Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-12-28 · Heft 1046 (28.12.1921) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1046 (28.12.1921)
Date
1921-12-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2980125--09778-2996063
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

WTENEfc RtÖRGEWZßmnvra 2£; Dezember T921 Nfn W4ö Seite L Wien, Mfttwodfr \f----■-- - --' - - - - Oesterreich. Verpfändung der Gobelins. Wien, 27. Dezember. (Tel.-Koff.-Buf*) Die österreichische Regierung hat durch Dr. Rosenberg an die Repafatlonskömmlssion das Ansuchen gestellt, ihr bis zur definitiven Rückstellung des Qeneralpfandrechtes die Aufnahme eines I n t e r i mV o? Schusses von 3 Millionen Pfund Sterling durch Freigabe von Aktiven zu ermöglichen. Die Reparation«- ko m Mission hat sich bereit erklärt, zu diesem Zwecke die Gobelin s und eventuell auch andere P i ä n d e r i r e i z u g e b e n. Die Verhandlungen wegen Aufnahme eines Anlehens auf dieser Grundlage werden nach Neujahr fortgesetzt werden. Der österreichische Gesandte in London F r a n c k enstein wurde am 23. Dezember von dem englischen Ministerpräsidenten Lloyd George empfangen, wobei er diesem die gegenwärtige Situation Oesterreichs und insbesondere den Stand der Kreditfrage eingehend darlegte. Inkrafttreten der Beschlüsse von Portorose. Rom, 27. Dezember. (Tel.-Komp.) Im Jänner wird der Beschluß der Konferenz von Portorose 4n Kraft treten, wonach das gesamte Eisenbahnmaterial der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie unter der vorläufigen Eisenbahnmarke des wirklichen Inhaberstaates in ganz Europa frei verkehren kann. Die Grenzbahnhöfe der Nachfolgestaaten werden dem internationalen Güterverkehr geöffnet und der direkte internationale Reisenden- und Güterverkehr wird wieder aufgenommen. Transporte von Lebensmitteln und Vieh werden beschleunigt und auch der Postverkehr wird geregelt werderr. Oedenburg wird Ungarn übergeben. Budapest, 26. Dezember. Aus Oedenburg wird gemeldet: Die interalliierte Ge-nerals’kommissioin hat am 2Z. <i. M. folgende Ku^ma-drang erfassen: Die interalliierte Generalskommission bestätigt dlas durch die Zentral'kommisaiöin am i8. d. M. veröffentlichte Ergebnis der Volkscabstimnnwi'g. Dieses Ergebnis wurde vom Botsolvafterrafc gutgeheißen. Demzufolge iind kn Sän-ne des Abkommens von Venedig gelangt «las Abstimmungsgebiet in den Besitz Ungarns, welcher Sta-at dieses Gebiet von der interalliierten GoneraiskoimmiGsi'yn am I. Jänn-er 1922 frbemebmen wird. Geiz. F e r r a r i o, Vorsitzender der interalliiertem Generalskommtssiom. Anmerkung der amtlichen NachrlchtensteKe: Der in dieser Mehwig erwähnte Beschluß der Botsohaf;erkonfemiz ist hier n och nicht amtlich übermittelt worden. Bekammtlieh hat Oesterreich bei der Botschafterkn<nferenz und bei den Mächten Schritte liegen die Art und Werse der Durchführung der Volksabstimmung in Oedemburg unternommen und in einem Memoire, du» ebenfalls der Botsohiafterkonfcrörtz und den Mächten übermittelt wurde, seinen Reebbsutandpunikt und seine Beschwerden neuerlich wiederholt. Sollte die hier wiedergegebeme Meldung in ihiremt Inhalt zu treffen, so müßte schön jetzt dem Bedauern Ausdruck gegeben werden,‘daß die Mächte, die gegenwärtig die entscheidende Instanz der WeUpollfcSk dar- wellen, die von Oesterreich in der wesiungari-ichen Frage immer bewiesene Loyalität nicht gewürdigt und den Beschwerden über das sagentunstte Plebiszit nieht Lechimuutg getragen halber,. Vanderlip über die Teuerungskrawalle in Wien. New York, 15. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Vor einigen Tagen veranstaltete die hiesige Finanzwelt ein Bankett zu Ehren des vor kurzem von seiner Europa-Reise zuriiekgekehrten Bankiers Vanderllp. In einer längeren Rede schilderte Vanderlip die Ursachen der letzten Teuerungskrawaüe in Wie n. Unter anderem führte er aus, daß In Europa eine Gruppe von Finanzleuten Oesterreich einen Kredit von 35 Mi llionen Dollar .gegen entsprechende Garantien gewähren wollte. Um diese Anleihe zu ermöglichen, erklärten sich alle Staaten bereit, die ihnen von Oesterreich zu leistenden Kriegs-? schulden zu stunden. Der einzige Staat, der diese Schuldenstundung nicht bestätigte, war Amerika, dem Oesterreich 24 Millionen Dollar schuldet Diese Summe sei im Vergleich zu den 10 Milliarden Dollar, die Europa Amerika schuldet und für di? an Ansen allein 100 Millionen Dollar gezahlt werden, eine geradezu lächerliche Summe. Das-Gesetz, welches die Stundung dieser 10-Milliarden-SchuId* Europas bezweckt, in . weicher Summe auch die österreichische 24-Miliionen-Schuld enthalten ist, wurde aber vom Washingtoner Kongreß abgelehnt und so konnte also Amerika die Stundung der österreichischen Schuld nicht bewilligen. Diesem Umstande zufolge wurde auch die ganze Kreditaktion für Oesterreich hinfällig und Oesterreichs wirtschaftliche Lage verschlimmerte sich von Tag zu Tag. Die Teuerung wuchs infolge der Valutaentwertung ins Unermeßliche und führte zu den Krawallen am 1. Dezember. So Ist Amerika, nach Vanderlips Meinung, für die H u n g e r k r a w a 11 e, die nur Amerikas Gleichgültigkeit gegenüber Oesterreichs Leiden verursacht hatte, verantwortlich. Die Ausführungen Vanderlips, der in der amerikanischen Finanzweit als bes'er Kenner der europäischen Wirtschaftsverhältnisse gilt, hinterlleße 1 auf die versammelten Bankiers einen nachhaltigen Eindruck. Neuer deutscher Gesandter in Wien. Berlin, 27. Dezember. (Wölfl.) Zum Gesandten in Wien ist der bisherige Schriftführer im Reichstag Abgeordneter Dr. Maximilian Pfeiffer ernannt worden. Jugoslawien. König Alexander I. Belgrad, 2& Dezember. (Preßtiuf. Belgrad.) ln der heutigen Mlüisterratssitzüng teilte Ministerpräsident Pasic mit, daß def K Ö n i g den Kämen Alexander!, führen werde. Nach der Bildung des neuen Kabinetts und der Unterzeichnung der neuen Ministerllste durch den König überreichte Kriegsminister Generäl Z e c e V i c seine Demission. Polen. Keine neuen Finanzgesetze. Warschau, 27.# Dezember. (Tel.-Kömp,) Finanz-, minister Michalski gedenkt nach den Weihnachtsferien keine neuen Finanzvorlagen einzubringen und wird sich jetzt ganz der Durchführung der bereits beschlossenen Gesetze widmen. Einem Interviewer erklärte der Finanzminister, daß sich der Bchuiüenstand des Staates bei der Darlehenskasse ständig vermindere. Was den Beamtenabbau anlange, erklärte, er, daß in allen Bezirken besondere Bürgerkomitees gebildet werden sollen, welche in der Frage des Beamtenabbaues Gutachten abgeben werden. Ungarn. Enthaftung Amnestierter. Budapest, 27. Dezember. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Auf Grund des Amnestie-Erlasses wurden aus den Landesstrafanstalten und aus den Budapester Gefängnissen bisher insgesamt 629 Verurteilte und Verdächtige frei gelassen. Die Uebeiprilfung der Angelegenheiten anderer Verurteilter, die der Amnestie ebenfalls würdig erscheinen, ist im Zuge. Beniczky enthaftet. Budapest, 27. Dezember. (U. T.-K.-B.) Der Untersuchungsrichter hat das Verfahren gegen den Abgeordneten Beniczky eingestellt und sofort dessen Enthaftung angeordnet. Beniczky hat heute morgens das Gefängnis verlassen. DJ~ Affäre der Miskolczer jüdischen Studenten. Budapest, 26. Dezember. (Eigenber'cht der „Wiener Morgenzeitung“.) Die Eltern der, wie berichtet, gemaßregelten jüdischen Schüler des Miskolczer Obergymnasiums sind durchaus nicht geneigt, sich in das parteiische Urteil des Professorenkollegiums und des Kultusministers zu fügen. Ueberall, selbst in durchaus nicht judenfreundlichen Kreisen, wjj-ddas Urteil, dufch welches die jüdischen Studenten, die in Notwehr handelten, aus den Mittelschulen ausgewiesen wurden, als e | n e schreiende U ngerechtigkeit und eins offenkundige Konzession an die „Erwachenden Ungarn“ bezeichnet. Die Eltern der vom Urteil betroffenen Schüler haben um eine Audienz beim Minister für Kultus und Unterricht angesucht, um ihn unter Darlegung des wahren Sachverhalts zur Aufhebung oder Milderung des Urteils zu bewegen. Miskolczer Blätter wissen auch zu berichten, daß diese Angelegenheit in einer der ersten Sitzungen der Nationalversammlung nach den Feiertagen den Gegenstand einer Interpellation bilden werde. Uebrlgens soll der Rachefeldzug nunmehr auch gegen jene Professoren, des Gymnasiums, die gegen den Oberdirektor Engelbert Mazy, den yrheber des ganzen Skandals, Stellung genommen hatten, eröffnet werden. Rumänien. Der Regierungswechsel und die Juden. Bukarest, 24. Dezember, (J, C, B.) Die jüdische Presse erörtert che parlamentarische Krise vom Standpunkt? der jüdischer) Interessen. „Ma tuirea“ befürchtet, daß die Judenheit bei den Neuwahlen wieder in einem Zustand , der Wehrlosigkeit und Desorganisation den Nationalisten und Reaktionären ausgeiiefert sein werde. E$ sei daher ein? feste politische Könsepüon notwendig. Die jüdischen Organisationen müssen sich zu einem E i n li e i t s b 1 0 c k im Wahlkampf zusammenschließen. Vor allem aber müssen die Führer der Judenschaft eine parlamentarische Routine sieh zu eigen machen. Für die erfolgreiche Teilnahme im parlamentarischen Leben sei überdies eine langjährige politische Schulung der breiten jüdischen Massen notwendig. Der beßarabische Erzbischof für die ukrainisch-jüdischen Heimlosen. Bukarest, 24, Dezember, (j. C. B.) Eine aus dem Oberrabbiner Cirelson, Dr, Bernstein-Cohen, Salaniewiqi, Göttlich und Preiger, bestehende Delegation erschien Heim Erzbischof Beßarabieus, Gurie, um ihm den Dank .des ukrainischen Hilfskomitees für seine energische Intervention im Interesse der jüdischen Htzlmiosen auszudrlicken. Auf die Rede Gireisons, es sei nur dem Erzbischof zu verdanken, daß die Flüchtlinge bis?um Frühjahr ln Beßarablen verweilen können, antwortete der Erzbischof, er habe nur seine Mcnsc!ienpflic!it ge'.an und bitte die Delegierten, eventuellen christlichen Flüchtlingen auch, ihrerseits Unterstützungen aneedeiheu zu lassen- Palästina. Die Ica und der Landkauf ln Palestina. Paris, 25. Dezember. (J. C. B,) Der Direktor der „Ica“ in Palästina, Captaln Henri Frank, äußerte sich einem Vertreter de» Jewich Correspondence-Bureau gegenüber, daß die Ica bei den gegenwärtigen hohen Bodenpreisen, die die Bodenpreise in deh Pariser Vorstädten übersteigen, in Palästina keine neuen Landkäufe vornehmen könne. Vorläufig wird die Ica ihre Palästina-Tätigkeit auf Industriellen Gebiete konzentrieren. Den Anfang hiezu machte auch schon die Ica durch die Erteilung von Krediten! an einzelne kapitalkräftige Personen, die bereit sind ihre Kapitalien in Industrien Palästinas anzu* legen. Captaln Frank bestätigte ferner die von uns bereits gebrachte NevyVorker Meldung, daß die Ica grundsätzlich beschlössen habe, sich an der von der amerikanischen zionistischen Minorität vorbereiteten Gründung einer kooperativen Bank in Palästina mit einer angemessenen Summe zu beteiligen. Die wirtschaftliche Tätigkeit der amerikanischen Brandeis-Gruppe. New York, 24. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Die American Palestine Co. verans allete zu Ehren des aus aus Palästina zurückgekehrten Dr. Benderli ein großes Bankett, an welchem eine große Zahl amerikanischer Kaufleute teilnahm. Die Anzahl der Aktionäre hat sich auf 300 erhöht, das eingezahlte Kapital beträgt 100.000 Dollar. - Enthebung eines Gefängnisverwalters. . Jerusalem, 24. Dezember. (J. C. B.) Das Gericht hat den Jaffaer G e f.ä ngnisverwalter Burd* kusch seines Amtes enthoben, da er während der Mai-Ausschreitungen seine Amtsobliegenheiten vernachlässigte. Daß Urteil wurde dahin ergänzt, daß Burdkusch nie mehr zu irgendeinen Dienst in der palästinensischen Verwaltung zugelassen werden darf. Todesurteil gegen einen Araber. Jerusalem, 25. Dezember. (J. C. B.) Das Sonder* gericht erkannte einen Araber, der während der Ausschreitungen vom 2. November den Rabbiner Salman Rubin so schwer verwundete, daß er tags darauf seiner Verwundung erlag, des Mordes schuldig und verkündete gegen ihn die Todesstrafe. Telegramme. Empfang einer zionistischen Delegation beim Präsidenten Argentiniens. London, 25. Dezember. (J. C, B.) Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, wurde dort nach Beendigung der zionistischen Landeskonferenz eine zionistische Depu-> tation vom Präsidenten der argentinische.! Republik, Dr, H. Irigojen, empfangen. Die Deputation wurde dem Präsidenten vom Vizc-Außo minister Dr. Malinari vyrgestcllt. Der Empfang war sehr herzlich. Der Präsident drückte seine wärmste Sympathie für die jüdische Bevölkerung Argentiniens und insbesondere für die zionistische Bewegung aus. Lord RIdell und der Zionismus. New York, 26. Dezember- (J. C, B.) Vor einigen Tagen erschien im „V p r w ä r t s“ eine Mitteilung, daß das Mitglied der e n g Ji s Q h ep Delegation bei der \V ashi ngtomer Konferenz Lord George R i d e 11 sich angeblich über den Zionismus u n d‘ d i e B a 1 f 0 u r - D? k 1 a r at \ 0 n abfällig geäußert und die. Juden iw allgemeinen als Kriegsgewinner bezeichnet habe. Lcird R i 3 eK empört, über die ihm in den Mund gelegte Aeußerung, legt nun Gewicht darauf, fcstzustelieh, daß er die ihm insinuierte Aeitßcrung niemals getan habe, im Gegenteil hege er die vollsten Sympathien mit den zionistischen Bestrebungen ynd erklärte wört« lieh,?s sei einfach 'lächerlich, ihn?i er solchen unsinnigen Behauptung zu beschuldigen. Er habe bloß der Meinung Ausdruck gegeben, daß dje Juden, unter denen cs, wi? auch unter den Christen, viele gibt, die im Kriege?n Vermögen gelangt sind, an dem Aufbau Palästinas werktätig Mitarbeiten müssen, wodurch die Lasten des britischen Steuer?«* zahlcrs verringert werden könnten. Wie wir erfahren, hat Lord Ridcll zu diesem energischen Dementi sich ganz besonders deshalb veranlaßt gesehen, weil B a!- f 0 u r, über die angebliche Aeußerung Lord Ridells entrüstet, ihn hierüber zur Rede stellte und Aufklärung forderte. Die Konferenz der baltischen Staaten. Reval, 24. Dezember. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung“.) Die hier tagende Konferenz der baltischen Staaten hat in ihren bisherigen Sitzungen über die Fragen der wirtschaftlichen und der Handelaabmachungen mit Rußland beraten. Die politischen Fragen werden erst nach Abschluß dieser Beratungen verhandelt werden. DJe Wilnaer Sejmwahlen, Köwno, 28. Dezember. (Tel. der Wiener „Morgen«, zeitung“.) in der Ict-^n Sitzung de? Parlaments verlas Dr. Rachmilowitsch im Namen de? jüdischen Abgeordneten'/.lubs eine Deklaration, wonach sich die jüdischen Bürger Litauens dem Protest der litauischen Regierung gegen die in Wilna polnischer«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.