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Wiener Morgenzeitung · 1921-12-28 · Heft 1046 (28.12.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1046 (28.12.1921)
Date
1921-12-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1040 Wien, Mittwoch WIENER MORGENZEITUNG Seite 3 «eits ausgeschriebenen Sejmwahlen, die die Teilung des einheitlichen litauischen Staatsgebietes zum’ Ziele haben, anschließen. Die litauischen Juden werden es nie billigen, daß zwischen K o w n o - t i t a u e n und der Stadt Wilna, die im jüdischen Volksleben den Namen „das litauische Jerusalem“ führt, eine Grenze gezogen werden soll. Sie hoffen, daß es den gemeinsamen Bestrebungen gelingen werde, die Errichtung eines einheitlichen und demokratischen Litauen zu ermöglichen. Frankreich und die Wilnaer Frage, ^Warschau, 26. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) In den nächsten Tagen trifft hier der polnische Gesandte in Paris Graf Z a m o j s k i ein, um der Regierung über die Stellung Frankreichs zur Wilnaer und ostgalizischen Frage Bericht zu erstatten. In den letzten Tagen erhielt der hiesige * französische Gesandte von B r i a n d Instruktionen, in denen ersterer aufgefordert wird, Polen auf die Internationalität der Wilnaer Frage aufmerksam zu machen, und aus diesem Grunde den W i 1 n a e r S e j m zu keiner einseitigen Entscheidung zu zwingen. Die Eintreibung der Keren-Hajessod* Verpflichtungen in Amerika. New-York, 25. Dezember. (J. C. B.) Das hiesige Keren-Hajessod-Bureau geht nun daran, die auf ungefähr 2 Millionen Dollar lautenden Zeichnungen und sonstigen Verpflichtungen für den Keren- H a j e s s o d, durch eine mehrere Wochen berechnete Sonderaktion einzutreiben. Der Schatzmeister des Keren-Hajessod, Mr, C o n h e i m, fordert alle Zeichner zur baldigen vollen oder ratenweisen Einlösung ihrer Versprechen und Zeichnungen auf. Behufs Erleichterung der Einzahlung werden in New York mehrere Zahlstellen eröffnet werden. Die Unruhen in Aegypten. Kairo, 26. Dezember. (Reuter.) Im Eingebornenviertel Sukh-el-Dsched|d, wo Barrikaden errichtet worden waren, kam es zu einem ernsten Tumult. Eine auf einem Lastautomobil fahrende Patrouille eröffnete das Feuer, wodurch vier Personen, darunter zwei Aufrührer, getötet und vier verwundet wurden. Gestern soll es in Kairo 14 Tote und 40 Verwundete gegeben haben. In Zista feuerten ägyptische Truppen au f die Volksmenge; es gab einen Toten und zwei Verwundete. Weitere Unruhen ereigneten sich in P o r t S a i d, wo zwei Personen getötet und drei verwundet wurden, ln Tantah zerstreute die Polizei einen von Frauen geführten Demonstrationszug. ln Alexandrien, wo bei Beginn der Unruhen 400 Personen verhaftet wurden, herrscht Ruhe. Die große Mehrheit der Regierungsbeamten hat die Arbeit wieder a u f g e n o m m e n, doch hat sich der Ausstand verei zeit auf verschiedene Orte in der Provinz ausgedehnt Paris, 26. Dezember. (Havas.) Der Londoner Berichterstatter des „Journal“ meldet, daß unter den Getöteten sich auch ein Professor Orth befindet, von dem es heißt, daß er ein österreichischer Erzherzog sei. Tsehitscherin und Lltwinow nach London eingeladen, London, 26. Dezember. (Reuter.) Wie aus sicherer Quelle verlautet, haben Lloyd George und B r i a n d im Prinzip beschlossen, Verhandlungen mit der M skauer Regierung einzuleiten. Tschitscherin und Lltwinow sollen eingeladen werden, am 8. Jänner nach London zu kommen. Rom, 26. Dezember. Die Agenzia Stefan! teilt mit: Das italienisch-russische Handelsabkommen ist heute abends auf der Consuitä unterfertigt worden. Zilizien geräumt. Paris, 27. Dezember. (Funkspruch.) Die französischen Zivil- und Militärbehörden haben Zilizien offiziell verlassen und die türkische Verwaltung ist überall in Kraft getreten. Die Tagesordnung der Völkerbund» ratssitzung. Genf, 25. Dezember. (J. C. B.) Der Völkerbundrat Wurde für den 10. Jänner zu einer Sitzung eingeladen. Wie verlautet, wird sich der Völkerbu arat diesmal vornehmlich mit den Mandatsfragen und mit dem Berichte Theodoüs über Minderheitsschutz befassen. Die jüdische Emigration. Washington, 25. Dezember. (J. C. B.) Das Arbeitsministerium brachte einen neuen Gesetzentwurf im Kongreß ein, demzufolge jeden Monat eine gewisse Anzahl von Emigranten über die gesetzliche „Quote“ in die Vereinigten Staaten Ei laß finden. Diese Spezialerlaubnis soll als Vorschuß auf die Quote des k ü.n f* tigen Monats erteilt werden und eine für jedes der Auswanderungsländer besonders bestimmte Einwanderungsziffer vorsehen. Vor der Verhandlung des Gesetzes durch den Kongreß wi-1 der Regierunggsausschuß für Emwanderungsfragcn ^.as Gutachten verschiedener Persönlichkeiten einholen. Von jü isclier Seite werden diesbezüglich einige Hias-Deiegierte sowie Lewis M a r 6 h a 11 elnvernommen werden- 9 1.und WWM | von bleibendem Werte S lillilliililillilililüll lllliilllilllillilli!liliiilllllllililili J sind die "" i Oestmkhischen 1 BAU-LOSE 9 * Jährlich 2 Haupttreffer von je K 5,000.000’—* 2 Jedes Los gewinnt. Sämtliche Gewinste vollkommen abzugs- und § einkommensteuerfrei! § 9 Preis: K 1220*— für ein ganzes Los und g K ZOZ'— für ein Viertellos. 9 8SWT Erhältlich heim Pöstsparkaosen-Amte sowie bei allen Banken, Bankiers, Wechselstuben u. dergl. H Warschau, 26. Dezember. (J. C. B.) Dank dem energischen Auftreten der hiesigen Hias-Filiale für die wegen Besitzes falscher Ausweisschecks aus Kanada zurückgeschickten jüdischen Emigranten mußten die Schiffsgesellschaften den Emigranten die Reisespesen zurückzahlen, da ihnen die falschen Schecks von den Schiffsagenten eingehändigt wurden. Gleichzeitig wurden gegen die Schiffsagenten und einzelne Bankhäuser die entsprechenden Maßregeln wegen Ausgabe falscher Schecks ergriffen. Das jüdische Hilfswerk in Rußland. Berlin, 26. Dezember. (J. C B.) Das Vereinigte jüdische Emigrationskomitee wandte sich durch die Vermittlung Dr. Nansens an die Sowjetregierung mit dem Ersuchen, die Mitschickung von Begleitpersonen mit den für die jüdischen Heimlosen auf der ukrainischen Dnjestr-Seite verfrachteten Lebensmifteltransporten zu erlauben. Diese Vertrauensmänner sollen gleichzeitig die Verteilung der Lebensrnittel unter die Flüchtlinge überwachen. Riga, 26. Dezember. (J. C. B.) Einer telegraphischen Meldung aus Moskau zufolge hat der dortige Vertreter der American Relief Administration die Errichtung spezieller Küchen für die jüdischen Kinder angeordnet. Die gleiche Anordnung wurde auch in Petersburg getroffen. Zahlreiche hungernde jüdische Kinder Werden bereits i i diesen Küchen gespeist. Vor einigen Tagen 'Würden aus der Ukraine 300 jüdische Waisen nach Petersburg gebracht, die gleichfalls von der amerikanischen Hilfsverwaltung Nahrung und sonstige Unterstützung erhalten. Tagesbericht. Die Makkabe e:feier im Sofiensaale beginnt heute abends um 7 Uhr. Ein Einlaß findet ausnahmslos nur gegen Vorweisung der Eintrittskarte statt. Weitere. Kartenausgabe erfolgt nicht, daher ist ein Erscheinen ohne Billette völlig zwecklos. Meeting Im Sofiensaal. Das bereits angekündigte Meeting im Sofiensaal, bei welchem der * Präsident der zionistischen Weltorganisation Professor Ch. Weitzmann sprechen wird, findet Donnerstag den 29. d.M., V38 Uhr abends, statt. Eintritt nur gegen Karten. Eine weitere Kartenausgabe erfolgt nicht. Die Jännerbezüge der Bundesangestellten. Das Organ des Bundes der öffentlichen Angestellten meldet: Entsprechend der Forderung der. Organisationen, hat der Ministerrat vom 15. Dezember beschlossen, am 1. Jänner 1922 die vollen Novemberbezilge auszuzahlen. Danach erhalten: 1. Verheiratete den 3*2fachen, in allen Ortsklassen um K ÖOO monatlich erhöhten gesetzlichen Mär. bezug (Familienzulagen normal). 2. Ledige 'den dreifachen, in allen Ortsklassen um K 500 monatlich erhöhten gesetzlichen Märzbezug. Ueber das Ausmaß und den Zeitpunkt weiterer Auszahlungen wird ini Verhandlungsweg entschieden werden. Sollte der Abbau der staatlichen Lehensmittelzuschüsse am 1. Jänner 1922 tatsächlich in Kraft treten, so erhalten alle Angestellten am 31, d. M. für sich und jeden Kopf ihrer Familie den nach dem Abbaugesetze gebührenden Zuschuß. Die Wohnungsnot. Im Gerneinderatsausschuß für Wohnungswesen berichtete gestern Gemeinderat Hermann über die Umgestaltung von Baracken in Grinzing, Simmering und in der Laaerstraße zu Wohnungen. Es werden in drei Barackengruppen 203 W o h n ungen mit einem Kostenaufwand von 1< 10i,400.000 hergestellt, so daß eine Wohnung auf zirka K 400.000 zu stehen kommt. Die Wohnungen sollen in drei Ausführungen errichtet werden. Die erste Tvoe besieht aus einer 28. Dezember 1921 Wohnküche, die zweite aus Zimmer und Küche und die dritte aus zwei Zimmern und Küche. Das Wohnungsamt der Stadt Wien hat in den ersten zehn Monaten des Jahres 1921 zusammen 8817 Anforderungsbescheide erlassen, von denen 4744 rechtskräftig geworden sind. Von den geräumten Wohnungen waren 63 von Flüchtlingen bewohnt Menschen, die in Wien verhungern. Der Polizeibericht meldet: In der Favoritenstraße ist gestern nachmittags der 61jährige unterstandslose Schriftsteller Adalbert Viktor Pontes vor Schwäche und Hunger bewußtlos zusammengestürzt Die Rettung«- gesellschaft brachte ihn in das Sofienspital. * Am 26. d. M, wurde der bei der Witwör Barfuß in der Roßauerkaserne wohnhafte, 18jährige Handelsschüler und Student Edmund Engelmayer aus Kesmark in seinem Bette mit durchschossener Schläfe tot aufeefunden. Bei der rechten Hand lag eine Steyrer-Pistole von 9 mm Kaliber. Der Selbstmord dürfte m 25. d. M. nachmittags ausgeführt worden sein, da zu dieser Zeit niemand am Gange war und der Schuß nicht ge^ hört worden ist Engelmayer r hatte die Absicht geäußert, am 20, d. M. Wien zu verlassen, um in Budapest weiterzustudieren. Dem armen jungen scheint aber das Geld nicht, nur für die Reise, sondern auch für den Lebensunterhalt ausgegangen zu sein; de n man fand bei ihm gar kein Geld und überdies hatte er die letzten Tage, oh n e Nahrung zu sich zu nehmen, im Bette verbracht Wahrscheinlich hat ihn der Geldmangel die Reise in die Heimat nicht ausführe» lassen, Schmerz darüber scheint ihn in den Tod getrieben zu haben. Schriftliche Aufzeichnungen hat er nicht hinterlassen. Sein Vater, dnr Obmtuhlrlchfer in Kßsmark ist, wurde in Kenntnis gesetzt Erhöhung der Elsenbahntarife um 300 Prozent. Wie verlautet, beabsichtigt die Regiermjvg mA i. Febmatr neuerlich die Tarife der östeTreiohnsdhea^ BundipsibaUvrieii zw erhöhen. Der Personen* imd der, G.eipäckstarif soll um 300 Prozent erh Öhtfj werden, fc)ben?sp die Streck enika-rteci uind die ermäßigten! Karten für Arbeiter vmd Angestellte der Bund«sbeihn>en. Dte SphölerfaJhrkaiptcm werden eine Erhöhung um 15a Prozent ihres gegenwärtigen Preises erfahren. Eine ebensolchen Erhöhung um 150 Prozent wird den Gütefci verkehr treffen. ' Außerdem äst gefokinlt, dSc D-Ktasasifiksation (-ettw mäßigte Tarife) für Fett, Ziuoker, Eleiscih, Get/reide^ MahCtprodukte und H ü ls enfrücihfte a tt f z u h e b e iv Obst wird überhaupt nicht mehr nach .dem ermaß ifgtfcet# Tarif befördert werden. Unter der Beschuldigung des Betruges verbätet. Dem Sichedheitsbureau kam am 16. 4 M. votf der Staatsanwaltschaft Wien X eine Anzeige zu, die der hiesige Rechtsanwalt Dr. Fritz Horn in$ Namen des Juweliers I-Leinrioh S chni'ta er ich Mährisch-Osiratr erstattet hatte. Die Anzeige besagte, daß der 22i;ähirige Privatbeaimte Fritz Lederet^ I„ Barten stein gaase 8 wohnhaft, im August LJ. i'ni Karlsbad dem Schnitzer ein Perlenkollier im Werte vom 385.000 tsehechowslowa.ki&dhen Kronen entlockt •habe. Lederer soll den .Vorwand gebraucht haben* daß er das. Kollier als. Braiutge&ahe’n.k für seine .Braut,- eine .reiche Spanier in, brauche. . Fritz Lederer, der Sohn dies Großindustrie!!len August Lederer ich Junigbunizlau, gab sich, um seine Kreditwürdigkeit in bestes Licht m setzen, angeblich als Leiter der •Unternchmungein seines Vaters aus und erhielt das Perlenkollier wirklich auf Kredit. Spater erbat urid erhielt er auch vier Bri'Uan-bsah.muck&tücke. in*. Wertet von 160.000 tsohech0-9Iowakiisdien Kronen! und ihre künftige Verwe-ndiung soll auch mit den bevorstehenden Verlobung im Zusammenhang ge«* Stauden sein, da die Juwelen als Abfertigungsg&schenk für seine »Freuaidiai« bestimmt gewesen sein sollen. Erst nachträglich wollte der Anzeiger. Ungünstiges über Fritz Lederer gehört haben. En fuhr dem in zwiischeu auf dem Wege nach München befindlichen Lederer nach und vermochte ihn api der Grenze eiinauholen.. Sohnitizer vermochte. Lederer zu bestimmeai., mit ihm nach Marienbad m fahren; dort kam unter Vermittlung des damaligen- Direktors der Unternehm um gen des Herrn Lederer sen., des 43jährigem Jakob Menkes-Brand 1, IK>> Nußd'prferistra-ße 32 wohnhaft, /ofu' Vergleich’ zustande. Menkes-Brnndl war ein alter Bekannter des Schnitzer, und Schnitzer soll erhofft haben, durch Menkes* Bemühungen eine Abstellung für seinen- Sohn in den Unternehmutngen des Herrn Lederer seu.- zu erreichen. Menkes-Braud! hat auch die Bekanntschaft dH5 jungen Lederer mit Schnitzer vermittelt. Beim Verhör hatte Lederer jun. schon emgestanden, daß er Schulden hatte, die Schmuckgegenstände sofort verkaufte und aus dem Erlös die Schulden deckte. Per junge Lederer wurde am 16. d. M. beim Hause seines Vaters angchalton, Bei seiner Einvernahme war er der Tatsache geständig; er behauptete eber, daß er Ln der sicheren Hoffnung war, daß der Vater die Schulden decken, werde. Lederer sen. erlegte vier Millionen Kronen in Wien und gab die Erklärung ab, dnß er dem im Strafverfahren fe&tsresetzten Schaden, den Schnitzler et- 25

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