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Wiener Morgenzeitung · 1921-12-25 · Heft 1044 (25.12.1921) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 1044 (25.12.1921)
Date
1921-12-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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1 r) •/, fcr. 1044 Wien, Sonntag . WIE MER MOfiäEN^EITUNä Stellten Grundsätzen, vor, und zwar allgemeines; gleiches* direktes und geheimes Wahlrecht mit Wahlpflicht ühd Proportionatvertretüng für die Deputiertenkämriief, ßiie Gdldgrubenbesitxer drohen mit der Produktionseinstellung. Bukarest, 24» Dezember* (Tel* der „Wiener Morgenzeitüng“.) Das Goldausfuhrverbot der Regierung hat in den Kreisen der Bergwerksbesitzer großen Unwillen hervorgerufen. In einer jüngst stattgehabten gemeinsamen Konferenz beschlossen die Produzenten, dieses Verbot mit einer Einstellung der Pröd ü K t i ö n zu beantworten. Das in diesem Sinne gehaltene Memorähdum an die Regierung wurde auch bereits überreicht Palästina. Jüdischer Protest gegen die Bodenverteilung. Jerusalem, 23. Dezember. (J. C. B>) Die palästinensische Regierung hat mit der Verteilung der Staatsländereien unter wirklich landwirtschaftlich tätige Leute begönnert. Jedes Areal soll 150 bis 200 Dutiam Bodens nebst Wiesen enthalten. Der Waad Leumi (Nationalkomitee dir palästinensischen Judenheit) erhob dagegen Einspruch beim High Gomroissioner und wies darauf hin, daß jede Familie mit bloß 100 Dunam ihr Auslangen reichlich finde i könne und daß bei den gegenwärtigen Verteilungsrnethoden für die jüdischen Bewerber kein Staätsboden übrig bleiben könn& Jerusalem; 22. Dezember. 0« C. B.) Der High Gommissioner genehmigte am 19. Dezember den im Juli zwischen der jüdischen Bodeneinkaufsgesellschäft und dem griechischen Patr i a c h a t in Jerusalem abgeschlossenen Landkaufsvertrag, im Werte von 250.000 Pfund Sterling. Der erworbene Boden soll zur Aufführung von zahlreichen Häusern und Geschäftsläden verwendet werden; Baron Edmund Rothschild über die alten und neuen Kolonien. Jerusalem, 18. Dezember. (Bericht der „Wiener MorgdnzÖitüng“.) Ein Redakteur des „DöarHajöm* hätte eine Unterredung mit dem Schöpfer des jüdischen Siedlungswerks iri Palästina, Bafoii Edtfttmd'R o t h s e h i 1 d, der sich in Worten der Unfeufriedeftheif über die Läg6 in den von i lim geschäffenenKdlonien erging. Obzwar seine Arbeit jfilr Palästina schön vierzig Jahre dauere,seien in dieser Zeit die Baüerii in den Kolonien noch immer nicht selbständig geworden, lind Übersenden ihre Gesuche um Tilgung der Defizite, um Darlehen für Verschiedene Zwecke und um Zuwendungen ällfer Art Die Kolonisten müßten wirkliche Bauern sein und ihre Söhne an die Scholle fesseln, das sei die hauptsächliche Vorbedingung wirtschaftlichen Gedeihens» Wehn die heuen Chaluzim mit 20 bis 30 Grosh täglich auskonimen können, sollten dies die bereits Akklimatisierten erst recht können, fuhr der Baron mit immer stärkerer,. Erregung fort. „Reihen Heller mehr an dl e a 11 e n Kolonien* Den neuen wende ich mich hilfreich zu, den Galuthflüchtlingen, die in Palästina Äsyl suchen, die kein Brot und keine Kleidung haben; Was ich für R i s c b o n 1 e Zion und Sichren Jakob vor 40 Jahren getan habe, werde ich auch für die neuen Kolonien tun, unter der Bedingung, daß sie im Boden verwurzeln und ein Geschlecht von richtigen Bauern im vollsten Sinne des Wortes heranziehen.“ Zum Schluß kam der Baron auch auf die Araberitige zu Sprechen und betonte, daß es stets sein Hauptziel war* Eintracht Zwischen Arabern und Juden herzusteil Sh. Seine Beamten hätten diesbezügliche Weisung erhalten, weshalb auch die Araber bei verschiedenen Arbeiten beschäftigt werden sollten. In diesem Sinne stimme er auch der Politik des High Comniissioner vollkommen bei. Am Schluß erklärte noch der Baron, daß sein Alter von 76 Jahren ihm kaum noch das Reisen gestatte, jedoch sei es nicht ausgeschlossen, daß er trotzdem noch zu Beginn des kommenden Jahres Palästina besuchen werde. Immerhin sei sein Sohn fähig, seine Arbeit mit verdoppelter Energie fortzusetzen. . Die Bodenpolitik der Palästina-Hypothekenbank. Wir erhalten die folgende Zuschrift r Die vierte Reichskonferenz der Kommissäre des Keren Kajemeth in Oesterreich hat in Nummer 2 ihrer Resolutionen (veröffentlicht In der „Wiener Morgenzeitung“ vom 13. d. M.) Aufklärung darüber verlangt, „ob bei der Kreditertei ung durch die Hypothekenbank den Beschlüssen der Londoner Konferenz In bezug auf unsere Bodenpolitik Genüge geleistet wurde“. Es ist uns eine angenehme Pflicht, entgegen verschiedenen Irrigen Meldungen, festzustellen, daß von den bisher für Hypothekendarlehen bewilligten 34.000 Pfund Sterling ein . Betrag von 24.000 Pfund Sterling, das ist über zwei Drittel, an solche Erbauer von Kleinhäusern gegeben worden ist, die Pächter von Nationalfondsboden sind. Aus dieser Tatsache ergibt sich die prinzipielle Auffassung, von der sich die Verwaltung der Hypothekenbank leiten läßt, so deutlich, daß jede weitere Erklärung überflüssig ist Mit Zionsgruß Für den Wirtschaftsrat der Zionistischen Exekutive: Dr. B. Feiwel. SEIDEN RESTE in ällen Arten und Längen sowie Cr&pe« de-chlne* alle Farben, am billigsten bei ' Urmn L Fried VT., Linke Wlenzeiie 4Q, Bm Hoffe M Telegramme. Präsident Harding über das jüdsschamerSkätii&che HilfSwerk. New York, 21. Dezember. (J. C. B.) Das amerikanisch-jüdische Hilfskomitee, das jetzt an die Durchführung der Kampagne zur Aufbringung der 14,600.609 Dollar für das jüdische Hilfswärk iü Europa schreitet, erhielt vom Präsidenten Harding folgendes Begründungsschreiben: „Es ist Wohltuend zu wissen, daß es solche Organisationen wie ihre gibt* die wieder bereit Lind das glänzende Werk fortzusetzen, welches bisher vom humanen Gesichtspunkt so viel Ersprießliches und Lobenswertes geleistet hat.“ Ein russisch-finnischer Krieg bevorstehend? Riga* 23. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Hier sind Nachrichten eingetr.ffen, däß Sowjetrüßland seine Mitglieder in der gemischten russisch-finnischen Kommission abberuf e n habe. Als Abberufung wurde die Unterstützung des karelischen Aufstandes durch Finnland angegeben» Weitere Nachrichten besagen, daß der Oberkommandant der „Roten Affiiee“ K a m e n e w bereits ei en Plan zur Verteidigung von Petrograd ausgearbeitet und alle Befestigungsvörarbeiten in Angriff genommen habe. Polnische Nationaldemokraten hetzen in Wilna. Wilna, 22. Dezember. (Tel. d. „Wr. Morgenztg.“) Vor einigen Tagen sind hier die Warschauer Antisemitenführer L ü t ö s 1 ä w s k i, D y m o w s k i, Brzoslawski und andere eingefroffen, um an der Wahlpropaganda teiizunehinen. In ihren Wahlreden hetzen sie die Massen gegen die jüdische Bevölkerung auf. Mit solchen Mitteln will man die Sympathien der Juden für Polen gewinnen? Kündigung des spanisch-deutschen Handelsabkommens. Berlin, 24. Dezember. (Tel.-Komp.) Die spanische Regierung hat das Handelsabkommen mit Deutschland gekündigt. Die Kündigung ist wahrscheinlich darauf zufückzuführen, daß die spanische Regierung seit längere* Zeit eine höhere Schutzzollpolitik gegenüber anderen Ländern, verfolgt.. Jahreskonferenz der lettischen Zionisten. Riga, 22. Dezember. (J C. B.) Hier fand unter dem Vorsitz Dr, T r o n s die zweite jahreskonferenz der Zionisten Lettlands statt. Der Vorsitzende berichtete über die befriedigenden Ergebnisse des Keren Hajessod in Lettland, der durch die lettische Regierung legalisier t wurde. Viele nichtzionistische Körperschaften, die ursprünglich gegen den Keren Hajessod waren, haben sich jetzt der Aktion angeschlossen und arbeiten zusammen mt den Zionisten. Strafantritt Jagows. Berlin, 24. Dezember. Das von J a g o w eiflgebrachte. Gesuch um Aufschub der Strafvollstreckung ist bisher nicht bewilligt worden. Jagow Wird in den nächsten Tagen nach G o 11 n o w in Pommern gebracht, wo er die fünfjährige Festungsstrafe verbüßen ^oll. SE MÖBELFABRIK |§ J. MANNE ■ WIEN, VII. SCHOTTEN¬ FELDGASSE 24 - TELEPHON NR. 39-1-08 JtWIlu GRÖSSTE AUSWAHL IN QUALITÄTSMÖBELN ALLER HOLZ- U. STILARTEN ZU MÄSSIGEN PREISEN 1 •s =s ... 25. Dezember 192 t Seite 5 r—rr.-L.i, — n Mt' — ""üf Tagesbericht. ßie Ankunft des Präsidenten Weitzmäntii Näeli eiiigelaiigtentelegraphischen Mitteilungen trifft def Präsident der Zionistischen Weltorganisation Professor Weifzrtiärih nicht, Wie gemeldet] Montag nachts, sondern Montag um 2 Ühr 1Ö Mini nachmittags auf dem Westbahn hoi Lin, Die früher verlautbarten Verfügungen bleiben in Kraft» Zidnistisbhes Ländesköihitee. * Berlin, 2Z- Degeniben (j. G* B-) Der Vorstand def hiesigen jüdischen öeftieiride bereitete Dir. Wrifzmarth einän Eihpfaftg. Der ^MdM der jMsölten.ösrnelrtds begrüßte dön Präsidenten der Zionistischen . Weltorganisation Und erklärte, daß die Anwesenheit V/elfznianns m Berlin eilte große EÜfurig der judihtteit der deutschen Hauptstadt bedeute, die zweifellos ihre Pflichten gegen Palästina Voll und ganz erfüllen wird; öleieötiis* Am Tage def Bestattung Von Pöpßer-Lytikeus» Auf der russischen Steppe — erzählt Ltzo Tolstoi ungefähr — lag din Mäjin, bresihaft, am ganzen- Körper gelähmt. Nur ein Arni hatte die Bewegungsfreiheit. Er lag da, der Wundermahn* dis Augen ih Frohmut an den Horizont geheftet* dann wieder die Gräser mit den Blicken kosend und die kleinen bunten summenden Und flatternden Kreaturen» Ühd den gesunden Abu erhob er immer Wieder kuitl Hiföriiel, der Wunder- Mann, und pries seinen Schöpfer. Da geschah Merkwürdiges auf der russischen Steppe. Die Belädöhen und Bfesthaften kämen zii dem Einsiedler, dem nichts geblieben war als ein Paar gesunder glanzverklärter Augen und ein rüstiger Arni und der doch nicht abließ, sich dieser Schöpfung zu freuen vom tauenden Morgen bis zum sinkenden Abend. Die Kunde drang weithin über die Steppe, immer neue Scharen Seelenkranker und von Körpefschiherz Gepeinigter kamen. Und alle genasen int Anblick dieses Propheten der Lebensfreude. Heute wird ein Großer zu Grabe getragen, def Aehnliches Vollbracht hat. Ein Wündergreis Von furchte barem Körperleid geplagt, sah von seiner Matratzen4 gruft in die Welt mit frischen, gütigen jungen Äugend die aber um die Not der Menschheit wußten, wie nicht? leicht ein Zeitgenosse. Freunde sahen dieses Wunderj wurden andächtig und gut und gefeit gegen jede! Qual des Lebens, immer neue Pilger kamen inj die Krankenstube dieses reichen Spenders tincij wurden glücklich. Sie sägten eS weiter uni diejenigen, die fnit solchen Besuchern de$ körperlich Kränken, herrlich heiteren Weisen sprachenJ ahnteh, daß da ein wunderbarer Qüell einen Strom) von Liebe speise, der Wachsen wird und Viele BeH ladene erquicken. j Wenn sie heute um den Sarg des Glückspenders ge*j sammelt sind, die Glücklichen, die an seinem Krankend bett erhöht wurden, mögen sie sich in dem festen Willen einen, ssin Erbe zu verwalten, mit Inbrunst und ohne zu ermatten. Q. A, - Erde. Von Eugen Hoefltclu Als ich Jerusalem Vcrheß, Söhdtört Meintü ehemaligen Freunde mir (keime ÄbsähiedtegesÖheinike^ Nicht, daß sie dachtan, da6 für dien, der mit Jerusalem! verb-iunein war, wie Seele rn.it Seele, derartige Stüter ipunikte der Erinnerung nicht notwendig wärm, midhtj daß sie dächten, daß für den, dessen Geist sieh gelöst hatte i'n. das Herz dieser &ta*dt, greifbare Dinge yöoinöt(5h wären; anders Siageti die Grünulte dieser'sonderbaren Gaätfreundlüoh'loeit — doch darüber issprechtem!* hieße alte Wunden wieder aiUEreißsn. Drei Stunden aber, ehe ich ging, teara ein Bote tM mir, ich erinnere mich heute mdch seines Aussöhems :| ein biräinhei* jfutige' mit einem, niericwündlig scharfen! Gesiebt, der mit feierlicher GebäHe mir ein kleamesl, Päckchen u'nd ein Schreiben überreichte. Päckchen und Brief wogeh leicht in meanier Hamd^ aber als ich sie öffnete, lasteten isie echwer, umd ein Gefühl überkam mich, das die Gefühle dieses Abscbitedä' veränderte. Ein Mädcheii,. eine jüibge Eeibrerm, .mditdef ich kaum mehr als zehn Worte gewechselt hatte, sebridb' mir, sie sende mk zum Abschied etwas Heiliges.*urod biiüte mich, es milt mir zu nehmen dui die Fahrtim die unheiligeii Länder deir Zerstreuumg. Schwer ivog das Päckchen im meiner Haintd utnd es vnsx in ihm ein Säckchen Erde aus der Erde des OeClberges, d^r wie einj Löwe vioff Jerusalem liegt. Die Hast meines Aufbruches, die Ünnsichei-beiit. eAnor unbekanuiten Zu'kutinft, der ich entgegen trieben - wunde uind die Feierlichkeit der Stunde ließen michdieses Gescbemik, das ich zu meimeri wenigen Besitztümern' iin meine Kiste gelegt hatte, vergessen-. Es stieg Eritnihei-’U-rtg daran erst wieder in mich, äls ich am mein-em ‘Be- Stimmumgisort, eine widerliche Stadt, ganz ohne Sonm-e, ohne Palmen ümd ohne Heiligkeit, amgelkommen, weiheii Herzens die Kiste öffnete. Schwer wog dieses kleine Säckchen Erde in meiner Hamd, und afs ich es vor mir hinlegte, unschlüssig, wo ich es am sicherstem venvahren könnte, schien es mi)r, als "würden leise Schwinigumgen aus diesem Hnusfoheni Erde an\£ mich kommen, die mich in ein Dämmernd versenkten, dtvs jenseits der Grenzen des wachen Bewußtseins ist. Das Säckchen war rerschlosnen. leih wollte es. Jac. Mayer 11 Ya&i©rssraß©44 rhb Fernruf 41-6-34 ISroBe S^erlgasse Nr. LA Fernruf 46-6-21 bhbb ^Eocks^sasse Nr. 24 m»«» Eigene Werkstätten ztzc kür & Kleider und Pelze

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