Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1050 (1.1.1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 8 Wien, Sonntag Interesse durchzusetzen. Hat man seit Monaten nicht - stets verkündet, ohne den formellen Verzicht Amerikas könne es keine Kreditegeben? Dem geschickten Unterhändler ist es gelungen, eine Interpretation des Friedensvertrages ausfindig zu machen, die die Herbei* Schaffung von drei Millionen Pfand auf der Basis einer Verpfändung der Gobelins ermöglichen würde, indes die Amerikaner weiter ihre Beratungen über die Melton-Bill ins Endlose ausdehnen dürfen, ohne daß dem Respekt vor ihrer Abfälligen Entscheidung Abbruch geschähe, Dabei ist es recht: auf*, fällig, daß im Hinblick auf den Widerstand' der Künsilerkreise erklärt wird, es müßten nicht unbedt gt die Gobelins sein, auf die man uns Geld borgen will, denn den in Bereitschaft stehenden Gläubigern wäre eigentlich das Tabak* oder Z o 11 g e f ä 11 e. viel lieber. Und es wird nicht hinzugefügt, daß die Geber-? gäbe der Zölle oder des Tabakmonopols, solange das Generalpfandrecht nicht endgültig aufgehoben ist, leider, nicht in Frage komme, es werden nur Gründe d e r ■ Zweckmäßigkeit und der höheren Interessen des österreichischen Staates für die Gobelin 8 und gegen die Gefällsverpfändu n g ihs; Treffen geführt. .;' ’. . Das heißt: Die Reparationskommissipn, deren'; Allmacht uns bisher umschattete, und die Gläubiger,; deren Schatten trotz des Völkerbundes niemals wahr*-; zunehmen war, sie können so und können auch anders.- Das „Anders“ hat Dr, Rosenberg durchzusetzen gewußt, aber das Geschenk, das er damit der Be-?’ vöikerung zu bringen glaubte, hat nicht jene Aufnahmegefunden, auf die er gerechnet haben mochte. Es ist die ' Furcht rege geworden, daß man es wiederum mit einem1 Konsumtivkredit zu tun habe, nach dessen Aufzehrung wir wiederum dort stünden, wo wir vor der Verpfändung1 ' gestanden haben, mit dem Unterschiede, daß wir darin' auch die Gobelins nicht mehr besitzen Würden. Vergebens läßt er erklären, daß der Kredit zum Zwecke; der K r o n e n s t a b ii 1 s i e r u n g verwendet werden solle — sein Ruf verhallt ungehürt. Es äußert sich hierin; das nicht zu verscheuchende Mißtraue^ gegen die Geschicklichkeit der Finanzverwältung,- eine solche Stabilisierung, die wohl leicht zu versprechen ist, auch durchzuführen. Und Dr. Rosenberg ist zu kurze Zeit Berater des Finanzministeriums, als daß man ihm?U* trauen würde,- was man dem anderen nicht glaubt. Aber gerade die breiteste Oeffentiichkeit hätte allen Grund, der so nebenbei hingeworfenen- Bemerkung über die Stabilisierung die gespannteste', Aufmerksamkeit zu schenken und sich mit dem Oedanken, vertraut zu machen, daß dies die Aufgabe und das Ziel des nächsten Jahres sein wird, Penn nicht die Hebung des Kronenkurses bedeutet die Rettung, sondern dessen Behauptung auf einem be* stimmten und sei es auch dem gegenwärtigen Niveau; Die Krone ist seit dem Herbst auf das Zehnte! ihres Wertes gesunken, aber es läßt sich nicht leugnen, daß sich eine gewisse Anpassung der Löhne und Gehälter •an die Preise und der Preise an den gesunkenen Geldwert vollzogen hat, Man ist sq ziemlich vor Ueberraschungen sicher, wenn man eine heute nicht bezogene Ware sich erst morgen verschaffen will und weiß, wie hoch das Ausgabenbudget im Privathaushalt sein darf, ohne daß der Einkommensetat durch; die unausgesetzt in die Höhe strebenden Preise von Tag zu Tag über den Haufen geworfen werde. Gelänge es^ die Krone zu stabilisieren, so wäre der , großen Masse der Bevölkerung eine Atempause vergönnt, die fast einem Wiederaufleben gleichzusetzen wäre, Wovon, aber hängt die Stabilisierung ab? Die Antwort liegt Idar zutage: Es dürfen keine neuen- Notenmassen; gedruckt werden und man müßte sich mit den Vorhandenen 140 Milliarden begnügen. Der Stabilisierung' des Kronenkurses hat die S t a b i 1 i 5 i e r u n g d e s Notenumlaufes voranzugehen. Kann dies die’ Finanzverwaltung garantieren? -; Sie verweist darauf, daß der Abbau der Lebens* nittelzuschüsse dem Staate etwa 42 Milliarden jährlich ersparen werde, also die künftige Note n- Inflation um diesen Betrag vermindert werden wird. Aber gerade der Umstand, daß noch mit einer künftigen Notenvermehrung zu rechnen ,ist, stellt der Stabilisierung keine günstige Prognose, wobei insbesondere darauf Nachdruck gelegt werden muß, daß; der teilweise Abbau der Lebensmittelzuschüsse im Grunde genommen ein vollständiger ist für Fett und Mehl kommen sie überhaupt nichtmehr in Frage, die Zuschüsse für Brot sind aber relativ so gering und an eine so kurze Frist gebunden, daß' sie eigentlich nur aus technischen Gründen -für diese kurze Zeit aufrechterhalten wurden. Noch bedenklicher ist die Tatsache, daß mitten in der deflatorischen Tätigkeit der Finanzverwaltung, die in der Durchsetzung der Einstellung der Lebensmittelrente ihre höchsten Triumphe feiern darf, die Finanzverwaltung selbst die Schatten der neuen Inflation her auf beschworen hat, Die Steigerung der Einnahmen in allen Ehren, aber die Fortsetzung der alten- Tarif- und G e b ü h r e n p o 1 j 11 k durch lineare Erhöhungen ist mit der Deflation unvereinbar, Auf diese Weise wird nur der Ueberwälzungspofllik Vorschub geleistet, wird die Notenvermehrung künstlich gezüchtet, wird der Abbau der Preise, der mit einer richtige \. Deflation Hand in Hand gehen muß, verhindert. Die Erhöhung der Tarife auf den Eisenbahnen und parallel damit die Verteuerung des Tramwaypreises (und der Preise für Sfr m und Gas), sie sind der Vorläufer einer neuen Teuerung, der man - mit Besorgnis entgegensehen darf und die alle bisherigen Erfolge der defialionistischen Finanzpolitik, die in einer Senkung der Valutenkurse am Ende des alten Jahres zum Ausdrucke kam, zunichte machen muß. Die Börse hat die -Mitteilungen über den Gobelin* Kredit freundlich oder, wenn man will, recht unfreundlich aufgenommen. Unfreundlich in dem Sinne, daß sie WTENEfc MORGENZEITUNG | BÖrsen-KommlssIonsgcsehgrs und i; Rksriksssswvs WM« so Ä £©, ' f ,; HoHai8staMg$nga»»e 11 4027 sich nicht veranlaßt sah, das Fahrwasser der Hausse Z.U verlassen, freundlich, wenn man die Hausse der Effekten. —, die Valutenhausse ist ihr durch die staats* finanziellen Maßnahmen unmöglich gemacht worden — als den Intentionen des Finanzmini.sters entsprechend auslegen will,: Charakteristisch ist, daß trotz der technischen" Geldknappheit,' die so empfindlich geworden ist,' daß die Oesterreiehfsch-ungarische Bank sie mit Hilfe von Kassenscheinen zu lindern suchte,’ Geld für Effqkfentransaktlonen bei den Banke: und Bankhäusern so reichlich zufließh daß von einer Geidplethora gesprochen werden kann, Die neue Hausse kommt den Banken recht ungelegen . w man möchte gern speziell für die Bankenaktien niedrige Bilänzkurse haben aber es nützt nichts, wenn die-Institute in der Kulisse ihrer Aktieh Kommissionäre hinstellen, die einen Kurs zur Au§wahlbieteh,dirum:eiheinhäfb:hundertKrönehniedrigQr ist, als die Nachfrage, zu bewilligen bereit wäre, Man kann nicht gegen , den, Strom schwimmen, noch viel weniger darf man sieh einbilden, daß man ihn dadurch aufhält Neue.. Üeberraschungen durch die Finanz« Verwaltung hat der Geldmarkt bis zum!ö. Jänner ■**.. bis zum Zusammentritt; des Nationalrates — nicht zu befürchten, Die Börse nützt die ihr gewährte Ruhe-? pause aus. - . . ■ .., «d!«*, Die Wirtschaftslage Palästinas. . Unser Berichterstatter in Jerusalem schreibt uns: Die ökonomische Lage Erez Israels ist infolge der Fluktuationen im mittleren Osten (Aegypten, Syrien, Dürfen, Tranejordanien)< der; aoeht nicht geklärten Mäh-' datsfrage und infolge ’ der allgemeinen Weltkrisis, nicht semglänzend. Wohl erreichten die" Zahlen der Ein- und der Ausfuhr eine ungeahnte Höhe, auch wurden neue Betriebszweige ins« Leben gerufen (zum Beispiel die Tabakkultur in Verbindung mit einer jüdischen Rauchwarenfabrik als Folge des aufgehobenen Tabakirtonopols); aber von einem ernsten Aufschwung kann man noch nicht sprechen, solange die zwei wichtigsten Voraussetzungen fehlen: erstens ein ausreichender, leicht erhältlicher Kredit für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, der der enormen Geldknappheit abhelfen sollte, * und zweitens die Eröffnung des Weltmarktes für die Erzeugnisse unseres Landes (Getreide, Wein und Südfrüchte), was natürlich von der finanziellen Lage Mittel- und Osteuropas abhängt Es ist unmöglich, irgendetwas?U unternehmen, ohne bald durch den Geldmangel zum Stehenbleiben gezwungen zu werden: namentiich'güt dies für den Bäus er bau, die wichtigste Bedingungen bei der Unterbringung der neu Angekommenen. Ein jüdischer-Arcbtekt aus Berlin, der bereits mehrere Häuser in Tei-Awiw errichtete und die Verhältnisse auf bautechnischem Gebiet kennt, meinte kürzlich, die Wohnungsnot drohe sich zu einer Katastrophe anzuwachsen;; denn es kommen viel mehr Einwanderer mit ungenügenden Mitteln zum Errichten-eines eigenen Hauses an, als Mjethäuser erbaut werden können; und selbst die bereits er- : bauten Wohnungen haben schwer unter der Schuldenlast; ZU Vagen.. Pin A, P. CA ist infolge unzureichender Mittel außerstande, gründliche Abhilfe zu schaffen. Staatliche; Bänken gibt es hoch nicht für diese Zwecke, weil England noch auf die . Entscheidung des' Völkerbundes warten muß, bevor Cs größere Barbeträge her übergingt..’ Und deshalb §t°ckt die Bautätigkeit, deshalb sind d e meisten Landwirte verschuldet, daher die große Arbeitslösigkeft. Eines könnte uns Juden und mit uns auch unser Land : retten. Es müßten unsere 14 Millionen Brüder - der ge- samten Welt aufwachen .Und endlich in opferwillige Tätigkeit : treten, den so dringend notwendigen Keren Haj esso d; im Erstbetrage ‘ von 23 Millionen Pfund zusammenbringen; I auch müßten die reichen Juden im Ausland endlich eln- ’ sehen, daß Brez Israel ihnen eine sicherere Kapitalsaulage und. eine sorgenfreiere Zukunft bieten kann als die europäischen Länder, Witz schön, wie nützlich wäre es, wenn : im Verhä’nis zu zehn besitzlosen Chaluzim zumindest ein ■ kapitalskräftiger Jude in J ffa landen würde! Oder warten die letzterem bis.es zu spät für sie dort und für uns hier; wird in den ersten Dezember-Tagen fand in Haifa unter Vorsitz Sjr Herbert Samuels die Tagung der dortigen Handels kämm e r statt. Wie in Jaffa im Juni, versuchten auch in Haifa einige arabische Delegierte, dem Hebräischen das Recht abzusprechen, und forderten vom Oberkommissär, die Verhandlungen sollten in englischer und arabischer Sprache stattfinden, Wie bei der Jaffaer Tagung der Handelskammer, so erfüllte auch diesmal der Oberkommissär den Herren ihren Wunsch nicht und ließ die jüdischen Kaufl'eute Hebräisch sprechen; er begründete dies mit der Bemerkung, die Juden hätten hier die gleichen Rechte wie jeder andere. Bei dieser Konferenz wurden ökonomisch wichtige Beschlüsse gefaßt, so zum Beispiel über den demnächst zu beginnenden H ä f e n b a u in Haifa, über die Abschaffung des Ein* und Ausfuhrzolles von und nach Syrien, wodurch q§ möglich sein wird, viel und billiges Hpiz . ins Land zu bringen, Abschaffung ge- , wisser stempeigebüjiren, die das Wirtschaftsleben drücken,’ und anderes mehr. Der Oberkommissärbesuchte aM mehrere jüdische Fabriken und Ateliers in Haifa und drüWe seine . Bewunderung über die segensreich« Tätigkeit der. Juden in dieser Stadt aus, wo sie kaum ’ mehr als 10% der Bevölkerung ausmachen, Ebenso überrascht war er, als er die prachtvolle Sammlung der aus Amerika übersandten landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte besichtigte, die der Landwirtschaft in den gaJilüischen Kolonien eine ungeahnte Erleichterung und Aufschwung bringen sollen. Pie Arbeitsverhältnisso im ganzen Lande, von einer Ausnahme abgesehen, sind keine sehr günstigen. In den Kolonien ist derzeit wenig Arbeit vorhanden, da außer Ackerbau und Wintersaat infolge des Regens keine Tillisr- 1. Jänner 1923_Nr. 1050 keit möglich Ist; viele landwirtschaftliche Arbeiter wurdet! entlassen und überfüllen die Helme in den Städten. Dazu kommt, daß die Straßenbäuarbeiten, an denen einige tausend Chaluzim beschäftigt waren, langsam fertiggestellt werden und neue Arbeiten wegen Geldmangels von der Regierung nicht, aufgenommen werden, so daß jetzt viele jüdische Arbeiter, die auf diese Weise ein Jahr lang Ihr Brot verdienten, müßig herumgehen werden. Wohl nimmt . die zionistische Exekutive in Jerusalem (wie. der Waad Hazirim von nun an heißt) sehr große, bedeutsame. Arbeiten in Aussicht, zum Beispiel Pflanzungsarbeiten ln Kirjathjearim (Djlb) und Ben Sch eine n; doch fehlt-derzeit noch das nötige Geld und alles erJ wartet gespannt auf den Ausgang der Sokolow-Wär-I burgsohen Propagandareise in Amerika; die, wie bereits zum Telle bekannt, große Beträge für den Keren Hajessod zusammenbringen werden. Ich-sprach oben von einer A u s n a hm e bei der Arbeitslosigkeit. Es ist dies die Perle des Jischub, die erste und leider noeih einzige hebräische Stadt Erez Israels und:der Welt, T e 1 - A w i w. Obwohl erst zwölf Jahre alt, ist es heute dieschönste und bequemste Stadt des Landes geworden. Sie ist fortwährend* im Wachsen be-» griffen 5: allein im Jahre 1921. wurden, trotz der nach den träurfgen Mai-Ereignissen durchgemachten Panik, ü b et- 200 n. e.u e H ä u s e r' errichtet, wobei zu bemerken ist,- daß man-erst die Ziegel selbst hersteilen muß, weil in dem sandigen Gebiete um Jaffa Steine äußerst selten . *sindi Wenn nun ärst die Ziegel-, Beton- und Kunsteinfabrik „Silikat“, an der auch der Wiener Zionist und Großindustrielle Krernenezky beteiligt. ist, zu arbeiten beginnen wird — voraussichtlich im Frühjahr dann wird das Häuserbauen erst recht rege werden. Gegenwärtig sind an die tausend Chaluzim beim Bau von rund 50 Häusern, beschäftigt; dieselben wackeren Burschen errichteten auch die genannten 200 Häuser während der heißen Sommer* monatei. ebenso wie sie nun im Regen adelten,' Es wärq. für gär. manche Wiener „Israeliten“ und andere Antisemiten eine ganz .interessante Sache, diese hebräischsprechenden, schwer arbeitenden Juden sich einmal angusehen ,.v-. Die modernen § e e b a d e i u r I c h t u 11 g c n am, Strande- Tel-Awiws sind der Fertigstellung nahe und .der Betrieb wird voraussichtlich im April <J. J. aufgenommen werden. Diese Neuerung, die keine andere Seestadt des Landes: aufweisen kann, .zusammen mit dem bisherigen Rufe Tel-Awiws' als reinliche, schöne und gesunde Gartenstadt, wird zweifellos einen großen Reiz auf: die T 0 u r if t 0 U ausüben und aus dieser hebräischen Stadt einen Anziehungspunkt für Juden und Nichtjuden, namentlich aber ein angenehmen? Heim für Me diejenigen unserer Brüder im Auslands werden; ..die in Erez Israel ihr zukünftiges dauerndes Vaterland zu finden entschlossen sind. Pitz Herabsetzung der Wertzuwachs» aSgabe. . Das Verwaltungsjahr 1922 wird von der. städtischen Finanzverwaltung in ung^ohnter- Weise eingeleitet.^efdetit Wie'wir erfahren, besteht die Absicht, hoch im Jänner dem, Landtag ein Gesetz ZU unterbreiten, durch das eine wesentliche Herabsetzung der derzeit geltenden Wertzuwachsabgahe bewirkt werden soll, Man gibt sich im Rat», haus keiner Täuschung-darüber hin, daß gegenwärtig nur ein ganz verschwindend kleiner Teil der 'tatsächlich voll* zogeneu Haus- und Grün d V tz r k 3 u f e mit den wirklich he? ihitgn Preisen einbekannt wird. Es besteht die Absicht, in diesem besonderen F~lie der. schlechten Steuers moral nicht durch Strafen. beizukommen, sondern durch eine Neur eg q 1 u n g d e r Abgabesätze und gleichzeitige Festsetzung des Ei ntrittsrechtes d e r G e m e i n d e in den vollzogenen Kauf die direkte Abfuhr der Steuer zu 'erzielen. Die Wertzuwachsabgabo ist, so wird von maßgebender Seite ajs Begründung, des geplanten Novellierung äusgeführt, unter ganz anderen Verhältnissen und Voraussetzungen" geschaffen worden, wi@ sie gegenwärtig bestehen. Der ursprüngliche Gedanke bei Formung .dieser Steuer auswärts und in Wien ist der gewesen, e’nen Teil jen?r . Wertvermehrung <füi! die Gemeinde zu erfassen,, den Gründ und Boden qnd,dl« darauf befindlichen Gebäude im Laufe der Jahreaber- Rege! ohne jedes Luttzn d?s Besitzers erfährt, einfach . dadurch, daß das Stadtgebiet sich überhaupt ausdehnt, Aecker, Wiesen und Weingärten zu Baugriind'wercten, durch - -Straßenzüge,' Gartenanlage,n, . dureh Ausdehnung: der »Versorgung mit Wasser, Elektrizität oder Gas, durch Führung von Straßenbahnlinien, die Realitäten inv Preise steigen. Das sind nicht Leistungen und Lasten eines einzelnen,' sondern der Allgemeinheit^ die dagegen das Recht fiat, an dem von ihr geschaffenen Mehrwert zumindest teil unehmen. Heute liegen die Dinge so, daß der Verkäufer' eines Hauses, trotz des Mieterschutzgesetzes, das die Entwicklung der. ErtrMßfälFgke't hindert, ganz wesent-, lieh m eh r Krön e n bekommt, als er seinerzeit, für den Bau Oder Kauf verausgabt, hat- Wenn beispieiweise vor Kriegsausbruch ein etwa im Jahre 1908 errichtetes Gebäude, das damals K 100.000 Kosten verursacht hat, im Jahre 1918 um K 150.000 verkauft wurde, so waren es eben in beiden kälten Goldkronen., v'-e Gemeinde konnte mH Recht eineg Orheblichen Teil dieses Gewinnes in Form der Wert*, zuwaehssteuer an sich ziehen. Erzielt aber derzeit ein Objekt, das 1908 mit K 100.000 bewertet wurde, einen weit höheren Preis, so ist bloß .ein Teil der Differenz der eingangs dargelegten-Gründen zuzusclireiben. Ein anderer erheblicher Teil aber findet seine Begründung darin, daß an Stelle der einstigen guten Kronen heute sehr schlechte Krönen im Umlauf sind, Diese Tatsache hat förmlich zwangsläufig dazu geführt, , daß die, landest üblich« schlechte Steuermorai keine ausreichende Erklärung bietet. Deshalb besieht auch die Absicht, Künftighin z w.ei 8 k i l e n zur Anwendung zu bringen, die eitierfür. Häuser'und Grundstücke, di« vor Ende 1918 zü.etzt ihren Besitzer gewechselt haben, und eine andere -für spätere. Erwerbungen. Für die erste Kategorie sollen die bisherigen Ansätze eine sehr erhebliche Ermäßigung erfahren. Hingegen Ut geplant, die zumeist rein spekulativen Transaktionen und überauss häufigen Besitzveränderungen nach Beginn des Währungszuaammenbruches stärker heran*« zuzlehdn als bisher. Im Zusammenhang damit besteht di« Absicht, für die Gern ein de dasEin trittsrecht in den vollzogenen* Kauf gesetzlich festzulegen» Innerhalb einer bestimmten Frist soll die Gemeinde die Möglichkeit haben,: zu erklären, daß sie zu gleichen Bedingungen das Objekt erwirbt. Ist dar Preis der Wahrheit entsprechend einbekannt, so geschieht dem Verkäufer damit natürlich gar kein Unrecht. Die Kronen der Gemeinde sind nicht schlechter als die eines jeden anderen Käufers. Ausgenommen davon sollen die Verkäufe zwischen Verwandten nahen Grades sein. Diese Maßnahme wird natürlich ein sehr starker Antrieb sein, ehrliche Kaufverträge abzu* schließen 1