Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 1044 (25.12.1921)
- Date
- 1921-12-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2979773-2980123--09754-2996037- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 4 Wien, Sonntag Jugoslawien. Das neue Kabinett, Belgrad, 24. Dezember. (P;eßbureau Belgrad.) Das neue Kabinett setzt sicj» folgendermaßen zusammen : Nikola Basic —- Präsidium und Aeußeres; Pr. Lazar Markovi c — Justiz; Marko Trifk o v i c — Gesetzausgleich; Andra S t a n i c. — Verkehr; Zarko Miladinovic -«■ Post; Veljo Vukicevic — Bauten; Voja M a r i n k o v i fein eres; Dr. Kosta Kumanovic — Finanzen; Svetozar Pribicevic — Kultus; Dr. Gregor Z e r | a c — soziale Fürsorge; Ztka R a f a e \ o v: i c — Wald- und Hüttenwerke; Kristo M i 1 e t i c — Agrarreform; General Milivoj Z a d e.v i c — Krieg; Dr. Mehmed Spa ho — Handel; Dr, Hamidija Karahmedovic — Medizin; Ivan P u c e l — Landwirtschaft Belgrad, 24. Dezember. Das Programm der fieuen Regierung umfaßt die Verabschiedung des Budgets, die Schaffung des neuen Wahlgesetzes, des Gesetzes über die Ministerverantwortlichkeit, des Gesetzes über die Hauptkontrolle und des Beamtengesetzes. Die zionistische Jahresköftferenz. Die Jahreskonferenz der Zionisten Jugoslawiens ist für den 25. und 26. d. Ai nach Sarajevo einberufen worden, womit ein langgehegter und oft geäußerter Wunsch > er Sarajevoer Juden in Erfüllung geht Dieser Konferenz kommt eine weitragende Bedeutung zu, denn große und wichtige Arbeit ist für die nächste Zeit zu leisten. Die zionistischen Delegierten aus dem S. H. S.-Staate werden sich in einem Milieu versammelt finden, welches nur geeignet sein kann, die Schaffenslust und Opferwilligkeit zu steigern. Delegierte und Gäste werden bei der großen Mehrheit der Juden von Sarajevo, Sephardim und Aschkenasim, einen warmen Empfang finden. Auch die nichtjüdischen offiziellen Und nichtoffiziellen Kreise stehen der zionistischen Sache wohlwollend gegenüber. Der Zionismus hat schon in seinen Anfängen in Bosnien einen aufnahmsfähigen Boden vorgefunden. Bosnien hatte das erste Parlament, in das die Juden auf Grund der Wahlordnung einen Juden als ihren Vertreter wählen konnten, Dr. Viktor A 1 k a l a y, und der Oberrabbiner Doktor M Levi hatte als Virilist Sitz und Stimme im Landtag. Es war eine jüdische Gemeinde in Bosnien, welche offiziell als solche einen Vertreter zur Jahreskonferenz delegieren konnte. Die zionistische Organisation im S. H. S.-Staate sät wohl nicht genügend ausgebaut, aber immerhin eine der rührigsten in der Gesamtbewegung* und ihre erzielten Erfolge sowohl bezüglich des Keren Kajemeth als auch des Keren Hajessod stehen im Verhärmte zu den Leistungen der anderen Organisationen an hervorragender Stelle. Ein Schmerzenskind der Bewegung bildet die Vojvodina, die viele und darunter sehr vermögende Juden besitzt, die jedoch noch nicht in entsprechender Weise erfaßt werden konnten. Die Vojvodina bildet im S. H. S.-Staat einen eigenen Distrikt mit einer gewissen Selbständigkeit, die man WIENER MORGENZEITUNÖ WIENER MORGENZEITUNÖ ORENDI I. Rothenturmstrasse 20. das grösste Teppich - Lager Wiens. ihr gewährte, von der Voraussetzung ausgehend, daß die Verhältnisse in. dieser Provi z eine besondere Berücksichtigung verdienen. Die erwarteten Folgen der zionistischen Arbeit haben sich hier jedoch bisher nicht eingestellt und es wird noch etliche Zeit brauchen, bis die nötige Umorientierung vollzogen sein wird, Zum ersten Male wird Sarajevo Juden aus den entlegensten Teilen des Staates in seinen Mauern vereinigt sehen, die alle erfüllt sind von dem Wunsche, an der größeren Zukunft ihres Volkes mitzuarbeiten, und die Konferenz in Sarajevo wird sicherlich geeignet sein, die weitere zionistische Arbeit im Staate zu befruchten, , __.__ J. b. M, Polen. Aufnahme des Handelsverkehrs mit Rußland. Krakau, 23. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung“.) Wie. der „Goniec Krakowski“ aus gut informierten Kreisen des Warschauer Handelsministeriums erfährt, wird bereits anfangs Jänner der normale polnisch -russische Handelsverkehr aufgenommen. In den Warschauer Handelskreisen sind schon umfangreiche Vorbereitungen getroffen und große Warenladungen in die Nähe der Ostgrenzen abgeschoben worden, Nachklänge zum Lemberger November- Pogrom. Lembergs 21. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgen* zeitung.“) Vor einigen Tagen fand vor dem hiesigen Geschwornengericht eine Verhandlung gegen den Teil* nehmet am November-Pogrom, S.trzygiel, statt. Eine größere Anzahl von Augenzeugen bestätigte die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen wegen Raubes und Plünderungen während des Pogroms, Die Geschworenen verneinten die Schuldfrage mit sieben gegen fünf Stimmen, _ 25. Dezember 1921 _Nr. 1044 worauf strzyglel frgigesprpcben wurdg, Obzwar der Staatsanwalt gegen den Freispruch die Berufung an» meldete und sich gegen die sofortige Enthaftung Strzygiels aussprach, ordnete der Gerichtshof dessen Frei» 1 a s s w p g an, . ' . Ungarn. „Soziale Versöhnung". Budapest, 24. Dezember. (Utig. Tel.-Korr.-Bur.) Eine Regierungsverordnung hebt das bisher bestandene Verbot der Abhaltung politischer Volksversammlungen auf. Es wird jedoch bezüglich der politischen Versammlungen die Polizeiaufsicht und die durch die Polizei zu erteilende Genehmigung weiter aufrecht* erhalten. Minister des Innern Graf Klebel.sberg er* klärte, daß die Regierung den stufenweisen Abbau der auf Grund der außerordentlichen Vollmachten erlassenen Verfügungen in Angriff genommen habe. Unter anderem befinden sich das Gesetz, betreffend die Gewerkschaften, das Arbeiterversicherungsgesetz und andere, die sozialeVersöhnung bezweckende Vorlagen in Vorbereitung. Wie das Organ der Sozialdemokraten „Nepszava* mitteilt, hat Justizminister Tomcsaityi erklärt, daß nicht alle Emigranten von der Amnestie ausgeschlossen sind. Die Verordnung biete auch eine Handhabe dafür, daß auch Emigranten begnadigt werden können. Unter ihnen können sich Personen befinden, die nur aus Furcht das Land verlassen haben,und sich während ihres Aufenthaltes im Auslän e nichts gegen die Gesetze und gegen die Interessen des Landes zuschulden kommen ließen. Diese mögen ruhig zurückkehren. Zusammenschluß der Legitimlsfen. Budapest, 24. Dezember. In jüngster Zeit spricht man in politischen Kreisen viel von einer bevorstehenden Umgruppierung der politischen Parteien. Line beim Grafen A ndrassy abgehaltene vertrauliche Besprechung, an der verschiedene legitimistisch gesinn e Mitglieder der Christlichnationalen Partei sowie Graf Apponyi und der Abgeordnete Friedrich teilnahmen, gab zu Gerüchten Anlaß, daß die Gründung einer ausgesprochenen Legitimistenpartei unter Führung der Grafen Apponyi bevorstehe. der sich ein Teil der christlichnationalen Partei anschließen würde, während das Gros der Partei unter Führung des gewesenen Ministerpräsidenten Kuszär auch weiter den Grafen BeUtlen unterstützen würde. ___, Rumänien. Allgemeines Wahlrecht. Bukarest, 24. Dezember. MinisterpräsigentTake J 0 n e 5 c u entwickelte gegenüber Vertretern der Presse die Pläne, die die Regierung dem Parlament bei seiner WiedererÖnnung vortegeft werde. Das Programm zieht eine Vereinheitlichung des Wahlsystems für Größrumänicn, entsprechend den von der Konstituante in Jassy im Jahre 1917 aufge- Wd£S£,i. STOFFEN S€on3u8?i’©sft2l®s in (SyaGitlät und Preisen! 1- 1050 l L.Adtsraasss 5 und versenke Ich mich im dcus Einst diese? Raumes, welche Fülle von Empfindungen ruft es wach. In eitler finsteren Zeit wurde hier gebetet, gelehrt! Not nid Klagen, jauchzen und Weinem, hier Vereinigten slö Sloli, mit heißer Iw bremst anrufend unseren Gott, den Ein« Ligen, Ewigen. Wie Ist das heute amrdiers! Die Mdnoyhs« und der Geist, die hier gewaltet, sind verschwunden, die, Bücher im den Regalen sind verstaubt, kean Mensch greift nach ihnen, verlassen ste'hen sie da, stolz -ilhre siegreiche Kraft in Sich schließend.. Eitl unbeschreiblich wehmürt/iger Ton beherrscht den Ramm. Stille 'i'st’s3 Nur das Plaokem des Lämpchens bricht diese Rühe.-^ Da sitz ich mm mit meinem Witz und saige mir:' Wenn du d'as so malen könntest. Nun, ich ttTs! Froh ist’s begonnen, und wenn meine Zeit und Kraft aüsreicht, bring ich vielleicht etwas von dem nadi Wien, was mir als mail-erische Darstellung aus dem jüdischen Leben vonschwefot.,, ' Jablonow, den so. J uli 1897, ’ Hochgeehrter Herr Doktor und Freund! ...Auch ich bin nicht am besten daran. Ich bim feilt meinem Bilde ziemlich weit, und würde schon weiter sern, wenn nicht jedem Tag ein anderes Hindernis zu überwinden wäre. Frühmorgens bin ich schoti am meinem Posten und warte, bis der letzte Andächtige. Heb aus dem Tempel entfernt. So kann ich, wenn ich' vom Glück begünstigt bin, was selten genug der Fall ist, schon um 8 Uhr beginnen. Dann «arbeite ich bis 6 Uhr und o-ft länger, und bin vom der Anbellt und der Hitze, die an heißen Tagen m diesem Holztcmpel herrscht, so erschöpft, daß teh nicht imstande bin, eine Andere Arbeit vorz-ttnehmen. Vorderhand beschäftigt; mich mein Bild ausschließlich. Es ist in der Größe, meiner letzten Studie . gehalten und stellt einen Schemoneßre-P.etendein ln einer höchst originellen Umgebung dnrr. Das Bild’ verspricht sehr-imtercissamt zu werden, und ist mir bis jetzt, so wert i>oh es im-; stände bin, zu beurteilen, alles gelungen. Doch Ich glaube gewiß, daß ich meine Trümpfe erst später auaspiolem werde und daß ich erst die weitaus wvteressaroteren Studien an«s Gwozdz'ec nach Wien bringen werde. Ich war an einem der letzten Sanii-tage abermals diort und habe mit frechen Augen diesen Tempel mochfimils besehen. Ich hebe, nachdem Ich n.um den. Tempel in Jablonow genau kenne, einen so gewaltigen Eirudlruck von dem Gwozdziccer Tempel empfangen, daß ich nicht zweifle, daß die Studien aans' diesem Baue das höchste intere’se erregen werden. Jedes Stückchen in diesem BäuiWerk tet originell merkwürdig pharoJk- UfiM'.söh tVixh WaSdie Hfyt:»p!#:*a.Ch6, höchst malerisch, loh bin in Jablonow r.n-r durch ein Stück, daß i-öh ebe.1 jetzt Male, zurückgehcitcn worden, sonst wäre ich von allem A-nfcr.ig hach.' Gwo-zd*lec» Daß ich meinen EintscbüuÖ,.gleich von Anfang im Gwozdiziec zu bleiben, nleiht aiusfit-hrtc, hart leider schon eine unangenehme Folge. . Als Ich das erstemal von Gyvozdziec nach Kölomea 'kann und Prozessor K., dem ich empfohlen. War, äwfstvöhte und ihm — in seiner Gesellschaft war aaiöh sin Supplent — meine fffetheft Eindirücke erzählte umd' mein Entzücken über die Entdeckung des Tempete ifn iGWozdiiec mitteilte, fette ich freXioh keine Ahtuumg, welche Folge dies haben kömmte. N^aoh einigen Tagen srfufe,!eh, feß »n sam-dUchsn -polnischen 2eituiivgert mein^Nahie genämihit, der Zwodk meiner Reise» und wörtlich ailles, waö’i^'über dfe Gefabene geäußert. Als’ ich das letztemal M Gwözdziec war, hörte ich, daß eim Maler namens-A. sich ■ im Tempel zu schaffen mache. Gewiß ist* daß dieser Mhler, der Aus Lemberg' ist. dort die Notiz ind««i Zeitungen gelegen umd sich flugs daran gemacht hart, den Tempel ln Gwozdiziec aufzu'Suchon. Nun weiß iah nicht, wie ich daran bin, w;»nd A> doch malen oder nicht? Das letztere wäre rn:r s-rhr ’ unam,genehm, und ich wünsche, wenn das der Full ist, . ich leibte im Mi-ttelaltei uind mem Name wäre Gell Im, dann könnte ich m iirw emc gs t ensL u ft m ach ein 1 ' In ei-ner meiner nächsten Briefe werde ich Sie über meine Eindrücke und über meine weiterem Unternehmungen unterrichten. Jablonow tun Pmth, xi. August 1897. Hochgeehrter Herr Dotktor und Freund! Seitdem Sie die letzte Nachricht von mir erhielten, bat meine Arbeit große Fortschritte getan. Ich hin mit meinem B‘lde beinahe fertig. Ich kömmte sagen fertig, wenn nicht die ewige' Qual und die Sucht nmch höherer Vollendung dies verhindern würde. So gehrt es bei . jedem Bilde! Noch einige Tage der Feile! So weiß zum Schluß der Teufvl, wie man daran ist: faktisch, ich weiß es nicht! Ich habe mich redlich bemüht und mein Bestes getan- und doch sitzt der Sichel der Unzufriedenheit i.n der Bmrst. Doch nächster Tage muß und werde ich fertig sein, mul die Stunde der Fr'Ösung sch’ägt. und ich kann Jablonow endlich verlassen. — ' Doch ich sollte nicht 11 ndan/kiba-r sein! Habe ich auch hier alles entbehrt,. Was drn Aufc-nohält in einem solchen Neste ermüg'.i'ck't, so habe ich mich an Etivd/ückem bereichert, die mich lc-'.cht vergessen lassen, daß gute Luft und D-rt-ck allem nicht genügen, um 'künstlerisch 'produzieren ztr köhi.l'ön. Ich habe hier Bilder gesehen! Einen Rabbi Äir-k Rcisciii! Tischcbow! Ewig werden die- Bilde* dLS Tiischöbows in mir leben! .Wenn iioh gehörig wuagerüsrtet wäre üiivd ich mich ordentlich verp-rovia,!,!tersn körnnrte, ich. bliebe trotz a'l'led-erp da uimd überwin terte, , um ein Bltd ahis diesfem L eben zu. malen, Kein Künstler hat ein solches-Bild meimets Wissens Ift der Bo-hii, Tn welcher ich ^ah es, da*rgos»teilI>t,(ke:m:Sch-rift^te 11 er cs gesöhiMert^und die von Kompert mn.d Fransos a.nge'faiigt*n, was sie geseih rieb ein, war sin Geschreibsel! ZuolcärwaSSor l Ich hatte Gelegenheit, einen - SahlKira-bend in GesöllschaR eines reisendem Rebbfts zu verbringen. Da ga-Ves .Bilder! Sie wissen.doch, wais cim reisender Rebbe ist? Da« ist ein Mr»mn, der soundsoviel berwh.mt* ■ Votf|jh'rßn hmt,, der mit einer naivem ►aber schircoldicheßi; viel talmudlschcmNWissen^ großer wii^kiMoher Fröhtmigkeirt sin Anwesenheit vcin Zuhörern schauspielerisch) - uT.-d ' mit einer großpn, offenen Hand t nohmendj aut-gesta'ttct ist. Da« is»t ein retisemder Rcbbe! : Das gilbt es viel! Momentan ist drr Rebbe von YVtschnik der Größte, - dann kommit der von Kossow usw. loh ich hatte die Ehre, mit dem Rebbe von Nadwowua dem Sah'batyorabemd verbringen zu dürfen. Und wie wurde ich a'iisgbzeiohnert! Ich durfte aus seiner höchst elgem-öti ljätid;>Lockschen mit Jamchc entgegetimehmon, umd mußte auf seine Frage 2>wer ist der Jiidc redlloh Antwort st'eh'en. Der wackere Rebbe! Ob er wohl ene Ahnung hatte, welche Dienste er mir leistete. , Doch daigu gehören zethm Jahre und zv/ajnzlg Arme, hm all das, vm ich-,sah, wiedeirzugebcn. Iah gebe die umzuJämgliici|€ Sphiliderumg dieser Eindrücke auf, viel leicht sagt irgendein sinäteres Bild mehr über meine Emipfim- . dimgeb und Eindrücke, als ich sie schreibend wiederzuigeben vermag. In acht Tagen bin ich wieder im Jablonow. Ich fahre stracks nach Gwözdziec, obwohl meine Frau dringend mahnte» annszuruhen und sie und meine Verwandten zu besuchen. Ich bedürfte wirklich c1ier Rnihe. loh bin müde umd abgearbeitet, doen hoffe ich, daß m:ch Gwözdziec neu beleben wird, und daß ich nach getaner Arbeit mit mehr GouuU mich der Ruhe himgeben kann .. <