Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1045 (27.12.1921)
- Date
- 1921-12-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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M. 1Ö4?> Wfen/Pienitag Tagesbericht. Das Begräbnis von Josef Popp er«Lyttkeus Sonntag mittags wurde Josef Poip>p©r-Ly*nkeus in dem vom d'er Israelitischen Kultusgemeinde gestifteten H'bren«graib zur letzten Ruihe gebettet. Die Leich-em« feier gestaltete sich zu einer imposantem Kundgebung des geistigem Wien für dias Werk des großen Philosophen ifnid Menscihenfreundies und die Zeremnomienihalle des Zentralfriedlhofes ©rWi-es sich afi*s zu klein, am die große Zahl der Trauergäste aufzunoimen. Vertreter der jüdiischin-aitionialem Verbindungen hielten . am der Bahire die Eibireinwache. Unterwanderen Persönlichkeiten warnen erschienen: .ßürgeirtneintar Reumann, der Prasidemit der Israelitischen Ku-kusgenieinde Generalstabsarzt Dr.' Pick mit mehreren Mitgliedern des Vorstandesiimd den Sekretären, Gemeindera-t Doktor Pias c h kes und Kultusvoi^tand Dr. F r i e d m a n n, als Vertreter des ZioniiistiisdienLainidieslkomitees.derDiirektor dietr Universitätsbibliothek Hofraf Frankfurter sowie zahlreiche Persönlichkeiten ans clor Wieirer pplitiisohen uintd der Gelehrtenwdt Die Totemrede hielt Obarrahbitner Dr. Chajes, welcher dem VerbUch-ene^ als Denker, Menisdheat und luden würdigte. Poviper wollte vom Metaphysik nichts wissen, darum waren ihm auch die Konfessionen fremd. Er hat keime Eigenschaften besessen, die Glaubensgemeinschaften ihren Heiligem zusohreihen. Er hat nicht geahmt, daß er diese Eigenschaften der Eigenart seines Volkes zii'zuschreiben hat. Er ist in einer Zeit groß geworden» in der man im Judentum nur eine Kon» feüwion erblickte, und dlajber interessierte ihn das jüdische Problem nicht. Sern-cr Kultur nach fühlte er sich ganz dem deutschem Volke zugewandt. Plötzlich kam das Judentum im seine Sehweite. In seinem geliebten deutschen Volke brach der Judenhaß los nicht in der uinwissenden Masse, sondern am scinsr Spitze. Er sah .«plötzlich, daß ei geiirrt hatte, urnd als das jüdische Problem in seine Schwellte kam, fand er zu seiner Uehernisübung, daß er dlais Beste aus dem Judentum geschöpft, welches die Heiligkeit des Bebens im dem Vordergrund* rückt, wie kein zweites System. So erkannte Po«pper allmählich, daß die alte Heimat Palästina der archimedische Funkt des Judentums, diar und gemäß seiner Erkenntnis, daß das Volk seinen angestammtem, autonomen Boden wiedeirgewinm-em müsse, hat er seinen kostbarsten Besitz, seine Bücher, dem künftigen geistigem Zentrum des Judentum®, der jüdischen Naitiona/lbibfriodicik in Palästina, vermacht. Die Rede des Oberraibbincrs Dir. Chajeis übte einen tiefem Eindruck auf die Tramerversammlung. Hierauf .sprachen der PrasMöniF der Kufltuisgeraeinde General- Stabsarzt Dr. Pick, Dr. Julius Ofner, für dien Verein Allgemeine Wehrpflicht Dr. Wittels umid Ing. Mauthner für den Ingenieur- und Arcihitektenversiin« Aus allen diesen Ansprachen, welche die verschiedenen Seiten des vielseitigen Wesens des Verbliebenen würd’gteni, klang die aufrichtige Trauer über den'Verlust dieses großen Juden und der Stolz auf diesen Zeitgenossen, welcher der Menschheit neue Bahnen zum Glück gewiesen hat. •v^ Der jüdische Student. Namen vcm Vereinen und Verbänden verhält. es sich ähnlich wie mit Kindennannm. Es ist ■nicht gut, wenn sie ztvviel emtihalt-en — sie? wirken anspruchsvoll, es ist aber noch weniger gut, wenn sie z*u wenig emithaltem — sie sind dann bedetulitungs-- los. D-eir Naime jüdischer tlochsdhiulannsschuß klimgit für dem AmLernsteheimdem ziemilich nichtssagend, formell und leblos. Kommt mam zufällig hin, so ist man freudig überrascht, eine vcm' modernem Geist und lebendigem Leben erfüllte Vereiniigumg vorzutf indem, der e-s im verhältnismäßig kurzer Zeit gelungen ist, die überwiegende Mehrheit der jüdir sichen Hochschiiler zu sammeln. Von den schätzungsweise 5500 jüdischen Studenten sind volle 4000 im »Hochscbnihaussichuß« organisiert und •haben sich iai diesem Verband eine Stütze in allen wifTbs-chaftlichan Nöten geschaffen. Sie bedürfen dieser Stütze gatr sehr. Denn wentn auoh die Vorstellung vom feucht-fröhlichen Studentemle'bcn für die jüdisdhen HochsChüler «nie1-: mals zugetmoffen hat, so hat es doch solch krasses Elend, so verzweifelte Not im Kreise der Hoch-' sdiüler nacht 'gegeben, D'a kommen Studenten in die Organisation, die wörtlich und buchstäblich kein Hemd auf dem Leibe tragen urnd sidh für ihre Prüfungen, zu deinen sie unmöglich im mitleidig deckenden Sweater erscheinen können, vom den Kameraden mit Wasdhe versorgen lassen müssen, aindsfe sind 'sogar gezwungen, um die Hilfe einen Vermittiler zu, senden, denn sie neinimeii aiuch macht ein einziges Paar Stiefel mehr iibir eigen und sitzen .wodheniliaing1 im Wut-Zimmer gebannt, bis e$ den Kollegen gelingt, Schuhe aufzutreiben. Der hungernde- Student ist eine zu bekannte und alter,probte Roimaintfigw, um die Behauptung suzulaissen., Krieg und Teuerung hätten die. Ensch einung hervorgemfen Aber die Formen der Verelendung sind wohl ein »Erfolg« -unserer Zeit, Denn der »Hunger« des Bmuder Studio von einet war weh üppige Schwelgerei gegen das- Darben von heute, und wenn er mitunter gleic'hfailSis Hausarrest wegen Kleidermangels hatte, dann trug die liebe Eitelkeit g-ewöhmilidi einen guten Teil der Schuld, weil ihm die abgetragenen, am den Nähten glänzenden Kleidungsstücke nicht mehr standesgemäß schienen, jene Kleidungsstücke, mach denen er sich heute glühend scfrnit. Der Ratschlag, das Studium falhirem zu lassen und auf einen praktischen Beruf unrnis-atteilin, ist leicht erteilt, zeugt aber vom absoluter Verständnislosigkeit, Denn hat mam erst acht Jahfe Mittelschule und vielleicht ein paar Semester Hochschule hinter sich, dämm taugt man ©infach; nicht mehr zw Arbe;t der Hand und ist gczwung^gi, dem, eiingescihlagonoa Weg weiterzw WIENER' MORGENZEITUNkJ verfolgen durch dick und dünn, durch Eilend und Hunger. Gewiß, es ‘kommt auch vor, daß der eine oder der andere z/urückbleibt, daß er im Spekulamtonnwn «versinkt, im einer zufällig gefundenem Stelliung als subalterner Haindelslbefiiiessener »hängen-« bleibt, die Wissenschaft mit dem Verdienertum vertauscht. Aber die Regel ist das miebtt Die ist vielmehr das hartnäckige 2ustrcl>«n auf das einmal gewählte Ziel, der leider-ichaftliehe Kampf mit allem Schwierigkeiten und, Fährnissen, der mit echter jüdischer Zähigkeit umd Leideusfäihigkert geführt wird, ein Kampf, dem -zumeist der reinste und edelste Idealismus Mut und Kraft gibt. Für dem Studenten vorn einst sorgte doch in den allermettsiten Fällen die Familie. Zwischen dem armen jüdischem Studenten vom heute und dem Hunger steht im Grunde genommen nur die Kdlegenorgaimisaition. Von dem Mitgliedern des Vereines särnd gut drei Viertel sogenannte »neue Ausländer«, Ostjiuden, Böhmen, Jugoisdawen, viele hebern überhaupt keine Angehörigen, die feen helfen könnten, fast adle haben ihre Verwandten oder Freunde nicht iin Wien urnd erhalten auch nktft einen Heller Unterstützung. Der »Wechsel« des Vaters oder Jütibcnkds, ständiges Requisit sämtlicher deutschem Witzblätter, ist für den größtem Teil der Studcnibenisellia-ft eine schöne Sage gewordene . Amgesidh/ts dieser Sachlage war es die erste Sorge dar Grgaintis-atkan, die Kameraden vor Hunger zu schützen. Eime Obsorge -wair uanso notwendiger, als die Mensa academiaa b-elkainrntiidh entgegen ihjjeq Stat-uiben, Juden die Auifinohime verweigert und' von den Studenten, die ihrer Segnungen teilhaftig wördeai sollien, den Nachweis der deutsch-arischen Abstammung Ms zu den Großeltern fordert. Man sagt in solchem Fällen «•bekanntlich«, j:ind es ist Ja auch wirklich seinerzeit genug darüber gesp-rodlien worden. Aber die, die es iivteressierem sollite-, scheinen von dieser Betätigung offeaiikuindigön, bildind wütigen und brutalen Antisemitismus doch« keine Kenntnis. eitliailton au haben. Im Kuraitioriurm der Mensa academica sitzen Juden und Judcin vensoingem' uaich wie vor das Institut mit Leibenismiittelln., Bireinnstoffeni, weisen ihm Spendern zu. Falls es ihnen gelungen ist, bisher uichtis d-aivon au erfahren, so* seien sie hiermit ausdrücklich davon verständigt, daß seit dem Vorjahre keim Jude in der Mensa atc-aidemica aufgeoemmen wurde. Sie müssen sidh alle in die Mensa jiudaica flüchten*, womit sie vielleicht keimen sdhlecihteu Tausch machen. Doch gehen die Mittel des Verbaindes bei der wahnwitzigen Teuerungrapid zu Ende, und wenn die jüdische Allgemeinheit sidh nicht ihrer Pflichten gegen den Nachwuchs: der -geistigen Arbeiterschaftöriminert, wird eine Kätaisitrcaphe lcaum abzüwendem sein. Vielleicht überwinden, die Juden, welche diie antisemitisdhe Mensa aic-ademica unterstützen, angesichts dieser Sachlage doch ähre Abneigung gegen den »P-artiikiularisimis« -und »Ghettogeist« umd entschließen' sich; ihre Förderung der Gememschafsküche jüdischer Studenten zuteil#wenden zu lassem. Der Zudrang zu dieser Gerneimsebaftsküche ist naturgemäß gewaltig. In dem drei kleinem Sälen eines ehemaligen Kaffeehauses nehmen zweimal täglich 1600 Stiudenitcm’ und Studentinmen ihre Mahlzeit ein. Die Preise simd -von dem VeMnögensverhältnissem abhängig. 1S2 Studenten, bezahlen über-. haiuipt nidlits, etwa 800 erstatten die Hällfte der Herstellungskosten für Mittag- und Abendessen» die übrigen, die vollem Kosten im lächerlich niedrigem Betrag von 85 Kronen. Die Ernährung erfolgt mach dem >Nem«-Systems (Pirquet), ist reichlich und bekömmlich. Es gibt zweimal wöchentlich Fleisch. Das Menü eines solchen Fleischnüttagessens lautet: Bohnensuppe mit Einlage, Gulasch miteinem großen Stück Polenta und zwei mächtige Buchteln. Uebrigems bewerben sich nicht nur die Ortsfremden 11m die Aufnahme in die Mensa judäiea. Es mehren £ich die Fälle, da Söhne Wiener Familien dringend -bitten, dort verköstigt zu werden. Im Wiener Mittelstamid ist jia die Verelendung schon so weit vorgeschritten, daß die Führung eigener Küche vielfach ein Ding der Unmöglichkeit geworden ist und die Sehne von Aerzten, Beamten, Technikern, Rechtsanwälten sich glücklich schätzen, der Misere d'er allgemeinem Kriegs- und Gemeinschaftsküche; entflieheri ®u können. Nächst dem Essen ist das Quartier die größte Sorg'e des unbemittelten Studenten. Dieser Schwierigkeit gegenüber, an der so manche andere.Energie zuschanden geworden ist, sind die Bemühungen des Vor eines aiucih nicht von vollem Erfolg gekramt gewesen. Zwar wurde eine der Griuzinger Baracken zur Verfügung gestellt, in der 54 Studenten Obdach gefunden “haben, aber selbstverständlich ist damit das Problem nicht gelöst, kaum die dringendste Not gelindert. Aber mit der Beschaffung, von Kost und Wohnung sind die Schwierigkeiten des armen Studenten, namentlich des armen, jüdischem Studenten, noch nicht erschöpft. Da ist zunächst die Vorbedingung alles Studium-s, die Inskription. Mit Ausnahme der ' Welthandels-Hochschule sucht jede Hochschule mehr oder minder energisch den Zuzug jüdischer »Ausländer« abzuwehren. Wenn diese Abwehrbewegmg heuer an der Universität etwas schwächer ausfäilt, so trägt daran nicht die mildere Gesinnung, sondern vermutlich dar Umstand Schuld, daß man genötigt ist, sich Aus-lanid-ssympathiem zu erwerben und das echt mit der patentierten »Dummen-Kerl- %7, Dezember IM Seite 3 Gesinnung« nicht so leicht. Welches immer jedoch! die Gründe sein mögen, sei anerkannt, daß ma/a heuer an der Universität nicht bemüht ist/ HInder-, nis auf Hindernis vor den jüdischen Studenten aufzutürmen. Hingegen 'betreibt man diese Taktik unter, dem Titel »Raummangel« an der Technik mit Eifer weiter und mit noch größerer Begeisterung —- und! durchschlagendem Erfolg — an der Hochschule für) Bodenkultur. Hat der Student aber alle diese Schwierigkeiten überwunden, dann naht die größte — -die Beschaffung der Geldmittel zur Inskription. Beträge von 12.000 bis 15.000, in besonderem Fällen 30.000 Kranen sind für den mittellosen. Anfänger a/uch jetzt; m cihlt *sio leicht auf Zubringern. Da muß die Organisation nachhelfen und in Form langfristiger Darlehen» die .notwendigen Summen zur Verfügung steilem Ferner verschafft sie durch Anlegung einer Skriptenbiibiliotheik das unentbehrliche Studienmaterial. Wie notwendig diese Förderung der jüdisdheni Hodis'chüler ist, ergibt sich aus der bloßen Tatsache, daß von den 4000 Mitgliedern des Verbandes 2100 der Studentenfünsorge bedürfen. Diese Fürsorge umfaßt, außer den erwähnten Maßnahmen, noch die Krankenfürsorge. Im Bedarfsfall werden die Kosten der SpitaIsbehandlung gedeckt. In dien* Monaten Mai bis September ist ein Erholungsheim Inr Gleichenberg in-Betrieb, das Im letzten Sommer 20^ jungen Leuten die Möglichkeit zur Wiedererlangung ihrer Gesundheit bot, eine Gelegenheit, die von den jungen Menschen so trefflich genützt wurde, daß Gewichtszunahmen von 12 bis 14 kg keineswegs zu den Seltenheiten gehörten. Bei der Aufnahme in, dieses Heim zeigte sich > übrigens, wie notwendig eine, geregelte Krankenfürsorge für die studierende jüdische Jugend ist, denn vom 2200 ärztlich Untersuchten erwiesen sich 62 Prozent als krank. In letzter’Zeit hat sich dem, »Hoch schul aus« schuß« auch ein Verein für Arbeitsnachweis an jüdische geistige Arbeiter und Studierende amgeschlo&sen. -Vorläufig wird von dieser’ Möglichkeit, sich Hauslehrer, Hofmeister, Kanzlei- und Schreib» Kräfte usw. zu verschaffen, lange nicht im wünschenswerten Ausmaß Gebrauch gemacht." Gewiß« Kreise finden es wahrscheinlich vornehmer, ihre Kinder der Obsorge niohtjüdischer Lehrer zu überlassen, obnie zu erwägen-, welche.ipädagogischon*Bedankenvon vornherein gegen die Aufnahme Ftchh der in den Familienkreis' sprechen,; Der Student findet im allgemeinen heute vief weniger Sympathie und Förderung als ehedem.. Die Strömung der Zeit ist gegen ihn. Aber wenn, auch! da-s Ma-ssen'&tu'dium und' das Studium um jeden Preis jetzt verurteilt wird, so bedeutet das doch sicherlich nicht, daß wir des Nachwuchses an geistigen Arbeitern entraten können. Und es bedeutet am allerwenigsten, daß wir den mittellosen jüdischen! Studenten in. seinem harten Kampfe im Stiche lassen dürfen. Klara Mautner, Jüdische Helden in zwei Koffern. Eine mystische Vision. Der antisemitische ungarische Abgeordnete A v a r f f y behauptete in mehreren Artikeln, daß die ungarischen Juden im Kriege Drückeberger; waren*. Dr. Szabolcsi vom »Egy-eulö.seg« antwortete mit einem Artikel, der die Ueberschriftj trug: »Avarffy lügt.« Der beleidigte Antisemit klagte.- Dr. Sizaibdlosi wollte den Wahrheitsbeweis! arvtreten und ließ aus dem Archiv der Budapestec Kultitsgemeinde zwei Koffer vollgepadot mit Akten! in den Gerichtssaa.l bringen, aus denen der Beweis erbracht werden sollte, -daß Hunderte ungarischer! Juden als Kriegshelden gefallen sind. Der Gerichtshof lehnte die Verlesung dieses Wahrhei-stbeweises ab, weil sie nur für die jüdische Konfession, aber nicht für die Allgemeinheit von Interesse seien. Hiezu schreibt S—s umher dbigera Titel m »Müll; es Jövö«: Man, hat also die jüdischen Helden in zwei große Koffer gepackt,. Beamte der Kultuisgemeinde brachten sie bi-s zum Korridor oder höchstens bis zum Vorzimnienr des Verihandlungssaiales. Weiten sind die jüdischen Helden nicht gekommen. In den Saal wurden sie nicht hineimgelassen. Dort drinnen, ■vva-r man weder auf ihren Namen 1100h auf ihre Religion, noch darauf neugierig, wo sie gefallen sind'*. Die Beamten der jüdischen Gemeinde verschlossen die nutzlos geöffneten Koffer,• umsohina-llten -sie mit dicken Lederriemen, luden dann die schwere Last (um wiovieles schwerer mochten siie die Last auf dem Rückweg empfunden haben) auf ihre Schub -tern und legten dann die jüdischen Helden *zu den übrigen Akten, aus denen die sogenannte »Geschichte« ihre Fäden au spinnen pflegt. Der Zufall wollte es, -daß ioh mich gerade zU jener Zeit unter den wieder zur Ruhe gebrachten jüdischen Helden befand und im Dunkel des Archivs, im dumpfen, stillem Dämmerlicht hörten was die Helden miteinander sprachen. Die weißen Blätter fingen zu sprechen an, wie wenn Tote in weißem Linnen in geheimnisvoller Nacht flüstern. ' ' t ' Der Erste: Gut, daß m*an uns wieder in ivnse-? Grab zurückgcbra-cht hat. Immerfort stören sie* unsere Ruhe. Schließlich haben wir doch wenigstens dcis eine, die Ruhe, verdient für uns er verlorene« Leben. Der Zweite: Es ist gut, daß sie uns zurückgeschickt haben. Würde man u-ns hinemgelassenhaben, ich erschaudere beim bloßen Gedanken daran, dann-hätte man unitroro-n Leichnam auf dem ganzem Tisch ausgebreitet, unsere Wunden abgetastet, ob