ihre Tat bedauern.“ Die Autonomieverhandlungen in Trient. Den „Innsbrucker Nachrichten“ wird aus Bozen über die Autonomieverhandlungen in Trient berichtet : In der unter dem Vorsitz des Generalkommissärs C r e d a r o abgehaltenen ersten Sitzung der beratenden Landeskommission wurde beschlossen, einen Verfassungsaüssclmß' zur. Behandlung der eigentlichen Autonomiearigelegenheiten einzusetzen. Pfarrer Habicher verlangte für die künftigen Beratungen die doppelsprächige Ausfertigung der Akten, was der Generalkommissär zusagte. Sodann wurden . die Fragen der Ausdehnung der Gesetze über die-Arbeitslosenversicherung, über' die öffentliche Sicherheit und über die Vermögensabgabe auf Südtirol besprochen. Bei ‘Erörterung der Vermögensabgabe stellte sich die Kommission dul den Standpunkt, daß von der Ausdehnung der Vermögensabgabe auf die neuen Gebiete unbedingt abgesehen werden müsse, da diese durch die Verluste bei der Umwechslung, bei den Wertpapieren und bei den Titeln aller Art ohnehin schon eine Vermögensabgabe schwerster- Art geleistet haben. _ Bombenattentat. * Dinkelsbühl, 2. Jänner. (Wolff.) In der Silvester* nacht nach 12 Uhr warf auf dem Marktplatz vor der Kirche, wo eine große Menschenmenge den von dem Türme von einem Bläserchor vorgetragenen Chorälen lauschte, ein junger Mann eine selbstverfertigte Dyn amitbombe in die Menge. Nach; deif bisherigen Feststellungen wurden mindestens 50 Perso n e n verletzt, darunter 20 schwer. Das Attentat/war anscheinend gegen die Schutzleute gerichtet Eine Anzahl von Personen wurde verhaftet. Das englisch-irische Abkommen. . . London, 2. Jänner. (Funkspruch.) Morgen tritt der, irische Landtag zusammen; alle Zeitungen geben der Annahme Ausdruck, daß das englisch-irische Ah- \ kommen mit geringer Mehrheit wird ratifiziert werden.