Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1046 (28.12.1921)
- Date
- 1921-12-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2979773-2980125--09777-2996062- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
/i IW-CA/U, imNlnummir K 20 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr. 1—3, oder in einer Verschleißstelle- (Trafik) monatlich K 1000. Mit Postversand für Wien und ■ Oesterreich monatlich KlOÖft,; Tschecho-Slowakei:Mon. Kronen 20. t/ngarn: Monat!. Kronen 120. Jugoslawien: Monat!. Dinar 13. Polen: Monat!. Mark 600. Deutschland: Monatlich Mark 25. Frankreich: Monati. Frcs. 6. Wiener 'hKkMM4knnlif tsch. K 1 Italien: Monatlich Lire & Rumänien: Monati. Lei 4(L Schweiz und das übrige! Ausland monatlich Francs 3t Redaktion u. Administration Wien IL, Taborstrasse 1—3J Telephone: 44*0-38, 43-3-ld ab 6 Uhr abends, 17-9-3Ä Telegrammadresse: „Morgen-' zeitung*, Wien. Oesterreichisches Postsparkassenkonto 15(k6933i Nr. 1046 : Wien, Mittwoch, 28. Dezember 1921 3. Jahrgang1 Die Sitzung des zionistischen Großen Aktionskomitees. Der Sitzung- ‘ .des Großen. Aktionskomitees in \\Vien1 gingesi ' Sitzungen des Finanz-' u<nd. W!rbschafhsrates der zicmdstischen Organisation und ‘des Dlre-krtormtns des Karen Hajessod voran, die letzrten Montag tsa^sübeir andau-einten. Von Mi tgi iedenn dieser. beiden Könperschaiften nahmen die Henrem Dr. B-erthold F e i w e 1, Dr. Georg Ha Ipern und ■ Ingenieur S. Kaplan sk y aus London-, Dr. A. Barth aus Berlin und Henr S. Sdb o c k e <n. Zwidkau, an den Beratungen teil. Es wurde eine Reihe .wichtiger ökonomischer Fragen, die dem Aktioosikomirtiee zur Behandlung vorliegen, varberaten.. Die Sitzung des Großen Aktionskomitees •der zionisti schen Organisation wu*rde gestern um Vsii Uhr ira Saale'des Niederösrtenrrictii&chesi Gewerbevereins vonr Präsidenten des Großen Aktionsk'omhees,; Oberrabbiner Dr: C Ji a j e s; eröffnet. Von ' der Exekutive waren der Präsident der Organisation, Dr. Weitzmänn, tmd Herr Lieh t h e im anwesend, ferner die oben gen arm ton Mitglieder des Finamzun d . W-irtschaftsrate-s. Von den- Mitgliedern des Gipßon-'. Alrticttiskcm.Pees wairert s ’jersc'hienen: Oberrabbiner Dr. C h a j e 8„ Präsident-; des Großen- Akion-skoenitees-,. Abgeordneter. Robert :S;t;r;i c k e r und Dr. Artur Hantke, Vizepräsidenten des Großen Aktionskomitees, Dr. Leon R e i c h, Abraham Podlische wsky, .Abgeordneter j. G r ü nb a u m, Adolf B e r h a r d, Dr. Viktor Jacobs o'n, Hennvänri- S t:r u c k, L. L e w i n - E p s t e i n, E lieser Kap 1 a n, Dr. A. Katznels ob, Nal’ um T v e r's-'k yV Zahmem Rubas cho'w, Adolf B 6 h m, F>r.: S:- -'R a p.p a p-o-rt '- und Justizrat Dr. M. B'öd e-n h e i tn e r a,lis „V qftreter -desf. jü di? .- sehen .NationaTfcmds:' ’‘ r-; ' Nach ‘der Eröffnung; der S it ztihg ‘ - hielt -D ok t er H a n t k e dem. verstonbeuen Ghe-fredaiktetBr des .■vHaolamc und langjährigem Mitglied ° dös Aktionskomitees Herrn Abrahatii. Idels-ohn -einen warmen Nachruf, den das Aktionskomitee stehend anhörte. Hierauf erstattete - ' Präsident Dr. Weitzmann 'einen ausführlichen Bericht über die politische Lage und die politischen Aktionen, der E xeku t i v e seit, dem Kongreß. - Er behandelte in dem Bericht auch die zufriedeni&tell'ehde Regelung der palästinensischen N o r d g r e nze n, .wobei er anerkenn end der . Verdienste Ingen ie-urs Rutenb e r g gedachte, der als Sachverständiger an" den Arbeiten der . Cren.zregurierumgskomrn iisiskxn teil-., 'genommen hart;, u J}r.; Weitzmann berichtete ferner iüber . die Verb sind Ium gern der Exekutivewegen einer N e u r e g e 1 u n g d e r Immigrations- ,k o n t r 0 11 e in Wiederherstellung des Zustandes, der vor Mai .1-921 bestenden hart.r Schließlich berichtete Dr. Weitzmann über die Schritte der Exekutive zur Ausführung der Kongreßbeschlüsse -bezüglich des. Verhältnisses zum arabischen. Volk, : informierte über die Verband.141 .fl gen. ui i t der arabischen' De 1 e g a t i 0 n in London und die ' F rage der Bestätig un g . d es M a nclatseut v;,u r f e s durch den Völkerbund. Doktor Weitzmann sdliloß seinen politischem. Bericht durch eindn lianweis darauf,' .daß die Grundlage' aller weiteren Arbeit die f inan z i e 1 l.e .Rüstung zur Ausführung der v-orn Kongreß .beschlossenen Arbeiten im Palästina.sein müsse.“ ' Hierauf erstattete das Mitglied der. 'Exekutive Richard Liehtheim stritten werden müssen. Im Anschluß hiereinbe« richtete Herr Lidith eim über die Einrichtung. des Berlin er Bureaus der Zionistischen- Exekutive, das durch seine Arbeit große Vorteile für denorganisäte irischen Ausbau der Bewegung, insbesondere auf dem Kontinent bdetet, und ‘ skizzierte1-..hierauf' die Entwicklung der zionistischen Arbeit: iaj-einer;: Reihe zion istisciher Föderatiomen, unter ' äinderem auch in jenen Ländern,. in welche Delegation pp oder ■ Delegierte der Zentrale entsandt werden-kprunten. Zum Schluß erwähnte der Betichterstärttpr die Not- 1 wendiigtkeit eines englischem. Zentradorganis . alA. Sprachrohr der Exekutive.' Dr. Georg Halpent (London) erstattete hierauf. als Schatzmeister d e fl Exekutive den Finanzbericht und verwies darauf, daß es seit dem Kongreß niaht möglichgewesen! . ist,', das vom Kongreß vorgesehene Monats*;b-üdget für die Palästina-Arbeit aufzubrimgeri- und zu übexweisen und daß daher D ef i z i t le' e n ts'ianden seien, d,e,r,e,n, Deckung';die‘ g r ö ,ß t e 11 Schwierig k.e i t e ti b e re ri t e t* Es müssen, alle Anstrengungen gemacht ^werden, die" .notwendigen, Mittel für .die Durchführung -d.er beschlossenen Arbeit wirklich aufzub,ringen.;; , Für den Fin-anz- und Wi-rtschaftsrat 'berichtete* Dr. Haloern über eine Reihe ' groß zügige r - Fr o j e k t e,' ökonomischer N a.t-u'r, ': mit' deren Behandlung sich der Finanz- -und Wirtichaftsi.at in den letzten Monaten eingehend beschäftigt hat. Schließlich behandelte der Berichterstatter, den außerordentlich günstigen .Stand der Jewis h'Co- . l'o.n i.a 1 X r u st.und v.er\yies auf die-bevorstehende. ‘. Kampagne ..zur Erhöhung : sein-eis. Aktienkapitals.* Dr.. Halpern' spfa-ch zürn Schluß auch' über; Beziehungen zürn »Economic Board of Palestine«; -der’ unter der Leitung von- Siir .Alfred Mond steht;-.. - ,. „Die Naöh'mlüagssitzü»ag eröffnbte Dr. Berthold Feiwel (London) namens des Direktoriums des Keren Hare-ssöd mif’ einem Bericht über die Aktion und die Erfolge des Keren H aj e s s o d. . Dr. Feiwel berichtete über, •die Erfolge der Arbeit in Amerika, Europa-und die Vorbereitungen für die Arbeit in Südafrika, besprach die bevorstehende Herausgabe der-Zertifikatedes, Keren Hajessod,- die - durch ■- die Kongreßi Beschlüsse ermöglichte Statutenänderung des; Keren i Hajessod uind schließlich die V e r w.e n d u-n g d er, M i 11 e 1 des Keren H. a.j e s s o d. Er verwies da.tmif, daß aws Keren-Htajessod-Mitfel-n das-ge- ■ samte Budget der* Palästin a-Ahbeit - gedeckt, werden';mü's-se und daß der Keren-Hajessod-außerdem in der,; letzten Periode einen Teil; seiner Mittel für*den An-- 'kauf der Schulgebäude des Hilfsvereines der deutschen Juden in Jerusalem und für die B c grün - du n g -der H y. p o t h e k, e >n b.-a n, k •; (General j Mortgagebank of Pa lest ine) verwendet •. habe. -Im 'Anschluß hieran schilderte Dr. Feiwel dem Aufbau; der Hypothekenbank und die Bedeutung, der bevprst eh enden Ausgabe von Pfandbriefen, dieses Instituts, -die als eine.sichere Anlage zweifellos einen offenen Markt finden werden. Der Berichterstatter legte schließlich auch den .Entwurf eines Prospektes für die bevorstehende Kampagne zur Vergrößerung des Akt.ienk apitäl s des J. C. T. vor und verwies auf die außerordentlich günstigen» Ziffern, die zur Grundlage des Prospekts dienen. ■ Die Politik der Xschechör Slowakei. —r. P r a g, Ende Dezember.. Nach arbeitsschweren Wochen ist das tschechoslowakische Parlament auf Weihnachtsferien gegangen. DiC Bilanz dieser Arbeiten ist ‘.auf den ersten Blick nicht ohneweiters klar. Die Erledigung des Budgets,'die Annahme Wichtiger sozial- und finanzpolitischer- -Vorlagen müßten Ser Konsolidierung des Staates und der parlamentarischen Tätigkeit das beste Zeugnis aussteilen. Und ddch kann man dieser Erfolge nicht froh werden, weil sie alle nur,'nach schweren Kämpfen durchgesetzt, unvollständig ünd -'meistens ohne; das, Was man parlamentarische Diskussion nennt, zustande gekommen sind. Das Kabinett Benesch hat schwere Belastungsproben vorläufig überstanden, aber schon die Tatsache, daß man „vorläufig“ sagen muß, läßt erkennen,k daß die letzten Wochen an dem Bestand der Koalition gerüttelt haben. In erster Reihe ist es die. Staats-, bgamtenvorlage, die die Bezüge, der Staatsbeamten und der Lehrer herabsetzt, gewesen, die iy der Oeffentlichkeit, soweit sie an .ihr interessiert; war, einen Sturm.der Entrüstung.heryorgerufen hat. . Die Regierung hat in ihrem Programm das Sparen zu ihrem Prinzip gemacht Die Staatsbcamtenvorlage war der erste Versuch zum Spar.en. Nicht.we.il, die Beamten, wie im Parlament von einer Seite geäußert wurde, wehrlos.sind,.sondern weil das betreffende,Gesetz mit Ende dieses Jahresabgelaufen wäre .und erneuert werden mußte. Hiebei mußte eben,die Regierung auf das nächstjährige Budget Riicksleht nehmen*-und so kam, es, daß, die öffentlichen Angestellten als erste. die Wirkungen des Sparsystems . zu A spüren .bekamen. Die fünf Parteien, die die Regierungsmehrheit bilden, mußten trotz aller Unpopularität! diese harte Nuß knacken, sie taten es auch, aber das, Ergebnis war, daß sie für weitere zweckmäßige, "also' unpopuläre Arbeiten nicht mehr zu _ haben * waren." Die Parteien wurden nervös,.konnten und wollten, nicht noch'..Zur~ gfeständnisse an politische Gegner -machen^ sie - verweigerten Kompromisse. So kam es,» dafri das M j e t e r s. c h u t z g e s e t z, ein Streitobjekt zwischen Sozialisten, und Nationaldemokraten,-, -nicht erneuert werden konnte, daß es im letzten Moment zurückgezogen und daß das bestehende Gesetz auf vier Monate verlängert werden mußte. Das Gesetz über die Arbeiterkrankenkassen konnte auch nur mit schwerer Mühe und.Not untergebracht werden, eine engere Kommission hatte die Streitpunkte zwischen Agrariern und Sozialdemokraten schlichten müssen. Die Stimmung der letzten Sitzungstage war also nicht angenehm . un1 es war für alle gut,, daß die Weihnachtsferien kämen: Für ..die Abgeordneten, für die Parteien, fürdie Koalition und. für, die Regierung. 7 Ministerpräsident Bene sch hat die Last,, die, ihm das Amt eines Premiers 'und. eines Außenministers aufbürdert,' schwer zu tragen gehabt und man dürfte sich nicht wundern, wenn sich heilte' oder morgen'die Gerüchte bestätigen,, daß " er nicht; mehr weiter kann. Aber so weit ist es noch nicht.: Doktor Öenesch ist zähe und Svehla ist ’ klug. Svehla; ist von seinem Krarikenurlaub zuruckgekehrt, früher. noch als die Oeffentlichkeit wußte. Aber; er. hat noch nicht eingegriffen. Viele glauben, daß sein Eingreifen gleichbedeutend ist mit seiner Ernennungzum Ministerpräsidenten, aber diese rechnen nicht mit dem politischen" Instinkt Svehlas., Die Zustände sind nicht verlockend und ' Svehla, der . ein höheres Ziel im Auge hat, wird sich wahrscheinlich hüten, die Regierungsgeschäfte zu leiten, wenn dabei nur Unannehmlichkeiten und Blamagen herausschauen. Er hält seiner: Moment noch nicht gekommen und deshalb darf man annehmen,; daß er sich nicht ernennen iässen wird. Wenn aber nicht Svehla Nachfolgen Benesch’ wird, dann ist es mehr als unwahrscheinlich, daß Be esch zurücktritt. ’ j Während also die Erfolge der Regierung,; so augenfällig sie durch die. verschiedenen Gesetze geworden sind, wegen ihres Zustandekommens angezweifelt werden, bestreitet niemand die außenpolitischen Erfolge der letzten.Zeit., Dem tschechorslow.akisch-polnischen Vertrag schloß sich der österr e j e h i s c h -1 s c. h e c h i s.c h e V e r t r a g: an. Die Präsidentenzusammenku ft in Lana, die Verhandlungen:'zwischen Schober und Benesch in. Prag haben mit, einem vollen Erfolge geendet Der Siegerstaat TschechorSlowakei, hat mit dem. be; siegten Oesterreich einen . staatspoJitisehen Vertrag, abgeschlossen. Damit hat die Tscheclio-Slowakei einen weiteren Schritt für die Konsolidierung Mitteleuropas getan, sie hat versucht, die Erinnerung an den .Weltkrieg zwischen diesen beiden Nachbarstaaten aüszuföschen, und hat eine Bresche in die. militaristischen: Anschauungen, die auch jetzt noch oft die Politik * der Staaten diktieren, geschlagen. Beridhit über die Ausführung der Kongreßbeschlüssc, soweirt sie sich auf I m.ni.i g r a t i o n u-nd Organisation* beziehen.' Erbehändelrte im seist«etn Bericht ameh die Frage der Örganisierumg' der Palästina-Aemter u»nd des Transportwes-ems einsdbließHch der Gewährung Mcm ‘ Darlehen 'für Reisez»Dsdhüsse am Chaluzimi, wobeier noch betonte, daß alle diese Fragen von einer zuifriedonsrtellen-äen Lösung '. der Frage der '. 1111 in i.g r Ltio-nskon troll e abhängen.. Herr Liobtheim. ‘behamdelrte hierauf eine Reihe .organisatorischer Fragen uind legte den größten' Nachdruck auf die Notwendigkeit einer ' großzügigen Dürchführum-g der Schekelakt io.«, um - 'die' politische uin*d orgamisartiori,sQh'e Stärke der Orgathisartion zu er- , halten und zu vergrößern um.d .der: Exeknitivo die Mittel zu verschaffeen, ihre politischen xand organisatorischen Aufgaben duirchz-uführemj da ade diese AufgaOiert ' ausschließlich d-uirdi * , den Soheikei be - Das Kabinett Briand vor dem Rücktritt? Paris, 27. Dezember. Mehrere Blätter sprechen im Zusammenhang mit der Angelegenheit der Banque Industrielle de Chine und der Demission Berthelots von der-Möglichkeit einer Ministerkrise. > Dem „Matin“ zufolge habe Deputierter Taittinger, durch dessen Eingreifen in die Kammerdebatte die Demission Berthelots herbeigeführt worden ist,-erklärt, es sei kein Anlaß, nach dieser Demission gegen die Regierung Stellung zu nehme“!. Andererseits solle« verschiedene Anhänger Clemenceaus die Absicht: haben, die Einsetzung einer parlamentarischen Kommission zu verlangen, der die Untersuchung der Verantwortlichkeiten in der Frage der genannten Bank obliegen soll Der „Matin“ hält diese Forderung für unannehmbar und verweist auf die im Zuge befindliche gerichtliche Untersuchung, in die das Parlament nicht eingreifen dürfe-*