Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-12-27 · Heft 1045 (27.12.1921) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1045 (27.12.1921)
Date
1921-12-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2980124--09772-2996056
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 1043. . Wien, Dienstag ■ * Ein jüdischer Taubstummen - Unterstützungs- Terein in Wien. Kürzlich tagte im Cafe Fetzer, II., Praterstraße 8, eine Versammlung jüdischer Taubstummer. Der Einberufer Herr Josef Löwy entwarf ein Bild der, bereits bestehenden Taubstummenvereine in Berlin mit den Zweigvereinen Breslau, Frankfurt usw., ferner der in Warschau» Krakau, Lemberg, Budapest, London und New York. Im Frieden hat man vergeblich versucht, eine solche Vereinigung in Wien ins Leben zu rufen. Nunmehr sei es möglich, an der Gründung eines solchen Vereines zu arbeiten. Es wurde beschlossen, die vorgelegten Statuten der Behörde zur Genehmigung zu unterbreiten und einen provisorischen Vorstand zu bilden, bestehend aus den Herren Josef Löwy, Obmann, Moritz Stern, dessen Stellvertreter, B. Theimer, Kassier, Balsam, Schriftführer. 40 jüdische Taubstumme traten dem Verein bei, dessen Proponenten sich an die jüdische Oeffentlichkeit um ihre tatkräftige Hilfe wenden. Es wird zunächst die Gründung eines Altersheims für die jüdischen Taubstummen geplant Der Jahresbeitrag beträgt K 200. Auskünfte erteilt Herr Josef Lö wy» Wien, I., Landskrongasse 4/12. * Die Sterblichkeit unter den Juden. In „Jewish C h r o n i c 1 e“ veröffentlicht Dr. Salomon, folgende interessante Daten zur vergleichenden Sterblichkeits- Statistik. Trotz der ärmlichen Verhältnisse, unter denen die jüdischen Massen leben, ist die Sterblichkeit unter ihnen stets geringer als bei den nichtjüdischen Völkern. So beträgt für die Jahre 1897 bis 1900 das Verhältnis in Galizien von Geburten zu Todesfällen in Prozenten bei Römischkatholischen 43*5142*11, bei den Griechischkatholischen 45'4:58*7, bei Juden 10 5:7'9, bei einem durchschnittlichen Bevölkerungsverhältnis „ von 48:42:11. ln. Preußen betrug die Sterblichkeit 1908 unter den Juden 13 6, unter den Nichtjuden 17 9. In R u ß 1 a n d 1903, 14 Juden : 30 der übrigen Bevölkerung. Die Gründe dieser geringeren Sterblichkeit sieht Dr. Salomon in den moralisch und ethisch geordneteren Lebensverhältnissen der Juden. * Der schweizerische Komponist Huber gestorben. Wie aus Bern gemeldet wird, ist der Komponist Huber im Alter von 70 Jahren gestorben. Er hat seinerzeit mehrere Symphonien und Opern geschrieben, die auch im Auslände aufgeführt wurden. Begräbnisse am heutigen Tage: Alter Friedhof: 9 Uhr Bretholz Antonia, 10 Uhr 30 Min. Kivitsch Ernst. - Neuer Friedhof: 10 Uhr 30 Min, Abeies Heinrich, 11 Uhr Last Rosa, 11 Uhr 30 Min. Mikolasch Therese. * Die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien ersucht uns um Aufnahme nachstehender Notiz: „Ein jüdischer Verein hat sich soweit herabgewürdigt, daß er zu Propagandazwecken Flugzettel folgenden Inhalts verbreiten ließ: „Die einzige jüdisch-akademische 8 i 1 vesterre doute findet usw.“ Die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler verurteilt aufs schärfste ein derartiges, den Namen der jüdischen Akademiker entehrendes Benehmen und erklärt, daß sie diesem Vorgehen eines einzelnen Vereines, der keinerlei Berechtigung hat, die gesamte jüdische Studentenschaft zu repräsentieren, vollkommen fernesteht/1 * Wetterbericht Bis Leute war es in ganz Oesterreich trüb, ln den nördlichen Alpenländern und im Voralpenland fielen morgens geringe. Schneemengen. Nachts hatte es leichten Frost Tagsüber, war es meist 1 bis 2 Grad über Null. Voraussage: Zumeist trüb, zeitweise zu leichten Niederschlägen neigend. Temperatur wenig um null Grad schwankend. * Der Eisenbahnverkehr zwischen Finnland und Rußland wird, wie aus Helsingfors gemeldet wird, heute wieder aufgenommen. * Diebstahl. In der Inneren Stadt wurde am 24. d. M. der Gisela Ellenb.oge n eine schwarze Samttasche mit Schildpattbügel und Knopf, mit Schmucksachen von hohem Werte gestohlen. * Gestohlene Gänse. Der Berfa Schindler, II., Zirkusgasse 54, wurden vorgestern sechzehn Gänse und sechs Enten im Werte von K 180.000 gestohlen. * Selbstmord einer Schauspielerin. Sonntag früh wurde die 21jährige Schauspielerin Rosa R e i c h in ihrer Wohnung, V., Bacherplatz 14, t o t aufgefunden. Es wurde festgestellt, daß sie durch Einatmen von Leuchtgas Selbstmord begangen hat. Die Ursache der Tat ist unbekannt. * Verhaftung von Banknotens chmugglern. Nach einer Mitteilung des Kriegswucheramtes wurden in der Nacht auf den 22. d. M. im Zuge auf der Fahrt nach Vorarlberg acht Personen wegen versuchten Notenschmuggels nach der Schweiz ungehalten. Sie führten insgesamt zehn Millionen Kronen, zum größten Teil in alten Tausendkronennoten,, mit sich, die sie in Schmugglerwesten versteckt hetten. * Abschluß des ersten Kurses der Schwestern in der Hadassa. In Jerusalem fand ein von der H a d a s s a »veranstaltetes Fest statt, dessen Anlaß der Abschluß des ersten dreijährigen Schwesternkurses der Hadassa war. 82 Schülerinnen haben den Kurs.mit.Erfolg abgelegt. An dem Feste nahmen Vertreter der Regierung und der amerikanische Konsul teil. Die Frau des High Comraissioner hielt eine hebräische Ansprache an die Absolventinnen, die mit großer Begeisterung aufgenoinmen wurde. * Fürsorgekomitee für Palästina-Emigranten, Wien, fl., Zirkusgasse 33. Spendenausweis vom 15. November bis 15. Dezember 1921. Bettenaktion, der Frau Dr. S o f e r : Durch Salomon Paß weg anläßlich des 60. G eburtstages desHerrn Eisig Tor czynef: Salomon Paßweg K 10.000, G. Goldmann, Sal. Goldkorn je K 5000, I. Podzamcze, Schwed je K 4000, N. Spira, W. Engelberg je K 3000, 8. Berger, N. Rosenbaum, E. Berger, L Schönfeld, Uebersfeld, Weiß, Budjansky, D. Lemberger, 8. Kornitzer, Königsberg, Stößler & Cie., Schreiber, Teitelbaum, Dr. Katz, I. Zuckermann;.I. Tennenbaum je K 2000, N. Gorgi, L. Ungar, 8. Schiff, B. Czaczkes, D. Landy, N. Ungar, M. Spira, Eisenberg, Ch. Korali, Färber, Schapira, Figdor, Goldmann, M. Mulier, Grünberg, Bankier Fischer, Kaufmann, Spira, Krochmal, Schön- I lüth, Feuerstein, Zuckermann, Porneranz, Stern & Sturz, B. Pulver, G. Weinstein, Ch. Weinberger, Armarm, A. Tennenbauin, Goldschneider, Mlinek, M. Ropschütz, M. Gutworth, F. Pollak, M. Koppel, H. Bauer je K 1000 zusammen K 102.000, Otto Wagenberg K 35.000, durch Frl. Mizzi Wein K 20.000, durch Sch, Horowitz K 20.000, durch David Nebenz~hl K 20.000, durch Dr. Abe'es K 13.000, durch Dr. Sofer: A. Goldstein, Krakau, K 5CCP, Leopold Sitzmann K 5000, durch Seinfeld K 20.000, durch Wolf mann K 2000, durch Aufrichtig K 10.300, durch Prof. M. Rath K 23.000, durch Boxenbaum K 6000, Salomon Reiß K 20.000, Salomon Picker. David Andermann je K 5000. WIENER MORGBNEEI?UKd lIllillillllllltlllllllllllllllllllllllllillilllllllliliilllllllllllilllSlllllllllllilllliHltllllllllltifir Jüdische Massenversammlung im Saal der Restauration Kadrmann II., Ausstellungsstraße (neben dem Lustspieitlieater). iitiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimitimiiiiiiininiiii **11111» Redner: Mitglieder des zion. Aktionskomitees. Ing. Laszkowitz, Dr. Bekam, Frau Scfiapirä-Beham, Feuer, B’nei-B’rith je K 1000, Maler Krestin K 500, durch Scharzer K 2000, durch Nathan Goldberg K 20.000, durch M. M. Horowitz K 8000, durch Abraham Horowitz K 3000, durch David Horowitz K 6000, durch losef Serog K 20.000, zusamen Bettenaktion K 376.800, durch Frau Dr. S o f e r: M. 1. Löwen 10,10,— Pfund Sterling, M. Shire 3,3,— Pfund Sterling, Blumenthal, Muzin, Morris Meyer, Mrs. M. Shire je 2,2,— Pfund Sterling, Lassersohn 1,1.— Pfund Sterling, Baron Menasse, Alexandrien 20,—,— Pfund Sterling, zusammen 43,2,— Pfund Sterling, Dr. Segre, Triest, 20 Lire. Sammlungen der „Wkner Morgenzeitt^g". »Die blinde Frau fr i e r t* (bisher K 4300). Malwine Galatzer K 500, L. G r a f K 300, J. 8. K 1000, Frau Spitz durch Herrn B a t o K 100, Ungenanntsein wollend K 1000, N. N. K 500, Moses H i c h e 1, II, K 300, Max, Josef und Gustav Fischer, Mödling, je K 200. Für Jüdisches Bl in d e n h e i ra (bisheriges Ergebnis K 18.420). Ungenannt K 1000, Ungenannt K 100, Samuel Zigmann (bereits ausgewiesen) K 1000, Bernhard Ni wes, II, K 500. Jüdischer Kinder g. a rteu ad Notiz vom 12. November. M. Löwensohn K 509. Aus des Tiefen ad Notiz vom 8. NovembeM Max Werner, Wien-Sofia, K 10.000, S c h i m erlin g K 1000, Anton Grün K 300, J. Wolf soh n K 3000, A.S., IV, K 500 (bisher K 48.900 und tschech. K 20. Jüdische Ausspeiseaktion, XV., Herklotzgasse (bisher K 3250). Alter P a d a w e r, VII, K 1000. Für russische hungernde Kinder Erich und Liselotte K 5000. Für Jüdische Blinde (bisher K 22.140). L. Graf K 2000, Alter Pa da wer K 500, Ingenieur Z. A d e I m a n n K ,1090, : B 0 u r 1 a und A r o e 11 i K 300, Malwine G a I ä t z e r K 500, David S m u t e r K 10), B. S. K 500, Rosa B 1 a u s t e i n K 500, Dr. Rudolf Mache k, Zahnarzt, K 1000, Frau Frieda MachekK 1090. J,ü d i s c h e s V e r s 0 r g u n g s h a u s (bisher K 2700). Bernhard N i w e s, II, K 500, Salomon Lenz, XX, K 500. Jüdische Kriegs invalide, Witwen and Waisen (bisher K 3000). Anonym K 2000, Jakob G e 11 e s, I, K 1000. JüdischeKinderfreunde. Alter Padewer, VII, K 500, Jüdisch-akademische Verbindung J 0 r d a n i a, Wien, anläßlich einer erledigten Ehrenaffäre durch Herrn Dr. Simon Holdengräber K 3000, Samuel Z y g m a n n (bereits ausgewiesen) K 4000, ein ungenannt sein Wollender K 1000, Bernhard Rosenstrauch, II, K 500. Für Pogromwalsen (bisher K 138.452.70, 5 Schweizer Francs, tschech. K 4400). Hans Sch nah e I, I, K 1000, Alter P a d a w e r, VII» K 1000, Unge.nanntK 50.000, Isaak S p i t z, II, K102, Chaim Schwarz, II, K 210, Aerzteverband Samopomoc K 500, J. G. K 400, Dr. Jakob B r a u n, Piesting, K 35, Roman P a r n e s K 1100. Für P a 1 ä s t i n a - E m i g r a n t e n (bisher K 89.405, tschech. K 85 und 85 Lire). B o u rl a und Aro e 11 i K 1400, Alter Pa dawe r. K 2000, Chaim Schieber K 500, Samuel Zygmaan (bereits ausgewiesen) K 3000. , Für M e n s a A c a d e m I c a J u d a i c a (bisher K 54.732). Es wird gefetzt im Cafd Donau; eine lustige Damengesellschaft K 4211. Für Jüdischen Kindergarten. Zur Bekleidung Chanuka K 10.000. Für „R a s c h e H i 1 f e* (bisher K 7085). Unter Pal tu 5.11 K 300, N. N. als Gegenwert für Karte Abschiedsabend Mali Picon K 200. Für Pogromopf er (bisher K 261.077, 10 Lire, tschech. K 100 und 300 Mark). A. P., XVI, K 100, Alter Padawer, VII, K 1000, * Chaim Schieber K 509, Verein Ahawath Zion, XVI, K 120, A. P., XVI, K 209, Samuel Z y g m a n n (bereits ausgewiesen) K 3000, A. P., XVI, K 100, Sammlung des Dr. A. K. und E. H. im Cafe Hamerling K 21.057, Anläßlich Verlobung K. D. K 2000, Salomon Lenz K 500, P. Kreppei K 150, Mag. Ph. Harth K 50. 1 Für Defizit der Jüdischen Bünden- Veranstaltung (bisher K 39.470, 4 Silberkronen und tschech. K 29). Eine Genesende K 200, Adolf Münz, L. B. WeiselbcTg K 100, Moses Hechel, II, K 500, Pinkas Czaczkes K 100, Dr. BT.o.d K 200, Leo Brod K 200, Sammlung bei Geburtstagsfeier des Herrn Norbert K. K 600. M. G, K 500, P. L. K 300, Adolf 27. Dezember 192) Seite" 5, T a r 1 e r K 500, Theater humanitärer Geselligkeitsvereirf Amicus, II, K 10.000, Fanny Unter bergl Silberkrone,, Doris Fischer K 509, R. Bittmann K 400,' M. Bittmann K 100, Heinrich B ö h.m-e r w a 1 d durch Herrn Tarier K 500, A. F. K 200. Dr. FL e i schmann und andere (Jüdischer Nationalrat Prag) tschech.' K 20, Stammtisch der Jüdisch-akademischen Verbindung Emunah K 2000, Johann Kremenezky K 5000> Dr. Jakob Bronne r, IX, K 220, Dr. Hugo Benedikt anläßlich Todes des Herrn Adolf Beck K 15.000. M. L., Wien II, „Ein N e d. e r“: 1. Zur Verfügung Klara Mautner K 500, 2. Fürsorge für jüdische Emigranten K 100, 3. Fürsorgeverein für jüdische nichtvollsinnige Jugend, DI, K 400. Für erblindetejüdischeSoldaten. Fr. und J. R. K 250. Für Verein Zukunftin B,a um g a r t e n. Fr. und J. R. K 250. Vereine, Vorträge und Versammlungen. Die Chanuka- Fei er für die west* liehen Bezirke Wiens kann aus technischen Gründen nicht stattfinden. DerBukowinaerZentralverbandia Wien, II., Rembrandtstraße 1/5, Fernsprecher 45.248, bittet um gütige Zuweisung von permanenten Angeboten und Nachfragen in allen Branchen, ebeno stellt obige Organisation kostenlos Arbeitskräfte für sämtliche Standesgruppen gern zur Verfügung. Bühne und Kunst. Orchesterkonzerte^? Das dritte Orchesterkonzert Dr, Hans P1 e ß’ bracht# die erste vollständige Wiener Aufführung von Debussys „Nocturnes“. In den drei Stücken „Wolken“, „Feste“ und „Sirenen“ ertönt eine fast unwirkliche Musik, die wie in Nebel gehüllt, wie mit Mohnsaft gesättigt, nur aus der Ferne ans Ohr dringt. Müde und traumhaft ziehen die Wolke« dahin, nur gedämpft erklingt die Festesfreude und in den „Sirenen“, deren auf- und abwogender Lockruf sich in die Flut des Orchesters ergießt, ertönt nicht die Sinnlichkeit blühender Frauenleiber, sondern das blasse Scheinleben einer Traumwandlerin im Mondschein. Im Spiegel der-Nacht, in der die Seele zum springenden Brunnen wird, werfen hier Wolken, Feste und Sirenen ein einziges Bild zurück, in dem moderne Musik mit raffinierter Primitivität durchsetzt ist Man wird beinahe an die fließenden Formen Gaugoins erinnert, der Erholung von der modernen Kultur ersehnte und bei den Primitiven neue Impulse für seine Malerei suchte und fand- — Kapellmeister Dr. Hans Pleß bemühte sich um Debusyss Stimmungsbilder gleichwie um Mahlers Fünfte Sinfonie mit wechselndem Erfolge. In dem symphonischen Stimmungsbild „Vorfrühling“ von Egon Wellesz ist schon in den allerersten Klängen der jungfranzösische Einfluß unverkennbar. Wie bei Debussy und Ravel, sind es die feinsten, oft wesenlosen Klänge, die ohne Dreisklangsfundierung mit virtuoser Benützung der Harfe das Erwachen der Natur einleiteu. Zartestes Sprießen setzt ein und gegen den Widerstand des Winters tönt es immer reicher und farbiger aus den Fagotten und Bässen herauf, gleichwie aus der Schneedecke die ersten Schneeglöckchen hervorbrechen. Mit den weichen Tönen der Hörner hält der Frühling seinen Einzug, dessen Pastorab nicht in Themen, sondern itt Klängen gestaltet wird. Die geistvolle Tonmalerei, die stets delikat bleibt und nicht; durch Länge ermüdet, wurde unter der Leitung des Kapellmeisters Auderieth vorzüglich wiedergegeben und fand herzlichen Beifall. — Der gleiche moderne Abend brachte die Schlußszene des ersten Aktes aus der Oper „Messalina“ voa Hans Ewald Heller. In ihr rollt echtes Theaterblut, Mondenschein und Liebesekstase spiegeln sich in leuchten-' den Farben und die von Käthe Ra atz au und Lorenz H 0 f e r mit allem Temperament gesungenen Soli zeigen in der kargen Kostprobe den starken Sinn des junge» Komponisten für bühnenmäßige Wirkung. Das von Bruno Walter geleitete Symphoniekonzert fand den Dirigenten in Schuberts H-Moll-Symphonie, deren Andante er übermäßig verzärtelte, nicht, auf gewohnter Höhe. Erst in Brahms’ C-Moll-Symphonie vermochte er den Hörer in den Aether reinsten Kunstgenießens zu entführen. Zwischen den symphonischen Werken hörte man Brahms Rhapsodie Op. 53, deren Wiedergabe durch die Mitwirkung Emmi Leisners zu einem hinreißenden Erlebnis wurde. In wunderbarer Wärme schwebte ihre Altstimme in idealer Vollendung über den Klängen des Männerchors, ein wahres Labsal in dieser Zeit des Niederganges der Sangeskunst. An ihrem eigenen Liederabend bot die bescheidene kultivierte Künstlerin Proben feinsten lyrischen Vortrags und so bleibt nur noch der Wunsch offen, diese Meisterin des Gesangs, die Mitglied der Berliner Staatsoper ist, als dramatische Sängerin an unserem Operntheater kennen zu lernen. ' flb. Carl-Theater. Mit erlesenstem Raffinement haben Julius B r a m m e r und Afred Grün w ,ald ihre neue Operette „Die Bajadere“ serviert. In Paris vergnügt sich ein bezaubernder Prinz aus dem Märchenland Indien. Alle Frauen lieben ihn, aber er bleibt kalt, bis die richtige kommt. Es ist die reizende Primadonna Odette Darimonde, die er begehrt und in seine Heimat mit sich nehmen möchte. ‘ Mit starken hypnotisch-telepathischen Kräften — dem neuesten Operettenrequisit — will er sie erobern, sie scheint sich seinen Bitten zu fügen und tanzt vor ihm den Tanz der Bajadere. Aber dann, mitten in der Trauüngszeremonie, bekennt die Frau, den Mann düpiert zu haben, und die Schauspielerin will nun das Spiel nicht mehr fortsetzen. Wohl gibt sie dem liebestollen Prinzen den Laufpaß, aber schon sitzt der Liebespfeil zu tief in ihrem eigenen Herzen und so werden sie — Ende gut, alles gut — im dritten Akt ein Paar« Neben der Primadonna pendelt Marietta, die sensationslüsterne Dame der Gesellschaft, über die Biihne und zwischen zwei Männern hin und her. die in der Rolle de>'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.